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Da Fred es gestern versäumt hatte, seine Taschenuhr aufzuziehen und da er in seiner hochgradigen Schwäche jeden Maßstab für die Berechnung der Zeit verloren hatte, ahnte er nicht, wie lange er schon geritten sein mochte, als er plötzlich mit tödtlichsm Erschrecken inne wurde, daß die drei Pferdespuren vor ihm verschwunden seien. Es half ihm nichts, daß er auf den Boden starrte, bi» ihm die Thränen aus den Augen stürzten — sie waren und blieben ver« sch wunden I Er ritt zurück und überzeugte sich, daß sie bis zu einem bestimmten Punkte deutlich erscheinbar waren. Bis dorthin waren die Reiter gekommen und keinen Schritt weiter, als hätte an jener Stelle die Erde sie verschlungen. Sie mußten sich da gelagert haben; denn das Gras war in ziemlich weitem Umkreis zertreten und abgeweidet- Und innerhalb dieses Kreise« schimmerte etwas Weißes zwischen den nieder» gedrückten Halmen. In dem dumpfen Bewußtsein, daß auch der kleinste, unscheinbarste Umstand sür ihn jetzt von entscheidender Bedeutung sein könne, ließ sich Fred aus dem Sattel gleiten, um den Gegenstand aufzuheben. Es war ein Blatt Papier — ein beschriebene» Blatt. Und wie er es auseinander faltete, erkannte er auch die Schriftzüge. Ein heisere«, schreckliche» Lachen — ein Lachen de» Wahnsinn» kam über seine Lippen. Er — er selbst hatte diesen Brief fortgeworfen, al» er ihn am ersten Abend seines Umherirrens zugleich mit der Cigarrenbüchse aus der Tasche gezogen I Er war also auf der» selben Stelle, wo er nun schon zweimal übernachtet hatte. Er war seiner eigenen Spur gefolgt, war seit sechsunddreißig Stunden nur noch im Kreise herumgeritten! — Die Wirkung, die diese Erkenntniß auf seinen Gemüths» zustand und auf seine Geisteskräfte übte, war eine völlig lähmende. Wie ein gesällter Baum sank er stöhnend neben seinem Mustang nieder, nichts mehr denkend und nichts mehr wünschend, al» daß ein rascher Tod ihn von seinen unmenschlichen Leiden erlösen möge. Er hatte beim Absteigen die Zügel um seinen Arm ge» schlungen und nur ein Zufall war es, daß sie sich nicht lösten. So blieb das Pferd an seiner Seite und lagerte sich endlich, zum Tode ermüdet, ebenfalls in das Gras. Den ganzen Rest des Tages und die ganze folgende Nacht verbrachten sie so auf der nämlichen Stelle- Fred war nicht eigentlich bewußtlos; aber eine stumpfe Gleichgiltigkeit hatte die unnatürliche Anspannung der Nerven abgelöst und nur zuweilen betastete er halb mechanisch mit de« zitternden, abgemagerten Fingern seine hohlen, eingefallenen Wangen, seine tief zurückgesunkenen Augen. Es galt ihm für ganz sicher, daß er den Margen nicht mehr erleben würde, und er wünschte es auch nicht. Aber als dann die Sonne im Osten aufstieg, regte sich in ihm doch noch einmal der Trieb zu leben. Er hätte nicht mehr Kraft genug gehabt, das Pferd zu besteigen, wenn es auf den Beinen gewesen wäre; da es aber noch immer am Boden lag, brachte er sich wirklich mühselig in den Sattel und klammerte sich krampfhaft an Hals und Mähne fest, während der Mustang ächzend aufstand. Der unglückliche Reiter dachte natürlich nicht mehr daran, ihn dahin oder dorthin zu lenken. Er hing auf feinem Rücken wie eine leblose Last. Hunger und Durst empfand er schon längst nicht mehr und auch alle die anderen körperlichen Qualen, unter denen er gestern und vorgestern so furchtbar gelitten, kamen ihm nicht mehr zum Bewußtsein. Ob es Viertelstunden oder Stunden gewesen waren, die er so zugebracht, ahnte et nicht. Und er war auch nicht mehr im Stande, zwischen Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden, al» es plötzlich vor seinen Ohren rauschte und krachte, wie wenn sein Körper zwischen Blattwerk und brechenden Aesten dahingeschleist würde, als er ein furchtbarer Sausen und Brausen vernahm wie den Donner eines unmittelbar vor ihm niederstürzenden Wasserfalls und als ihn dann eine sanfte, - 202 himmlische, unbeschreiblich wohlthuende Musik einwiegte in tiefen, erlösenden, traumlosen Schlaf. Etwas siedend Heißes, das ihm überaus schmerzhaft durch den Hal« und die Eingeweide rann, rief Fred Houston ins Dasein zurück. Er öffnete langsam die Augen und sah sich hart an dem ziemlich steilen Uferrand eines nicht sehr breiten, aber rasch dahinströmenden Fluffe». Er fühlte, daß ihm die Kleider naß am Körper klebten, doch war er dessen ungeachtet nicht sogleich im Stande, sich diese neue Situation zu erklären. Nach und nach erst begann er die Einzelheiten seiner Umgebung zu unterscheiden, und nun bemerkte er neben seinem an einen Baumast gebundenen Mustang die Gestalt eines Mannes, der eben im Begriff war, die große, stroh- umflochtene Waidmannsflasche wieder zu verschließen. „Wo bin ich?" sragte er mit einem Versuch, sich in die ^^Aber?r?Hrack heftig zusammen vor dem widerwärtig > rohen und feindseligen Klangs des heiseren Lachens, das ihm ^"^Wo^Jhr seid? Am Jacinto seid Jhr l Und ich rechne, es ist nicht Eure Schuld, daß Ihr jetzt nicht im Jacinto seid. Hatte es verteufelt eilig mit dem Saufen, Euer Pferd — viel zu eilig für einen solchen Reiter." Der Geist des jungen Mannes war jetzt viel klarer als während der gräßlichen letzten Stunden und die wenigen Worte reichten vollkommen hin, ihm zu erklären, wie er in seine gegenwärtige Lage gerathen war. Er mußte kopflings über den Hals seines Mustangs geflogen sein, als das Thier, rasend vor Gier, seinen Durst zu löschen, mit ihm durch das Strauchwerk des Ufers gebrochen mar. Und der Mann mit der Korbflasche war ohne Zweifel sein Lebensretter gewesen. _ ... Trotz seiner Schwäche würde er gewiß in dem nämlichen Augenblick, wo ihm diese Erkenntniß gekommen war, ein Wort innigen Dankes für den vom Schicksal gesandten Helfer ge- fuvden haben, wenn nicht das geradezu entsetzliche Aussehen des Menschen ihm wider seinen Willen die Lippen geschloffen und ein Gefühl namenlosen Grauens in seiner Seele wach- Der Mann riß den Stöpsel wieder aus der Flasche, beugte sich über Fred herab und hielt ste -ihm abermals an die ^ippen.^ Hnb der Unglückliche gehorchte willenlos, obwohl er dabei die Empfindung hatte, als würde sein Inneres mit Messern zerfleicht und obwohl es ihn schüttelte wie ein Fieberfrost. Ein belebendes, wenn auch vielleicht trügerisches Kräftegefühl durchströmte gleich darauf seinen Körperte Mg Z^gg gebracht," lachte der unheimliche Retter von neuem, „und dabei Inseln auf allen Seiten! Müßt wohl ein richtiger Gentleman sein - Einer von da oben aus den Staaten. — denn keine Bienen in der Luft und keine Erdbeeren am Boden — wie? Bienen? — Erdbeeren?" , , "Freilich! - Bienen, die in hohlen Bäumen Hausen. Ist unter zwanzig sicherlich immer einer, der voll Honig steckt. Und Ihr habt keine Bienen gesehen? Kennt sie aber vielleicht nicht, diese Thiere. Sind allerdings nicht ganz so groß wie I Wildgänse oder Truthühner. Aber die Erdbeeren, meine ich, solltet Ihr doch kennen. Und könntet es auch in der Schule gelernt haben, daß ste nicht aus den Bäumen wachsen." Fred murmelte etwas davon, daß er ja keine Axt gehavt hätte, um zu dem Honig in den hohlen Bäumen zu gelangen. Und der Andere schlug darauf von neuem jenes gellende Hohnlachen auf, das dem armen jungen Manne Thränen der Verzweiflung in die Augen trieb. „Was wollt Ihr denn nun eigentlich anfangen? — 3$ meine was habt Ihr vor?" fragte er dann nach einer kleinen Weile wieder mit jenem feindseligen Mißtrauen, das unverkennbar hinter jeder seiner Aeußerungen lauerte. „Was ich vorhabe? — Ich fühle mich schwach zum Sterben. Zu Menschen will ich — in ein Haus — eine Menschen? Zu Menschen?" , r w , Aus den gräßlichen, blutunterlaufenen Augen traf Fred I ein Blick, der ihn erschauern machte. Selbst um den Preis seines Lebens hätte er es nicht über sich gewinnen können, noch länger in dies fürchterliche, verzerrte Gesicht zu sehen. Er wandte sich ab und vielleicht hatte er dabei den Abscheu nicht hinlänglich verbergen können, der ihn ersüllte. Zu Menschen wollt Ihr? Will Euch zu Menschen bringen!" knurrte der Mann, versetzte dem Mustang einen klatschenden Schlag mit der flachen Hand und schritt dann, ohne etwas Weiterer zu sprechen, einem unfern gelegenen, riesenhaften Lebenseichenbaum zu, der gewiß schon mancher Jahrhundert über seinen Wipfel hatte dahingehen sehen und der mit seinem malerischen Behang von hellgrauen Moosen und Bartflechten jetzt im Hellen Sonnenschein mehr einem um geheuren, phantastischen Gebilde aus mattem Silber als einem Baume^glich elniger Minuten E der räthselhafte Mensch, den er nur noch für einen Wahnwitzigen halten könnt? den Blicken Freds tot Schatten diesesPflanzenriesen entschwunden. Dann kam er wieder zum Vorschein em ge sattelte- Pferd hinter sich herziehendund eineFlintinder Hand. Sein Gang war unsicher und schwankend, sein Au» sehen aber noch wilder denn zuvor. — I „Zu Menschen wollt Ihr?" wiederholte er die Worte Freds, als er bei ihm angelangt war. „Wie nun, wenn ich Euch mit diesem guten Gewehr hier an einen Ort besörder , wo Ihr keine Menschen mehr braucht? - Was würdet Ihr I dazu sagen — he?" „Mister Burnets." - „Stimmt! Sah es am Brand. Aber wie kommt Ihr von Burnets Pflanzung hierher an den Jacinto? Sind gute siebzig Mellen quer über die Prairie. Habt doch nicht etwa Reißaus genommen mit seinem Mustang?" Fred schüttelte den Kopf. Das Sprechen wurde ihm außerordentlich schwer. ~ . „Verirrt!" stammelte er. „Seit vier Tagen keinen Der Mann war lang und hager; sein Körper schien nur aus Knochen und Sehnen zu bestehen und schon seine abgetragene, zerlumpte Kleidung, die überdies mehr diejenige eines Indianers als eines Weißen war, mußte nothwendig einen sehr wenig vertrauenerweckenden Eindruck machen. Die fahlblonden Haare hingen ihm struppig um Stirn, Schläfe und Nacken, und der Bart, der seit vielen, vielen Wochen nicht mehr geschoren sein konnte, fiel ihm weit auf die Brust herab. , „ ...... .. r Seine Gefichtszüge aber, soweit sie nicht hinter diesem verwilderten Bart verschwanden, waren wüst und verzerrt, wie Fred Houston sie nie zuvor in einem Menschenantlitz gesehen. Und die schrecklichen, brennenden, blutunterlaufenen Augen rollten beständig gleich denen eines Wahnsinnigen in ihren Höhlen, unfähig, sich auch nur für die Dauer einer Secunde auf den nämlichen Gegenstand zu heften. „Scheint nicht, daß meine Gesellschaft Euch zweimal lieb ist," stieß er höhnisch hervor, al« Fred keine Antwort auf seine Mittheilung hatte. „Könnt mich gar nicht ansehen I - Habt einen Abscheu vor mir — he?" „Herr," stöhnte Fred, „ich habe seit vier Tagen kein menschliche« Wesen gesehen — habe seitdem keinen Biffen und keinen Tropfen über die Zunge gebracht —" „Halloh, das lügt Jhrl" brüllte der Mensch mit einem offenbar erzwungenen, gellenden Lachen. „Habt ja eben erst einen Mund voll aus meiner Flasche in den Rachen hinab- geschüttet. Hat Euch nicht schlecht gethan, wie mich dünkt. Aber wo kommt Ihr her? Das da ist nicht Euer Pferd." „Nein - es ist Mister Burnets." „Wessen ist es?" fragte er noch einmal lauernd. - 203 Dabei hatte er wirklich die Flinte erhoben, als ob er sie auf den wehrlos Daliegenden abdrücken wollte. Fred aber verrieth weder Schrecken noch Angst; der Gedanke an einen raschen Tod hatte für ihn nichts Grausige» mehr. «Wenn Ihr es vor Eurem und meinem Richter veränt- warten könnt," sagte er leise und ruhig, „so thut, was Euch gefällt." Vielleicht war es feine gelaffene Ergebung, die einen so tiefen Eindruck auf den fürchterlichen Menschen hervorgebracht. Jedenfalls setzte er die Flinte wieder ab und der Blick seiner eben noch so ruhelosen Augen wurde eigenthümlich starr. „Kommt Ihr mir auch mit Eurem Gott I" murmelte er. „Euer Richter und meiner? — Wißt Ihr das so gewiß?" „So gewiß, als ich jene Eiche dort vor mir sehe — und so gewiß er es war, der sie wachsen ließ." Mit drei langen Sätzen war der Mensch an seiner Seite. „Was sagt Ihr von der Eiche? — Was wollt Ihr mit dem Patriarchen?" „Mit dem Patriarchen? — Ich verstehe Euch nicht, Mann! Ich weiß nicht, was Ihr meint. Aber wenn Ihr mir an das Leben wollt, so macht es kurz — ich bitte Euch von Herzen." Der Andere hatte diese letzten Worte offenbar gar nicht gehört. „Wenn Ihr nichts von dem Patriarchen wißt, weshalb müßt Ihr von ihm reden? Laßt ihn aus dem Spiel, rathe ich Euch — und hütet Euch, einen Fuß unter den Baum zu setzen. Könnte leicht Euer letzter Schritt gewesen sein hier auf dieser Erde. Ist ein Gespenst darunter, ein verdammtes Gespenst. Geht ihm wahrhaftig besser aus dem Wege." Fred erwiderte nichts. Was hätte er denn auch ant« warten sollen auf diese wirren, sinnlosen Reden, von denen er nicht das Mindeste begriff! Der Mensch ging ein paar Schritte von ihm hinweg; dann kehrte er zögernd zurück. „Schaut Herl Seht Ihr mir nicht» an?" fragte er mit kaum vernehmlichem Gemurmel. «Was sollte ich Euch denn ansehen?" «Oho, so fragt man die Leute au». Schaut mich an, sage ich. Recht fest und lange. Und dann sagt mir auf Ehre und Gewissen, ob Ihr nichts seht." „Rein — ich sehe nichts." Der Mann athmets schwer. „Seid vielleicht nicht in der Spionierlaune — will'» wohl glauben, wenn man öiy Tage nichts über die Zunge gebracht hat. — Weiß, wie es thut! Habe feit achtundvierzig Stunden auch nichts genossen, obschon ich's hätte haben können. Aber ich kann nicht — kann nicht — kann nicht! Ist das verdammte Gespenst, das mich an der Kehle würgt, wenn ich — aber sagt mir doch, Mann, habt Ihr nicht vielleicht ein Stückchen Tabak bei Euch, das Ihr zur Roth entbehren könntet?" «Ich kaue nicht und Alles, was ich habe, sind ein paar Cigarren. Aber wenn Ihr das nehmen wollt — es ist eine sehr geringe Erkenntlichkeit, die ich Euch damit erweise." Er bot dem Andern die noch halb gefüllte Cigarrenbüchse dar und hastig griff Jener hinein, um sich sofort eine der Havannas anzuzünden. „Dank' Euch, Herr!" sagte er, ein paar dicke Rauchwolken von sich blasend. „Wäre gut gewesen, wenn ich das Kraut vor drei Tagen gehabt hätte — gut für mich und gut auch für noch Einen. Danke Euch nochmals, junger Mann oder alter Mann. Kann's Such wahrhaftig nicht ansehen, was von beiden Ihr seid. Wie viel Jahre habt Ihr denn eigentlich — wie?" „Vierundzwanzig." Er schüttelte den Kopf. „Könnten auch sechzig sein nach Eurem Gesicht, Aber vier Tage in der Prairie, ohne zu essen und zu trinken. — Will's wohl glauben — will'» wohl glauben! Und nun möchtet Ihr in ein Wirthshau», caleulire ich — möchtet etwas genießen. Will Euch dahin bringen — will verdammt sein, wenn ich er nicht thus." „Ich aber werde Euch al« meinem Lebensretter ewig dankbar sein." „Haha — Lebensretter!" lachte er wild. „Möchte Euch dis Lust vergehen, mir zu danken, 'wenn Ihr wüßtet. — Aber nichts weiter davon. Ja, ich will Euch das Leben retten — ich will! Eilt Euch, daß Ihr in den Sattel kommt, Mann! Haben immerhin noch eine Stunde zu reiten." „Ach, ich kann nicht einmal aufstehen!" „So nehmt noch einen Schluck — so! — Und nun laßt Euch ein wenig helfen." Er hob den jungen Mann, dessen abgemagerter Körper für seine sehnigen Arme sicherlich keine nennenswerthe Last darstellte, gleich einem Kinde empor und setzte ihn in den Sattel. Dann band er ihn mit dem Lasso fest und schwang sich auf seinen Mustang. Während sie von dem Flusse hinweg in die Prairie hinein ritten, wandte er seinen struppigen Kopf unzählige Mal nach dem riesenhaften Lebenseichenbaum zurück, zuweilen dis drohend geballte Faust gegen ihn schüttelnd und fortwährend allerlei unverständliche Worte in seinen verwilderten Bart murmelnd. Erst al» eine der Sykomoren-Jnseln sich zwischen ihn und den Gegenstand seiner unheimlichen Aufregung schob, schien er etwas ruhiger zu werden. „Wo war denn der Anthony, Mister Burnet» Jäger?" fragte er plötzlich. «Warum hat er Euch nicht gesucht?" „Er war mit einem Fremden nach San Felippe de Austin geritten — mit einem Manne, der vom Obersten Austin Land kaufen wollte, um sich hier anzusiedeln." Es war gewiß nicht» in dieser Auskunft, da» ihn hätte zornig machen können und doch riß Freds Begleiter so heftig an den Zügeln seines Mustang, daß das erschrockene Thier sich ausbäumte. „Mit einem Fremden sagt Ihr? — Mit einem Manne, der Land kaufen wollte, um sich hier anzusiedeln? — Weshalb seht Ihr Euch um? Warum sucht Ihr schon wieder den Patriarchen mit den Augen? War habt Ihr Euch um den Patriarchen zu kümmern? Was, frage ich, war?" Fred versicherte der Wahrheit gemäß, daß er schon längst nicht mehr an den Patriarchen gedacht habe; aber er sehnte in der Stille des Herzens mit Inbrunst den Augenblick herbei, der ihn von diesem entsetzlichen Begleiter befreien würde. Der Mann verfiel jetzt in ein dumpfes, schweigendes Brüten und so ritten sie fast eine Stunde, bis eine rohe Einfriedigung, die vor ihnen auftauchte, die Nähe der verheißenen Herberge verrieth. Noch ein paar lang hingestreckte Pataten- und Welschkornfelder mußten sie passiren, dann lag, nachdem sie ein kleine» Gehölz von Pfirsichbäumen umritten hatten, da« rohgezimmerte Blockhaus vor ihren Blicken. „Ich kann nicht mehr," stöhnte Fred, von einer neuen Ohnmachtsanwandlung befallen. „Er ist zu spät — ich muß sterben." „Pah — sterben — sterben! — Es stirbt sich nicht so leicht, — und doch — verdammt — hier könnte e« Wahrheit werden." Er sprang aus dem Sattel, fing den Sinkenden auf und trug ihn, nachdem er der größeren Schnelligkeit halber den Riemen mit seinem langen Waidmesser durchschnitten hatte, auf seinen Armen in da« Haus. VI. Ein Wirthshaus von jener Art, wie man sie in eivilisir- ten Ländern antrifft, war das nun freilich nicht. Der Besitzer hatte sich'« ziemlich leicht gemacht mit der Herstellung und der inneren Ausstattung des Gebäudes. Rohe, unbehauene Baumstämme inne« und außen; in der Mitte eine Wand, welche die Küche von der Stube trennte; der Fußboden glatt gestampfte Prairie-Erde, aus der hier und da große Büschel Grases heranwuchsen. Das war Alles, was an architectonischen Künsten auf. geboten worden war. Die Fensteröffnungen waren selbst. 2SL - verständlich nicht mit kostspieligem und schwer erreichbarem Glase, sondern mit geöltem Papier ausgefüllt, ein Umstand, der zur Folge hatte, daß nur ein stark abgeschwächtes Dämmer» licht in den gastlichen Raum einzudringen vermochte. An Einrichtungsstücken war darinnen nicht eben viel vorhanden. Ein offener Schrank mit allerlei Flaschen und Gläsern bildete jedenfalls den wesentlichen Bestand des Möble» ments. Außerdem gab es nur noch in dem einen Winkel ein niedriges Bett und in dem anderen eine hölzerne Bank nebst einem höchst primitiven Tische, den der Eigenthümer aller dieser Herrlichkeiten auf sehr einfache Weise dadurch hergestellt, daß er die Schrankthür auf einige in die Erde gesteckte Pfosten genagelt hatte. (Fortsetzung folgt.) Ein menschlicher Bienenstock. (Schluß.) Aus den publicirten osficiellen Listen ersehen wir, daß täglich ungefähr 400 Kinder geboren werden, jedoch nur 200 Todesfälle vorkommen. 120 Ehen werden jeden Tag geschloffen. Von einem Staate wie England, welches an der Spitze des Welthandels steht, und besonders in London, welches das politische und Handeli'Centrum dieses Landes bildet, finden wir natürlich alle Nationen der Welt repräfentirt, bei Ein» wohnern anderer europäischer Staaten oft durch Tausende. Es wird angenommen, daß in London mehr Juden als in ganz Palästina wohnen. Im allgemeinen jedoch ist die fremde Bevölkerung Englands mit seinen 25 000 000 Einwohnern keine so große, als daß sie die ewige Klage der Engländer über unmäßig vermehrte Einwanderung rechtfertigen könnte. Unsere deutsche Colonie ist natürlich die zahlreichste. Sie betrug nach dem Census von 1891 circa 50000, von denen etwa die Hälfte auf London kommt. Darunter find 2000 Bäcker und 1700 Schneider. Wenn ich hier von der deutschen Colonie in London spreche, so ist es wohl passend, d,ß ich einige wenige Worte über deren innere Verhältnisse beifüge. Für religiöse und Erziehungszwecke besitzt sie 6 rein deutsche protestantische Kirchen (die katholischen Kirchen haben sämmtlich einen oder mehrere deutsche Geistliche), mit denen allen deutsche Volks» schulen verbunden sind, die dafür sorgen, daß das hier ge» borene oder jung herüberkommene Kind deutscher Abstammung mit dem Vaterlande in Verbindung bleibt. Dar schönste Beispiel deutschen Gemeinstnns und deutscher Wohlthätigkeit jedoch ist das durchaus aus deutschen Mitteln begründete deutsche Hospital, welches, obgleich fast nur (durch Vsrmächt- niffe hat sich ein kleiner Fonds angesammelt) auf freiwillige Beiträge und Subscriptionen angewiesen, doch bereits über 200 Betten gebietet. Ihre Majestäten, unser sowie der österreichische Kaiser, und fast alle unsere deutschen Fürsten betheiligen sich an dem guten Werke durch jährliche Sub» scriptionen. Obgleich ausschließlich für unsere Landsleute be» stimmt, nimmt im Falle von Unglück rc. das Hospital einen jeden Hilfsbedürftigen auf, ohne nach deffen Nationalität zu fragen. Immer mehr hatte sich das Bedürfniß herausgestellt, einen Mittelpunkt für deutsches Leben in London zu besitzen; für lange Zett scheiterte alles an dem Kostenpunkte, bis man etwa vor 30 Jahren diese Schwierigkeiten unter Beihilfe einiger patriotischer Landsleute besiegen und zur Erbauung der großen, herrlich eingerichteten deutschen Turnhalle schreiten konnte. Das für Ankauf des Platzes, Bau und Einrichtung nöthige Capital betrug circa 9000 Pfund Sterling. Unter den vielen jetzt bevorstehenden englischen Hallen gilt die unsrige als eine Musteranstalt. Die ungeheuere Ausdehnung der Stadt bedingt auch dem» entsprechende Verkehrsmittel, und obgleich solche dem Publikum in jeder Art und Weise und im weitesten Umfange zu Gebote stehen, immer noch sind dieselben nicht genügend und man ruft und verlangt nach Erweiterung und Verbefferung derselben. Im Umkreise von 12 Meilen vom Mittelpunkte der Stadt, der General'Postofficin, 'gibt es 780 Meilen Eisenbahn mit 702 Stationen. Eisenbahnen unter auf und über der Erde und die unterirdische Bahn, die den localen Verkehr besorgt, befördern jeden Tag eine Million Paffagiere, während nicht weniger als 2 500000 Personen per Omnibus (deren Anzahl 5000 beträgt), bei 7500 zweirädrigen und 14 000 vierrädrigen Droschken und Pferdebahnen mit über 6800 Wagen, welche fast alle die Hauptstraßen der Stadt durchlaufen, reisen. Die Themse, welche London von Westen nach Osten in zwei Hälften theilt, ist durch 11 Eifenbahnbrücken überspannt, und Hunderte von Dampfbooten bringen für weniger Geld einen jeden schnell genug nach irgend einem am Wafler belegenen Theile der Stadt. Es bleibt uns nur noch übrig zu sehen, wie es möglich ist, den Nimmersatten Riesen zu füttern. Die ganze Welt hat dazu beizusteuern, denn das kleine, übervölkerte England kann nicht einmal genug für den Bedarf von London produciren. Laut einer Erklärung von Lord Playfair im Oberhause sind nur etwa 30% des für England nöthigen Brodgetreide» heimisches Product, während man für 70% auf da« Ausland, vorzugsweise auf Süd-Rußland, Californien und Indien angewiesen ist. Bekanntlich ist der Engländer ein großer Fleischeffer, und auch darin müssen andere Länder in die Lücke treten. Argentinien, Nord-Deutschland', Dänemark, Spanien und Holland senden Hunderttausende von lebenden Ochsen, während eigens dazu gebaute Dampsboote Millionen von Centnern gefrorenes Ochser.fleisch von Amerika und Schaffleisch von Neuseeland auf die englischen Märkte bringen. Im Jahre 1891 kamen in den Londoner Centralfleischmarkt allein davon 307 500 Tons (1 Ton — 1100 Kilo); die tägliche Zufuhr daselbst betrug 1005 Tons und erreichte an einem Tage sogar 2936 Tons. Für Weihnachten 1889 versah Chicago allein den Londoner Markt mit 27 000 Ochsenvierteln. 127 000 Ton« Fische kamen in demselben Jahre auf den Londoner Haupt- fischmarkt. Auch der Import von Hühnereiern ist ein großartiger. Es klingt fast fabelhaft, von 1 200 000 000 Stück pro Jahr zu hören, von denen Rußland 75 000 000, Deutschland und Frankreich zusammen 714 400 000 und Belgien, Italien, die Türkei und Egypten den Rest lieferten. Zusammen repräsen- tirten diese 1200 Millionen Stück einen Geldwerth von 3 000 0M Pfund Sterling. Al« Curiosum führe ich Hier den Londoner Küchenzettel für eine Woche bei. Er enthält 3 500 000 Laib Brod, zu 4 Pfund jeder, 7000 Tons Ochsen- und Schasfleisch, 4000 Ton- Fische, 100 000 Stück Geflügel aller Art, 2 Millionen Eier, 3 000 000 Pfund Butter, 6000 Tons Früchte und Gemüse und 2 000 000 Quart Milch. An Kohlen verbrennt London jährlich nicht weniger als 16 000 000 Ton«. Die Sicherheit der Stadt und ihrer Einwohner ist den Händen von 12 000 uniformirten und 400 geheimen Polizisten anvertraut, ungerechnet 800 solche, welche den riesenhaften Verkehr in den Straßen zu ordnen haben. Durch die Straßen der City allein passiren jeden Tag 95 000 Wagen und ca. 1 180 000 Füßgänger. Der Verkehr auf dem Fluffe ist bewacht von 500 Wafferpolizisten. Rudolph Schück. V-rmMchtes. Speculation. Commerzienrath: „Ich will den neuen Frack zur Audienz bei Seiner Hoheit anztehen . . . machen Sie die Knopflöcher recht in die Augen springend." ftebactlon: St. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm UniverstMS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. Erzühlu, No Dinge r linge en Es Haar, kl gen, vo> keilen fö Er rlngste Lebensre die Ban Ers einen ge Schritter eine Flas auf den es auf e »J< De> «Jl nichts ge De, schaffen. „Si Abe nachdrück „Vi nun wirs Der Geni mit Run Muß de. Stunde Beefsteak