4 Abhäutel« etwa« Esstg Mehl umge» gnet sich da« i rührt man Zitronenschale, Dann streicht t e«, kalt ge< rse mit Mehl, ack. Hieraus in «ießm. man gelernt, illerlei Materia- gerungen zu be- n für nutz- und erwerthung und schein, die un- t gehüren zum iswerthe, Anlei- amilienzeitschrist lagshaus Bong r neuesten Hefte Zeit kommt, als । eignen. Ueber- cactischen Winke tlichen ähnlichen Darbietungen an rteresse Alles in itcratur erzeugt Heft einen auS< ustrationen ver- ich ein Ferien- erliebsten neuen lsikalischer Vor- btheilung „Für tobten in Haus- tnerei, Frauen- epochemachenden n Meteor" von iten Humoreske e zu leisten und he Shakespeares äiothek um ein r«owih,chs 197 (210 Seiten "ehr hübsch iHu= astliche Abhand- aS Kalendarinm ittftänbigfeit; in ie Grundregeln den VoMber- ! Genrebilder in fchrift für das utenant z. D. lag von Carl ahrgang Nr. 6 er Majestät der e Geschichte von — Don Juan, rrzählungen aus kretschmann. — .) — Im Bann on Pferden auf - Der Gnaden- Literarisches. — Briefkasten. - Nr. 144- MEag kr» 8 December smilienblMer W ‘.'4 W UnLerhüLLuugsdlalt nim Gießener Anzeiger (GeneraL Anpiger). Die Brüder. Novelle von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) Sine Viertelstunde später erst trat er in Begleitung der Pflegerin wieder auf die matt beleuchtete Diele hinaus, und es war wohl die Antwort auf eine an ihn gerichtete Frage, als er voll tiefen Ernstes sagte: „Ja — trauriger als ich'» nach dem g(steigen Befunds gefürchtet hotte. Wir müssen thun, was in unseren Kräften steht, Schwester — und wenn es umsonst ist, hat die Welt wieder einmal all' zu früh einen der Besten verloren. Aber das ist nun schon die dritte Nacht, die Sie durchwachen sollen — nicht wahr? Könnte Ihnen denn aus dem Diacontffen- hsus keine Ablösung geschickt werden?' „Rein — e« ist nicht eine einzige Schwester mehr zur Verfügung." „Ja — diese verdammte Epidemie! Sie könnte selbst einen so abgehärteten Kerl wie mich zum Melancholiker machen. Na, Sie müssen sich dann eben emrichten wie es geht. Verboltungrmaßregeln brauche ich Ihnen ja nicht erst zu geben. Und reiben Sie sich nicht ganz auf. So wenig die alte Haushälterin auch zur Wartung eines Schwerkranken taugen mag, für ein paar Stunden werden Sie ihr den Patienten schon überlassen müff-n." „Nein, das sollen Sie nicht- Wenn Sie mich ein wenig unterweisen wollen, werde ich gewiß im Stande sein, Sie fit diese Nacht abzulösen." Margarethe Arnholdt war es, die sich zur gewaltigen Ueberraschung der beiden Anderen mit diesen Worten in ihr Gespräch gemischt hatte. Sie hatte bis dabin in der Nähe der Hausihür gestanden, wo es beinahe völlig dunkel war, und al« sie jetzt in den Lichtkreis der von der Decke herab» hängenden Ampel trat, erkannte der Sanitätrrath auf der Stelle ihr todtenblosse«, doch ruhiges und entschlossene» Gesichtchen. „Sie, Fräulein Arnholdt? — Ja, wie in aller Welt kommen Sie denn hierher? Und um diese Stunde?" , Jch hotte Sie draußen erwartet, weil ich von Ihnen Gewisseres über Herrn Eggestorfs Krankheit erfahren wollte. > Und schließlich, da Sie die Thür nicht hinter sich geschlossen ! hatten, trieb mich die Ungeduld herein. Jetzt brauche ich ! Sie nicht mehr zu fragen, denn ich habe Alles gehört. Sir ! hegen keine Hoffnung mehr, daß er genesen werde." Der bejahrte Arzt, den trotz seiner etwas derbe« Manieren jedes Kind in der Stadt kannte und liebte, machte ein zugleich verlegenes und betrübte« Gesicht. „Hoffnung, mein theures Fräulein — Hoffnung hege ich immer, so lange noch Athem in einem Patienten ist. Und ich möchte nicht einen Tag länger practiziren, wenn diese Hoffnung nicht glücklicher Weise oft genug gegen oll' meinen sogenannten ärztlichen Scharfsinn Recht behielte. Aber war Sie da von Nachtwachen und dergleichen Dingen sagen, kann natürlich nicht Ihr Ernst sein. Da« ist ja aus zwanzig Gründen einfach unmöglich." „Und weshalb unmöglich, Herr Sanitätsratb? Habe ich bei der Pflege meines Vaters etwas versehen, daß Sie mir die Fähigkeit zu solcher Dienstleistung absprechen müßten?" „Ach, davon ist nicht die Rede, obwohl es mit einem Typhuskranken ein ganz ander Ding ist als mit einem herzens» guten, geduldigen Patienten von der Art Ihres prächtige« Vaters. Und wenn Sie eine würdige Matrone von fünfzig Jahren wären, so würde ich sagen: In Gottes Namen! und tausend Dank obendrein. Aber ein junges Mädchen »»« zwanzig oder so herum kann mir nichts dir nicht» Kranken» Pflegerin bei einem fremden Manne spielen, der auch noch nicht viel älter ist — zumal, wenn e» ganz allein steht «M Niemanden hat, e» vor übler Nachrede zu schützen." „Wer aber sagt Ihnen, daß Hermann Eggestorf ein fremder Mann für mich ist? Ich fürchte mich nicht vor der üblen Nachrede fremder Menschen, aber ich fürchte mich unaussprechlich vor der Nacht, die ich fern von ihm zubringe« müßte mit dem Gedanken, daß er vielleicht um dieselbe Zeit mit dem Tode ringt- Gerade weil ich ganz allein stehe, sollte man mir auch das Recht einräumen, zu thun, was rch vor meinem eigenen Gewissen verantworten kann." In dem gutmüthigen Gesicht des Sanitätsraths ruckte es eigenthümlich. Auch mußte ihm etwas in die Kehle gekommen sein, das ihn zu wiederholtem Räuspern nöthigte. Dann wandte er sich gegen die Diakonissin. 574 „Wenn Sie damit einverstanden find, Schwester — am Ende haben wir wirklich keine Besugniß, die junge Dame an der Ausführung ihres hochherzigen Entfchluffes zu hindern. Dafür, daß den Klatschschwestern die Mäuler gestopft werden, Bante ich ja vielleicht auch zu meinem Theile Einiges thun. Man hat, Gott sei Dank, noch einigen Refpect vor meiner Grobheit." Sie taten alle Drei in da» Borgemach de« Kranken« zimmer« ein. wo Dr. Sottek die freiwillige Krankenpflegerin tu raschen Worten über ihre wesentlichsten Pflichte« unter« richtete. Die Diacontsstn aber bewahrte bei alledem ihre anscheinend unveränderliche, sanfte und gelassene Miene- Offenbar gab es auf dieser Erde nicht« mehr, da« fie in Erstaunen zu setzen vermochte. V. Hermann Eggestorf wußte nicht« von der Anwesenheit leiner neuen Pflegerin, und er war darum nicht im Stande, ihr für ihren hochherzigen Entschluß zu danken. Aber er machte ihr das freiwillig übernommene Amt auch nicht allzu schwer. Ob nun von ihrer Persönlichkeit ewas wundersam Beruhigendes ausging oder ob seine Kraft bereit» zu sehr er« schöpft war — jedenfalls stellten stch die wilden Fieber« Paroxysmen nicht wieder ein, die nach der Erzählung der Diaconifstn die erste Nacht zu einer sehr qualvollen gemacht hatten, und Margarethe würbe geglaubt hrben, daß der Kranke in ruhigem Schlummer liege, wenn nicht die schreckliche Veränderung in seinem Aussehen gewesen wäre und zuweilen jene» hastige, unheimliche Gemurmel, da» von seinen Phantasten Kunde gab. Wie nahe ste stch dann auch zu ihm neigte in der Hoffnung, ihm durch die Erfüllung irgend eine» Wunsches Erleichterung schaffen zu können, ste vermochte von den Worten, die da tonlos und abgerissen über seine bleichen Lippen kamen, doch immer nur ein einziges zu verstehen: den Namen jene» unsterblichen Meister«, der seine Gedanken freilich wohl mehr al« Andere beschäftigt haben mußte^ seit« dem er begonnen hatte, an dem Entwürfe zu seinem L-tand« bilde zu arbeiten- Irgend etwas Beunruhigendes, Quälende», da« mit diesem Werke in engstem Zusammenhangs stand, mußte er aus den Tagen der Gesundheit mit hinübergensmme n haben in seine Fiebertraumwelt, denn seine Züge gewannen jedesmal» noch einen schmerzlicheren, gespannteren Ausdruck, wenn er den Namen Mozart aussprach, und seine Finger irrten dann auf der Decke umher, al« suchten fie etwa» zu erfassen und festzuhalten. Margarethe sprach von ihrer Wahrnehmung selbstverständlich auch zu der Diacontsstn, die nach mehrstündigem Schlummer, fichtlich gestärkt, wieder im Krankenzimmer erschien, und die Erklärung, welche fie von ihr erhielt, war im Grunde nur eine Bestätigung dessen, was sie bereits ver« muthet hatte. In der ersten Nacht hatte Hermann Eggestorf in feinen Phantafieen immer wieder das Bett verlassen wollen, weil er dos Modell des Mozart - Denkmals noch rechtzeitig vollenden müsse, und dazwischen hatte er von einer Idee gesprochen, die ihm endlich gekommen sei — von einer großen, herrlichen Idee, mit deren Ausführung er nicht eine Stunde zögern dürfe. Beide Vorstellungen verfolgten und peinigten ihn ersichtlich noch immer, wenn auch seine Reden in Folge der zunehmenden Schwäche immer undeutlicher wurden. Alle» Andere schien daneben seiner Empfiadungswelt völlig entrückt zu sein, und er gab so wenig ein Zeichen dafür, daß er die Nähe liebreicher, menschlicher Wesen spüre, al» irgend eine Klage über physische Leiden von seinen Lippen kam. Wenn die folgenden Tage überhaupt eine Veränderung brachten, so war es jedenfalls keine Verändernng zum Besseren. Der Sanitätsrath sprach sich zwar jetzt über seins Hoffnungen und Befürchtungen im Beisein Margarethens Mr noch in sehr ungewissen Wendungen aus, aber seine ausweichenden Antworten hätten nicht mit so ernster und sorgenvoller Miene gegeben werden dürfen, wenn fie eine beruhigende Wirkung ausüben sollten. Jedenfalls war die stetige Z«. nähme einer verhängnißvollen Schwäche ganz unverkennbar, und es geschah bei seiner Arbeitsüberhäufung sicherlich nicht ohne j sehr triftigen Grund, daß der Arzt, ohne darum ge. beten zu sein, seinen bisherigen zwei Tagesbesuchen noch einen dritten hinzufügte. Dagegen, daß Margarethe eigentlich ganz in die Villa übergefiedelt war, hatte Niemand etwa« einzuwenden gehabt. Ihre Anwesenheit wurde jetzt von dem Sanitätsrath wie von der Diacontsstn al« etwa» Selbstverständliches behandelt, und der Einzige, der durchaus nicht damit einverstanden schien, war der Atelierdiener Bendemann, derselbe mürrische Alte, dem Margarethe bei ihrem ersten E nt-rtt in das Haus begegnet war. Er ging überhaupt stet« mit bitterböser Miene umher, und wenn er schon der berufenen Pflegerin kam einen Gruß vergönnte, so behandelte er die junge Dame, die sich ihr aus freien Stücken als Gchilfin zugesellt hatte, vollends wie teere Luft. Obgleich es eine eigentliche Arbeit für ihn hier im Haufe jetzt kaum geben konnte, begab er sich doch mit automatischer Pünktlichkeit jeden Morgen um sechs Uhr in da» Atelier und machte sich während des ganzen Tage« darin zu schaffen- Ein einziges Mal nur hatte Margarethe er gewagt, ihn dort zu stören, und ste war gerade dazu gekommen, al« er das letzte der frisch benetzten Tücher um das Thon- modell des Mozart-Denkmals legte. Da ihr die Haushälterin gesagt hatte, daß er seinem Herrn mit beinahe hündischer Anhängliche« ergeben fei, hatte fie die Abficht gehabt, mit ihm über Hermann Eggestorf zu spreche«; aber das erste Wort schon war ihr auf den Lippen erstorben vor dem mißtrauischen, unverhohlen feindseligen Blick, mit dem er dir Emtretende empfangen hatte. Und so hastig hatte er seine Arbeit beendet, als könne er das unfertige Werk gar nicht schnell genug ihren zudringliche« Augen entziehen. Seriegen und fast beschämt hatte Margarethe sich darauf wieder entfernt, und so wenig fie begreifen konnte, was ihr die Feindschaft de» alten Manne» eingetragen habe« mochte, würde fie es doch jetzt um keinen Preis mehr gewagt haben, während seiner Abwesenheit da« Atelier zu betreten. So war e» zum dritten Male Abend geworden, seitdem sie unter dem Dache der Eggestors'schen Villa weilte, und ne hatte ihren Platz am Krankenbette eben wieder der Diaconisfin überlassen, um stch auf wenige Stunden in das für fie her- gerichtete Giebelstübchen zurückzuztehen, al» ste die Hrusthür- glocke anschlagen hörte. In der Meinung, daß es btt Sanitätsrath sei, der stch von der Sorge um seinen Patienten bestimmen lasse, noch einmal vorzusprechen, eilte ste zu öffnen, aber fie sah auf den ersten Blick, daß ihre Vermuthung ft betrogen, denn so hochgewachsen und so jugendschlank wie der Mann, der da draußen im Dunkel der Straße vor ihr stand, war die Gestalt de» Arzte» nicht. Sie wollte eine Frage nach seinem Begehr an den w bekannten richten, aber fie kam nicht über da» erste W-m hinan», denn wie er nun einen Schritt vorwärts thai und eine matte Helligkeit aus der offenen Thür über ihn st«, ergriff fie namenloser Schrecken und fassungslos wich ste zurück. Werner Eggestorfs Ueberraschung schien nicht geringer als die ihre. ,, „ „Margarethe!' rief er mit dem Ausdruck ungläubigen Zweifels, und in plötzlich aufflackender Angst fügte er „Um Gotteswillen, das Schreckliche ist doch nicht etwa schon geschehen? — Mein Bruder —“ Sie hatte ihre ganze Willenskraft aufgeboten, sich 8U fassen, und zum Theil wenigstens war es ihr gelungen. „Ihr Bruder lebt —" sagte sie leise, ohne ihn anzn- sehen. »Wollen Sie nicht hereinkommen?" Er trat über die Schwelle, schön und stattlich wie «n jenem Festtage, da er zum letzten Male vor ihr gestanden- Rur sein Gesicht war etwas schmaler geworden und um« den Augen waren ein paar müde Linien, die erst jüngsten Monate eingezeichnet haben konnten- »Ich sehe, daß Sie auf mein Erscheinen nicht vordere-. — 575 wüten," sagte er, sich mit weltmännischem Geschick nun eben* faß« in die seltsame Situatien findend. „Sie wußten also wohl kaum, daß ich von der schweren Erkrankung meine« Bruders benachrichtigt wurde." „Nein, ich wußte e« nicht. Als ich die Pflegerin »er* Mafien wollte, es zu thun, stellte sich heraus, daß Niemand hier im Hause Ihren Aufenthalt kannte. „Und doch kam mir die traurige Kunde au» diesem Hause. Ein Telegramm unsere» alten treuen Bendemann «ar es, bas mich in Rom erreichte. Wäre e» nur um eine einzige Stunde später aufgegeben worden, so hätte es mich vielleicht nach Tagen ober Wochen gefunden, denn ich stand eben erst im Begriff, eine große Reise anzutreten. Natürlich hätte ich meine Ankunst vorher angezeigt, wenn mir gleichzeitig mitgetheitt worden wäre —" Gr biß sich auf die Lippn, weil ihm zum Bewußtsein kam, daß es etwa« Ungeschickliche» war, wa» et da hatte sagen wolle». Ein paar Secanden lang standen sie einander in peinlichem Schweigen gegenüber; dann nahm Margarethe wieder da« Wort. „Ich weiß nicht, ob Sie berest« Genauere« über Ihres Bruders Krankheit erfahren haben, — der Diener hat von seiner Absicht, Ihnen zu telegraphiren, wie gesagt, Niemandem Mittheilung gemacht." Werner griff in die Tasche und brachte die zerknitterte Depesche zum Vorschein. „Ihr Bruder schwer erkrankt," la« er, „sofort her* kommen, da Ihre Anwesenheit unbedingt nothwendig. — Da» ist Alle«, wa« ich weiß. Und wenn Sie die Güte haben wollten, mir nähere Auskunft zu geben — ich ahne ja nicht einmal, von welcher Natur seine Krankheit fein kann." „Herr Eggestorf leidet an einem schweren Typhusanfall und ist seit mehreren Tagen ohne Bewußtsein." „Und e« ist — e« ist also ernste Gefahr für fein Leben vorhanden?" Margarethe senkte da« Köpfchen noch tiefer und schwieg. Ein schwerer Athemzug hob Werner» Brust. Er strich sich mit der Hand über die Stirn und starrte eine kleine Welle düster vor si ö hin. „Kann ich ihn scheu?" „Der Arzt hat auf da« Strengste »erboten, daß irgend Jemand, außer den Personen, die zu seiner Pflege nothwendig sind, da» Krankenzimmer betritt- Ob Sie von diesem Verbot nuszunehmen sind, kann nut die Schwester entscheiden, die für die Befolgung der ärzttichen Vorschriften die Berant* »ortung trägt. Wenn Sie gestatten, rufe ich sie auf der Stelle hierher." Ohne ihm Zeit zu einer Erwiderung zu laffeu, war sie verschwunden. Kopfschüttelnd blickte ihr Werner Eggestorf nach. „Fürwahr, eine Ueberraschungl" murmelte er. „So* weit also sind sie schon mit einander gewesen!" Die Diaconissin kam, und während sie in einem von der Krankenstube ziemlich weit entfernten Zimmer dem Heim* gekehrten in ihrer sanften, gelaffenen Weise Rede stand auf feine Fragen, saß Margarethe mit zuckenden Lippen und krampfig zusammengepreßten Händen au Hermann Eggestorfs Lager und wiederholte sich ein Mal Über da» andere, daß sie jetzt nicht eine Stunde länger unter diesem Dache bleiben dürfe — daß sie in ihrem namenlosen Jammer nun auch auf den schwachen, armseligen Trost Verzicht leisten müsse, den die aufopfernde Hingabe an ihre Samaritterinuenpflicht, ihr bisher gewährt hatte. Wenn er nun starb — und sie brauchte ja nur einen Blick auf sein in der schrecklichen Hagerkeit nur noch edleres Antlitz zu werfen, um zu erkennen, daß er sterben würde! — so würde mir nicht mehr vergönnt sein, noch einmal in seine Augen zu blicken, sie würde kein freundliches Wort, keinen zärtlichen Abschiedsdruck seiner Hand mehr erhaschen — eine theilnahmlose Fremde würde ihm die letzten irdischen Dienste erweisen! — Und doch war sie auf der ganzen weiten Welt die Einzige, die ein heilige» Recht dazu gehabt hätte. Denn wie sehr auch die Anderen ihm zugethan fein, wie sehr sie ihn achten, bewundern oder stehliche» Verlangen, es ihm wenigstens ein einziges Mal zu sagen, gleichviel, ob er sie zu verstehen vermochte oder ob ihre Worte in der traurigen Leere seiner Bewußtlosigkeit ungehöct verhallten. Lautlos glitt sie bemitleiden mochten, sie allein war es doch, die ihn liebte, die ohne Bedenken und mit tausend Freuden ihr eigene« Leben hingegeben haben würde, um da« seine zu retten- Nicht in einem glückseligen Wonneransch war ihr diese Erkenntniß gekommen — in bitteren Schmerzen war sie geboren worden, und wa« ihre zuckende Seele nur erst dunkel und ungewiß empfunden, al« sie sich entschlossen hatte, um der vermeintlichen Beleidigung willen, die er ihr mit seinen „Almosen" angethan, seine Nähe für immer zu fliehen, da» war ihr zur unumstößlichen Gewißheit geworden in den langen, einsamen Nachtstunden, die sie an seinem Leidensbette durchwacht hatte, in immer erneuter und immer gesteigerter Angst auf jeden feiner fieberraschen Athemzüge lauschend. Ja, sie liebte ihn — tiefer und inniger, als sie jenen Anderen in all' feiner prangenden Mannesschönheit je geliebt. Und Angesichts der grausamen Nothwendigkeit, sich nun auf ewig von ihm zu trennen, Überkam sie ein mächtiges, unwider* es ihm wenigstens ein einziges Mal zu neben seinem Bett auf die Knies nieder, und indem sie ihren Kopf neben dem feinigen in die Kiffen drückte, flüsterte sie dicht neben feinem Ohr: „Ich liebe Dich, Hermann — ich liebe nur Dich! Und wenn Du gehst, nimm mich mit Dir! Was soll ich beim hier auf Erben ohne Dich!" Der Kranke antwortete ihr nicht, unb keine Lime »er» anberte sich in seinem bleichen, schmalen, schon ganz vergeistigten Gesicht. L x . „Mozart —" hauchten seine Lippen unb noch einmal kaum vernehmlich: „Mo — zart" — und wiener griffen seine Finger babei in bie Luft, wie wenn sie etwas Entschwindende« ängstlich festhalten wollten. Heiße Thränen rannen über Margarethen« Antlitz, als sie sich aufrichtete. Er war hohe Zeit gewesen, denn kaum eine Minute später trat bie schwarze Gestalt der Diaconissin mit ihren unhörbaren, schwebenden Schritten wieber in da» Gemach. „Was ist Ihnen, mein liebes Fräulein?" fragte sie verwunbert, „Sie meinen ? Hat sich Denn in dem Befinden unseres Patienten irgend etwas geändert?" Margarethe schüttelte den Kopf. „Nein, Schwester — aber ich habe Abschied genommen; beim jetzt, nachdem sein Bruder zurückgekehrt ist, jetzt bars ich nicht länger hier bleiben, Sie in seiner Pflege zu unterstützen." „Vielleicht war es gerabe bie«, was ber Herr mit Ihnen zu besprechen wünschte. Er läßt Sie durch mich sehr dringend um eine ganz kurze Unterebung bitten." Margarethe zauberte wohl, aber ihre Unentschlossenheit war nicht von langer Dauer. Als hätte bas Gestänbniß, welches sie dem Sterbenden soeben abgelegt, ihr die Kraft verliehen, Alles, auch da« Peinvollste, zu ertragen, ging sie ruhig hinaus, den Wunsch ihre» ehemaligen Verlobten zu erfüllen. Werner Eggestorf war in dem kleinen Gemache, wo seine Unterredung mit der Diakonissin stattgefunden, ruhe* losen Schritte« auf- und nieder gegangen- Bei Margarethen« Eintritt blieb er stehen, und sagte, jeder Frage zuvorkommend, mit raschen, beinahe hastigen Worten „Verzeihen Sie mir, Fräulein Arnholdt, daß ich die Kühnheit hatte, Sie hierher zu bitten und lassen Sie mich Ihnen für Ihr Erscheinen danken. Nach Allem, wa« ich in unseliger Verblendung gegen Sie gefehlt —" „Sie haben mich hoffentlich nicht rufen lassen, um davon zu sprechen," fiel sie ihm in die Rede. „Ich müßte es sonst ablehnen, Ihnen weiter zuzuhören." (Fortsetzung folgt.) 576 — Weihnachtsbäckerei. Französische Gcwürzpfefferkuchen. ®/< Pfund süße Mandeln, il2 Pfund bittere Mandeln, 2 Liter feine» Weizenmehl, 4,5 Pfund guten Honig, 1,75 Pfund Zucker, 8 Gramm Ziwmt, 8 Gramm Nelken, 4 Gramm Kardamom «nd etwas pulverifirten Ingwer, die abgeriebene Schale einer Cttrone und 16 Gramm gereinigte Pottasche. Die feingeriebenen Mandeln werden mit dem Mehl, den fein gestoßenen und ge» siebten Gewürzen gut vermengt. Der Honig wird mit dem Zucker gekocht und kochend in da» Wasser gegossen, dann die i« warmem Wasser aufgelöste Pottasche hinzugethan und gut umgerührt. Dann auf ein Backbrett noch so viel Mehl hinzu» gethan, bis es ein sehr ft fier Teig ist, der nicht wehr klebt. Dann runde Kuchen ausgestochen und bei gelinder Hitze etwa 20 Minuten trocknen lassen, bis sie gelbbraun sind. Es gibt etwa 150 bis 180 Stück. Mandel-Lebkuchen. Zehn Eier werden mit einem Pfund Zucker schaumig gerührt, mit 250 Gramm gehackten, süßen Mandeln, 12 Gramm Zimmt, 6 Gramm gestoßenen Nelken, 4 Gramm Kardamom, einer halben geriebenen Mus» katnuß, der auf Zucker abgeriebenen Schale einer Citrone, 70 Gramm Citronat, 70 Gramm candirter Orangenschale, 5 Gramm Hirschhornsalz und einem Pfund feinem Mehl vermischt, die Masse auf länglich viereckige Oblotentafeln ge» strichen, mit einem Scheibchen Citronat in der Mitte belegt, mit Puderzucker bestäubt und bei mittelmäßiger Hitze gebacken. Um Marzipanherzchen zu bereiten, verfahre man nach folgendem Recepte: Ein Pfund möglichst frische und große, süße Mandeln und 16 Gramm bittere Mandeln werden geschält, in kaltes Wasser gelegt und dieses so oft gewechselt, bi» es sich nicht mehr weißlich färbt; dann trocknet man die Mandeln ab, zerreibt sie mit zwei Löffeln Rosenwaffer zu einem feinen Teig, vermischt denselben mit einem Pfund ge» siebtem Zucker, röstet die Masse auf gelindem Feuer ab, läßt sie etwas aurkühlen, wirkt sie mit noch 250 Gramm Staubzucker durch und rollt sie etwa */2 Zentimeter stark aus; sticht sie mit Blechformen zu kleinen Herzchen aus und schneidet dann Ränder au» dem Teig, die man auf die rings mit Rosenwasser angefeuchteten Böven aufsetzt und mit einer Kneipscheere kraus kneipt. Schließlich bäckt man die kleinen Marzipan- Herzchen auf einem Tortenblech mit kohlenbelegten Deckeln nur einige Minuten hellgelb, überzieht sie mit Ananas-Punsch oder einer beliebigen Glasur und belegt sie dann mit eingelegten Früchten. An feinem Silberdraht oder dünnem Seidenfaden ausgehängt, bilbet biefe« Backwerk auch einen hübschen Christbaumschmuck. Cilrorren-Bisquits. Ein Pfund Zucker, an dem man die Schale von vier Crtronen abgerieben, wird gestoßen und 15 Eidotter sowie 3 ganze Eier dreiviertel Stunden nach einer Seite hin gerührt, worauf man den Saft der Crtronen, den steifen Schnee der 15 Eiweiß und 450 Gramm feine» Mchl zu der Masse thut, diefelbe in eine mit Butter bestrichene Form schüttet und langsam eine Stunde bäckt. Gebackene Rose. Man macht von 300 Gramm Mehl, 100 Gramm Butter, 3 Löffeln Sahne, 3 Eidottern und 2 Eß» \ löffeln Wein einen Teig, rollt ihn messerrückendick au», und schneidet vier Blätter davon, welche in der Mitte zusammen- hängen müssen, dann schneidet man noch drei andere Stücke au», von denen jede» kleiner sein muß, bestreicht die drei größten Theile in der Mitte mit gequirltem Ei, legt sämmtliche Theile zierlich aufeinander, gleich einer Rose, die kleinsten obenauf, drückt in der Mitte etwa» zusammen, bäckt in Schmalz gelbbraun, füllt in die Mitte eingemachte» Beerenobst und streut Zucker auf. Brrtterkriegel find ein billige» und doch pikant schmeckendes Gebäck, wenn man auf folgende Weise verfährt: 2 Kilogramm Weizenmehl werden mit l‘/2 Schoppen lauer Milch, drei Eiern, etwa« Salz und 50 Gramm Hefe zu einem ziemlich festen Teig verrührt. Ist derselbe eine Stunde aufgegangen, so zerschneidet man Ihn in zwei gleiche Theile und treibt davon runde Kuchen au». Auf den einen legt man 625 Gramm Butter in dünnen Scheiben, deckt den zweiten Kuchen darüber, rollt den Teig au», schlägt ihn zusammen, theilt ihn wieder in zwei Hälften, und macht au» den letzteren zwei lange runde Streifen, die leicht übereinander gewunden und an den Enden fest zusammengedrückt werden. Dann kW man den Kringel auf einem mit Mehl bestreuten Blech aufgehen, bestreicht ihn mit Ei und bäckt ihn eine Stunde in gemäßigter Hitze. OernMehtes. Ei« Weihnachtszimmer festlich zu schmücke«. Keines der alljährlich wtederkehrenden Feste übt einen solchen Zauber mit seiner Geheimnißthueret auf Erwachsene und Kinder au» und keine» hinterläßt einen so nachhaltigen Eindruck auf da» Gemüthsleben der Kinder al» gerade das Weih» nachtsfest, daß sie es noch in späten Jahren, wenn sie schon längst zu Jünglingen und Jungfrauen herangewachsen find, zu den schönsten Erinnerungen, die sie im Elternhause erlebt haben, rechnen. Schon aus diesem Grunde und der eigenartigen Bedeutung de» Weihnacht«festes ergibt sich die ästhetrsche Forderung einer hübschen Ausschmückung de» Weihaachtszimmerr. Der üblichste Platz für den Weihnachtrbaum bildet die Ritte des Zimmers. Und doch dürfte die» im Allgemeinen verfehlt fein schon wegen des unsicheren Hintergrundes, den er dadurch eryält. Arn besten steht er unmittelbar vor einer Wand, von welcher aber alle für gewöhnlich vorhandenen Ausschmückungen, mit Ausnahme des etwa daran befindlichen Spiegel«, zu entfernen find. Eine besondere Beachtung verdient her Fuß der Baumes. Derselbe wird meist durch einen Aufbau von Steinen oder Moos zu verbergen gesucht, um ihn gewissermaßen ans einem natürlichen Boden wachsen zu lassen. Wo ein großer unmittelbar auf dem Fußboden stehender Baum vorgezogen wird, bekommt derselbe einen schweren Eisenfuß in der Gestalt von Baumwurzeln. Wer e» sich leisten kann und seinen Kindern eine besondere Freude machen will, beziehe die Lhrist- baumständer mit Musikwerk; durch diese wird die Feier der Tages ungemein erhöht und unwillkürlich beugt man hmgertffen von den einfachen und doch so tief ergreifenden Tönen und der Weihe des Abends seine Kniee. Zur geschmackvollen Einrichtung eine» Weihnachtrzimmer» ist e« erforderlich, daß alle überflüssigen Möbel entfernt werden und dar ganze Zimmer mit Tannengrün und Blattpflanzen in Harmonie gebracht wird. Besonder» eignen sich Ranken von Epheu und Immergrün, und namentlich Zweige der Stechpalme mit ihren glänzenden, schön geformten Blättern und rothen Beeren find hier am Platze. Von lebenden Pflanzen in Töpfen sind vorzugsweise Fächerpalmen wegen ihre» wirkungsvollen Gegensatzes zur Tannenform zu empfehlen. Durch solches Pflanzengrün find auch die Trsche, welche zum Aufbau der Geschenke dienen, zu schmücken. Kronen, Lampen und Lichter verleihen dem Ganzen einen magischen Reiz, und träumend stimmt man ein in die Worte de« Liede« „Stille Nacht, heilige Nacht." Literarisches »BeioLport«, Lahr i. ». Jllustrirte Sportzeitschrift für das gesammte Radfahrwesen, pro Quartal Mk. 1,50 bei jeder Poft- anstalt. — Inhalt der Nr. 40 (32 Eliten stark): Alkohol und fahrer von Feldmann. — Radfahrer-Schutzverbände von Georg »on Noris. — Der Kunstsahrer Frank und seine beste Evolution. — Die Wette. Eine Radfahrergeschichte von Willy Walther. — Schattenseiten des Rades für Ehemänner (Illustration). — Ausland. — Chronik. — Nachbars Leiden. — Pariser Brief. — Sportskladderadatsch. — H«»del und Industrie. — Die große Radfahrer-Akademie in Wien. — Vereins- nachrichten. Rebaction: D. Scheyda. - Druck und Derlay brr Brübl'schen IlniversttotA-Buck) - und ©trinbrncferei etf(6 SKevda) in Gießen.