Haupt noch nicht gesehen habe. Seine College« draußen im Grünen sollten einen Festtag haben, wie lange nicht. Der arme Kerl sollte aber nicht dazu kommen, die Freude auszukosten, denn al» ich Weghuber am nächsten Tage im Bezirkscommiffariat aufsuchte, sagte er mir: „Denken Sie, den armen Frohner haben die Schufte abgefangen und gezeichnet. Die Genoffen der Einbrecher, die er verrathen hat, haben furchtbare Rache an ihm genommen. Man hat ihn halb todtgeschlagen aufgefunden, und da er ein Berräther ist, haben ihm die Kerle außerdem noch mit ihren Meffern kreuzförmige Stücke Fletsch au» der Stirn und den beiden Backen herausgeschnitten. Er ist für die Zeit seine» Lebens entstellt; aber dieses Leben dauert wohl nicht mehr lange. Sie haben ihn so mißhandelt, daß er höchstwahrscheinlich nicht aufkommt. Man hat ihn erst heute Morgen gefunden. Wahrscheinlich hat er die ganze Nicht in Bewußtlosigkeit gelegen und im Krankenhaus geben die Asrzte wenig Hoffnung auf feine Wiederherstellung. Da» hat man nun von der Sache. Der Grinzinger muß geschwatzt haben und so haben die Freunde der eingesperrten Einbrecher erfahren, durch wen die Sache verrathen worden ist. Ich mache mir Vorwürfe, daß ich nicht vorsichtiger gewesen bin- Ich hätte den Frohner miteinsperren sollen oder wenigstens an dem Tage eingesperrt halten sollen, an dem die Kerle erwischt wurden. Dann wäre in der Verbrecherwelt auf ihn kein Verdacht gefallen. Nun ist es auch mit seinem Confidententhum aus, selbst wenn er davonkommt, was ich nicht glaube." Ich sah ein, daß e» in der That seine unangenehmen Seiten habe, Constdent und Helfer der Crimnialpolizei zu sein. Die Polizei liebt den Verrath, aber der Verbrecher haßt den Verräther, und Frohner hatte diesen Haß in sehr fühlbarer Weise kennen gelernt. Al» ich vier Tage später von Wien wieder fortging, erkundigte ich mich beim Abschied auch nach dem Befinden Frohner». „Es geht ihm bester, wenn auch nur ein klein wenig," erzählte mir der liebenswürdige Commistar; „er wird noch viele Wochen brauchen, bevor er wieder herumkraxeln kann. Sie haben ihn gar zu mörderisch zugerichtet. Mehrere Rippen find ihm gebrochen, ein Fuß im Knöchel ist gebrochen, wahrscheinlich, weil die Bande auf ihm herumgetrampelt ist und 1896 TQ M MW UntrrhaltimgMatt nun Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). Der Confident. Aus den Erinnerungen eines Criminalbeamten. Von A. Oscar Klausmann. (Fortsetzung.) „Was ihn aber am meisten nach seinem eigenen Ge» ständniste packte, und was ihm überhaupt die Lust nahm, jemals wieder in geordnete Vrrhältniste zurückzukehren, war der Umstand, daß sich seine Braut, während er im Gefängnisse saß, einem lüderlichen Leben ergeben und von Stufe zu Stufe gesunken war," fuhr der Commistar nach einer kurzen Pause fort. Sie hatte einen Übel berüchtigten Spieler und Schwindler geheirathet, mit dem sie in einer höchst unglücklichen Ehe lebte. Warum gerade diese Verhältniffe Gottlieb so gepackt hatten, darüber hat er sich nie ausgelaffen, in der Beziehung ist er verschwiegen und verschloflen wie ein Buch mit sieben Siegeln; in ein Kaffeehaus aber geht er nicht und anständig werden will er auch nicht. Wenn Sie wollen, Herr Grinzinger, depontren Sie bei mir ein paar Gulden für Gottlieb, damit er sich einmal etwas zu Gute thun kann. Jede andere Mühe ist vergebens, ich habe mir selbst gesagt, daß ein Mensch mit so viel Talent und Kenntnissen nicht hinter dem Zaune sterben darf. Aber wie bereits wiederholt bemerkt, hatte ich keinen Erfolg." Herr GrWnger deponirte darauf eine Fünfundzwanzig» guldennote, aber Weghuber wies dieselbe zurück. „Zehn Gulden thun e» auch. Wenn Gottlieb plötzlich sünsundzwanzig Gulden bekommt, könnten seine Pülcher- Genoffen höchstens in die Versuchung kommen, ihn tobt zu schlagen, oder er macht fich durch die vielen Geldausgaben verdächtig und wird verhaftet." Grinzinger deponirte darauf eine Zehnguldennote und ging kopfschüttelnd davon, indem er nochmals erklärte, es thäte ihm in der Seele weh, daß er für den verkommenen Menschen nichts thun dürfe. Ich war am nächsten Tage dabei, als Frohner sich die Zehnguldennote abholte. Er war über dieselbe außerordenttich erfreut, und behauptete, er würde dafür einen solchen Borrath von Tabak ankaufen, wie man ihn im Wiener Prater über- ihn mit Füßen gestoßen hat; die Lunge ist angegriffen, Löcher । im Kopf hat er gehabt, kurzum der arme Kerl hat ausgeschaut wie das Leiden Christi. Drei Doctoren haben an ihm herumgeflickt, und das, was von ihm übrig bleibt, ist natürlich Flickwerk. Ec muß noch mehrere Monate im Spital bleiben, und dann ist er eben ein fiecher Mensch, mit dem nichts mehr anzufangen fein wird. Daß er aber siech bleiben soll, das geht ihm zu Herzen. Ich habe ihn gestern besucht und er hat mir seinen Kummer und seine Sorge um die Zukunft geklagt. Wenn es mit der Gesundheit nicht mehr bei ihm geht, kann er eben nicht mehr das freie Leben eines Praterbruders führen Dann heißt es wieder in die menschliche Gesellschaft zurückkehren, von der er nichts wtffen will. Grinzinger hat zwar gesagt, er wolle ihn, wenn er aus dem Krankenhause komme, auf einige Monate zu sich nehmen, und das wird fich Frohner wohl gefallen laffsn, denn schwach genug wird er sein. Auf die Dauer aber wird doch nichts aus dem Verhältniß. Es ist nur ein Glück, daß ihm die rachsüchtigen Kerle nicht auch noch Nase und Ohren abgeschnitten haben. In einem anderen Falle haben sie es ge« than, als sie einen Verräther zeichneten/ Im Jahre 1890 kam ich wieder nach Wien, diesmal auf der Durchreise nach dem Orient. Es war selbstverständlich, daß ich meine Bekannten aufsuchte, unter ihnen auch die Herren von der Polizei und vor Allem den liebenswürdigen Polizeicommiflar Weghuber. Er war jetzt zum Bszirkrleiter avancirt, hatte aber noch den alten Bezirk, in dem er schon früher als Commiffar thätig gewesen war. Wir feierten ein frohes Wiedersehen, und als wir in seiner Familie Abends zusammen saßen, erinnerte ich mich auch des Confidenten und fragte, was aus Frohner geworden sei. Weghuber lächelte und sagte mir: „Der ist wieder activ, im Sommer wenigstens." „Wie soll ich seine Activität verstehen? Ist er wieder „Pülcher" geworden?" „Natürlich I Die Katze läßt das Mausen nicht, und ein Pülcher läßt nicht nicht vom Bummelleben. Er fitzt aber jetzt gewiffermaffen auf dem Altentheil. Im Sommer duldet es ihn nicht im Zimmer, dann muß er 'raus ins Freie, dann lebt er, wie er gelebt hat, im Prater, angelt oder sieht beim Angeln zu, amüstrt sich mit seinen Strolchgenoflen und fühlt sich so wohl, wie ein Fisch im Waffer. Zum Winter, wenn die Jahreszeit rauh wird, kriecht er unter. Aber er macht es nicht wie früher, wo er sich einsperren ließ. Er geht jetzt in sein Winerquartier, in dem er sich sehr behaglich fühlt. Dieses Winterquartier befindet stch beim Kaffeesieder Grinzinger, aber nicht beim alten, sondern beim jungen Grinzinger. Der junge Grinzinger und seine Frau pflegen den alten Strolch wie ihren Vater. Sie verdanken ihm ja auch ihr Glück." »Ich hoffe wieder etwas Jntereffantes von Frohner zu erfahren. Was hat er denn gemacht?" „O, er hat ein wenig die Vorsehung gespielt. Er hat das gute Princip in einem Lebensdrama vertreten, den Deus ex machina, den wohlwollenden Zauberer aus dem Märchen; nennen sie es, wie Sie wollen. Er hat vielleicht sogar zwei Menschenleben gerettet. Kurzum, es giebt wenigstens Leute, die Gott auf den Knieen danken, daß der Pülcher Frohner existirt. Ich will Ihnen die Sache nur rasch erzählen. Frohner kam aus dem Hospital sehr geschwächt und mit gebrochenen Lebensmuth. Er war gerade im Herbst und natürlich konnte er nicht daran denken, sein früheres Bummelleben wieder aufzunehmen. Er war gezwungen, das Asyl bei Grinzinger anzunehmen. Er wurde auch in liebenswürdigster Weise empfangen und erhielt ein Unterkommen, wo er es warm hatte und wo es ihm an Esten und Trinken nicht fehlte. Dafür machte er sich in der Wirthfchaft nützlich, soweit es seine angeborene Faulheit und seine schwachen Körperkräfte zuließen. Er trug Waffer, spaltete Holz, kümmerte sich um die Pferde, die Grinzinger hatte, kurzum, verdiente sich zum Mindesten das Gnadenbrod, das man ihm dort gab, redlich. Grinzinger hatte einen einzigen Sohn, der natürlich der Stolz de» Hauser ist. Dieser Sohn war damals zwanzig *) Leopoldine. **) Ferdinand. Jahre alt, hatte eine gute Schulbildung genoffen und war tm Geschäft des Vaters thätig. Im Kaffeehaus des alten Grinzinger war auch eine Kafsirerin und eine Buffetdame, ein junges, hübsches Mädchen aus anständiger Familie. Ganz selbstverständlich verliebte sich der Grinzinger in dis Poldi* **)) und die Poldi in den Ferdel••) Grinzinger. Es wäre das Vernünftigste gewesen, wenn sich die Beiden ge» heirathet hätten. Aber der alte Grinzinger war ein Mann, der sich selbst heraufgearbeitet, der es aus den bescheidensten Anfängen zu einigem Wohlstände gebracht hatte. Sie werden sich erinnern, daß er damals schon, als der Einbruch bei ihm verübt wurde, mit dem Plane umging, sich ein länd. liches Anwesen zu kaufen. Leute, wie Grinzinger sind merkwürdigerweise stets dagegen, daß ihre Kinder Leute aus einem Stande heirathen, dem sie früher selber angehört haben. Auch Grinzinger wollte mit seinem Sohne hoch hinaus. Er sollte eine reiche, wenn auch etwas ältliche Bürgerstochter heirathen, damit er in beflere Gesellschaftskreise käme und sein Geschäft vergrößerte. Deshalb verschwieg Ferdinand Grinzinger dem Vater seine Neigung zu der schönen Poldi und nur Frohner merkte etwas von der Sache, aber auch er schwieg. Als das Frühjahr kam, hatte sich der alte Bummler wieder so ziemlich erholt. Selbst die bösen Narben auf den Wangen und auf der Stirn waren so verheilt, daß sie nicht so abschreckend wirkten, wie man zuerst nach der Verwundung Frohners geglaubt hatte. Er hatte durch das gute Leben bei Grinzinger wirklich Fett angesetzt und konnte jetzt schon wieder einen Puff aushalten. Er erklärte Grinzinger schlankweg, er danke ihm für alles Gute, was er ihm erwiesen habe, aber nun müffe er wieder in den Prater. Vergebens bat ihn der alte Grinzinger, Vernunft anzunehmen; Frohner verschwand eines Tages aus dem Hause und ward nicht mehr gesehen. Schon wenige Tage später kam er zu mir nach der Wohnung, und hatte mir wieder eine Mittheilung zu machen, die von ziemlicher Erheblichkeit war. E» handelte sich diesmal um eine große Diebes- und Hehlerbande, die in den Vororten Wien» ihr Wesen trieb und welche Nachts von den Frachtwagen, die aus Wien herausgingen, Kisten und Ballen stahl. Durch die Thätigkeit Frohners wurde auch diese Bande ausgehoben. Ich war diesmal so vorsichtig, ihn acht Tage, bevor die Bande abgefaßt wurde, selbst etnsperren zu lasten und ihn auch dann noch eine Zeit in Haft zu behalten. Verdient hatte ja Frohner wegen seines neuerlichen Vaga- bundirens diese Strafe. Es war auch gerade eine mehr- wöchentliche Rsgenperiode; Sie wissen ja, vor zwei Jahren hatten wir einen sehr schlechten Juni, der vollständig verregnete. Als das Wetter bester wurde, kam Frohner wieder in Freiheit und jedenfalls hat er im Sommer großen Genuß durch fein Praterleben gehabt. Als der Herbst kam, vollzogen stch im Haufe Grinzinger- böse Dinge. Der alte Grinzinger wollte sich zur Ruhe setzen und wollte das kleine Landgut, des er sich gekauft hatte, beziehen. Ferdinand sollte das Kaffeehaus übernehmen. Aber der Vater verlangte von ihm, er sollte ihm das Geschäft wenigstens zum Theil abkaufen. Dazu gehörte Geld, und dieses Geld sollte aus der Mitgift der Braut genommen werden, welche Grinzinger senior für seinen Sohn ausgesucht hatte- Bei dieser Gelegenheit kam e» zu den ersten Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn. Ferdinand weigerte stch ganz entschieden, die von den Eltern vorgeschlagene Bram zu heirathen, und trotzdem der alte Grinzinger schimpfte uno tobte und Ferdinand vor seinem Vater vielen Respect uns alle mögliche Hochachtung hatte, war doch nichts in ihn hineinzukriegen. Der alte Grinzinger sah ein , daß etwas hinter der Sache stecken müffe und daß Ferdinand wahrschetn lich ein anderes Weib liebe. Es war selbstverständlich auch nicht schwer, herauszufinden, daß Poldi die Auserwähtte — 363 - Ferdinands fei und nun gab es einen Mordsscandal im Hause. Poldi wurde davongejagt, Ferdinand wurde mit Enterbung und väterlichem Fluche bedroht und selbst die Mutter Ferdinand«, welche zwischen Vater und Sohn zu vermitteln suchte, konnte mit den beiden harten Köpfen nichts aurrichten. Grinzinger senior war eigensinnig wie ein Kosakenpferd und wollte nichts von einer Versöhnung mit dem Sohne wissen, wenn er sich nicht seinen Wünschen fügte. Grinzinger junior war ebenso eigensinnig und wollte sich selbst durch den väterlichen Fluch nicht von Poldi abbringen lassen, der er Treue geschworen hatte- Frau Grinzinger kam zu mir und klagte mir ihr Leid; aber die Polizei hatte natürlich nicht die mindeste Veranlassung, einzuschreiten und sich in Familien» angelegenheiten einzumischen. Die Verhältnisse blieben wie sie rottreu, das heißt, unerquickliche. Der alte Grinzinger ärgerte sich und grämte sich über den Sohn, die Mutter war außer sich, daß der Sohn verstoßen war, und dem Ferdinand Grinzinger ging es auch nicht gut. Er hatte eine Stelle als Aushülsrkellner genommen, konnte aber kaum so viel zu« sammenbringen, um sich selbst zu erhalten; an eine Verbindung mit der Poldi war nicht zu denken. Der alte Grinzinger verfolgte das Mädchen auch geradezu. Sie hatte in einem anderen Kaffeehause eine Stellung gefunden. Der alte Grinzinger war nichtswürdig genug, seine Bekanntschaft mit dem Besitzer des Kaffeehauses auszunützm, um Poldi wieder au» der Stelle herauszudrängen. Gerade dieser letzte Schritt hatte den Sohn noch mehr gegen den Vater erbittert. Poldi fühlte sich unglücklich, denn sie fürchtete, es würde ihr ferner ganz und gar unmöglich fein, irgendwo unterzukommen. Das Liebespaar war nahe daran, wegen seiner ungünstigen Verhältnisse zu verzweifeln, als ihm, ich weiß nicht durch welchen Zufall, Frohner in den Weg kam. Frohner gerieth in große Entrüstung bei der Nachricht von dem Geschehenen. „Habe ich denn," sagte er, „dem alten Esel sein Geld deshalb gerettet, damit er Dummheiten damit machen soll? Ist das ein Benehmen von einem Vater gegen seinen einzigen Sohn, Zwenn dieser ein bildsauberes Mädel heirathen will? Gleich gehe ich zu dem alten Krauterer und sage ihm die Wahrheit! So viel Grobheiten soll er noch nie gehört haben!" Ferdel und Poldi baten aber Frohner dringend, seinen Entschluß nicht auszuführen. Sie stellten ihm in sichere Aussicht, daß Grinzinger senior ihn ohne Weiteres „liefern", das heißt hinauswerfen würde, wenn Frohner sich erdreisten sollte, sich in Familienangelegenheiten zu mischen. Grinzinger senior sei so verbittert, wüthig und unzugänglich, daß vernünftiges Zureden gar keinen Zweck bei ihm habe. (Schluß folgt.) Ursachen und Verhütung der vorzeitigen Kahlheit des Kopfes. Von Dr. Otto Gotthilf. ------- (Nachdruck verboten.) Es ist eine bekannte Thatsache, daß Kahlheit bei Männern überaus häufiger vorkommt, als bet Frauen. Auch fängt das Ausfallen der Haare bei den Männern an anderen Stellen an. Zunächst lichtet sich der Stirnfcheidel entweder in der Mitte oder zu beiden Seiten. In letzerem Falle bleibt meist ein Stirnbüschel noch längere Zeit kümmerlich erhalten. Bisweilen tritt die Kahlheit auch zuerst an dem Hinterhauptschädel auf. Bet Frauen dagegen beginnt dis Kahlheit fast nie an diesen Stellen, sondern auf der Höhe des Kopses oder hinter beiden Ohren. Diese Verschiedenheit des Auftretens wird verursacht durch die ungleiche Kopfbedeckung und durch die verschiedenartige Behandlung der Haare, wie sie bei Frauen und Männern üblich ist. Es hängt nämlich das Wachstum der die Haare bildenden Zellen von der richtigen Blutzufuhr und von der Anregung der betreffenden Nerven ab. Alle Störungen dieser Vorgänge müssen, wenn sie längere Zeit hindurch einwirken, nothroendig zur Verkümmerung der Haarwurzeln und zum Verluste der Haare führen. Die Kopfbedeckung der Frauen ist nun leicht und luftig, nicht im geringsten drückend oder beengend, und sitzt nur auf den gewickelten ober geflochtenen Haaren. Im Sommer ist buchstäblich der Sonnenschirm die eigentliche Kopfbedeckung der Frauen. Aber auch im Winter kann die Luft die Stirn und einen großen Theil des Stirnscheitels wohlthätig beeinflussen. Es werden also einerseits weder die Nerven noch Adern des Kopfes durch Pressung bei ihrer die Haarwurzeln nährenden und anregenden Thätigkeit gehindert, und andrerseits tritt eine gesunde Abhärtung der Kopfhaut ein, wodurch das zarte Geschlecht die starke Männerwelt bedeutend übertrifft. Die Kopfbedeckung der Männer hingegen ist schwer und beengend, wenig durchdringlich für Luft und Licht und meist von drückender Starre. Viel zu selten werden im Hochsommer leichte Stoff- und Strohhüte getragen; auch dann ist vielfach noch ein steifer Hut von hellerer Farbe in Verwendung. Außerdem tragen die Männer die Haare sehr kurz, so daß zwischen dem drückenden Hutrände und der Kopfhaut nur eine sehr dünne, die Haut kümmerlich deckende Haarlage sich befindet, wodurch namentlich bei schmächtiger Veranlagung der Haare die zwischen dem starren Hutrände und den Kopfknochen gelegene Haut mit ihren Adern und Nerven einem heftigen Druck ausgesetzt ist. Dieser wird nur da einigermaßen gemildert, wo auf den Knochen Muskeln lagern, welche wie ein Polster wirken. Es trifft dies hauptsächlich an den Schläfen zu, weshalb auch dort fast nie eine vorzeitige Kahlheit eintritt. An den übrigen Stellen aber, namentlich an den hervortretenden Knochen der Stirne und des Hinterhauptes, bewirkt ein starrer Hut schon sehr bald eine tiefe, meist sichtbare Strangulirungsfurche, mit welcher sogar eine erhebliche Spannung der Haut verbunden ist, wenn infolge stärkeren Windzuges der Hut fester aufgedrückt wird. Solch ein Druck, welcher oft stundenlang andauert und Jahre hindurch immer wieder die gleichen Hautstellen trifft, muß natürlich über kurz oder lang die Gefäße und Nerven in ihrer Ernährung stören. Daher erstreckt sich die Ausbreitung der Glatze fast stet» gerade über das Verästelungsgebiet der Stirn und Hinterhauptsnerven. Eine abnorme Schädelbildung kann am Umrisse der Glatze insofern etwas ändern, als ein stark entwickelter Hinterhauptshöcker durch den directen Hutdruck haarlos wird, so daß sich die Kahlheit dann hinten nach unten bedeutend verlängert und verschmälert. Durch den luftdicht abschließenden Hut wird aber auch die Ausdünstung der Kopfhaut sehr erheblich beeinträchtigt. Bei Leuten, welche eine solche schädliche Kopfbedeckung tragen, sind bei körperlicher Bewegung die Haare in der Regel ganz naß geschwitzt. Daher führen die meisten Kahlköpfigen den Beginn und raschen Fortschritt ihres Zustandes auf eine bestimmte Zeit zurück, wo sie häufig am Kopfe schwitzten. Auch pflegt eine beginnende Glatze während der warmen Jahreszeit die größten Fortschritte zu machen. Bei den Frauen hingegen fallen alle diese unheilvollen Vorgänge gänzlich weg. Demgemäß kommt bei ihnen vorzeitige Kahlheit viel seltener vor, und wenn sie sich zeigt, so ist in der Regel die unrichtige Behandlung der Haare schuld, indem dieselben beim modischen Aufputze besonders hinter den Ohren und auf der Höhe des Scheitels anhaltender Zerrung ausgesetzt sind. Es tritt dort häufig Zerreißung der Haarwurzeln und allmähliche Verödung des so mißhandelten Haar- bettes ein, weshalb eben bei Frauen die Kahlheit an dieser Stelle zu beginnen pflegt. Allerdings gibt es auch noch andere Ursachen, welche zum Haarausfall beitragen können. So pflegen tief erschütternde seelische Erregungen, Sorge, Kummer, Schreck und Angst nicht nur da» Allgemeinbefinden zu stören, sondern auch das Gedeihen der Haare ungünstig zu beeinflussen. Schwindet doch durch solche Gemüthraffecte bisweilen plötzlich die Pigmenterzeugung der Haarpapillen, so daß ein sofortiges Ergrauen statifindet. Dies kann gar nicht so wunderbar 864 erscheinen, da selbst bei stärker und tiefer fitzenden Organ« gebilden, nämlich bei den Federn der Vögel, durch plötzlichen Schreck ein augenblickliches, reichliches Ausfallen bewirkt wird. Schwebt z. B. ein Habicht plötzlich über einem Huhne, welche» nicht entschlüpfen kann, so findet man, wenn der Räuber noch rechtzeitig verscheucht wurde, nachher eine Menge kleiner und großer Hühnerfedern auf dem Platze der Ueber« raschung liegen. Die Verhütung aller jener, den Haarboden bedrohenden Schädlichkeiten muß besonder» denjenigen ans Herz gelegt werden, welche von Natur au» mit schwächlichem Haarwuchse bedacht find, in deren Familie die Glatze schon durch Gene« rationen glänzt, und die überdies noch zu reichlichem Kopfschweiße neigen. Für diese ist es dringend nöthig, ihre Kopfhaut abzuhärten und dem wohlthätigen Einflüsse von Licht und Luft recht oft auszusetzen, sowie die Nerven anzuregen und die Ernährungszufuhr de« Blutes zu unterstützen. Dies geschieht durch recht häufiges, aber leiser Bürsten mit schonender Hand, so daß die Haut eine ganz leichte Röthung zeigt. Dabet ist da» Einfetten mit Oel und Pomade zu unterlassen, weil hierdurch die Hautporen leicht verschmiert und die Ausdünstung beeinträchtigt wird. Auch mag man, nach Angabe von Dr. Seeger in Wien, ein Masfire« der Kopfhaut vornehmen, indem man fie mehrmals täglich hin und her bewegt. Manche Leute können dies ganz willkürlich; wer es nicht vermag, lege zunächst die flache Hand auf den Scheitel und schiebe die Kopfhaut vor und hinter, bis die Muskeln dem Willen gefügiger geworden find. Bet Haarschwäche am Hinterhaupts ist außerdem noch ein Masstren der Nacken- Halsgegend mit einem trockenen Frottirtuche zu empfehlen. Möge nun jeder, den die Natur nur mit schwachem Haarwuchse bedacht hät, oder dessen Scheitel fich schon bedenklich zu lichten beginnt, diese naturgemäße« und practisch erprobten Regeln beherzigen und befolgen, damit er hinfüro stolzen, lockenumwallten Hauptes wie ein Apollo einherwandeln kann. Gemeinnütziges. Erdbeerblätterthee Wahrlich, wie in manchen anderen Dingen, so hat auch in gesundheitlicher Beziehung das Dichterwort: Warum in die Ferne schweifen? Sieh, da« Gute liegt so nah! seine volle Bedeutung. Warum den Thee au« dem fernen China beziehen, wenn unsere heimischen Erdbeerblätter ein vorzügliches Getränk und einen weit gesunderen The« liefern, al« das theuere, meist verfälschte, unser Nerven- und Gefäßsystem aufregende orientalische Genußmittel? Will man Erdbeerblätterthee bereiten, so sammele man zunächst im Juli und August vorzugsweise das in gebirgigen Gegenden und auf sonnigen Anhöhen wachsende Ecdbeerkraut, und sehe wohl darauf, daß die Pflanzen gut erhalten, trocken und nicht von Würmer« benagt sind. Die Blätter! werden dann an der Luft, ohne Einwirkung der Sonne getrocknet und öfter umgewandt, damit fie nicht in Fäulniß gerathen. Auch dürfen sie nach dem Trocknen nicht wieder abgewaschen werden, da sonst leicht ein wesentlicher Theil ihrer Kraft verloren gehen könnte. Um diesen einheimischen Thee nun ganz dem ausländischen gleich herzustellen, schneidet man die Stiele mit einer Scheere ab, röstet die Blätter auf warmen Platten, rollt sie auf der Hand und läßt sie erkalten. Man bewahrt diesen Thee zwecks Erhaltung des Aroma« ebenso wie den chinesischen in gut verschlossenen sogenannten Theebüchsen auf. Will man den Geschmack de« Erdbeerblätterthee« noch erhöhen, so sammle man zu den Erdbeerblättern noch einen kleinen Theil Brombeerblätter und setze den beiden einige Hände voll Thymian und Waldmeister zu. Da« Ganze ergiebt dann einen vorzüglichen, recht aromatischen Thee, der auf da« Blut- und Nervmleben sehr wohlthätig einwirkt, die Verdauung fördert und damit i den ganzen Organismus belebt und kräftigt. Wir haben es ; int verflossenen Winter in unserer Familie selbst erprobt. Man ist heutzutage leider allzu gleichgiltig gegen da«, war uns der Schöpfer in der Natur in so überreichem Maße in nächster Nähe bietet. Was heute nicht viel Geld kostet, von weit her bezogen wird und einen hochtönenden Namen hat, das gilt bei vielen Menschen nicht«. Und doch wissen wir, daß die alten Einfiedler von -nichts Anderem gelebt haben, als von Wurzeln und Kräutern der heimischen Wälder und vom frischen klaren Quell der Berge und — wie gesund und eisenfest find diese Menschen gewesen, und welch hohe« Alter (über 100 Jahre) haben sie fast ausschließlich erreicht! ♦ ♦ Unechte Schildkrötensuppe auf flämische Art Aus Fletschabfällen, Schinkenresten u- dgl. sowie aus Liebig« Fleischextract nebst den nöthigen Gewürzen stellt man eine recht kräftige Fleischbrühe her, die man einige Stunden ziehen läßt, dann durch ein Sieb gießt, und hierauf mit in Butter gebräuntem Mehle verdickt. Alrdann schneidet man Zunge, Haut und Fleisch eine« recht weichgekochten Kalbskopfes in kleine Stücke und bringt diese nebst Klöschsn aus Geflügelfarce in die Suppe, der man kurz vor dem Anrichten ein großes Glas Sherry, Cayennepfeffer und kleine gedämpfte Champignons beifügt und man dann recht heiß fervirt- Bei der Musterung. Der General ist zur Musterung eingetroffen und will auch die Kaserne bestchtigen. Durch Regimentsbefehl ist daran erinnert, daß die Temperatur in allen Stuben nicht über 15 Grad betragen darf. Der General betritt ein Zimmer, lobt die Sauberkeit und fragt den Stubenältesten: „Wie viel Grad find es hier, mein Sohn?" — Gefreiter: „Fünfzehn Grad, Herr General!" — General: „Zeige mir doch mal da» Thermometer!" — Gefreiter: „Wir haben kein», Herr General 1" — General: „Na, woher weißt Du denn, daß e» fünfzehn Grad find?" — Gefreiter: „Rrr—egimentsbefehl, Herr General!" ♦ ♦ Einleitung. Studiosus (dem der Onkel seine Münzensammlung zeigt): „Aber nicht wahr, lieber Onkel, Du hast doch nicht blos alte Münzen gesammelt?" * • e Zuversichtlich. Lyriker (der sein erstes gedruckter Gedicht liest): „Da werden die Bildhauer dereinst wieder hübsch an den Denkmälern sür mich verdienen." • • Fataler Nachsatz. Sie: „Ich bitte Dich, lieber Heinrich, kauf' mir diese hübsche Mantillel" — Er: „Dein Wunsch ist mir Befehl — und befehlen lass' ich mir nicht«!" * • • Ein practischer Arzt. A.: „Gegenwärtig verbietet mir der Arzt, Champagner zu trinken." — B.: „Wahrscheinlich, bis Du ihm die Rechnung bezahlt hast!" Von dem im Verlag der Schriftenvertriebsanstalt in Weimar erscheinenden Otfrid Myiius'schen Roman ,vte«ema«a» Seb«« oder Da» g«ea«bt« Testament* erhalten wir heute Heft 21 und 22 zur Besprechung. Gern kommen wir dem Wunsche genannter Verlagshandlung nach, unsere verehrlichen Leser wiederholt auf das verdienstvolle Unternehmen aufmerksam zu machen, haben wir doch nun selbst kennen gelernt, was für den geringen Preis von 10 Pfg. ein solches an Text und Ausstattung bietet. Und eben diese änßerst billige Bezugsweise ermöglicht jedem Freund einer guten unterhaltenden Seetüre, sich den Roman „Bienemanns Erben ober Das geraubte Testament" zu erwerben; kein Abonnent wird die Anschaffung des gediegenen und spannenden Werkes Bereuen. Probehefte sind in jeder Buchhandlung zur Einsicht zu erhalten und werden daselbst Bestellungen gern entgegengenommen. RebacHon: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverstMS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.