UnterhaltungMatt pim Gießener Anzeiger (General-Anpiger). MWMU Der Confident. Aus den Erinnerungen eines Criminalbeamten. Von A. Oscar Klausmann. (Schluß.) Darauf gerleth Frohner in noch größeren Zorn und schwur, er werde dem alten Mann schon zeigen, was er könne. Natürlich hatte das Liebespaar wenig Hoffnung, trotzdem es Frohner wiederholt seiner Protection versicherte. Aber schon am nächsten Tage kam er zu mir und fragte mich, ob es nicht möglich sein würde, Frau Grinzinger an einem der nächsten Tage nach dem Commissariat zu bestellen. „Was giebt's denn?" fragte ich Frohner. „Nun," meinte er entrüstet, „ich muß einmal ein Wörtchen mit dem alten Esel, dem Grinzinger, sprechen und die Frau soll dabei nicht im Hause sein. Ich muß Rücksicht auf die Frau nehmen. Könnten Sie, Herr Commiffar, die Frau nicht hierher vorladen und Sie im Vorzimmer warten lassen, damit sie ein oder zwei Stunden nicht zu Hause ist?" „Das kann ich nicht ohne Weiteres, Frohner. Vor Allem muß ich wissen, um was es sich handelt." „Nein, nein, das ist mein Geheimniß!" sagte Frohner. „Ich mache die Sache ganz allein. Ich werde dem Alten schon zeigen, was es heißt, närrisch sein und Menschen unglücklich machen I Ich sage Ihnen, der Ferdel und die Poldi gehen beide in die Donau, wenn es noch lange dauert, und es ist ein so hübsches Paarl, ein bildsauberes Mädel und ein prächtiger Bursch, und habe ich dem Esel, dem Grinzinger, deshalb sein Vermögen gerettet, damit er jetzt solche Dumm- heilen macht?' „Ich versichere Sie, ich habe einerseits über Frohner lachen müssen, weil er höchst drollig in seinem Zorn über Grinzinger war, als dessen Gönner er sich aufspielte, andererseits war ich gerührt nicht nur über die Art und Weise, wie sich dieser „Auswürfling" der menschlichen Gesellschaft de» unglücklichen Liebespaares annahm, sondern auch über den Gedanken, wie es das Schicksal und des Himmels Fügung vielleicht einrichtete, daß selbst ein solcher Mensch, den seine eigenen Mitmenschen kaum für ihresgleichen hielten, dazu berufen sein sollte, das Glück Anderer zu begründen, während er selbst nie aus dem Unglück und aus erbärmlichen Verhält« ntssen herauszekommen war. „Ich will Ihnen was sagen, Frohner," erklärte ich ihm, „ich kann mit amtlichen Maßnahmen nicht vorgehen, aber wenn Ihnen so viel daran liegt, an einem gewissen Tag und für einige Stunden die Frau Grinzinger nicht zu Hause zu haben, so kann ja vielleicht meine Frau die Frau Grinzinger zu einem Kaffee einladen. Eine solche Kaffeevisite dauert ja auch einige Stunden. Machen Sie nur keine Dummheiten, Frohner." „Ich mache keine, Herr Commiflar, selbst wenn der Grinzinger noch dümmer ist, als ich glaube, und noch bösartiger und verstockter. Was kann mir schon geschehen? Einsperren können Sie michl Al» ob ich mir daraus etwas machte! Es geht so wie so wieder zum Winter." Damit schob Frohner ab und begab sich direct zu meiner Frau, um ihr klar zu machen, daß Frau Grinzinger an einem bestimmten Tage bei ihr eingeladen werden müsse. Meine Frau verkehrte sonst nicht mit Frau Grinzinger; aber Frohner setzte ihr auseinander, es würde ein Leichte» sein, Frau Grinzinger zu einem Besuch zu bewegen, wenn ihr meine Frau in einem Briefchen mittheile, sie habe ihr etwa» von ihrem Sohne zu erzählen. Daß Frau Grinzinger auf jeden Fall kommen würde, weil sie sich so wie so durch die Einladung geschmeichelt fühlte, war eigentlich selbstverständlich." Es war drei Tage später. Grinzinger saß in seiner Privatwohnung und hielt einen etwas dauerhaften Mittagsschlaf. Seine Frau war nicht zu Hause; sie befand sich als Gast in meinem Hause. Da erschien in der Küche bei Grin- zingers dis wohlbekannte Gestalt Frohners. Er verlangte dringend den Hausherrn zu sprechen. Man erklärte ihm, daß dieser j-tzt schliefe und nicht geweckt werden dürfe. Frohner aber geberdete sich sehr aufgeregt und erklärte, er müsse Grinzinger unter allen Umständen sprechen; e» Handls stch um eine sehr wichtige Sache. Da man im Hause wußte, daß Grinzmger in der Thal etwas auf den Pülcher hielt, wurde Grinzinger geweckt und nach kurzer Zeit erschien vor ihm Frohner. Der Pülcher hatte ein unheilverkündendes Gesicht, als er sagte: „Ich küß die Hand, Euer Gnaden. Herr Grinzinger, *= 366 -ä. iii B ?e bl sei lid Etz stai sich schö doitz gern nich jun, Pri, die ' verb groß Dies schlie Zum Besten gehabt. ) scherz, Neckerei. m thut mir leid, daß ich mit einer solchen Nachricht zu Ihnen komme, und daß ich gerade der sein muß, der den Armen den letzten Dienst erwiesen hat. Na, vielleicht mußte mir das geschehen, weil ja Sie, Herr Grinzinger, so gut gegen Sn8”*” bat gMM Mter HI-r b-Kn f . "Was ist geschehen?« fragte Grinzinger, den bei den sonderbaren Worten des Pülchers wohl ein Schreck befiel. mA ®‘?e H?r Grinzinger. Aber voraus- zusehen ist es gewesen. Wer den Fluch des Vaters auf fid6 ?er "Echt leben, der muß fort, den leidet's nickt auf der Erden Und wenn der Vater auch ein Narr sein b« y? äü Ä ?erslucht ohne Grund — Vatersfluch ist denn^anfangen?«"^ 68 atme' bi[bfaubere Mädel, was soll's b-n e^enthümlichen, unbestimmten Andeutungen brachten den alten Grinzinger ganz um dem Verstand. Er sprana auf und schüttelte den Pülcher, daß er fast auseinandE Frohner gestand mir später, in diesem Augenblick habe er geglaubt, der Alte wollte ihn „abkrageln«, das heißt ihm den Kragen umdrehen. 9 *9m "Was ist geschehen?« fragte Grinzinger; aber er fragte dies nicht in gewöhnlichem Ton, sondern er schrie die Worte heraus und schüttelte den Pülcher immerfort Was aiebtsd Heraus mit der Wahrheit!« schrie er weiter. ” 8 0 b 8? nitwand sich seinen Händen und erklärte: Mtteln, daß mir die Seele heraus« MA. kann ich Ihnen nichts erzählen. Sie erfahren das ^-Eickimmer noch früh genug. — An der Donau bin ich Nachmittag gesessen und geangelt hab' ich. Da kam was angeschwommen. Zwei Leichen, mit Stricken zusammen^ gebunden, ein junger Mann und ein Weib.« 3 1 m en Frohner machte eine nichtswürdige Kunstpause an, scheinend um seine Rührung zu verbergen, und Grinzinger sank kraftlos auf einen Stuhl, aus dem er ück für E-Z-il nicht mehr eriebeit lernte. M * bli .. ",x j° dicht bei mir vorbei,« fuhr Frohner fort „daß ich Re mit Händen greifen konnte. Ich zog die LeiLen heraus, weil das Ufer dort recht flach ist, und da sah iS wen ich aus der Donau gezogen hatte.« . "Mein Sohn! Mein Ferdinand!« stöhnte herzbrechend feM.*8” ®am -- 'n -'NALL Nun, das Schlußresultat können Sie sich denken. NoL rur SnS abenS fes r»r allgemeinen Ueberraschung zur Verlobung, und nicht am wenigsten waren überrascht ES r Sä ms I Ais ich ihn allein hatte, sagte ich ihm allerdings: *** ”,bm- “nb unh t?“8'" Eagte Frohner, „ein Kaffeesieder Si 9 fietben E Rührung - so 'was aiebt's gestorben wäre, „Aber Sie haben den Glauben in ihm erweckt und ick I ^?"^re "ich heute noch, daß Ihnen Grinzinger nicht au« s^h den Hals umdrehte, als er entdeckte, wie Sie ihn ge» 3lber ändere hätte Ihnen mindestens ®emtt ihm 25 g** b” *” Frohner lachte. „Der Grinzinger hält'« wohl auch aetban aber -r mar halt zu gerührt, der alte Esel. Ich h?be ja Aaat ich kckae ihn klein. Wozu habe ich denn dem Menschen das Geld ge« 9RÄt8Äe Dummheiten damit machen will!« D-r ?rÄ Wochen später gab es eine lustige Hochzeit, tteines R^.Ä^.?^ M Niederösterreich auf sein mi snB 1: und der junge Grinzinger roerben @$ hLro rfR ?afteH nun im Kaffeehaus. Hoffentlich fiSS ? lblnx ^or9en einen Besuch machen, ff ' uus der Hochzeit eine große Rolle gesp'elt. Tage nach der Hochzeit hat er seinen Katzenjammer wieder Frohner antwortete nicht, sondern wischte sich nur mit der Krempe seines Pülcherhütels die Thränen aus den Auaen Tbür hechte Kerl hinaus und wartete vorder hä«, vorsichtig genug, um durch das Schlüssel- Makr?ck?ü.n» tobx?e,n unglücklichen Grinzinger zu beobachten. Wahrscheinlich fürchtete er nicht mit Unrecht, daß der alte Mu"" a??.Asue über den Tod der beiden Liebenden Hand an sich selbst legen konnte. Er sah durck das SrfiHiffunrnA ben alten Grinzinger verzweifelt schluchzen, weimn und die Ä.Ä: *S A b. Krf SohLJ ?*e gehenden Betschemel schleppen, um sich dort niederzuwerfen und unter Schluchzen und Tbränen »» eine"besonder^Ka»b fpätel 9efO0t' ber Anblick habe ihm eine vesonoere Gaudo*) gemacht. Erken« Wio « . einen betenden Kaffeesieder gesehen, und zweitens habe er ue« I Bflfien SJe6tser 6[te, ®|el fo-veit gewesen sei, wie er ihn MM,’S, S ÄffiÄ- «•* denn tiefer suchte Irgend , x ^s^Ei hat sie weggeschafft und hat die Eltern I benachrichtigt. Die Eltern sind schon da, und es war uu^usehen, wie sie sich über die Leichen warfen und sie küßten und schwuren, daß sie es niemals ernst gemeint hätten und *) Aon dem lateinischen Gaudium, die Freude. Nicht! aber „Ich sehen weiß bestrc Jahr hätte was behal warst Es if vorge Du e < düster bin ic geben, aber sollte.' ältere' Du b Herze, armen geben, »war komme S Hut h n n • Brudei n I daß sie Alles darum geben würden, wenn sie die armen wieder ins Leben zurückrufen könnten, und wie ste 2bk, .»Ä«®”’’ ,r* Wwt cvr ,»®ie Eltern von den armen Liebesleuten,« antwortete I Frohner, „das Paar ist aus der Leopoldstadt.« @riniNer. fraa“ '» W« Sptmnmg wät2"£* nicht ich, und das Gewissen hat Ihnen' ^b/sck^inlick"0A' I Klagen. Denn Sie haben auch Unrecht g"than aü ^brem Minen Sohn, und thun weiter Unrecht, und vielleicht stnd £•£.“■ E--" Ä rt.*‘Ä e®”Ä Ä&feste »?«;■ »t meite6efler @e«WWelt H,?tet, ?± BM ber Hefte tSrfWenmg'bel Ste,lng r de» Ums«"' ber Sllmnung oom farcht-rlichft-n Schmer, iur sSS und zur Freude darüber, daß der Sohn noch lebte benuir? um dem Alten dermaßen ins Gewissen zu reden, daß dies« sagte -e ner ° ben Slunde Frohner um den Hals fiel und u 1 ihn mir die Liebe, hol' meinen @n6n «tth daran°dsnk' «ElAch sie zusammenthun. Wenn ich daran denk, daß mein Sohn und das bildsaubere Mäd?r in ber D°NM -l« Leichen «»Immen, bab' K„e Seeunte ”'B- — '« d-rt'nrn ZeLme-bfe' tiach dem Prater getragen und ist dort geblieben bis zum Winter. Wie bereits erwähnt, verbringt er jetzt die Winters» zeit als Pensionär bei den jungen Grinzingers. Im Sommer bleibt er das, was er gewesen ist und was er bis zu seinem seligen Ende bleiben wird: ein Pülcher. Vielleicht fühlt er sich in manchen Situationen und in vielen Stunden behäg» licher, als wir sogenannten soliden Menschen mit all unserer Ehrbarkeit und unseren geordneten Verhältnissen." Die Heimkehr. Novellette nach dem Englischen. Von Wilhelm Thal. ------- (Nachdruck verboten.) »Ist Mr. Graham zu sprechen?" Der junge Mann, an welchen diese Worte gerichtet waren, stand auf und ging in das Privatcomptoir, während der Fremde sich scheinbar erschöpft an die Wand lehnte. Er war eine schöne stattliche Erscheinung mit üppigem Bart und Haar, doch lag in feinen Zügen etwas, das den jungen Mann stutzig gemacht; man merkte ihm an, daß er sich eine lange Zeit nicht unter Menschen bewegt hatte. „Mr. Graham ist bereit, Sie zu empfangen," sagte der junge Mann, welcher wieder eintrat und die Thüre des Privatcomptoirs öffnete, „hier bitte rechts". Der Fremde ging in den angedeuteten Raum und schloß die Thür hinter sich; dann blieb er stehen, drehte seinen Hut verlegen in den Händen und blickte anstatt zu sprechen, mit großen flehenden Augen auf den Herrn, der am Pulte saß. Dieser blieb auf seinem Stuhle sitzen und sprach kein Wort; schließlich aber brach er doch das Schweigen und sagte: „Du bist es, James?" «Ja, ich bin es", versetzte der andere, „hast Du mir nichts zu sagen, William?" „Ich hätte Dir sogar viel zu sagen, da» zu hören Dir aber wenig angenehm sein würde", versetzte William Graham. „Ich kann wirklich nicht sagen, daß ich mich freue, Dich zu sehen, und geehrt fühle ich mich auch keineswegs". „Ich erwarte das auch nicht", erklärte der andere, „ich weiß, ich habe der Familie Schande gemacht und bin dafür bestraft worden. Denke doch nur, William, vier Jahre, vier Jahre im Gcfängniß, unter Schurken und Verbrechern! Ich hätte mein Leben dahingegeben, um das ungeschehen zu machen, was ich gethan, auch hatte ich nie die Absicht, das Geld zu behalten." „Ich kenne die Geschichte", sagte der Kaufmann, „Du warst in einer Vertrauensstellung und hast sie gemißbraucht. Es ist die alte Geschichte, sie ist in meinem eigenen Geschäfte vorgekommen, und darum habe ich mit einem Menschen, wie Du es bist, kein Mitleid. Was führt Dich her, James?" Dieser drehte den Hut verlegen in den Händen, seine düsteren Augen schossen Blitze, und er antwortete: „Ich war 25 Jahre alt, als ich ins Gefängniß kam, jetzt bin ich fast 30. Ich will Arbeit, und Du sollst mir Arbeit geben, ehrliche Arbeit, William. Ich bin ein guter Buchhalter, aber ich will auch Hausdiener werden, wenn es nöthig sein sollte." „Bei mir bekommst Du keine Arbeit", erwiederte der ältere, „Du hast die Rechnung ohne den Wirth gemacht, James, Du bist mein Bruder nicht mehr. Ich habe Dich aus meinem Herzen gestrichen, als Du zum Verbrecher wurdest. Um der armen Frau willen, die dich Sohn nannte, will ich Dir Geld geben, damit Du ein oder zwei Wochen leben kannst. Weiter erwarte von mir jedoch nichts. Solltest Du wieder hierher» kommen, so lasse ich Dich hinauswerfen." Der Fremde stand da wie gebannt; wieder schob er den Hut hin und her, lehnte sich an die Wand und fragte leise: „Wie geht es der Schwester Jessie?" „Gut," erwiederte der Kaufmann. „Kannst Du mir nicht sagen, wo sie wohnt?" fragte der Bruder. „Rein", antwortete der andere, „Jessie ist verheirathet und hat versucht das schreckliche Leid zu vergessen, das Du ihr bereitet hast. Du bist die letzte Person, die mein ehrenwerther Schwager sehen möchte." „Erlaube mir noch eine andere Frage," sagte James in bebendem Tone. Was ist aus Ada Musgrave geworden, lebt sie noch, ist sie verheirathet?" „Ich habe Dir keine Auskunft zu geben", entgegnete der andere hart und mürrisch. Hier sind zehn Pfund; wenn Du Dich bemühst, wirst Du schon eine Stellung finden, doch erinnere Dich wohl, von mir bekommst Du keinen Pfennig mehr, nimm das Geld und gehe, und komme nie wieder." Damit legte er das Geld auf den Tisch; in den Augen de» andern blitzte es auf, er richtete sich zur vollen Größe empor und rief, dem Bruder die Goldstücke ins Gesicht werfend: „Behalte Dein Geld, ich brauche es nicht, ich brauche es weder von Dir, noch sonst von einem. Ich wollte Arbeit, kein Almosen! Ich habe so lange unter den Ausgestoßenen der Welt gelebt, daß ich alle Beziehungen zu Euch ehrenhaften Leuten verloren habe, doch ich dachte, mein Bruder würde mir die erbetene Hilfe nicht versagen und mir die Möglichkeit geben, wieder ein ehrlicher Mensch zu werden. Du hast es mir verweigert, nun denn, Dein Geld brauche ich nicht! Ich kenne Leute, die mich mit Freuden aufnehmen werden. Du hast mich zu ihnen zurückgetrieben, denke daran, Sohn meiner Mutter, denke daran!" Mit diesen Worten setzte er den Hut auf den Kopf und verließ da» Zimmer, dessen Thür er mit dröhnendem Knall hinter sich zuwarf. « • In einer dunklen Nacht schickte sich einige Wochen später James Graham an, mit einer Anzahl von Spießgesellen in ein Haus einzubrechen. Schnell stieg er in das von seinem Helfershelfer bezeichnete Fenster ein, da« zufällig offen stand, und sah sich beim Schein einer Blendlaterne nach einem Versteck um, den er bald fand. Es war ein kleines Garderobenzimmer, an dessen Seite sich eine Thüre befand, und hier versteckte er sich in einem Schrank, den er mit einem Nachschlüssel geöffnet hatte und leise hinter sich zuzog. Nach einer Weile hörte er den Schrei eine» Kindes, eine Minute später vernahm er Schritte, und in dem Zimmer wurde es hell. „Adah," rief eine Frauenstimme, „komm hierher, da» Kind ist wach geworden." Wieder hörte er das Rascheln von Kleidern, zwei Damen standen im Zimmer. „Wie freue ich mich, daß Du gerade heut" gekommen bist, Adah," fuhr die Frauenstimme fort, „während ich so ganz allein bin. Charles ist heute Morgen unvermuthet abgerufen worden, und ich fühle mich ganz nervös hier so allein im Hause. Daher kann ich Dir garnicht sagen wie dankbar ich Dir bin, daß Du die Nacht bei mir bleiben willst." „Habe keine Angst, Jessie," versetzte die andere, „ich habe Muth, und fürchte mich nicht einmal vor Einbrechern." „Sprich nicht so," rief die erstere ängstlich, „das Haus liegt sehr einsam und außerdem befinden sich in jenem Geldschranke 2000 Pfund. Charles halte keine Zeit, sie auf der Bank zu deponiren." Während dieser Worte lauschte der Mann im Schrank mit angehaltenem Athem, doch nicht die Summe war e», die ihn erregte, da» hatte er vergessen. Er hörte nur die Stimmen und die Namen. Adah, so lautete der Name des Mädchens, das er geliebt, Jessie hieß seine Schwester. Doch, was kümmerte ihn da»; ebenso wie sein Bruder hatte sie ihn gewiß auch aus ihrem Herzen gestrichen, und jedenfalls erinnerte sich auch Adah seiner nur mit Abscheu. Dennoch kniete er leise zum Schlüsselloch nieder, um ihr Gesicht sehen zu können; er hatte sich nicht getäuscht, es war Adah Musgrave. „Ich wundere mich, warum Du Dich nicht verheirathen willst," fuhr die andere Stimme fort, „ich weiß, William möchte Dich gern zum Weibe nehmen, er hat Dich stets geliebt, und wird Dir alle» bieten, was zum Glücke nothwendig ist." — 36§ „Das Hauptsächlichste aber kann er mir nicht geben, Liebe," versetzte Adah. „Ich habe nie davon gesprochen, Jesste, doch jetzt muß ich es Dir sagen. Ich habe den armen James zu sehr geliebt, um je einen anderen lieben zu können." „Ach Adah," rief Jesste, „es ist mir ein rechter Trost, daß Du auch meinen armen Bruder noch liebst, ich meinte, ich wäre die Einzige auf der Welt, die ihn noch immer lieb hat." Und jetzt hörte James Graham, wie die Frauen weinten. „Ja Adah," sagte seine Schwester, „wenn der arme James zurückkehrt, so soll er hier eine Heimath finden, und mein Mann wird ihm helfen, wieder eine ehrliche Stellung zu schaffen. Er muß ja bald frei werden. Doch ich glaube, das Kind ist wieder eingeschlafen, wollen wir uns nicht auch niederlegen?" Der Mann, der fich in das Haus geschlichen, um zu stehlen, weinte wie ein Kind; ihm war, als hätten Engel zu ihm gesprochen. Plötzlich erinnerrte er sich, warum er hier- hergekommen war, er küßte die Thür, dann schlich er sich hinweg und kletterte leise aus dem Fenster..... * e * „Er schlägt die Augen auf," sagte eine Stimme. James Graham hörte diese Worte und fragte sich, was wohl geschehen sein mochte, und warum er nicht im Stande war, sich umzuwenden. Dann kam ihm plötzlich die Erinnerung an einen Streit, und wieder glaubte er, den Schuß einer Pistole zu vernehmen. Jetzt wußte er alles, seine Gefährten hatten ihn niedergeschossen, als er sie verhindern wollte, in das Haus einzubrechen und man hatte ihn für tobt auf dem Platze gelassen. „Liebe Adah," sagte die Stimme von vorhin, „ich glaube, er schlägt die Augen auf." James Graham sah, wie sich zwei Frauen über ihn neigten, von denen die eine seine Haare betastete und leise zu ihm sprach: „James, kennst Du Deine Schwester Jesste nicht mehr?" Die andere weinte leise vor sich hin, und er erwiederte mit leiser Stimme: „Ja, ich kenne Euch beide, doch wie komme ich hierher?" „Wir fanden Dich verwundet, tobt, wie wir glaubten, vor unserer Gitterthür," sagte Jessie. „Adah erkannte Dich zuerst; wie es gcschehen ist, wissen wir nicht- Wenn Du Dich wohler fühlst, mußt Du uns alles erzählen. Doch jetzt haben wir Dich, und Du sollst nie wieder von uns gehen, niel" Er fühlte, daß es mit ihm zu Ende ging, und dennoch war ihm leicht und wohl ums Herz. „Das waren furchtbare Jahre," erklärte er, „furchtbare Jahre, die ich durchlebt, doch jetzt ist alles wieder gut, ich habe Euch ja wieder. Kommt näher, ich kann Euch nicht gut sehen, ein Schleier breitet sich vor meine Augen. Ich möchte Jesste küssen." Die Schwester unschlang seinen Nacken und küßte ihn. Dann wandte er sich zu Adah Musgrave: „Wenn ich am Leben bliebe, würde ich es nicht verlangen," sagte er, „doch ich fühle, daß ich sterbe. Willst Du mich jetzt küssen, geliebte Adah, nur einmal noch?" Sie umschlang ihn mit ihren Armen. „Habe Dank" hauchte er, „Gott ist barmherziger, al» die Menschen. Vielleicht werden wir uns noch Wiedersehen, dort oben im Himmel I" Das waren seine letzten Worte. GeineinnÄtziges. Der Epheu und feuchte Wände. Da der Epheu die gute Eigenschaft hat, vermittelst seiner feinen Saugwurzeln Wasser aus den Mauern aufzunehmen, an denen er emporrankt, so hat man ihn mit Vortheil angepflanzt, um feuchte Außenwände von Häusern trocken zu legen. Freilich dauert es einige Jahre, ehe die trocknende Kraft des Epheu» sich zeigt, da er nur an denjenigen Stellen Wasser saugt, wo er sich mit seinen Wurzeln angeklammert hat, aber man findet, daß überall, wo der Epheu die Außenwand üppig bedeckt, die Nässe im Innern des Gebäudes verschwindet. Zur Anpflanzung eignete sich am besten der winterharte weinblättrige Epheu, der überall in unseren Wäldern wildwachsend vorkommt. Der Epheu, der alte Ruinen so gut kleidet, ist da» her nicht bloß ein Schmuck, sondern trägt auch zur Erhaltung manchen ehrwürdigen Gemäuers bei, das sich die Nässe zu zerstören bemüht. • » Vertilgung des Hausschwammes. Zur Vertilgung des Hausschwammes, der sich in dem Hohlraum zwischen dem Zimmerfußboden und der unterhalb desselben befindlichen Zimmerdecke genistet hat, ist kürzlich von dem Regierungsbaumeister Seemann ein Verfahren erfunden worden, das ohne Aufnahme der Dielen und ohne Störung für die benutzten Räume benutzt werden kann. Wie uns das Bureau für Patentschutz und Vrrwerthung von Dr. F. Schanz & Cs. (Berlin, Breslau, Hamburg, Dresden, Leipzig, München) berichtet, beruht das patentirte Verfahren auf der Erfahrung, daß der Hausschwamm in absolut trockener Luft zu Grunde gehen muß; er gedeiht nur in abgeschlossenen, ungelüsteten, Feuchtigkeit enthaltenden Räumen, speciell zwischen der Diele und Schalung der Gebäude, woselbst sich dem Bauholz anhaftende oder aus der Bauperiode oder von Ueberschwemmungen herrührende Feuchtigkeit befindet. Diese nun wird in sehr energischer Weise durch eigens construirte Apparate derart vertrieben, daß das ganze Schwammgebiet absolut ausgetrocknet wird. Alsdann wird unter großem Druck in dis einzelnen Balkenselder ein Gas geführt, welches in die feinsten Poren der Hölzer und der Ausfüllung dringt und alle pflanzlichen Organismen daselbst vernichtet. Wer die Schäden kennt, welche der bisherigen Art, den Schwamm aus Häusern zu beseitigen, anhasten und die enormen Kosten solcher Aur- sührungen und der damit verbundenen Miethsverluste schätzen gelernt hat, wird den Werth des neuen Verfahrens und seine öconomischen Vortheile leicht beurtheilen können. ♦ * ♦ Einfaches Mittel gegen Bremsenstiche. Gegen die bei der heißen Jahreszeit Rinder, Pferde u. s. ro. peinigenden Bremsenstiche hilft unfehlbar eine Salbe aus 1 bis 1V4 Theilen Antimonium und 100 Theilen Schweinefett oder Vaselin, mit welcher die Thiere reichlich eingerieben werden. Antimonium und Vaseline liefert jeder Apotheker und Drogist. Landwirthe, Knechte u. s. w. sollten dies einfache Mittel in den heißen Sommertagen bei ihren Thieren anwenden. Humoristisches. Standesgemäß. Neu geadelter Bankier (in der Sommerfrische zu seinem bäuerlichen Quartiergeber): „Der Arzt hat mir empfohlen, Holz zu spalten — besorgen Sie mir einige Klötze Edeltannen." * * ♦ Höchste Protzerei. Herr (in der Badeanstalt): „Warum steht denn hier ein feuer- und diebessicherer Cassa- schrank!" — Badediener: „Den hat unser Herr Commerzien- rath ausstellen lassen, damit er während des Badens fein Portemonnaie ablegen kann!" * * Ihm fehlt's. Ehemann: „Weshalb hast Du mir eigentlich gerathen, diese Xanthippe zur Frau zu nehmen?" — Freund: „Ja, weißt Du, Du warst so ein dummer Kerl, und da dachte ich: vielleicht wird er durch Schaden klug." Ein Schwerenöther.* Dame (am Flügel): „Sie find ja Kenner, Herr Lieutenant! Wie finden Sie mein Spiel, namentlich meinen Anschlag?" — Lieutenant: „Entzückend, Gnädigste! Einfach Flügelschlag eines Engels!" Rebaction: K. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverflkStS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gieße».