)r. Büchner orsteher in j 1891 er» i Leben sei. Junten noch diese wohl» -acht ziehen. eine gleich» idheit an in irper schonen die Meisten müssen I — er von be» ckennen also rung nicht in anstaltungen, obachtung der jruno, sowie es Menschen» Itution keines« renn es wäre le Zahl seiner kann vielmehr ! Constitution, ls ein solcher -gentheil thut. an und für h zum Leicht» ! Natur" hin n zu dürfen, »che Naturen" Krankheit und ke. Namentlich ne Schwächlich» richen für die nd Körperkraft rhält, je hauS» Verschwendung n der Lebens» hte Maß hält, Haupt möglich oiefett, daß vcm d Eheschließungen ssen dieser Saison eben erschienenen ad auS eleganter elegenheiten. DaS ir originelle Ball- inte Taillenformen inder-Mode" über und Kunsthand- in buntem Holztigen Galauniform ib, das der Glück- iur wahren Zierde ersehen, soll da» , im Werth e von :rthe von weiteren !werbeS unter den on und Verlag er- iirb, der die beste gineller Weise zu»! 1 Blumentisch das Dauernbett Zimmer- t Laub und Meer" rössentlichtes Rätsel, fellschastsspiel. Die :rben in Nr. 19 von :ilt dessen Redaction erlauf dieses Wett- ommen wird, darf da) in Gießen. 18BS. 6 ’ - MMMWrOf AWtz MZMÄ Flammen aus der Asche. Novelle von L. Haid heim. (Fortsetzung.) Wären nicht ihre Augen gewesen, Herr Schwarze hätte darauf schwören mögen, daß Paula von Neegenhart noch kaum über die Zwanzig sei, so frisch und mittheilsam war ihr Entzücken über Alles, was sie erblickte und empfand. Die Sonne schien herrlicher als je; die Gräser, die Blätter hingen schwer nieder vom funkelnden Thau; die von einem leichten Windhauch bewegte Lust war auch hier ganz erfüllt von dem Duft der Orangenblüthen. Rosen, Jasmin und die Akazien, die in den Gärten zu beiden Seiten des Weges in unendlichen Mengen wuchsen, zeigten ihre ersten Blüthen. — Dem Malerauge der jungen Dame entging nichts von den tausend Schönheiten ringsum, nicht die Uepvigkeit der Vegetation, nicht die rankenden Weinreben, nicht Epheu und Clematis, welche von Baum zu Baum Guirlanden bildeten, nicht dieser bunte Wechsel von Berg und Thal, Wald, Wiesen und Aeckern, nicht die jtn Grün versteckten Dörfer und Weiler und nicht die lebendige Staffage des so großartig schönen Bildes. Es ging immer bergan. Die kleinen, tapferen Pferdchen, deren schellenbehängtes und messtngverziertes Geschirr leise klingelte, griffen tapfer aus; — rauchend schritten die beiden Wagenlenker in behag» kicher Unterhaltung neben oder dahinter her, viele Kirchgänger strebten nach dem in buntem Festschmuck prangenden Gragnano. — Frauen in grellbunter Tracht, Töchter der Maria in weißen Kleidern und himmelblauen Schleifen, weiße, von Wolle künstlich nachgeahmte Rosenkränze auf dem dunklen Haar, — meist derbe bäuerische Dorfschönen, aber doch hier und da ein auffallend hübsches Gesichtchen oder ein besonders feuriges Augenpaar. Alle Häuser in Gragnano sowohl wie an der Landstraße waren bekränzt, Blumenaltäre an den Straßen gebaut, Fahnen und Lampions ausgehängt, — und in den Mienen Aller lag die Freude: „Welch' herrlicher Festtag der Madonna!" Hinter Gragnano wurde der Weg steiler, die Umgebung stiller, ländlicher. Die Berge mit ihrem faftiggrünen Kastanienwald, ihren grauen Olivenhainen umfingen sie plötzlich von allen Selten. Auf jeder Hecke Felgen, auf jedem dürren Fels Cactus! Ueberall zwischen den Weingärten schlanke Pinien und Cypressen, und vor Allem diese Uebersülle von wild- blühenden Blumen, tiefere Farben tragend als bei uns, glühenderes Roth — wärmeres Rosa — Blau — Gelb! Und dann — der vortreffliche Weg ging in einer Serpentine von jetzt an stundenlang bergan — da war es wieder das Meer, das faphirblaue Meer. Von leichtem Nebel nicht verhüllt, sondern nur unbeschreiblich lieblich umwallt wie eine schöne Braut im Schleier; da war er wieder, der mächtige Vesuv mit seiner gerade aufsteigenden Rauchwolke. Die Sonne kam eben über die Berge hervor und warf noch schräge Strahlen, welche die Farbenbrechung, die Schatten intensiver machten; der Vesuv erschien wie in ein rosiges und veilchenfarbiges Licht getaucht. Dann fuhren fie durch das reizend gelegene Pimonte, das am Fuße des Monte Sant' Angelo liegt, der jetzt in feiner ganzen zerklüfteten Wildheit und Majestät hervortrat. Ein malerisches Bild! An ihm ging der Weg stundenlang dahin, immer höher kamen fie und in demselben Maße wuchs auch der Vesuv immer mächtiger und imposanter empor- Bei jeder Biegung der Straße wiederholten sich die gleichen Bilder, aber jedesmal großartiger, bedeutsamer und ausgedehnter; die Dörfer und Weiler hatten aufgehört, nur selten kam man an Bauern» gehöften vorüber, ringsum gab es nur dichten, jungen Wald. Paula von Neegenhart war stiller und nachdenklicher geworden, die lebhafte Freude einem träumerischen Genießen gewichen. Dann sah ihr Begleiter, wie plötzlich eine Wolke über ihre Stirn, ihre Augen huschte; sie wechselte die Farbe, es mußte sie Irgend ein Gedanke peinlich erregen. Nach einer Weile sagte sie mit veränderter, unsicherer Stimme, — er war ein scharfer Beobachter: „Gestern Abend war bei Tisch von einem Baron Tornegg die Rede — Erich Tornegg, mir schien, er hat bei Ihnen gewohnt?" Er bejahte und blickte fie erwartend an, da sie zögerte. „Wissen Sie, wo er jetzt lebt?" fragte fie dann- führen können. , Man hat von ihnen nie wieder gehört. Die damalige neapolitanische Polizei hatte so viel zu thun mit dem Em« kerkern mißliebiger Vaterland-freunde, daß man den Mrbrechern wohl nicht viel nachsorschte. Dort unten in dem Dorskrrchlein liegt der brave General begraben und seine Verwandten haben ihm ein schö :es Marmor- denkmal gesetzt, worauf er in voller Uniform zu sehen rst, denn aus seinen Papieren ergab sich, daß er wirklich als persischer General aus dem Dienst des Schah entlassen ^Auch ermatte zuerst gedacht, in der Schloßruine Hausen zu sollen, aber der Kutscher belehrte ihn eines Besseren. Inzwischen hatte die Padrona Terestna Carducca Herrn Schwarze mit italienischer Lebhaftigkeit auf das Herzlichste begrüßt und ihre schwarzen Augen neugierig auf die S-gnorina dio mio! „„ „ Und indeß sie mit einer unglaublichen Zungenfertigkeit dies Alle» und noch hundert andere Dinge sprach und fragte, commandirte sie ihren braven, gehorsamen Gatten hin und her- „Den Tisch unter den Nußbaum im Garten, Tomasol — Wein her, unser» trefflichen Wein 1" Und hernach, wenn die Herrschaften die Villa besehen hatten, dann war das Effen fertig, und bei der Madonna, sie sollten Aehnliches noch nie gekostet haben. O, die Terestna! Sie wußte wohl, was die Fremden lieben. Sie hatte in Amalfi dort unten bei den Capucint gelernt, was gute Küche heißt- Inzwischen hatte Tomaso den Nachbar Bürgermeister herbetgeholt, Herr Schwarze sprach mit demselben und fand ihn durchaus bereitwillig. _ Da stand nicht das Mindeste im Wege. Natürlich — Frau und der Secretär waren verschwunden und mit ihnen Alles, was sie von seinem großen Reichthum hatten mit sich Mauleseln, und wie in einem Bienennest sumnrte die ganze Dorfbewohnerschaft in höchster Dienstbefliffenheit durcheinander. Denn der General Michele Capo, dem sieben Familien Age- ralas sogar noch nahe verwandt waren, zahlte wie em Fürst; er war großmüthig und freigebig wie kein Zweiter, man liebte, man vergötterte ihn, man war unendlich stolz auf ihn und wie ein Märchentraum erstand sein Schloß in einer schier märchenhaften Pracht. , ' ___ Und hier wohnte er dann, ruhte aus in den Armen seines schönen Weibes und rund um da« Schloß begann ein Zaubergarten zu entstehen. ö Da — zwei Jahre später — fand die entsetzte Diener- Was von seinem Reichthum zurückgeblieben, kam aus seine Verwandten, die so urplötzlich reiche Leute wurden. Sie kamen natürlich auch sämmtlich dahin, das Geld, besten Werth sie nie zu schätzen gelernt, in vrrhältnißmäßig kurzer Zeit wieder zu vergeuden und dann wurden sie wieder, war sie gewesen und geblieben, einfältige, rohe Bauern. Als solche plünderten sie das Schloß, nahmen, was ihnen nutzbar oder verkäuflich schien, N emand kümmerte sich je darum und so steht es nun da, in seinem Innern noch immer Spuren seine- einstigen Glanzes und des vortrefflichen Geschmacks der Er- Sie^ waren während dieses Berichts durch das ganze Dorf gefahren, jetzt hielten sie vor einer Osteria, wo eben der Präsident, hoch befriedigt von der Einsamkeit, seinen ^r”°rS)(t8 ist doch nicht die Villa, die Sie für uns haben? ' ries si?, sehr enttäuscht sich nach ihrem Nachbar umwendend. Herr Schwarze lachte. , Nein! Aber viel bester ist die Villa Anderson sreilich | auch nicht; doch jene Ruine wird Sie interessiren." ! „Mein Gott, es ist ein ganz modernes Schloß und so zerstört! — Sehen Sie nur, selbst die Balkons hat man ab- , zureißen versucht. Was ist es damit?" „Vor dreißig Jahren hat ein Sohn bieses Dorses das. Schloß sür sicherbaut," erwiderte er, und als sie ihn weiter forschend ansah, erzählte er: „Michele Capo war al» Schiffer in die weite Welt gegangen, nach Persien gekommen, dort zu Geld und hohem Ansehen gelangt, endlich sogar Vezier oder dergleichen geworden. Als alternder Mann zog ihn aber doch die Sehnsucht in'» Vaterland, ja, in sein Heimathdorf zurück. Vielleicht suchte er auch klug das Weite, denn die Günstlinge des Schah sind, wie man weiß, ihres Kopfes nie so recht ^^Kurz — er kam nach dem staunenden Agerala zurück mit Tonnen Golder, seinem schönen Weib, seinem Secretär und einer Legion von Dienern, Rosten und Maulthieren. Und nun begann der Schloßbau. Von Amalfi herauf, wohin Schiffe Alles brachten, was seine Baumeister verlangten, holten die Leuts von Agerala die Steins, den Mörtel, das Holz, das Äsen; theils auf den eigenen Schultern, theils auf eine kle Kleinigk Summe gab «bei ihm den „T Bit schlug d - Thu Un er gefiel sagte H «3 sie in bi -A von Ags betraf, unsicher stammte: waren d »P voran, klang fe .3 Un hervor Cactus Mitten l die Thü verwitts Un anfragte der sich Spiegel. Re gleichnai eilandes Ufertan' zu den ten Fels lag Atr seinen n kicher R besten f Augen liebens v „L Paula. 3" Thür f| entgegen herabhä von Etc wir nid ,,S ich hier sident. S< Fräulei in dem wohnen DI V- aussehei Loch d dumpfig zwischen Di Stimm« „Nein, gnädiger Fräulein, das weiß ich nicht." Nicht eine Silbe des Urtheils erlaubte er sich über seine Gäste. Sie schwieg ebenfalls. Dann sprachen' sie von anderen Dingen. Sie erklärte ihm ihres Vaters Zustand. Der Unbank seines Herrn und des Volkes war es, woran seine Seele siechte. Ihr Vertrauen öffnete auch ihm das Herz. Was er Niemand bekannte, ihr sagte er es. Er trug einst einen vor- nehmen Namen, bewegte sich in einer bevorzugten Lebens- svbäre und gehörte ihr durch Geburt und Erziehung an. Eigene Schuld und Unglück hatten ihn seiner Leben»- Elend jener Tage, ließ ihn schwören, daß er leben wolle, sich wieder emporzuringen. , „ „ . Und ich bildete wir ein, daß mir die» gelingen würde, fuhr er fort und die tiefe Mechancholie in seinen Zügen wich einem bitteren Lachen. „Wie Sie mich jetzt seven, meine Gnädige, bin ich ein Schiffbrüchiger, welcher der Planke frag ist, die ihn über Master hält. Ich habe weder Weib noch Kind, aber ich lebe als ehrlicher Mann und der Name, den ich einst trug, wird durch meine Stellung nicht compromrttirt.' E» war Mittag und sehr heiß geworden. Gleich hinter dem Dörfchen Pianola, bei dem großen Tunnel von Sant' Angelo « Guida, hörte richtig die Land- straße aus und mit aufgespannten Regenschirmen bewaffnet, worben war. durchfuhren sie denselben. Von den Wänden und der Wölbung f ® ” triefte er wie ein starker Regen, der noch ungepflasterte Boden bildete einen See und als sie endlich drüben waren, da wehte sie eins frischere Luft an, denn der hochaufrazende Monts Sant' Angelo gab grünen Schatten und eine leichte Brise kam vom Meere herauf ihnen entgegen. — Wieder ging es durch ein Dörfchen und Ackerfelder, Wissen und Wald in buntem Wechsel und dann lag Agerala vor ihnen. „Ich denke, einsam genug wird es Ihrem Herrn Vater hier sein!" meinte lächelnd Herr Schwarze. „So leicht macht kein Fremder diesen weiten Weg, um zwischen Bauern die Welt zu vergesten." Auf hügeligem Terrain, zwischen allerlei Fel« und un- gewöhnlich kräftigem Baumwuchs, lag bas Dorf hingestreSt, — eine längs Straße und viele vereinzelte Gehöfte mit blendend weißgetünchten Haurwändsn und platten Dächern. „Ein italienisches Idyll! ' sagte Paula. Dann blickte sie aber plötzlich lebhaft nach rechts; ein völlig rutnenhaftes, modern gebautes Schloß ohne Fenster und Thüren, nur aus kahlem Mauerwerk bestehend, trat tcbcöcci (ictidbict« Esten wollten Excellenza! Aber was? Heilige Madonna, was nur? Sie hatte nur ein Lämmchen, gestern geschlachtet, aber agnello arrosto ? — für solche Herrschaften? Undohne Knoblauch? Nun natürlich! Sie wußte mit den Fremden um- zugehen. Sie hatte auch Artischocken, schöne Artischocken, in ihrem selbst geernteten - feinen Oel gebraten. — Ah, wunder- bar, Signor Schwarze. Sie kennen die Terestna und haben Vertrauen zu ihr! - Ah! Wie? Die Henschaften wollen in Agerala wohnen, — in der Villa inglese? Madonna! 0, 62 eine kleine buona mano? Der Miethprets? — Ah, eine Kleinigkeit I — Und der brave Bürgermeister forderte eine Summe, für die man in Neapel einen Palazzo miethen konnte, gab aber ebenso eoulant seine Zustimmung, als Herr Schwarze ihm den zehnten Theil bot. „Den Schlüssel zu der Villa?" Dio mio, wo war er? Ader da« schadete nichts, man schlug die Thür einfach mit der Axt ein. — Kon fa niente! — Thut nicht»! Und fröhlich holte der gute Mann die Axt, mit welcher er gestern fein Brennholz zerkleinert. „Sie sehen nun doch ein wenig bange drein, Gnädige," sagte H-rr Schwarze, als sie sich auf den Weg begaben. „Ihre Mordgeschichte hat mir Furcht gemacht," erwiderte sie in der That etwa« kleinlaut. „Ah, warum? Jene Schurken waren fremd, die Leute von Agerala sind gut und ehrlich, — und was die Briganten betraf, die noch vor acht Jahren den Monte Sant' Angelo unsicher machten und Alles, was in feinem Bereich liegt, so stammten sie nicht au« diesem harmlosen Völkchen, sondern waren die verlorenen Söhne von Rom oder Neapel." „Paula, komm'!" rief der Präsident. Er war weit voran, immer schweigsam, wenn er nicht reden mußte, sjetzt klang seine Stimme hell und froh „Ja, ich wußte es wohl," lachte Herr Schwarze. Und nun traten sie unter den Bäumen des Wäldchens hervor zu dem alten Herrn auf einen freien Platz, welchen Caetus und wilde Role», Ginster und Feigen überwucherten. Mitten drauf stand ein kleines, steinerne« Hau«, urfest gebaut, die Thür geschloffen, vor den Fenstern Holzläden, sonst Alle« verwittert zwar, aber nicht zerstört. Und tief unten am Fuß der Klippe, deren Wände steil anfragten, lag da« weite, uferlose Meer, blauer al» der Himmel, der sich darüber wölbte, — mit Segeln bedeckt, glatt wie ein Spiegel. Recht« ragten da« Cap Positano mit dem ruinenhaften gleichnamigen Städtchen und die schroffen Felsen der Zauber« eilander Capri empor, link» zu Füßen lag auf schmalem Uferrand Amalfi, amphitheatralisch sich aufdauend bi» hoch zu den steilen, mit Wein-, Oliven- und Orangengärten bedeckten Felsbergen hinan. Und hinter dem malerischen Amalfi lag Atrani und hoch darüber da» entzückende Ravello mit seinen maurischen Ruinen und daran schloß sich wie ein herrlicher Rahmen die ganze Küste de» Golf» von Salerno, al» besten fernster Punkt die Tempel von Paestum von scharfen Augen zu erkennen waren. „Nun, meine Gnädige," fragte Herr Schwarze mit seinem liebenswürdig wohlwollenden Lächeln, „habe ich zu viel gesagt ?" „Das Meer, das herrliche, wundervolle Meer!" stammelte Paula. Inzwischen waren die Axtschläge erfolgreich gewesen, die Thür sprang auf; eine dumpfe, schlechte Luft drang ihnen entgegen und dann fiel der neugierige Blick auf kahle Wände, herabhängende Tapeten, erblindete Scheiben und einen Wust von Staub, der vereinzelte Möbelstücke und den Boden bedeckte. „O Himmel!" rief Paula von Neegenhart. „Da können wir nicht wohnen!" „Du bleibst bei der Signora Cardueca, bis Martin und ich hier Ordnung geschafft haben!" sagte herrisch der Präsident. Sein Diener blickte bestürzt und faffungslo» das gnädige Fräulein an und vergaß über dem schreckensvoten Gedanken, in dem alten Gemäuer mit seiner Herrschaft wochenlang wohnen zu sollen, seinem Herrn unterthänigst zuzustimmen. Diese Unterlassungssünde erhöhte besten üble Laune. Von den Dreien unbemerkt war ein kleiner, wunderlich aussehender Mann zu ihnen getreten: „Mein Herr, in dem Loch da wollen Sie wohnen? Thun Sie das nicht! Die dumpfige Luft ist ungesund, es werden sich unzählige Pilzarten zwischen dem Gestein —" Der Präsident hatte sich erschrecktl nach der krächzenden Stimme umgewendet, welche ihm in seiner ehrlichen deutschen Muttersprache in die Ohren schrie, daß seine gereizten Nerven zuckten. Mit unbeschreiblich hochmüthiger Abwehr sah er zornig auf den kleinen, grotesken Mann nieder, der wie eine vollständige Carricatur des Naturforscher», mit schleierumwalltem altem Strohhut, blauer Brille, Schmetterlingsnetz und Bota- nistrbüchse in engen und zu kurzen Hosen und einem einstmals flotten, kurzen Studentenrock, auf seinen Alpstock gestützt, vor ihm stand. Der kleine Gelehrte beachtete aber diese Gewalthabermiene nicht, sondern fuhr in bester Absicht eindringlich fort: „Die Padroua, die brave Signora Carducea, sagte mir von Ihrem Vorhaben; ich wohne seit acht Tagen bei ihr. Wenn Sie verlaffene und ruinenhaste Wohnsitze lieben, so ziehen Sie doch in da» Schloß drüben, da brauchen Sie nicht zu ebener Erde zu schlafen! E« giebt drinnen, ein oder zwei Stockwerke hoch, ganz leidliche Räume." Ganz verblüfft von der freundlichen Zudringlichkeit des Brillenträgers und der Wirkungslosigkeit seine» einst gefürchteten Jupiterblicke», stand der Präsident und ließ den Wortschwall und die Blechstimme über sich ergehen. — Dann aber hatte er sich gefaßt und wandle sich mit stummer Verachtung von ihm ab. „Ah! Taub!" murmelte der Naturforscher. Und dann schrie er, sich auf die Fußspitzen erhebend, dem Präsidenten wohlwollend in die Ohren: „Herr! Da drinnen ist ungesund wohnen! — Ziehen Sie lieber in da» Schloß, da sind Sie auch nahe bei mir und wir können Abend» ein Spielchen —" „Herr! Ich suche die Einsamkeit hier, — da» Alleinsein, verstehen Sie? Da» Alleinsein!" donnerte wüthend der Präsident. „So? Entschuldigen Sie," stotterte der Kleine erschrocken. Plötzlich bekam aber der Aerger Über diese grobe Zurückweisung die Oberhand. Ec riß höhnisch seinen Hut ab. „Gesegnete Mahlzeit allerseits!" schrie er und damit lief er fort. Er wußte gar nicht, welchen Unsinn er sagte, so sehr alterirte ihn die Grobheit des „Großmoguls", wie er nachher voll grimmigen Aerger» den Präsidenten in seinem Bericht an die brave Padrona titulirte. „Martin," sagte inzwischen würdevoll der Präsident, „Du holst Dir au» dem Dorfe sofort Frauenzimmer her, die da» Hau» säubern. Mach' ihnen begreiflich, daß ich sie gut bezahlen werde; sieh' aber auf Ordnung, und was sie heute nicht fertig bekommen, dar thun sie morgen; empfiehl ihnen Eile, so rasch wie möglich will ich hier einziehen! Verstanden?" „Sehr wohl, Excellenz!" dienerte Martin und fragte sich, wie er e» überhaupt anfangen sollte, sich mit den Leuten hier zu verständigen. Herr Schwarze legte sich in’» Mittel. Die Dorfbewohnerschaft war in hellen Haufen herzugelaufen, die Fremden zu sehen und stand neugierig von fern. Den deutschen Signor au» Castellamare kannten sie Alle und er brachte eine reiche „Eccellenza" nach dem Dorfe. Da» war sehr gut von ihm. Er brauchte nur zu sagen, wa« verlangt wurde, so meldeten sich ein halbe» Dutzend Frauen und Mädchen und ein Schock halbwüchsiger Buben. Nun gab es bis Abends noch eine unendliche Menge von Dingen zu besprechen und einzurichten. Herr Schwarze wußte für Alles Rath und die Weithin, welche Geld witterte, half mit Freuden. (Fortsetzung folgt.) Wie Gottlieb Knake avancirte. Eine lustige Soldatengeschichte. Generalmusterung war befohlen und der Herr Hauptmann der dritten Compagnie schwebte in Todesangst. Fiel sie gut aus, dann kam er „um die Ecke" und wurde Major; wenn nicht, so erhielt er das „a. D." vor seinem Namen und konnte „in Civil" spazieren gehen. Die Excellenz aber war ganz unberechenbar, wie viele Leute, welche die Gewalt haben. Eins Kleinigkeit konnte alles verderben. Dazu war Excellenz schon bei der Musterung der ersten und zweiten Compagnie nicht rosig gelaunt. Immer düsterer wurde sein Gesicht, immer drohender sträubte sich sein Schnurrbart. . . Da» konnte gut werden. Jetzt kam die dritte Compagnie an die Reihe. Auch hier schien Viele» nicht den Ansichten gemäß ausgefallen zu sein. Da war ein Knopf zu trübe, dort ragte die Halsbinde eines Vaterlandsvertheidiger» um die Breite einer Strohhalme» zu weit aus dem Kragen hervor . . . . . Mit stummer, resignirter Miene lenkte der Compagnie »Chef sein Pferd neben der Excellenz dahin, die Reihen seiner getreuen Soldaten entlang. Ab und zu nur warf er dem Feldwebel einen vielsagenden Blick zu, welcher diesen jeweils zu einer kurzen Notiz in sein vielgefürchtete» schwarze» Buch veranlaßte. Der geneigte Leser, welcher dem Könige seine schuldige Dienstzeit abgedtert hat, wird wissen, was solchen« fall» eine derartige Notiz bedeutet. Jetzt war Se. Excellenz ganz nahe bei Gottlieb Knake. Gottlieb Knake aber war das „Kreuz* der Compagnie, der unverbesserlichste Mensch ohne Ordnung, ohne jede soldatische Tugend und ohne jede» Streben nach militärischer Vollkommenheit. Wenn Alle» recht war, dann machte er sicher eine bodenlose Dummheit. Daß er mit dem Ladestock auf die Scheibe geschossen hatte, war noch lange nicht sein kühnster Streich. Gewiß lieferte der Gemeine Knake wieder etwa», wovon die ganze Garnison vierzehn Tage lang sprach Da» Herz de» muthigen Compagnieführers, der das Eiserne Kreuz trug und in offener Feldschlacht schon manchen Beweis seiner Tapferkeit gegeben hatte, fing an zu klopfen. Auch der Feldwebel, der getreulich neben seinem Herrn dahinschritt, verdrehte die Augen himmelwärts. Scheinbar gleichgültig glitt der Blick des Generals an Gottlieb Knake vorüber. Schon wollte er vorrüberretten, der Hauptmann athmete bereit« erleichtert auf, und auch der Feldwebel reckte sich mehr in die Höhe. Da zügelte Se- Excellenz plötzlich das Roß und deutete mit der behandschuhten Linken nach Gottlieb Knake hinüber. „Strammer Soldat da»; famose Haltung!" geruhte Se. Excellenz zu sagen. Der Hauptmann wurde blaß und roth im Gesicht, denn er glaubte die Ironie, welche in den Worten de» Generals lag, wohl nur zu gut zu verstehen. „Zu Befehl, Excellenz!" stotterte er hervor, während er gleichzeitig dem Feldwebel einen vielsagenden Blick zuwarf. „Tritt hervor, mein Sohn!* sagte Excellenz, wohlgefällig das pfiffige Lächeln in dem feisten Angesichte Gottlieb Knake'» betrachtend. „Wie beißt Du, mein Sohn?" „Zu Befehl, Excell'Nz, Gottlieb Knake!" „Welcher Jahrgang?" „Zu Befehl, Excellenz, dritte» Jahr!" „Strammer Kerl, wirklich!" meinte Se. Excellenz zu dem mehr tobt als lebendig aus dem Pferde sitzenden Compagnie- Chef. „Sage mal, mein Sohn," wendete sich der gestrenge Herr jetzt wieder zu Gottlieb Knake, „hast Du denn auch Dein feldmarschmäßiges Gepäck in Ordnung?" Jetzt erblaßten sowohl. Hauptmann und Feldwebel, al» auch Corporalschaftssührer Knuffmeier. Gottlieb Knake war der lüderltiste Mensch in der ganzen Compagnie. E» war von ihm zu erwarten, daß er womöglich Alles durcheinander im Tornister hatte. Wenn sie erst gewußt hätten, daß Knake, um nicht schwer zu tragen, lediglich nichts im Tornister hatte, als eine alte Bürste. Gottlieb Knake blickte gänzlich unverfroren drein. „Zu Befehl, Excellenz!" sagte er. „Packe mal aus, mein Sohn!" meinte die Excellenz. Diensteifrig sprang der Feldwebel hinzu und nahm dem Soldaten sein Gewehr ab, während er ihm zuflüsterte: „Sieben Tage Mittelarrest sind Dir sicher, Halunke, wenn die geringste Malpropretät..." Aber Gottlieb Knake hatte gelassen seinen Tornister ab- geschnallt und ihn vor sich so auf den Boden gelegt, daß die Excellenz nur die Rückseite dieses nützlichen Gepäckstückes erblicken konnte. «Zeige mal Deine Kleiderbürste, mein Sohn!" befahl Excellenz. „Zu Befehl, Excellenz!" entgegnete Gottlieb Knake und fuhr mit affenartiger Geschwindigkeit in die Leere de» Tornister» hinein, gleich darauf mit einer Bürste wieder an» Tageslicht kommend. „Recht so, mein Sohn, zeige mir nun auch die Schuhbürste!" Gottlieb Knake fuhr blitzschnell mit der Bürste in den Tornister hinein und kam im nächsten Augenblicke mit der gleichen Bürste wieder zum Vorschein und zeigte sie zum zweiten Male vor. „Zu Befehl, Excellenz!" sagte er und schaute dabei dem gestrengen Herrn möglichst unbefangen in'» Gesicht. „Recht so, mein Sohn," meinte dieser, und sich zum Compagniechef wendend, fügte er hinzu: „Der Mann scheint seine Sachen gut int Stande zu haben!" Selbstverständlich hatten sowohl der Compagniechef al» auch die „Mutter der Compagnie" zu ihrem Entsetzen alsbald bemerkt, daß der perfive Knake beidemale dieselbe Bürste vorzeigte. Die Haare stiegen ihnen aber auf dem Kopfe kerzengerade in die Höhe, al» sie bemerkten, wie Gottlieb Knake jetzt zum dritten Male in den Schlund seine« Tornister» fuhr und nochmal» dieselbe Bürste unaufgefordert an da» Tageslicht brachte. Auch Excellenz blickte verwundert auf dis dritte ^Bürste in der Hand des Soldaten nieder. „Hm!" machte der gestrenge Herr, „was ist denn das für eine Bürste, mein Sohn?" „Meine Reservebürste, Excellenz!" sagte Gottlieb Knake, während ein feierlicher Ernst auf seinem Angesichte ruhte. Der General räusperte sich. Der seltene Pflichteifer unseres Freundes schien ihn in eine Art Rührung zu versetzen. Er zog die Börse und entnahm dieser ein Geldstück, welche» er dem'elben reichte. „Du bist ein braver Soldat, mein Sohn," sagte er mit lauter Stimme, „da nimm und mache Dir einen vergnügten Tag dafür!" Der Compagniechef war sprachlos über diese Frechheit Knake'». „Fünf Tage Mittelarrest dem Halunken!" flüsterte der Hauptmann dem Feldwebel zu, al» der General fortfuhr: „Mein Sohn, ich werde ein gute» Wort für Dich bet Deinem Herrn Hauptmann einlegen, daß er Dich zum Gefreiten befördert . . . Sehen Sie, meine Herren," fuhr er mit weithin schallender Stimme fort, indem er mit der ausgestreckten Rechten auf bett int Glanze bet Helbcnthat sich sonnenben Gottlieb Knake wie», „dar ist das Holz, aus welchem man die Unterosfiziere schnitzen muß. ... Ich danke Ihnen, meine Herren," wendete er sich an das gesammte Oifiziercorps, „ich muß gestehen, ich bin sehr, sehr befriedigt von der Besichtigung. Und Ihnen speciell, Herr Hauptmann, gratuliere ich zu Ihrer Compagnie; werde mich bei Gelegenheit Ihrer Mannszucht und Ordnung erinnern." Damit drückte Excellenz dem Hauptmann warm die Hand — Alles war in schönster Ordnung abgelaufen. Am Abend gab es Freibier im Bataillon. Der Hauptmann war in besonder» seliger Laune, winkte sich bett Gottlteb Knake heran und sagte zu ihm: „Du bist zwar ein Halunke, wie er im Buche steht, mein Sohn, denkst Du, ich habe Deine Spitzbüberei von heute Morgen nicht bemerkt? Von Rechtswegen solltest Du int Loche brummen, bi» Du schwarz würdest . . . aber Geistesgegenwart macht den halben Soldaten aus, und darum will ich Dich hiermit zum Gefreiten ernannt haben. Damit zog der gestrenge Compagniechef ebenfall» feine Börse und drückte dem verblüfften Gottlieb Knake, der sich auf alles Andere gefaßt gemacht hatte, auch noch einen Thaler in die Hand. So ist Gottlieb KnakL avancirt; mach'» ihm Einer nach! Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitAS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen,