Lormerstaa den 7. Mai k'r,encr UnterhaUmgsvLatt pitn Gießener Anzeiger (General Anzeiger) ja Unter dem Patriarchen. Erzählung aus dem amerikanischen Westen. Frei nach Sealsfield. Von W. H. ® et «borg. (Fortsetzung.) Bob, der zuerst an dem Gatter angelangt war, hielt sein Pferd an und blickte anscheinend unschlüssig nach dem Hause hinüber. Minutenlang verharrte er so, ohne daß sein Begleiter es gewagt hätte, mit einem zuredenden oder abmahnenden Wort den letzten schweren Kampf zu beeinflussen, der sich da ganz unverkennbar im Herzen des Mannes abspielte. Dann richtete er sich plötzlich hoch im Sattel empor und stieß das unverschlossene Thor auf. Sie ritten zwischen zwei mit Orangen, Bannanen und Citronen besetzten Hausgärten hindurch, bis sie zu einem zweiten, versperrten und mit einer Glocke versehenen Eingang kamen. Unmittelbar nachdem das durchdringende Klingelzeichen laut geworden war, erschien ein gut gekleideter Neger, um zu öffnen. Er schien Bob zu kennen, denn er nickte ihm freundlich zu und empfing ihn mit der Mitthetlung, daß der Squire in den letzten beiden Tagen wiederholt nach ihm gefragt hätte. Dann forderte er Fred höflich auf, abzusteigen. Dar Frühstück werde sogleich bereit sein und für die Pferde solle gesorgt werden. Augenscheinlich war es eine weitgehende Gastfreundschaft, die ohne Ansehen der Person in diesem Hause geübt wurde; denn Freds jämmerliches Aussehen, seine beschmutzte, vielfach zerrissene Kleidung und die mitleidswürdige Beschaffenheit seines abgetriebenen Mustang konnten an und für sich wahrhaftig keinen vertrauenerweckenden Eindruck auf den schwarzen Pförtner gemacht haben. Jedenfalls war der freundlich grinsende Wollkopf sehr überrascht, als Bob auf die Einladung kurz und rauh erwiderte: „Brauchen Dein Frühstück nicht, Ptoly — wollen mit dem Squire reden." Aber er hatte keine Einwendungen zu machen und es bedurfte weder einer Anmeldung noch sonst welcher Förmlichkeiten, wie sie in einem civilisirten Lande solchen Besuchern gegenüber gewiß für nöthig gehalten worden wären, um ihnen den Zugang in das Wohnzimmer des Hausherrn zu erschließen. Sie wurden vielmehr ohne Weiteres in einen großen, behaglich ausgestatteten Raum geführt, wo der Squire oder Alcalde augenscheinlich eben sein Frühstück beendet hatte- Er saß noch an dem gedeckten, mit Tellern, Schüsseln und Gläsern reichlich beschickten Tische und blies gemüthlich die ersten duftigen Rauchwolken einer Havanna-Cigarre in die Luft. Auf den ersten Blick sah Fred, daß dieser Squire aus Westvirginien oder Tennessee stammen müsse, denn nur da hatte er unter der eingeborenen Bevölkerung solche antedilu- vianische Riesengestalten gesehen. Selbst sitzend ragte der Mann noch über den aufwartenden Neger hinaus. Dabei hatte er ganz den virginischen Typus, die enorme Hercules- brust, die massiven Gestchtszüge und dis scharfen grauen Augen, deren durchdringender, gebieterischer Blick selbst dem rohesten Hinterwäldler wohl imponiren konnte. Die Begrüßung vollzog sich von beiden Seiten in den denkbar einfachsten Formen; denn sie bestand in einem kurzen „Guten Morgen", das hinüber und herüberflog. Für Bob hatte der Alcalde einen langen, forschenden Blick; seinen Begleiter aber streifte er zunächst nur ganz flüchtig mit den Augen, indem er ihn mit einer Handbewegung einlud, sich am Tische niederzulassen. Bet seiner Müdigkeit zögerte Fred nicht, der Aufforderung Folge zu leisten, während Bob, der offenbar einen starken Respect vor dem Alcalden fühlte, mit gesenktem Kopfe stehen blieb. „Seid Ihr also doch wieder da, Bob?" fragte der Hausherr nach secundenlangsm Schweigen mit tiefer Stimme. „Glaubte wirklich schon, Ihr wäret um ein Haus weiter gegangen. Hätten uns den Hals auch nicht abgerissen, wenn es so wäre. Sind mir in der Seele verhaßt, die Spieler — ärger als die Stinkthiere. Ist eine schlimme Sache um das Spiel, Mann, hat schon Manchen ruinirt — zeitlich und ewig ruinirtl Hat auch Euch zu Grunde gerichtet." Bob ließ den struppigen Kopf noch tiefer hängen; aber er antwortete nichts. „Hätte Euch übrigens in diesen letzte» Tagen gut brauchen können," fuhr der Alcalde fort. „Mußte nach dem Jaul = 219 *= senden, um mir einen Hirschbock und ein paar Dutzend Schnepfen schießen zu lasten. Hätte den Verdienst lieber Euch zugewendet, Bob." Noch immer verharrte der Andere in tiefem Schweigen. „Geht jetzt hinaus in die Küche und laßt Euch zu effen geben." Bob gab so wenig eine Antwort, als er Miene machte, sich zu entfernen. „Hört Ihr nicht? Ihr sollt Euch etwas zu effen geben lasten. Und Du, Cäsar, sag' der Veny, sie soll ihm eine Pinte Rum bringen." , ,, „Brauche Euren Rum nicht," knurrte Bob, „bin nicht durstig." „Scheint so," versetzte, ohne die mindeste Ungeduld zu zeigen, der Richter. „Habt vermuthlich schon mehr als nöthig davon im Leibe. Seht ja aus, als könntet Ihr eine wilde Katze lebendig verschlingen." Ohne weiter von ihm Notiz zu nehmen, wandte er sich jetzt an Fred. „Und Ihr, Mister? — Was Teufel, Cäsar, stehst Du und hältst Maulaffen feil? — Siehst Du nicht, daß der Mann frühstücken will? Trinkt Ihr Kaffee oder Thee?" „Ich danke Ihnen, Alcaldel Habe soeben erst gefrühstückt." „Seht nicht danach aus. Was ist Euch denn zugestoßen? Habt doch nicht etwa das Sumpffieber? Und wie kommt Ihr eigentlich zu dem da?" „Ich verdanke ihm nicht mehr und nicht weniger als mein Leben." Ungläubig schüttelte der Richter den Kopf. „Ihr verdankt Bob Euer Leben? Eine curiose Neuigkeit — das muß ich sagen." „Und doch die lautere Wahrheit. Ohne ihn wäre ich ein tobtet Mann. Ich hatte mich in der Jacinto-Prairie verirrt, war vier Tage planlos umhergeritten, ohne einen Bissen über die Zunge zu bringen. Da kam ich zufällig an den Fluß, mein verschmachtender Mustang sprang mit mir hinein und ich wäre unfehlbar ertrunken, wenn dieser Mann mich nicht gerettet hätte." „Ist das wahr, Bob? Wohl, - es freut mich um Euretwillen. Kann vielleicht doch noch was Brauchbarzs aus Euch werden. Wenn Ihr nur von Eurem Johnny laffen könntet! Wird Euch noch in's Verderben bringen. Solltet wahrhaftig beffer von ihm laffen." Bob sah ihm einen Augenblick in's Gesicht; dann senkte er wieder den Kopf. »Ist zu spät, Squire — zu spät!" „Wüßte nicht, warum es zu spät sein sollte. Müßt mir das näher erklären. Nehmt aber zuvor ein Glas!" „Möchte nichts trinken jetzt — habe keinen Durst!" „Ist auch nicht gegen den Durst — ist nur um Herz und Nieren zu stärken. Thut, wie ich Euch sage!" Und er selber schob ihm ein Glas zu, das er während der letzten Worte gefüllt hatte. Gehorsam sührte Bob es zum Munde; dann aber schüttelte er sich heftig und setzte es auf den Tisch zurück. Er hatte kaum einen Tropfen über die Lippen bringen können. Mit augenfälligem Erstaunen sah ihm der Richter zu. „Liegt Euch also was Besonderes im Magen? Nun, dann in Gottes Namen heraus mit der Sprache! Ist zwar heute Sonntag und am Sonntag sollen die Geschäfte ruhen. Aber weil Ihr es seid, will ich Euch anhören. Solltet Euch nur zuvor eine Cigarre nehmen — das beruhigt die Nerven." Bob aber schob das dargebotene Kistchen zurück. „Hilft Alles nichts, Squire! Wollte es ja für mich behalten, glaubte, ich könnte es wieder zwingen. Geht aber nicht — weiß der Teufel, warum es gerade diesmal nicht geht! — Habe doch schon Manchen unter die siebente Rippe — aber dieser —" Der Alcalde warf seine kaum halb gerauchte Cigarre mit einem energischen Schwünge zum Fenster hinaus und seine Miene wurde plötzlich strenger. „Was habt Ihr?" fragte er. „Was sollen diese verdächtigen Reden von siebenten Rippen? Keinen Eurer Sodoma- Sprünge bitte ich mir aus! — Können sie hier nicht brauchen — verstehen uns nicht auf solche Späße." „Verstehen sie drüben noch weniger!" brummte der Andere trotzig. „Wäre sonst wahrhaftig nicht in diesem verwünschten Texas-" „Aber Eure Knochen bleichten dafür drüben irgendwo an einem Baume oder in einem Graben. Wiffen das, Bob — wiffen es hinlänglich. Aber je weniger davon gesprochen wird, desto beffer ist es. Habt versprochen, hier einen neuen Menschen anzuziehen, weshalb sollen wir die alten Geschichten aufrühren?" „Hab's versprochen und hab's auch halten wollen. Ist aber nun Alles vorbei. Und wird nicht wieder beffer mit mir, als bis ich gehängt bin —" Fred starrte den Unseligen in sprachlosem Entsetzen an. Der Richter aber nahm eine frische Cigarre aus dem Kistchen und erst nachdem er sie umständlich in Brand gesetzt hatte, erwiderte er: „Steht es so mit Euch, Bob? Ja, aber warum wollt Ihr denn nun mit einem Mal gehängt sein? Hättet den Strick wenigstens ein Dutzendmal verdient drüben in den Staaten, sofern nicht alle Zeitungen in Georgien und Alabama lügen. Aber hier sind wir in Texas und unter mexikanischer Gerichtsbarkeit. Geht uns hier nichts an, was Ihr drüben verbrochen habt. Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter." „Ist aber ein Kläger da, Squire — ein Kläger, der sich nicht befehlen läßt, zu schweigen. Weiß, daß Ihr es gut im Sinne habt mit Euren Reden, muß aber doch heraus. Es läßt mir keine Ruhe. Wollte hinüber nach San Felippe, hinunter nach Anahuac, aber es half Alles nichts. Wohin ich immer gehe, das verdammte Gespenst folgt mir überall nach und treibt mich zurück unter den Patriarchen." „Unter den Patriarchen?" „Ja, Ihr wißt wohl — steht nicht weit von der Furt am Jacinto.^ Aber was für ein Gespenst ist das, das Euch unter den Patriarchen treibt?" „Nun, das Gespenst von dem — von dem Andern, — den ich Den Ihr —" "Den ich kalt gemacht habe — zum Teufel!" Wie mit einem ungeduldigen Ruck waren ihm die ver- hängnißvollen Worte herausgefahren, gleichsam als hätte eine unsichtbare Macht, der er willenlos unterworfen war, sie ihm abgepreßt. Der Alcalde warf auch die neue Cigarre zum Fenster hinaus; dann erhob er sich von seinem Stuhl. „Sollt mir Eure Geschichte erzählen, wenn es durchaus sein muß. Will sie aber nur unter vier Augen hören. Ist eine besondere Gefälligkeit gegen Euch, denn wir haben heute Sonntag, wo ich mich sonst nicht auf dergleichen einlaffe- Will deshalb auch keinen Zeugen dabei haben — ist vor der Hand nicht nöthig. Der Gentleman wird mir das, wie ich hoffe, nicht weiter verübeln." Er winkte Bob, ihm in das Nebenzimmer zu folgen. Und die Thür fiel hinter ihnen 8«. In einer halben Betäubung blieb Fred zurück. Die ganze Scene, der er soeben beigewohnt hatte, erschien ihm nur wie ein toller, phantastischer Spuk. Die Selbstbezichtigung des unglückseligen Mörders hatte ihn bis in's innerste Herz erschüttert; das sonderbare Benehmen des Richters aber hatte ihn daneben angemuthet wie em Austritt aus irgend einer seltsamen Comödie. Es dünkte ihm ganz undenkbar, daß dies Alles vollkommen ernsthaft zu nehmen sei und doch hatte sich eine schwere, beklemmende Bangigkeit auf seine Brust gelegt — eine Bangigkeit, die ihn mit Inbrunst das Ende des unheimlichen Spiels herbeisehnen ließ. Eine halbe Stunde etwa blieb er allein; dann traten die beiden Männer wieder in das Zimmer, der eine m t ruhigem, unbewegtem Gesicht wie zuvor und der andere nn derselben verstörten, verzweifelten Miene, die Fred seit dem “ 211 —- «Nun, und doch Hoffs ich, daß er uns nicht dazu zwingen wird, es zu thun. Hätten wahrhaftig viel Arbeit, wenn wir Jeden hängen wollten, der übernehmen könnten. Meine Frau ist tobt und meine beiden Töchter habe ich vor einigen Wochen nach New-Orleans ge- schickt, dürfte in den nächsten Monaten hier kein geeigneter Aufenthalt sein für junge Damen. Sie müffen sich also mit dem schwarzen Volk behelfen, so gut es eben geht. Ich werde schon ein wachsames Auge darauf haben, daß es Ihnen wenigsten» in der Hauptsache an nichts mangelt." Es war etwas ungemein Wohlthuendes in der Schlichtheit, mit der diese Gastfreundschaft angeboten wurde, als Die letzte Frage war an den wieder eintretenden Neger gerichtet und al« sie bejaht wurde, reichte der Alcalde seinem jungen Gast noch einmal die Hand. »Sie brauchen Ruhe, Mister Houston — und Schlaf, I "Der einen Mord begangen hat? Aber, mein Gott, Sie können doch nicht daran denken, einen geständigen Verbrecher straflos zu lassen?" w o = T mei? junger Freund - unsere gesellschaftlichen Zustände sind vor der Hand noch etwas anders geartet als dre, aus denen Sie- Herkommen. Wir leben in einem Lande, das dreimal größer ist als der Staat New.York und das fönfunbbreigfgtaufenb Seelen zählt - eine prachtvolle Wtldniß zwar, aber doch immer nur eine Wlldniß. Ehe wir hier die Zucht und Ordnung Eurer Philadelphia-Quäker einführen können, müssen wir schon noch ein wenig warten." : «Ä?? iü 8?,roiffen lenzen ist das ja einleuchtend, aber ein Mörder —" «Sie sind, wie er scheint, sehr darauf erpicht, den armen Bob hängen zu sehen. Vielleicht hätte er einen solchen Eifer von Ihnen am wenigsten erwartet." Der junge Mann fühlte, daß ihm das Blut in die Wangen stieg. „Ich möchte bei Gott nicht, daß Sie mich mißverstehen," sagte er hastig. „Ich bin nicht undankbar und ich werde für diesen Mann mit Freuden Alles thun, was in meinen Kräften steht. Ein Verbrechen aber wie jenes, dessen er sich selbst beschuldigt, könnte ihm nach den Anschauungen, in denen ich ausgewachsen bin, nur Gott allein verzeihen." «Gewiß I Warum sollten wir es darum nicht auch Gott überlassen, es zu bestrafen ? Ein Menschenleben ist hier hundert- mal kostbarer als bei Ihnen im Norden oder gar als im alten, übervölkerten Europa. Darnach muß sich auch die Rechtspflege ein wenig einrichten. Und dann, mein lieber Mister Houston, dann giebt es gewisse Zeiten, in denen man sich ganz besonders ungern eines zum Dreinschlagen wohlgeeigneten Armes und eines niemals fehlenden Laufes beraubt." Der eigenthümltche Nachdruck, mit dem diese letzten Worte gesprochen waren, hatte Fred Houston dazu verhalfen, sie sehr schnell zu verstehen. „Sie denken also wirklich an eine Erhebung gegen die mexikanische Herrschaft?" sagte er lebhaft. „Sie - ein mexikanischer Richter?" " „»Ich bin ein Amerikaner!" entgegnete der Alcalde, indem er sich stolz aufrichtete. „Aber ich möchte Sie doch bitten, selbst m meinem Hause vorläufig nicht so laut von diesen Dingen zu reden. Sie werden nun meine Nachsicht gegen d esen Verbrecher, der trotz aller seiner Schandthaten durchaus nicht der Schlimmste einer ist, vielleicht etwas begreiflicher finden, nachdem ich Ihnen angedeutet habe, was sein Leben für mich einigermaßen werthvoll macht. Bei den Ereignissen, denen wir entgegengehen, ist ein Bursche wie dieser einfach unbezahlbar. — Doch Sie dürfen im Uebrigen ohne Sorge sein, daß der Gerechtigkeit etwa ein Schnippchen geschlagen werde. Nicht ich bin es, der über das Schicksal Ihres Lebensretters aus eigener Machtvollkommenheit zu entscheiden hat. Der Gerichtshof wird sich morgen constituiren und wie er entscheidet, wird es recht fein. - Nun, ist das Zimmer für den Gentleman bereit?" Der Alcalde reichte ihm die Hand. nurÄnhM'tem dekanntschaftzu machen," sagte er in I amye, stiller zgouuon — und Schlaf verändertem Tone, dem verbindlichsten Umgangstone eines viel Schlaf, wenn Sie sich als fatales Andenken an ^6r STÄ suchte, Sie haben bis jetzt Abenteuer nicht noch eine verteufelte Krankheit aufhaffm SS 2u ®ini*ucf empfangen von unserem wollen. Nehmen Sie ein Bad, bei dem Cäsar Sie bedienen Texas und seinen Bewohnern." wird, und dann legen Sie sich' in's Bett- Habe leider keim Tage urtheilen sollte —""" W I in^.-!/ Pflege r , "^Erlich- der Zufall hat Sie da nicht eben in die sauberste Gesellschaft gerathen lassen. Ein rechter Galgen- vogel, dieser Bob! Ein ausgemachter Mörder! Er verdient gehängt zu werden wie ein tobtet Hirschbock und doch —" «Und doch —?" ersten Moment ihrer Bekanntschaft immer auf'« Neue in Schrecken versetzt hatte. „So glaubt Ihr denn wirklich, es würde nicht besser mit Euch, als bis Ihr gehängt seid?" sagte der Alcalde in einem Ton, wie wenn sie einen Pferdehandel miteinander besprächen. Und trotzig, in rauhen, hastigen Worten, erwiderte Bob: «Ja — gehängt an denselben Patriarchen, unter dem er begraben liegt." „Wohl! Wenn Ihr es haben wollt, werden wir sehen, was sich für Euch thun läßt. Will die Nachbarn morgen zur Jury zusammenrufen lassen." „Dank' Euch, Squire!" „Habt somit noch vierundzwanzig Stunden Zeit, Euch die Sache zu überlegen. Werdet bis dahin vielleicht anderen Sinnes. Giebt möglicherweise noch einen anderen Weg, Euer Leben los zu werden, wenn es Euch so sehr zur Last ist." Bob schüttelte den Kopf. „Verstehe wohl, was Ihr meint. Dauert mir aber zu lange, Squire! Kann nicht mehr bis dahin warten." „Nun, wir wollen auf alle Fälle hören, was die Nach, brrn sagen. Für jetzt mögt Ihr gehen. Der Gentleman da bleibt natürlich hier." Ungestüm wandte sich Bob gegen seinen Schützling. „Nein — der Gentleman muß mit." „So? Und warum muß er das?" „Fragt ihn selbst." Fred hatte sich wirklich erhoben und erklärte, daß er seinem Lebensretter zu tief verpflichtet fei, um ihm seine Be. gleitung zu verweigern, wenn Jener sie so dringend wünschte. Der Alcalde aber sagte mit ruhiger Bestimmtheit: „Ihr bleibt nichtsdestoweniger hier und Bob geht allein. Eure Nerven sind nicht stark genug für solche Gesellschaft, so lange Ihr Euch nicht gründlicher von Euren Strapazen erholt habt. Und mein J?aus ist für solche Erholung ein besserer Ort als Johnnys Spelunke." Die gebieterische Entschiedenheit des Mannes hatte einen merkwürdigen Einfluß auf den verwilderten Landstreicher. E, »Der Squire hat recht," sagte er dumpf, indem er schweren Schrittes zur Thür ging. „Auf morgen also! — Good bye!“ Sobald Bob gegangen war, blies der Alcalde in das Muschelhorn, das die Stelle einer Klingel vertrat und befahl dem eintretenden Neger: „Sage Diana, daß sie ein Zimmer für den Gentleman herrichtet — das beste Bett, das wir im Hause haben- Und daß in einer halben Stunde auch ein Brod für ihn bereit sei." Fred wollte ein Wort des Dankes aussprechen, aber der Squire ließ ihn gar nicht dazu kommen. „Gefällt es Euch, mir Euren Namen zu nennen, Herr? Das heißt, insofern es Euch keine Verlegenheiten bereitet." ... «Gewiß nichtI Und ich bitte um Verzeihung, baß es nicht längst geschah. Ich heiße Fred Nathanael Houston." „Ein Verwandter von Oberrichter Houston in New- Aork? „Sein Sohn!" äs. 212 «e handle es sich da um ganz selbstverständliche Dinge. Fred hatte dabei die sichere Empfindung, daß alle wortreichen Danksagungen dem Mann nur unangenehm sein würden. Dar Bad war vielleicht die köstlichste von allen Erquickungen, die ihm seit seiner Errettung aus den Fluthen des Jacinto zu Theil geworden waren und auf dem weichen, sauberen Lager zwischen den schneeweißen Mosquito-Gardinen ruhte stch's freilich unendlich viel wohliger, als auf den schmutzigen Kiffen von Johnny und Sambos Bette. (Fortsetzung folgt.) GeinernniLtzig-s. Stangenbohnen lege man nicht vor Milte Mai und hü!e sich dabei, nicht zu viel Reihen davon neben einander zu bringen, damit Licht, Luft und Sonne ungehindert einwirken können. Am zweckmäßigste» wähle man hierzu Beete, die von Nord nach Süd liegen, zieh auf jedes Beet zwei Furchen mit 60 bis 70 cm Abstand und mache in den Reihen sich gegenüberstehend 5 bis 8 cm tiefe IGrübchen mit circa 40 cm Abstand, in welche man je 4 bis 5 Bohnen legt. Daneben steckt man die Stangen, läßt diese sich gegen das obere Ende hin kreuzen und legt in die dadurch entstandene Scheers die Verbindungsstange, an welche nunmehr die gekreuzten Stangen gebunden werden. Vortheilhast legt man zwischen je 2 Stangenbohnenfelder ein solches mit Buschbohnen, von denen man ebenfalls je 4 bis 5 Bohnen in 40 bis 50 cm von einander allseitig entfernte Grübchen legt. Die jungen Bohnenpflanzen werden später bis an dis Samenblätter behäufelt und dis Beete mehrmals behackt. • * • Die Erdbeerpflanzen müssen bei trockener Witterung tüchtig gegossen werden, da sie sonst wenig und kleine Früchte ansetzen. ♦ * • Langhaarige Ziegen scheere man im Mak, er ist eine große Wohlthat für sie; denn gar zu gern nistet sich bet langen Haaren allerhand Ungeziefer ein Auch ihre Füße bedürfen hier und da einer Pflege. Der Mist zwischen den Zehen wird entfernt, die Hufe beschnitten, wenn sie sich umstülpen. Geschwulst, AugenenLzündnng und dergleichen bei Thieren wird am besten mit einem Absud von Kamillen lauwarm übergeschlagen. Die Kamille besitzt eine ganz besondere Heilkraft, kostet nicht viel und kann von Jedermann leicht angewandt werden, ohne in irgend einer Weife dem Thiers Schaden zuzufügen. * * # Durchfall der Kaninchen wird meistens durch Diätfehler verschuldet. Nach Verabreichung von gutem Hafer, Gerste und trockenem Heu verliert er sich von selbst. Wenn nicht, koche man in 100 Gramm Wasser 1 Gramm Weidenrinde 30 Minuten lang und gebe täglich 1 Theelöffel mit 2 Tropfen Carbolsäure. ♦ ♦ Metall-Putzlappen werden aus einem Wollstoffs, welcher mit Seife und Tripel getränkt und mit Korallin gefärbt ist, auf folgende Weife hergestellt: 30 g Marseiller Seife werden in 200 g Wasser gelöst, der Lösung 20 g Tripel hinzugesügt und mit Korallin roth gefärbt. Hiermit können etwa 10 Stücke Zeug von je circa 70 cm Länge und 10 cm Breite gelränkt werden, welche man trocknen läßt. Fettflecken werden entfernt durch Bestreuen derselben mit Kalk-Pulver. Die Flecken werden mit Papier bedeckt, dann fitzt man ein mäßig warmes Eisen, darauf, bis es kalt ist. Es ist darauf zu achten, daß das Eisen nicht so heiß ist, um den Stoff zu sengen oder seine Farbe zu verändern. Will der Fettfleck nicht weichen, streut man mehr Kalk auf. erhitzt das Eisen von Neuem und stellt es daraus. Dieses Verfahren wird so lange wiederholt, bi» der Fleck gänzlich verschwunden ist. Fettflecken in Fußböden werden entfernt, wenn man sie mit einer starken Lösung von Perlasche in Waffer, der Sand zugemischt wird, abreibt. • H Reinigung der Futzteppiche. Die Reinigung der Fußteppiche geschieht am besten mit einem eigens dazu bestimmten langen Teppichbesen, welcher dem Stoffs am wenigsten schadet. Man weicht gebrauchte und wieder getrocknete Thee- blätter in Wasser ein, drückt sie aus, bestreut den Fußboden damit und kehrt die Blätter dann sorgfältig ab. Im Winter Schnee auf den Teppich gestreut und mit dem Teppichbesen abgekehrt, gibt dem Teppiche wieder ein ganz frisches Aussehen. Flecken reibt man mit Marseiller Seife ein, bürstet sie aus, wäscht sie mit kaltem Waffer und einem trockenen Tuche nach und reibt sie mit trockenen Tüchern vollends rein. • ♦ Frühlingsfuppe nach flämischer Art. Man wäscht 4 Salatköpfe sauber, entrippt sie und schneidet sie nudelartig und ebenso wiegt man 2 Hände voll Sauerampfer, eine Hand voll Körbel und einige Herzblätter Sellerie ziemlich grob. In einem guten Stiche Butter dämpft man alsdann da» fein gehackte Weiße von zwei Lauchstengeln nebst einer fein gehackten Zwiebel, fügt die obigen Kräuter bei und läßt sie noch eine Zeit lang mitdämpfen, worauf man die erforderliche Quantität von aufgelöstem Liebigs Fleischextrakt beigießt und die Suppe noch 10 Minuten aufkochen läßt. Man richtet dieselbe mit in Butter gerösteten Brodschnitten an. V-viEchtes. Auch ein Streber. „Wie bist Du mit Deinem neuen Bureau-Collegen zufrieden?" — „Ach, das ist auch so ein Streberl" — „Ein Streber?" — „Jawohl, vier Abende hab' ich nun schon beim Bier mit ihm zusammengeseffen und er hat noch nicht ein einziges Mal über unseren Chef geschimpft I" • * * Enfant terrible. Dame (auf Besuch): „Ktzen können ja, wie Ihnen nicht unbekannt sein dürfte, im Dunkeln sehen." — Söhnchen (vom Hause): „Meine Schwester Annr auch. Denn als sie neulich mit Herrn Assessor Schmidt im finsteren Corridor stand, sagte sie: Eduard, Du bist ja nicht rasirt." * ♦ ♦ Zarter Wink. „Sie bekommen mit der Hand meiner Tochter achtzigtausend Mark." — «Hm ... sie hat aber doch zwei Hände?" ♦ ♦ • Z erstreut. Professor (welcher an seinem Rocks ein blondes Haar findet): „Wie komme ich zu diesem Frauenhaar, sollte vielleicht meine Frau blonde Haare haben?" » * ♦ Geretteter Knalleffect. Regisseur (zum Director einer Schmiere): „Wir können den Helden in dem Stück doch nicht schießen lassen I Damals gab'« ja noch gar kein Pulver!" — Direetor: „Das macht nichts! Wir lassens ihn in einer Scene erfinden!" ♦ ♦ ♦ Berechtigte Frage. Amtsrichter (zum Angeklagten): „Unterbrechen Sie nicht immer Ihren Vertheidiger!" - Angeklagter: „Werd' V eing'fperrt oder et?" ♦ • * Sonntagsjäger (der einen Hasen gefehlt hat): „Triumphire nicht zu früh, am nächsten Sonntag sehen wir un» wieder I" «edaetion: A. Echeydg. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfltStS.Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) In Gieße»,