r et«; doch beschränkten , doch stete amt sich ge> Olymp das er eleganten rinnerte sich ater geziert, r Welt um« in blitzende» les, was er seit wann?' Zerr, Made« en. ;er, warmer lerannt. le Gnädigste, u cauenstimme, g, und doch Platz. Unterhaltungsdlatt zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger) L89S. LMilieBlsttsk GamSLag her 7.l November 33^ tge$ schreibt aushält, sehr Re»«*, »effen So bringt es . den Lehrcuri Unterhaltungs- schen, Auguste die „Wiener bei. — Probenstraße 19, |u imende Weih- y Schwerin, Arbeit unserer >on Arthur ellschaster. 66 -ist an, untere > ab, ist eine derwärtigkeiten äußerst fefseln- eid eines aus Mädchens, dai >iegelt sich hier ndlung, welche remden Leuten" '« Mk. Letztere iberi geeignet! John Henry H. Dippe- ) Pfg. Verla, ngen, in denen ; und Behand- onders berück- ionskrankheiten Zocken, Typhus, gundkrankheiten er Tuberkulose, was Jeder zu seines Arztes n Gieße«. Das blaue Herz. Roman von Carl Ed. Klopfer. (Fortsetzung.) Der nächste Lag war ein Sonntag; der Freiherr von Effenberg war also von den Bureaustunden in dem Ministerium, dessen Sectionschef er war, befreit. Die Familie war eben im Begriff, zu einem mittäglichen Visiten- karten - »bladen auszufahren, als sich wieder Graf Norbert anmelden ließ. Er mußte sich in der letzten Nacht wohl nachhaltig mit dem Gedanken an Theklas blaues Armband-Berlok beschäftigt haben, denn jetzt kam er gleich nach den flüchtigsten Begrüßungs- formaliiäten darauf zu sprechen — zum Erstaunen der Effenbergs, die nach dem weiteren Verlauf des gestrigen Abends annehmen durften, daß er an die ganze Angelegenheit nicht mehr erinnert werden wolle. „Ja, eben weil ich die Sache aus Pflicht,, mich der Vergangenheit zu entfchlagen, für immer abgethan wissen möchte, erübrigen mir vielleicht noch einige Schritte. — Adele, Sie sagten gestern, der Bediente des Attaches Fröden werde wieder vorsprechen, um über den Verbleib des Medaillons Auskunft zu erhalten? In diesem Falle würde ich bitten, den Mann an mich zu weisen/ „Ganz reckt; es soll geschehen." „In der That," ließ sich hier der Baron in seiner etwas bureaukratisch steifen Art vernehmen; „es würbe mich an Ihrer Stelle ebenfalls interefstren, von dem Burschen zu erfahren, auf welche Weise er in den Besitz dieses schon nach der materiellen Seite hin ziemlich kostbaren Gegenstandes gekommen ist. Ich hielt mich gestern — Angesichts der Wehmuth, mit der Sie diese Reminiscenzen aufnahmen — nicht für berufen, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß das Medaillon möglicherweise gestohlen ist — und daß der Bediente, der letzte Besitzer, nun zu Bedenken über die Herkunft des Dinges bewogen wurde. Da Sie selbst zugestanden, lieber Norbert, daß Sie den größten Theil des von Ihrer Gemahlin hinterlassenen Schmuckes gar nicht kannten, so hätten diebische Domestiken auf Chlobonitz um so leichteres Spiel gehabt, als Sie erst geraume Zeit nach dem Trauersalle auf ihr Stammgut zmückkehrten. Wer weiß also, was da noch Alles in unrechte Hände gekommen ist und ob nicht noch mehrere — eigenmächtig weggeführte „Andenken" der Verstorbenen aufzutreiben find l" „Ach!" brachte Degenstein da sehr hastig hervor. „Sind Sie der Meinung, daß Thekla jene — Aufzeichnung noch anderweitig hinterlegt haben könnte?' „Das wollte ich gerade nicht sagen. Ich dachte lediglich an Gegenstände von pecuniärem Werth ..." „Natürlich, natürlich!" verbesserte sich der Graf jetzt ebenso rasch. „Und überdies — so weit ich mich des Wortlautes jener Zeilen entsinne — geht daraus ja deutlich genug hervor, daß Thekla es bei dieser — einmaligen Notiz bewenden ließ." „Wünschen Sie den Zettel vielleicht doch noch einmal zu lesen, Norbert?" fragte Adele zuvorkommend, da sie ein solches Verlangen aus feiner Miene zu errathen glaubte. „Nun denn — ja, ich würde Sie darum bitten, wenn ich Ihnen damit keine Umstände mache . ..." Adele wollte schon gehen, wandte sich' dann aber nochmals um. „Da fällt mir ein — Thekla hat, wenigstens in ihrer Pensionszeit, recht emsig ein Tagebuch geführt. Haben Sie ein solches nicht unter ihrer Hinterlassenschaft gefunden, so wäre am Ende zu fürchten, daß auch dieses in unberufene Hände gerathen sei . . ." Degenstein fingerte an seinem Schnurrbart und zögerte einen Moment, ehe er erwiderte. „Ich habe so ein Tagebuch wirklich gesunden." „Ah! Und enthielt es Einträge, die mit dem Inhalt des gestern entdeckten Zettels übereinstimmend" „Nein," sagte der Graf, wieder erst nach einer secunden« langen Pause. „Es schien während der letzten Jahre nicht fortgesührt worden zu sein — seit Theklas Ehe . . ." Man schwieg. Jeder errieth Degensteins erst neuerdings aufgetauchten Gedanken, daß Thekla der Periode ihres dreijährigen Ehestandes ein — besonderes Tagebuch gewidmet haben könnte- Traf dies zu, hatte die junge Frau darin ihr ganzes, von so vielfachem Kummer beschwertes Gemülh entlastet, und waren diese Blätter nach ihrem Tode in die 522 wühlenden Finger der Dienerschaft gefallen — dann war auch viel von dem bösen Klatsch erklärt, der hinterher noch über die gräfliche Ehe in Umlauf gekommen war. „Immerhin ist es gut," bemerkte endlich wieder der Freiherr, „daß man in diesem Lakaien des Attaches wenigstens einen Mann gefunden hat, der wohl im Stande sein dürfte, noch über manche Persönlichkeit von der Dienerschaft auf Ehlobonitz Auskünfte zu geben." „Das ist mir mittlerweile eben beigefallen," stimmte Degenstein zu. „Aber ich glaube auch, daß Thekla gerade durch jenes Notizblättchen in dem blauen Herzen den Beweis dafür geliefert, daß sie die Führung eines regelmäßigen Tagebuches nach der Brautzeit aufgegeben hat. Sie spricht es darin deutlich genug aus, daß sie sonst keine Stells habe, ihrem Empfinden schriftliche» Ausdruck zu verleihen. — Sie sollen fich selbst noch einmal davon überzeugen, GrafI" Damit ging Adele hinaus, das Souvenir aus dem Schreibpult in ihrem Boudoir zu holen. Als ste da« Borzimmer betrat, sah sie da zu ihrem Staunen die Zofe Wettt — in eifrigstem Gespräch mit dem Bedienten des Attaches Fröden . . . Ignaz hatte es ohne seinen „Talisman" nicht lange ausgehalten. „Ich habe die ganze Nacht kein Äug' zugethanl" schwor er, als er vor wenigen Minuten da heroufgeschlichen war, um dem Satansmädel von einer Zofe die bitteren Vorwürfe zu machen, die er gestern hatte hinabwürgen müsien. — „Wetti, eine solche Falschheit hält' ich Ihnen nie zugetrautI" Wetti war um so eher geneigt, ob ihrer gestrigen Ser» rätherei Reue und Leid zu zeigen, als ihre Neugierde dabei nicht auf ihre Rechnung gekommen war. „Es ist nicht wahr," bekannte fie mit einer so sanften Miene, daß Nazi« Groll sofort in’« Schmelzen kam; „ich bin ein bissel unüberlegt gewesen — seien S' nicht bös, Herr Ignaz! — ich wollt' Sie nur necken — weil Sie mit dem blauen Herzel gar so wichtig 'than haben. Später, wie die Suppen schon ein'brockt war, ist mir um Sie leid 'worden. Um Gotteswillen, sagen Sie, Herr Ignaz, Sie werden doch jetzt, nicht etwan — Ungelegenheiten zu fürchten brauchen, weil sich 'rausgestellt hat, daß das Anhänger! wirklich bet Gräfin Thekla gehört hat?" „Wahrhaftig?" rief Ignaz. „Hat'« der Herr Graf erkannt?" Wetti kam nicht dazu, ihm auseinanderzusetzen, auf welche Weise das blaue Herz agnoseirt worden war, denn in diesem Augenblick erschien eben die Baroneß im Vorzimmer. „Ach, Sie kommen schon, sich nach dem Berlok zu erkundigen, guter Freund?" Ignaz konnte nur mit kläglichen Lauten bejahen, war er doch in der Hoffnung gekommen, seinen Talisman direct von Wetti zurückerhalten zu können. „Das trifft sich sehr gut," fuhr die Baronesse fort; „Graf Degenstein drückte soeben den Wunsch aus, Sie selbst in der Sache zu sprechen. Sie kommen also wie gerufen. Warten Sie einen Moment!" Adele flog nach ihrem Zimmer, dar Herz mit dem Zettel zu holen. Ignaz wandte fich indessen seufzend an Wetti. „Sehen Sie, das hab' ich Ihnen zu verdanken 1" flüsterte er ihr zu. Wetti suchte ihn zu beschwichtigen. „Der Graf wird Ihnen wahrscheinlich eine Gratification zukommm lassen wollen, einen Finderlohn . . ." Da wäre Ignaz aber bald auf's Neue bös geworden. „Ach was, ich wollte gern auf das schönste Trinkgeld verzichten, wenn ich nur wieder das Herz haben könnte!" Wetti stieb ihn mit dem Ellenbogen an und sagte halb gutmüthig, halb schmollend: „Sei'n Sie doch nicht so eigensinnig auf so eine Dumm» heit versessen! Nehmen Sie an, Sie hätten'» mir geschenkt!" Da blinzelte der Ignaz die apetitltche Kleine ungemein schmachtend an. ,,Ja, ja, das wär' schon recht und — hm! Sie er» nnern sich wohl auch noch an die Bedingungen, unter denen ch Ihnen da« Anhängsel lassen wollte, verehrte Wetti? Wenn ich das Herz j-tzt also durch Ihre Schuld einbüße, o ist e« eigentlich Ihre Pflicht, mich mit dem festgesetzten Preise zu entschädigen ..." Hier mußte er in seinen Auseinandersetzungen jedoch abbrechen, denn zu seinem Aerger kehrte die Baronesse wieder zurück und forderte ihn auf, in den Salon mitzukommen, da Graf Degenstein gerade anwesend sei. Er mußte der Dame folgen und hatte nur noch Gelegenheit, der schämig zurücktretenden Zofe hinter dem Rück n ihrer Gebieterin eine zarte — Kußhand zuzuwerfen. Adele glaubte, daß der Graf den Zufall, der Frödens Diener eben zur Stelle geführt hatte, mit Genugthuung begrüßen werde. Degenstein zeigte sich aber unangenehm betroffen beim Anblick des jungen Menschen. Er überließ es auch dem Hausherrn, das erste Wort an ihn zu richten. Ignaz, der sich rasch in sein gewohntes Gleichgewicht zurückgefunden hatte, bekannte sich in bescheiden gesetzten Worten zum Besitz des fraglichen Medaillons bis gestern Vormittags. Während er sprach, faßte er den Grafen schärfer in's Auge- „Dies ist Graf Degenstein," bemerkte nun Herr v. Effenberg, mit leichter Geberde auf seinen künftigen Schwiegersohn zeigend, „und er stellt an Sie die Frage, wie Sie überhaupt zu jenem Medaillon seiner verewigten Gemahlin gekommen find." Da wurde Ignaz etwas lebhafter. „Also wirklich — das blaue Herz gehörte der Frau Gräfin? — Ich bitte um Verzeihung! Dann dürften es wohl der Herr Graf selbst gewesen sein, der damals — in München — in der Begleitung der Dame erschienen find?" Degenstein hob überrascht den Kopf. „In München? Wie kommen Ste darauf, junger Mann?" fragte er wie mit angehaltenem Athem. „Bitt' um Entschuldigung! Ich meinte — ich setze voraus, daß der Herr, der damals im Maskeneostüm . - „Ja, wovon sprechen Sie denn eigentlich, Sie confuser Mensch?" unterbrach der Graf den Verblüfften sehr barsch- „Ver — zeihung! Ich kenn' mich wirklich selber nicht recht aus, wenn der Herr Graf — es doch nicht gewesen wären — und wenn nicht die Frau Gräfin ... Ach! Bitte mir nur die Frage zu erlauben: die Frau Gräfin selig ist doch damals — ich meine vor fünf Jahren, im Carneval — in München gewesen?" Die Effenbergs schüttelten zweifelnd die Köpfe und blickten auf Graf Norbert. Der stand starr wie ein Steinbild. Er hatte rasch etwa« erwidern wollen, legte aber jetzt die Lippen fest aufeinander, um erst nach einer kleinen Pause zu sprechen, indem er die Familie mit seiner Miene zu Zeugen dafür aufrufen zu wollen schien, daß dieser Bursche sich offenbar mit verdächtiger Unklarheit ausdrücke. „Ich begreife nicht, wo Sie hinauswollen, Verehrtester. Meine Frau war — wenigstens feit ich fie kannte — niemals in München." „Ah! Ja dann — dann hat das blaue Herz auch gar nicht der Frau Gräfin gehört," stotterte Ignaz immer verwirrter. „Es war in München, wo ich es gefunden habe — im Laden des Friseurs Dingelmann, bet dem ich Lehrbursch war; die betreffende Dame hat es an ihrem Stuhl verloren, während fie von meinem Principal bedient wurde." „Und diese Dame," warf Adele rasch ein, „wollen Sie in dem Portrait auf meinem Zimmer wiedererkannt haben, wenn ich recht vermuthe?" „ „ „Ja, das heißt - ich - ich glaubte das blonde «Haar, eine gewisse Haltung wieder zu entdecken — aber wenn er doch nicht die Frau Gräfin gewesen sein kann, dann - müßte ich mich getäuscht haben — ich habe in München das Gesicht jener Dame nicht gesehen, denn sie legte die Seiden- larve nicht ab, die ste zu ihrem Costüm trug ..." Wieder wechselte man rathlose Blicke. Da warf Gras Norbert mit einem feinen Lächeln das Haupt in den Nacken. 523 - „Wenn Alles wirklich wahr ist, was Sie da sagen," näselte er dann, auf den Bedienten zugehend und ihn mit einem durchbohrendem Blicke fixirend, — „dann ließe sich ein Zusammenhang nur so erklären, daß das kleine Medaillon schon damals in fremden Händen war» daß die Dame, die es in dem Friseurladen verlor, e« auf rechtmäßigein oder unrechtmäßigem Wege von der Eigenthümerin übernommen hatte." Ignaz schwieg, aber das Gestcht, mit dem er dem Grafen gleich zu Beginn dieser Rede angestarrt hatte, trug den Stempel einer ganzen neuen Gedankenfülle, die mit den letzten Secunden in ihm aufgestiegen schien, als lob sie durch die „schneidige" Stimme Degeusteins erweckt worden wäre. Effenberg winkte dem künftigen Eidam jetzt verstohlen zu, daß er er übernehmen wolle, dem „verdächtigen Burschen" fester auf den Zahn zu fühlen. „Sagen Sie einmal, mein Lieber, können Sie genau angeben, wann Sie da« Medaillon gefunden haben?" Sie sagten, es sei vor fünf Jahren gewesen?" „Ja," entgegnete Ignaz, jetzt klar und bestimmt; der Ton des Barons konnte ihn nicht länger im Zweifel darüber laffen, daß in dem ihm entgegengebrachten Mißtrauen eine ehrenrührige Anschuldigung versteckt sei. — „Ich habe mir sogar das Datum gemerkt, denn mir war bas — ein recht interessantes Erlebniß. — Die Dame ist mit ihrem angeb- lichem Bruder am 12. Februar 1889 in unserem Laden erschienen." „Wie?" flüsterte Adele überrascht; „das wäre zufällig — zwei Tage vor dem Tode Theklas gewesen!" „Wahrhaftig!" stimmte Degenstein hastig bei. „Und da haben wir den besten Beweis, die Behauptung zu entkräften, daß meine Frau die Münchener Verliererin des Berloks gewesen sein könnte. Wir trafen schon am 10. Februar in Paris ein, am Abend des dreizehnten constatirte der Arzt schon das Wiederauftreteu der Ko — der Krankheit Theklas." „Und da diese Aufzeichnung vom 2. Februar datirt ist — ergänzte Adele, das kleine Papier aufnehmend und nochmal» prüfend, „so müßte ihr das Medaillon in dieser Zwischenzeit von zehn Tagen abhanden gekommen sein." Ignaz machte natürlich verwunderte Augen über diese Erwähnung einer „Aufzeichnung," von der er nichts wußte. „Bitt' um Verzeihung!" griff er dann wieder zu der heute schon so oft gebrauchten Redensart. „Ist es denn überhaupt sicher, daß mein blaues Herz wirklich dasselbe war, das die Frau Gräfin getragen hat? Es könnt' am End' doch eine andere Dame ein ähnliches . . .' Adele erklärte ihm kurz angebunden, wie man in einer verborgenen Kapsel schriftliche Beweise dafür gefunden habe, daß das Berlok aus dem Besitz der Gräfin stammte. Da wurden Nazis Augen felbstverstndlich noch größer. Er kribbelte an seiner Hosennaht und schielte abermals sehr angelegentlich nach dem Grafen hinüber. „Wissen Sie Näheres über jene Personen anzugeben, die damals im Laden Ihres Principal» erschienen?" mengte sich jetzt wieder der Freiherr mit der Miene eines Untersuchungsrichters ein. „Beschreiben Sie einmal die Leute!" „Nicht doch!" wehrte da Degenstein mit einer souveränen Handbewegung ab. „Jetzt kann es uns doch ziemlich gleich- gtltig fein, wer diese Personen waren und wie fie zu dem Ding gekommen find." Dann wandte er stch mit wohlwollender Herablassung an den Diener. „Sie haben also gehört, daß da» Medaillon doch noch in die richtigen Hände zurückgelangt ist. Ich will Ihren Angaben vollen Glauben schenken und auch nicht weiter nach den Gründen fragen, die Sie abgehalten haben, den Werthgegenstand gleich damals an zuständiger Stelle zu deponiren. — Pst! Reden Sie nicht« weiter. Ich sage Ihnen ja, es ist gut, wir wollen die Sache auf sich beruhen laffen. Sie sind entlastet, wir behalten das Ding — und hier gewähre ich Ihnen noch einen Finderlohn, weil das Medaillon für uns einen besonderen Werth besitzt." Dabei reichte er ihm eine Banknote hin, die er bei den letzten Worten au« seiner Brieftasche genommen hatte. Ignaz aber brachte seine Finger nicht von den Hosennähten weg. „Entschuldigen Herr Gras! — Wollen mir die Herrschaften doch gnädigst gestatten, mich von dem Vorwurf zu reinigen, als hält' ich das blaue Herz — unrechterweis behalten! Die Leute waren Fremde, ich hab' sie weder früher, noch später gesehen, — daß da« Herzel ein Inwendiges hatte, das hab' nicht gewußt, ich hab's nicht aufmachen können — und ich hab' damals auch keine Idee davon gehabt, daß das kleinwinzige Ding viel werth wär' — ich war ein armer dummer Bub' und hab's für eine nette Spielerei gehalten — wett'» so sauber herg'schaut hat — mit dem blauen Lack." (Fortsetzung folgt.) Zm Zwielicht. Novellette von M. C. Carpenter Meyer. (Schluß.) Vergeblich versucht er ihr Gesicht zu erkennen, er steht jedoch nichts als ein Stückchen blendend weißen Halses über dunklen Spitzen und ein Paar feuchtschimmernde große Augen- Sobald der Vorhang in die Höhe geht, wird er sie besser sehen können, wie ste wohl aussehen mag? Er versucht ein Gespräch anzuknüpfen. Man kannte eine solche Finsterniß während der Zwischen- acte früher in keinem Theater, freilich e« ist lange her, seit ich zum letzten Male in einem europäischen Theater war, ich komme direct vom Caplrnde — —* „Ah, ein Afrikaner!" sagt die verschleierte Stimme mit leichtem Hohn, es find ihrer viele zurückgekehrt jetzt — Sie hätte ich jedoch nicht dafür gehalten." Er fühlt sein Interesse wachsen und fragte: „Kennen Sie viele?" „Verschiedene, doch keiner gefiel mir, sie haben meist dort unten verlernt Mensch zu sein." Die Musik beginnt zu spielen, ein schwermüthiges, irischer Volkslied, dis feuchten Augen ihm gegenüber schimmern lockend und verheißend, er zählt die Minuten bis es hell wird — Die Dame hat den Handschuh von der Hand gezogen, ein Brillant funkelt im Zwielichte, kein Ehering schmückt dieselbe, die interessante Fremde ist noch frei. „Sie sind oft hier?" fragte er, bestrebt die Unterhaltung aufrecht zu erhalten. Er erwartet im Stillen, daß sie „nein" sagen soll. Sie ist eine Dame, was lockt sie hierher? Sie antwortet in gleicher Ruhe wie stets: „Ja, besonders seit Mademoiselle austritt. Zuerst dieser feenhafte Glanz des Ballets, dann diese Dunkelheit und Stille und schließlich Mademoiselle Lelias zaubersüße Stimme, die so bestrickend das Märchenbild schildert — ich träume hier süße, glückliche Träume — erst das wieder aufflammende Licht ruft mich in die Gegenwart zurück." Er höre ihr erstaunt zu. Wie ideal sie denkt, gewiß wuchs sie auf fern vom Getriebe der Weltstadt. „Ist N. Ihre Heimath?" „Nein," sagte sie, „meine Heimath liegt fern von hier, ich bin ein Kind des Meeres; auf schaukelnden Wogen, in der Kabine des Oceandampfers habe ich das Licht der Welt erblickt, aber ich liebe N. sehr, es ist mir Heimath geworben." Er hatte auch einst Eine gekannt, die auf der rollenden See geboren; es war lange her, zehn Jahre! Es war diejenige gewesen, der er sein Leben geweiht, doch er sah stch betrogen und verrathen- Es war ein Sommerabend, schön und schwül wie heute, fie waren beide auf einem Picknick gewesen, er und fie — seine vergötterte Braut. — Wie stolz hatte er die reizende Gestalt der mädchenhaften — 524 — (Beliebten int rosaseidenen Kleide durch die Säle geführt, wie glücklich mit ihr im Lact der Mufik durch den Saal geschwebt, bis sie ihn um eine Erfrischung gebeten. — Er war gegangen, und als er ahnungslos zurückkehrte, fand er sie in den Armen einer fremden sonnverbrannten Manne«, der sie küßte! Da« Gla« siel zu Boden, er stürzte aus dem Saal, einem Wahnsinnigen gleich. Wie hatte er das falsche Weib geliebt! Er konnte es nicht verwinden, jede Verbindung brach er ab, einen Brief, den sie schrieb» und der ihm von Ort zu Ort nachgesandt ward, wie» er zurück. Er war betrogen — seine Augen hatten es gesehen, seine Ohren gehört — es bedurfte keiner Erklärung oder Entschuldigung. Das Vorspiel begann von Neuem, eine entzückend süße Stimme sang verborgen hinter den Couliflen ein Modelied. Zwei, die sich liebten und die ein Verhängniß von einander riß. Er glaubte sich betrogen und erst nach ihrem Tode erfuhr er, daß der, den er für den glücklicheren Nebenbuhler gehalten, der Vater seiner Geliebten gewesen. Seine eigene Geschichte — nur der Schluß war offenbar ein Roman — die Wirklichkeit ist bitterer, grausamer. Die Dame neben ihm macht eine heftige Bewegung, sie fährt wiederholt nach der Stirn. „Die Hitze ist unerträglich, mein Fräulein, darf ich Sie hinunter führen in« Foyer und Ihnen eine Erfrischung holen?" Wirkliche Besorgniß liegt in seiner Stimme, um so verletzter fühlt er sich, al« sie so verschieden von ihren früheren Antworten, kurz und rauh erwidert: „Nein, ich danke, ich mag nicht!" Sie nimmt ihre Sachen zusammen, als ob sie gehen wollte. Er legt leise eine Hand auf ihren Arm: „Verzeihung, ich wollte Sie nicht beleidigen, gehen Sie nicht; wenn Sie wünschen, werde ich gehen-" „Ich bin nicht beleidigt, nur enttäuscht — 0 die Männer find alle gleich, doch Sie erschienen mir zuerst anders —" „Ich bitte Sie nochmals um Verzeihung, mein Fräulein, ich bi« durch Jahre hindurch aller gesellschaftlichen Gebräuche ungewohnt geworden, ich habe verlernt, mich mit Damen zu unterhalten" „Nur ein wenig Geduld, das war es, was mich so angenehm von Ihnen berührte, Ihnen fehlt der augenblicklich gerade moderne Weltstadtton, die Effecte und Schlagwörter unserer jetinSsse doree — in einigen Wochen werden sie Ihnen so geläufig fein, als wären. Sie niemals weg gewesen." Er lacht ein wenig, dann sogt er: „Verzeihen Sie, meine Gnädigste, daß ich, ein Fremder e» wage, Ihnen eine solche Frage vorzulegen: Ich glaube annehmen zu müffen, Sie seien im Leben wenig angenehmen Männern begegnet." „Wenigen? Nein! Zuvielen! Sie waren alle zu angenehm, um wahr scheinen zu können. Ich kannte nur einen, der anders schien, — er schien nur so; denn als der Augenblick kam, der ihn prüfen sollte, sah ich, daß auch er war, wie alle I Etwas in Ihrer Stimme erinnerte mich an jenen Mann. E« ist lange her, ich habe die Kränkung überwunden, nur da« neue Lied vorhin erweckte die Erinnerung in mir. Was jener Dichter singt, war meine Geschichte, das Leid meines Leben«, nur war der Fremde nicht mein Vater, sondern mein Bruder, den ich zehn Jahrs lang nicht gesehen! Der Mann, aber dem ich mein Leben weihen wollte, dem mein Herz gehörte, urtheilie nach dem Schein, ihm fehlte da«, was besser ist al» Liebe noch, der Glaube und da» Vertrauen." Er erwiderte nicht«, er fühlt, jedes Wort wäre hier eine Beleidigung — wie sonderbar — auch sie! Endlich, nach einer Weile entgegnet er: „Man sagt, daß gleiche Schicksale verbinden, nun weiß ich, weshalb es mir schien, als ob ich Sie schon jahrelang kenne — wir theilen dasselbe Schicksal." Jenes Sieb ist auch mein Schicksal gewesen — nur ich ward wirklich betrogen, meine Augen sahen er, meine Ohren hörten es, ich sah jenen Kuß, so küßt man nur in Liebe. Doch die Tropen haben mich geheilt, gesundet an Leib und Seele kehrte ich zurück, um ein neues Glück zu erringen." Er beugt sich ein wenig vornüber und leise setzt er hinzu: „Mein Fräulein, wollen Sie mir helfen?" Doch ehe sie noch antworten kann, ertönt die elektrische Glocke, blendende Helle durchfluthet da« Theater, er siebt in ein bleich gewordenes liebliches Gesicht, sieht in ein Paar feuchtschimmernde braune Augen-- „Harry!" „Anna!" Er führt sie behutsam hinaus aus der gaffenden Menge in das vollkommen leere Foyer und zwingt sie zum Niedersttzen. „Anna! Du! Unsere Geschichte! So? Mädchen, Geliebte, willst Du, kannst Du mir verzeihen? Ich liebe Dich noch heute, wie damals, ich fühle es, laß uns vergessen, ein neue« Leben beginnen!" Sie schüttelt leise den Kopf. „Vergeben habe ich Dir längst, vergessen könnte ich er nie! Und war das schlimmste ist, jetzt fehlt auch mir dar Vertrauen und der Glaube — — Harry — es gibt kein Glück auf Trümmern! Die Welt steht Dir offen, Du wirst ein neues, junge« Glück finden, es ist nichts für uns zwei, die Jahre, die vergangen in Groll und Bitterkeit, find nicht aurzulöschen. Lebe wohl I" Sie hat sich erhoben. Sie ist nicht mehr das strahlende, reizende Mädchen von damals, aber ein im Kampf gereiftes, begehrenswerthes Weib. Er sieht ihr nach, doch macht er keinen Versuch, sie zurückzuhalten. Ein Etwas in den schimmernden Augen hatte ihm gesagt, baß es nutzlos sei, er kannte j« Annas unbändigen Stolz. Es war vorbei! Im Zwielicht fand er sein zerstörte» Glück wieder, um es sofort aufs neue und für immer zu verlieren. Literarisches Di« Kraureupfleg« im -aus«. Von Dr. Paul Wagner. Mit 71 Abbildungen. Preis 3 Mark 50 Pfg., in Original-Leinenband 4 Mk. 50 Pfg. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Die „Krankenpflege im Hause" hat sich das Ziel gesetzt, gebildeten Laien die Grundzüge der häuslichen Krankenpflege in möglichst klarer und verständlicher Weise zu schildern. Alles das, was nur von einer berufsmäßigen, practisch geübten Krankenpflegerin geleistet werden kann, ist kurz an- gedeutet worden. Entsprechend den Grundsätzen der Weber'schen illustrir- ten Gesundheilsbücher soll auch die vorliegende Krankenpflege -die Verständigung zwischen Arzt und Laien erleichtern und somit beiden zum Nutzen dienen. Besonders eingehend hat deshalb der Verfasser die Einrichtung eines guten Krankenzimmers und Krankenbettes geschildert; hieran schließen sich ausführliche Abschnitte über die Pflege und Ernährung bettlägeriger Kranken, über die Krankenbeobachtung und über die Ausführung derjenigen ärztlichen Verordnungen, die auch von Laienpflegerinnen verlangt werden können. Im besonderen Theile findet vor Allem die Pflege bei akuten, fieberhaften Krankheiten, insbesondere bei den ansteckenden Krankheiten, eine genaue Schilderung, wobei namentlich die den neuesten Forschungen entsprechenden DesinfectionSverfahren eingehend gewürdigt werden. «al««drr der Jllustrirten Leitung für 1897. Preis 1 Mk. Verla i von I. I. Weber in Leipzig. — Mit einer reizenden Weihnachtsgabe überrascht die Leipziger Jllustrirte Zeitung ihre Freunde; sie bietet ihnen einen triple extrait aus dem Blüthenkranze der modernen Meister in Form eines künstlerischen Wandschmuckes unter dem Titel: Kalender der Jllustrirten Zeitung für 1897. An das von Caspari aquarellirte, in Farbenholzschnitt wiedergegebene Titelbild schließt sich das Kalendarium an, welches mit jedem Monat eine entsprechende Illustration in farbigem Druck bringt. Mit feinem künstlerischen Verständniß ist den Originalen der Stimmungston abgesehen und nicht weniger ist die Leistung des Buchdruckes bei der Wiedergabe dieser besten Vertreter moderner Illustration anzuerkennen Aus der bunten Reihe greisen wir das Blatt Januar mit dem geistvollen Porträt des deutschen Kaisers von Vilma Krüger-Parlaghi heraus, der Lenbach'sche Bismarck für April, Böcklins Spiel der Wellen sür Juli und Uhdes Anbetung der Hirten für December mögen genügen, um unfern Lesern einen Einblick in den Bilderschmuck des Kalenders zu geben. Rebaction: A. Schetzda. — Druck und Verlag der Brühl'schm UniverflMS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. J-tzt de» würbe Schimmer, heimalhliche treuherzig 1 Menschenkei „Um jetzt mit r find in un Sie endlich Jgnoz noch immei vergaß. 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