Seinen für ein t vor meinen neuen Mama" Umstände sehr ) einer alten Vertraute ge« ideß kein Ver- spitzfindig: nken. Schau, en, wer sollte i Kind mehr, oar. h gleich drei ließen. daß ich aus dichten, einem den Mädchen hte, so könnte i. [ Bouchard'schen eine künstlerisch i stenenen Heft 6 . Asches Verlags- Heftes 40 Pfg.) Wir erblicken ür orientalischer a das Frauen- )lustigen Henker r. Die Frauen ;n Waffen und n hat sie der gegen fremdes Judaskuß" von nchnungen vom nücken dasselbe Halteplatze der !i Bozen" von e humoristische e" von Grögler, ^gedruckte Text- mtsche Sänger- id der Sonne", Die Dresdener noch die beiden Ms und „Die ich eine Reihe rßland", „Ein ■ Reichhaltigkeit eit" zu einem familiensreund, änden, wie es is anstrengend. Tänzerin, die den Geschwind- gegangen, gut rgung gibt sich ir eine Stunde teigen. Daher rzte Gewißheit [er leiden oder er zwei Jahre ifen, häufiges aäßiges Baden, iz gesunde und nie die jungen )em Tanze zu- aten Zeitschrift 3 Song & Co ), Darbietungen zsheft gebracht it Gießen. A D-MttStag bett 8 Oktober UnterhaltungsdLatt zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). <-V-%• Vee VV WML ÄS» Falsches Spiel. Roman von E. v. Linden. (Fortsetzung.) „Verzeihen Sie, gnädiges Fräulein," begann Paulsen ohne Zögern, „ich wollte mir nur die Frage erlauben, ob wir uns auf dem rechten Wege nach dem Schlöffe des Herrn Rittmeisters von Alting befinden?" „Allerdings," erwiderte Ellen noch überraschter, „zu wem wollten Sie dort, wenn ich fragen darf?" „Zum Herrn Rittmeister selber —" „Ihn können Sie leider nicht sprechen," fiel sie hastig ein, „der Herr Rittmeister ist auf der letzten Jagd schwer verwundet worden, er liegt noch jetzt im Forsthause. Ich selber habe augenblicklich keine Minute Zeit übrig, und muß Sie deshalb ersuchen, einstweilen hier den geraden Weg durch den Wald, der direct nach dem Forsthause führt, einzuschlagen und dort meine Rückkehr zu erwarten. Wenn Sie es aber vorziehen sollten, dem jungen Herrn von Alting, einem Neffen des Herrn Barons, Ihr Anliegen vorzutragen, er ist im Schlosse —" „Das weniger, meine Gnädigste," fiel Paulsen mit einem seltsamen Lächeln ein, „wir begegneten ihm vorhin, — er ritt dort hinaus. Mit ihm hat unsere Botschaft nichts zu schaffen." „Wir werden uns vielmehr gestatten, von Ihrer gütigen Erlaubniß Gebrauch zu machen, gnädiges Fräulein," nahm Romberg jetzt rasch das Wort. „Vielleicht würden Sie unsere Mittheilung anhören, da zu unserem tiefen Leidwesen der Herr Rittmeister nicht im Stande dazu ist." Sie neigte das Haupt gegen den jungen Mann und gab den Befehl zum Weiterfahren. Während Ellen, erfreut über die Gewißheit, Hans Justus nicht im Schlöffe anwesend zu finden, und zugleich verwirrt und bestürzt über die auffällige Aehnlichkeit, die zwischen ihm und diesem einfach gekleideten Fremden bestand, ihre augenblickliche schwere Sorge um den Vater vergaß, blieb Romberg wie angewurzelt stehen und schaute dem Wagen nach, bis er in der Ferne verschwunden war. Auch der alte Paulsen blickte aufmerksam nach einem entfernten Gegenstand. Er hatte noch gute Augen und war dar, was man fernstchtig nennt Doch galt sein Spähen, wobei er die Rechte beschattend über die Augen hielt, nicht dem Wagen, sondern einem Manne, der ebenfalls jenem nach« schaute, und fich nun wieder, dem Walde zu, in Bewegung setzte. „Mit Verlaub, Herr Romberg," sagte Paulsen, den Arm des jungen Mannes ergreifend und ihn mit fich in den Wald hineinziehsnd. „Da kommt Einer, den ich mir genau 6e* trachten muß, er darf uns aber nicht sehen. Postiren wir uns hinter eine dieser prächtigen Eichen, dann kann er uns nicht entgehen." Kopfschüttelnd folgte Romberg der wunderlichen Auf» forderung. — Sie standen vollständig verborgen und lautlos wie auf dem Anstande. Nach einer Weile hörten sie einen festen Schritt, der am offenen Gitterthore anhielt. Der Mann trug eine grobe Jagd«Joppe, eine Kappe und hohe Kniestiefel, schien also, wie Romberg, der feine Rückseite nur sehen konnte, zum Forsthause zu gehören. Plötzlich ergriff Paulsen mit festem Griff seine Hand und flüsterte: „Joe Catton!" Der junge Mann hätte beinahe einen Laut der lieber« raschung ausgestoßen, den er noch glücklich bemeisterte. Der brave Catton wagte sich einige Schritte in den Wald hinein, zögerte dann, brummte etwas Unverständliches vor fich hin und ging nun eiligst wieder auf die Landstraße zurück, wo er feinen Weg in der vorhin eingefchlagenen Richtung fortfetzte. Als feine Schritte auf der Chaussee verhallt waren, verließen die beiden Männer ihr Versteck und begaben sich auf den breiten Fahrweg, der den schönen Wald durchschnitt. „Nun, das gesteh' ich, alter Freund," begann Romberg, „ich hab' immer geglaubt, das schärfste Jäger«Auge zu be- sitzen, muß aber vor Dir die Segel streichen. In solcher Entfernung diesen Burschen, den wir drüben in Amerika wähnten, zu erkennen, — das fordert meine ganze Bewunderung heraus." „Dank, junger Herr," schmunzelte Paulsen, „der Joe Catton trägt den Yankee übrigens so deutlich an sich, daß er hier unter meinen Landsleuten überall kenntlich wäre. 470 Der Hallunke, mit dem ich noch ein besonderes Hühnchen zu pflücken habe, wie Sie wissen, ist mir häufig genug in den Weg gelaufen, als Spießgeselle des edlen John Alting." »Er hat es gewagt, diesen Räuber mit herüber zu nehmen," knirschte Romberg, „o, daß ich mit dem entehrten Namen nur verschont bliebe!" „Na, für so dumm halte ich Ihren Stiefbruder nicht, fich diese Begleitung freiwillig aufzuhalsen," meinte Paulsen ruhig, „dem braven Joe Catton wird drüben der Boden allmälig zu heiß geworden sein, und da hat er die erste beste sGelegeuheit ergriffen, um dem Kameraden, der jedenfalls mit einem reichen Erbonkel geprahlt hat, nachzureisen. Wenigstens hat der junge Herr Baron einen tüchtigen Blutsauger an ihm bekommen." Romberg schauderte unwillkürlich und nickte gedankenvoll. „Ein prächtiger Wald, nicht wahr, Herr Justus?" fuhr Paulsen, der Unterhaltung eine andere Wendung gebend, heiter werdend, fort, „sehen Sie stch diese alten mächtigen Stämme nur an, und welche sorgfältige Hand hier waltet, welche musterhafte Forst-Cultur." „Ja, der Wald ist schön," erwiderte der junge Mann, zerstreut um fich blickend, „mir gefällt dieses Land und seine Bewohner immer mehr." Der Alte blickte ihn mit einem humoristischen Lächeln von der Seite an; woher hatte er denn ein Urtheil über die Bewohner schon gewinnen können? Vielleicht durch die junge Dame in dem Jagdwagen? „Es ist aber ein recht ungemüthlicher Gedanke, diesen Joe Catton hier plötzlich Herumschleichen zu sehen," sagte er nach einer Weile, „mir geht dabei allerlei durch den Kopf. Die junge Dame sagte doch, daß der Rittmeister von Alting auf der Jagd schwer verwundet worden sei, — möchte wohl wiffen, wie da« zugegangen ist." Romberg blieb stehen und blickte ihn erschreckt an. „Du meinst doch nicht, daß er durch eine fremde Kugel aus dem Hinterhalt — daß mein Stiefbruder oder dieser Schuft von Catton — um Gotteswillen, Paulsen, der Gedanke ist zu entsetzlich! Nein, nein, weshalb auch, da er fich jedenfalls hier ficher genug im Sattel fühlt —" „Möglich, junger Herr," wandte der Alte ruhig ein, „ob er aber so sicher im Sattel sitzt, ist wohl die Frage, da Mr. John Alting seine Natur nicht verleugnen kann. Ein Sperling in der Hand ist jedenfalls besser als die Taube auf dem Dache, und ein reiches Erbe in unbestimmter Ferne, das von dem Willen eines Lebende» abhängt, wird für den jüngsten Alting auf die Dauer etwas Unmögliches fein. Das geduldige Abwarten soll seine allerschwächste Tugend sein, die er überhaupt nicht haben wird. Und nun denken Sie fich einen Menschen wie den Joe Catton, al« Anhängsel, einen Etraßenräuber, der wenigstens schon zehnmal mit knapper Noth dem Galgen entronnen ist, und die Rechnung muß stimmen. War hatte der Schuft hier in den Wald hinetnzuspüren, just wie das böse Gewissen? Sahen Sie denn nicht, wie er fich fürchtete, weiter zu gehen, und wie ein scheuer Verbrecher umkehrte? Ich hatte die größte Lust, ihn durch meinen plötzlichen Anblick bis auf den Tod zu erschrecken, weil er mich längst für begraben hält, e« wäre aber am Ende nicht klug gewesen." «Nein, jedenfalls sehr verfrüht, alter Freund," erwiderte Romberg, tief aufseufzend, „ein« nur giebt mir in diesem unseligen Famtlieu-Drama die nöthige Ruhe und Entschlossenheit zurück," setzte er dann, fich straffer aufrichtend, hinzu, „nämlich die Ueberzeugung, durch meine Gegenwart vielleicht Verbrechen oder fchwere« Leid verhindern, mindestens aber die Betrüger entlarven und verscheuchen zu können. Und diese Mission werde ich bestimmt erfüllen." „Das ist ein mannhaftes Wort, Herr Romberg," sagte Paulsen erfreut, „wie ich's auch von Ihnen nicht anders erwartet habe. Mir aber werden Sie schon den Mr. Joe überlassen müssen, der sicherlich meine Uhr in der Tasche trägt. Ich wuß ihm doch seine Freundlichkeit vergelten." „Nein, mein Alter, mit dem darfst Du nicht anbinden," sprach Romberg fest, „ich will und kann einen solchen treuen Freund in diesem fremden Lande nicht verlieren, — die Partie wäre zu ungleich. Er darf Dich vorerst nicht fehen." „Na, kommt Zeit, kommt Rath, junger Herr, der alte Paulfen hat solche Schulden stets abgemacht. Hören Sie die Hunde? Wir werden schon von ihnen begrüßt." Lautes Kläffen belehrte sie über die Nähe des Forst- hauses. Eine befehlende Stimme rief die Hunde zurück. — Nach einer Weile erschien, aus einem Seitenpfade tretend die Gestalt des Försters Erichsen, der sichtlich überrascht auf die Fremden blickte. „Wollten Sie vielleicht den Förster sprechen, meine Herren?" fragte er, höflich ihren Gruß erwidernd, „der bin ich." „Sie werden entfchuldigen," nahm Romberg rasch das Wort, „wir sind au» weiter Ferne gekommen, um den Herrn Rittmeister von Alting zu sprechen, und hörten von einer Dame, daß er leider auf der Jagd verwundet worden sei, und fich hier im Forsthause befinde. Die Dame, — sie fuhr in einem Jagdwagen, — ersuchte uns, ihre Rückkehr zu erwarten." „Dann heiße ich Sie in meinem Revier willkommen,' erwiderte Erichsen, zu ihnen tretend, „bitte, folgen Sie mir." Sie gingen jetzt schweigend nebeneinander her. „Hoffentlich ist die Verwundung des Rittmeisters nicht gefährlich," bemerkte Paulsen nach einer Weile, „wohl nur ein Streifschuß durch eigene Unvorsichtigkeit, denke ich mir." „Wir sind darüber im Unklaren," verfetzte der Förster etwas zurückhaltend, „doch hat die Kugel die Brust durchbohrt und somit eine lebensgefährliche Wunde verursacht, mein theurer Herr liegt in hochgradigem Fieber, ist also noch unzurechnungsfähig. Der Arzt hat, wie ich fürchte, wenig Hoffnung, fein Leben zu erhalten." „Das wäre ein große« Unglück," sagte Romberg besorgt. „Größer, al« Sie e« zu ahnen vermögen," seufzte Erichsen. „Sollte ihn vielleicht die Kugel eines anderen unvorsichtigen Schützen getroffen haben, oder pürschte Ihr Herr ganz allein?" warf Romberg fragend hin. „Wir halten große Jagd, — die jungen Herren jagten in einem entfernteren großen Wald-Revier, während die älteren Gäste fich hier dem Waidwerk Hingaben. Sie waren aber sämmtlich so placirt, daß fich keine Kugel verirren und ein Unglück anrichten konnte. In diesem Punkte bin ich vollständig sicher, könnte ich'« nur ebenso sehr in dem anderen sein." „Sie meinen hinsichtlich der Selbstverwundung?' fragte Paulfen. Der Förster zuckte die Achseln und schwieg. „Wir find im Unklaren darüber, sagte ich Ihnen bereits, und werden'», was Gott freilich gnädigst verhüten möge, vielleicht für immer fein." „Gehört die junge Dame zu Ihnen, Herr Förster?" fragte Paulsen, als ste fich dem Hause näherten. „Ei, warum nicht gar, es war Baronesse Ellen, die Tochter meines Herrn." „So war der Herr Rittmeister von Alting verheirathet?" «Nein, er hat die junge Dame adoptirt, sie ist ihm lieb, wie eine eigene Tochter und verdient es auch, da sie, edel und von wahrer Herzensgüte, die größte Liebe und Verehrung genießt." „So hab' ich ste auch taxirt," meinte Paulsen, «am Ende heirathet ste den Neffen —" „Aber Alter, war fällt Dir ein?" unterbrach Romberg ihn stirnrnnzelnd, „solche Reden find nicht am Platze." „Na, schadet nichts, junger Herr," sagte Erichsen, „der Gedanke liegt am Ende nahe genug, da die meisten Leute in unserer Gegend dasselbe denken. — Mich können Sie aus- uehmen, denn wenn unsere Baronesse auch noch nicht verlobt ist, so möchte ich doch darauf schwören, daß kein Paar daraus wird, obschon der Herr Neffe wohl als Erbe zu betrachten ist." „Ich meine, das müsse von Rechtswegen die Tochter des Rittmeister« fein," bemerkte Romberg. - 471 »Ist Altinghof vielleicht ein Majorat?" fragte Paulsen rasch. „Nein, mein Herr kann testamentarisch frei darüber verfügen und hat's hoffentlich zu Gunsten der Baroneffe auch schon gethan. Ich bin sozusagen mit meinem gnädigen Herrn ausgewachsen, da mein seliger Vater bereits im Dienste der Familie war und als Förster in diesem Hause wohnte. Ich weiß deshalb auch genau, daß der jüngere Sohn, Herr Baron Hans Joachim, der vor fünf» oder sechsundzwanzig Jahren nach Amerika auswanderte, sein Erbe vollständig erhalten hat. Es steht mir im Grunde wohl nicht an, Fremden gegenüber von solchen Dingen zu reden," setzte er, stch besinnend, unruhig hinzu, „auch ist es sonst meine Art nicht, aber ich will's nur gestehen, daß Ihr Anblick, junger Herr, mich merkwürdig überrascht hat, weil Sie eine ganz auffallende Ähnlichkeit mit dem amerikanischen Neffen meines Herrn haben. Verstehen Sie mich recht, es sind nur die Gestchts- züge, woraufhin man beim ersten Blick schwören möchte, daß Sie Brüder sind. Sehen Sie, ich meine ja nur auf den ersten Blick, sonst aber gefallen Sie mir weit besser, ich will Ihnen auch sagen warum. In der Ahnen «Reihe derer von Alting hängt als letztes lebensgroßes Bild die selige Mutter meines Herrn, eine liebe, schöne Dame, der Sie, junger Herr, wie aus den Augen geschnitten sind. Sie haben ihren freundlichen Blick, den Zug von jener Herzensgüte int Gesicht, die mit allen Menschen Erbarmen hatte, auch mit dem verkommensten Sünder. Das war eine Frau, sag' ich Ihnen, nein, ein Engel, um den die Armen noch jahrelang getrauert haben. Und da kommt nun urplötzlich ein Wildfremder, der ihr gleicht, als wär's ihr Sohn, und der meinen armen todtkranken Herrn sprechen will — soll ich da nicht an ein Wunder glauben? Soll ich nicht hoffen dürfen, daß der Herrgott Sie hierher geschickt hat, um ein Wunder zu vollbringen? Verzeihen Sie einem alten Manne, der sich in seiner Angst und Roth an einen Strohhalm klammert und Ihnen am Ende wie ein Narr erscheinen mag." „Nein, Herr Förster, erwiderte Romberg, ihm bewegt die Hand reichend, die Erichsen mit festem Druck umfaßte, „ich begreife Ihre Angst und Ihren Kummer nur gar zu gut, weil ich den Neffen des Rittmeisters kenne. Wenn er aber mir gleicht, so muß er doch auch seiner Großmutter ähnlich sein." „Nun ja, er sieht ja seinem Vater sehr ähnlich, der das Abbild der gnädigen Frau Mutter war. Aber die Augen, mein lieber junger Herr, da liegt der Unterschied. Sein Blick ist falsch und dazu grausam, er quält die Leute bis aus's Blut, als wären sie schwarze Sclaven; er hat das schönste Pferd — ein Geschenk meines Herrn — zu Schanden geritten, daß es mit zerrissenen Flanken im Stall verendete. Seine Augen sagten mir Alles auf den ersten Blick. Und nun bitte ich Sie, mir nur zu verrathen, ob Sie von Amerika kommen?" »Ja," sagte Romberg leise, „ist es aber nicht gefährlich, solche Ding» hier im Walde zu erörtern, wo man vor Horchern nicht sicher ist?" „Unbesorgt," erwiderte der Förster, der seiner Erregung nur in leisen Worten Ausdruck gegeben hatte, „mein Cäsar hier hätte mir schon längst Anzeige davon gemacht, er wittert jeden Feind und hat Sie Beide bereits als Freunde legitimirt. — Und nun bitte ich nochmals um Verzeihung, Sie mit meinen unbescheidenen Reden belästigt zu haben, anstatt den Gästen meiner Baronesse Obdach und Erfrischung anzubieten. Kommen Sie, meine Herren I" „Halt, Herr Förster," sprach Paulsen mit Nachdruck, „Sie müssen doch wissen, wen Sie unter Ihr gastliches Dach einladen. Ich bin ein Schleswig-Holsteiner, habe anno 48 für die Heimath gekämpft und folgte meinem Hauptmann in die Verbannung. Er ist just vor unserer Abreise gestorben und dies hier ist sein Pflegesohn, Herr Justus Romberg, der seinen Namen bis heute getragen hat, wenn er auch nicht daraus getauft worden ist. — Ich bin der schleswig-holsteinsche Unteroffizier Paulsen." „Nun, dann heiße ich Sie als Landsleute herzlich willkommen," rief Erichsen erfreut. „Möge Ihre Gegenwart für meinen theuren Herrn und für ganz Altinghof ein Glück be- deuten, das für uns einzig und allein in der Genesung des Gebieters liegt." Er führte die Fremden in'« Haus und dann in feine einfache Wohnstube, deren Hauptfchmnck aus verschiedenen Jagd-Trophäen bestand. „Ich glaube, Herr Förster," nahm Romberg hier rasch mit halblauter Stimme das Wort, „daß es aus verschiedenen Gründen wohlgethan, ja sogar nothwrndig sein würde, wenn wir uns noch vorerst so viel als möglich verborgen hielten. Können Sie sich auf Ihre Leute hier im Hause verlassen?" „Was meine Frau, unsere alte Magd und den Jäger- burschen anbetrifft, vom Holzknecht gar nicht zu reden, so kann ich mich aus ihre Verschwiegenheit wie aus mich selbst verlassen. Nun ist aber auch noch der Arzt und ein Barbier hier im Hause, natürlich nehm' ich den Doctor aus; für den Barbier, der stch Heilgehilfe nennt und dabei ein böses Klatschmaul ist, kann ich aber nicht einstehen. Na, meine Herren, warten Sie nur, bis die Baronesse zurückkehrt, sie ist die Einzige, an die Sie stch als die rechtmäßige Stellvertreterin des Herrn Rittmeisters wenden müssen und der Sie volles Vertrauen schenken können. Nun aber wollen wir erst eine Magen- stärkung haben." „Halt, Herr Förster," sprach Paulsen, „kommt dar Klatschmaul von Barbier auch zuweilen in diese Stube?" «Natürlich und noch dazu, ohne erst anzuklopfen." „Dann bringen Sie meinen jungen Herrn in ein andere« Gelaß, — mich kann er gern sehen, Eie können mich ja für Ihren Verwandten ausgeben. Aber Herr Romberg mit seinem Gesicht — ich setze nämlich voraus, daß der Barbier den Neffen des Herrn Rittmeisters kennt „Freilich, er hat ihn ja oft genug schon unter feinem Scheermeffer gehabt," fiel der Förster nachdenklich ein, „da müssen Sie sich also mit einer kleinen Kammer begnügen, Herr Romberg, weil mein kranker Herr natürlich da« geräumigste Zimmer haben mußte. — Will aber doch dafür sorgen, daß er uns jetzt nicht überrascht." (Fortsetzung folgt.) Wie Ehen geschloffen werden. Von Eugen Jfolani. ------- (Nachdruck verboten.) Die Ehe ist unstreitig ein hochinteressante« Capitel au» der Geschichte des Menschheit. Ich habe in meinem Leben vielleicht zweitausend verschiedene Romane gelesen und die gleich Anzahl Lustspiele und Schwänke gesehen, und fast in jedem dieser Werke wurde die Ehe auf andere Weise vom Dichter zusammengebracht. Ich habe EhebÜndniffe kennen gelernt, bei denen der Regen den Galeotto gemacht, und solche, die im Scheine der Sonne und durch den Glanz derselben geschloffen wurden; Ehen, die sowohl auf ebener Erde, wie zehntausend Fuß hoch Über dem Meeresspiegel in einer einsamen Unterkunftshütte auf den Bergen zum Abschluß gelangten. Selbst das Ehebündniß im Luftballon ist mir nicht fern geblieben, während Zola in seinem Germinal die Herzen zweier Liebenden zusarnmengeschmiedet. Aber trotz alledem möchte ich behaupten, daß die Wirklichkeit die Phantaste der Romanschriftsteller weit Übersteigt. Die Geschichte der Liebe ist so unendlich reich an Stoff, daß Tausende von Dichtern all das Material nicht aufarbeiten können, welche» das Leben un» bietet. Wie oft geräth man bei der Lectüre eines Romans ober im Theater über die Art und Weife, wie der Autor feine Gestalten „sich kriegen" läßt, in Erstaunen und zuckt über die Unwahrscheinlichkeit die Achseln. Und doch kenne ich zahlreiche Liebesgeschichten, die man kaum für möglich hält, die sich indeß wirklich ereignet haben. Einige derartige wahr und wahrhaftige Liebes- und Ehegeschichten will ich in folgenden Zellen erzählen. Es war im Sommer bee Jahre» 1780, al« die Dichterin —• 472 ssa Philippine Satterer, die Tochter des berühmten Hofraths und Historiker» gleichen Namens in Göttingen, nach Kastel herüber- kam, um sich von dem Academie-Director Joh. Heinrich Tischbein, dem Aeltesten aus der zahlreichen Künstlerfamilie dieses Namens, malen zu lasten. Die einfache, zwanglose Liebenswürdigkeit des vterundzwanzigjährigen Mädchens nahm da» freundschaftliche Herz des damals achtundfünfzigjährigen Mannes so ein, daß er sehnltchst wünschte, die junge Dichterin bei sich in Eassel behalten zu dürfen. Zu diesem Zwecke vermittelte er die Bekanntschaft eine» jungen Freundes mit ihr, Namens Engelhard, der fast vier Jahrs älter als sie, eben wirklicher Kriegsfecretariu» geworden war, und mit Vornamen Philipp hieß. „Philipp und Philippine — Nomen et omenl* so scherzte Tischbein. Seine Bemühungen waren mit Erfolg gekrönt. Wie das Bild Philippineus auf der Leinwand immer mehr und mehr Gestalt gewann, so auch im Herzen des jungen Kriegssecretarius. Philipp und Philippine liebten sich, erklärten sich und heiratheten sich. Soweit mag diese Ehegeschichte etwas Besonderes wohl nicht bieten. Aber das Ungewöhnliche kommt noch. Philippine war längst nicht mehr die junge Frau Kriegssecretarius, sondern die mit Töchtern gesegnete Frau Oberappellationrrath. Es war im Sommer des Jahres 1808. Die Residenz des König» Jerome war in großer Aufregung. Der Maire von Castel, Herr von Tanstetn, hatte den Kopf verloren, da die zum ersten Male ankommenden Retchsstände von ihm Wohnung verlangten. Dis Honoratioren der Stabt mußten Logirgästs aufnehmen; im Hause des Herrn Oberappellationsrath erhält der reiche Fabrikant Nathusiu» au« Magdeburg Quartier. Der schon im vorgerückten Alter befindliche Hagestolz fühlt stch in der Familie äußerst behaglich, besonder» gefallen ihm die steben Töchter der Hauses, und es entgeht ihm auch nicht, daß dieser reiche Mädchensegen auf keinem sonderlich reichen Boden erwachsen ist. Die Sehnsncht nach einem so behaglichen Heim überkommt ihn, und es währt nicht lange, so offenbart er den Eltern seine Verhältnifle und gibt den Wunsch zu erkennen, eine der Töchter mitnehmen zu dürfen, um ste al» seine Gattin heimzuführen. Doch nicht er selbst will wählen, sondern es den Eltern und Töchtern zu bestimmen überlaffen, was ihm zu Theil werden soll. Da entschließt von den Sieben sich die Zweitälteste für den glücklichen Nathusius. Doch etwas trübt noch besten Glück. Er hat die sechs Schwestern seiner Braut auch sehr lieb, und möchte daher auch diese mit nach Magdeburg nehmen. Da fällt ihm ein, daß er in seinem ausgedehnten Geschäft genug junge Männer habe, die er gern für ihre Tüchtigkeit belohnen und ebenso glücklich machen möchte, wie er es sei. So war die ganze Auflage einer deutschen Dichterin mit einem Male vergriffen. Nathusius hielt, was er versprochen, er sorgte dafür, daß seine sämmtlichen Schwägerinnen sehr bald alle in den Ehestand treten konnten, nachdem er das ganze halbe Dutzend zugleich mit seiner Frau nach Magdeburg genommen' In sehr eigenthümlicher Weise kam auch Dufresne, der französische Dichter und Historiker, der im 16. Jahrhundert lebte, zu einer Frau. Gr beschloß nämlich einfach eines Tages zu heirathen, und zwar die erste Beste, dis ihm gefallen würde. Da trat feine Wäscherin, ein hübsches Mädchen, ins Zimmer. Dufresne, der sehr dem Spiel ergeben war und daher viel Schulden hatte, war auch der Wäscherin Geld schuldig; diese drängte den Leichtsinnigen, ihr endlich seine Schuld zu bezahlen, da sie in den nächsten Tagen heirathen wolle. Was that Dufresne? Er machte der Wäscherin selbst einen Heiraths« antrag, sie willigte ein und so hatte er zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: er war seine Schuld los und hatte eine Frau. Eine der originellsten Ehen schloß Anton Friedrich Büsching, ! der berühmte deutsche Geograph (geb. 1724, gest. 1793), welcher der deutschen Nation das erste geographische Werk gab, | das auf wissenschaftliche Behandlung und auf einige Vollständig- | feit Anspruch machen konnte. Büsching war zweimal ver- hb«rathet. Wie er zu seiner ersten Frau kam, vermag ich nicht zu erzählen; nur soviel kann ich mitthellen, daß er sie im Jahre 1777 plötzlich durch den Tod verlor. Büsching wohnte damals in einem Gartenhause einer Berliner Vorstadt. Der Gelehrte muß mit seiner ersten Gattin sehr glücklich gelebt haben, denn er war über ihren Tod fast untröstlich, und da er sich nicht von der Verstorbenen trennen wollte, so ließ er ste unter seinem Fenster im Garten begraben, ohne daß er die Erlaubniß des Oberconsistoriums dazu erhalten hätte. Als er späterhin dann erfuhr, daß er diese auch niemals erhalten haben würde, freute er sich über das Schnippchen, das er den Behörden geschlagen hatte, denn nun konnte man ihm das eigenmächtig genommene Recht ja nicht streitig machen. Der Tod seiner ersten Frau trat im Spätherbst ein. Als nun aber der Winter kam, wurde er ihm in seinem Gartenhause zu kalt und er mußte nach seiner Stadtwohnung zurück- kehren. Da er jedoch fürchtete, daß es ihm hier allein erst recht einsam erscheinen würde, so beschloß er, nicht ohne Gattin dieselbe zu beziehen. Er nahm sich einen Wagen und fuhr eines Morgens zu feinem Freunde, dem Oberconsistorialrath Teller, den er bat, ihm eine Wahl treffen zu helfen, damit er in acht Tagen wieder verheirathet fein könne. Dr. Teller, der wohl wußte, daß feinem Freunde Ideen, die er sich einmal in d-n Kopf gefetzt hatte, nicht so leicht auszureden feien, rief feine Frau herein und alle drei berathschlagten nun, wer für ihn wohl am geeignetsten wäre. Frau Dr. Teller schlug eine verwittwete Justizräthin vor. Sofort setzte stch Büsching wieder in seinen Wagen, fuhr bei der Dame vor und erklärte ihr, weswegen er komme. Als er dann aber im Laufe des Gesprächs sagte, seine Frau dürfe weder unter achtundzwanzig noch über 30 Jahre sein und nun hörte, daß die junge Wittwe dieses Alter noch nicht erreicht habe, bat er um Entschuldigung wegen der verursachten Störung und verließ die, nicht wenig über den sonderbaren Freier erheiterte Dame. Büsching fuhr zu seinem Freunde zurück und bat ihn, eine andere Gattin vorzuschlagen. Dies geschah, die Empfohlene gefiel besser; den dritten Tag verlobte er sich, und eine Woche darauf feierte er schon seine Hochzeit, nachdem er beim Con- sttorinm erwirkt hatte, daß das damalige Aufgebot am vorhergegangenen Sonntage genügte. Bei der Trauung stellte sich Dr. Teller etwas spät ein, und Büsching bat ihn daher, er solle es kurz machen, da er nicht viel Zeit habe. Die Trauungsrede bestand deshalb nur in wenigen Worten. Auch diese im Laufschritt eingegangene Ehe soll eine ungemein glückliche gewesen fein. Zum Schluß will ich noch erzählen, wie Garibaldi zu seiner Frau kam. Er selbst berichtet in seinen Denkwürdig- ketten, auf welch' seltsame Art und Weise er die kecke Amazone kennen lernte, welche die Gefährtin seine» abenteuerlichen Lebens wurde. Nach einem blutigen Gefecht, in dem alle seine italienischen Waffengenoffen gefallen waren, befand sich Garibaldi in der Nähe der Burra, des östlichen Theiles der Einfahrt in die Jayuna. „Zufällig warf ich einen Blick auf ein Hau»," so erzählt Garibaldi, „und bemerkte dort eine junge Dame, die mich auf eine so geheimnißvolle und unwiderstehliche Weise an sich gezogen hatte. Ich begrüßte sie, wir wurden schnell bekannt, und ich fühlte, daß der verborgene Schatz, den ich entdeckt hatte, von seltenem und unschätzbarem Werths sei. Später habe ich mir oft Vorwürfe gemacht, daß ich sie der friedlichen Zurückgezogenheit ihrer Heimath entriß, um ste in Mühen, Letven und Gefahren zu stürzen. Der zufällige Anblick eine» Mädchen», da« still und bescheiden dahin lebte, hat hier dazu geführt, daß dieses die Frau eine» berühmten Mannes wurde und als solche Eigenschaften entwickelte, die ste stcherlich in ihrem stillen Mädchen- Heim wohl niemals geahnt hatte, denn Frau Garibaldi, die ihren Mann immer begleitete und an seiner Seite zu Wasser und zu Lande focht, verrichtete Wunder der Tapferkeit, obwohl ste in ihrer Jugend das friedlichste Leben geführt. Webaction: Z. Scheyda. — Druck und »erlag der Brühl'schen UniverffkRS-Bnch- und Sleindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.