sie Frau Müller er in demselben ist, oder aber, eibureau." i," fordert ein enfallr nur mit -erfenster herein, leider nicht zu über 300 Mk., tel die verblüffte wlederkommen, lnd verschwindet t ein hübsches mein Fräulein," te und gibt ihr sche Kleine und och einmal nach anickt. ie angenehmste. uchter Sommer« 8 Lust als rein ur das kleinste | zu 20 Mark ie mir auf einen it?" tt da in Brehms etr Lieutenant, -Exereieren." refflichen Jugerid- das 3. Quartal Glichen Fassungs- tikel, Erzählungen, tigen, zum Theil Spiele, Räthsel rc. ter Componisten, en Virtuosen und itung und DuoS er Kinder, sowie mummet kommen in Stuttgart tsch«« Deutsche Verlags- n und fesselnden luszitge aus dem essen vor Kurzem regt haben. Das lisch an General letzteren, einen f Lewinsky Über Adeline Patti in arie von Ebner- äifune (anläßlich ere, außerordent- Funck-Brentano tV. nach bisher He, einen bisher Hard Rohlfs über r die vortrefflich -ment empfehlen. in Gießen. UntechaltungstMt pim Gießener Anzeiger (General Anzeiger), jn -A j -WF Aensrag hm 6. Oktober y—- WW Roman von E. v. Linden- (Fortsetzung.) Er hob den Arm, als der Förster keine Miene machte' die Thüre frei zu geben, zum Schlage, fühlte fich aber im selben Augenblick rücklings zu Boden geriffen- Mit einem Wuthgeschrei blickte er in die glühenden Augen eines Hundes, der die Scene mit seinem thierischen Jnstinct beobachtet hatte und zur rechten Zeit seinem Herrn zu Hilfe gekommen war. „Hierher, Cäsar!" rief der Förster gebieterisch. Mit widerstrebendem Gehorsam ließ der Hund von dem Bestegten ab und näherte sich seinem Herrn, der da« schöne, große Thier zärtlich streichelte. Wuthschäumend erhob sich Hans Justus in einem Zustand, der ihn jede kalte Ueberlegung vergeffen ließ. Er hatte jetzt nur das unbezähmbare Gefühl, den Förster und seinen Hund zu zerschmettern und sich in dieser echt amerikanischen Rowdyweise Genugthuung zu verschaffen. Den kleinen Revolver, den er stets geladen bei sich trug, wie er es drüben gewohnt gewesen, au» der Tasche reißend und auf den Hund zielend, der sich zu den Füßen seines Herrn gelegt hatte, fühlte er seinen Arm aus'« Neue von rückwärts gelähmt. Mit einem wilden Fluch sich umwendend, erblickten seine funkelnden Augen einen ernsten hageren, Mann, der ihn ruhig prüfend ansah, „Schurke, was unterstehst Du Dich?" schrie Hans Justus, fast besinnungslos vor Wuth. „Ich will Sie vor einem Morde bewahren," erwiderte der Herr kalt, „schämen Sie sich nicht vor der Dame dort?" Ellen hatte die Thür geöffnet und stand jetzt bleich und entsetzt auf der Schwelle, welche der Förster, der mit seinem Hunde rasch abseits getreten war, freigegeben hatte. Hans Justus kam zur Besinnung und verwünschte sein heftiges Temperament, das ihn zu einer solchen Unklugheit hingerissen hatte. Sein erster Gedanke galt Ebba Regina, deren Warnung er wieder nicht beachtet hatte. Mit einer recht unbehaglichen Empfindung steckte er, da der Herr seinen Arm los- gelassen hatte, den Revolver wieder zu sich und zog vor Ellen grüßend seinen Hut. „Es ist Herr von Atting, meines Vaters Reffe!" stellte Ellen, die sich mit gewaltsamer Anstrengung gefaßt hatte, ihn vor. „Herr Doctor Helm, der verdienstvolle Arzt unseres theuren Kranken," setzte sie, auf den Herrn deutend, mit einer besonderen Betonung hinzu. Auch das noch, Hans Justus hätte sich selber ohrfeigen mögen.. Er hatte also den Arzt einen Schurken genannt. «Ich hoffe, daß Sie mir das im Zorn gesprochene Wort nicht nachtragen werden, Doctor!" sagte er deshalb, fich £u einer Art Abbitte zwingend. „Der Förster verwehrte mir den Eingang zu meinem Onkel und sein verdammter Köter riß^mich hinterrücks nieder, das brachte mich natürlich in „Sie hätten dem Herrn von Atting meins strenge Weisung mittheilen sollen, Herr Förster!" sprach der Arzt, sich zu Erichsen wendend. „Ich habe meine Pflicht erfüllt, Herr Doxtor!" erwiderte der Förster ruhig, „der gnädige Herr wird's mir bezeugen." „Ach, Unsinn, Doctor! — für den nächsten Anverwandten mußte die Ausnahme gelten," bemerkte Hans Justus un- muthig. „Laffen Sie's gut fein, wer kann für sein Temperament. — Wie stet's mit meinem Onkel? Hat er sich wirklich so gefährlich verletzt." „Ja, Gefahr ist auch immer noch vorhanden, Herr von Atting!" erwiderte der Arzt kalt, „weshalb ich dem Förster und seinen Leuten die strengste Weisung zur Abwehr jeder Art von Störung ertheilt habe, da ich zeitweilig hier das alleinige Commando führe. Im Interesse des Kranken werden auch Sie sich demselben fügen müssen." »All right!“ erwiderte Hans Justus, der plötzlich sehr fügsam geworden war. „Ich hätte den Onkel gern gesehen und ich glaube, er würde sich auch darüber freuen, denke darum', Sie könnten mich dreist mal an sein Bett führen. Doctor!" Dieser warf einen fragenden Blick auf Ellen, welche ohne Zögern erwiderte: „Der Kranke ist eingeschlafen, Sie werden es nicht dulden, Herr Doctor, daß er unnöthig gestört wird." „Gewiß nicht, meine gnädige Baronesse," sagte der Arzt, der einen feindseligen Blick des jungen Herrn, den dieser blitzschnell auf Ellen schleuderte, auffing, um keinen Preis 466 darf der wohlthätige Schlaf gestört werden. Ich muß Sie deshalb bitten, Herr von Alting, Ihre Besuche aufzuschieben, bis die Krifis vorüber und von keiner Seite Gefahr mehr zu befürchten ist." «Na ja, ich habe natürlich zu gehorchen und kann mich trollen!" rief Hans Justus lauter als nöthig war, indem er einen scherzenden Ton anzuschlagen versuchte. „Das wär' drüben in Amerika, zumal auf eigenem Grund und Boden, ganz unmöglich, Doetor! — Man würde Sie einfach fortjagen." : J „Mit dem Revolver oder mit der Peitsche?" fragte der Arzt ironisch. „Nun, wir befinden uns Gottlob in Deutschland," setzte er mit scharfer Betonung hinzu, „doch will und muß ich zur Ehre Ihrer Landsleute annehmen, daß Ihre Behauptung sich nur auf frühere Sclavenhalter und wilde Pankee's des westlichen Staatenbundes bezieht. Ich war zweimal drüben, habe den Norden und Süden Ihres Vaterlandes bereist, doch stets den nöthigen Respect am Krankenbette vor der ärztlichen Autorität gesehen." „Nun, ich habe Gottlob nie einen Arzt gebraucht, ich hoffe auch ferner, von seiner Autorität verschont zu bleiben," erwiderte Hans Justus brüsk. „Heda, mein Pferd!" rief er dem in einiger Entfernung stehenden Förster gebieterisch zu, worauf der Jägerbursche, welcher es mittlerweile umhergeführt hatte, rasch damit herbeikam. Mit einem nachlässigen Gruß gegen Ellen und den Arzt sprang er in den Sattel und jagte, dem Pferde die Sporen einsetzend, im Galopp davon. „Papa's Stella," sagte Ellen, blaß bis an die Lippen, „er wird auch dieses schöne Thier zu Schanden reiten." Sie wandte sich rasch, wie erschreckt und trat in's Haus. Der Arzt blickte eine Weile nachdenklich vor sich hin, winkte dann den Förster zu sich und sprach leise: „Hören Sie, mein Lieber, dieser Herr von Alting gefällt mir ganz und gar nicht. Er spielt wohl im Schlöffe jetzt dem Gebieter?" »Ja, Herr Doetor, die armen Dienstleute dort wiffen ein Klagelied davon zu singen." „Würde Ihr Herr sich freuen, ihn zu sehen?" Der Förster zuckte die Achseln. „Es wäre wohl bester, wenn Sie diese Frage an die gnädige Baroneffe richten möchten, Herr Doctor!" erwiderte er fest. „Gut, Herr Förster," sprach der Arzt, „lange wird es meine Zeit mir nicht mehr gestatten, hier zu bleiben. Ich muß Ihnen aber wiederholt den Befehl einschärfen, keinen Besuch zu dem Kranken zu lasten und vor Allen Dingen auch die Augen offen zu halten." „Sie können sich auf mich verlaffen, Herr Doctor!" versetzte Erichsen mit finsterer Entschloffenheit. Der Arzte nickte ihm zu und trat ins Haus. „Sollte Ihr Herr Vater seinen Neffen doch gern einmal sehen wollen, Baroneffe?" fragte er Ellen, die am Krankenbette saß, mit leiser Stimme. „Ich glaube diese Frage bestimmt verneinen zu können, Herr Doctor!" erwiderte sie ohne Zögern ebenso leise. „Das habe ich mir gedacht, nachdem ich ihn gesehen, und deshalb befriedigt mich Ihre Antwort ganz besonders. Können wir uns auf unseren Heilgehülfen verlassen, oder —" der Arzt hielt plötzlich zögernd inne. „Ich kenne Lund als einen etwas schwatzhaften, doch sonst sehr redlichen Mann." „Das genügt mir nicht völlig," fuhr der Arzt nachdenklich fort, „Sie wissen wohl nicht, Baroneffe, ob er mit dem jungen Herrn von Alting bekannt ist? Doch was frage ich, er wird ja sein Barbier sein." „Allerdings, auch hat er ihn verbunden, als sein Gewehr sich entladen und ihn verwundet hatte." „Wann geschah doch das?" „Am Abend vor jener unseligen Jagd, der Herr Neffs mußte ja deshalb zu Hause bleiben." „Ja, ja, ich erinnere mich, der Notar erzählte mir davon. Noch eine Bitte, Baronesse, Sie wissen, daß ich während der Nacht abwechselnd mit Lund bei dem Kranken wache und das Einnehmen controllire. Tags über haben Sie und der Barbier diese Function übernommen. Es wäre mir nun sehr lieb, wenn Sie sich dieser Pflicht allein unterzögen, meine gnädigste Baronesse!" Sie sah ihn erschreckt an und neigte dann schweigend den Kopf. Der Arzt beugte sich über den Kranken, dessen Antlitz wachsbleich erschien, der aber in diesem Augenblick sehr ruhig und gleichmäßig athmete. „Wir müssen die Nacht abwarten," flüsterte er, sich wieder zu Ellen wendend, die ihn angstvoll forschend ansah, „wenn die Fieberhöhe, die in der letzten Nacht zu verzeichnen war, sich dann herabmindert, dürfen wir das Beste hoffen." Ellen erhob sich zitternd und schritt an's Fenster, wohin ihr der Arzt geräuschlos folgte, da der Fußboden mit weichen Teppichen, die sie vom Schloß hatte kommen lassen, belegt worden war. „Sie fürchten für die kommende Nacht bereits die Krisis, Herr Doctor?" fragte sie kaum hörbar. „Nein, diese kann erst «ach drei Tagen eintreten. Doch fürchte ich eine Steigerung des Fiebers, der die Kräfte unseres Kranken nicht mehr gewachsen sein dürften. Haben Sie im Schloßkeller einen recht kräftigen Wein, Baronesse? Villeicht einen noch besseren, als den von dort gesandten Portwein?" „Ich weiß, daß mein Vater noch einige Flaschen alter Jahrgänge ächten Johannisberger im Keller liegen hatte," erwiderte sie nachdenklich, „die er zu ganz besonderen Gelegenheiten aufsparen wollte. Da der junge Herr den Kellerschlüssel in Besitz haben wird, so fürchte ich —" „Daß er sich das Beste schon herausgesucht hat," fiel der Arzt ironisch ein, „allerdings fürchte ich das auch, meine Gnädige, und doch muß ich Sie bitten, selber einmal nachzu- sehen, weil möglicherweise Leben oder Tod unseres Kranken davon abhängen könnte. Ein kleiner Jagdwagen steht ja hier für solche Zwecke zur Verfügung, weil der Herrn Baron noch lebt und deshalb unumschränkter Gebieter auf Altinghof ist also auch über den Weinkeller." „34 fahre sofort, Herr Doctor!" erwiderte Ellen leise, „hoffentlich hat er den Winkel nicht gefunden, wo der Johannisberger liegt." 12. 6apitel. Auf deutschem Boden. Hans Justus hatte, als er nach seiner schmählichen Niederlage vor dem Forsthause in wilder Wuth das Pferd zum tollen Jagen spornte, bald die Befinnung wiedererlangt und das gemißhandelte Thier einer ruhigen Gangart über- laff en. Es mußte doch etwas Schönes sein um die überlegene Ruhe, durch welche Ebba Regina ihm so gewaltig imponirte. Na, Stella, jetzt trage mich zu meinem Stern," sagte er, dem Pferde den Hals klopfend, mit einer unbewußt poetische» Anwandlung, über welche er selber in ein spöttisches Gelächter ausbrach. Dann furchte fich seine Stirn, während er wilde Flüche vor fich hinmurmelte. Als er den Wald hinter sich hatte, zügelte er das Pferd und blickte unentschlossen nach rechts, wo der Weg nach Altinghof, und links nach Lindenhagen führte. — Stella bog in gewohnter Weise nach rechts. „Nicht da," rief Hans Justus, „sagte ich Dir nicht zu meinem Stern? — Sei in Zukunft klüger und thue das Entgegengesetzte, wenn Du Deinen Willen haben möchtest." Er stutzte bei seinen eigenen Worten und schüttelte dann zornig den Kopf. „Man wird in diesem öden Lande sich selber zum Widerspruch," murmelte er, „ich werde am besten thnn, die Geschichte hier zu verkaufen, um mit Ebba Regina nach drüben zu gehen. — Ob sie damit einverstanden wäre? — Zum Henker, dort könnte sie ja erst recht die Lady spielen!" Er bog nach links, und ritt im schnellsten Trabe die Landstraße entlang, die nach Lindenhagen führte. Seine Gedanken irrten hin und her und deshalb bemerkte er auch nicht die beiden Männer, welche raschen Schrittes auf einem erhöhten Seitenpfade an ihm varüberkamen. Der eine von 467 ihnen war ein bejahrter Mann mit einem starken grauen Schnurrbart und buschigen grauen Augenbrauen, unter denen seine Augen scharf und blitzend hervorschauten, während sein Begleiter jung und schlank, das bireete Gegentheil von ihm war. Sie waren sehr einfach gekleidet, trugen Jeder eine lederne Tasche über der Schulter, weiche Filzhüte und einen derben Stock in der Hand, mit einem Wort, diese Männer waren Niemand anders als Paulsen und Justus Romberg, unsere Bekannten aus Amerika, die soeben von der letzten Station ihrer langen Reise kamen, um eine» besonders dem jungen Manne sehr peinliche Aufgabe, hier im Norden Deutsch» lands zu erfüllen. Als der Reiter an ihnen vorüberkam, blieb Paulsen stehen und hielt den jungen Romberg erregt zurück. „Wissen Sie, wer das war?" rief er, hinter dem Reiter hindeutend. „Richtig, Sie kennen ihn nicht, — aber ich — ich hab' ihn genug gesehen, um ihn auch in dieser feinen Kleidung zu erkennen. Das war Ihr Stiefbruder, der flch hier unter Ihrer Flagge eingeschmuggelt und Ihren wackeren, ehrenhaften Onkel so schmählich hinter'- Licht geführt hat." „Der also? — Er macht sich gut zu Pferde, ein ganzer Gentleman —" „Ei was, junger Herr," unterbrach Paulsen ihn un» willig, „ein solcher, was man auch hier darunter versteht, kann der Mensch nie werden. Er ist schlecht und gemein, und wirds auch in den feinsten Kleidern bleiben. Mir stehen die Haare zu Berge, bei dem Gedanken, was Ihr Herr Onkel zu einem solchen Neffen sagen mag." „Ach, alter Freund, ich wollte, der Vater hätte mir diese entwürdigende Reise erspart," seufzte Romberg, „was ist es denn anders als Erbschleicherei in schlimmster Form- Es ist ein verhängnißvolles Unheil für mich, zwei Väter gehabt zu haben, von denen der Pflegevater mir der liebste gewesen ist und es auch stets bleiben wird." „Und das mit Recht," bekräftigte Paulsen, weiter schreitend, „wie auch diese Reise zur Nothwendigkeit wurde, als der Fall eintrat, die Ehre der Familie und damit zu« gleich den Bruder Ihres rechten Vaters aus den Händen eines schlimmen Menschen zu retten." „Er ist mein Stiefbruder," bemerkte Romberg halblaut, „wie soll ich es anfangen, ihn anzuklagen, ohne die eigene Ehre preiszugeben?" „Das überlassen Sie nur getrost Ihrem alten Paulsen, mein lieber junger Herri Ich kenne den Herrn Rittmeister von Alting persönlich und weiß, daß er seinem Bruder, dem dänischen Lieutenant nicht im geringsten ähnlich ist. Sie müssen mir das zu Gute halten, da Sie Ihrem Vater wohl äußerlich gleichen, aber das Beste sicherlich von der Mutter haben." „O, lieber Freund," seufzte der junge Mann, „wäre dieser Zwiespalt mir doch erspart geblieben. Ich liebte und verehrte den alten Mann, den ich für meinen leiblichen Vater hielt und war dem Himmel dafür dankbar, gerade mich in diesem Punkte bevorzugt zu sehen. Und nun — ja, ich kann's nicht ändern, — aber nun ist's mir, als wäre fein Andenken befleckt, fein leuchtendes Bild mir für immer getrübt worden." „Mit Verlaub, Herr Romberg!" rief Paulsen, stehenbleibend, „das nennt man auf deutsch schwarzer Undank, worüber sich mein seliger Herr Hauptmann im Grabe umdrehen müßte. Aber ich wills Ihnen nicht so hoch anrechnen, weil der Tausch ein schlimmer war, — und Ihr Ehrbegriff dabei leidet. — Aber — Ihr rechter Vater ist auch tobt, — und von den Toden soll man bekanntlich nur Gutes reden, zumal er in seiner letzten Stunde Gutes mit Ihnen im Sinnne gehabt hat." „Halte er den Sohn im Leben vergessen, so mochte er's auch im Tode noch thun," warf Romberg finster hin. „Auch das Vergessen während seiner Lebenzeit rechne ich ihm al» ein Verdienst an," wandte Paulsen mit ruhigem Ernste ein. „Er mußte Sie in der besten Obhut und hat niemals seine Vaterrechte in Anspruch genommen, obgleich er einige Male nach unserer Farm kam, um sich Ihres Anblicks zu erfreuen, sah aber nur Ihre Photographie, die Sie uns als Schüler geschickt hatten, denn er traf Sie nie zu Hause. Das Bild hat der Herr Hauptmann ihm schenken müssen, Sie hatten ja noch mehrere davon und merkten es nicht. Da sagte er denn, als er Ihr Bild lange angesehen, — ich hab's aus des Hauptmanns Munds — er sagte: Schade, daß er mir ähnlich ist, es wäre besser für ihn, wenn er seiner guten seligen Mutter gliche, — die ich nicht verdient hatte. Sollte er ihre vortreffliche Eigenschaften geerbt haben, dann bin ich beruhigt, da Sie, — er meinte damit den Herrn Hauptmann — ihm alsdann ein besserer Vater sind als ich, der keinen Funken Erziehungs » Talent besitzt. — Sehen Sie, junger Herr, so hat er gesprochen und das rechne ich einem Vater als ein hohes Verdienst an. — Daß Sie aber von Ihrem edlen Pflegevater so schlecht denken, weil er ebenfalls diese Reise zu Ihrem rechtmäßigen Oheim gewünscht hat, thut mir weh, Herr Romberg, und sieht Ihnen auch gar nicht ähnlich. Sie dürfen es nicht vergessen, wie dis hinterlassenen Schulden ihm noch die Sterbestunde verbittert haben und wie er mit der Hoffnung hinübergegangen ist, daß Sie feinen guten Namen davon reinigen würden." Als Paulsen schwieg, richtete der junge Mann den gesenkten Blick auf und reichte ihm bewegt die Hand. „Ich danke Dir für diese Zurechtweisung, alter Freund!" sagte er mit einem festen Händedruck- „Der Undank ist ein häßliches Gisisgewächs das von der Selbstsucht gesäet, alle Keime des Schlechten in sich trägt. Gott sei gelobt, daß er meiner Mutter ein solches Zeugniß ausgestellt hat, jener Mann, dem ich nichts weiter als das Leben danke. Und doch — verzeih' — ich verdanke ihm mehr als dieses Leben, das mir bei ihm jedenfalls zum Fluch geworden wäre, ich verdanke ihm den besten Vater, bei dem ich eine glückliche Kindheit, eine sorgfältige Erziehung, selbstlose Liebe und ein treffliches Vorbild gefunden habe. Und wenn ich das Andenken dieses Vaters segne, so will ich auch seiner fortan ohne Bitterkeit gedenken, mehr kann ich nicht versprechen, alter Freund! — Und nun vorwärts unserem Ziele zu, das jedenfalls keine friedliche Aussicht beut im Hinblick auf den Stiefbruder, der seinen Platz mir nicht freiwillig räumen wird." „Fürchte ich selber," brummte Paulsen, worauf beide jetzt eiligst und schweigend ihren Weg fortsetzten. In demselben Augenblick, als sie den Ausgang der Altinghofer Waldes, an dessem Saume sich die Landstraße eine ziemliche Strecke entlang zog, erreicht hatten, fuhr ein leichter, mit einem Schimmel bespannter Jagdwagen durch das offene Gitterthor- Ein Jägerbursche kutschirte, während Baronesse Ellen den grüngepolsterten Herrensitz einnahm. Unsere beiden Amerikaner zogen höflich grüßend die Hüte, worauf Paulsen mit einem raschen Entschlüsse, einige Schritts vortretend, eine bittende Handbewegung machte. Ellen, die den Gruß freundlich erwidert, ließ sofort halten, wobei ihr Blick mit sichtlicher Ueberraschung auf Romberg hasten blieb!, der verlegen und unwillig über des Alien Beginnen die Augen zu Boden fenkte. (Forts, folgt.) Wenn der Inter mit dem Sohne —. ' Humoristische Skizze von Max Bittrich. ------- (Nachdruck verboten.) Siebzehn Jahre war ich alt, also glücklich aus den Pumphosen heraus» und in die Zeit der ersten Liebe hinein- spaziert. Mein Vater, mit dem ich in einem öden Oertchen hauste, war Wittwer. Der that eines Tags dis Aeußerung, es wäre nöthig, daß wir wieder ein verwandtes weibliches Wesen in die Wirtschaft bekämen, mit fremden Leuten habe man nur Verdruß. Da ich ein sogenannter Heller Junge war, sagte ich mir: das ist die klarste Aufforderung an mich, unter den Töchtern des Landes Umschau zu halten. Die Liebste war mir eine Jugendgespielin aus dem Rach- 468 — bardorf, ein zwanzigjähriges Margarethlein, bas uns oft be- l suchte, um im Garten mit mir „in die Kirschen zu gehen." — Später, als die Aepfel reiften, kam auch in dem Margarethlein die angeborene Eva zum Vorschein. Obwohl ich diese Art Früchte nicht gern aß, bekehrte mich das Mädchen zum Apfel- speisen durch den Hinweis, in der Frucht sei sehr viel Phosphor, der auf das Gehirn günstig wirke, wie sie in der Penfion gelernt Habs. Auf mich wirkte denn auch der Phosphor des ersten Apfels so günstig, daß ich nicht mehr genug der Früchte erlangen konnte. Meine Schüchternheit ließ ebenfalls nach. Ursprünglich hatte ich meine Liebe dadurch kunbgethan, daß ich, während ich dem Mädchen gegenüber saß, ein Vergißmeinnicht- Sträußchen in der Hand hielt, wobei ich ein bischen roth wurde, während Margarethlein hauchte: „Du — Maxell" Ich frage jeden Menschen: war das von der Kleinen nicht außerordentlich poetisch und treffend gedacht und ausgedrückt? Später wagte ich schon ihr ein solches Sträußchen zu überreichen. Da schient, als sei unser Brunnen jäh zur Hippokrene geworden: ich machte Verse. Mein Vater beschäftigte sich mit der Kleinen von Besuch zu Besuch mehr. Das freute mich. Nur wenn ihm das Mädchen gefiel, würde ich's nehmen können, dachte ich. Er blickte, während er sich mit Margarethlein unterhielt, immer besonders schmunzelnd darein- Einmal, als ich beiden gegenübersaß, wünschte er, Margarethlein möchte mit mir gut auskommen — und umgekehrt. Ueber dieses Werben des Vaters war ich tief beschämt und rückte demüthig noch weiter nach der Stuhlkante vor, als es schon vorher geschehen war. Am nächsten Sonntagabend nahm ich allen Muth zusammen. Der Vater hatte sich auf einige Augenblicke aus der uns bergenden Laube entfernt. Er wollte den Hut holen und mein Liebchen, mit deffen Eltern er etwas zu besprechen hätte nach Hause geleiten. Ich fuhr einstweilen ganz verlegen mit dem Finger zwischen Hals und Kragen, als ob beides nicht zusammen paßte und stammelte etw* folgenden Heirathsantrag: »Sieh 'mal, Grethchen, wenn wir stets bei einander bleiben könnten — — „Das kann geschehen, ehe Du's denkst, Maxel. Aber werden wir uns denn vertragen?" Die Stimme schien vor Rührung etwas zu zittern, dann aber hörte ich wieder verhaltenes Lachen heraus. ,,Ja," antwortete ich, „vertragen würden wir uns, wenn Du nur mit dem Papa fertig wirst, weist Du." Und ganz Mann werdend setzte ich hinzu: „Das braucht Dich eigentlich wenig zu kümmern; der hat uns nachher nicht» zu sagen." — Da ertönte aus Margarethleins Munde schallendes Gelächter, fie stürzte auf mich zu, zwang mich, ihr mein Gesicht zuzuwenden, und forschte: „Ich glaube gar, Du bist verliebt?" — Sie wußte nicht, daß ich verliebt war! Das konnte ich, der ich für sie gezittert und gebebt hatte, nicht begreifen. Kein Wort brachte ich heraus, doch weinen mußte ich, jämmerlich weinen. Der Vater kam zurück und schaute mich armen Jungen und das nun ebenfalls verlegen gewordene Mädchen an. „Nanu, Kinder! Was ist denn vorgegangen?" Ich sah nicht recht auf, doch vernahm ich, wie sich Margarethlein an des Vaters Brust warf und ihm etwas in's Ohr tuschelte. Mein Vater lachte, Margarethlein war still, und ich weinte, weinte, bis der Vater zu mir kam und sagte: „Sei vernünftig, Junge. Wir müffen, das habe ich Dir ost genug angekündigt, eins Frau im Haufe haben. Marga» rethletn soll sie werden, und zugleich Deine — neue Mama." Ich war so erstäunt, daß ich sogar das Weinen für ein Weilchen vergaß. Hinter meinem Rücken; nein vor meinen Augen---------— — _ Dann kriegte ich vom Vater und von der «neuen Mama" etliche Küsse, die mir trotz der jämmerlichen Umstände sehr wohl thaten.-------------- Ich habe mein Unglück am selben Abend einer alten Magd gebeichtet, die in allem Erdenleid meine Vertraute gewesen war. Für meine jetzige Roth hatte fie indeß kein Ver» ständniß, vielmehr sagte die alte Jungfer recht spitzfindig: „Sei nicht so dumm, schon an Liebelei zu denken. Schau, wie alt ich bin. Wenn Kinder heirathen würden, wer sollte dann wohl Syrup lecken?" Da leckte ich keinen Syrup, weil ich kein Kind mehr, und heirathete nicht, weil ich noch kein Mann war. Geärgert hat's mich aber doch, daß mich gleich drei Menschen auf einmal in meiner Roth — sitzen ließen. Ganz im stillen möchte ich noch verrathen, daß ich aus damaliger Zeit noch eine Sammlung von Liebesgedichten, einem Margarethlein gewidmet, habe; falls daher unter den Mädchen von heute ein Margarethlein wäre, das mich möchte, so könnte dieses die bewußte Sammlung ja gleich erhalten. Literarisches. Die orientalische Rohheit kommtindem PaulBouchard'schen Gemälde „Die Stummen des Serails", von dem wir eine künstlerisch vollendete Holzschnitt-Reproduction in dem soeben erschienenen Heft 6 der großen Familien-Zeitschrift ,güe All« Well" (Deutsches Verlagshaus Bong & Co. Berlin W., Preis des Vierzehntagheftes 40 Pfg.) finden, in ihrer ganzen Abscheulichkeit zum Ausdruck. Wir erblicken den Anfang einer Katastrophe, wie sie die Laune und Willkür orientalischer Herrscher in früherer Zeit nur zu häufig erzeugte. In das Frauengemach dringen die „Stummen des Serails", die mordlustigen Henker des Palastes, um den Willen des Gebieters- zu vollziehen. Die Frauen des. verstorbenen Herrschers sind die Opfer, die ihren Waffen und Stricken überliefert sind. Sie selber sind stumm, man hat sie der Zunge beraubt und die eigene Verstümmelung macht sie gegen fremdes Leid unempfindlich. Ebenso packend ist das Bild „Ein Judaskuß" von Weczerzick und nicht weniger interessant die Originalzeichnungen vom Aufenthalte des Zarenpaares in Wien. Außerdem schmücken dasselbe Heft eine große Anzahl von Illustrationen, wie „Am Halteplatze der Mail-Coaches" von I. Akermark, „Die Haselburg bei Bozen" von A. Lutteroth, „Ein Kleeblatt" von Cd. Grützner, die humoristische Bilderserie „Der Amateurphotograph in der Sommerfrische" von Grögler, eine Ansicht von Sansibar und viele sarbige und schwarzgedruckte Textillustrationen