! Groschen zu »enden Kaffee- warmen Kaffee t dampfenden mten für den Blumenhänd- da zudem die theurer sind, guten Absatz, wen, wenn sie Daß Blumen n, blühenden n ebenso zur handelt nicht irte, würdige r junge Bur« t finden, und iebt es aller« nicht auf der an die Gäste Sie nehmen ch die armen w ihnen meist und sie mit iffiren, abge« n Vertretern ige, die mit vie's trefft*, in am Stra« n den Armen sn Thierchen derbar anzu- i Zügen ein iere zärtlich Die aus dem je betonend: und siehst stlberbart, in erfaßt Dich hsten Augen« t jener bleien, die Dir oder jenem Winternacht nem dünnen der Stimme n, weil der ohne etwas Du ziehst it und gehst lie da Dein Wort aus- das junge ihr frivole chuheu ent« e nur nicht, le die vier«- lädchen, die ibten Orten he Treiben, verdorben, werden, ist fristen ihr j oder der irbert ihren Nation vor* (Siegen. ^7» Ä WM MW B LMMMKWTUW WWEWMOWM- SWMKUMwtzUSW 1 *■*«•< smilisMMsl- ießei;cr UntechaltungsMatt jmit Gießener Anzeiger (Genrral-An?eiger)^ Nr. 90 S**M*e »en 4. August, Der Confident. Aus den Erinnerungen eines Criminalbeamten. Von A. Oscar Klausmann. lNachdruck verboten.^ 34 befand mich im Jahre 1887 in Wien, um Studien bei der dortigen Criminalpolizei zu machen. Baron Kraus, der jetzige Statthalter in der Bukowina, war damals Polizei- director in dem Gebäude am Schottenring, das nach mannig- fachen Wandlungen au« einem verkrachten Hotel aus der Gründerzeit es bis zum Heim der Wiener Polizei gebracht halte. Regierungsrath Stehling, ein Hesse, der seit Jahrzehnten in Oesterreich diente und als Chef der Criminalpolizei mein fpecieller Gönner wurde, hatte mich zur Information an einen besonders tüchtigen und liebenswürdigen Polizei-Commiffar Namens Weghuber attachirt und unter Leitung dieses Herrn wurde ich nicht nur mit der „Geschäftsgebahrung" der Polizei, sondern auch mit allerlei Practiken und den internen Verhältnissen der Criminalpolizei vertraut. Polizeicommiffar Weghuber wohnte in der Leopoldstadt, die direct an den herrlichen Prater grenzt, und als ich eines Tages nach seiner Wohnung ging, um ihn zu einer Studienfahrt abzuholen, wunderte ich mich gar nicht, vor dem Hause einen „Pülcher" zu sehen. Mit diesem Namen bezeichnet der Wiener Dialect der unteren Volksklaffen dasselbe, was man in Berlin einen »Pennbruder* und im Reich im Allgemeinen einen „Stromer* nennt. Es war einer der Leute, welche auch in unserer Zeit die ®ecte der altclasstschen Cyniker vertreten, Philosophen, die ihre Sache auf Nichts gestellt haben, Bummler, die von Bettel und Nichtsthun sich nähren, aber harmlos und in gewissem Sinne gutmüthig sind und sich auch von der Theilnahme an Verbrechen absolut fernhalten. Der in der Nähe befindliche Prater ist der liebste Aufenthalt dieser „Pülcher", besonders am Donaucanal steht man sie mit Angeln ober mit bem Zusehen beim Angeln „beschäftigt*. Hier schlafen fie auch „bei bet grünen Bettfrau*, d, h- im Freien, und führen ein Leben voll Ungebunbenheit und sommerlicher Freude, ganz wie ihre Berliner Genossen in der Hasenhaide. Der „Pülcher* ging vor mir die Treppe hinaus und zog die Klingel an der Wohnung des Polizeicommiffars. „Du armer Kerl,* dachte ich mir, „Du läufst wohl au- ahnungslos dem Löwen in bett Rachen. Willst wahrscheinlich betteln uttb ahnst nicht, daß Du bei einem Polizeibeamten vorsprichst, ber verpstichtet ist, Dich arretiren zu lassen I* Mein Mitleib war inbeß überflüssig. Auf bas Klingeln bes „Pülchers* würbe bie Thür ge- öffnet und eine Frauenstimme sagte: „Ah, Frohner, ba sinb Eie jal* Ich kam bald nach dem eintretenden „Pülcher* vor der Entröethür an und sah, baß es bie Frau vom Hause war, bie ben Strolch al« alten Bekannten begrüßt hatte. In biesem Augenblicke kam auch bet Polizeicommiffar, begrüßte mich, wenbete sich aber bann an Frohner unb hatte braußen im Cottibot mit ihm eine längere Unterredung, während ich im Salon wartete. Al« Weghubet zu mir zurückkehrte, hörte ich ihn in ber Thür seiner Frau zurufeu: „Gieb bem Frohner etwas zu essen unb laß ihn bann mit ben Kindern etwa« im Hofe spielen, er geht ja doch vor Abend nicht fort!" Da ich vermuthete, dieser Frohner sei vielleicht ein heruntergekommener Verwandter der Familie, vermied ich es, mich näher nach dem sonderbaren Gaste zu erkundigen. Aber Weghubet fing von selbst an, über ihn zu sprechen, als wir da» Haus verließen. „Der Mann ist ein Confident und mit solchen Hilfskräften muß man eben arbeiten, wenn man Erfolge haben „Ist Confident dasselbe wie Vigilant?" ,'-Nein, nicht ganz, wenn auch etwas Aehnliches! Ein Vigilant ist immer ein Verbrechet, wenigsten« ein früherer, ber gegen Bezahlung feine Genossen verräth, ein Confident st, wie schon bet Name sagt, ein Vertrauter ber Polizei, ber ihr ohne Aussicht auf Bezahlung Nachrichten wichtiger Natur zuträgt. Ursprünglich waren biese Vertrauten ehrsame unb angesehene Bürger, welche gewisse gesetzliche Vortheile bafüt hatten, baß sie bie freiwilligen Gehilfen ber Polizei machten. Aber ba« Bürgerthum wollte nicht gern in den Verdacht be« 388 -- Polizeispitzelthums kommen, die achtbaren Leute zogen sich von dem patriarchalischen Verhältniß zur Polizei zurück und nur der Name ist geblieben. Dieser Frohner da ist ein verkommener Kaufmann, ein Strolch und Pülcher, aber er leistet ganz gute Dienste, indem er doch hin und wieder Nachrichten bringt, aus denen sich etwas machen läßt. Da er gut beobachtet und den ganzen Tag unterwegs ist, so hört und steht er Manches, war von Werth für Untersuchungen und sogar für die Verhütung von Verbrechen ist. Er hat nur indirecten Vortheil von seinem Confidententhum. Bezahlung erhält er nicht, nur bei mir etwas Esten und hin und wieder wohl auch abgelegte Kleidungsstücke. Wenn er einmal wegen Bettelns abgefaßt wird und ihm längere Freiheitsstrafe droht, dann wendet er stch wohl an mich, damit ich ihm aus der Patsche helfe und soweit es thunltch ist, geschieht dies auch. Den Winter bringt er im Gefängniffe zu und im Sommer lebt er im Freien. — Ich muß unterwegs gleich nach dem Bezirks-Commiffariat und dort die Mittheilung deponiren, die mir Frohner soeben gemacht hat. Er vermuthet, es wird ein Einbruch in ein Kaffeehass im Bezirk „Landstraße" geplant. Der Kaffeesteder hat stets eine gute Tageseinnahme und verwahrt ziemlich viel Geld in seinem Schlafzimmer. Frohner hat erfahren, daß dem Gelds des Kaffeesieders Gefahr droht. Genaues weiß er nicht, aber auch diese Nachricht ist wichtig und vielleicht gelingt es durch dieselbe, die Verbrecher in flagranti abzufassen. — Bitte um einen Augenblick Geduld, wenn ich hier im Bureau den Bezirksleiter aufsuche und ihm rasch meine Nachricht übermittle.' — Als wir nach einigen Stunden wieder nach der Wohnung Weghuber« kamen, war Frohnert richtig noch da. Die Kinder wollten ihn auch gar nicht fortlaffen- Er hatte ihnen allerlei Schnurrpfeifereien aus Papier ausgeschnitten, hatte ihnen bei den Schularbeiten geholfen, dem ältesten Knaben des Com- miffars bei der lateinischen Hausaufgabe gute Rathschläge gegeben und die Kinder wußten nicht genug ihrer Freuds über den anwesenden Frohner Ausdruck zu geben. Ich mußte wohl ein etwas erstauntes Gesicht machen, denn Weghuber fühlte stch veranlaßt, zu bemerken: „Ja, der Mann hat eine sehr schöne Bildung, er hat die Ober-Real- schule absolvirt, ist durch die Handelsschule gegangen, beherrscht einige moderne Sprachen und war auch, wie ich Ihnen bereits erzählte, einmal in guter socialer Stellung. Ueber die Intimität mit de» Kindern müffen Sie stch nicht wundern. Frohner ist ei« Mensch, der wenigstens auf sein Aeußeres hält; er ist weder schmutzig, noch hat er Ungeziefer; er ist ein harmlos gutmüthiger Mensch und wenn die Kinder mit ihm in der Küche oder auf dem Hofe zusammen find, so ist immer Jemand vom Personal zur Aufsicht dabei. Sie wissen, in Oesterreich, speciell in Wien giebt man auch nicht so viel auf die Standesuntsrschiede wie bei Ihnen in Norddeutschland.« Erst gegen Abend entfernte sich Frohner, nachdem er noch eine ordentliche Mahlzeit zu sich genommen hatte. Er nahm «inen alten Rock des Commissar« mit sich und erhielt auch noch eine Silbermünze. Auch ich gab ihm einen Guldenzettel, den er mit dem landesüblichen „Küß die Hand" entgegennahm. Als Frohner fort war, fragte ich den Commissar: „Was macht der Mann mit dem Gelds, er vertrinkt es, nicht wahr?" „Nein, Frohner ist kein Trinker, er trinkt vielleicht hin und wieder ein Glas Wein, besonders wenn er es sich erbetteln kann, aber niemals trinkt er Schnaps; ich glaube nicht, daß der Mann jemals betrunken gewesen ist. Er hat aber, wie alle Oesterreicher, eine leidenschaftliche Vorliebe für das Rauchen und verwendet das Geld, das man ihm schenkt, wie ich glaube, fast ausnahmslos zum Ankauf von Tabak oder Cigarren. Ich weiß aber, daß er selbst von dem Almosen, das man ihm giebt, noch an seine Pülcher-Genossen viel ab- giebt. Er steht deshalb auch in einem gewissen Ansehen bei diesen Ausgestoßenen der Gesellschaft. Er ist eine Autorität unter ihnen und das giebt ihm eine für uns, das heißt für die Polizei, werthvolle Stellung. Er führt auch im Bezirks- Commiffariat den humoristischen Beinamen „Hausmeister, d. h. Portier vom Prater". Ich erinnere mich, in der Zeitung davon gelesen zu haben, daß Sie auch in Berlin einmal eine Persönlichkeit unter den Pennbrüdern hatten, die den Namen „Vicewirth der Hasenhaide« führte. Eine ähnliche ehrenvolle Stellung bekleidet Gottlieb Frohner hier im Prater.« „Jedenfalls ein sonderbarer und origineller Mensch," bemerkte ich. Weghuber schien nicht geneigt, auf meine Bemerkung zu antworten. Es kam mir vor, als vermeide er überhaupt, stch über die Vergangenheit Frohuers näher auszulaffen. Selbstverständlich erlaubte mir dis Diskretion nicht, direkte Fragen zu stellen. * ♦ ♦ Ungefähr vier Tage später gab es im Bezirks-Commiffariat, in dem der Polizei-Commissar Weghuber arbeitete, ein gewaltiges Halloh. Man hatte in der Nacht drei schwere Einbrecher dingfest gemacht, die bei dem Kaffeehaus-Besitzer Grinzinger den von Frohner vorher avistrten Einbruch ausführen wollten. Die drei Kerle waren in flagranti abgefaßt worden, hatten zwar versucht, sich zur Wehre zu setzen, aber es waren in der Wohnung Grinzingers nicht weniger als sechs Detektivs stationtrt und diese überwältigten trotz verzweifelter Gegenwehr die drei Einbrecher. Da diese Verbrecher schon seit langer Zeit gesucht wurden, da ihr Conto mit allerlei Sünden außerordentlich schwer belastet war, so war die Gefangennahme der Leute geradezu ein Triumph für die Criminalpolizei. Ich wohnte den Verhandlungen im Bezirks-Commiffariat bei und hatte dann auch noch das Vergnüge«, Herrn Grinzinger kennen zu lernen, der als Zeuge nach dem Commiflariat berufen war. Er kam auch, um stch zu bedanken. Der behäbigen, wohlgenährten Figur de» Kaffeehäus-Besitzers sah man es an, welche Aufregung bei ihm der versuchte Einbruch verursacht hatte. Er erschöpfte sich in tausend Danksagungen gegen den Commissar und alle Beamten der Polizei. „Ich wäre ein unglücklicher Mann gewesen," erklärte Grinzinger, „wenn man mich nicht gewarnt und die Einbrecher abgefaßt hätte. Ich beabsichtigte in dieser Woche den Kaufpreis für ein kleines Anwesen in der Nähe Wiens zu erlegen. Dieser Kaufpreis repräsentirte die Ersparnisse meines ganzen Lebens. Die Verbrecher müssen gewußt haben, daß bei mir eine größere Geldsumme lag, und wäre es ihnen gelungen, sich des Geldes zu ermächtigen, so wären meine ganzen Ersparnisse hin. Herr Commissar, ich kann weder Ihnen noch den Herren von der Polizei irgend eine Belohnung anbieten, aber ich habe erfahren, daß em Fällst (Strolch, Bummler) den Angeber gemacht hat und der Polizei die erste Mitthei- lung brachte. Die Herren von der Wache haben es mir gesagt. Ich kenne diesen Menschen nicht, aber ich will etwa» für ihn thun, mag er fein, wer er will; ich will mich ihm dankbar zeigen. Bitte, schicken Sie ihn zu mir, Herr Com- missar; er soll ein neues Gewand haben, auf ein paar Gulden kommt es nicht an, und ich roiC ihn unterbringen in eine Stellung, wo er nicht allzuviel zu arbeiten braucht und wo er doch als anständiger, ehrlicher Mensch leben kann. Wenn er auch ein Fallot ist, so wird er es doch vorziehen, in geordnete Verhältnisse zu kommen, als bei der grünen Bettfrau zu schlafen und im Arrest zu sitzen. Nicht wahr, Herr Commissar, Sie sind so gut und schicken den Mann zu mir. Ich will irgendwie meine Dankbarkeit zeigen." In Grinzingers Reden zeigt« sich so recht wieder die Wiener Gutmüthigkeit und Mildherzigkeit. Weghuber schüttelte aber mit dem Kopfe und erklärte: „Es ist sehr schön von Ihnen, Herr Grinzinger, baß Sie sich dankbar erweisen wollen, aber Ihr Wunsch wird unerfüllt bleiben. Der Mann will nicht gekannt fein und im Interesse anderer polizeilicher Unternehmungen ist es vielleicht ganz gut, wenn sein Name verheimlicht bleibt; dann aber kenne ich den Mann viel zu gut: Er nimmt wohl einen Guldenzettel an, eine Hand voll Tabak oder ein paar Cigarren und Cigaretten, aber „bessern" läßt er sich um keinen Preis. Glauben Sie — 389 — mir, Herr Grinzinger, ich habe mir colossale Mühe gegeben, den Mann in andere Verhältnisse zu bringen, ihn gewissermaßen zu retten; alle Mühe aber ist vergebens, der Mensch will nicht in andere Verhältnisse kommen, er hat mit der Gesellschaft abgeschlossen und will nicht mehr in dieselbe zurücktreten. Wenn ich ihm außerdem noch zumuthen wollte, er solle in einem Kaffeehaus ein Unterkommen finden, würde er ganz wild, sein Unglück stammt nämlich aus einem Kaffeehause." „Herr Lommiffar, Ihr Wort in Ehren," entgegnete Grinzinger, „aber gerade deshalb würde ich als Kaffeehaus- Besitzer alles Mögliche versuchen, um das Unrecht, das an dem Menschen begangen worden ist, um das Unglück, das ihm paffirt ist, wieder gut zu machen. Schicken Sie, bitte, den Mann zu mir." Weghuber lächelte und erklärte dann: „Ich werde jedenfalls dem Manne Ihren Vorschlag mittheilen, aber ich kann Sie versichern, jedes Wort ist vergebens; der Mann kommt nicht zu Ihnen, Sie werden auch begreifen, was ihn davon abhält, Ihre Güte in Anspruch zu nehmen, wenn ich Ihnen in wenigen Worten das Schicksal dieses Menschen schildere. Er stammt aus einer angesehenen Wiener Familie und Sie finden Angehörige von ihm heute noch im Staatsdienst und in der Geschäftswelt als weit und breit bekannte und geachtete Persönlichkeiten. Gottlieb war Kassirer in einem Bankgeschäft. Er lernte die Kassirerin in einem Kaffeehause kennen, ein Mädchen ebenfalls aus guter Wiener Familie, verlobte sich gegen den Willen seiner Angehörigen mit dem Mädchen, brachte sich in Feindschaft mit seinen sämmtlichen Verwandten und auch einem großen Theil der Bekannten und war außerdem schwach genug, sich allen Launen seiner Braut zu fügen, welche leichte» Wiener Blut in ihren Ade.n hatte und nicht genug Vergnügungen haben konnte. Die Sache war furchtbar einfach und natürlich. Um der Vergnügungssucht seiner Braut Genüg« leisten zu können, griff Gottlieb tief in die Kaffe der Bank und wurde zum Defraudanten. Man entdeckte seine Unterschleife, verhaftete ihn und ver- urtheilte ihn zu zwei Jahren schweren Kerkers. Als Gottlieb aus dem Gefängniß kam, wollte feine Familie natürlich erst recht nichts von ihm wissen; er war für die Gesellschaft verloren und gab sich gar keine Mühe, in dieselbe wieder einzutreten." (Fortsetzung folgt.) Schöne Frauen. Von Eugen Jsolani. ------- (Nachdruck verboten.) Schöne Frauen hat es zu allen Zeiten gegeben, Frauen, deren Schönheit dadurch anerkannt und beglaubigt ist, daß Viele sie für schön hielten. Seit den ältesten Zeiten bis in unsere Täge, wo man sogar Preisconcurrenzen unter weiblichen Schönheiten veranstaltet, gab es solche anerkannte Schönheiten. Ob aber die schönsten Frauen der Gegenwart zu diesen Preisconcurrenzen sich gedrängt haben werden, ist sehr zweifelhaft. Denn zur wahren Schönheit einer Frau gehört auch immer eine gewisse Distingutrtheit der Erscheinung, und daher ist es nur natürlich, daß man unter den Frauen der vornehmen Welt mehr Schönheiten stabet, al» in den niederen Klaffen, die auf Körperpflege und Haltung weniger achten können, als die Damen der oberen Zehntausend. Lieblichkeit und Anmuth der Erscheinung findet man wohl auch in den niedrigsten Klaffen der Bevölkerung, und zahlreich find daher auch di« Fälle zu allen Zeiten gewesen, wo Mädchen aus dem Volke durch ihre Anmuth hohe Herren entzückten; aber zur wahren Schönheit sind sie dann immer «rst in ihrer vornehmen Stellung erblüht. Das war ebenso bei der berühmten Phtlippine Welser der Fall, die zwar schon als einfaches Bürgermädchen den Erzherzog Ferdinand von Oesterreich so entzückte, daß er auf sie mitten im Fzstgepränge aufmerksam wurde und sie sofort zu seiner Gemahlin erkor. Aber ihre volle Schönheit, von der alle Welt dann schwärmte, erreichte sie erst in der Ehe; entzückte doch insbesondere ihr hoher schlanker Wuchs, der wohl in der fürstlichen Kleidung doch erst zur vollen Geltung kam. Ob also Betty Stuckart, die preisgekrönte Schönheit von Epra, die vor einigen Jahren die Krone der Schönheit davontrug und sich bann als schönste Frau in Variätö-Theatern sehen ließ, wirklich auch nur annähernd zu den schönsten Frauen der Gegenwart zu zählen ist, darf sehr bezweifelt werden. Schon im Alterthum hat es Frauen gegeben, die sich durch besondere Schönheit auszeichneten, ganz abgesehen von jenen Frauenschönheiten, von denen die Sagen erzählen, von der schönen Helena, um deretwillen der trojanische Krieg entbrannt«, und jenen Schönheiten, von denen die Bibel berichtet. Von de» Frauen des alten Rom wird insbesondere Julia, die älteste Tochter Cieero's als Schönheit bezeichnet, und als eine besondere Schönheit der christlichen Zeit gilt Hypatta, jene geistreiche „Privatdozentin" der Philosophie an der hohen Schule von Alexandrien, die trotz ihrer Schönheit das fürchterliche Geschick hatte, im Jahre 415 unserer Zeitrechnung gesteinigt zu werden. Merkwürdiger Weise waren in früheren Zeiten nicht selten gelehrte Frauen auch zugleich schön, was leider heutzutage viel seltener vorkommen soll. So wird von einer anderen schönen Gelehrtin Novell» d'Andrea, die im sechszehnten Jahrhundert an der Universität Bologna römisches Recht lehrte, berichtet, daß sie hinter einem Vorhang verborgen ihre Vorlesungen halten mußte, weil sie sich nicht zu zeigen vermochte, ohne daß man sich in ihre Schönheit vertiefen mußte. Welch' Gegensatz zu den Blaustrümpfen von heute I Es wird nun heutzutage sehr schwer sein, festzustellen, welche Frauen des Mittelalters, die von Rittern und Sängern als Schönheiten gefeiert wurden, diesen Ruhm wirklich verdienten. Die Galanterie der Ritter und fahrenden Sänger mag nicht selten recht übertrieben haben, und die Bezeichnungen, die man für die einzelnen Theile der Schönheit in diesen Beschreibungen aus früheren Jahrhunderten findet, tragen augenscheinlich den Stempel der Urbertreibung. Es wird von dem goldenen Glanz der Haare, von der alabasterfarbenen Haut und wer weiß von welchen schönen Dingen sonst noch geschwärmt, und zwar in den überschwenglichsten Ausdrücken. Lucrezia Borgia im fünfzehnten Jahrhundert, Märy Fitton, die Shakespeare in seinen Sonetten feierte und dadurch unsterblich machte, und Bianca Capello, die venetianische Dichterin, sind Schönheiten der sechszehnten Jahrhunderts. Es mehren sich die berühmten Schönheiten, je mehr wir uns unserem Jahrhundert nähern. Da sind im siebzehnten Jahrhundert Olympia Manclni in Italien, in Deutschland Louise von Degenfeld zu erwähnen, die Karl Ludwig von der Pfalz zur linken Hand angetraut wurde, in England die Herzogin von Marlborough, deren Schönheit selbst in Deutschland besungen wurde. In Frankreich gab es insbesondere im achtzehnten Jahrhundert eine ganze Anzahl berühmter Schönheiten, die aber wohl alle von Julie von Recamier, der Freundin der Frau von Staöl und des Prinzen August von Preußen, überstrahlt wurden. Auch die Marquise von Pompadour war eine der schönsten Frauen ihrer Zeit, die Schauspielerin Mar und die Clairon, jene berühmte Pariser Bühnenkünstlerin, die in ihrem 50. Lebensjahre noch so große Reize besaß, daß sie den leichtsinnigen Markgrafen von Ansbach feffelte, der sie mit in sein Land nahm, wo sie noch siebzehn Jahre lang zum Wohle des Volkes die Rolle einer Marquise von Pompadour spielte. Doch um die letzte Jahrhundertwende und in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts lebten auch in Deutschland eine große Anzahl schöner Frauen. Wer denkt da nicht zuerst an die schöne Königin Louise, von der es unzählige Bilder giebt, die sie alle als eine engelsgleiche Schönheit erkennen lassen, als welche sie auch alle Zeitgenossen schildern. Jean Paul brachte der Königin Louise am 10. März 1804 seine Glückwünsche dar, in denen er eine Aufstellung sämmt- 860 I Ambrosia bringt.« Und aus Genf schrieb er an tatet, | zu dem die Branconi in einem wenigstens von ihrer Seite ziemlich leidenschaftlichen Verhältnis stand: »Sie war so artig, mir glauben zu machen, daß ich sie interesstre und ihr mein Wesen gefalle, und das glaubt mim diesen Sirenen gern. Mir ist herzlich lieb, daß ich nicht an Mathäis Platz bin — (er war bei ihrem Sohne) — denn es ist ein verfluchter Posten, das ganze Jahr par devoir wie Butter an der Sonne zu stehen." Uebrigens sind es in der klassischen Dichterperiods Frankreichs ebenfalls schöne Frauen gewesen, die einen großen Einfluß auf die Geistesbergen ihrer Zeit ausübten, und ich will hier nur die berühmte Ninon de L'Enclos erwähnen, die schönste Erscheinung de» galanten Jahrhunderts Ludwigs des Vierzehnten, die im Alter von neunzig Jahren im Jahre 1706 starb. Ihr Haus versammelte die größten Geister ihrer Zeit aus allen Ständen, MoliZre, Searron, Condä, Estrses, und Andere. Auch sie selbst soll schriftstellerisch thätig gewesen sein, und mehrere in den Werken St. Evremonts enthaltene Briefe werden ihr zugeschrieben. Ninon de L'Enclos wird stets als das wunderbarste Beispiel von langer Dauer der Schönheit bezeichnet. Bis ins höchste Alter hinein soll sie sich ihre Schönheit zu bewahren gewußt haben, so daß sich einer ihrer Enkel sterblich in sie verliebte. Um die Wende dieses Jahrhunderts ist noch die Gräfin Potocka als berühmte Frauenschönheit zu nennen. Sie wurde im Jahre 1773 von griechischen Eltern in Konstantinopel geboren, dort von einem Herrn de Witt entdeckt, der sie den Eltern abkaufte und stch mit ihr vermählte. Dann aber lernte sie der polnische General Stanislaus Felix Graf Potocki kennen, der an der Konföderation von Targowitz be- theiligt war, und machte sie dem Gatten abspenstig; als Gräfin Potocka wurde sie zur weltberühmten Schönheit, die im Jahre 1823 in Berlin starb. Ihr Pastellgemälde von Graff, das im Berliner Museum aufbewahrt wird, ist ost vervielfältigt worden. Es zeigt ein wahrhaft engelsgleiche» Frauenbild. Auch auf Damenbrochen ist dies Bild oftmals als Pendant zu Richter'» Neapolitanerknaben abgebildet wor- I den, und sicherlich haben die Meisten, die nicht wissen und ahnen konnten, daß dies ein Porträt ist, geglaubt, es sei ein ideales Phantasiegebild eines Maler». Sardou erwähnt übrigens diese Schönheit in seinem Drama „Fedora", dessen Titelheldin er eine Enkelin der Potocka sein läßt. In unserem Jahrhundert nun ist die Zahl der berühm- ten Schönheiten so groß geworden, daß man ein Buch füllen könnte, wollte man sie alle aufzählen. Gewiß ist keineswegs das menschliche Geschlecht schöner geworben, auch sind in der Gegenwart die Ansprüche an die höchste Schönheit keineswegs geringer geworden, aber das Andenken an Berühmtheiten ist im Allgemeinen als ein großes Sieb zu betrachten, durch das die große Menge der Berühmtheiten hindurchsickert. Nur einige wenige bleiben der Nachwelt erhalten. Heute noch spricht man von den Schönheiten, welche auf dem Wiener Congresse 1814 und 1815 die Fürsten zur Bewunderung Hinriffen, so daß Alexander I. von Rußland sich rühmte, dort die verschiedenen Grabe weiblicher Schönheit kennen gelernt zu haben, die Gräfin Saurma „die Schönheit zum Verrücktmachen", die Gräfin Julie Zichy, die „engelhafte oder himmlische Schönheit", die Gräfin Sophie Hichy „die gewöhnliche«, die Gräfin Szechenyi die „kokette", die Gräfin Esterhazy „die verblüffende" und die Gräfin Gabriele Auersperg „die Schönheit für das Gefühl". Heute noch spricht man auch von der Schönheit der Exkaiserin Eugenie von Frankreich, deren Bildniß der Sultan Abdul Aziz in Hunderten von Exemplaren vervielfältigen ließ, und von allen den anderen schönen Frauen am Hofe Napoleons III. Aber es ist wohl kaum noch fraglich, daß alle diese Frauen nicht den Ruhm der Unsterblichkeit auf dem Gebiete der Frauenschönheit erreicht haben, so viel Bewunderung auch ihrer Schönheit jemals gezollt wurde. Rebaction: A. Schetzda. — Druck und Brrlag der Brühl'scheu UuiverfiMI-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. sicher Glückwünschenden macht. Und in dieser Ausstellung heißt es: „Drittens: Die Künstler, welche durch Raphael an die Unsterblichkeit der Schönheit gewöhnt, ste auch dieser wünschen müssen." Von bürgerlichen Schönheiten jener Zeit find zu erwähnen die geistreiche Henriette Herz, die Gattin de» jüdischen Arztes Marcus Herz, eine geborene de Lemot, die später zum Christenthum übertrat und selbst noch in hohem Alter (sie starb 81 Jahre alt im Jahre 1847) Spuren ihrer Schönheit aufwies, ferner die Gattin des Dichters Ludwig Robert, des Bruders der Rahel Levin. Heinrich Heine schwärmte für diese Schönheit und besang sie mit den bekannten Worten: „Mir ist es, als ob ich die Hände Aufs Haupt Dir legen sollt', Betend, daß Gott Dich erhalte So rein, so schön, so hold." Heinrich Heine war nicht der einzige und erste deutsche Dichter, in dessen Leben Frauenschönheit eine so große Rolle gespielt, auch in der Glanzzeit der deutschen Dichtkunst, in den glänzenden Tagen von Weimar, waren er schöne Frauen, die geistvolle Männer anzurege« wußten, die den Cultus des Geistes im goldenen Zeitalter unserer Poesie so recht eigentlich ausbildeten. Die schönen Heldinnen jener Tage haben daher für uns kein geringeres Interesse, als die Männer, deren Muse sich gleichsam in ihnen personifizirte, und wenn wir das Porträt eines Karl August, eines Goethe und Schiller mit Theilnahme betrachten, so schenken wir denselben j Antheil auch den Bildnissen der weiblichen Genien, welche den Heroen der Weimarer Glanzzeit irgendwie und wann nahe getreten und auf sie von Einfluß gewesen sind. Alle diese Frauenschönheiten sind durch zahlreiche Bilder vielfach bekannt geworden. Charlotte von Stein ziert im Bilde al» Titelvignette die Sammlung der Goethe'schen Briefe an die von ihm einst so zärtlich geliebte stolze Frau, und neben ihr, dem Ideale der Goethe'schen Kunstdichlung, fehlt auch die „Titanide" nicht, Frau von Kalb, der Abgott Schiller'scher Poesie in ihrer Läuterungrperiode. Sehr zu beklagen ist, daß die liebliche Muse der „römischen Elegien", Christiane Vulpius, uns nicht auch im Porträt bekannt geworden ist, obgleich sie, wie Riemer erzählt, „ein Famllienbild, ein Aquarellgemälde von Goethe'» Hausfreund, Heinrich Meyer, ausgeführt in einer der Madonna della Sedia verständig nachgebildeten Situation, als Mutter mit ihrem Erstgeborenen im Arm, in jugendlicher, allgemein ansprechender Gestalt bewahrte." Doch all diese Frauen waren mehr oder weniger schön, ohne daß sie al» berühmte Schönheiten hätten gelten können oder als allgemein geltende Schönheiten angesehen werden dürfen. Dies trifft vielleicht nur bei einer Frau der Weimarer Glanzzeit zu, der sogenannten „schönen Frau," jener reizenden Marquise Branconi, welche Goethe auf seiner zweiten Schweizerreise im Jahre 1779 in Lausanne kennen lernte und dann in Weimar mehrmals wiedersah. Sie war die Frau eines Tänzers in Venedig; Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig kam ihr dort zufällig nahe und wußte sie zu bestimmen, mit ihm nach Deutschland zu kommen. Beider Sohn war der Graf Forstenburg, der in den Napoleonischen Kriegen starb. Der Herzog kaufte der „schönen Frau" die I Grafschaft Langenstein bei Halberstadt, doch war ste mit ihrem Sohn und dessen Hofmeister viel auf Reisen. Zimmermann nannte sie „das größte Wunder von Schönheit in der Natur", und dem Altmeister Goethe diente sie nach einer mehrfach verbreiteten, nicht unglaublichen Annahme zum Vorbild für die Gräfin Sanvitale im Tasso. Von ihr schrieb der Dich- ter in den Briefen an Frau v. Stein: „Sie kommt mir so schön und angenehm vor, daß ich mich etliche Male fragte, ob es auch wahr sein möchte, daß sie so schön sei. Ein Geist I ein Leben I ein Offenmuth! daß man eben nicht weiß, woran man ist. Am Ende ist von ihr zu sagen, was Ulyß vom I Felsen der Scylla erzählt: „unverletzt den Flügel stretcht kein i Vogel vorbei, auch die schnelle Taube nicht, die dem Jovi !