UnterhMmgsblilttjiint Gießener Adriger (General-Merger) Sawslag den 4. Januar g\__— - - -------'*• ' -*- -. -,LM-^sMMW »»rMl __w smiiiekWNsp x M fti Mir ^ätr/j-ji. >v W -tztzgMMWtz WD^NW WWk^ZWZ MUMAKi ^■' .^hS W-?3 Liffa begleitete die Freundin eine kleine Strecke, dann kehrte sie, ein munteres Liedchen vor sich hinträllernd, wieder heim. Alle» war still ringsum. Nur das dumpfe melancholische Brausen des weiten Ocean« drang an ihr Ohr und hin und wieder vernahm man den Klageruf eines Seevogel» oder aus weiter Ferne den hohlen Schall von Signalfchiiffen. Mit dem hereinbrechenden Dunkel zeigten sich die ersten Vorboten des nahenden Sturme» Immer dichter thürmten sich dunkle Walkcnmaffen auf, die Sonne, welche dieselben nur noch mühsam da und dort zu durchdringen vermochte, tauchte den ganzen westlichen Himmel in ein eigenthümlich unheilverkündende» Gelb, die Wellen gingen höher und höher. Wieder trugen die aufgeregten Wasser den hohlen, dumpfen Klang der Signalschüffe zum Lande herüber. Mit trübem, mitleidigem Blick ruhte de« alten Seemanns Auge auf der unruhigen See. „Das giebt diese Nacht ein böse» Wetter," meinte er, „Guilda hätte daheim bleiben sollen, aber sie hat ja ihren Kopf für sich und ließ sich nicht halten." „Ich sagte ihr, sie solle bi» morgen früh bei der Frau Postmeister bleiben, wenn sich da» Wetter nicht bessere," ver. setzte Liffa. Wie die Beiden so miteinander sprachen, trat Mötzlich ein Mann hinter den kahlen Mauern de» Leuchtthurme» hervor — ein Mann von hoher;' schlanker Gestalt und einer gewissen Vornehmheit in seinem ganzen Auftreten, die zu seinen groben Kleidern nicht recht passen wollte. Seine dunklen, halbverschleierten Augen machten unwillkürlich den Eindruck, al» könnten sie ebenso sanft lächeln, wie wuthentbrannt teuf* lich blitzen. Trotz feiner dunklen Gesichtsfarbe, und den schwarzen Augen spielten Haar und Bart in's Röthliche, — einem scharfen Beobachter hätte all' da» Mißtrauen eingeflößt. Und daß er irgend eine verzweifelte Absicht hegte, konnte man an seinen unheimlich funkelnden Augen und dem nervösen Nagen seiner Zähne an seiner Unterlippe erkennen. „Kann ich mir da» Innere de» Leuchtthurme« einmal ansehen V fragte er leise und hastig. „Ich wüßte Ihnen für die Erlaubniß sehr Dank." Capitän Velten mußte ihn abschlägig bescheiden — die I. „Onkel Martin I Eine große Neuigkeit! Valerie hat mich für übermorgen zu einem Gartenfest geladen — ist da» nicht herrlich? — Wie ich mich darauf freue!" Capitän Velten wandte den Kopf nach seiner Nichte Liffa. Wie er neben derselben da» schlanke junge Mädchen bemerkte, richtete er sich mit der — trotz feines Stelzbeine« — von dem alten Seemanns unzertrennlichen militärischen Strammheit auf und verneigte sich ehrerbietig vor der hübschen, vornehmen Valerie Dönhoff. „Sehr freundlich von Fräulein Valerie, sagte er mit seiner rauhen Stimme, die ein wenig an da« wilde Brausen seiner alten Freunde, der Meere« wellen, erinnerte. Die beiden jungen Mädchen schlenderten dem Hafen zu, während der alte, graubärtige Mann in der niedrigen Thür de» Leuchtthurmes stehen blieb und den Zweien sinnend nachschaute. Nach wenigen Minuten tauchte eine ältere Frau neben ihm auf, der man auf den ersten Blick ansah, daß ihr Geburtsort ferne war von dem Städtchen, dem sie sich jetzt schnellen Schritte« zuwandte. Bis vor Kurzem war Martin Velten Capitän eines Kauffahrteischiffes gewesen und al» solcher durch die halbe Welt gekommen. , , „ Dereinst, als sein Schiff in einem Hafen Afrikas vor Anker lag, rettete er diese Frau Namen» Guilda au» den Händen eine» Sclavenhändler« und erwarb sich dadurch deren ewige Dankbarkeit. Er nahm sie mit auf sein Schiff und betraute sie mit der Pflege seiner kleinen Liffa. Seitdem pflegte er sie Beide auf all' seinen Reisen mitzunehmen, nur zur Zeit der rauhen Winterstürme ließ er sie daheim. Aber sein zunehmende» Alter und der Verlust eine» Beine» zwangen Martin Velten schließlich, der See Valet zu Durch Verwendung seiner Freunde erhielt er die Stellung al» Wärter de» Leuchtthurmes nahe dieser kleinen Hafenstadt. Ein Dämon. Novelle von I. Pia. (Nachdruck verboten.) Zeit war vorüber — nur zwischen zehn und zwei Uhr war Fremden der Zutritt zu dem Leuchtthurme, der unter strenger seepolizeilicher Aufficht stand, gestattet. Liffa bemerkte, wie es bei diesem Bescheid in des Fremden Zügen zornig aufblitzte, aber äußerlich wenigstens bewahrte er feine Ruhe und fragte höflich, ob sich nicht eine Ausnahme machen ließe — was mit Geld zu erreichen, wäre er gern bereit zu thun. Dabei griff er in die Tasche und zog eine Anzahl Geld- münzen hervor. Nur mit Mühe beherrschte Liffa sich, ihm dieselben nicht aus der Hand zu schleudern. „Entfernen Sie sich auf der Stelle," stieß sie zornbebend hervor, „wenn Sie nicht wollen, daß ich den Hund auf Sie hetze!" Jetzt erst richtete sich ein großer Bluthund, der vor der Thür im Sande gelegen hatte, auf, kam so weit al» seine Kette erlaubte, näher und starrte den Fremden mit seinen bösen Augen kampfbereit an. „Was Sie auch hierhersührt, mein Herr, so kann ich doch durch Bestechung nicht von der mir vorgeschriebenen Regel abweichen," sagte Capitän Velten in artigem, aber stolzem Tone. Noch einen finsteren Blick nach Liffa hinwerfend und ohne ein weiteres Wort zu sagen, wandte sich der Fremde und entfernte fich schnellen Schrittes. „Kind, Kind! Du wirst Deine Heftigkeit noch einmal bitter büßen müssen," murmelte der alte Velten, während wie Unheil ahnend sein Blick angstvoll dem schnell sich Entfernenden folgte, „Du hast Dir diesen Menschen zum Feinde gemacht, er wird sich an Dir rächen, wenn Eure Wege sich je kreuzen sollten." „Dieser Schurke, der sich erdreisten konnte, Dich bestechen zu wollen!" entgegnete Lissa erregt. „Der sollte es wagen, die Hand gegen mich zu erheben? Dieser Mensch ist ein Feig- ling und Schuft ohne Gleichen, denn sonst würde er nicht auf krummen Wegen nach irgend einem schlechten Ziele trachten. Ich fürchte ihn nicht." Inzwischen war es Zeit geworden, die Laternen anzuzünden. Hoch droben im Thurme stand die kleine Anzünderin, das Auge dem wilden, unruhigen Meere zugewendet, in dessen »er* rätherischen Fluthen jetzt manches Fahrzeug kämpfen mochte, welches das Festland vielleicht nie wieder erreichte. Derartige Gedanken fuhren dem Mädchen wohl durch den Sinn, denn das Lachen schwand aus ihren Augen und ihr Gesicht ward ernst, fast düster. Stürmische Winde umsausten den Thurm und trugen das hohle Getöse der wild tobenden See herüber. Leise erschauernd wandte Lissa sich ab, schloß sorgfältig die Thüre hinter sich und lief leicht und behend die engen Wendeltreppen hinab. Als sie das kleine, schmucke Zimmer betrat, wandte Velten D ihr lebhaft zu. „Men war es mir, als hörte ich vom Strande her eine Stimme, die nach Hilfe rief," meinte er. Liffa zuckte zusammen. „Doch nicht etwa Guilda?" rief sie angstvoll. Ohne Besinnen eilte sie nach einem Schranke und holte einen regensicheren Mantel daraus hervor, der ihr bei ähnlichem Unwetter schon manchen guten Dienst geleistet hatte. „Bleibe hier — geh' nicht fort!" rief der alte Velten besorgt. „Der Fren.de von vorhin hat mich ganz nervös gemacht." „Aber Onkel," erwiderte das tapfere Mädchen lächelnd, „es soll doch Keiner sagen können, Capitän Velten und sein Maat hätten einem Menschen in Roth ihre Hilfe verjagt! Sei unbesorgt — ich bin bald wieder da!" Sie rief den Hund und ging hinaus in Sturm und nächtliche Dunkelheit. Das muthige Mädchen war aber in eins ihm geschickt gestellte Falle gegangen. — Al« sie nach einer Stunde heimkehrte, fand sie ihren Onkel gebunden und geknebelt auf der Diele. Voll Entsetzen beugte sie sich über ihn und befreite ihn von dem Knebel. „Die Laterne! Die Laterne!" stieß der Aermste hervor. „Kümmere Dich nicht um mich! — Lauf' hinauf, Mädchen — nimm Hund und Pistolen mit I — Der Schurke ist zurückgekommen und macht fich an der Laterne zu schaffen." Ohne Säumen eilte Liffa nach den Pistolen — dieselben waren von ihrem Platze verschwunden. Sie rief den Hund — seltsam I Zum ersten Mal in seinem Leben folgte er ihr nicht aus's Wort, er hatte irgend etwas an der Hausthüre, was ihn beschäftigte. — So lief ste ohne ihn, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, in dem Thurms empor. Das Blut erstarrte ihr in den Adern, ihr Gestcht ward todtenbleich bei dem bloßen Gedanken an die Gefahren der vorüberkommenden Schiffe, wenn durch ruchlose Hand die Laternen des Leuchtthurmes ihren Dienst versagten und die Seeleute kein Warnungszeichen sahen. Der eigenen Gefahr gedachte sie dabei nicht. An allen Gliedern zitternd, doch ohne Furcht, mit zorn- funkelnden Augen stürzte sie — oben angelangt — athemlos in den Leuchtraum und sah sich Äug' in Auge dem Fremden mit dem verschleierten Blick gegenüber. Mit einem Fluch auf den Lippen wich dieser mehrere Schritte von der großen, glänzenden Signalscheibe zurück, von welcher Beide halb geblendet wurden. „Elender — Teufel! Wa» treibt Ihr hier!" stieß Liffa athemlos hervor und stürzte sich mit farblosen Lippen auf den Fremden. Mit weicher, aber etsenfester Hand hielt derselbe sie in Armeslänge von sich; wie er sie so mit seinen Blicken maß, drängte sich wider seinen Willen ein Ausdruck der Bewunderung in seine mandelförmigen Augen. „Bei Gott," rief er, „Sie müssen den Muth einer Löwin haben, um sich hierher zu wagen!" „Muth!" wiederholte Lissa in bitterem Spott. „Wie wenig müssen Sie uns Frauen kennen, wenn Sie meinen, es bedürfe des Muths, einem Feigling entgegenzutreten, der fich nur an Krüppeln und Schwachen vergreift und den To» eines Hilfesuchenden nachahmt, um ein schwaches Mädchen fortzulocken, damit er einen schon ohnehin gebrechlichen alten Mann knebeln und binden kann." Plötzlich war ihr die richtige Erklärung für den Hilferuf gekommen, den ihr Onkel gehört hatte. Des Fremden Züge verfärbten sich au» Wuth über diese nur zu gerechte Anklage. Gleich einer Schraube schlossen seine Finger sich um Liffas zartes Handgelenk. Mit schlangenartiger Geschwindigkeit senkte der Fremde seinen trotz de« entstellenden roihen Haares schönen Kopf. „Wißt Ihr, wozu Eure böse Zunge mich reizt?" zischte er dicht an ihrem Ohr. „Doch nur zu einer feigen That!" stieß sie wild hervor. „Wenn ich nun hier das Fenster öffnete und Euch hinabstürzte — wie dann?" Ein teuflisches Lächeln umspielte seine blendend weißen Zähne. Kalter Schauer durchrieselte Liffas zarte Gestalt; trotzdem aber verließ ihr Muth sie nicht, und ohne mit der Wimper zu zucken, schleuderte sie ihm die Worte entgegen: „Sagt' ich'» denn nicht? — Ihr habt nur Muth, die Frauen zu morden! — Warum hetzt' ich heute Abend nicht meinen Hund auf Euch, damit er Euch Glied für Glied in Stücke riffel" Ein boshaftes Lächeln umspielte die unter dem gefärbten Barte halb verborgenen Lippen des Schurken, als Liffa mit lauter Stimme nach dem Hunde rief. „Den ruft Ihr vergebens," bemerkte er gelassen, „der läßt er sich vorläufig bei einem Stück Fleisch wohl sein; und sollte er sich zeigen, so würde ich ihn hiermit schnell zur Ruhe bringen." Däbei schweifte sein Blick nach Vellen» Pistolen zu seinen Füßen. „Dämon I Teufel!" stöhnte Liffa und krampfhaftes Schluchzen erstickte ihre Stimme. Einen kurzen Moment ruhte sein Auge mit seltsamem Ausdruck auf ihr. ^„Jch weiß, ich fühle er — die Stunde kommt noch, wo ich Euch lieben oder tödten muß!" entrang es sich seiner ge- preßten Brust. Trotz qualvoller Angst und Aufregung schlugen diese seltsamen Worte — die Jenem wie von einer fremden Macht eingegeben erschienen — wie in einem Traume an des Mädchens Ohr. Da plötzlich mit schnellem Griff zog der Fremde einen Strick au« der Tasche und machte sich daran, ihre widerstrebenden Hände zu binden. Sie suchte sich mit fast übermenschlicher Mast dagegen zu wehren — aber umsonst. Doch leicht machte sie es ihm nicht; in dem Kampfe schob sich des Mannes Aermel weit zurück und wie der Blitz hatten sich Liffas kleine scharfen Zähne in dem muskulösen Arme eingebissen, denn vor Angst und Zorn war sie dem Angriffe de» elenden Schurken gegenüber wie von Sinnen- Ein von Wuth und Schmerz halb erstickter Schrei ent» rang sich seinen Lippen — in der nächsten Secunde hatte er sie überwältigt und bald darauf hatte er ihre Hände gebunden- „Ha, warum schone ich überhaupt ihr Leben?" murmelte er dann. Und Liffa empfand trotz aller Aufregung eine gewiffe Freude, daß sie diesem Dämon ihr Zeichen aufgedrückt hatte. Wenn sie je einander im Leben wiedersähen, würde sie ihn hieran erkennen, dachte sie- „Genug dieser thörichten Widerstandsversuche," bemerkte der Fremde mit teuflischem Lächeln, „Ihr habt Euer Leben in eigener Hand. Ein Wort — eine Bewegung — und Ihr seid verloren!" Liffa wagte nicht, diesen mit verzweifeltem Entschluß ge» sprochenen Worten zu trotzen. Stumm und regungslos stand sie da. Der Fremde nahm seinen weiten Mantel ab und hing denselben über die nach der Ser blickenden Fenster. „Der Sicherheit halber möchte ich Euren Mantel auch haben," wandte er sich in spöttisch-höflichem Ton an Liffa Die Arme sah verzweiflungsvoll ringsum. Keine Hilfe, keine Hoffnung, sie war ganz in seine Hände preirgegeben! Mit erdfahle»! Gesicht und schmerzzuckenden Lippen ließ sie e» gewähren, daß er ihr hastig den Mantel von den Schultern nahm und ebenfalls vor die Fenster des Leucht- thurme« hing. Nun konnte nach der See kein Lichtstrahl mehr hindurch- dringen. „Jetzt verhaltet Euch eine Weile hübsch still," fuhr der Elende erbarmungslos fort, „b!s ich Eure Fesseln wieder löse." Langsam — langsam schlichen die Minuten vorüber, während dü» beklagenswerthe Mädchen regungslos dastand und mit starrem, glanzlosen Blick hinaurschaute in die finstere Nacht. Kalter Schweiß trat ihr aus die Stirn. „Besser ein Leben, al» daß viele zu Grunde gehen — nehmt mir da» meine!" murmelte sie mit erstickter Stimme. „Schleudert mich hinab, wenn Ihr wollt, aber schont der Unglücklichen auf der See!" „Thörin!" stieß ihr Quäler hervor. „Hütet Eure lose Zunge — oder ich könnte Euren Worten folgen!" Da, noch während er sprach, drang durch Sturm und Regen der Tost eine« fernen Schüsse« an ihr Ohr. Halb tobt vor Schreck sank Liffa gegen die Wand. „Da ist ein Schiff in Roth," kam e« heiser von ihren bleichen, trockenen Lippen. Ein zweiter — ein dritter Schuß — ein jeder Widerhall derselben traf sie gleich einem Dolchstoß, wie sie da lehnte, krank von dem Entsetzen in dem Bewußtsein, daß in diesem Augenblicke angesichts de« Strandes ein Fahrzeug mit dem wild schäumenden Meere kämpfte und scheiterte. Selbst des Fremden Züge verfärbten sich; doch ein eigen- thümliche« Lächeln umspielte seine Lippen, Triumph leuchtete aus seinen dunkeln Augen. „Jetzt seid Ihr frei!" wandte er sich zu Liffa und löste ihre Feffeln. „Aber erst, wenn die Laterne sich zwölfmal gedreht hat, verlaßt Ihr diesen Raum — sonst wehe dem Alten da unten!" Er nahm seinen Mantel vom Fenster, wo derselbe ihm so gute Dienste geleistet hatte, gab Liffa den ihren mit einer höflich weltmännischen Verbeugung zurück und ließ die Unglückliche allein. Ltffa, mehr tobt al» lebendig, wartete die bestimmte Zeit ab; dann wankte sie, schwach und zitternd, die Treppe hinab. Erst wie sie vor ihrem Onkel kniete und ihn von den Stricken befreite, kam sie wieder zur Besinnung. „Ein Schiff ist gestrandet," kam e« mit schwacher, zitternder Stimme von des Alten Lippen, nachdem er sich mit Liffas Hilfe wieder aufgerichtet hatte. „So ist'«," kam es fast wie ein Klageruf zurück. In der nächsten Minute hatte Liffa das Haus verlassen und eilte abermals dem Strande zu. II. Kaum eine halbe Stunde vom Hafen entfernt, spielte sich eine traurige, aufregende Scene ab, wie sie an nah dem Meere gelegenen Orten nichts Seltsames ist. Die Mannschaft des im Sinken begriffenen leckgewordenen Schiffes hatte das Boot herabgelassen und machte sich an die Rettung der geängsteten Passagiere. Hastigen Schrittes näherte sich Liffa dem Strande. Da, von jenseits der an den Hafenmauern hochaufschäumenden, sich brechenden Wogen, mitten au« der Brandung hervor, blinkten die Lichter de« gestrandeten Dampfer«. Tief unten am Meeresstrande, von dem flackernden Licht einiger Fackeln beschienen, war ein kleiner Haufen kräftiger beherzter Männer thätig, den Armen, die hilflos dem Spiel der wild tobenden Wellen preisgegeben waren, das Leben zu retten. „Woher kommt dar Schiff, Capitän?" Schnell wandte der Gefragte den Kopf nach dem blaffen, schmerzverzogenen Gesicht. „Sie hier, Kind?" rief er erstaunt. < Es war ein alter Freund von Martin Velten und hielt große Stücke auf dessen Pflegling. „Ach, Capitän, ich muß Ihnen etwas Schreckliches mit« theilen — aber jetzt haben Sie wohl nicht Zeit für miet)?' „Nein, jetzt nicht, Kind," gab Jener zurück und traurig schweifte sein Blick nach den flackernden Lichtern auf der See — als Antwort auf Liffas Frage setzte er hinzu: „Den Signalen nach ist es ein französischer Passag.erdampfer." „Sind schon Rettungsboote hinaurgefahren?" forschte Liffa mit zitternden Lippen. „Unmöglich bei diesem Sturm — wir müssen un« auf die Raketen verlassen." Stumm, mit krampfhaft gefalteten Händen und angsterfülltem Blick folgte Liffa allen zur Rettung der Gescheiterten getroffenen Anordnungen und Vorkehrungen. In nicht zu unterdrückender Aufregung kam sie rasch näher, als die ersten Geretteten an's Land gezogen wurden. Wer waren sie, die zu vernichten ein Monsch sich zum Teufelswerk herbeigelassen hatte — meist Frauen — nur wenige Männer, unter letzteren befand sich auch ein kräftiger junger Mann von ungefähr dreißig Jahren, der beim Besteigen des Bootes durch einen unglücklichen Zufall mit dem Kopf so heftig gegen einen eisernen Riegel gestoßen war, daß er die Bestnnung verloren hatte. Ein paar Männer hoben ihn au» dem Fahrzeug und legten ihn auf den weichen Sand. J c r s i < i I i Mit tief mitleidigem Blick beugte Liffa sich über die leblose Gestalt. Diese geschmeidigen Glieder schienen besser für einen Kämpfer in der Arena, alr in diese vornehmen Kleider zu paffen I Wie schön diese feingeschnittenen Züge mit der hohen Stirn, dem vollen Bart und dem leichtgewellten blonden Haar waren! (Fortsetzung folgt ) Osrneinnütziges. Hebet schlechten Geruch in den Zimmern zur Zeit der Heizperiode hört man jetzt überall klagen. Er gibt mancherlei Ursachen dafür, und die Zeitungen haben ihre Leser in der letzten Zeit vielfach darüber aufgeklärt, daß der« selbe von schlechten Oefen, namentlich aber von schlechtem Heizmaterial und den dadurch erzeugten Gasen und Dämpfen herrühre, An eine besondere Quelle der üblen Gerüche, die reinliche Hausfrauen leicht zu beseitigen im Stande sind, erinnert „Dar Rothe Kreuz." Der Staub, welcher sich während des Tages' in einem bewohnten Zimmer stets in reichlicher Menge entwickelt, setzt sich auch auf die Flächen de» Ofen» ab und wird beim Erhitzen desselben thetls langsam, thetls schnell verkohlt und verbrannt. Die reichlichen thiertschen und pflanzlichen Beimengungen können dabei unter Umständen so schädliche Dämpfe erzeugen, daß z. B. bet Lehrern u. A. in sehr staubigen, mit eisernen Oefen ausgesiatteten, großen Räumen Kratzen im Halse, Katarrhs und sonstige Folgezustände entstehen. Das einzige, aber zugleich sehr einfache Mittel ist rechtzeitiges Staubwischen vor dem Anheizen des Ofens. e ♦ Beim Pflanzen von Obstbänmen ist nicht oft genug zu wiederholen, daß der Baumpfahl zuerst gesetzt werden muß und dann erst oer Baum. Niemals soll der Pfahl in die Baumkrone reichen- Immer und immer wieder sieht man Bäume nicht richtig angebunden In Form einer 8 ist zu binden und nicht wie eine Null. Null ist ja nicht». • * ♦ Baumpfähle gegen Fäulnitz zu schützen. Da» beste Schutzmittel gegen da» Abfaulen der Baumpfähle ist da« Jmprägniren mit Kupfervitriol. 2 Kilo Kupfervitriol werden in 100 Liter weichem Wasser gelöst, die Pfähle werden, am starken Theile angespitzt, in die Flüssigkeit gestellt, in welcher sie so lange stehen bleiben, bi» die blaue Flüssigkeit am oberen Stirnende zu Tage tritt, was schon nach einigen Tagen der Fall ist. ♦ ♦ Ledetabsälle als Dünget. Diese wirken al» Dünger nur langsam, doch anhaltend und sind deßhalb sehr paffend für Obstbäume. Wo man solche Abfälle billig haben kann, oenutze man diese Gelegenheit. Alle» Schuhwerk ist nicht so gut, immerhin aber al» Dünger für Bäume nicht zu verwerfen. ♦ » Schälen welket Aepfel. Das Schälen von welken Aepfeln wird erleichtert, wenn man dieselben eine halbe Stunde zuvor in kalte» Waffer legt, da sie sich dadurch bedeutend auffrischen. Soll den Aepfeln aber die Schale abgezogen werden, so lege man sie einige Minuten in heiße» oder eine Minute in kochender Waffer. ♦ * 8 Ein Handspiegel wird zum hübschen Geschenk, wenn man denselben mit buntem Atlas (je nach Geschmack der Empfängerin) auf der Rückseite beklebt, den Rand oder Rahmen mit einer Garnirung von gleichem Stoff verziert An d e rechte Seite de» Spiegels kann man ein kleines Bouquet von künstlichen Blumen und am Griff, welcher mit Atlas umwunden wird, eine hübsche, nicht zu lange Schleife anbringen. 4 - VermMehtes. Der Falsche. Förster: „Nun, Herr Meyer, haben Sie schon viel geschossen?" — Meyer: „Ach, den ganzen Tag hatte ich keinen Anlauf, und da kommen mit einem Mal zwei Hasen und setzen sich Beide auf 30 Schritt vor mich hin. Da mußt ich wahrhaftig nicht, auf welchen ich zielen sollte." — Förster: „Auf welchen haben Sie dann schließlich geschaffen?" — Meyer: „Na richtig auf den falschen." Literarisches „Ein Wäschsschatz im Saufe ist ein Schatz an Gesundheit!" Diese allbekannte hygienische Satzung ist das glänzendste Zeug- niß für die Bedeutung der Wäsche überhaupt. Nicht nur dieses, sondern auch des wirthschafilichen Standpunktes halber, den die im Verlage von John Henry Schwerin, Berlin W 35, erscheinende „Jllrzflrtttt Wäsche-Heilung- sich zu eigen gemacht hat, sollte keine sparsame Hausfrau versäumen, sich eine Gratis-Probenummer bei irgend einer Buchhandlung von dieser Perle unter den Frauen-Zeitungen kommen zu lassen. Mit ihren jTetS das Neueste bietenden Wäschemoden, ihren mehr als hundert Wäsche-Schnitten zu den im erläuternden Text enthaltenen Wäsche-Abbildungen (Schnittmusterbogen mit jeder Nummer), mit ihrem aus berufener Feder stammenden Wäsche-Bericht, den als Beilage dienenden Klöppelbriefen und Artikeln über Serviettenlegen bietet auf diesem Specialgebiet die „Jllustrirte Wäsche-Zeitung" das Umfassendste und Vollendetste für den sehr geringen Aboniiementspreis von nur 60 Pfg. vierteljährlich. Sie giebt ferner Anleitung zu lohnendem Frauenerwerb und lehrt der Mutter und Tochter Selbstanfertigung der Wäsche — unschätzbar für's Häusl Abonnements bei allen Buchhandlungen, Postanstalten und durch den Verlag der „Jllustrirten Wäsche- Zeitung" John Henry Schwerin, Berlin W 35. * * * Beim Jahreswechsel empfehlen wir unseren Leserinnen das Abonnement auf die beliebte Wochenschrift »Die» Blatt gehört der Hausfrau!- (Verlag von Friedrich Schirmer in Berlin). — Dieses Blatt diente wohl ähnlichen Unternehmungen als Vorbild, bleibt aber unerreicht in seiner Gediegenheit und Reichhaltigkeit des Inhaltes. „Dies Blatt gehört der Hausfraul" hat von allen Hausfrauenzeitungen zuerst die Abtheilung „Mode und Handarbeiten" eingeführt und ist heute das einzige Blatt dieser Art, welches, gleich den großen Modenblättern, in künstlerisch ausgeführten Originalvorlagen — dem geläuterten Geschmack des guten Publikums angepaßt und die Gebote der Sparsamkeit überall berücksichtigend — Alles bietet, was mit dem Fortschritt auf dem Gebiete der Mode, fei es in der Wahl der Stosse oder in der Ausführung, zusammenhängt. Practische Schnittvorlagen erleichtern dabei die Selbst- anfertigung. Im Großen und Ganzen bleibt aber das Prinzip des Blattes unverändert; es soll darin „durch Vereinigung des Practischen mit dem Idealen der thätigen Hausfrau in ihrem Wirken fördernder Beistand geboten, aber auch der Sinn zu Höherem erhoben werden!" — Zu dem Spielhagen'schen Roman „Zum Zeitvertreib" und zu Ortmanns socialem Roman „Im Ausstand" wird sich im Laufe dieses Quartals die neueste Erzählung von B. v. d. Lancken: „Das neue Geschlecht" hinzugesellen. Dieser letzte Roman wird bei Frauen sicherlich ebensoviel Bsiiall finden, als seiner Zeit die in demselben Blatte erschienene Lancken'sche Erzählung „Radme". * Das theuerste Weihnachtsgeschenk wird einer Dame nicht so v'el Vergnügen bereiten, als ein Jahres-Abonnement der Mode- das in allen Buchhandlungen zu Mk. l0,— zu haben ist und auf einem reizenden Almanach in vielfarbigem Kunstdruck bestätigt wird. Die Beschenkte erhält dafür 24 Hefte der „Wiener Mode" in farbigen Decken, 12 Hefte „Wiener Kinder-Mode", 12 Schnittmusterbogen, zahlreiche farbige Beilagen und das Recht auf Gratisschnitte für sich und ihre Familie. Die „Wiener Mode" bringt jährlich über 350-j muster- giltige Original-Modezeichnungen und Handarbeiten. Sie ist ihrer nunmehr erreichten Vollkommenheit wegen das anerkannte Lieblingsblatt jeder besseren Familie. Zitherspieler tinb Freunde des Zitherspiels dürfte es interessiren, daß die seither in Tölz (Oberbayern) erschienene Zitherzeitung ,@*o vom Gebirge- in den Verlag der „Reuen Musik- Zeitung" (Carl Grüninger) in Stuttgart durch Kauf übergegangen ist. Die Redaction bleibt in den Händen des in Zitherspielerkreisen vortheil- haft bekannten Herrn Franz Fiedler in Tölz. Das Blatt, das die Interessen des Zitherspiels vertritt, bringt neben belehrenden und unterhaltenden Abhandlungen Concertberichte und Coneertprogramme, welche über die Thätigkeit in Zitherspielerkreisen orientiren, und in jeder Numm-r auf Notenpapier gedruckte Musikbeilagen. Der Abonnementspreis beträgt nur Mk. 1,20 vierteljährlich. Probenummern versendet die Verlagsbuchhandlung von Carl Grüninger in Stuttgart auf Verlangen gebührenfrei. Redaetion: N. Scheyda. — Druck und «erlag der Brühl'fchen UniverstMS-Buch- und Steindnickerei (Pietsch * Scheydas in Gießen.