iett vor dem aller gleich Sestrebungen Läter Weise nachfolgenden kischen Land« nb, ubenrauch. ie her, Marie, „Aber gnädige schüttet I Die fen bei jeder yda) in Gießen. n I Nr. «N | . KU UntrrlMungsblatt ptm Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). Die Magdalena des Correggio. Erzählung nach actonmäßigen Quellen von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) Die Bildergallerie mit ihrer Sammlung köstlicher Werke war doch der Stolz der sächstschen Hauptstadt und mußte darum die mit beispielloser Dreistigkeit ausgeführte Entwendung gerade dieses Glanzstückes nothwendig die allerschmerzlichsten Empfindungen Hervorrufen. So ließ es sich denn recht wohl erklären, wenn eine für die damaligen Verhältnisie außerordentlich hohe Summe al« Belohnung ausgesetzt wurde- Ein Anschlag, der noch im Laufe des Tages gedruckt und während der Nacht an allen Straßenecken angeheftet worden war, gab den Bewohnern der Residenz von dem betrübenden Ereigniß Kunde und verhieß zugleich eine Prämie von nicht weniger als „Eintausend Stück Ducaten" Demjenigen, der die biet gestohlenen Bilder wiederbringen würde. Voll banger Spannung sahen die zumeist betroffenen Personen — vor Allem Graf Marcoltni und der treffliche Riedel — dem Erfolg dieser Bekanntmachung entgegen. In ganz Dresden aber sprach man selbstverständlich an diesem Tage von nichts Anderem, als von dem frechen Bilderdiebe und von der Magdalena des Correggio. Pünktlich um die verabredete Stunde war der junge Goldschmied Hermann Stelzner am Orte des Stelldicheins erschienen. Er konnte nicht fehl gehen, denn die Liebesleute trafen sich hier nicht zum ersten Mal. Ein kleines, halboffenes Bretterhäuschen, das schon auf dem Boden des Nachbarbesitzers August Klimsch stand und von diesem vor langer Zeit zur Aufbewahrung von Arbeits- geräth errichtet worden war, bezeichnete die Stelle, wo er Christine zu erwarten hatte und nicht lange brauchte er ihrer zu harren. v , Von Weitem schon sah er sie leichtfüßig auf dem schmalen Wiesenpfad daherkommen, Kopf und Oberkörper zum Schutz gegen den schneidenden Wind, der noch immer in fast unverminderter Heftigkeit tobte, mit einem großen Tuche verhüllend. Er lief ihr ein Stück entgegen und legte seinen Arm zärtlich um ihren schlanken Leib, während sie langsam Seite an Seite dem alten, hinfälligen Wetterhäuschen zuschritten. Der Sturm trieb ihnen jetzt auch ein paar große, eiskalte Regentropfen in's Gesicht und Christine sträubte sich darum nicht, als er sie aufforderte, mit ihm in den Verschlag einzutreten, der ihnen wenigstens einen nothdürftigen Schutz gegen die Unbilden de« Wetters gewährte. Davon, daß ein paar scharfe Augen hinter dem Stamm einer breitästigen Linde hervor aufmerksam nach ihnen spähten und jeden ihrer Schritte beachteten, ahnten sie nichts. Auch konnten sie es nicht wahrnehmen, wie nach kurzer Weile die Gestalt eines auffallend langen und hageren Mannes hinter dem Stamme zum Vorschein kam, um sich mit dem behutsam schleichenden Gang einer Katze dem Bretterhäuschen zu nähern. Es war ein grauköpfiger Alter in der Kleidung eines Bauern und mit einem faltigen, verwitterten Gesicht, das eher alles Andere, als eine weiche und gütige Gemüthsart zu ver- rathen schien. Der Wind und der Regen machten ihm offenbar wenig aus, denn sein Wunsch, die Unterhaltung der Beiden in dem Bretterhäuschen zu belauschen, war so lebhaft, daß er seinetwegen die Unbequemlichkeit bereitwillig auf sich nahm. Sein Ohr dicht an eine der breiten Fugen zwischen den morschen Planken drückend, blieb er unbeweglich stehen, so daß ihm nicht eine Silbe von dem drinnen geführten Gespräch entgehen konnte. Und die jungen Leute bemühten sich durchaus nicht, ihm seine Aufgabe zu erschweren. So sicher fühlten sie sich hier vor jeder Beobachtung, daß sie ihre Stimmen nicht dämpften und frei vom Herzen weg miteinander plauderten. Hermann war es, der zuerst über ein bedeutsames Ereigniß zu berichten hatte. „Weißt Du auch, Liebste, daß ich heute Mittag eine halbe Stunde und länger mit dem Wogaz gesprochen habe und daß ich wirklich nahe daran war, die günstige Gelegenheit für eine Werbung zu benutzen?" „Es wäre schlimm gewesen, wenn Du'« gethan hättest. ff — 262 Aber wie kommst Du mit meinem Oheim zusammen ? Er hat mir doch nach seiner Heimkehr gar nichts davon erzählt/ „Ich traf ihn auf der Straße, wie er mitten in einem der großen Menschenhaufen stand, die sich überall vor der Bekanntmachung über die gestohlenen Bilder sammeln. Du hast doch wohl auch schon davon gehört, Christine?" „Ja, freilich I Der Oheim hat davon gesprochen. Und er war ganz aufgeregt über die ungeheure Belohnung, die für den Wiederbringer ausgelobt sein soll- Tausend Ducaten, wie er sagte — aber so viel wird es doch wohl nicht sein." „Es hat seine Richtigkeit; diesmal wenigstens hat er nicht gelogen. „Eintausend Stück Ducaten" .steht mit großen Buchstaben in dem Anschlag zu lesen. Ja, wer sich die verdienen könnte!" y r, _ „Nun, wir Beide werden es gewiß nicht sein, die sie bekommen. — Aber wovon hast Du denn nun eigentlich mit meinem Oheim geredet?" „Von nichts Anderem, als von dem Diebstahl und zumal von der heiligen Magdalena, mit der sie es ja ganz besonders wichtig zu haben scheinen- Ich kenne bas Bild sehr wohl, denn es hatte einen silbernen, mit allerlei Steinen besetzten Rahmen und ich habe mir die Arbeit daran ost betrachtet, weil man doch überall die Gelegenheit benutzen muß, etwas in seinem Handwerk zu lernen. Daß aber auch der Wogaz ihn ganz genau kannte, hat mich doch Wunder genommen." „Mein Oheim? — Ach geh'! - Ich glaube, er war sein Lebtag nicht in der Bilder-Gallerie." „Da mußt Du Dich doch wohl täuschen, Liebste. Er wußte sogar die Zahl der Steine und er fragte mich so viel, was sie wohl werth sein könnten mitsammt dem Silber, daß ich zuletzt auf's Gerathewohl etwas sagte, nur um seiner endlich wieder ledig zu werden." „Aber was kümmert es ihn, wie viel sie werth sind I — Und -was kümmert ihn diese ganze Diebstahlsgeschichte, von der er auch zu mir ohne Unterlaß geredet hat!" Der Gedanke an die große Belohnung wirb ihm eben zu Kopf gestiegen sein wie so vielen Anderen. Er rechnet wohl gar auf einen wunderbaren Zufall, der ihm dazu verhelfen fall, sie zu verdienen." , , „Das wäre doch aber offenbare Narrheit. Ebenso gut könnte er anfangen, auf unserem Weizenacker nach Schätzen zu graben." „Nun, ein bischen närrisch ist er mir heute auch wirklich vorgekommen, Dein Oheim. So aufgeregt war er und so krauses Zeug hat er geschwatzt, daß man beinahe hätte meinen sollen, er wüßte schon, wo die gestohlenen Bilder stecken. Er hat also auch hier im Hause davon geredet?" „Ja — in Einem fort. Und dabei war er so aufgeräumt und lustig, wie ich ihn seit langem nicht gesehen. Daß ich vorhin gar einen Brief an den Kurfürsten schreiben sollte, ist doch gewiß ein sehr spaßiger Einfall gewesen." „Wie? — An den Kurfürsten — Du? — Ja, was in aller Welt solltest Du ihm denn schreiben?" „Das weiß ich nicht. Er brachte mir ein Blatt Papier nebst einer Feber und ich mußte ihm feierlich versprechen, daß ich keinem Menschen etwas von dem Briese verrathen würde. Daraus befahl er mir zu schreiben, wie er es vorsagen wollte. Aber wie ich die Ueberschrift fertig gebracht hatte „An Seine Durchlaucht den Kurfürsten!" nahm er mir das Blatt wieder fort und meinte, es fei bloß ein Spaß gewesen." „Eine wunderliche Art von Spaß, das muß ich sagen. Mich dünkt, der Wogaz ist wirklich auf dem besten Wege, verrückt zu werden. So ist auch die Idee mit der amerikanischen Reise am Ende nur eine Verrücktheit gewesen." Aber Christine schüttelte den Kopf. „Damit ist es ihm voller Ernst. Es ist noch keine Stunde her, daß er mir sagte, um Feld und Garten brauchte ich mich gar nicht erst weiter zu kümmern, denn es würde vielleicht keine drei Wochen währen, bis wir uns auf den Weg nach Hamburg machten." „Oho! Da möchte ich doch auch noch ein Wörtlein mit» rede« — wenigstens was Dich betrifft, denn der Wogaz mäg meinetwegen schon morgen von dannen ziehen. Und so magst Du's denn bei der Gelegenheit gleich erfahren, lieber Schatz, daß ich der Heimlichkeiten überdrüssig bin und baß ich einen festen Entschluß gefaßt hatte, schon bevor ich heute Abend zu unferm Stelldichein kam." „Und was für einen Entschluß?" fragte Christine bestürzt. „Du willst also doch mit ihm reden?" „Ja, das will ich!" erklärte der Goldschmiedsgeselle sehr bestimmt. „Mein Vater hat mir einen Brief geschrieben, daß er alt und hinfällig wird und daß es jetzt für mich an der Zeit wäre, seine Werkstatt zu übernehmen. Da werde ich also ein Meister sein, und es ziemt sich, daß ich auch eine Frau Meisterin im Hause habe. Am Sonntag komme ich wieder her, frank und frei um Dich zu werben. Das ist so gut wie beschworen." „Mein Gott, was für einen stürmischen Tag wird das geben!" seufzte das Mädchen. Aber vor der Entschloffenheit des Geliebten entsank ihr der Muth, ihm noch weiter von seinem Vorhaben abzurathen. Und seine freudige Zuversicht auf einen glücklichen Erfolg steckte sie überdies allgemach an, so daß sie nach einer kleinen Weile viel fröhlicher von einander Abschied nahmen, als es sonst bei ihren heimlichen Begegnungen zu geschehen pflegte. Sie traten aus dem Bretterhäuschen wieder in's Freie hinaus und der junge Mann gab Christinen noch ein Stück Weges das Geleit, bevor sie sich mit einem letzten Händedruck und mit einem letzten Kusse trennten. Von dem Lauscher hinter den verwitterten Planken des Verschlages hatten sie bei der tiefen Dunkelheit auch jetzt nichts wahrgenommen. Der Alte aber wartete doch vorsichtig, bis der Klang ihrer Stimmen in der Ferne verhallt war, ehe er aus seinem sicheren Versteck hervorkam. Wie in stummer Drohung schüttelte er die sehnige Faust nach der Richtung hin, wo bas Haus seines siegreichen Proceß» gegners und Todfeindes Johann Georg Wogaz lag. Dann wanderte er mit langen Schritten feiner eigenen Wohnung zu- Um dis vierte Morgenstunde des folgenden Tages war es und über der schlummernden Hauptstadt lag noch nächtige Finsterniß, als einer der städtischen Lampenputzer über den Zwingerwall daherkam, um, wie es seine Dienstvorschrift ihm gebot, die kümmerlich brennenden Oellampen auszulöschen. Es war ein armer, kränklicher Mann mit eingefallenem, verhärmtem Gesicht, dem Noth und Sorge deutlich genug aus den tiefliegenden Augen schauten. Eben hatte er die sogenannte Appareille Betreten und ein paar Dutzend Schritte darin gemacht, als sein müder Fuß über einen im Wege liegenden harten Gegenstand strauchelte. Er bückte sich und gewahrte einen großen hölzernen Kasten, deffen schlecht geschloffener Deckel sich bei dem Stoße ein wenig zur Seite geschoben hatte, so daß er mit seiner Laterne den Inhalt beleuchten konnte. Heiß rieselte es ihm über den Rücken und seine Kniee zitterten, als er sah, was er da vor sich hatte. Es war das auf Holz gemalte Brustbild eines alten Mannes mit getigerter Pelzmütze, genau so wie es auf dem öffentlichen Anschlag beschrieben war, den natürlich auch er gleich jedem anderen Dresdener Einwohner gelesen hatte. Einen Rahmen hatte das Bild nicht; darunter aber gewahrte er noch ein anderes, das um ein Geringes größer war und auf dem sich verschiedene nackte menschliche Gestalten befanden. Auch der letzte Zweifel, daß es sich hier um zwei von den aus der Gallerte gestohlene Kunstwerke handle, mußte ihm bei dieser Entdeckung schwinden. Die Erkenntniß von der Wichtigkeit seines Fundes und der Gedanke an die reiche Belohnung, von der ihm nun doch wenigstens ein Theil zufallen mußte, brachte den armen Menschen ganz außer Fassung. Er vergaß, die noch brennenden Lampen auszulöschen, raffte den Kasten mit seinem kostbaren Inhalt auf und eilte, so schnell Haupt; S Alles 1 und di zu bet $ als de »Urthe siegelte ungete laucht selbst Stelle bedeut Restde 2 selbst, Marci S denn I mit di nicht Rechts gebrac That sasser die D falls i einer Erdlo Feldw befan! das t e so pl; aussp gleichs ! Schul lichen traut! der 2 auf s weg» Brief wird dem । Häsch dürft der r ©um der l der Walt Vorst halte als I und i Bezu eine bare; Wie! 3ufd komr die! 263 — schnell ihn nur seine Füße tragen wollten, der nahegelegenen Hauptwache zu. Da gab es natürlich eine nicht geringe Aufregung: Alles Alles drängte herän, um den Bericht des Mannes zu hören und die auf so unerwartete Weise wiedergefundenen Gemälde zu betrachten. Die allgemeine Spannung aber stieg auf das Höchste, als der wachthabende Offizier unter dem zweiten Bilde, dem „Urtheil des Paris" von van der Werff, einen mehrfach ver- siegelten Brief hervorzog, der auf grobem Papier in keifen, ungelenken Zügen die Aufschrift zeigte: „An Seyne Durch« laucht den Churfürsten zu eygenhendiger Eröffnung." Nun durfte man es ja als gewiß ansehen, daß der Dieb selbst oder einer seiner Helfershelfer den Kasten an jener Stelle niedergelegt habe und man zögxrte um so weniger, den bedeutsamen Fund mitsammt dem geheimnißvollen Briefe im Restdenzschloß abzuliefern. In der That war er Kurfürst Friedrich August III. selbst, der in Gegenwart des rasch herbeigerufenen Grafen Marcolini das Schreiben erbrach. Der erlauchte Herr hatte einige Mühe, es zu entziffern; denn die Hand, die es abgefaßt, war ersichtlich des Umganges mit der Feder wenig gewöhnt und es mangelte außerdem nicht an den wunderlichsten Verstößen gegen Satzbau und Rechtschreibung. So viel aber wurde doch bald heraus« gebracht, daß der Brief, der keine Unterschrift aufwies, in der Thal von dem Diebe selbst herrühren mußte. Denn der Ver- fasser verhieß, daß er gleich den beiden anderen Bildern auch die Magdalena des Correggio unversehrt zurückliefern würde, falls man ihm die ausgesetzte Belohnung unverkürzt und in einer von ihm genau vorgeschriebenen Weise zukommen ließe. Zu diesem Zweck sollten die tausend Ducaten in ein Erdloch bet dem Meilenstein gelegt werden, der sich an dem Feldweg nach Hechts Weinberg vor dem schwarzen Thore befand, und an eben dieser Stelle sollte man dann später auch das noch fehlende Gemälde finden. Die List, auf die der Spitzbube da verfallen war, schien so plump, daß der Kursürst sogleich die bestimmte Erwartung aussprach, es werde ohne sonderliche Mühe gelingen, den Dieb gleichsam in seiner eigenen Schlinge zu fangen. Aber als dann später unter den Herren, auf deren Schultern zumeist die Last der Verantwortung für den glück« lichen oder unglücklichen Ausgang der Affaire ruhte, eine vertrauliche Besprechung stattfand, schüttelte der erfahrene Leiter der Dresdener Polizei bedenklich den Kopf. „Wir mögen ja immerhin hoffen, daß uns das Wild auf solche Art in's Garn läuft; doch halte ich es noch keineswegs für gewiß. Denn es wäre voreilig, den Kerl um dieses Briefes willen für einen ungeschickten Tölpel zu halten. Er wird es schon auswittern, ob die Luft rein ist, bevor er zu dem Erdloch an dem Meilenstein geht und wir müßten die Häscher zuvor in eine Tarnkappe stecken, ehe wir sicher sein dürften, daß er sie nicht sieht." Trotzdem wurde sogleich ein großer Brief hergerichtet, der wohl den Anschein erwecken konnte, als enthielte er eine Summe Geldes; ein Beamter erhielt den Auftrag, ihn an der bezeichneten Stelle niederzulegen und das Forstpersonal der säst unmittelbar hinter jenem Meilenstein beginnenden Waldungen wurde angewiesen, unter Aufwendung äußerster Vorsicht den Fleck Tag und Nacht scharf im Auge zu be« halten. — „ , Unterdessen waren sowohl bei dem Grafen Marcolini als bei dem Jnspector Riedel und bei der Polizei viele Briefe und Anzeigen eingelaufen, die sämmtlich auf den Bilderdiebstahl Bezug hatten und die neben allerlei vagen Vermuthungen auch eine Menge von guten Rathschlägen in Gestalt von unfehl« baren Zauberformeln zur Bannung des Spitzbuben und zur Wiederherbeischaffung seiner Beute enthielten. Fast alle diese Zuschriften erwiesen sich schon auf den ersten Blick als vollkommen bedeutungslos. Desto größere Beachtung aber fand ein Brief, den um die Abendzeit dieses nämlichen Tages ein auffallend langer und hagerer Mensch, anscheinend ein Landmann, ebenfalls Lus der Hauptwache abgegeben hatte. Mit großer Bestimmtheit wurde darin der Feldbefitzer Johann Georg Wogaz aus dem neuen Anbau vor dem chwarzen Thore als der Bilderdieb bezeichnet, und schon der Imstand, daß sich das Haus des so Verdächtigten ziemlich nahe bei jenem Meilenstein befand, mußte die Behörden veranlassen, der Denunciation ihre besondere Aufmerksamkeit zu chenken. Aber es war in dem anonymen Briefe außerdem noch eine Mittheilung, die von allergrößter Wichtigkeit schien. Denn abgesehen davon, daß Wogaz nach der Behauptung des Schreibers in sehr auffälliger Weise von dem Diebstahl gesprochen und sich angelegentlich nach dem Werth der Edel- ieine im Rahmen der Magdalena erkundigt haben sollte, wurde auch erwähnt, daß er angefangen habe, seiner Schwestertochter Christine Neubert einen Bries an den Kurfürsten zu sictiren, was sicherlich mit jenem Diebstahl in irgend welchem Zusammenhang stehen müsse, zumal er ihr vorher das Versprechen abgenommen, gegen Jedermann davon zu schweigen. Schließlich habe Wogaz auch noch die Absicht geäußert, schon in der allernächsten Zeit nach Amerika aurzuwandern und bei der schlechten Beschaffenheit seines Besitztums sei es ganz undenkbar, daß er sich die Mittel zu einem so kostspieligen Unternehmen anders als auf unehrliche Weife verschafft habe oder verschaffen wolle. Nachdem der Inhalt dieser Anzeige auch dem Generaldirector der Sammlungen und dem Jnspector der Gallerte bekannt gegeben worden war, trat bezüglich der Maßnahmen, die daraufhin zu ergreifen wären, zwischen ihnen und dem Leiter der Polizei eine ziemlich scharfe Meinungsverschiedenheit zu Tage. , _ Dieser war nämlich geneigt, ohne Weiteres eine Haussuchung bei Wogaz und vielleicht sogar die Verhaftung des Mannes vornehmen zu lassen. Der erfahrene und vorsichtige Riedel aber, der immer nur das Interesse der ihm unterstellten Gallerte im Auge hatte, widerrieth einem solchen Beginnen auf das Entschiedenste. Er erklärte, daß nach seiner Ansicht die in der Denunciation angegebenen allgemeinen Verdachtsgründe an und für sich keineswegs ausreichend feien, solche Maßregeln zu rechtfertigen, daß aber ein so rückfichts- loses Vorgehen besonders dann vsrhängnißvoll werden könnte, wenn Wogaz etwa wirklich der Dieb sei. Denn in diesem Fall sei fast mit Bestimmtheit anzunehmen, daß er die Magdalena an einem Orte untergebracht habe, wo man sie nicht so leicht finden werde, möglicherweise sogar bei irgend einem Mitwisser seines Verbrechens. Und dieser Helfershelfer könnte recht wohl den Auftrag haben, dar Bild zu vernichten, sobald die Gefahr einer Entdeckung drohte. „Was liegt uns daran, den Spitzbuben gefangen zu haben, wenn wir darüber den Correggio verlieren," schloß er mit großer Lebhastigkeit seine recht einleuchtend und verständig klingende Auseinandersetzung. „Ich meine vielmehr, daß es vor Allem darauf ankommt, das köstliche Kleinod zu retten und daß die Polizei deshalb gar nicht vorsichtig und bedachtsam genug zu Werke gehen kann. Wenn jener Wogaz der Dieb ist, so wird uns seine Person nicht entgehen, auch wenn seine Verhaftung noch um einige Zeit hinausgeschoben wird. Man kann ihn recht wohl beobachten lassen, ohne daß er etwas davon merkt, und je mehr er durch eine scheinbare Unwissenheit der Behörden in Sicherheit gewiegt wird, desto eher können wir darauf hoffen, mit einem Schlage den Räuber und seinen Raub in die Hand zu bekommen." Die Ansicht des Gallerie-Jnspectors behielt denn auch am Ende der Berathung den Sieg und die Gefahren, die dem unersetzlichen Gemälde aus einer übereilten polizeilichen Maßregel etwa hätten erwachsen können, waren damit glücklich abgewendet. Die Hoffnungen aber, die man auf das Erdloch bei dem Meilenstein und auf die Dummheit des Diebes gesetzt hatte, wurden vorerst noch recht kläglich zu Schanden. Nachdem sie vierundzwanzig Stunden lang ihren an- - 264 -a strengenden Aufpafferdienst versehen hatten, erklärten die Forstbeamten übereinstimmend, daß sich bis jetzt nichts 93er* dächtiges bei dem Steine habe blicken lasten. Da man aber die kleine Erdhöhle untersuchte, fand man ste leer. Irgend Jemand hatte es also fertig gebracht, unter den Augen der Späher unbemerkt den Brief herauszunehmen und es war tausend gegen eins zu wetten, daß der Spitzbube selbst das erstaunliche Kunststückchen ausgeführt hatte. Datz er noch einmal zurückkehren würde, nachdem er fich durch den leeren Briefumschlag getäuscht sah, war aber gewiß nicht an* zunehmen und so mußte denn die wohlweise Obrigkeit ihren ganzen Scharsstnn ausbieten, um ihm auf eine andere Art beizukommen. « (Schluß folgt.) nur im eigensten Jntereffe de» Kranken, sofort mit dem Ein* nehmen der Salicylsäure aufzuhören. Die erste Maßregel, die man, namentlich zur Linderung des Schmerzes zu ergreifen hat, ist eine richtige Lagerung und Einpackung der erkrankten Gelenke. Dies sei namentlich solchen Patienten gesagt, welche bei leichteren Fällen oder im Anfangsstadium der Krankheit noch keinen Arzt zu Rathe ziehen. Vor allem gehört jeder Rheumatiker ins Bett und hat darin zu bleiben, selbst noch längere Zeit nach Beseitigung der Geschwulst und der Schmerzen. Die gleichmäßige Ruhe und Bettwärme ist ein nicht zu unterschätzender Heilfactor. Durch zu frühzeitiges Aufstehen werden auch sehr leichte Rückfälle herbeigeführt. Die ganzen Glieder der erkrankten Gelenke werden dick mit Watte oder Wolle umhüllt, und daneben mit heißem Master gefüllte Steinkrüge gelegt. Warme ober heiße Theil* ober Ganzbäber vertragen nicht viele Kranke; baher ist barüber ber Arzt zu befragen. Was die Diät anlangt, so find leichte Suppen, Milch, Eier und etwas Fleisch zu empfehlen. In Frankreich ist eine ausschließliche Milchdiät als Heilmittel gegen Rheumatismus empfohlen worden, doch dürfte ein derartiges Extrem nicht rathfam fein. Zum Löschen des Durstes sind namentlich empfehlenswerth Master mit Citronen« ober Apfelsinensaft unb Apfelwein. Besondere Geduld ist dem scheinbar geheilten Patienten anzurathen. Er muß noch mindesten« acht Tage das Bett hüten und die warmen Ein» Packungen fortsetzen, wenn er nicht über kurz oder lang von Rückfällen befallen werden will, und meist von viel schwereren Rückfällen. Wie kann man nun aber dem Entstehen von Gelenkrheumatismus vorbeugen? Vor allem durch Vermeidung jener oben genannten „rheumatischen Schädlichkeiten," wie Erkältung, Durchnästung, feuchte Wohnungen. Namentlich müflen Personen, welche bereits einmal an Rheumatismus gelitten haben, sich in dieser Beziehung besonders in acht nehmen, da ihre Veranlagung zur Erkrankung entschieden eine gesteigerte ist. Diese Vorsicht schließt aber keineswegs aus, daß sie, anfangs nur in ber warmen Jahreszeit, durch kalte Abreibungen die Empfindlichkeit ihrer Haut gegen Erkältungen abzustumpfen suchen. Im Gegentheil, es giebt kein besseres Vorbeugungs- mittel gegen Rheumatismus als eine regelrecht durchgeführte Abhärtung des ganzen Körpers gegen alle Schädlichkeiten der Witterung und des Klimas, welche bei verzärtelten Personen Erkältungen hervorzurufen pflegen. Hierzu find besonders kalte Abreibungen zu rechnen, mit denen nicht daran gewöhnte Leute am besten in der warmen Jahreszeit beginnen, um sie dann aber ununterbrochen, Winter und Sommer, fortzusetzen. Aber auch in ber jetzigen Jahreszeit können solche zarte Naturen ein sehr gutes Vorbeugungsmittel gegen Erkältungen unb Rheumatismus anwenben, nämlich tägliches energische» trockenes Abreiben bes ganzen Körpers mit trockenen Frottir- tüchern ober Frottirhanbschuhen. Auch ist burch tägliche rege Bewegung in frischer Luft der Stoffwechsel zu befördern und ber Körper zu kräftigen. Selbstverständlich muß man durch Schwitzen feucht gewordene Unterkleider stets sofort zu Hause ausziehen. ____________ Von Dr. Robert S chultze. ------- (Nachdruck verboten.) Der Gelenkrheumatismus, eine ber verbreitetsten unb bekanntesten Erkrankungen, erscheint besonbers gegen Ende des Winters, bei Männlein und Weiblein, bei Arm und Reich, als qualvoller Gast. Im Volksmund hat er daher die verschiedensten satirischen Bezeichnungen erhalten. Wohl wird der Gelenkrheumatismus von der mebicini* schen Wissenschaft als eine Jnfectionskrankheit aufgefaßt, hervorgerufen durch eine fpecififche Art von Krankheitserregern (Spaltpilzen), aber jedenfalls spielen dabei eine große Rolle auch gewisse Stoffwechselproducte im Körper, namentlich die harnsauren Salze, welche bei ungenügendem Stoffwechsel fich in den einzelnen Gliedern ablagern, und zwar besonders in denjenigen, welche einer Kältewirkung ausgesetzt find. Daher bilden die Erkältungen die hauptsächlichsten Ursachen für Rhen- matismur, aber weniger einmalige Erkältungen, als lang andauernde, häufiger anhaltende, sogenannte „rheumatische Schäd- lichkeiten," wie die dauernde Einwirkung naßkalter Witterung, Durchnässungen, Wohnen und Arbeiten in kalten, zugigen Localen, in neugebauten feuchten Häusern, ferner gewisse Beschäftigungen, wie Waschen und Scheuern. Die Krankheit beginnt fast stets mit einer hitzigen, fieber- haften, in mehreren Gelenken auftretenden Anschwellung und Schmerzhaftigkeit. Gewöhnlich werden zuerst einige ber größeren Gelenke befallen, bie unteren Extremitäten etwas häufiger als bie oberen, wobei bie Erkrankung von einem zum anderen Gliebe „springt," so baß heute bieses, morgen jenes Schmerzen verursacht. In schweren Fällen ist bie Zahl der erkrankten Gelenke oft eine große. Die Hülflosigkeit ber Patienten wirb hierburch so vermehrt, baß fast alle Bewegungen gar nicht ober nur unter ben größten Schmerzen ausführbar stub. Die Kranken liegen meist mit gebeugten Beinen ba, unb jeder Versuch, bem Körper eine anbere Stellung zu geben, ist mit heftigen Schmerzen verbunden. Die schlimmste Eigenschaft des Gelenkrheumatismus besteht in einer häufigen Miter- krankung des Herzens, wodurch nicht selten bleibende Herzfehler entstehen, so daß die Kranken in der Folge beständig über Herzklopfen, Kurzathmigkeit u. s. w. zu klagen haben. Von den Heilmitteln gegen Rheumatismus ist das bekannteste und beliebteste Salicylsäure. Jedoch darf diese natürlich nur vom Arzte verordnet werden. Es ist oft geradezu wunderbar, welche überraschend schnelle Wirkung die Salicylsäure bei vielen Rheumatikern ausübt- Freilich darf auch nicht verschwiegen werden, daß ste bisweilen nebenbei Unannehmlichkeiten hervorruft, wieUebelkeit, Ohrensausen, Schwindelgefühl. Manche Patienten find nun geneigt, das Auftreten dieser Nebenwirkungen dem Arzte zu verheimlichen, weil ste fürchten, der Arzt werde ihnen dann die schmerzbefreiende Salicylsäure entziehen. Dies Verhalten ist durchaus tadelns- werth; denn der Arzt kann dem betreffenden Patienten äußerlich nicht ansehen, ob die Salicylsäure gerade auf ihn nachtheilige Nebenwirkungen ausübt. Treten diese aber ein, so liegt es ! Redaction: I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitats-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. VermEehtes. Practische Orthographie. „Mein verehrte» Fräulein! In dem Brief, in welchem Sie mir für den Schmuck dankten, haben Sie Diamanten konsequent mit zwei „m" geschrieben?" — „Das weiß ich, Herr Baron. Echte Diamanten hätte ich nicht falsch geschrieben!" ♦ * ♦ Deplacirt- A.: „Haben Sie gelesen, der Kapitän Willigerod vom Norddeutschen Lloyd hat die Fahrt nach Newyork jetzt mehrere hundert Male gemacht!" — B.: „Donnerwetter I Der muß aber unterwegs jeden Baum und isden Strauch kennen!" Erzäk I Dienst! an bii beutlick wurde so, das Christi den au reltern Blick f unerwc als er das sch »r fragte Seine und nu wie vi der So ein bid iS eigener ( „1 Herrn S Berges länglich tächtige ich hak unb P „9 Mensch