den, während :d der Zucker, öffelwetje hin« :tse das Mehl, itt Wachs be» i gebacken. 250 Gramm hm, 3 Eigelb, lange, finger- , bestreiche ste । Zucker, ge« ellbraun. Betien Zucker, Sutter, Zucker Abgertebene alsdann dar ite behandelt, s in nicht all» Zn sechster, um e ist erschienen? le tttiö feint chen der Früchte in elegantem, chwarzdruck ans 2,20. Aeußerst einen der ersten eute ist Brauns verbreitet. Der e geschmackvolle kochbuch überall von deutschen, n. Verlag von jährigen Kriege !eh. 4 Mk., geb. 866 der Heffen. großer Vorliebe Stoffe der Vorlebte Erzählerin. großen Kriege Heimathboden ische Bedeutung lle der kleinen > jener schrecken- innesmuthe, der Schlimmsten ig ausgeführten lt, mit welcher te des Bürgelers und seiner überaus wohl- Küchenregiment : von Harting- apathisch wird, seine hohe Ge- >einungen jener ritterliche Hans nkte der reichen alichkeit, welche solch' poetischer :. Markig ragt iefer lieblichen isen, fürstlichen ingt eine Fülle in ihren weiten on echt evange- 6er die Grenzen ls ein recht ge ^rhunderts dar. in Gießen. Untechaltungsblatt pim Gießener Anzeiger (General-Anzeiger) s. 1 ~ t /-'< '■V L,-,r -■ ■ r MAE MK Die Brüder. Novelle von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) Und Hermann hatte sich ihnen nicht aufgedrängt. Er war damals nicht nur für sie, sondern auch für alle seine Bekannten so gut wie unsichtbar geworden, und man hatte erst wieder von ihm zu sprechen begonnen aus Anlaß eines Vorkommniffes, dessen Kunde aus naheliegenden Gründen ihr und ihrem Vater von den verschiedensten Seiten zugetragen worden war. Nach einer Sitzung des Künfllervereins, an der er Theil genommen, hatte einer von Werner Eggestorfs intimeren Freunden die romantische Flucht des jungen Bildhauers zum Gegenstand verschiedener beifälliger Aeußerungen gemacht, in denen der alte Arnholdt und seine Tochter nicht eben respect- voll behandelt wurden. Die Bemerkungen waren nicht an ihn gerichtet gewesen, trotzdem hatte sich Hermann sogleich von seinem Platze erhoben, war anscheinend ruhig auf den Sprechenden zugetreten und hatte von ihm verlangt, daß er seine Worte auf der Stelle zurücknehme. Der Andere in seiner übermüthizen Weinlaune hatte sich dessen geweigert und hatte sogar noch eine weitere spöttische Aeußerung über den Maler hinzugefügt. Da war er plötzlich, noch ehe einer der erstaunten Zuschauer es zu hindern vermochte, von Hermann Eggestorss riesenstarken Armen aus seinem Stuhle emporgeriffen und unsanft in die Knie niedergedrückt worden, und so furchtbar hatte nach dem Zeugnisse Aller der sonst so stille und bescheidene Bildhauer ausgesehen, daß der jäh ernüchterte Lästerer in wahrer Todesangst widerrufe« hatte, was er gesprochen. Die nächste Folge des peinlichen Auftritts war Hermann Eggestorss Ausschließung aus dem Künstlerverein gewesen; Meister Arnholdt aber hatte von dem Tage an aufgehört, ihn zu hassen, und als er ihm einmal auf der Straße begegnet war, hatte er ein paar freundliche Worte und einen Händedruck mit ihm getauscht. Dabei hatte es dann sein Bewenden gehabt, bis die letzte, tödtliche Krankbeit dem alte« Maler Pinsel und Palette aus den rastlos schaffenden Händen genommen und ihn zu Margarethens grenzenloser Verzweiflung auf das Sterbelager niedergestreckt hatte. Am zweiten Tage schon war Hermann Eggestors gekommen, sich nach dem Befinden des Kranken zu erkundigen. Arnholdt hatte ihn zu sprechen verlangt, und es war eine lange Unterredung geworden, die sie da unter vier Augen miteinander geführt hatten. Tag für Tag hatte er fich dann als der einzige wahrhaft theilnehmende Freund in dem bescheidenen Künstler- Heim eingefunden, und zuletzt, als der Eintritt der Katastrophe stündlich erwartet werden mußte, war er überhaupt kaum noch von dem Bette des Sterbenden gewichen. Er hatte Meister Arnholdts müde Rechte in der seinigen gehalten, während Jener sanft hinüberschlummerte in den ewigen Frieden, und er hatte die fassungslose Waise mit schlichtem, treuherzigem Zuspruch zu trösten versucht, als sonst Niemand da war, sie aufzurichten und zu stützen in ihrem unermeßlichem Jammer. Daran dachte ste jetzt und an Alles das, was er seitdem sonst noch für ste gethan. So hingebend und zugleich mit so feinfühliger Zartheit hatte er für ste gesorgt, daß sie sich allgemach daran gewöhnt hatte, ihn als ihre Vorsehung zu betrachten, und daß sie jetzt im innersten Herzen erbebte bei der Vorstellung, ihn zu verlieren, seine treuen, ernsten Augen nicht mehr zu sehen, seine rührende Stimme nicht mehr zu hören. Hätte sie sich nicht ihres zaghaften Kleinmulhs geschämt, und hätte sie nicht gefürchtet, ihm als launenhaft und energielos zu erscheinen, so würde fie in der ersten Niedergeschlagenheit, mit welcher der Gedanke an eine Trennung sie erfüllte, den Brief der Vermittlerin gewiß mit einer Ablehnung beantwortet haben. Noch zur rechten Zeit aber erinnerte sie sich, daß er selber ja ihren Entschluß gebilligt habe, sich unter fremden Leuten eine nutzbringende Thätigkeit zu suchen, und ob es ihr dabei auch todestraurig zu Sinn sein mochte, die Erinnerung an diese seine Zustimmmung wurde für sie zur Richtschnur ihres Handelns. Sie setzte sich an den alten Schreibsecretär ihres Vaters und machte Hermann Eggestorf in kurzen Worten Mittheilung von dem vortheilhaften Anträge, der ihr fast wider Erwarten zu Theil geworden sei. Ohne ihn darüber im Zweifel zu lassen, daß es ihr dringender Wunsch sei, das Erbiete« anzunehmen, erfüllte fie doch das gestern gegebene Versprechen, indem ste erkärte, die entscheidende Zusage von seiner Sin- -- SW - willigung abhängig machen zu wollen- Nur würde, so fügte sie hinzu, für eingehende Erkundigungen unter den obwaltenden Umständen kaum noch Zeit genug verbleiben, und ste könne auf solche in dem vorliegenden Fäll wohl auch um so eher verzichten, als ihr die vierwöchige Probezeit ja immer noch eine Möglichkeit des Rücktritts offen ließe. Während sie in dem Briefe wieder von ihrem lebhaften Verlangen nach ernster, geregelter Arbeit sprach, fühlte sie mit schmerzlicher Beschämung, daß ste zum ersten Mal unaufrichtig gegen ihn war. Nein, sie empfand in Wahrheit kein anderer Verlangen, als daß es immer so bleiben möchte, wie es gegenwärtig war, und zweimal ging ste unschlüssig an dem Kasten vorbei, bis ste e« endlich über sich gewann, ihm dar inhaltsschwere Schreiben zu überantworten. Nun war es geschehen, und mit schmerzlicher Ergebung harrte sie auf Hermann Eggestorfs Besuch oder auf seine Antwort, die nach Lage der Dinge ja unmöglich anders als zustimmend ausfallen konnte. Aber während des ganzen folgenden Tages harrte sie umsonst, und auch am nächsten Morgen hatte der Postbote keinen Brief für ste. Dies auffallende Schweigen, das den höflichen Formen und der strengen Ordnungsliebe des Bildhauers so wenig entsprach, fing nachgerade an, ste ernstlich zu beunruhigen, denn sie hatte dafür kaum noch eine andere Erklärung, als daß Hermann Eggestorf durch Krankheit verhindert sei, ihr die erbetene Antwort zu geben, und die Erinnerung an sein angegriffenes Aussehen bei dem letzten Besuche gab dieser Besorgniß eine Wahrscheinlichkeit, die ste mit einer von Stunde zu Stunde wachsenden Angst und Aufregung erfüllte. Als dann noch am Mittag eine Depesche der Stellenvermittlerin etntraf mit dem eindringlichen Ersuchen, die Entscheidung nicht länger zu verzögern, wußte fich Margarethe nicht anders mehr zu helfen, als daß sie den Entschluß saßte, sich in eigener Person Gewißheit über die Gründe von Hermann Eggestorfs Schweigen zu verschaffen. Sie hatte die Wohnung, die beide Brüder früher gemeinsam inne gehabt, noch nie zuvor betreten, und das Herz klopfte ihr in bangem Zagen, da sie nun vor dem eisernen Gitter des kleinen, noch winterlich kahlen Vorgartens stand, an deffen Ende sich die hübsche, den Eggestorf» von ihren Eltern vererbte Villa erhob. Einen Glockenzug konnte ste nirgends entdecken, und so blieb ihr nach langem Zaudern nichts Anderes übrig, als unangemeldet hineinzugehen. Die Hausthür stand weit offen, ein menschliches Wesen aber war in der mit mehreren Gipsabgüssen antiker Sculpturen geschmückten Vorhalle nicht zu erblicken. Margarethe stand eine Weile rathlos, denn es fehlte ihr an Muth, ihr Anwesenheit durch Pochen an einer der hier ausmündenden Thüren kundzugeben. Da öffnete sich eine von innen und ein mürrisch blickender alter Mann in weißbestäubtem Arbeitskittel kam zum Vorschein. Ec wollte an ihr vorüber, ohne sie weiter zu beachten; Margarethe aber faßte sich ein Herz und redete ihn an: «Ich möchte Herrn Hermann Eggestorf sprechen. Würden Sie vielleicht die Güte haben, ihn davon zu benachrichtigen?" Der Mann betrachtete sie von der Seite mit einem sonderbaren, mißtrauischen Blick und seine Antwort war ein undeutliches Gemurmel, von dem ste nichts verstand. Gleichzeitig aber öffnete er die Thür, aus der er soeben gekommen war, und eine kurze, nicht sehr verbindliche Handbewegung forderte Margarethe zum Eintritt auf. So wenig ermuthigend dieser seltsame Empfang auch sein mochte, blieb ihr doch keine andere Wahl, als dem Winke Folge zu leisten. Sie sah sich in einem großen, Hellen, aber ziemlich kahlen Raum, der ohne Zweifel das Atelier der jungen Hausherrn darstellte und in dem sie bei der Befangenheit, die sich mehr und mehr ihrer bemächtigte, kaum Umschau zu halten wagte. Nur ein großer, mit nassen Tüchern verhängter Aufbau inmitten de» Gemaches fesselte ihre Aufmerksamkeit, denn sie zweifelte nicht, daß dies der Denkmalsentwurf fei, von dem ihr Hermann Eggestorf wiederholt gesprochen. Die Umriffe menschlicher Gestalten lieben fich deutlich unter den feuchten Decken er. kennen, und Margarethe wäre glücklich gewesen, wenn ste diese Decken hätte lüsten dürfen, um da» Werk, an dem ste so innigen Antheil nahm, zu betrachten. Aber schon der Gedanke an eine solche Verwegenheit machte sie erröthen, und le kehrte fich von dem verhängten Thonmodell ab, als wollte is fich damit vor jeder Versuchung bewahren. Rein zufällig fiel ihr Blick dabei durch eine halb ge. öffnete zweite Thür in das Nebengemach, das allem Anschein nach sehr viel reicher und behaglicher eingerichtet war al« fieser nur der ernsten Arbeit gewidmete Raum. Und wie von einer übernatürlichen Gewalt festgehalten, hafteten ihre Augen an einem Gegenstände, dessen harmlose Natur an und für fich gewiß nicht danach angethan war, so fassungslose» Entsetzen hervorzurufen, wie es sich jetzt in den Zügen des jungen Mädchens spiegelte. Denn es war nichts Anderes al» ein an der Wand hängendes, eben jetzt von der Sonne hell beschienenes Bild — eine intensto grüne Waldlandschaft mit einer sehr stimmungsvollen, verfallenen Wassermühle im Vordergründe: Man hätte über seine malerische Vorzüge wohl verschiedener Meinung sein können; doch war es sicherlich nichts Erschreckender weder an dem idyllischen Sujet noch an der wahrhaft italienischen Bläue de» wolkenlosen Himmel», welcher mehr als die Hälfte der Leinwand bedeckte. Margarethe aber war ganz unverkennbar in tiefster Seele erschrocken, und ste hatte wohl einen Grund dazu, denn sie sah die» kleine Gemälde ja nicht zum ersten Mal und sie hätte es nirgends weniger zu finden erwartet als gerade hier. Es war ein Schmerzenskind ihres armen Vaters gewesen. Er hatte es für eine seiner besten Schöpfungen gehalten, und jedesmal, wenn es wieder unverkauft von einer Ausstellung zurückgekommen war, hatte er aufs Neue den grauen Kopf geschüttelt in schmerzlichem Erstaunen über den wachsenden Unverstand der Welt, die echte Kunst nicht mehr von leerer Sensationshascherei zu unterscheiden wisse- Zuletzt hatte e» seinen Platz im Atelier neben all' den anderen Gemälden erhalten, die sich da von ihren Irrfahrten aut- ruhten, und nie würde sich Clemens Arnholdt entschlossen haben, es für einen Bettelgroschen an seinen geheimen Abnehmer, den Kunsthändler Jrmisch zu verschachern. Mit dem übrigen künstlerischen Nachlaß war es nach seinem Tode in die Ausstellungsräume des ehrenwerthen Mannes übergesiedelt, der es übernommen hatte, fich für den Verkauf zu interesfiren, und vor zwei Tagen erst hatte ihr Hermann Eggestorf die tausend Mark übergeben, die ein kunsto-rständizer Amerikaner dafür bezahlt haben sollte. Und nun hing es hier — in seinem Zimmer I Die Geschichte von dem exotischen Käufer konnte also nicht- Anderes gewesen sein als eine Lüge, und da« Geld, das ste wieder für eine Weile vor Sorgen und Entbehrungen schützen sollte, es war nur ein verschleiertes Geschenk gewesen von ihm. Margarethe fühlte die brennende Rölhe der Scham aus ihren Wangen und heiße Thränen verdunkelten ihren Blick. Aber ste mußte volle Gewißheit haben und entschlossen ging ste darum durch da» Atelier bi» zu der Schw-lle jene» Gemacher, dessen anheimelnde, feinsinnig künstlerische Einrichtung keinen Zweifel ließ, daß e» der bevorzugte Lieblingsaufenthalt seine» Besitzers sei. Sie hatte keinen Blick für die Kostbarkeiten, die hier in geschmackvoller Anordnung aufgehäuft waren; achtlos flog ihr Auge über die prächtigen Dinge hin, deren Betrachtung sie zu jeder anderen Zeit mit Entzücken erfüllt haben würde, aber ein Schmerzenslaut wie der Weh ruf eines zum Tode verwundeten Herzen« kam von ihren Sippen, denn nun hatte sie an der gegenüberliegenden Wand auch die beiden anderen Bilder ihres Vater» gesehen, die durch den Kunsthändler Becker angeblich in» Ausland verkauft worden waren, und für die ste aus Hermann Eggestorf- Händen den überraschend reichen Erlös empfangen. Ein Schluchzen stieg in ihrer Kehle auf, und ihre Knies zitterten, so daß sie Secunden lang an dem Pfosten der Thür -- 571 — eine stütze suchen mußte. Ihr war zü Muth, als dürfe sie fortan nie mehr einem Menschen hier ins Gesicht sehen, als dürfe sie unter der Last dieser Demülhigung erliegen. 2ßte eine Bettlerin hatte Hermann Eggestorf sie behandelt; unter irgend einem mitleidigen Vorwande hatte er seine reichen Almosen htngeworfen, vielleicht weil er damit das Unrecht gut zu machen glaubte, das ein Anderer seines Namens ihr angethan, — vielleicht weil er sie für den Treubruch feiner Bruders zu bezahlen gedachte. Eine namenlose Bitterkeit erfüllte ihre Seele, ein grau« sames, schneidendes Weh, das für keinen anderen Gedanken Raum ließ als für den glühenden Wunsch, zu fliehen und sich mit dem Bewußtsein der erlittenen Schmach in irgend einem dunklen, einsamen Winkel zu verstecken. Und doch fühlte sie sich so matt, so zum Sterben elend, daß sie noch immer regungslos auf ihrem Platze blieb, den Kopf an den Thürpfosten gelehnt, und der Thränen nicht bewußt, die un« ablässig über ihre Wangen rannen. Nun hatte sie den Zweck ihres Hierseins ja erreicht, auch ohne Hermann Eggestorf zu sprechen — nun wußte sie, daß sie gehen müffe, um in rastloser Arbeit das Geld zu erwerben, das sie in den Stand fetzte, ihre schimpfliche Schuld zu bezahlen. Jetzt gab es nichts mehr, das sie in ihrer Vaterstadt zurückhielt — nichts — nichts; denn nach dieser Entdeckung durfte es keine Gemeinschaft mehr geben zwischen Hermann Eggestorf und ihr — und sie durste ihn nicht Wiedersehen bis zu dem Tage, an dem sie ihm zugleich mit der Rückgabe seiner Geschenke sagen würde, wie tief, wie grausam er sie in ihren zartesten Empfindungen verletzt. Ein Geräusch hinter ihrem Rücken machte sie in jähem Erschrecken emporfahren. Verwirrt und fassungslos wandte fie sich zu eiliger Flucht; ober nach den ersten Schritten schon blieb ihr Fuß an den Boden gefesselt, denn nicht Her« mann Eggestorf war es, dem sie sich gegenüber sah, sondern eine schwarz gekleidete Frauengestalt mit silbernem Kreuz auf der Brust und mit glatt gescheiteltem, schon ergrauendem Haar unter der weißen Diaconissenhaube. Die Ahnung von etwas Fürchterlichem bannte fie beim Anblick dieser ernsten Erscheinung mit lähmendem Entsetzen. Sie war außer Stande, ein Wort hervorzubringen, das ihr Hiersein erklärt hätte, und e» war gut für sie, daß die barmherzige Schwester nicht erst darauf wartete. „Der Atelierdiener des Herrn Eggestorf sagte mir, daß Sie den Kranken zu sehen wünschen, mein Fiäulein, aber nach der strengen Vorschrift des Arztes kann ich es leider nicht gestatten." Sie sprach in jenem sanften, gleichmäßigen Tonfall, der all' diesen Samariterinnen ebenso eigenthümlich ist wie die demüthige, gottergebene Haltung und die milden Züge um Augen und Mund. Margarethe aber krampfte verzwerftlt die Hände ineinander und antwortete fast ohne zu wissen, was fie sprach: „Ich kann ihn nicht sehen — sagen Sie. Steht es denn so schlimm?' „Sehr schlimm — ja, leider! Wir müssen alle unsere Hoffnung aus die Hülfe des Höchsten s-tzen, mein Fräulein!" Dar Atelier mit seinen unheimlichen weißen Gyprabgüssen und mit dem verhängten Aufbau unter dem Oberlichtfenster begann fich um Margarethe zu drehen. Aber fie klammerte sich mit beiden Händen an die Lehne eines Stuhles und kämpfte mit beinahe wilder Energie gegen ihre Schwäche. „Was heißt das, Schwester? — Sir wollen damit doch nicht Anbeuten, daß — daß Herr Eggestorf — daß er — sterben könnte?' Das demüthige, gottergebene Haupt der Diaconifsin senkte sich noch um ein Geringes mehr nach der rechten Schulter hinüber- „Sie dürfen auf eine solche Frage keine Antwort von mir erwarten, mein liebes Fräulein! Vielleicht, daß der Arzt fie Ihnen geben wird, wenn Sie ein Recht haben —* „Ja, ja, ich habe ein Recht darauf, die ganze Wahrheit zu erfahren," fiel ihr Margarethe heftig ins Wort. „Und der Arzt — wo ist er? — Ich muß ihn auf der Stelle sprechen." „Er ging vor einer Viertelstunde, und er ist jetzt »er« muthlich auf der Rundfahrt zu seinen Pitienten. Vor dem späten Abend wird er kaum hierher zurückkehren." „So flieht es Niemanden, von dem ich Auskunft erhalten kann als Sie. O, ich beschwöre Sie, Schwester: lassen Sie mich nicht in dieser entsetzlichen Ungewißheit. Worin besteht seine Krankheit? — Ich kann es ja noch gar nicht fassen. Es sind kaum zwei Tage, daß er zuletzt mit mir gesprochen." „Herr Eggestorf leidet, so viel ich weiß, an einem typhösen Fieber, dessen erste Erscheinungen er wohl feiner Arbeit zu Liebe zu lange unbeachtet gelassen hat- Seit gestern ist er ohne Bewußtsein. E« würde also schon aus diesem Grunde zwecklos sein, Sie zu ihm zu führen." „Ohne Bewußtsein! — O mein Gott — mein Golt! Und er kann daran sterben? — Nein, nein, Sie dürfen mich nicht mit einem Achselzucken abfertiaen — denken Sie, es wäre seine Mutter oder seine Schwester, der Sie fragt- Er kann daran sterben?" „Nur Gott, der allwissend ist, vermöchte Ihnen die Auskunft zu geben, die Sie von mir verlangen. Und wenn ich nach dem Maße meines schwachen irdischen Erkennens eine eigene Meinung hätte, würde mir doch die Pflicht meines Berufes verbi.tm, fie ausm'prechen, zumal Sie doch wohl in Wahrheit weder die Mutter noch die Schwester des Kranken sind. Ich darf Ihnen nur über sein jeweilige» Befinden Rede stehen und muß Sie in allem U-brigen noch einmal an den Arzt verweisen. Erblicken Sie darin keine Unfreundlichkeit, mein liebes Fräulein — und entschuldigen Sie, wenn ich jetzt auf meinen Posten zurückkehre. Ich habe mich vielleicht schon zu lange von ihm entfernt." „Nein, Sie dürfen ihn nicht allein lassen," murmelte Margarethe, die sich nur noch mit äußerster Anstrengung aufrecht hielt- „Ich danke Ihnen. Am Abend wird der Arzt zurückkehren — sagen Ste. Dann also werde ich Gewißheit erhalten." Sie ging zur Thür des Ateliers mit dem leeren Blick einer Nachtwandlerin und die Schwester folgte ihr mit jenen geräuschlosen, schwebenden Schritten, die ihr der ständige Aufenthalt in Krankenzimmern hatte zur Gewohnheit werden lassen. Wenn sie etwas wie Mitleid für das arme junge Wesen empfand, dess n Schultern sie in verhaltenem Schluchzen erzittern sah, so äußerte fie doch nichts davon in ihrer gleichmäßig ruhigen Miene und in dem sanften Gruße, mit welchem sie draußen auf der Diele von der Besucherin Abschied nahm. In den sechsunddreißig Jahren ihrer D!aconiffenthätigkeit hatte fie des menschlichen Jammers wohl schon allzu viel erlebt. Der Sanitätsrath Sottet war durch feine Sprechstunde und seine Krankenvistten heute länger in Anspruch genommen worden al» sonst, denn die bösartige Typhusepidemie, von der die Stadt feit einigen Wochen heimgesucht war, machte ihm viel zu schaffen. Es war neun Uhr vorüber, als fein Wagen vor der Eggestorf'schen Villa hielt, und er hatte es so eilig, daß er die jugendlich-schlanke weibliche Gestalt gar nicht bemerkte, die da trotz der schneidenden Kälte am Gartengitter stand und auf irgend etwas zu warten schien. (Fortsetzung folgt.) GeineinnAtziges. Practisches für den Winter. Wenn man, wie dies wohl öfter aus Erfparungsgründen der Fall, nicht alle aneinanderstoßende Zimmer heizt, wird man nicht allein die durch die schwellenlosen Flügelthüren strömende Zugluft recht empfindlich fühlen, fondern es wird durch die warme Temperatur des geheizten Zimmers ganz bedeutend geschädigt. Mit wenig ' Mühe und gelingen Kosten kann man sich gegen diese Unan« nehmUchkeit schützen, An einem Streifen beliebiger Leinwand, 34 Eentimeter breit und so lang wie die Brette der de- treffenden Thür werden die beiden Langseiten aneinander genäht, und nachdem man da» eine Ende diese» Schlauches durch Zusammenziehen fest geschloffen, wird derselbe mit gut getrock- netem Sande vollständig gefüllt und auch am zweiten Ende fest zugenäht. Diese nun entstandene schwere Sandrolle kann man beliebig entweder mit Stoff in der Farbe der Möbel oder auch mit einer nicht zu feinen Stickerei, etwa auf Jute-Kanevas, bekleiden. Da» entschieden praktische dieser Sandsäcke besteht darin, daß dieselben, dicht an die Thürspalte geschoben, vermöge ihrer Schwere dort festiiegen und auch beim Oeffnen und Schließen der Thür durchaus nicht hinderlich find, da man dieselben ja leicht überschreiten kann. Gleiche Sandrollen, natürlich von geringerem Umfang, zwischen die Doppelfenster gelegt, find jedenfalls angenehmer als die platzraubenden Fensterkiffen. * * „Dte Lampe brennt nicht hell," ist eine ständige Klage an den langen Winterabenden, und doch fehlt es dabei meist nur an Kleinigkeiten und an Sorgfalt. Die Lampe ist der Mittelpunkt Abend« im Zimmer, der eine angemeffens Berückstchtigung bedarf. Mit einer Mischung von Soda, Seife oder Pottasche und heißem Waffer reinige man alle drei bis vier Wochen die Baffm» sorgfältig, laffe sie gründlich trocknen und fülle sie hierauf erst mit Petroleum. Für den frischen Docht und sür den gebrauchten, an welchem fich Unreinlichkeit festgesetzt Hal, empfiehlt e« fich, ihn tüchtig zu waschen, zu trocknen und dann ungefähr eine Stunde lang in Esstg zu legen, um ihn fchießlich, abermals getrocknet, wieder in die Lampe zu ziehen. Auch die Petroleumkannen müffen wie oben gereinigt werden, und man wird an der Lampe seine Freude haben. Leder wasserdicht zu mache«. Englischen Matrosen verdanken mir folgende« Reeept: Ein Schoppen gekochtes Leinöl, 600 Gramm Hammelfett, 100 Gramm reines Bienenwachs und 60 Gramm Harz werden über Feuer langsam geschmolzen und gut vermengt. Die hierdurch erzielte Schmiere wird auf das sauber gereinigte Schuhwerk gestrichen und man kann stundenlang im Waffer mit denselben stehen, ohne daß Waffer durchdringt. e Kastaniensuppe. Nachdem man die äußere Schale von soviel Kastanien als man braucht, entfernt hat, brüht man fie in kochendem Waffer und häutet fie ab. Dann dünstet man fie in etwas Butter und Zwiebeln, und füllt nach und nach mit Fleischbrühe auf. Dann treibt man die Kastanien durch ein Sieb, verdünnt so viel, wie nothwendig, mit Fleischbrühe, läßt die Suppe nochmal« auskochen und richtet fie über Kalbsmilchwürfeln und gebähten Weckichnitten an. * Gebratene Leber. Die frische Leber wird gewaschen, von Haut und Sehnen befreit, in fingerdicke Scheiben zerschnitten, in Mehl umgekehrt und offen in gelber Butter und Speck etwa 10 Minuten auf beiden Seiten gebraten. Dann gibt man etwas Esstg, Waffer und Salz dazu, deckt e« zu, damit e» gedämpft wird und rührt die Sauce sämig. * • * Bratheringe bereitet man folgendermaßen zu: Grün- Heringe werden sauber abgeputzt, gewaschen, eingesalzen und dann mehrere Stunden zugedeckt hingestellt. Hierauf wendet man sie in Mehl um und bäckt fie in Oel und Butter schön braun. Später übergießt man fie mit Essig, welcher vorher mit Salz, Pfefferkörnern, Lorbeerblatt, Thymian und Ettronen- schale gewürzt und tüchtig gekocht wurde. Doch hat man darauf zu achten, daß Essig wie Fische vollständig erkaltet sind, ehe man beide» zusammen gibt, weil die Häringe sonst weich werden und zerfalle«. Gebackenes Hirn wird vorbereitet durch »bhäutel« und unter Zusatz von Lorbeerblatt, Gewürz und etwa« Essig gar gekocht, in Scheiben geschnitten, in Et und Mehl umgedreht und in Butter gebacken. So zubereitet, eignet fich da« Hirn al« Beilage zu feinen Gemüsen. • • ♦ Griesschnitten Zu einem Liter Milch rührt man 2 große Taffen feine» Grtesmehl, Zucker mit Citronenschale, Zimmt, Murkatblüthe, Salz und zwer Eidotter. Dann streicht man dies fingerdick auf flache Schüsseln, schneidet e», kalt geworden, in 3 Finger breite Scheiben, bestreut diese mit Mehl, dreht sie in Et um und bestreut fie mit Zwieback. Hieraus werden fie in Schmelzbutter gelbbraun gebacken. Literarisches Als einer der bestausgestatteten Kalender darf DrowifzschK Stetch»ral««dev gelten. Der vorliegende Jahrgang 1897 (210 Seiten in Ganzleinenband, Preis 1 Mk.) enthält vier größere, sehr hübsch illu- ftrirte Erzählungen, zeitgeschichtliche und populärwissenschaftliche Abhandlungen, Gedichte, eine Menge illustrirter Anecdoten rc.; das Kalendarium mit den Beigegebenen Notizen ist wieder von seltener Vollständigkeit- in der Abtheilung „Hausfrauenkalender" dürften sich »die Grundregeln der Erziehung" ungetheiltester Zustimmung erfreuen. In den VoMser- beilagen des Reichskalenders sind vier sehr ansprechende Genrebilder in Tonholzschnitt vorzüglich wiedergegeben. * * * Vogelfeder-Arbeiten. In letzter Zeit hat man gelernt, Stoff, Stein, Holz, Leder, Metall, Glas u. s. w., kurz, allerlei Materialien in ganz besonderer Weise zu verzieren oder zu Verzierungen zu benutzen. Aber auch so manche Dinge, die man allgemein für nutz- und zwecklos hält, finden in geschickten Händen noch ihre Verwerthung und gar ost kommen dabei recht glückliche Ideen zum Vorschein, die unbedingte Nachahmung verdienen. Zu solchen Arbeiten gehören zum Theil die Vogelfeder-Arbeiten, über welche alles Wissenswerthe, Anleitung und Beschreibung die bekannte weitverbreitete Familienzeitschrist fluten Stunde* (Berlin W., Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Preis des Vierzehntagsheftes 40 Pfg.) in ihrem neuesten Hefte veröffentlicht, ein Artikel, der um so mehr zur rechten Zeit kommt, als sich genannte Arbeiten vorzüglich für den Weihnachtstisch eignen, lieber Haupt würde „Zur Guten Stunde" schon durch ihre practischen Winke in dieser Art unbedingt den ersten Platz unter sämmtlichen ähnlichen Zeitschriften behaupten, wenn auch nicht die sonstigen Darbietungen an Fülle, Reichthum der Jllustrirung und allgemeinem Interesse Alles in den Schatten stellten, was sonst die deutsche Journalliteratur erzeugt hat. So enthält beispielsweise das vorliegende neueste Heft einen ausführlichen, allgemein verständlichen, mit zahlreichen Illustrationen versehenen Aussatz über „Nansens Nordpolfahrt", dem sich ein Ferienausflug „In die Vogesen", die Beschreibung eines allerliebsten neuen Balltanzes „Mignon" in bildlicher, textlicher und musikalischer Vorführung anschließt, ebenso wie auch die werthvolle Abtheilung „Für unsere Frauen" wiederum des Wissenswerthen und Erprobten in HauS- wirthschaft, Gesundheitspflege, Haus- und Zimmergärtnerei, Frauenarbeit u. s. w. eine fast erdrückende Menge bietet. Die epochemachenden Romane „Die Sandgräfin" von H. Frenssen und „Ein Meteor" von Hanna Brandenfels vereinigen sich mit einer amüsanten Humoreske „Die Weckuhr", um auch in Unterhaltung das Mögliche zu leisten und die Gratisbeilage „Jllustrirte Klassikerbibliothek", welche Shakespeares Romeo und Julie fortsetzt, bereichert die Familienbibliothek um ein Werk von dauerndem Werthe. * * * »Deutscher Soldatenhort*- Jllustrirte Zeitschrift sür das deutsche Heer und Volk. Herausgeber: General-Lieutenant z. D. H. v. Below. Preis pro Quartal 1,80 Mk. Verlag von Carl Sigismund, Berlin W., Mauerstraße 68. VIII. Jahrgang Nr. 6 erschien soeben und enthält: Zum Geburtstage Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich. — Der Vielliebchenkuß. Eine heitere Geschichte von Alwin Römer. — Indische Weisheit in Sprüchen. — Don Juan. Humoreske von Alex Richter. (Mit Abbildungen.) — Erzählungen aus dem Kriege. Von General der Infanterie z. D. v. Kretschmann. — Hubertus-Jagd hinter der Königlichen Meute. (Mit Abb.) — Im Bann der Wellen. Von Alfred Zeller. — Die Beinstellung von Pferden auf Bildwerken. — Spruch. — Eine Friedhofswanderung. — Der Gnadenschuß. (Mit Abb.) — Vaterländische Gedenktage. — Literarisches. — Vermischtes. — Splitter und Funken. — Räthsel. — Briefkasten. — Inserate. Redaktion: Ä. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Univ ersttB«-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schehda) in Gießt»,