UntechaltungMM Mm Gießener Anzeiger (General-AnMer) M M WM Ä ■ - A-u ■ MMZ MZL s»! MMR^W —•■> Baron Justus scharf ein. •* „Na, freilich, — Onkel — aber es war trotz alledem nicht recht von ihr, den Vater seinem eigentlichen Beruf ab- , wendig zu machen, da ich überzeugt bin, daß er in diesem Kriege, wo auch die Seemacht zur wirksamen Geltung kam, \ die höchste Staffel erreicht haben würde. Er wird in seiner । Liebe für die Frau damals auch aus zu großem Fuße, wie i sie es als junges Mädchen gewohnt gewesen war, gelebt und . vom Capital gezehrt haben. Genug, daß jener Anfang in , Newyork die erste Stufe zum Niedergang war, wovon mein । armer Vater, der stets ein vollkommener Gentleman geblieben । ist, Ihnen sicherlich nichts geschrieben hat." ; Baron Justus zupfte nervös an seinem grauen Schnurr- 1 bart, die starken Brauen waren finster zusammengezogen und in den Augen blitzte e» zornig. : „Lassen wir diese unerquicklichen Erörterungen," sprach er kurz, „ich habe die Vergangenheit begraben und erinnere > Dich an das vierte Gebot. Willst Du die Güte haben, abtragen zu lassen, meine Tochter?" wandte er sich an Ellen, die sich sofort erhob, um dem Diener zu klingeln und alsdann das Zimmer zu verlassen. Sie mußte einen Augenblick auf die Veranda hinaus- treten und mehrere Male tief aufathmen, al» ob drinnen eine unreine Luft auf ihr gelastet hätte. „Armer Vater," dachte ste seufzend, „ich fürchte, daß Dir mit diesem Neffen noch schwere Kämpfe bevorstehen; — und — woher nimmst Du die Gewißheit, daß er auch wirklich der Sohn Deines Bruders ist? —" Ein plötzlicher Gedanke ließ sie jetzt rasch ins Haus treten und nach einem breiten Corridor eilen, welcher die Ahnen - Gallerte genannt wurde, weil die der Fensterseite gegenüber befindliche hohe Längswand mit lebensgroßen Bildern der Alting'schen Vorfahren bis auf den vorletzten ; Baron und seine Gemahlin bedeckt war. Seltsamerweise > war nur noch ein Platz frei, welchen Baron Justus für fich selber als den letzten des alten, vornehmen Geschlechts, bestimmt hatte. „Man sieht daraus," pflegte er wohl scherzend zu sagen, „daß ich von vorherein zur Ehelosigkeit verurtheilt gewesen bin, weil für meine Frau kein Raum mehr vorhanden war." Das Herrenhaus oder Schloß, wie es stets genannt wurde, machte den Eindruck einer alten feudalen Burg. Die von zwei Setten emporlaufende breite Freitreppe war mit steinernen Balustraden geschmückt, welche oben von hohen Gewächsen flankirt waren. Ueber der breiten eichenen Thür erhob sich das steinerne Wappen der Herren Alting: ein Ritterhelm mit offenem Visir über zwei gekreuzten Schwertern. Rechts bildete ein umfangreicher runder Thurm, der an einen wohlgepflegten Park stieß, den Abschluß, während sich links die bereits erwähnte Veranda bis zu einem Gewächshause hinzog. Letztere beiden waren von dem verstorbenen Vater des Barons auf Wunsch seiner Gemahlin angelegt worden, ebenso der große Rasenplatz vor dem Schlosse, der dem mittel» cflterlichen Gebäude das düstere Gepräge genommen hatte. Ueber der Treppe mit dem Wappen befand sich iene Ahnen-Gallerte, die sich nach beiden Setten des ersten Stocks ■ hin erstreckte, und von hier nach verschiedenen großen Geseu- schastsräumen hinführte, von denen der mittelste ein Saal war, der mit seinen kostbaren Gobelins, seinen Fahnen, Waffen, und Trophäen aller Art eher einem Ritter- sals- einem Ball- Saale glich. Und doch waren hier früher fröhliche Feste - 4il - gefeiert worden, und noch die Mutter des jetzigen Schloßherrn, die heitere Rheinländerin hatte in diesem Saale als junge Gebieterin der Ballfreude sich hingeben dürfen, bis andere Pflichten die Jugendlust beendeten, und seitdem keine Mustk hier mehr erklungen war. Nun stand die Adoptivtochter des letzten Barons vor dem Bilde der letzten Schloßherrin, die in ihrer vollen Jugendschönheit für die Gallerte gemalt worden war und was ihr an alten Ahnen fehlte, durch Liebreiz zu ersetzen wußte. Sie war unstreitig die schönste der hochedlen Frauen, die so stolz, mit so vornehm abweisenden Mienen aus ihren breiten Rahmen herabblickten. Ellen betrachtete das reizende Gestcht der Rheinländerin und stellte in Gedanken ihren amerikanischen Enkel daneben. Ja, er glich ihr auffällig, die Gestchtszüge waren die ihrigen, nur das sonnige Lächeln fehlte und der freie unbefangene Blick ihrer freundlichen Augen- Die seinigen waren freilich ebenfalls braun, oder vielleicht schwarz? Sie konnte es nicht genau sagen, sondern hatte nur die Empfindung, daß fich etwas Lauerndes und Unheimliches darin verberge, die Spottsucht, die das Heiligste verhöhnt und ihr Opfer erbarmungslos in den Staub tritt. — Hatte er diesen Blick, der fich zur geeigneten Zeit zu verschleiern verstand, von seinem Vater? — Eine heftige Unruhe und Ungeduld erfaßte das junge Mädchen, das die Stunde nicht erwarten konnte, wo ste mit dem Vater allein fein werde, um sein Urtheil über diesen so plötzlich ins Haus geschneiten Neffen zu hören. Noch einen Blick über die Ahnenreihe werfend, begab ste stch nun rasch hinunter, um ihren häuslichen Pflichten nachzukommen. Mittlerweile hatte der Baron bei einer Cigarre seinen Neffe« ins Verhör genommen, was dieser mit einem spöttischen Lächeln aufnahm. „Mit Verlaub, lieber Qnkel," unterbrach er ihn nach den ersten einleitenden Worten. „Sie haben doch sicherlich einen kleinen Cognac oder dem Aehnliches vorräthig? — Ich bin ein wenig Alkohol beim Frühstück gewohnt." „Bedauere sehr, ich führe keinen Schnaps, dulde ihn auch nicht bei meinen Leuten," versetzte der Baron ruhig, „mein selbstgebrautes Bier scheint Dir also nicht zu munden?" „Nun, es mag für hiesige Verhältnisse ganz vortrefflich sein, in Amerika aber würden Sie keine Liebhaber dafür finden. Sie scheinen demnach Temperenzler zu sein?" „Dürfen diese Bier trinken? — Ich bekämpfe die Branntweinspest, auch unter einem feinen Etikett. Daran mußt Du Dich gewöhnen. Nur Sonntags und bei Gesellschaften wird Wein gereicht. — Ich bitte jetzt, mich nicht wieder zu unterbrechen." Hans Justus verbeugte sich ernsthaft. „Ich habe Dich auf das Schreiben Deines Vaters hin hier ausgenommen," fuhr der alte Herr mit einem kurzen Räuspern fort, „habe Dir die Hand zum Willkommensgruß gereicht, ohne vorher nach Deiner Legitimation zu fragen." Der junge Mann fuhr empor, seine Augen funkelten zornig. „Glauben Sie vielleicht —" Ich glaube in dieser Hinsicht niemals etwas, worüber ich keine Beweise habe," fiel der Baron ruhig ein, „ereifre Dich nicht unnöthig. Es wäre mir allerdings angenehmer gewesen, wenn Dein Vater stch in Deinem Interesse früher an mich gewendet und erst meine Ansicht darüber gehört hätte." (Fortsetzung folgt.) Eine großartige Idee. Skizze von A. von Wartenberg-Vielrogge. ------- (Nachdruck verboten. Ein trüber, grauer Himmel, unaufhörlich herniederströmender Regen, fahles Abenddämmern, — das ist so da» rechte Stimmungsbild für eine Nachtfelddienstübung. Naß bi» auf die Haut war jeder einzelne Mann der Compagnie, welcher dort in mißmuthigem Schweigen die durchweichte Chaussee entlang zog. Die Laune des Lieutenants von Schrötter, der neben den Mannschaften einherschritt, war auch nicht gerade die rosigste. Trübselig hingen die Spitzen des onst so keck aufgeputzten Schnurrbärtchens herab. Mürrisch »lickten die blauen Augen vor sich hin, und regelmäßig entfuhr »en Lippen ein halb unterdrückter Fluch, wenn der Fuß wieder tn einer großen Wasserlache versank. — In stummer Erbitterung gedachte der Lieutenant de» Herrn Oberst, der kein Erbarmen kannte, wenn e» galt, eine einer großartigen Ideen zu entwickeln. Dabei scheute er weder Wind noch Wetter! — Von dem Adjutanten gefolgt, prengte der Gestrenge soeben über da» Brachfeld, daß die Erdklümpchen nur so herumflogen. — Der Hauptmann ritt ihm entgegen, um die vorschriftsmäßige Meldung abzustatten. Gnädig winkte der Herr Oebrst ab und sprach dann hastig auf den Officier ein. „Ah", dachte der Lieutenant von Schrötter vergnügt, „vielleicht wird noch der ganze Rummel des schlechten Wetters wegen verschoben. Etwas Gescheiteres könnte gar nicht passiren!" Allein seine Hoffnung kam zu früh. „Vorwärts marsch!" hieß da» Commando, und weiter ging e» in gleichmäßigem Schritt die mit Pappeln besetzte Chaussee entlang. — Die Lust zum Scherzen war allen vergangen. Keine Cigarre wollte brennen, sang- und klanglos marschierte die Compagnie dahin. Ein Wagen rollte heran. Hastig wandte stch Herr von Schrötter um und erkannte trotz der hereinbrechende« Dunkelheit auf den ersten Blick die junge Dame, welche vom Bock des leichten Jagdwagens aus mit viel Geschick die feurigen Rosse lenkte. Eilig zwirbelte der Lieutenant seinen Schnurrbart in die Höhe und tupfte mit dem Taschentuch die Regentropfen vom Gestcht. „Wahrhaftig ste ist es," murmelte er vor stch hin. „Richtig, wir find ja auf dem Wege nach Schloß Bergwald." — Als das Gefährt näherte, grüßte der Lieutenant mit de« gezogenen Säbel. Der Gruß wurde mit der langen Fahrpeitsche ebenso förmlich erwidert, dafür aber leuchtete hüben in den blauen und drüben in den braunen Augen ei« inniger Gruß auf. Unwillkürlich hatte die junge Dame die Zügel angezoge«; die Pferde fielen in Schritt. Der Herr Hauptmann ritt heran, ihn erkennend, rief ihm Else vom Bevernt zu: „Guten Abend, Onkel I Was macht ihr denn bei diesem Wetter hier draußen? Du glaubst wohl, e» soll sich heute Abend noch aufklären? Bewahre! — Das bleibt die ganze Nacht so bei. — Laß Dir rathen, Onkelchen, zieh' mit Deinen Braven nach Hause. Sieh' nur, Herr von Schrötter macht ein ganz betrübtes Gesicht. Ich wette, er ist pudelnaß!" — „Recht gerathen, gnädiges Fräulein! Aber dem Herrn Hauptmann geht es nicht besser. Das ist nun einmal nicht anders im königlichen Dienst. Waren Ste i« der Stadt?" — „Ja, ich hatte dringende Besorgungen," — und stch tief vom Bock herabneigend, während der Hauptmann um den Wagen herumritt, flüsterte das Mädchen zu dem auf der anderen Seite nebenherschreitenden Osficier: „Sonntag am Aurfichtsthurm." — „Ich komme," — gab er ebenso zurück. „Ja, denke Dir nur, Else, wir haben heute Nachtfelb- dienstübung," versetzte der Hauptmann, dem da» Geflüster entgangen war. „Bei diesem Wetter?" — staunte da» Mädchen. „Was hilft e»! Der Herr Oberst hat unglücklicher Weise wieder einmal eine „großartige Idee" gehabt. Ich hoffe aber immer noch, er hat ein Einsehen und läßt „das Ganze sammeln" blasen." — „Ach so, das Signal, das Euch heimzurücken erlaubt?" — „Ja wohl. —" „Wie ist es doch? —" So wenig Verständniß für Musik Herr von Schrötter im Allgemeinen besaß, wie die Töne dieses Signals, bas ihm schon so oft die ersehnte Ruhe verheißen, aufeinander folgen 412 Redaktion I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch L Scheyda) in Gießen. was «ar das? — Langgezogene Töne, unsicher zuerst und zaghaft und nun anschwellend, hallten sie laut und kräftig durch die Nacht. Neues Leben durchströmte die halb erstarrten Glieder. Das Signal! — Zweifelnd, der schönen Hoffnung nicht zu trauen wagend, horchte Alles und lauschte gespannt. Da war es wieder. Hell schmetternd setzte es ein. „Sammeln!" sammeln!" — lockten die wohlbekannten Töne. — Hier war kein Zweifel mehr möglich, es wurde „das Ganze fammeln" geblasen. „Schrötter, hören Sie es?" — erkundigte sich vorsichtshalber der Hauptmann bei seinem Untergebenen. „Ja wohl, Herr Hauptmann," entgegnete dieser- „Di Töne scheinen aus nächstes Nähe zu kommen. Hinter dem Park muß eine Abtheilung stehen, die das Signal gibt. —" Auf Anordnung des Compagniechefs wurde das Signal ausgenommen und weitergegeben. Von hier und dort 'lang es bald als Antwort zurück, ein Zeichen, daß man überall im Aufbruch begriffen war. Wie gern folgte jetzt jeder dem Kommandowort des Führers. Der Humor kehrte wieder. Beim Gesang des lustigen Soldatenliedes und mit der Aussicht auf ein warmes Zimmer und ein Glas heißen Grogs marfchirts es sich noch einmal so gut. Plötzlich sprengte ein Reiter in schärfster Pace heran. Es war der Herr Oberst selbst. „Herr Hauptmann!" fuhr er wuthschnaubend auf den Compagniechef los. „Wie können Sie sich unterstehen und „das Ganze sammeln" blasen laffen. Ich bin außer mir I Alles läuft mir davon, kein Halten mehr! Was soll aus meiner Idee werden!" Der Hauptmann hatte Mühe, dem erregten Oberst klar zu machen, wie unschuldig er an der ganzen Sache sei. Kaum vernahm der Gestrenge» die seiner großartigen Idee ver- hängnißvoll gewordenen Töne seien von jenseits des Schloßgartens gekommen, da jagte er auch schon davon, es dem Hauptmann überlassend, ob er weitermarschiren oder warten solle. Dieser entschied sich für das Erstere. Indessen jagte der Oberst an der Parkmauer entlang und fahndete vergebens nach dem Mlffethäter. Er wußte von keinem Aussichtsthurm und keinem Schloßfräulein, er wußte ferner von keinem Waldhorn, das nun wieder ruhig an dem Nagel in der Halle hing, von dem es für kurze Zeit verschwunden gewesen- Er wußte auch wohl längst ntqtr mehr von der Liebe, die erfinderisch macht und oft tollkühn wagt, wenn dem Geliebten Gefahr droht. Ein Anderer aber wußte dies alles, doch der behielt seine Schlüsse wohlweislich für sich. Der nächste Sonntag Nach« mittag aber fand ihn wieder auf dem Wege nach Schloß Bergwald. Eine Meile zu Fuß ist für einen tüchtigen In» fanterielieutenant nichts als ein netter kleiner Spaziergang. Geflügelten Fußes eilte er dahin. Endlich war der Aussicht»- thurm erreicht. Dort war dis schmale Pforte in der Parkmauer. Auf flog die Thür. Zwei weiche Mädchenarme schlangen sich um seinen Hals, und ein frisches Lippenpaar bot sich ihm zum Kusse. r „ on „Nun, ist Dir die Nachtfelddienstübung gut bekommen? — fragte Else von Bevernt, sich aus seinen Armen lösend. — „Vortrefflich," entgegnete der Lieutenant von Schrötter. „Aber denke Dir, unser Oberst ist noch jetzt suchswild aus den Bösewicht, der das Signal: „das Ganze sammeln" ab« gegeben hat- Bis jetzt ist er noch nicht erwischt worden. Könntest Du mir nicht ein wenig auf die Spur helfen? Wer mag es wohl gewesen sein, ahnst Du es nicht, Du Schelm?" — , - Er hob mit der Hand ihr Kinn in die Höhe und buckle ihr prüfend in die Augen. Sie wich seinem Blicke aus, doch sich innig an ihn schmiegend, flüsterte sie: ,, . „Geliebter, Du hättest Dich in der feuchten Nacht i« erkälten können! —" mußten, das wußte er genau und konnte daher sogleich Auskunft ertheilen. Zuerst kommt: „Das Ganze", erklärte er, schwer und gewichtig: „Tra! — tra — tra — trat" — und dann: „Sammeln" kurz, staccato: „Tra tra! — tra tra! — tra tra! — tra tra! —" Else hatte es schnell aufgefaßt und trällerte es ihm lustig nach. „Famos, Mädel!" lobte der Hauptmann. „Vielleicht hörst Du dies liebe Signal heut Abend noch. Wir marfchiren in der Richtung auf Bergwald. Hinter Eurem Park wird Halt gemacht. Wenn Du es vernimmst, dann freue Dich für uns, daß wir endlich nach Hause dürfen und nicht bei diesem gräßlichen Wetter im Freien kampiren müssen. —" „Die ganze Nacht wohl gar? —" „Schon möglich!" „Da könnt ihr Euch ja den Tod holen! — Euer Oberst ist wirklich grausam. Ich wünschte, ich könnte ihm seine großartige Idee ordentlich anstretchen! „Ei, ei, Else, wenn der Gestrenge Dich hörte!" — drohte der Hauptmann. — „Ist mir höchst gleichgültig," trotzte sie, „ich sagte ihm meine Meinung am liebsten gerade ins Gesicht. Könnte ich ihm einmal einen tüchtigen Possen spielen, weiß Gott, ich thäte er! —* „Mädel, reich mir die Hand. So viel Mitgefühl für den armen Soldaten hätte ich Dir gar nicht zugetraut I" — rief der Onkel, ihr mit listig zwinkernden Augen die Rechte hinhaltend. — , _ c „ „ „Ach Du," schmollte sie, die dargebotene Hand zurückschiebend. „Nun, ich wünschte eine recht trockene Nacht." Sie zog die Zügel an und schnalzte mit der Zunge als Aufmunterung für die Pferde. „Adieu Onkel! — Adieu Herr von Schrötter! — Erkälten Sie sich nicht!" rief sie noch zurück, dann sauste die Peitsche über den Rücken der Pferde durch die Luft, fort rollte der Wagen und war bald den sehnsüchtigen Blicken des Lieutenants entschwunden. — t . Tiefer und tiefer sanken die Schatten der Nacht herab. Unendlich lang dehnte sich der Weg. Schließlich aber war doch das Ziel erreicht. , , „Ganzes Bataillon halt! — Rührt Euch! —" lautete das Kommando. , c Die Chaussee machte hier eine Biegung und zog sich an einer ziemlich hohen Steinmauer entlang, über dis halb entlaubte Baumkronen herüberschautsn. Es war die Parkmauer von Schloß Bergwald. Herr von Schrötter wußte es wohl, er kannte hier reden Weg und Steg. Hinter den Bäumen lag das Schloß, und in dem Schloß wohnte sie, die ihm mit ihren braunen Augen und dem sonnigen Lächeln das Herz gestohlen hatte. — Er seufzte tief auf und wußte selbst nicht recht, galt dieser Seufzer seinem abhanden gekommenen Herzen, dem Regen oder der Nachtfelddienstübung. Die Lage wurde eine immer ungemüthlichere. Nirgend» ein trockenes Fleckchen Erde, dazu der naßkalte Regen. Niemand wußte, was werden follte, denn hier waren weitere Befehle abzuwarten. Plötzlich hob der Lieutenant lauschend den Kopf. Es war ihm, als raschelte das Laub jenseits der Mauer, und als näherten sich Schritte. Doch nein, jetzt blieb wieder alle» still. Er konnte sich auch getäuscht haben. Aber da, — knarrte nicht dis Thür des Aussichtsthurmes, der sich hier rechts am Ende des Parkes befinden mußte? Als Herr von Schrötter da» letzte Mal in Schloß Bergwald gewesen, hatte er mit Else von der Plattform» de» Thurmes aus den schönen Rundblick genossen. — Er erinnerte sich dessen nur zu genau. Rasch wandte er den Kops in der Richtung, in der er den Thurm vermuthete. — Es war stockfinster- Nichts ließ sich erkennen. Aber