artenbesttzer, die die Beobachtung unter den auf- durch schnelleres rßen rasch und oder gar sechs csten vollständig Blattpaare auf- rd bald so dünn, Hättet zur Ent- »fruchtbar. Sie niemals Samen >rt als unnütze n die Erfahrung gsr auftritt, je Grundstücke an- imenwechfel und chen Festlande, cklich mehr als je । dürfte sich dieses en noch steigern. : weites Festland, 'ten entdeckt, von :eten wurde. Die erst ganz kürzlich >ns ausgerüsteten Breite vordrang, he Walfischfahrer eitschrift »Utder über dieses erste rzählung bildliche r bei. Es dürften tlichkeit tretenden bis jetzt nur den i den Worten des ist, daß derjenige, hnsucht nach der- e neueste Nummer mit er in, Berlin W. >, sowie mehrere mg haben Strand nd aber ist das en Schwanenteich ict Perlen- und und viele andere ete Juli-Nummer, ueste Novelle von mungsvolle Bild iit bunter Fächeret trotz ihrer un- s-Probenummern n John Henry e und durch die einen geht jetzt gsmittel für die im Verlage von ide Spezialblatt genb" in seiner Nummer finbeit taub, sowie bas lbner. Die achte mrch Kinberhand 'garberobe allein chuittmusterbogen beb achte Mutter gelenbe „Kinber- isehen. Gratis- 'lag John Henry und durch die in Gießen, ♦ V -v V •• V V LNmeMemek kW '' ' -x i -W-- •<$ M 'TJ’Ü“ Wtr'T WMIM •- u ■JT' SV Unterhaltungsdiatt nun Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). Die Töchter des Popen. Roman von Marguerite Poradowska. Deutsch von M. Pillet. (Fortsetzung.) „Panna Binia wird uns den Thee eingießen/ sagte Thaddäus. Und mit reizender, schüchterner Unbeholfenheit that das junge Mädchen wie üblich zuerst den Zucker und den Löffel in das Glas, damit es nicht springe, dann goß fie einen kleinen Theil des heißen Getränk» hinein, öffnete den Hahn des Samowars und füllte die Gläser mit kochendem Wasser, indem fie einen fragenden Blick auf den Hausherrn richtete, um zu erfahren, ob die Mischung so gut oder zu stark wäre. »Zu stark? Nein, gewiß nicht, Panna Binia, keine Angst, im Gegentheil zu schwach." Dar verlegene Mädchen goß schnell etwas Thee dazu. „Noch immer zu schwach," sagte Thaddäus lachend. Aber diesmal sah fie ihn ganz hilflos an und wußte nicht, was fie thun sollte, denn der Thee aus dem Glase floß schon fast über in den kleinen metallenen Untersatz. „Panna Binia wird doch wissen, daß man Rum in den Thee thun muß, viel Rum, wenn er stark werden soll." Und der gute Oberförster, der sich an der beschämten Miene seiner Schülerin ergötzte, streckte schalkhaft lächelnd die Hand nach der Crystallflasche aus. Dann brachen alle Drei in ein frohes, glückliches Lachen aus. Thaddäus hatte sich bequem zurückgelehnt, sog den Duft seiner Cigarette ein und schlürfte seinen Thee in kleinen Zügen; dabei betrachtete er Janek und Binia, die emsig mit ihrer Mahlzeit beschäftigt waren. Er war stolz auf seinen Hans, denn er las in den klaren Augen des jungen Mannes ein großmüthiges Vergessen alles Vergangenen. Erst am Abend vorher hatte er durch Binia von ihrer Rettung aus dem Flusse gehört, und wenn er auch Janek seine Zufriedenheit nicht mit Worten ausgesprochen hatte, so verstanden sie sich doch auch ohne diese. Ja, er freute sich seines Werkes und fühlte sich für alle Mühe hundertfach belohnt. Sein ruhiges, auf Wohlwollen und Gerechtigkeit gegründetes System hatte Früchte getragen. Mit Predigten, mit bitteren, scharfe« Worten hätte er eine heftige Natur wie die Janeks nicht bezwingen können; es gehörte dazu die langsam, aber sicher wirkende Macht des Beispiels. Tropfen äuf Tropfen hatte Hans die Lehren seines Meisters in sich ausgenommen und war ihm ganz natürlich ohne Anstrengung auf dem geraden richtigen Wege gefolgt. Es war fünf Uhr Abends. Durch das offene Fenster drangen die milden Wohlgerüche des Waldes. Tausendfache Vogelstimmen mischten sich in da» Säuseln der vom Winde bewegten Blätter. Draußen und drinnen im Häuschen ungestörter, heiterer Friede. Die Sonne sank langsam hinter die grünen Eichen. Thaddäus erhob sich plötzlich. „Sie müssen fort, Panna Binia; was würde Ihr Vater sagen, wenn wir Sie über die erlaubte Stunde hinaus behielten? Nimm Deine Flinte, Janek, und rufe Komar; wir wollen die kleine Popadianka ein Stückchen begleiten," sagte er, die beiden jungen Leute schelmisch anlächelnd. VI. Es war Binia« letzte Stunde bei dem Förster gewesen, denn ihr Vater fand, daß fie vorläufig genug gelernt hätte- Diese Entscheidung verdroß Han« mehr, al» er erwartet hatte und er erblickte darin einen neuen Beweis von dem kalten Egoismus des Priesters. Von nun an lief er nicht mehr wie sonst davon, wenn er zufällig auf seinen Streifereien dem jungen Mädchen und ihren Schwestern begegnete, sondern zog den Hut schon von weitem ab und ging auf sie zu- „Sie sind es, Panna Binia?" „Guten Tag, Herr Hans. . . . Alles gesund zu Hause?" »Ja, danke. Suchen Sie Brombeeren? Warten Sie, ich werde Ihnen einen Ort zeigen, wo die Sträucher ganz schwarz davon find." Die kleinen Mädchen klatschten vor Freude in die Hände. Ein andermal rannte er mit der lustigen Gesellschaft einem Eichhörnchen nach. Wenn sie bann müde vom Laufen waren, ruhten fie sich einen Augenblick aus und plauderten im Schatten einer Tanne auf einer sonnigen Lichtung, wo purpurrother Fingerhut seine Kerzen gerade in die Höhe streckte. —* 302 —s Der Herbst nahte sich seinem Ende. Auf den Wegen tanzten große Haufen gelber Blätter im tollen Wirbel durcheinander. Hoch oben in der klaren, reinen Luft sammelten sich Schwärme vom Winde zusammengejagter Schwalben und beriethen über ihre bevorstehende Abreise. Eines Tages waren Binta und die Zwillinge am Ufer eines lieblichen, dem Stry zufließenden Baches eifrig beschäftigt, eine Heerde störrischer Gänse mit langen Ruthen auf den Heimweg zu bringen. Aber weder das betäubende Geschrei noch die gebieterischen Geberden der Mädchen zwangen die geflügelten Empörer, die die Luft mit ihren näselnden Klagelauten und mit wüthendem Flügelschlagen erfüllten, zum Gehorsam. Plötzlich bemerkte Blnia an einer Krümmung des Weges Hans, der mit der Flinte aus der Schulter und dem Hund neben sich daherkam. Bei ihrem Anblick beschleunigte er seine Schritte. Sein Gesicht war geröthet und seine Augen glänzten in ungewohnter Weise. Noch niemals hatte ihn das junge Mädchen so gesehen. „Ich habe eben den Befehl bekommen, mich morgen in Stry bei den Soldaten zu stellen," sagte er schnell. Soldat! . . . Dies Wort traf sie gerade in's Herz. — Daran hatte sie noch nie gedacht. Soldat! Freilich, er mußte ja auch daran wie alle Anderen. Sonderbar, wie ihr schwindelte, wie ihre Hände zitterten und wie sie fühlte, daß sie blaß wurde! Dennoch hatte sie die Kraft, sich aufrecht zu erhalten und mit möglichst gleichgiltiger Stimme zu fragen: „Soldat — auf lange Zeit?" „Auf drei Jahre." „Und während dieser ganzen Zeit werden wir Sie nicht sehen. Aber Sie sreuen sich wohl, nicht wahr?" „Gott ja, er muß ja auch sein. Und dann ist es etwas Neues. Man bekommt andere Länder zu sehen und lernt bisher unbekannte Dinge kennen." „Und Sie kommen nicht ein einziger Mal dazwischen wieder?" „D ja, das kommt darauf an, wohin ich geschickt werde, vielleicht nach Lemberg oder Krakau . . - aber freilich, wenn ich nach Triest oder nach Böhmen käme, würde es wohl unmöglich fein!" „Ja, das wäre zu weit," flüsterte sie mit ergebenem Lächeln. „Werden Sie ein bischen an mich denken, Panna Binia, wenn ich fort bin?" fragte er. In diesem Augenblick erschien auf der weißen, vor ihnen liegenden Landstraße eine wohlbekannte Britschka, mit einem kleinen Pferde bespannt. „Das ist Papa," sagte Binia, ohne auf seine Frage zu antworten, und Schreck und Angst malten sich auf ihren und Er auf ßÜQCÄ« Unwillkürlich entfernten sie sich von einander wie zwei auf frischer That ertappte Verbrecher. „Auf Wiedersehen!" flüsterte Janek und bewegte die Hand zum Gruße. „Leben Sie wohl!" antwortete sie niedergeschlagen und entfernte sich eilig mit den Kindern, die wieder dabei waren, die Gänse zu jagen. Des Abends beim Eflen fing der Vater an, die beiden Zwillinge auszufragen. „Ihr wart heute Nachmittag auf der Chaussee?" „Ja, Papa." „Mit Binia?" „Mit Binia." „Und wer sprach noch mit Euch?" „D, das war Freund Janek, der Förster." „Wie, Freund Janek? Ihr kennt ihn?" „Ja, sehr gut; er hat «ns oft Pfeife« geschnitten schöne Haselnüsse gegeben." „Und wo pflegt Ihr ihn denn zu treffen?" „Ach, überall, im Walde, am Bach, auf den Wegen. Ist sy nett; aber er geht fort, er wird Soldat." .Ja," sagte die Größere der Zwillinge, „er geht drei Jahre fort, weit fort, und Binia hat sogar ein wenig geweint vorhin, als ste es hörte." „Das ist nicht wahr," sagte die Andere, „ste hat nicht geweint." „Ja, ich habe es wohl gesehen; aber ste drehte immer so den Kopf um, damit man es nicht bemerken sollte." „Binia hat nicht geweint," beharrte die Kleinere, „Olena ist eine Lügnerin." „Ja, Du lügst, Du Unart . . Dem aurbrechenden Streit machte der Vater schnell ein Ende, indem er Beide am Arm faßte und zur Thür hinauswarf. Dann wandte er stch an Binia, die blaß, mit gesenktem Kopfe ihm gegenüber saß. „Nun, willst Du mir sagen, was dies Alles bedeutet?" Die übrige Familie hatte sich voller Neugier genähert, um die Scene besser genießen zu können. „Vor allen Dingen," sagte der Priester barsch, „steh' auf und komm' her! So hält man stch nicht vor seinem Vater." „Also Du kennst diesen Janek?" „Ja. . ." „Du weißt doch, daß er ein Taugenichts ist, der vor einigen Jahren hierher kam und Deinen eigenen Vater beschimpfte, und der dann zur Thür hinausgeworfen wurde wie ein Hund." Binia antwortete nicht; aber ste bebte am ganzen Körper. Wie konnte ihr Vater es wagen, an jenen peinlichen Auftritt zu erinnern! „Weißt Du nicht, daß er aus einer Familie von Bettlern stammt, daß fein Vater ein elender Bergmann war, der Gott weiß woher kam, ohne Papiere, ohne Heirathrbescheini- gung, und daß er, der schöne Janek, nicht einmal einen Namen hat?" „Ja, ich weiß es." „Und das hat Dich nicht gehindert, ihm Rendez-vous zu geben?" Binia richtete sich feuerroth empor. „Nein, Vater, das habe ich nicht gethan," sagte sie. „Jedesmal, wenn ich ihn getroffen habe, war es durch Zufall. Uebrigens," fügte sie leiser hinzu, „wäre ich ohne ihn damals vielleicht ertrunken — Du weißt ja, Vater." Der Pope faßte ste heftig an der Schulter. „Ertrunken, das wäre besser gewesen, als Deine Familie zu entehren," schrie er mit Donnerstimme. „Na, na, Thymoftäus," versuchte die Popadia dazwischen zu treten. «Ja, ganz gewiß," rief er, immer wüthender werbend; „das also ist der Dank für alle Mühe und Sorge, mit der ich Dich erzogen habe." Binia stand leichenblaß, mit zusammengepreßten Lippen und starren Augen, unbeweglich vor ihm. „Höre, Du wirst mir etwas versprechen, mir schwören, niemals wieder mit diesem Taugenichts zu reden und wenn Du ihm begegnest, ihm den Rücken zu drehen, damit er genau weiß, daß Du Dir nichts aus ihm machst. Versprich es mir, Du wirst Dich also nicht mehr mit ihm einlaffen." Sie stotterte ein schmerzliches „Rein". Alles Blut war aus ihrem Gestcht gewichen. „Es ist gut. Nun geh', wohin Du willst," sagte er, sie rauh fortstoßend. Sie wankte hinaus, ihre Schwestern ihr nach. Als er mit feiner Frau allein war, redete der Priester heftig auf ste ein. „Du kannst Dich rühmen, Deine Töchter gut erzogen zu haben, Diotyma. Diese Duckmäuserin! Wer hätte das von ihr erwarten können! Diesem Menschen Rendez-vous zu geben!" Aber die Popadia sagte mit entrüstetem Tone: „Du wirst das Märchen doch nicht weiter behaupten wollen? Ich stehe für Binia ein; ste ist jeder Jntrigue unfähig. Du mit Deiner albernen Scene setzest ihr allerhand Gedanken in den Kopf. Ich kenne keinen Menschen, der um nichts so in Zorn geräth wie Du- Und selbst wenn ste den Burschen getroffen - 303 - »gar ein wenig „Re hat nicht e drehte immer m sollte." Heinere, „Olena 3ater schnell ein c Thür hinaus« z, mit gesenktem llles bedeutet?" mgisr genähert, arsch, „steh' auf seinem Vater." te ist, der vor gelten Vater dessen wurde wie ; ganzen Körper, inlichen Auftritt milie von Bett- >mann war, der jeirathrbescheini« t einmal einen 1t Rendez-vous Han," sagte sie. es durch Zufall, chne ihn damals ter. s Deine Familie padia dazwischen hender werdend; Sorge, mit der epreßlen Lippen i, mir schwören, reden und wenn damit er genau versprich es mir, affen." Alles Blut war st," sagte er, sie : nach. >ete der Priester ter gut erzogen Wer hätte das Rendez-vous zu em Tone: „Du en wollen? J4 »fähig. Du mit Jedanken in den ichts so in Zorn rrschen getroffen hätte, der sie aus dem Fluß gezogen hat, was Du doch nicht leugnen kannst, — diese großartige Geschichte! Deswegen ist sie doch nicht verloren, und bann, hast Du nicht gehört, daß er fortgeht? Wenn er zurückkehrt nach drei Jahren, ist schon viel Wafler unter der Brücke des Stty hindurchgefloffen. Na, nun komm' und setz' Dich wieder an den Tisch. Da hast Du Deine Mamaliga (Maisgries) über dieser dummen Geschichte kalt werden lasten. Was für ein Glück für Dich, daß Du eine Frau hast wie ich! Wenn ich nicht immer da wäre, um Dich an Dummheiten zu hindern und den Frieden im Hause herzustellen! Und nun läflest Du das Kind in Ruhe, ganz und gar, nicht wahr? Weißt Du denn nicht, daß sie doch immer nur unserem Willen folgen wird und daß wir sie eines Tages ganz nach unserem Belieben verheirathen können?" VII. Fast drei Jahre waren vergangen, seit Hans Dolina verkästen hatte, um zu seinem Regiment zu gehen, und die Bewohner des Pfarrhauses schienen seine Existenz vollständig vergessen zu haben. Wenn Binia noch an ihn dachte und an hohen Festtagen stets einen ängstlichen, leider immer enttäuschten Blick auf die dicht gedrängte Gruppe von Männern auf der rechten Seite der kleinen Capelle warf, da sie immer hoffte, darunter das Profil des Abwesenden auftauchen zu sehen, so hatte fich doch Niemand darum gekümmert oder es bemerkt, und ihr kleines, blasses Gesicht verrieth auch nicht« von den Gedanken, die sie beschäftigten. Uebrigens hatten Thymostäus und seine Gattin gerade j tzt ganz Anderes int Kopf als dergleichen Geschichten. Ein großes, seit langer Zeit mit taufend klugen Maßregeln vorbereitetes Ereigniß sollte endlich vor sich gehen und schon wurde in der Gegend dar Gerücht laut, daß der Pope seine Tochter verheirathen würde. „Seine Tochter — welche denn?" fragten die Leute neugierig. „Nun, die hübsche, die blonde!" „Ach, Sofronya?" „Ja, die älteste von den sechs, und eine famose Partie macht sie 1 Vincenz Rayski, den Thierarzt, den größten Politiker der Umgegend; das ist ein braver Mensch und unermüdlich fleißig! Jetzt wird sie die Nase erst hochtragen, die Popadia. Man denke nur, eine Popentochter, die einen polnischen Edelmann heirathet! . . . Thymostäus muß den Plan lange überlegt haben, der alte Fuchs, denn es verging keine Woche, ohne daß er unter dem einen oder dem anderen Vorwande zu dem jungen Manne kam; da war ein Pferd krank oder eine Kuh gab keine Milch; wenn es möglich gewesen wäre, er hätte seine ganze Familie von ihm behandeln lassen. Der wird da eine schöne Dummheit machen, der Rayski; ich hätte ihn für klüger gehalten. — Ja, wo die Liebe mit im Spiele ist!" Die Gerüchte, die in der Gegend umliefen, waren that« sächlich begründet. Sofronya, die älteste Tochter des rutheni- schen Popenpaares, hatte das Herz des jungen, heißblütigen Thierarztes aus dem benachbarten Städtchen int Sturm erobert. Diese Verbindung war eine unverhoffte Ehre für die Familie Jvanicki, denn die junge Popadia trat damit aus der bescheidenen Lebenssphäre, in der sie geboren war, hinaus in den Kreis des kleinen polnischen katholischen Adels. Das Herz der guten Diotyma, die stch manche DemÜthigung von den Gevatterinnen in der Stadt hatte gefallen lassen müssen, hob sich in stolzem Bewußtsein bei der Aussicht auf dieses unerwartete Glück. Sofronya würde ja nicht nur mit der Gattin des Richters, sondern auch mit der Frau Hauptmann, der Frau Doctor und den anderen Honoratiorendamen gleichberechtigt sein und dazu noch da» Vergnügen haben, die Apo« thekersfrau, die Popadia und alle Jüdinnen des Ortes mit herablassender Gönnermiene bei Seite zu schieben. „Ja," sagte Diotyma und that dabei einen Freudensprung, so leicht wie ihre Beleibtheit es ihr gestattete, „ich habe es immer gesagt, daß dies Kind der Familie zur Ehre gereichen wird. Wie schade, daß Binia nicht etwas mehr, wie soll ich sagen, etwas weniger . . ." „Na, nur Geduld, Diotyma," antwortete der Priester, „ich habe auch für sie meinen Plan; Du wirst schön erstaunt sein!" Der junge Thierarzt, der eine so begehrenswerthe Partie zu fein schien, war ein leidenschaftlicher Pole. Al« Mitglied verschiedener politischer Vereine, in denen es laut und lärmend zuging, sprach er viel und oft in den Clubs und seine Reden waren so hinreißend und zündend, daß es nicht selten vorkam, daß seine begeisterten Zuhörer ihn in die Höhe hoben und im Triumph und unter Hurrahgeschrei durch den Saal trugen- Sein gar zu feuriger Patriotismus erschreckte die furchtsamen oder friedliebenden Gemüther. Er hatte nichts Geringeres int Sinn, als mit Feu r und Schwert gegen Diejenigen vorzugehen, dis feine Ansichten nicht theilten. Daher war auch die Zahl feiner Anhänger verhältnißmäßig klein; da et aber ein sehr gutmütiger Mensch war, erfreute er sich allgemeiner Beliebtheit. Eine feiner fixen Ideen war die Vereinigung der Ruthenen und Polen. Diesen Gedanken wollte er nun durch seine Heirath mit der hübschen Popentochter praktisch zur Ausführung bringen. Er glaubte in seinem zukünftigen Schwiegervater, der entschlossen für feine Gesinnungen Partei nahm, eine sichere Unterstützung gefunden zu hüben. Die Beharrlichkeit, mit welcher der Priester alle seine Vorträge besuchte, hatte ihn schon lange erbaut und als sie in der Folge gelegentlich in nähere Beziehungen traten, nahm ihn die Begeisterung des ehrwürdigen Herrn vollständig für denselben ein. «Sie sind ein wahrer Patriot, Thymostäus Jvanicki," rief er eines Tages. „Ach, wenn alle ruthenischen Priester wie Sie wären, welcher Machtzuwachs, welche Hilfe für unsere Partei! Ich werde Sie bei bett nächsten Wahlen zum Ab- georbneten vorschlagen .... Männer wie Sie dürfen nicht unbekannt bleiben." Und der Priester hatte bescheiden geantwortet, er würde stolz sein, die gute Sache im Landtage zu vertreten. Nach und nach setzte Thymostäus keinen Fuß mehr in die Stadt, ohne seinen neuen Freund aufzusuchen, und es machte sich wie zufällig, daß die hübsche Sofronya ihn öfter begleitete. Zu Anfang war dieser Umstand Vincenz nicht angenehm. Da konnte man ja gar nicht mehr reden! Aber die ernsthafte Haltung de« jungen Mädchens und besonders die außerordentliche Vorliebe, die sie im Gegensatz zu den meisten ihres Geschlechts für politische Dinge zu haben schien, hatten ihn bezaubert und während seiner weiten Wege durch das Land verfolgte ihn der weiche, liebkosende Blick ihrer schwarzen Augen, die so sonderbar an ihm hingen. So war, ohne daß er selbst wußte wie, in seinem Geiste der lichtvolle Gedanke dieser allegorischen Verbindung entstanden, deren lebendige Verkörperung Sofronya und er sein sollten- Eines Tages, als Thymostäus allein zu ihm gekommen war und mit ihm eine Flasche alten Tokayer leerte, erhob der junge Mann plötzlich sein Glas und sagte mit feierlichem Tone: „Ich bin Pole und römisch-katholisch, Thymostäus Jvanicki, Ihre Tochter ist unirte Ruthenin, also gleichfalls von Rom abhängig. In zehn Jahren müssen Polen und Ruthenen sich die Hand gereicht haben und nur eine Familie bilden- Wollen Sie indessen den ersten Markstein zu dieser Verbindung errichten und mir die Hand Ihrer Tochter bewilligen?" Sein Gesicht röthete sich und seine feurigen Augen leuchteten, während er diese Worte lebhaft gestikulirend und mit schallender pathetischer Stimme sagte. „Endlich," dachte der Pope voller Freude, als er den Fisch an dem so lange hingereichten Köder anbeißen sah. Einige Tage später wurde es Vincenz gestattet, zu den Füßen der hübschen Popadia seine Liebe und seine Hoffnungen niederzulegen. (Fortsetzung folgt.) -- 301 Auf der Löweujagd. Ein Jagdabenteuer in Südafrika. Nach dem Englischen von R. Wellenborn. (Schluß.) Ich selbst sah jetzt die Gewehre der tapferen Gentlemen nach, überzeugte mich, daß alles in Ordnung war und gab nunmehr, mich ebenfalls schußfertig machend, den Befehl zum Feuern. Ziemlich ä tempo blitzte es aus den Gewehren meiner Begleiter nach dem Tamarinden-Gebüsch hin, aber der von mir erwartete Effect blieb vollständig aus. Da nicht gut anzunehmen war, daß die Kugeln rechts oder ltms von dem immerhin wohl mindestens fünfzehn Fuß breiten Gebüsch vorbeigeflogen sein konnten, so hatte offenbar keine von ihnen den Löwen auch nur gestreift, denn der „gelbe Herr« würde sich dann doch wenigstens gerührt haben. Es blieb mir nun nichts übrig, als auf irgend einen Punkt der nur ganz undeutlich aus dem Gebüsch hervorschimmernden Umrisse zu feuern. Ich legte an, visitirte mit größter Sorgfalt und gab, wieder» um zunächst aus dem linken Rohr der Doppelbüchse, Feuer. Sofort antwortete ein furchtbares Wehegeheul dem Schüsse und die ungeheure Gestalt des Löwen schnellte mit einem Riesensatz aus dem Gebüsch heraus und flog auf uns zu; kaum zehn Schritt vor mir fiel das gewaltige Thier auf den Boden, mit den Pranken denselben aufwühlend, daß Erde und Sand weit umherstoben. Ich benutzte diesen Augenblick, um mich rasch auf ein Knie niederzulaffen und dem Löwen nun auch die Kugel meines rechten Büchsenrohres zuzusenden, aber im gleichen Moment erscholl ein neues betäubendes Gebrüll des verwundeten Raubthieres, so daß ich mich instinctiv platt auf den Boden warf, und in der nächsten Secunde flog der Löwe mit einem weiteren mächtigen Satze über mich hinweg, worauf ein entsetzliches Klage» und Hilsegeschrei in einem wunderlichen Gemisch des Namadialectes der Hottentotten mit dem von ihnen gesprochenen gebrochenen Englisch. Im Nu sprang ich wieder auf die Füße und bemerkte jetzt, daß sich der Löwe auf Redboy geworfen hatte, dem er mit den furchtbaren Krallen und Zähnen Rücken und Hüfte entsetzlich zerfleischte; der arme Kerl hatte einige Schritte hinter mir gestanden und die ganze Wucht des mir zugedacht gewesenen Angriffes des Löwen empfangen. Ich schaute mich nach Charles und Makroff um — aha, dort rannten fie wie vom Entsetzen gepackt, in die Ebene hinaus, die abgeschossenen Gewehre krampfhaft vor sich hinhaltend; ihre Pferde sowie der Schimmel Redboys galloppirten nach einer anderen Richtung davon, während mein Hengst, dem ich vorsichtiger Weise die Gelenke der beiden Vorderhufe zusammen« gefesselt hatte, nach dem Löwen stierte, sich vor Angst schüttelnd. Wenn ich dem armen Redboy zu Hilfe kommen wollte, vorausgesetzt daß es hierzu nicht schon zu spät war, so durfte ich nicht länger zögern. Um neue Patronen aus meiner Jagdtasche zu ziehen und fie in die abgefeuerten Büchsenläufe zu schieben, dazu war es offenbar zu spät, ich warf daher die zunächst unnütz gewordene Waffe weg, riß meinen Revolver aus dem Gürtel und sprang den Hahn spannend, zu der Gruppe hin, welche der Löwe und der unglückliche Hottentotte bildeten. Gerade wandte mir die wüthende Bestie den Kopf zu, und bot derselbe durch die gesträubte Mähne, die grimmig funkelnden blutunterlaufenen Augen und aufgeriffenen Rachen einen schrecklich schönen Anblick dar. Ich wußte, daß es nothwendig war, kaltes Blut zu bewahren, wollte ich mit der kleinen Schußwaffe einen unbedingt tödtlichen Schuß thun, und einen solchen mußte ich unbedingt abgeben, wollte ich mich nicht in der nächsten Minute ebenso zerfleischt sehen als es schon der bedauernswerthe Redboy war. Ich nahm daher all' meinen Muth und meine Kaltblütigkeit zusammen, blickte dem Löwen fest in die zornglitzernden Augen, erhob den Revolver und feuerte zwei Schüsse in das rechte Auge ab, worauf ich rasch zur Seite sprang, den Revolver in die linke Hand nahm und meine Rechte mit dem schweren Bowiemesser bewaffnete. Aber er blieb mir erspart, noch mit der treuen scharfen Stahlklinge gegen den grimmigen Gegner vorgehen zu müssen, sein stolzes Haupt sank zurück, ein Zittern durchflog die königliche Gestalt und verendend sank der Löwe neben dem ohnmächtigen oder bereits tobten Hottentotten auf den Boden nieder. Ich untersuchte meinen Gefährten und fand zu meiner Freude, daß das Herz trotz der schrecklichen Wunden, die er namentlich im Rücken, an den Händen und an der rechten Sette erlitten hatte, noch ziemlich kräftig fchlug. Schnell feuerte ich die vier anderen Schüsse de» Revolvers ab, um durch dies Zeichen Charles und Makroff zurückzurufen, und mit bemerkenswerther Raschheit erschienen Beide auch bald wieder bei mir. Ich hielt mich nicht dabei auf, ihnen lange Vorwürfe wegen ihres feigen Verhaltens zu machen, sondern gab Makroff den Befehl, die entflohenen Gäule zurückzubringen, während ich Charles beauftragte, meinen Kochtopf zu nehmen, und in der Umgegend nach einer Quelle zu suchen, zu welchem Geschäft der Bakalahary immer besonderes Talent gezeigt hatte. Zu meiner großen Genugthuung kehrte Charles denn auch bald zurück, in der Hand vorsichtig den bis zum Rande mit frischem Wasser gefüllten Topf tragend; außerdem brachte er jedoch noch einige mir unbekannte Kräuter mit, die der Halbwilde unterwegs gefunden hatte und deren Saft nach seiner Versicherung ganz ausgezichnet gegen die Verwundungen durch Bisse und Krallenhiebe wilder Thiers sein sollte. Ich wusch nun die Wunden Redboy» sorgfältig au», träufelte den Saft der von Charles mitgebrachten Kräuter auf die schrecklichen Risse und Löcher und verband dann die Wunden nothdürftig. Unterdessen war der Verwundete aufgewacht, doch fühlte er sich so schwach, daß wir an der Stelle, wo wir un» befanden, übernachten mußten; glücklicher Weise war vorher auch Makroff mit den wiedergefundenen Pferden zurückgekehrt. Am nächsten Morgen befand sich Redboy schon bedeutend besser, Dank seiner äußerst kräftigen Körperconsti« tution und wohl auch Dank dem heilsamen Kräutersafte- Da der Verwundete wieder sein Pferd zu besteigen vermochte, wenngleich nur unter Schwierigkeiten, so brachen wir, langsamen Schritt reitend, auf und nahmen die Richtung nach der Farm eines Schotten, der nach der Verstcherung des Bakalahary kaum einen Tagmarsch nördlich vom Platze unseres jüngsten Nachtlagers wohnen sollte; daß über den Sattel meiner Hengstes da« Fell des Löwen hing, brauche ich wohl kaum zu erwähnen. Kurz vor Dunkelwerden traf unser kleiner Zug unter der richtigen Führung Charles auf der erwähnten Farm ein, wo wir Alle gastfrenndliche Aufnahme fanden und wo man den verwundeten Redboy so sorgfältig pflegte, daß derselbe nach einer Woche wieder völlig hergestellt war. Literarisches. Die Uhr in der Criminalistik. Häufig spielt die Uhr im Strafproceß die ausschlaggebende Rolle und nicht selten hängt das Schicksal des Angeklagten von wenigen Minuten ab. Am schärfsten zu Tage tretend bei dem sogenannten Alibibeweis, erstreckt sich diese große Bedeutung der Uhr über das gesammte criminelle Gebiet. Eine interessante Betrachtung über dieses Thema bietet uns eine Skizze in der Familienzeitschrift ,Da» Buch für 810«* von A. O. Klaußmann, welche uns die verschiedenen hier denkbaren Fälle in ebenso sachkundiger als anschaulicher Weise vor Augen führt. Der Koriosität halber mag nur erwähnt sein, daß gerade die gewiegtesten Einbrecher die Gewöhn- ; heit haben, in den Räumen, in denen sie den Einbruch verüben, die Wanduhr zum Stehen zu bringen. Rian hat sich in criminalistischen Kreisen eine Zeitlang den Kopf darüber zerbrochen, weshalb die Einbrecher diesem Gebrauch huldigen. Durch Aussagen von Verbrechern hat sich folgender Grund für diesen sonderbaren Gebrauch ergeben. Der Einbrecher, der bei der „Arbeit- ist und mit Anspannung aller Geisteskräfte auf jedes verdächtige Geräusch hört, wird durch das Ticken der Uhr im Lauschen gestört; er hält die Uhr an, um desto besser aus jedes Geräusch horchen zu können. Gewöhnlich denken die Einbrecher nicht daran, bei ihrem Abzüge die Uhr wieder in Gang zu bringen, und so bildet sich für die Untersuchung ein wichtiges Moment, indem man aus dem Stand der Uhr den Zeitpunkt bestiminen kann, an welchem der Einbrecher in den Raum gedrungen ist. Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen, Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverstkatS-Buch- und 5 Roman »i Abl er einen empfangt weniger die Wär Da grobcoloi Ünterschi Vater ui scher uni Fer die einer »D bestürzt, lassen." „B schon mc Uni Stry ge mit Hein Als gängen getünchte Zuerst । und dan die Hul Johann rettete, Spitze d< in die $ ,,A Geistlich, _ ,D Diotymc