i 4 L?Jx - * —,, 7 . .'^,-..7-7-'7 ' > ‘ *> —"" 7 * ’StäfcffiSEg^'. -2 _'_ _ _ - _ - - ^-?--M^:^L^ME-^^WÄW«s-MMr^-ÄLÄWWW» WtaBMKSg5e±Sg^SS*SgsgBBSgggBBgaSgSBS!8S!S5SS8W88gM^J^^ Das blaue Herz. Rvm«n von Earl S d. Klopfer. (Fortsetzung.) III. Adele von Effenberg hatte nicht viel von dem Sheleben ihrer einstigen Freundin erfahren und dies Wenige eigentlich nie von ihr selbst. Wirkliche Intimität zwischen ihnen hatte nur in dem Pensionat bestanden. Thekla Klausner, die Tochter eines Fabrikanten in Prag, war die einzige Freundin der um ein Jahr jüngeren Baroneffe gewesen. Zu Weihnachten 1885 reiste sie auf Ferienbesuch heim — und kehrte nicht mehr in die Wiener Töchterschule zurück. Sie lernte, wie sie der Freundin bald darauf in einem jubelnden Briefe schrieb, einen in Böhmen begüterten Cavalier kennen, den Grafen Norbert Degenstein, der viel im Hause ihres Vaterverkehrte. Im Carneval heirathete sie den Grafen, und im Frühling darauf sah Baroneß Adele die vormalige Schul- collegin wieder; die Jangvermählten kehrten da eben aus Italien von ihrer Hochzeitsreise zurück. Adele hatte zu dieser Zeit auch gerade dar Pensionat verlaffen und freute sich sehr, Thekla in Wien begrüßen zu dürfen. Das Paar hielt sich übrigens nicht lange in der Reichshauptstadt auf, da der Gatte bald auf feine Güter zurückkehren wollte. In dieser kurzen Zeit malte die Baroneffe Theklas Portrait, wenigstens in den Hauptzügen, zu denen sie ihrer Sitzung bedurfte. Adele sagte ihr, sie wolle sich so ein Andenken von ihr sichern, da sie ja jetzt so entfernt von einander leben sollten. Thekla sah aber auch entzückend aus in ihrer reizenden Frauentoilette, und das Glück, das aus ihrem frischen Gesichtchen lachte, konnte einem des Festhaltens im Bilde wohl werth dünken. Adele hatte heimlich die Absicht, ihr da« Portrait nach seiner Vollendung zu schenken; sie wollte e« ihr mitbringen, wenn sie sie im Sommer auf ihrem Hauptgute Chlobonitz in Böhmen besuchte, wohin sie von Thekla bei deren Abreise eingeladen wurde. — Aber es kam nicht dazu. Thekla ließ lange nichts von sich hören, dann schrieb sie, daß sie kränklich sei und wieder ein milderes Klima aufsuchen solle. Sie begab sich auch wirklich noch im selben Jahre mit dem Gemahl abermals auf Reisen; in Wien stieg sie jedoch nicht mehr ab. Ihre Briefe wurden immer seltener und kürzer. Rur zwischen den Zeilen wollte Adele errathen, daß da« Glück, in dem die junge Frau einst geschwelgt, sich bedenklich verringert habe — eben weil sie mit keiner Silbe davon sprach, während sie in jenem Frühling in Wien nicht genug Worte hatte finden können, ihr sonnige» Geschick zu preisen. Adele fühlte sich Anfangs über den Mangel an Vertrauen von der Freundin gekränkt; aber schließlich begriff sie, daß die Aeltere schon durch die Heirath an sich weit über die Jugendgenossin hinausgereift ifei, und daß Theklas Mißstimmungen oder Leiden nicht von der Art wären, um damit das beschwerte Herz vor einem Mädchen ausschütten zu können. Aus gelegentlichen Gesprächen zwischen den Eltern fing sie später so viel auf, um sich zusammen;»» reimen, daß Graf Degenstein ein ungeordnetes, leichtfertige» Leben begonnen oder vielmehr — e» au« seiner Junggesellenzeit wieder ausgenommen habe. — Ende 1887 starb der alte Klausner, und bie Tochter erbte seine Millionen. Da» schrieb Thekla der Freundin noch selbst und knüpfte daran die Bemerkung, da» viele Geld mache ihr nur Kummer; von ihrem Gatten, von ihrem häuslichen Leben — kein Wort. Ueber ein Jahr verging, ohne daß Adele von der Gräfin Wesentliches vernahm. Dann berichtete Thekla, sie leide gegenwärtig an der Kopfrose, der Arzt hätte ihr aber sichere Heilung in Aussicht gestellt, und daß sie nicht zu fürchten brauche, ihr Haar verlieren zu müssen. Sobald sie wieder hergestellt sei, werde sie ihren Mann nach Paris begleiten, einerseits, weil ihr der Arzt während der Reconvalescenz Luftveränderung angerathen habe, andererseits, weil sie auch nicht allein bleiben wolle, während Graf Norbert in Paris dringende Geschäfte zu erledigen habe. Das war — da» letzte Lebenszeichen von ihr. Adele durfte sich wundern, daß Thekla von der bevorstehende» Reife nicht mit mehr Wärme gesprochen hatte; für Paris war dar Frauchen ja einst voller Begeisterung gewesen. — Nun, Mitte Februar, erhielt Adele — die Todesanzeige. Sie wurde durch diese plötzliche Trauerbotschaft furchtbar erschüttert. Wäre st« Herrin über stch gewesen — sie hätte sofort die Reise nach Frankreich unternommen, die Freundin, die sie erst jetzt so recht schmerzlich entbehrte, wenigstens im Sarge «och einmal zu umarmen. So konnte sie sich nur brieflich an den - 618 Grafen wenden, sich eingehendere Mittheitungen über da» betrübende Sreigniß erbittend. Graf Degenstein antwortete auch sehr ausführlich, in einem Tone, der ein beredte« Zeugniß für seinen unendlichen Schmerz über den Verlust ablegte. Nach seinem Berichte war da» Furchtbare, Unfaß» bare überraschend jäh hereingebrochen. Die Pariser Aerzte waren Thekla» plötzlich wieder auftretender Krankheit gegen» über rath» und machtlos gewesen. Der Rothlauf der Kopf» rose hatte mit entsetzlicher Geschwindigkeit um stch gegriffen; schon vierundzwanzig Stunden nach der ersten Wiederkehr der vermeintlich endgiltig überwundenen Fiebererscheinungen war die Aermste ihrem Leiden erlegen unter Bewußtlosigkeit und Delirien. — Etwa ein halbes Jahr darnach kam der junge Wittwer nach Wien und stattete im Hause Effenberg eine formelle Visite ab, auf die jedoch bald ein regerer Ver» kehr folgen sollte. Adele gefiel die stumme Trauer, mit der er sein Geschick trug. Wohl mochte er sich der Verstorbenen gegenüber Manche» zum Vorwurf zu machen haben; um so inniger war aber nun offenbar seine Reue über alle die Fehltritte während der Ehe. Jedenfalls bewie» er durch sein Verhalten seither, daß er die Thorheiten der jugendlicheren Periode abgethan hatte, und mußten die fünf Jahre tadel» loser Führung auf die Sünden während seine» dreijährigen Ehestandes wohl als Sühne für diese hingenommen werden. Wie nahe ihm das Andenken der Seligen ging, war schon daraus zu entnehmen, daß er — während er in der ersten Zeit alle Personen, die mit Thekla in den entferntesten Beziehungen gestanden, eifrig aufsuchte — schließlich jeder Reminireenz seiner Ehe auswich, wiewohl man ihm deutlich ansah, daß sich seine Gedanken unausgesetzt damit beschäftigten. Er war überhaupt „ein ganz Anderer" geworden; wortkarg, in sich gekehrt, schwerfällig in feinem ganzen Wesen. Er verkehrte «urmehr im Hause Effenberg. Aus feinem Anfang» nur für kurze Zeit beabsichtigten Wiener Aufenthalt wurden Monate. Es war nicht zu verkennen, daß er sich vor der Rückkehr nach dem Orte scheute, wo er mit Thekla größten« theil» gelebt hatte. Und al» er schließlich doch ging, machte er kein Hehl daraus, daß er in der Familie Effenberg den wohlthuendsten Trost gesunden. Im nächsten Herbste kam auch er wieder; er hatte sein Stammschloß Chlobonitz verkauft und die übrigen böhmischen Güter in Pacht gegeben. Im darauffolgenden Jahre erwarb er in Rteder»Oesterreich Be» fitzungen, verlebte aber doch fast alle Zeit in Wien, stet- eifriger Hausfreund der freiherrltchen Familie. Aber erst Jahrs mußten vergehen, bis der stille Mann Abelen zu er» kennen gab, daß feine ihr gewidmete Werthschätzung all» mälig in tieferen Gefühlen Wurzel geschlagen hatte. Und auch da bedurfte e» der Vermittelung von Avelens Mutter, ihn zu einer offenen Erklärung zu bringe». Adele war Anfang» darüber erschrocken; sie hätte sich ja am liebsten für di« Ehelosigkeit erklärt- Aber dieser! Vorsatz mußte ebenso wie der, sich ganz und gar ihrer geliebten Kunst zu widmen, am Willen der Eltern scheitern. Gab sie im Ersteren nach, so durfte sie hoffen, sich dadurch doch einigermaßen den anderen zu retten, da Degenstein ihren künstlerischen Neigungen alle Freiheit zusagte. Der Graf war ihr bekannter als irgend ein anderer Mann, sie hatte ih n Hochachtung entgegenbringen gelernt, ja sie fand stch sogar gerührt — durch den stummen, innigen Dank, mit welchem er stch ihre Thellnahme hatte zum Tröste gereichen lassen, und so nahm fie im vergangenen Winter seine Werbung endlich an. In diesem Winter, vor wenigen Monaten erst? Adele überkam jetzt ein beinahe unheimliche« Staunen. War's ihr doch, al« dauere dieses kühle Brautoerhältniß schon Jahre lang — freilich, e» hatte ja nicht« in dem Verkehr geändert, in dem fie seit seiner Wittwerschaft mit ihm gestanden hatte, und so hätte fie glauben können, würde e« auch die ferneren Jahre zwischen ihnen bleiben: höfliche Freundschaft von beiden Seiten, gegenseitige Garantie größtmöglicher Freiheit, ein ruhige« Nebeneinanderleben unter der Form eine« Bündnisses, da» Vielen vielleicht nur deshalb unheilvoll geworden ist, weil fie — zu große Glücksanfprüchs daran knüpften. Die arme Thekla! Sie hatte ihren Brautstand i« Märchenträumen verlebt und dann war ihr in der Ehe nur schmerzliche Enttäuschung zu Theil geworden. Ja, erst seit heute, seitdem Adele jenes Papterblättchen au» der herzsörmigen Kapsel vor Augen gekommen war, begriff fie die ganze Tragik in dem Geschicke der Jugendfreundin: zuerst enttäuscht und ernüchtert, bis zur Verzweiflung am Leben darniedergedrückt, dann — in einem neuen Grunde den Hoffnungsanker wer» fend, ein neues Aufflackern von Glücksgefühl in sich spürend, um schließlich, ehe die Wintersaat genügsam gewordener Wünsche noch Halme getrieben, p'ötzlich — sterben zu müssen, von der Faust eine» tückischen Schicksal» gefällt, da» der armen Frau auch die Befriedigung in bescheidenerer Sphäre nicht gönnen wollte! Noch am selben Abend kamen die Dinge vor Herrn von Degenstein zur Sprache. Der Graf fand sich heute, wie fast alltäglich feit der stillen Verlobung, am Familientische ein. Adele« gedanken« schwere Miene fiel ihm alsbald aus. „Die Erinnerung an die Verstorbene, die un» Beiden so theuer war, ist heute wieder besonders lebhaft an mich herangetreten," beantwortete sie feine rücksichtsvolle Frage. „Es war ein merkwürdiger Zufall dabet im Spiele." Degenstein nickte wie zu einem Ausdruck förmlichen Bedauerns. Seine Miene ließ dabei wohl erkennen, daß ihn die an die Baronesse gerichtete Frage reute und er deshalb keine weitere stellen wollte. Auch der Freiherr Nikolaus von Effenberg schüttelte stirnrunzelnd den Kopf. Nach seiner Meinung hätte man die Verstorbene doch endgiltig ruhen lassen fofl-n; derlei Erörterungen zwischen dem nunmehrigen Brautpaare konnten doch nur peinlich berühren. Noch mehr mußte er sich aber dann verwundern, als seine Gemahlin diese» Thema, statt e« zu vertuschen, mit einem Eifer aufgriff, der genugsam verrieth, daß die Tochter sie diesmal zur Vertrauten gemacht hatte. „Adele will sagen, daß sie jetzt erst den ganzen Schmerz ermessen könne, den Sie über den srühen Hingang Thekla» empfinden mutzten. Sie haben uns verschwiegen, lieber Norbert, datz es ein — doppelter Verlust war, der Sie damals traf." „Wieso?' fragte der alte Baron verdutzt. Degenstein sah die Schwiegermama nur mit großen Augen an. Diese drückte dem Grafen die Hand. „Er lag Heroismus in Ihrem Schweigen, wir begreifen da«." „Aber ich," warf der Freiherr dazwischen, „ich begreife nicht das Mindeste. Was meint Ihr denn und warum bringt Ihr da« Alle» jetzt — fo unpassend als möglich — zur Sprache?" „Ja, freilich, Du weißt noch nicht», Nikolaus. Nun, so höre: der Graf begrub mit seiner jungen Gattin auch die Anwartschaft auf — einen Leibeserben." Adele, die eben im Begaff gewesen war, dem Bräutigam au« dem Impulse innigen Mitleid« die Hand zu reichen, hielt erschrocken inne vor dem plötzlichen Aurdrnck feiner Miene. E« war, al» wäre ein fahler Blitz darüber hingezuckt. Herr von Effenberg fuhr herum, fich an den Gast zu wenden- „Ist das wahr?* Degenstein legte die Hände auf die Lehne des Stuhle», hinter dem er stand und streifte die drei Personen mit einem unstäten Blick. „Sie sehen mich — vergeben Sie mir! — auf da» Aeußerste — betroffen ... Ich könnte — ich . . . Erlauben Sie mir die Frage, meine Damen, auf welche Weise Sie zur Kenntniß eines Umstandes gekommen sind . . ." „Der, wie Sie meinen, nur Ihnen und — der Verstorbenen bekannt war?" fiel die Baronin ein. „Ja, da» mag Ihnen Adele erklären. — Aber ich sehe, daß wir besser daran gethan hätten, die geheimste Tiefe Ihrer Wunde nicht 519 - aufzudecke«. Armer, armer Mann! Wenn ich geahnt hätte, daß es Ihnen heute noch so nahe geht . . ." Dsgenstein winkte ihr mit einer Hand, abzubrechen und fuhr sich mit der anderen über die Stirn, schwer ausseufzend. DaM kehrte er sich gegen Adele mit einer schmerzlichen Frage ittl Die Baronesse zog ein Lebertäschchen hervor, aus welchem sie vorerst jenen kleinen Zettel nahm, der ihr heute in die Hände gefallen war. „Beurtheilen Sie selbst, Norbert/ sagte sie leise, „wie es mich berühren mußte, als mir diese Zeilen vor Augen kamen! Sie sind von Theklas Hand - ich erkannte die Schrift sofort." Degenstein suchte seiner Bewegung Herr zu werden und griff nach dem Papierchen. Aber als er das erste Wort am oberen Rande des Zettels las, ging wieder ein Beben durch sein Gesicht. „Chlobonitz!" entschlüpfte es ihm unwillkürlich, und sein Arm sank herab. „Wozu das Alles?" mengte sich jetzt wieder der Baron in nttvöser Erregung ein. „Legen Sie das Ding bei Sette, bis Sie es mit mehr Sammlung zur Hand nehmen können! Jetzt, wo Sie schon der Name jenes Ortes so furchtbar erschüttert, sind Sie jedenfalls nicht im Stande, noch mehr von dem zu vernehmen, was Sie wie eine Botschaft aus der andere» Welt anmutheu muß." Der Graf schien zu überlegen. Die Rücksicht auf die «Ä 68 °uch wohl, einem weiteren Anlaß zu G^UtttMigungen auszuweichen, die als Beweis für feine unaufhörliche Klage um die Verstorbene gedeutet werden konnten. „Wie kommen Sie zu diesem — Erinnerungszeichen?' fragte er dann langsam, mechanisch, und drehte dann da« ^knitterte Blättchen zwischen den Fingern, während sich sein Blick geistlos in s Leere verlor. Adele gab Auskunft; man habe ihr ein Medaillon vor- gelegt, von dem man vermuthete, daß es Thekla verloren ^tte — eine Muthmaßung, die sich ihr durch diese Hand- schrtft, die sie im Innern der Kapsel gefunden, denn auch unzweifelhaft bestätigt habe. w Degenstein nickte, aber es schien fast, als habe er die Erklärung der Baronesse nicht angehört. Nun hob er den kleinen Zettel abermals zu den Augen empor und las ibn mit großer Aufmerksamkeit. „Chlobonitz, den 2. Februar 1889 — So birg auch Du, und nur Du, kleine Kapsel, Herz an meiner Hand, die große Botschaft, die das Herz in meiner Brust erzittern macht! Bor vier Tagen noch mehr seelisch als körperlich krank — heute himmlisch begnadet durch die endlich zur Gewißheit gewordene Ahnung: Du bist Mutter! — Norbert, dem ich es heut früh gestand, war zuerst sprachlos vor Entzücken. Jetzt regt sich in mir die Hoffnung: Das wird uns wieder vereinigen! — Gott geb' es! — Noch will ich's Niemand sonst sagen — Norbert meint, e» sei nicht angenehm, Nachbarn und Domestikenvolk davon schwatzen zu wissen. Und es ist ja auch köstlich, so ein süßes Geheimniß zu hegen!' Degenstein hob den Kopf, sah der Reihe nach in die drei Gesichter, die an seiner Miene hingen, und — las dann d»e ganze winzige Schrift, Zeile um Zeile, nochmals mit dem größten Interesse durch. Hierauf griffen feine Finger zu, als wollten sie bas Papier zerflücken, da intervenirte aber Adele, indem sie rasch seine Hand faßte- „Nicht doch! Lassen Sie es mir, dieses Andenken, Norbert, wenn Sie sich schon nicht überwinden köinen, es selbst zu behalten! Ich verspreche Ihnen, es nie wieder vor Ihren Blick kommen zu lassen und seiner nie zu erwähnen. Ich wollte ja überhaupt, ich hätte Ihnen den Schmerz dieser traurigen Erinnerung erspart!" Der Graf verneigte sich galant, mit einem etwas starren Lächeln auf den Lippen. r was Eigenes um solche Erinnerungen," $te " nach einer Weile. „Thekla war immer etwas träumerisch angelegt; symbolische Handlungen waren ihr zu- ®e!£e” Bedürfnis Aus einem solchen muß der wunderliche Entschluß entsprungen fein, ihre Hoffnungen - das süße Geheimniß, wie sie da sagt — gewissermaßen verbrieft und besiegelt zu hinterlegen. Sie ahnte nicht, wie bald diese Zeilen zu einer — Hinterlassenschaft werden sollten — Mir hätte es zu weh gethan, das Geheimniß, das ich mit ihr begraben glaubte, im theilnehmenden Freundeskreise hinterher noch zu offenbaren. Ich glaubte das Traurige besser allein zu tragen. - Nun scheinen allerdings die indisereten Blicke gänzlich fremder Personen dies schwärmerische Selbstbekenntniß der armen Frau entweiht haben . . .?* »Ich glaube, nein," erwiderte Adele und erzählte, wie sie zu der Kapsel gekommen war. Der Finder des Medaillons scheinet von dem eigenartigen Verschlußsystem desselben keine Ahnung gehabt zu haben. Andernfalls hätte er ja des darin befindlichen Zettelchens doch erwähnen müssen, als eines Factors, der auf die Spur der Verlustträgerin leiten könnte. Sie zeigte ihm jetzt auch das blaue Herz und die Art, wie dessen zwei Hälften zusammengefügt werden konnten. „Thekla trug es an einem in derselben- Farbe emaillirten Armband. Ich habe es damals getreulich auf ihr Portrait gefetzt, ohne mich jetzt noch daran erinnern zu können. Der Bediente des Attaches Fröden glaubte es gleich zu erkennen- Und sie, Norbert, wissen sich auch nicht mehr darauf zu besrnnen ? Jch dachte, es wäre vielleicht ein Geschenk von Ihnen selbst - in Neapel gekauft, wie die Inschrift darauf errathen ließe." , Degenstein drehte das Berlok kopfschüttelnd zwischen den Fingern. „Von mir rührt es nicht her. Thekla mag sich das Ding — sammt dem Armband, von dem sie sprechen — wohl während unseres Aufenhaltes in Neapel selbst gekauft haben. Sie hatte viel Freude an so zierlichem Schmuck und besaß eine große Menge davon. Ich kann nicht behaupten, gerade dieses an ihr gesehen zu haben. - Wo und wann soll es übrigens gefunden worden fein?" »Das habe ich den Mann eigentlich zu fragen vergessen. Ich habe der ganzen Angelegenheit ja erst später, als ich den Inhalt des Berloks entdeckte, Bedeutung betgelegt." „Der Lakai mag es vielte cht schon aus dritter oder vierter Hand haben," setzte die Baronin hinzu, von einem Ihrer einstigen Domestiken auf Chlobonitz." „Wahrscheinlich," entgegnete der Graf. „Es ist mir "ur lieb, daß ich nun doch annehmen darf, Theklas Hand- schrtft sei vor keine profanen Augen gekommen." Adele nickte. „Wir dürfen es zuversichtlich hoffen. - Ich kann mir überdtes leicht Gewißheit davon verschaffender Bediente will ja nächstens wiederkommen, um anzufragen' ob Sie das Medaillon als das Etgenthum der Verstorbenen rehalten hätten. Und Sie dürfen das selbstverständlich, da a sein Inhalt keinen Zweifel mehr darüber zuläßt." „Freilich, freilich! — Und so bitte ich Sie, Adele neben dem Notizblättchen, das durch Ihre Pietät so viel Werth gewinnt, auch seine Hülle als Andenken an die Ver- storbene zu bewahren! Ich könnte Beides nicht in besseren Händen wissen." " Damit überreichte er ihr das blaue Berlok und küßte ihr dabei ehrfurchtsvoll die Fingerspitzen. P „Es soll mir ewig theuer sein!" Der alte Freiherr war froh, die Sache endlich erledigt zu sehen und erinnere daran, daß im Speisezimmer das ra e' welchem man sich zu einem Genießen der heiteren Gegenwart vereinen möge. (Fortsetzung folgt.) Im Zwielicht. Novellette von M. C. Larpenter Meyer. ------- (Nachdruck verboten.) Zehn Jahre war er fern gewesen unten im Caplande, nun war er heimgekehrt, lebensfroh, lebensvoll, lebensdurstig. Die im Frühlingsschmuck prangende Natur, die erwachende Pracht der Weltstadt erschien ihm al» nur für ihn geschaffen, da» Zwitschern und Jubiliren der Vögel in den knospenden Zweigen nur ihm zu gelten, sür ihn nur dufteten die Blumen, gaukelten die Schmetterlinge im Sonnenschein, ste alle dünkten ihm Willkommengrüße zu sein für den Heimgekehrten. Da» Pusten und Stöhnen der Eisenbahnen, die Klingel der Pferdebahnen, da» Ausrufen und Schreien auf den Straßen kam ihm alles vor wie ein liebe», vertrautes, unentbehrliches Etwas zu feinem Leben. Er hatte vorzüglich dlnirt, dinirt nach alter Sitte, gute, deutsche Speisen, während alter, goldheller Rheinwein, der ihm köstlicher mundete als alle feurigen Eapweine, in seinem Römer funkelte. Sine innere Unruhe ließ ihn auf- und niedergehen in dem großen Hotelzimmer; ein seliges Gefühl hatte ihn erfaßt, ein wonniger Taumel — nicht Weinrausch, — Freude am Leben, ein Rausch über fließender, männlicher, ungebrochener Kraft, ein Gefühl, das einen Jeden überfällt, der nach jahrelanger Abwesenheit siegreich und erfolggekrönt au» dem harten Kampf ums Dasein zurückkehrt in die alte nievergeffene Heimath. Er empfand es besonders dankbar, wieder daheim zu sein, nicht gebrochen an Leib und Seele wie tausend andere, sondern strotzend von Jugendkraft und Gesundheit, gestählt an Körper und Geist und im Besitz dessen, weshalb er aurgezogen — Reichthum- — Arm und aussichtslos hatte er damals die Heimath verlassen und lange Zeit sah es um seine Zukunft gar trübe aus — bis endlich doch das Glück bet ihm einkehrte I Die Zeit der große» Diamanten- und Goldfunde im Caplande, die so manchen armen Teufel über Nacht zum reichen Manne gemacht, half auch ihm. Er war einer der Glücklichsten; das launischste der Weiber, Fortuna, lächelte ihm holdselig und warf ihm ein enormes Vermögen in Gestalt jener kostbaren Steine in den Schoß — ja Fortunas Gunst ging noch weiter, er gewann nicht nur die Millionen, ste blieben ihm auch erhalten; ein gütiges Schicksal führte ihn hinweg von jener Stätte, wo nur zu oft die eben gewonnenen Schätze wieder zerrinnen; es führte ihn heim!-- Langsam, im Vollbewußtsein seines Glücks, reckte er seine hohe nuskulöse Gestalt noch höher auf und zwirbelte den straffen Schnurrbart noch fester und kühner. Wie berauschend schön war es doch, vollkommen frei und unabhängig zu sein, ohne Sorge sür den anderen Tag, für die Bedürfnisse der Zukunft; erst diese Stunde ließ ihn erkennen, wie keine zuvor, wie glücklich er war. Er nahm seinen Hut und verließ da» Hotel. Ziellos schlenderte er durch die Straßen, durch die wogenden Menschen hindurch, hörte ihre Unterhaltung, beobachtete ihren Gang, ihre Kleidung — bi» dahin hatte er nicht daran gedacht, jetzt erst fiel es ihm ein — daß er ällein sei. Allein war er ja stets gewesen, so lange er denken konnte. Familie, Angehörige Hütte er nie gekannt, allein war er auch damals gewesen, als er ging — bis auf eine kurze Zeit, da hatte er geglaubt, daß es mit dem Alleinsein vorbei sei. Zögernd blieb er vor einer Anschlagsäule stehen. Wohin nun? Er überlas die angekündigten Vergnügungen: Lady Macbeth, die Räuber, Tell, Sinfonieconeert. Da» war alles nicht». Da fiel sein Blick auf ein großes malvenfarbiges Plaeat, auf dem ein Amazonenbildniß fein Auge fesselte. VariSts-Theater. Auftreten der berühmten Jllustonistin Mademoiselle Lelia." Sr winkte eine vorüberfahrende Droschke heran: „VariLiS-Theater I srs — Nachdem er ein Parquetbillet gelöst, trat er ein; doch erschreckt wich er zurück, was war das? So oft e» ihm damals vor Jahren seine beschränkten Mittel gestattet, war er in« Theater gegangen, doch stet» waren dieselben hell erleuchtet gewesen, ja! er entsann stch genau, daß von seinem Platze auf dem höchsten Olymp da» Funkeln der Brillanten und die kostbaren Toiletten der eleganten Damen in den Logen ihn entzückt hatten, er erinnerte stch i auch noch sehr wohl der Wandgemälde, die die Theater geziert, und hier im größten Vergnügungsetabliffement der Welt um- ' gab ihn Finsterniß. Hin und wieder der Umriß eines Kopfe», ein blitzende» Juwel, ein weißichimmernder Arm, das war alles, was er i unterscheiden konnte. Befremdet wendet er stch an den Diener: „Warum herrscht hier diese Dunkelheit und seit wann?^ i „Die neueste, wirkungsvolle Scenerie, mein Herr, Made- moiselle bedarf derselben zu ihrem Debüt." Er nickt und strebt mechanisch weiterzukommen. Da, etwa» Blitzende«, Kalte» und ein weicher, warmer Körper — er ist gegen den Stuhl einer Dame gerannt. „Ich bitte vielmals um Entschuldigung, meine Gnädigste, aber diese Dunkelheit —— — — — — — -' „D bitte, e» hat nichts zu sagen!" Es liegt nicht» Besonderes in der weichen Frauenstimme, ; keine Koketterie, weder Neugierde, noch Abweisung, und doch fesselt ihn die Stimme, er nimmt zu ihrer Seite Platz. (Schluß folgt.) Literarisches ließet Cambridge und die Frauen-Eelleges schreibt eine Wienerin, die sich zu Studienzwecken in Cambridge aushält, sehr interessant in dem neuesten Hefte Nr. 3 der „Wiener Mode*, dessen Inhalt überhaupt wieder außerordentlich reichhaltig ist. So bringt es z. B. 72 Originalzeichnungen für Mode- und Handarbeit, den Lehrcuri bei Schnittzeichnens für Leib- und Bettwäsche und im Unterhaltung^ theile Beiträge von Wilhelm Jensen, Hermine v. Preuschen, Auguste Klob, Marie Herzseld u. A. 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Schkchda. — Druck mrd Krrlag der BrÜhl'jchen Uviver-Kw-Duch- mid ©teinbrudtrei (Pietsch & Scheyda) kt Der von Essen Ministerin milie war karten - Al anmelden Er v dem Geda haben, bei formali'ät Effenberg« Abends a nicht mehi »3s, Vergange» möchte, e Adele, ®ii werde miet Aurkunft den Manr „Gai »3n etwas bur an Ihrer erfahren, । der mater gekommen Wehmuth, nicht für 1 das Meda Bediente, kunft des! lieber Nor Gemahlin hätten die