rn Nr. 106. L*# —.......... - - » D-mrerStag beit 10. September LmUsBMKr ?um Gießener Anzeiger (General-An;eiger) Roman von E. v. Linden. Ziehen. ama, der Aber das reute geh' len!" - habe kein »Uten Sie islin, daß : auf die 1 einzelnen eiten und rotz boten; Continent gelöst ist. ht an den für eine so zahl- ht für die rnmer auf i befinden. bel, kann keldwebel: so schick' hreckenben )len mag, fe Felsen, gewaltige rn." Die gefährlich, Nachdem schwanden ;e Massen uug einen Walfisch, decker von te, ferner Lieutenant lichzeitigen ein neuer »r James bgesandten ers John „Erebus" । zu über» nach ihm er außer torialand, aufstiegen, i brennen« „Terror" Ionen de« deutschen (späteren 75, welche ,t werden Schiffe alr -üd-Shei' Vulcanen (Fortsetzung.) m »Da bin ich also, vlä boy," begann er im echten Yankee-Englisch, „Ihr seht, daß ich mich sehr gut orientirt habe, wie?" „Dar seh' ich," erwiderte Hans Justus streng, „wollte beim Himmel, Ihr wäre^. so wie Ihr da vor mir steht, mit den Händen in den Taschen, drüben geblieben." „Hätte Euch besser gepaßt, versteht stch," grinste Catton, indem er Miene machte, sich auf die vor der Thür stehende Bank niederzulassen. Er spuckte dabei ungenirt aus und schob sich ein Ende Kautabak zwischen die gelben Zähne. „Goddam, vergeßt Ihr, daß Ihr hier mein Diener seid?" zischte Hans Justus ihn an, „daß ich der wirkliche Neffe und Erbe eines reichen Gentlemans, eines Barons bin? — Bleibt ehrerbietig vor mir, Eurem Herrn und Gebieter stehen, oder — mein Onkel hat Polizeigewalt in seinem Revier, ein Wort von mir, und Ihr fliegt ins Loch, mein braver Joe!" Er warf sich bei diesen Worten auf die Bank, während Joe einen leisen Pfiff ausstieß und stch breitschulterig vor ihm aufpflanzte. „Bin Euer gehorsamer Diener, Sir!" begann er spöttisch, «und erwarte Eure Befehle." „Zuerst müßt Ihr Eure Garderobe verbessern, ich werde Euch das nöthige Geld dazu geben. — Getraut Ihr Euch nach der Bahnstation zu finden?" „Kleinigkeit, fragt nicht so dumm, Siri" „Verdammt sollt Ihr sein, wenn Ihr Eure Worte nicht besser wählt," rief Hans Justus zornig, „hier versteht man kein Englisch, aber in meinen Kreisen ist das anders, Joe Catton I — Bedenkt, wenn ich Euch sollen lasse." „Ja, wenn, - Ihr thut's aber nicht, John Alting, weil Ihr mich zu fürchten habt." „Merkt Euch, daß John nicht mein Name ist, daß ich Ba° on Hans Justus heiße, und daß nur die old boys mich drüven so nannten." Station?* mte E'ken, Sir! — Was soll ich auf der „Ihr fahrt nach dem nächsten kleinen Ort, wo fertige Kleidungsstücke zu haben find und kaust Euch einen Anzug, wie ihn die Jäger hier tragen." „All right, Sir, bleib' ich denn im Walde? Der Alte scheint kein Gefallen an mir zu finden." „Glaub' ich schon, er war bei meinem Onkel, der nach Tisch hinaus will. Hier, Joe, habt Ihr Geld, haltet Euch nüchtern, sonst stehe ich für nichts. Und dann, wenn ich über kurz oder lang meinen Onkel beerbe — ich seh' garnicht ein, warum ich darauf lange warten sollte —" „Seh' ich auch nicht ei«, Sir, ein alter Mann steht immer mit einem Fuß im Grabe," meinte Joe. „Nun also, Ihr seht wohl ein, daß Ihr mir hier durch Eure Yankee«Manieren und ekelhafte Vertraulichkeit keine Steine in den Weg werfen dürft, mein Onkel versteht darin keinen Spaß und würde uns beide mit einem Bettelbrocken über den großen Bach zurückschicken." „Na, ein Gentleman brauche ich ja nicht zu sein, Sir, seid also unbesorgt, will meine Sache schon machen. Denke mir, daß ich Eurem Onkel heut' nicht in den Weg laufen soll?" „Nein, ich will für ein anderes Quartier sorgen." Hans Justus zog seine Brieftasche hervor, riß ein Blatt heraus und schrieb eine Adresse darauf. Dann nahm er au« derselben einen deutschen Geldschein und händigte beides dem grinsenden Joe Catton ein. „Ihr werdet Euch leicht bei der Rückkehr, wenn Ihr anständige Kleidung habt, auf der Station nach dieser Adresse erkundigen und orientiren können." Joe las: „Mr. Melwig, Lindeuhagsn." „Ich soll dort gleich nach meiner Rückkehr hingehen?" fragte er erstaunt, „wird der Gentlemansmich denn aufnehmen?" „Dafür werde ich schon sorgen, vorwärts, Ihr habt eine tüchtige Strecke zur Station, Joe, schont Eure Beine nicht und schwatzt unterwegs kein überflüssige« Wort, vor Allem aber, old boy, bleibt nüchtern." Joe Catton knurrte einen Fluch vor sich hin, zog mit spöttischer Unterwürfigkeit seinen alten zerknitterten Filzhut, dessen Farbe nicht mehr zu erkennen war, beinahe bi» zur Erde herab und entfernte sich eiligst. W 422 Hans Joachim blieb noch eine Weile fitzen, warf einen Blick auf die vom Onkel geschenkte kostbare goldene Uhr und erhob sich, um nach seinem Pferde zu sehen, das der Fischerknecht unterdessen, voll Mitleid mit der armen gemißhandelten Creatur, sorgfältig gepflegt und behandelt, ja, sogar mit einer wollenen Decke vor der kühleren Seelust geschützt hatte. „Ein schönes Pferd," meinte der Knecht, als Hans Justus ihm ein Trinkgeld gereicht und fich in den Sattel geschwungen hatte. „Der gnä' Herr muß man nich die Spörens so viel brauchen, denn so ’ne Creatur is klug wie’n Mensch un kann’s einem heimzahlen. Die Flanken find ganz aufgerissen." „Halts Maul!" schnob Han» Justus ihn an und der mitleidige Knecht sah mit Entsetzen, wie er dem armen Thiere die Spuren einbohrte und ihm die Peitsche gab, daß er wie ein Pfeil dahinflog. In diesem Augenblick trat der Fischer, ein großer hagerer Mann mit flachsblondem Haar und hellblauen Augen aus dem Hause. Der Knecht deutete in die Ferne, wo der Reiter soeben um eine Biegung verschwand. „Gottlos un Dank, dat se beide wegsünd, Claas," sagte der Fischer Jens Jensen, „dat «öör mi en nette Dagdriewer, de fick de junge Herr von Amerika hett kamen laaten, Gott fall mi bewahren, awers denn Keerl true ick nicks Gudes toe. — Meenst Du nich ook, Claas!" „Wie mööt unse Dogen aaben hooln, Fischer l" erwiderte der Knecht nachdenklich, „na, ick will man ock Pascha werrer herröver haln, op de junge Köter is feen Berlaat, bat tombige (dummes) Deert hett nich mol bellt, ar de junge Herr an- sunst keem. Fischer, he haar bloots bat atme Peerd sehen soll, een blöbige Wunn von de Sporen, ett iS warraftigen Himmel en Schan- Un watt meen he, Fischer? — As ick em segg, bat be atme Creatur am letzten Enn ock obpbgeern (zornig werden) un et em toregtalen turnt, dor snautzt he mi an und spoornt eers recht dorop los. Ick kann denn ölen Rittmeister nich begripen." „Ich ock nich, Claas, wenn fe mi man nich werter kamen —" „Ra, Gott tröst denn Dragdriewer mit be polsche Spraak, wenn he mi unner de Füste kommt, denn soll he en Sles- roiger Fischer kennen leern." 7. Capitel. Zn Schanden geritten. Hans Justus hatte dem gemißhandelten Fuchs endlich Ruhe gegönnt und war noch rechtzeitig zu Tisch nach Ating- hof zurückgekehrt. Er übergab fein Pferd dem Stallknecht mit der Anweisung, es sorgsam zu behandeln. „Der Gaul bockte unterwegs", warf er nachlässtg hin, „ich mußte ihn mit Sporen und Peitsche tractiren, um ihn zur Raison zu bringen." Als er aus der Hörweite war, rief der Knecht, zornig die Hand ballend, den Kutscher herbei, um ihm das arme gemißhandelte Thier zu zeigen. „Wir rnüffen’s dem Herrn Rittmeister sagen," meinte dieser, „sonst kommt'» auf Deine Kappe) Peter!" „Ick wull, de Amerikaner seet op’n Blocksberg," knurrte der Knecht, „wenn he hier mol regeeren fall, denn blies ick nich. — Dat's en Thier- un Minschenquäler." Der Kutscher nickte sorgenvoll, er war verheirathet und Vater von drei Kindern. Mit solchem Block am Bein mußte er wohl Gott danken, wenn der künftige Herr von Altinghof ihn behielt. Bei Tisch ging es sehr einstlbig her, Baron Justus wandte stch nur an Ellen, während sein Reffe schweigend fein Mahl vollendete und da» selbstgebraute Bier des Onkel- verächtlich von fich schob. „Ich werde sofort nach dem Kaffee in den Wald reiten," sagte letzterer, „Du wirst mich begleiten, Hans Justus „Wenn Du's erlaubst, bleib ich zu Haufe, Onkel," ver- setzte der junge Mann, „ich habe den Fuchs etwas stark strapazirt und fürchte, daß ein zweiter Ritt ihm heute schade, könnte." „Dann mußt Du ihn allerdings über die Gebühr angestrengt haben," sprach der Baron finster. „Der Fuchs kann viel vertragen, zum thietquälerischen Spott aber ist er zu werthvoll und zu schade." Et erhob fich unb nickte Ellen zu unb ging in sein Zimmer, um hier sofort seinen Kaffee zu trinken und bann im Reit-Anzug mit einer leichten Gerte unterrn Arm zurückzu- kehren. Hans Justus hatte stch bereits mit einer kurzen Verbeugung gegen Ellen entfernt, unb war in fein Thurm- zimmer gegangen. „Darf ich mitreiten, Vater?" fragte da» junge Mädchen, den alten Herrn bittend anblickend. „Hm, mein Kind, es wäre mir lieber, wenn Du hier bliebest unb nach dem Rechten sähest," erwiderte der Baron nachdenklich. „Ich darf’s Dir leider nicht verhehlen, liebe Ellen, daß mein Reffe mir kein Vertrauen einflößt und daß er auf die Länge fich wohl selber nach Amerika zurücksehnen wird." „Aber deshalb brauche ich doch jetzt nicht daheim zu bleibe», um ihm Gesellschaft zu leisten." „Natürlich nicht deshalb, mein Töchterchen," versetzte der Baron mit einem schwachen Lächeln, „ich meine nur, daß unsere Leute es Dir danken würden. Wie ich bemerkt habe, fürchten sie sich vor ihm, er scheint die dienende Klaffe für Sclaven zu halten." „Mein liebe», liebe» Väterchen, ich fürchte mich auch vor ihm," flüsterte Ellen, fich bang an ihn schmiegend. Baron Justn« legte seinen Arm um sie. „Hat er Dir Ursache zur Furcht gegeben, Ellen?" fragte er unruhig. „Nun, er hat fich Anfang» in auffälliger Weise um meine Gunst beworben," erwiderte das junge Mädchen mit einem tiefen Athemzug, „und meinte einmal, al» ich ihn artig, aber fest zurückwies, daß e» nur in meinem eigenen Interesse liegen müsse, den Erben von Altinghof zu heirathen. Ich solle mich hüten, ihm feindlich entgegenzutreten, weil ich, als Eindringling, den Kürzeren ziehen und von ihm keine Gnade zu erwarten haben würde." „Warum hast Du mir das nicht früher mitgetheilt, mein Kind?" fragte der alte Herr erregt. „Ich wollte Dich nicht nutzlos betrüben und aufregen, lieber Vater, und legte seinen Drohungen keine Wichtigkeit bei. Auch fürchtete ich —" „Was fürchtetest Du?" fragte der Baron, also fie stockte. „Vergieb mir, ich fürchtete, daß der Gedanke einer solchen Heirath von Dir ausgegangen sei." „Nun, er lag ja nahe genug, — und ich gestehe, daß er mir zuerst auch wirklich gekommen ist. — Dann aber, als ich Hans Justus etwa» näher kennen lernte, da wars ich diesen Gedanken weit — weit von mir. Nein, meine Ellen, Du bist zu gut für meinen Neffen, unb mir zu lieb unb zu theuer, um Dich dem unabsehbaren Elend einer solchen Ehe preiszugeben. Nicht wahr, Du möchtest diesen Erben von Altinghof nicht heirathen?" „Nicht um alle Schätze der Welt, Vater," erwiderte fie zufammenschaudernd. „O, wie kann man Deiner schönen, seligen Mutter so ähneln und dabei einen solchen tückischen Blick haben?" „Er steht meinem Bruder gleich, welcher der Mutter Ebenbild war," versetzte Baron Justus seufzend, „woher er den bösen Blick aber hat, weiß ich nicht, da meine Schwägerin schöne graue Augen besaß. Seltsamerweise scheinen seine Augen ganz schwarz zu fein, während feines Vaters Augen von einem lichten Braun waren. Nun gleichviel, er ist sein Sohn, das muß mir einstweilen genügen, unzweifelhaft ein echter Atting. Deine Mittheilung wird jedoch ihre Früchte tragens, mein Kind, Du sollst fie mir nicht umsonst gemacht haben. — Und nun wirf Dein Reitkleid über, ich will unter* deß Deinen Schimmel sattel» lassen." 423 Ellen küßte ihn mit einem Ausruf der Freude, und eilte auf ihr Zimmer, während der Baron sich nach dem Pferdestall begab. Nachdem er hier den Befehl zum Satteln gegeben hatte, trat er sofort zu dem Fuchs, der mit gesenktem Kopf, ohne zu fressen, vor der gefüllten Krippe stand. „Ich hörte von dem jungen Herrn, daß er das Thier etwas stark strapazirt habe," wandte er sich an den Stallknecht, „hast Du es ordentlich behandelt, P-ter?" „Wie fich's all' gehört, Herr Rittmeister!" versetzte der Knecht, „gerieben und die blutigen Stellen mit Schnaps gewaschen und Alles, was stch gehört. Wenn fo'n unmenschlich rares Pferd abers fodennig zugericht worren is, — dann i« das mit ihm Matthäi am letzten, denn fressen thut er »ich und ich hab' Johann man nach Bendixen geschickt." „Zum Thierarzt, das war recht, Peter!" Der Baron untersuchte nach dieser Anerkennung das zitternde Pferd und konnte einen lauten Ausruf heftiger Empörung nicht unterdrücken. In diesem Augenblick brach das schöne Thier, wie ein Mensch aufstöhnend, zusammen und streckte alle Viere von sich, es zitterte am ganzen Körper und die Lungen arbeiteten so furchtbar, daß Baron Justus sich erschüttert abwenden mußte. Zugleich mit dem Thierarzt betrat Ellen, die bereits eine Zeitlang auf der Freitreppe gewartet hatte, den Stall, bei dem Anbick der gequälten Creatur entsetzt zurückprallend. „Geh' lieber hinaus, mein Kind," bat der Baron, an ihre Seite tretend, während der Thierarzt das Pferd untersuchte, und sich dann schweigend und achselzuckend erhob. „Es geht zu Ende, nicht wahr?" fragte der Schloßherr. „Ja, Herr Baron," versetzte der Thierarzt, „der Fuchs ist nicht mehr zu retten, schade um das herrliche Thier. Wer hat's denn zu Schanden geritten?" Baron Justus antwortete nicht und tiefes Schweigen trat ein, bis da» Pferd tobt war. Dann verließ der alte Herr mit Ellen den Stall. „Ich hätte wohl Lust, ihn zu holen, um sein Werk sich selber anzuschauen," sprach er draußen tief aufathmend, „aber was hätte ich davon? — Nur eine persönliche Niederlage." Er ließ die gesattelten Pferde vorsühren und sprengte nach wenigen Minuten mit Ellen vom Schloßhofe. Hans Justus blickte ihnen aus dem offenen Fenster seines Thurmzimmers nach, bis sie bei einer Biegung des Weges seinen Augen entschwanden. Ja, dieser Blick war grausam tückisch, er entschleierte die geheimsten Tiefen seiner von Haß, Neid und Rache erfüllten Brust. Man sah e« in jedem Zug seines entstellten Gesichts, daß er vor keinem Mittel zurückbeben würde, um jene beiden Menschen, die er für die Räuber seines väterlichen Erbes hielt, erbarmungslos zu vernichten, falls es in strafloser Weise ausgeführt werden konnte. Hier lag der Angelpunkt, um den sich seine Pläne, alle seine Gedanken drehten. Wenn der Onkel tobt war, mußte man ihn, den nächsten Verwandten, als Erben anerkennen, darüber konnte doch gar kein Zweifel walten, fall» nicht bereits ein Testament des Besitzers von Altinghof existirte. Wer konnte ihm hierüber Auskunft geben? Hans Justus schritt ruhelos auf und nieder, zuweilen einige undeutliche Worte vor sich hinmurmelnd. Als er an Joe Catton dachte, den der Onkel sich draußen beim Förster in Augenschein nehmen wollte, lachte er laut auf. „Den wirst Du erst zur gelegenen Stunde wiedersehen, mein werther Sir!" rief er halblaut, „der brave Joe ist just zur rechten Zeit, wie mich dünkt, herübergekommen, — natürlich nur, um mich zu schrauben, — verdammt, daß der Bursche zuviel weiß." Er stampfte mit dem Fuße und richtete stch dann plötz- lich hoch auf. „Bah, bin ich erst Herr auf Altinghof, dann will ich auch wohl mit ihm fertig werden." Er nahm Hut und Reitpeitsche, um einen Spazierritt zu machen, da der Fuchs jetzt doch wieder hergestellt sein mußte. Als er den Pferdestall betrat, prallte er zurück, der tobte Fuchs wurde 00N mehreren Leuten bei Seite geschafft. Trotz seiner cyaisch-rohen Denkart erblaßte er doch bet diesem unerwarteten Anblick. .Zum Teufel, was habt Ihr mit meinem Gaul angestellt, Halunken?" rief er, ergrimmt die Reitpeitsche schwingend. „Wir haben unsere Schulhigkeit gethan, gnädiger Herr!" antwortete furchtlos der alte Kutscher. „Der Fuchs ist zu Schanden geritten, hat der Thierarzt gesagt, und dabei können wir nichts »ich machen, er ist erepirt, was ein Jammer is for das stolze Thier." „Halts Maul, alter Esel," schnob Han» Justus ihn an, „was versteht Ihr von Pferden? — Es ist verkehrt behandelt worden und Euer Thierarzt ist ein Dummkopf. Man muß Euch den Verstand in Eure Dickköpfe hineinprügeln," (Fortsetzung folgt.) Der Südpol?) Bon Friedrich Thieme. (Schluß.) Wenn auch die räumliche Ausdehnung der innerhalb des südlichen Polarkreises im Eismeere entdeckten Landgebiete auf 10,000 Quadratmellen geschätzt wird (eine Schätzung, deren annähernde Richtigkeit nicht einmal bewiesen ist), so lehrt doch ein Blick auf die Karte, wie unbedeutend das aufgefundene Land im Verhältniß zu den noch unerforschten Strecken ist. Um einen großen weißen Kreis ziehen sich eine Anzahl Inseln oder Küstengruppen, worunter am auffälligsten Victorialand am Roßmeer hervortritt. Seitlich von diesem erblicken wir Knox-, Sabrina-, Claris- und Adslie-Land, auf der anderen Seite Grahams-Land, die Süd-Shetland- und Süd-Orkney- Jnfeln, Süd-Georgia, die Sandwichs-Jnseln u. s. w. Weit strecken auf drei Seiten die südlichen Spitzen von Afrika, Südamerika und Australien sich herein. Mit zu den vorgeschobensten Stationen gehören Patagonien und das Feuerland, sowie die Falkland-Jnseln, letztere mit einer englischen Colonie, deren Hauptbetriebszweig Schafzucht ist. Zeigen schon die genannten Länder und Inseln einen unwirthlichen Character und die denkbar spärlichste Besiedelung (in Patagonien wohnen auf 793,000 Quadratkilometern kaum einige tausend Menschen), so bieten die den Südpol umschließenden Länder oder Inseln einen geradezu trostlosen Anblick. Eis und fast nicht» als Eis, mächtige Gletscher zeigen sich dem Auge, schroffe Eiswände ragen in dis Höhe. d'Urville fand auf seiner Reise da» Meer mit Eisinseln in solcher Menge bedeckt, daß ost zwischen ihnen kaum ein Canal übrig blieb, der breit genug war, um da» Schiff passiren zu lassen. „Ihre lothrechten Mauern," sagt er, „übertrafen unsere Masten bei weitem an Höhe; sie hinge» zuweilen über unsere» Schiffen, deren Dimenstonen im Vergleich zu jenen enormen Massen geradezu lächerlich winzig er- schienen. Da» Schauspiel, welches sich unseren Blicken bot, war ebenso großartig al» erschreckend. E» hatte den Anschein, als befände man stch in den engen Gaffe» einer Stadt von Riesen." Natürlich herrscht ewiger Winter. Jene Gegenden besitzen die niedrigste Sommertemperatur, die überhaupt bekannt ist und die von Roß für den 64. Grad auf 0,9° festgestellt wurde. Der wärmste Monat ist der Februar, der dem August der nördlichen Halbkugel entspricht; selbst in diesem fiel aber dreizehn Mal Schnee. Regen giebt es überhaupt nicht, alle Niederschläge gelangen in fester Form zur Erde. Im Winter mildert starke Feuchtigkeit die Kälte. Von Vegetation kann da natürlich keine Rede sein, höchstens kommen Moose und Flechten in der wärmeren Zeit spärlich zum Vorschein. Menschliche Bewohner existiren nicht, dagegen hat die Thierwelt ihre Repräsentanten in Thranthieren (Walfischen und Elefantenrobben), sowie Pinguinen und Seevögeln. Als Cook Reu-Georgia untersuchte, veranlaßten seine Nachrichten über den Reichthum der Gebend an Seekälbern und Walroffen zahlreiche amrikanische und englische Unternehmer, diese« — 424 — brauche hat man nur nöthig, die Bruchflächen eine» Gegen« stander mit dem wiederum schwach erwärmten resp. flüsstg ae« machten Kitt mittelst eine» kleinen Pinsel» zu bestreichen, dann fest aneinander zu drücken und circa 12 bi» 14 Stunben ruhig liegen zu lassen. • • Kttt für Messing auf Glas. Zu diesem Zweck be« reitet man eine Harzseife, hergestellt durch Kochen von einem Theil Aetznatron und drei Theilen Kolophonium in fünf Theilen Wasser unter Zusammenkneten mit der Hälfte Gypr. Dieser Kitt, welcher zum Aufkleben von Messingbuchstaben auf Schaufenster, zum Befestigen von Messtngbrennern auf die Glasgefäße der Petroleumlampen u. s. w. angewenbet werden kann, soll große Bindekraft besitzen, für Petroleum undurch, dringlich sein, die Wärme sehr gut vertragen und schon nach einer halben bi« dreiviertel Stunden erhärten. Durch Zusatz von Zinkweiß, Bleiweiß oder zerfallenem Kalk statt be« Gypser wird da« Erhärten verlangsamt. Bo« Wasser wird der Kitt nur oberflächlich angegriffen- Heitere«. «Liebe« Frauchen I wenn ich heute so lange auf dem Bureau zu arbeiten habe, daß ich nicht zum Diner kommen kann, werde ich Dir ein Btllet durch einen Dienst« mann schicken." — „Mein lieber Karl, spar' Dir da« Geld für den Dienstmann, ich hab' Dein Billet schon gelesen - e« ist vorhin au« Deiner Tasche gefallen". •' * Hinderniß. Fähnrich*A.: „Gehst Du heute Abend mit in'« Theater? Famoses neues Lustspiel; soll sehr amüsant sein!" — Fähnrich B.: „Nee, geht leider nicht — kann noch nicht mit Monocle lachen!" Gemeinnütziges» Während der Mauserzeit verlangen die Hühner gä«z besondere Pflege. Die Mauser beginnt bei den Hühnern gegen den Herbst und dauert sechs bi» acht Wochen; die alten Federn sterben hierbei ab, fallen aus und werden nach und nach durch neue ersetzt. Während dieser Zeit befinden sich die Hühner unwohl, hören auf zu legen und wühlen beständig mit dem Schnabel in den Federn. Sie sind dann sehr empfindlich gegen Nässe und Kälte und müssen daher einen warmen Stall und kräftiges Futter haben. ♦ * • Die Verstopfung bei unsere« Hausthiereu besteht in einem unterdrückten oder wenigstens verlangsamten Abgang fester, trockener, kleingeballter Kothmassen und giebt sich durch verminderte Freßlust und durch Mattigkeit kund. Sie entsteht durch das Füttern trockener Nahrungsmittel, durch zu raschen Uebergang von der Grünfütterung zur Dürrsütterung und wird durch öftere Gaben von Doppelsalz oder Bittersalz (60 Gramm), ferner durch einige Klystire, unterstützt durch Verabreichung von grünem, saftigem Futter von Knollengewächse« oder Mehltränke am besten beseitigt. • » Crystall-Porzellankitt. Man erhält diesen practisch sehr gut bewährten Kitt, indem man in kleine Theile zerschnittene wafferhelle Gelatine mit ein wenig Essigsäure über# schüttet und Beide« in einem Porzellanschälchen so lange schwach erwärmt, bi« dar Ganze eine dickflüssige, gleichmäßige, beim Erkalten wieder fest werdende klare Masse bildet. Beim GeDhieren zu Leibe zu gehen. Die Nachstellung war eine derart eifrige, daß im Verlauf von wenigen Jahren 1,200,000 Stück erlegt und die nützlichen Thiere fast ganz ausgerottet wurden. Ebenso unsicher machten die Walfischfänger in den Jahren 1821 und 1822 Süd-Shelland, auf dem Smith Massen von Seekälber» entdeckt hatte; innerhalb zwei Jahren erlegte man weit über 300,000, aber da man gewissenlos Alle» vertilgte, hier ebenfalls mit dem Erfolge fast gänzlicher Ausrottung. Wie der magnetische Nordpol, so fällt auch der magnetische Pol be» Süden« mit dem geographischen Pol nicht zusammen. Zur Zeit befindet er stch im 73° 39' südlicher Breite und 146° 15' östlicher Länge. Der Sternenhimmel der südlichen Halbkugel bietet einen ganz anderen Anblick al« derjenige be« nörblichen Himmels. Die uns so vertrauten Sternbilder be« großen unb kleinen Bären, der Kassiopeja u. s. w. fehlen, statt dessen erhebt stch über dem Haupte das glänzende Sternbild des südlichen Kreuzes, an die Stelle unseres Polarsterns tritt der 11° vom südlichen Pol entfernte Stern Beta der kleinen Wafferschlange. Wenn wir Sommer haben, ist auf der südlichen Halbkugel Winter und umgekehrt. Dem Nordlicht entspricht das ebenso wunderbare Südlicht, eine Erscheinung, deren großartigen Eindruck der vorher erwähnte Reisende John Bircoe in folgender Weise beschreibt: „Zuerst schossen die glänzenden Strahlen des Südlichtes, flammenden Säulen gleich, über unseren Köpfen empor, verwandelten sich dann plötzlich in schimmernde feine Fransen und wanden stch hierauf schlangenähnlich durch die Luft; oft schienen die Lichtbündel nur einige Ruthe« hoch über une zu glühen, jedenfalls aber gehörten ste noch der Erdatmosphäre an." Eben im Begriffe, diese Ausführungen abzuschließen, finde ich unter den neuesten Nachrichten die Mittheilung, daß kein Geringerer al» Nansen beabsichtige, eine Expedition zur Erforschung der Südpolarregion mit zwei Schiffen zu unternehmen. Dadurch bestätigt sich, was ich vorher von dem neuerwachten Interesse für die Südpolerforschung gesagt habe Allerdings konnte ich kaum ahnen, daß ein so wichtige« Er- eigniß vor der Thür stand. Hoffen wir, daß die erfreuliche Nachricht sich bestätigt und daß der wackere Forscher bei seiner neuen Unternehmung ebenso vom Glücke begünstigt sein möchte, wie bei der jüngst so herrlich vollendeten. Literarisches Der für das Jahr 1897 ist soeben im Verlage von Ernst Keils Nachfolger in Leipzig erschienen. Er ist ein interessantes und lehrreiches Volksbuch im besten Sinne des Wortes. Von denselben Principien rote die „Gartenlaube" geleitet, bietet er neben fesselnden Erzählungen unserer beliebtesten Schriftsteller ein reiches Material von belehrenden Artikeln, welche in leichtfaßlicher Form die neuesten Errungenschaften der Wissenschaft berücksichtigen. ’ Eine Reihe der Jahrgänge dieses Kalenders stellt eine stattliche und dabei billige Hausbibliothek dar, die den Nachschlagenden wohl auf keinem Gebiets im Stiche lasten dürfte und in ihren Novellen einen unversiegbaren Born für edle Unterhaltung darbietet. In dem Jahrgang 1897 finden wir neben einer ergreifenden und rührenden Geschichte von W. Heimburg eine höchst lustige Familien-Geschichte von Hans Arnold und eine Humoreske von Eva Treu voller Schalkhaftigkeit und Anmuth. Daneben eine Schilderung von Paul Lindenberg aus der Kinderstube unseres Kaiserpaares, eine Menge kleinerer und größerer Anekdoten, einige vor- trestliche Gedichte, namentlich von Rudolf v. Gottschall, und populärwissenschaftliche Artikel von Dr. Arthur Damrow, A. Hollenberg u. A. Hübsche Illustrationen von vortrefflichen Künstlern schmücken den „Gartenlaube-Kalender" auf's Beste, der auch mit vielen Rathschlägen für's practische Leben, Haus, Küche und Keller sich nützlich erweist. Der billige Preis von einer Mark erleichtert in lobenswerther Weise die Anschaffung dieses roerthvollen und auch äußerlich stattlichen Buches. 1 * * * Neue Herb st moden. Für Besuchstoiletten bereitet man vielfach Bolerojäckchen vor, der Rock wird enger, der Oberärmel mäßig geweitet oder fa;onnirt. Die Confection bietet Empiremäntel, Glockenjacken, anliegende Paletots, Pelerinen, alle' mit capriciös geschnittenen Stuatkrägen. Als besondere Saison -Specialität kommen kurze Fichu- krägen aus Fell, die auf glatten Jacken pompös wirken. Diese Neuheiten finden wir im eben erschienenen Heft 23 der , «Bitner Mode". Preis fammt „Wiener Kinder-Mode" per Heft 45 Pfg. Abonnement 2 Mk. 50 Pfg. pro Quartal. Abonnentinnen erhalten Schnitte dieser Novitäten gratis nach ihrem Maß in der „Wiener Mode", Wien, Wienstraße. Hninoriftisches. Begreiflich. Schauspieler: „Wenn ich spiele, ba vergesse ich Alles um mich her, bas Publikum verfchwinbet vollstänbig —" — Freunb: „Wer wirb bem Publikum bar verübeln?" Redaction: 1. Sch eh da. — Druck und Verlag der Brühl'fchen wüverstKw-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.