ümiliekßlÄtek jSKSKS!' Unterhaltmgsblatt?um Meßmer Anzeiger (Gemral-Aiyriger) L8S«» 5. September Roman von E. v. Linden. (Fortsetzung.) „Sie hätten in diesem Falle seine Bitte abgeschlagen?« „Möglich oder vielmehr unzweifelhaft," versetzte Baron Justus kalt und fest. „Selbstverständlich hätte ich Dir eine hinreichende Summe gesandt, um Dir in Deinem Geburt-, lande, wo Du Dich im Grunde mit Deinen Gewohnheiten und Lebens. Anschauungen am wohlsten fühkn mußt, die Bahn zu ebnen. Was hast Du denn eigentlich gelernt? Hans Justus dampfte dem alten Herrn ungenirt ins Gestcht und lachte dann spöttisch und überlegend. „By jovel" erwiderte er achselzuckend, „das ist eine sonderbare Frage, Herr Oheim I Ich habe Tausenderlei ge. lernt, zum Exempel —" „Ich frage, welchen Beruf Du Dir erwählt hast?" unterbrach der alte Herr ihn scharf. „Wahrscheinlich bist Du, was dort am meisten Geltung hat, ein Krämer?« „ „Bah, ich bin ein Gentleman, das ist Alles gesagt, lautete die stolze Antwort. „Einer, der Geld zu verdienen ober es nur auszugeben versteht?« fragte der Baron ironisch. „Wahrscheinlich das letztere, bist sicherlich in jedem Sport bewandert.« „Es giebt darin nichts, worin ich es nicht bis zur Meisterschaft gebracht habe. Reiten, Jagen, Schwtnnmn, Rudern, Schießen, Fechten, Radfahren, Wettlaufen, was Sie wollen.« „Und hast eine Existenz davon?« „Bah, dann wäre ich kein Gentleman und nicht herübergekommen zu Ihnen.« Die Offenheit, welche in diesem naiven Bekenntniß lag, fravvirte den Baron. Er lachte. „Unb was gedenkst Du denn eigentlich hier bei mir vorzustellen?« fragte er etwas milder. „Sportsmänner kann ich nicht gebrauchen, sie sind in meinen Augen, da sie nur Liebhaberei betreiben, Faullenzer, nichts weiter. Hier muß ein Jeder, vom Schloßherrn bis zum Kühjungen herab, feine Schuldigkeit thun. — Hat Dein Vater Dir nie von den Pflichten und Mühen eines deutschen Land. Edelmannes Hans Justus zündete sich eine neue Cigarre an und sagte, sich bequem zurücklehnend: „Er hat mir oft erzählt, daß das Rittergut Altinghof der schönste und reichste Herren- sitz dieses Landes sei und daß Baron Justus von Alling durch eine Thorheit, nämlich durch meines Vaters Entsagung, der glückliche Besitzer desselben geworden sei." „Dein Vater ist tobt,« erwiderte der alte Herr mit stahlharter Stimme, „und von den Tobten soll man bekanntlich nur Gutes reden. Da ich dieses aber nun nicht kann, so will ich Deine letzte Aeußerung, welche sonst eine andere Antwort verdient hätte, nicht gehört haben. Ich muß näm» lich voraussetzen, daß er den Grund unserer Entzweiung Dir nicht mitgetheilt hat.« „Rein,« sagte der junge Mann, die Augen vor dem scharfen Blick des Oheims senkend. „Gut, so brauchst Du ihn auch nicht zu erfahren,« fuhr dieser rasch fort. „Im ländlichen Grundbesitz, sei es der bäuerliche oder der ritterschaftliche, herrscht im deutschen Norden das Recht der Erstgeburt, doch nur insoweit, als es die Anwartschaft auf den Besitz trifft, während die nachgeborenen Kinder von dem jeweiligen Nachfolger des Vaters ihr Erbe ausbezahlt erhalten. Wir waren zwei Söhne, mir, als dem ältesten, fiel über kurz ober lang der Besitz zu. Dazu aber mußte ich die Landwirthfchaft erlernen, während ich Soldat, also Offizier werden wollte. Als weder Ueber- redung noch Drohen meines Vaters fruchtete, mußte ich mein Recht auf den nächgeborenen, um zehn Jahre jüngeren Bruder übertragen. — Doch auch dieser verabscheute dar Landleben und setzte es bei dem Vater durch, Marineoffizier zu werden. Dann kam das Jahr 1848, der Aufstand der Herzogthümer, es war eins unglückfelige Zeit, die Politik zerriß viel Glück, viele Familenbands. Ich blieb der Hei- math getreu, während Dein Vater in den Reihen des Feindes kämpfte. — Wäre ich damals gefallen, es hätte alles anders kommen müssen, nur das Eine muß ich hervorheben, daß nicht ich dis Schuld an dem Zerwürfniß trug, welches Deinem Vater die Carriöre kostete und ihn aus der Hemiath vertrieb. Unsere Eltern waren, dem Himmel sei Dank, I schon tobt, als jene Katastrophe eintrat, doch war ich vor — 414 — dem Tode unserer Mutter, und zwar auf Betrieb Deines Vüterr, in meine alten Rechte wieder eingesetzt worden, da meine Verzichtleistung ja nur im Himblick auf die auch sfr» väterliche Bedingung geschehen war. Als mein Bruder sich sein Erbtheil auszahlen ließ, war die Sache entschieden. — Ich habe diese Auseinandersetzung für nöthig gehalten, um Deine Ansichten über diesen Punkt ei»Jär allemal klar zu stellen. Du siehst in mir den recht, mäßigen Besitzer von Altinghof, der keinem Menschen auf der Welt darüber Rechenschaft abzulegen hat, weder Tobten noch Lebenden. — Dies meine Antwort auf Deine seltsame Be. merkung. Wenn ich nun auch die moralische Ueberzeugung Deiner Blutsverwandtschaft mit mir aus Deinen Zügen schöpfte, setzte der alte Herr nach einer kleinen Pause hinzu, I® muß ich Dich doch, bevor wir zu einem festen Lebensplan für Dich übergehen, um Deinen Geburtsschein ersuchen, da mir als Gutsherrn die gerichtliche Verpflichtung obliegt, die Personalacten meiner Guts- Angehörigen zu registriren." Hans Justus lachte in seiner unangenehm spöttischen Art, welche dem alten Herrn das Blut erregte. Goddazn, tie6et Onkel," rief er, aufstehend und sich in seiner ganzen imposanten Höhe aufreckend, „solche Schnurren und Narrheiten können drüben in meinem Vaterlande nicht vorkommen. Man würde dort kurzen Prozeß mit Personal- Acten und ähnlichem Krimskram» machen. Aber ich denke, mit einem solchen Wisch dienen zu können, mein Vater gab ihn mir, bevor er starb. Meine Brieftasche, ja so, ich trage sie bei mir." Er zog ein ziemlich defeetes, unsaubere» Buch au» der Brusttasche, setzte sich nieder und kramte in verschiedenen Papieren umher, während der alte Baron ihn stirnrunzelnd betrachtete und den Neffen nach seinem Aeußern, wie nach dieser unsauberen Brieftasche für einen verlotterten Abenteurer hielt, den er um jeden Preis wieder nach Amerika zurück, senden müsse. Nicht» konnte den alten an die peinlichste Ord. nung gewöhnten Offizier mehr beleidigen und erzürnen, als Unordnung und Unsauberkeit, sein Urtheil stand in solchem Falle gleich unumstößlich fest. w »Aha, da ist der kostbare Wisch," sagte Hans Justus, dem Baron ein beschmutztes Papier hinreichend, „denke mir, daß es genügen wird." Der alte Herr ergriff bas Papier zögernd und mit spitzen Fingern, war» denn möglich, daß sein eleganter Bruder einen solchen Sohn haben konnte? Oder war Hans Joachim schließlich in jenem nur halbcivilisirten Welttheil selber so tief gesunken? — Seine Augen hefteten sich auf den Inhalt des Papiers, das fich wirklich als ein in englischer Sprache ausgestellter Geburtsschein erwies, wonach der Sohn des ehemaligen König!, dänischen Marinelieutenants Hans Joachim von Alting und seiner Ehefrau Helene, geborenen Rössing au« Hamburg am 3. December 1861- in Newyork geboren und auf die Namen Hans Justus getauft war. „Du erlaubst wohl, daß ich diesen Schein einstweilen in Verwahrung nehme," sagte der Baron, da» Papier zu« M auf den Tisch legend, „einen Paß wirst Du doch auch haben. _ jW®?! siK. den mußte ich schon auf dem Schiffe, ,bie deutsche Zwangsjacke angelegt wurde, vorzeigen. Da ist der Steckbrief." . Der Paß, welcher ebenfalls beschmutzt war, bezeichnete den Besitzer nur al» Mr. Hans Justus Alting aus Jefferson, Missouri, und da die Personal-Beschreibung in allen Theilen jebtr Zweifel beseitigt, daß der junge Mann ein legitimer Neffe de» Barons war. ,.Du scheinst drüben in einer Sphäre gelebt zu haben, welche den äußeren Menschen nicht sonderlich beachtet hat", sagte der alte Herr, den Paß zu dem Geburtsschein legend, mit einem unterdrückten Seufzer. „Es gab eine Zeit, wo Dein Vater die äußerste Sauberkeit und Ordnung selbst für den gemeinen Soldaten, geschweige denn für einen Edelmann oder Gentleman als selbstverständlich voraussetzte, — weshalb hat er diese Ansicht bei seinem Sohne außer Acht gelassen?" Das gebräunte Gesicht des Amerikaners färbte sich dunkelroth. w „Sie scheinen mich wie einen Schulbuben behandeln und examiniren zu wollen, Siri" brauste er auf „wenn das deutsche Gastrecht darin besteht, dann bedauere ich, dem Be« fehl meines sterbenden Vaters nachgekommen zu sein." „Ich bedauere es ebenfalls," erwiderte der Baron mit fester Stimme, „da unser kurzes Beisammensein mich bereits hinreichend darüber belehrt hat, wie unmöglich es für Dich sein wird, Dich unseren Lebensbedingungen, die als Gesetz hier gelten, anzupaffen, und daß demnach weder für Dich noch für mich Gutes daraus entsprießen kann. Ich dulde keine Unordnung und Unsauberkeit in meinem Bereiche, dulde keinen Faullenzer, welcher die kostbare Zeit mit unnützen Liebhabereien tobt schlägt —" „Ah, die Sclavenpeitsche also mit Ausnahme der sonntäg. lichen Beterei," unterbrach Hans Justus ihn, brüsk und spöttisch lachend. „Nein, Arbeit und Gottesfurcht, mein Freund, das Du Beides nicht gelernt zu haben scheinst," versetzte der Baron ruhig. „Ich will nichts Unmögliches von Dir verlangen, sondern vorerst nur den guten Willen sehen, da» zu lernen und nach und nach zu leisten, was ich mir selber auferlege. Du wirst alsdann noch Zeit genug für Dein Sportsthum behalten. Ich liebe ebensowenig Heuchelei wie Spötterei in religiösen Dingen, verlange aber Respect vor Allem, was dem Menschen heilig sein soll auf Erden, somit auch den Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes. Willst oder kannst Du Dich dieser Ordnung fügen, dann sei fortan mein Hausgenosse, erscheint sie Dir aber als Zwangsjacke, gut, dann sprich Dich offen aus, und ich will auch Dir, dem Sohne meines Bruders, ein Erbtheil geben, groß genug, um Dir drüben in Deinem Vaterlands eine ehrenhafte Existenz zu gründen. Ueberlege es Dir, Hans Justus, in vier Wochen wirst Du es einsrhen können, was für Dich das Beste ist. Bist Du damit ein. verstanden?" Der junge Mann nickte und schlug in die dargebotene Hand des trefflichen alten Herrn, dem er nothgedrungen seine Anerkennung nicht versagen konnte. „Ich denke," fuhr Baron Justus jetzt in etwas leichterer Stimmung fort, „den Jagdwagen anspannen zu lassen, und mit Dir nach dem zwei Stunden von hier entfernten Flecken, der hinter der Eisenbahn.Station liegt, zu fahren, um Deine Garderobe ein wenig aufzufrischen. Sie haben dort auch Läden mit fertigen Kleidern und wird sich wohl was Passendes für Dich finden. Du hättest Dich sollen in Hamburg neu equipiren." „Wäre auch geschehen, wenn meine Börse er erlaubt hätte," erwiderte Hans Justus achselzuckend, „das Geld reichte leider nur noch für die Eifenbahn-Reise." „So, so, na, da halte Dich nur parat für unsere Fahrt." 5. Capitel. Der Sport».Held. Drei Wochen waren seitdem verflossen. — Das urplötz» liche Erscheinen eines amerikanischen Neffen auf Altinghof hatte in der ganzen Gegend und weit darüber hinaus, be. sonders aber in den adeligen Kreisen ein ungeheueres Auf. sehen erregt. Alte, längstvergeffene Geschichten wurden wieder lebendig und der Name des „dänischen" Alting, wie man Hans Joachim genannt, war plötzlich wieder in Aller Munde. Was damals, vor mehr als einem Vierteljahrhundert, den schönen Marinelieutenant zum Dienst. Austritt und zur Auswanderung veranlaßt hatte, wußte Niemand genau, nur soviel war darüber ruchbar geworden, daß eine Frau auch hier wie gewöhnlich im Spiel gewesen sei, natürlich ein wunderschönes Weib aus bürgerlichem Hause, das der dänische Alting entführt und geheirathet habe. Soweit war Frau Fama auf richtiger Fährte, das Uebrige blieb im Dunkel, da weder Baron Justus noch die Familie der schönen treu» losen Hamburgerin eine SUbe über den eigentlichen Zu- — 415 ** sammenhang des Dramas stch jemals hatten verlauten kaffen. Mit Staunen fah der Schloßherr von Altinghof, wie sein halbverwilderter Neffe sich im Fluge die Gunst seiner vornehmen Freunde und Bekannten gewann, mit welcher Liebenswürdigkeit man ihm, dem muthmaßlichen Erben und Nachfolger des reichen Oheims, entgegenkam und wie Hans Justus sich in dieser Gesellschaft bald ebenso gewandt und sicher zu bewegen verstand, als wäre er Zeitlebens darin erzogen worden. Seine Spottlust machte ihn gefürchtet, in ftiner Keckheit, welche verfeinerte Frechheit war, lag rechte Race, wie die Damen behaupteten, und im Sport, welcher Art derselbe auch sein mochte, reichte ihm keiner der Herren Landjunker das Waffer- „Ihr Neffe ist ein famoser Junge, lieber Alting," sagte der Schloßherr von Hirschholm, der alte Freiherr von Römhild eines Tages. „Mein Harald ist Feuer und Flamme für ihn, sie sind bereits die besten Freunde, und meine Charlotte schwärmt für den schönen Hans Justus, der wie ein Gott tanzt, und wie ein Teufel reitet. Ha, ha, ha, Alterchen, es ist doch hübsch, daß Ihr schönes Altinghof den rechten Erben bekommt. Der Himmel schenke Ihnen noch viele Jahre, aber sterben müssen wir schließlich alle —" m »Danke, alter Freund," unterbrach Baron Justus seinen Redefluß, „ich gedenke mich wirklich auch noch einige Jahre meines Lebens zu freuen und bin meinem Riffen keinen Heller schuldig, Sie wissen, daß ich nicht der Mann bin, der Götzendienst mit seinem Namen treibt, doch wenn Hans Justus sich desselben würdig zeigt, dann ist er der Nächste nach meiner Tochter, selbstverständlich." Sie gingen zusammen im Garten von Altinghof, die beiden alten Freunde. Der Schloßherr von Hirschholm besaß drei Söhne und eine Tochter. Die ersteren hatten dem Vater schon viele Sorgen bereitet nnd ihm manche Goldfeder aus- gerupft. Ein Sohn war Diplomat, der zweite Offizier und der älteste Harald war Landwirth, weil er dereinst dar Rittergut übernehmen sollte. „Na, Alter," brachs jetzt unwillkürlich über seine Lippen, „danken Sie dem Himmel, daß Sie keine Söhne haben, die kosten Heidengeld. So ein Mädchen verschlingt ja auch ihren Theil an Putz und Flitterkram, und nachher die Aussteuer, lieber Gott, man ist herzensfroh, wenn man sie Halbwegs gut versorgt sieht, — ich weiß nicht, aber ich an Ihrer Stelle hätte mir diese fremde Tochter nicht aufgeladen." „Ich würde meine Ellen nicht um alle Schätze der Welt missen," sprach Baron Justus ernst. «3a, ja, Sie haben ganz recht, bester Alting, das Mädchen ist eine Perle für Sie, so tüchtig in der Wirthschaft, immer freundlich und liebevoll und dabei kein Putz-Affe. man spricht ost ungereimtes Zeug. Ich wollte von ihr auch garnicht reden, im Gegentheil, von dem Neffen, der nun doch auch so gut wie ein Sohn für Sie ist. Zum Henker, Alterchen, Sie müssen ihm kein zu hohes Taschengeld geben, es verdirbt unsere ganze Jugend. - Oder hat er vielleicht noch ein väterliches Capital hinter der Hand?" Baron Justus erwiderte nichts, ein unangenehmer Ge- ihn, ein Gefühl, als ob ihm die Kehle zugedrückt würde. Dann blieb er plötzlich stehen und blickte den Freund fast drohend an. „Ich verstehe Sie nicht, Römhild!" sagte er mit ge- preßter Stimme, „natürlich empfängt mein Neffe ein nicht iu karg bemessener Taschengeld von mir. Ich wüßte aber doch nicht, inwiefern er damit einen verderblichen Einfluß ausüben könnte, wollen Sie sich nicht es deutlicher darüber erklären?" Herr von Römhild räusperte sich verlegen. „Na, sehen Sie, alter Freund, wir sind ja auch jung ßnWeien unb haben auch vielfach über den Strang geschlagen, alles Alles muß seine Zeit und seine Grenzen haben. Meine jungens kommen mir nur um zu fordern, und von den dreien war der Harald noch der einsichtsvollste, abeL seitdem diese Sportgeschichten sozusagen als Berufs« und Ehrensachen veyandelt werden, ist von einer ernstlichen Arbeit gar nicht mehr die Rede. Die jungen Herren thun justement, al» ob das Geld Spreu wäre, ich habe schon Klagen genug von unseren alten Freunden darüber gehört, und nahm mir heute vor, mal an die rechte Schmiede zu gehen. — Sie werden's mir nicht übel nehmen, lieber Alting." „Gott bewahre, im Gegentheil," beruhigte ihn Baron Justus hastig!, „mich wundert in diesem Falle nur, daß Sie mit einer Lobhymne auf meinen Neffen begonnen haben. Sind'» denn nur die Sportgeschichten, welche Sie beunruhigen?" „Allerdings nicht allein, obgleich man jetzt, wie ich erfahren, ein Wettspiel damit verbunden hat, so eine Art Totalisator, bei dem der Meister natürlich stets den Hauptgewinn einstreicht." „Sie meinen damit Hans Justus," versetzte Alting erregt, „das wäre allerdings ein Ausbeutungs-System, dem ich unter allen Umständen ein Ende machen werde. Aber verzeihen Sie, lieber Freund, — find denn die jungen Herren sämmtlich mit Blindheit geschlagen, daß ste's darauf anlegen, sich und ihre Familien zu ruiniren?" „Weiß der Henker, wie'» zugeht," seufzte Römhild, „er hat alle am Bande, auch die Frauenzimmer." „Meine Ellen ausgenommen," bemerkte Alting, finster lächelnd, „sie ist eine jener reiner Naturen, welche den Mephisto unter jeder Larve wittern." Der Hirschholmer blieb stehen und sah ihn forschend an. „Man sagt bereits allgemein, daß sie aus den Beiden ein Paar machen wollen." „Ich bin kein Kuppler, lieber Freund, und auch kein gewissenloser Vater, der sein Kind wider seinen Willen zu einer Heirath zwingen würde. Ich gebe Ihnen hiermit das ausdrückliche Recht, dergleichen Heirathspläne für Lügen zu erklären." „Nun, die Sache war so unglaublich doch nicht," meinte Römhild, „und Sie wissen wohl, daß eine Abneigung bei jungen Mädchen häufig ins Gegentheil umschlägt, zumal Ihr Hans Justus ein verdammt hübscher Kerl ist." (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziger. Um eine« Cairarienvogel von Milben nnd Läusen zu befreien, muß man zunächst den Käfig (auch die Sitzstangen) mit heißem Sodawasser gründlich ausbrühen und nach dem Trocknen möglichst alle Ritzen und Spalten mit Glaserkitt verstreichen. Dann pinsle man alle Ecken und die Enden der Sitzstangen mit verdünntem Glycerin (1:10 Wasser) ein und blase echtes persisches Insektenpulver darauf. Ebenso wird der Sockel des Käfigs und der Boden der Schublade mit Insektenpulver bestreut. Dann wird ein Zeitungsblatt darüber gelegt und ausgeglühter Mauersand aufgeschüttet. Seesand ist nicht zu verwenden, da er meist zu feucht ist und zu viel glasige Bestandtheile hat. Den Vogel selbst, der vor diesem Reinigungsverfahren natürlich in einen anderen Käfig gesetzt ist, bepinsele an Hinterkopf, Nacken und Schultern mit dem Glycerin und blase Insektenpulver darüber. Dies wiederhole einen Tag um den anderen, im Ganzen drei Mal. In der Mittagsstunde muß man dem Vogel Badewaffer reichen. Nunmehr wird das Thierchen in den gesäuberten Käfig zurückgebracht, und er wird von den Plagegeistern befreit sein. Wenn man verzinnte Käfige ohne jedes Holz mit Ausnahme der Sitzstangen verwendet, so dürste das Nebel kaum vorkommen. * • Meitze Weinsuppe. *6 frische Eidotter und 2 Eß- Uel feines Mehl werden mit einer Flasche Wein und einer Flasche Waffer angerührt, mit Zucker gehörig versüßt und mit einigen kernlosen Citronenschetben über starkem Feuer in einem gut gescheuerten Topf mit einem Schaumbesen fort» während bis zum Kochen geschlagen, und dann schnell in die Terrine gerührt, in der man vorher etwas Muskatblüthe zerrieben hat. Von dem mit reichlichem Zucker zu festem Schaum nein gewuijcut» —------ -rrÄSflr mel. Kurz vor dem Anrichten setzt man noch einen Eßlöffel Sie der Redaction I. V.: Hermann Elle. - Weitz- Fenstersimse wieder anfzufrischeu. Schlemmkreide wird mit Regenwaffer zu einem Brei verrührt und mit dieser Mischung das Gesimse so lange mittels eines Lappens abgerieben, bis es wie neu angestrichen erscheint. Der Erfolg hängt von genügend langem Reiben ab. Schonung des Emails des Kochgeschirres. Das beste und wohl auch einzige Mittel, Abspringen der Glasur von emaillirtem Kochgeschirr A verhüten, ist vor- sichtige Behandlung der Gegenstände. Läßt ^an^LVasier, Brühe rc. in denselben bis aus eine Kleinigkeit am Boden rinkochen, so muß die Glasur an den trocken liegenden Wän- den reißen- Noch schädlicher wirkt das plötzliche Vollgießen heißer Emailgeschirre mit kaltem Waffer. Man muß vielmehr warmes Waffer nachgießen ober das Gefäß erst etwas abkühlen laffen. Daß das Fallenlaffen oder Herunterwerfen auch Sprünge verursachen kann, ist natürlich; wo aber erst Sprünge sind, fällt auch bald ein Stück Glasur heraus, und so geht es weiter. , Wachstuchstoffe reinigt man am besten mit etwas Petroleum. Einige Tropfen werden auf einen wollenen Fleck geträufelt und damit die Stoffe abgerieben, wodurch selbe viel reiner und glänzender als durch andere Flüssigkeiten werden. e w Gerstensuppe» Die Rollgerste wird in Waffer mit Salz gekocht, dann eine hellgelbe Einbrenn gemacht, die Gerste aufgesüllt und mit etwas Essig noch gut verkocht. Kocht man Erbsen mit der Gerste, wird die Suppe besser. Fleischresten mit Brod gekocht Ein Löffel Mehl und gehackte Zwiebel wird in Fett gelb geröstet und mit wird Zwieback dazugegeben. Die angeführte Portion reicht für 8—10 Personen. Esfig zu. , , Kalbsgekröse. Das Gekröse wird sauber gewaschen und von den anbängenben Stfifeni (Rmmpi$ett)*2 mit lauwarmem Waffer, dem nöthigen Salz, P^rstl.e und Sellerie, einer mit vier Nelken gespickten Zwiebel und einem halben Glas Essig zum Feuer gebracht und weich gekocht- Hernach werden ein Löffel Fett und ein LöffA Mehl zusammen» gedünstet, mit einem Schöpflöffel von dem Sud aufgelöst und das in Streifchen geschnittene Gekröse darin heiß gemacht. Apfelklötze. Man schäle 5 bis 6 schöne säuerliche Aepfel, schneide sie in Stücken, bestreue sie mit seinem Zucker unb lalle sie damit etwa 1 bis 2 Stunden stehen. Inzwischen quirle man 2 Eier mit reichlich '/»Liter Mich und zwe Liter aeschmolzener Butter, rühre damit 3/* Kilogramm Meht auf, fo6 daß keine Klümpchen bleiben, schütte die Aepftl hinein und nehme beim Abstechen der Klöße immer ein Stück Apfel mit. Alsdann koche man die Klöße in kochendem Salzwaffer gar, bestreue sie mit Zucker und Zimmt und gebe sie mit brauner Butter zu Tisch. , , Flüssiger Leim. Ein sehr widerstandsfähiger für Soh und Metall sehr empsehlenswerther Leim bötge« st-llt aus: 100 Theilen Helle Gelatine, 100 Th eilen Tischler- leim 25 Theilen Alcohol und 2 Theilen Allaun. Das Ganze S ta Äff i« 300 Wta * unb ew 20arädtaer Essigsäure behandelt und gelöst. Nach Dem Trocknen der Gegenstände, die damit geleimt worden find, wird der Leim durch Alaun unlöslich. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stemdruckerei (Putsch & Geröstete Hasergrützsuppe. Dieselbe ist eine bet nahrhaftesten, verdaulichsten und wohlschmeckendsten Schleim suppen. Sie kann, wie übrigens viele Suppen, mit ober ohne Fleischbrühe bereitet werden- Man rechnet für eine Person 11/2-2 Eßlöffel Hafergrütze- Diese wird in Butter ober Butterschmalz gelb geröstet, abgelöscht, nach unb nach mit heißem Waffer aufgesüllt, gesalzen und Stunden, langsam gekocht. Beim Anrichten rührt man die Suppe mit | Ei und Rahm ab. In dem zum Auffüllen bestimmten Waffer kocht man Selleriewurzel, Lauch, Gelberübe u. s. w- Um Waschleder«- Handschuhe zu reinigen, wäscht man sie in warmem Seifenwaffer, drückt sie rein aus, wringt sie aber nicht, sondern bläst sie blos auf, zieht sie in die gehörige Form, trocknet die weißen an der Sonne, die farbigen im Schatten in der Lust, legt sie, wenn sie trocken sind, an einen feuchten Ort, damit sie wieder g-liK werden liebt sie an und reibt und bürstet sie ein wenig. Die weißen Handschuhe taucht man dann noch in geschlämmten weißen Bolus und läßt sie wieder trocknen, worauf sie aufgeweitet, gut gerieben und ausgestaubt werben. Lamvenglocken zu reinigen. Um die Lampen- glocken von Oelflecken zu reinigen und ihnen das schöne matte Aussehen des polirien Glases wiederzugeben, gieße man zwei Löffel einer leicht erwärmten Auflösung von Pottasche in die Glocke, befeuchtet damit die ganze Oberfläche und reibe die Flecken mit einem feinen leinenen Läppchen, spüle hierauf die Glocke mit reinem Waffer nach, ttodne fie sorllsälügmit einem feinen, weichen Tuche ab. Der Erfolg ist überraschend. Okenschwärze. Eine Auflösung von V» Kilogramm gepulstem Beinschwarz und dem Weißen non 3 Stern in i/s Liter Bier läßt man 1/4 Stunde langsam Jjjj erkalten und bürstet den eisernen Ofen ober die schwarzen STBitren der Kachelöfen unb Herbe mit einer gewöhnlichen IffbM fo daß «n u«b »II einet anberen Bürste nachputzt. Humoristisches. .W-r»m fptelen bl« fei««» WW» bem S»oto«* S-»--'' - Ich-» SMer «» ihn sagt: „Festge mauert!" # Trost. «... Vorderhand is mel Marie noch zu M zum Heirathe." Awwet deß kann ich Sie versichere, wann» emol so weit is, hawwe Siegle erscht Hypothek auf ihr H Wink. Junge Dame (zu ihrem Tischnachbar, der bereits eine halbe Stunde neben ihr sitzt, °h»e A WoU "k fie zu richten): .Verzeihen Sie mein Herr, haben Sie mir vielleicht noch etwas zu verschweigen? In der Musikalienhandlung. »Wa^oste" die Klavkrau-züge der „Nibelungen" von Richard W-gner ? „Ungebunden sechzig Mark l" - „W - mir doch lieber: „O Schaffner, lieber Schaffner Im Gerichtssaal. . Richt»-„Ansieklagter^sind Sie vorbestraft?" — Angeklagter: „Nein, ta oin hinterher bestraft." Auf der Straße. „Siehst Du, ^pa, Herr, derMch immer besucht, wenn Du nicht zu H___.