UntechaltmtSsbLM MM Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). LoMerStag den 2. Uplil i * ,x.r j 2r MW smilisM'äNsk " - «MMWWM Schwester Ilse. Roman von Clarissa Lohde. (Fortsetzung.) XXIII. In der Wohnung der Geheimräthin von Willrich herrschte ein ganz ungewöhnlich lebhaftes Treiben. Das Dienstmädchen machte die Parketböden blank, wischte und stäubte mit rieseln« dem Schweiß auf der Stirn. Die Geheimräthin selbst steckte frische Gardinen an die Fenster, während Käthe und Elly eben dabei waren, die Tafel zu decken und mit Blumen zu schmücken. „O Mama, Mama," rief Elly. die eben einen Strauß prachtvoller Rosen, die ersten des Frühlings, in eine kunstvolle Majolikavase geordnet hatte und nun zurücktretend ihr Werk betrachtete, „fleht es nicht herrlich aus? Gelt, so schöne Rosen haben noch nie in dieser Vase gestanden!" „Für Dich find es natürlich die schönsten," meinte die Geheimräthin mit etwa» wehmüthigem Lächeln, „da sie ein Geschenk Deines Verlobten sind —* „Meines Verlobten! Käthe, hörst Du, wie hübsch das klingt? Die Verlobte des Consuls Alfred Schimmer. Ach, Braut fein, geliebt werden, giebt es denn etwas Köstlicheres auk Erden? Mach' es mir nach, Käthe, ich bitte Dich. Ich dachte immer, wir würden heute zwei Verlobungen hier feiern können, und wenn es nicht so ist, trägst Du jedenfalls die Schuld daran. Denn daß Axel Dich liebt, daran zweifelst Du doch selbst nicht; aber darf er es wagen, Dir feine Hand anzubseten, da Du immer so sehr gegen das Heirathen sprichst und Deine erlangte Selbständigkeit als Künstlerin nicht genug zu preisen weißt?" Käthe schüttelte ungeduldig den Kopf; sie sah etwas bleicher und schmaler aus als das Jahr vorher, und die Linien nm ihren Mund waren um ein Weniges herber ge« worden. „Wenn heute nicht Dein Ehrentag wäre, Elly, an dem man Dir Vieles nachsehen muß, könnte ich wirklich ernstlich wieder mit Dir grollen. Warum sollen denn alle Menschen nach Deiner Art glücklich werden? Jeder gestaltet sich sein Schicksal selbst und wie es für ihn paßt." „ Die Gefährtin eines Mannes zu werden, das paßt doch wohl für jedes weibliche Wesen, denn es ist unser Zweck und Beruf auf Erden, und ich meine, Du beraubst Dich selbst des höchsten Glanzes des Lebens, wenn Du der Erfüllung dieses Berufes entsagst." Dabei trällerte sie fröhlich vor sich hin: „Lieben und geliebt zu werden, Ist das höchste Glück auf Erden." „Still, Elly, still," mahnte die Mutter. „Du weißt doch, daß Käthe das nicht gern hört, willst Du ihr den Abend verderben? Axel und Käthe sind doch alt genug, um allein zu wissen, was sie zu thun haben. Wenn sie sich nicht heirathen, werden sie wohl ihre Gründe dazu haben." In demselben Augenblick schlug die Glocke im Corridor an, rasche Schritte, Säbelklirren erklangen und gleich darauf stürmte ein junger Offizier in's Zimmer, erst Elly, dann dis Geheimräthin und zuletzt auch Käthe umarmend. Es war Ellys Bruder, der aus seiner Garnison zu diesem festlichen Tage hrrübergekommen war, ihn mit den Seinen zu feiern. „Nun, da seid Ihr ja Alle in der besten Beschäftigung!" rief er. „Und Du, Elly," — er legte seine Hand unter ihr Kinn und sah ihr lachend in die Augen — „eine Braut! Wer hätte das gedacht! Ich glaubte wirklich, Du würdest eine alte Jungfer, solch' hohläugige Gesanglehrerin werden, die in jeder Gesellschaft am Flügel steht, ihre Kunst zu produciren, damit sie Schülerinnen sich ersingt. Und nun feierst Du heute Verlobung und nach drei Monaten Hochzeit und willst dann fort in die weite Welt gehen?" Die Geheimräthin seufzte. „Das ist der Tropfen Wermuth in dem Kelch unseres Glückes, daß Elly so weit sortgeht, nach Porto Allegre." „Aber das ist ja gerade reizend, Mama," widersprach Elly, „und wir werden ja nicht immer da bleiben, da» meint Axel auch —" „Dieser Axel," rief der Lieutenant, «was nicht au» dem Menschen Alle» werden kann! Man gratultrte mir schon in dem Regiment zu dem einflußreichen Vetter, welcher ja persona gratissima beim Minister sein soll." Cousine. Mutter in Hertheim." Axel zog die Stirne kraus, ohne ein Wort zu sagen- Curt aber rief in der seligen Weinsttmmung, in der er sich befand, seine Worte wenig wägend: „Man erzählte sich 1» schon in meinem Regiment, daß Wolf sich scheiden laste und die schöne Miß Graham heirathen wolle" Allgemeiner Schrecken; Alles sah auf Axel, der indessen ruhig dasaß, als habe er nichts gehört, als ginge ihn dar Doctor Schimmer, ebenso glückstrahlend und heiter wie seine Elly, der in Axel außer dem Freunde und Vetter seiner Braut auch noch den Mitbegründer seines Glückes sah, fand es angezeigt, auf besten Torsi zu Ehren des Brautpaare» in langer und sehr gewählter Rede zu antworten, in der er Axels hervorragenden Character, seine Geisteseigenschaften pries und ihm eins ruhmvolle Zukunft in Aussicht stellte. — „Denn Eines weiß ich sicher," so schloß er, „sein Weg geht aufwärts und wir werden einmal Alle stolz darauf sein, ja, wir sind es heute schon, ihn zu den Unseren zählen zu dürfen." Die Gläser klangen hell aneinander; Axel verneigte sich nach allen Seiten; aber seine Züge behielten den gewohnten Ernst, ihn vermochte selbst die Heiterkeit der Anderen nicht ig । Verleumdung, nichts als Verleumdung. Las ich doch heute Reizend" sagte Axel, als er sie begrüßte und drückte in einer italienischen Zeitung, dis mir gerade in die Hände Neizeno, - — «hx. I bo6 bie genannte Dame sich in Rom mit einem russischen Fürsten verlobt habe oder verloben werde " Axel sah aus und mit scharfem Blick den Sprecher an- „Ist das wahr ?" „Ich kann nur wiederholen, daß ich es gelesen habe. Axel antwortete nicht und das Gespräch lenkte sich sofort auf ein anderes Thema. „Ein Wort im Vertrauen," bat er nach aufgehobener Tafel, mit Käthe in die gewohnte Ecke in den kleinen Salon sich zurückzishend, ein Platz, auf dem sie oft schon Zwiegespräch gehalten, wenn die Tante beim Nachmittagsschläfchen mate und Elly vom Erker au» sich damit unterhielt, die Vorüber« gehenden zu mustern. , . ... Auch heute theilte sich die kleine Gesellschaft in verschiedene Gruppen. Elly zog ihren Verlobten mit sich inden Erker, wo er, den Arm um sie geschlungen, zärtlich mit ihr plauderte, während die Geheimräthin mit Eva von Strachwitz zuwerfen. „Ist sie j tzt bei ihm?" „So viel ich gehört habe, ist sie noch immer bei ihrer „Das ist er und ihm verdanken wir es auch, daß wir uns so bald schon heirathen können," fiel Elly dem Bruder lebhaft in's Wort. „Er hatte sich anfangs um die Stelle als Consul in Porto Megre beworben, und man wollte sie ihm auch geben- Dann aber machten sich andere Einflüfls zu feinen Gunsten geltend, man ernannte ihn zum Legationsrath und verlieh auf Axels Empfehlung das Consulat meinem Alfred." „Und als Dein Alfred Dich bann fragte, ob Du ihn nach Porto Allegre begleiten wolltest: sagtest Du gleich, ohne Dich weiter zu besinnen, ja, und fürchtest Dich gar nicht vor der Seereise. Du bist ein Blitzmädel, Elly, und gefällst mir." , _ Er faßte sie um die Taille und tanzte ausgelassen mit ihr in der Stube umher. , „Genug, genug," mahnte die Geheimräthin, „Ihr staubt gar nichts an. „ , , „Sie sind falsch berichtet, lieber Curt," warf zstzt Doctor ---- ' ~ , „Das ist warf die Geheimräthin ein. „Ja, so hieß es; aber es ist ja schon warm genug auch hier bei uns im Norden und ich hörte, der Baron solle durch« aus nicht wohl zurückgekehrt sein, sondern sich das Malariafieber in Rom geholt haben?" „Und seine Frau," konnte Elly sich nicht enthalten, ein* leise ihre Hand. „Wie Du immer auch im Anzug da» Rich« tigste zu wählen weißt, eine Künstlerin in Allem." „Du siehst mit dem Auge der Freundschaft," entgegnete sie mit leichtem Erröthen. c . „Und deshalb besser und klarer als irgend ein Anderer in der Welt," entgegnete er, ihr den Arm reichend, um sie zu Tische zu führen, und leiser fügte er hinzu: „Wer kann Deinen Werth besser schätzen al» ich? Die Anderen sehen nur, war Du leistest, ich, was Du bist." Käthe war froh, daß sie jetzt vor ihrem Platze stand und die Hand aus dem Arme des Vetters ziehen konnte; ihr Zittern hätte ja verrathen können, was sie im Innern bei diesen zärtlichen Worten durchbebte. Für ste hieß es jetzt, sich doppelt panzern, nach außen hi« nur noch mehr die auf sich selbst gestellte Frau hervorkehren, um jeden Argwohn von sich abzuwenden, al» hege ste im Herzen dennoch Sehnsucht, der Cousine Beispiel nachzuahmen. ja wieder Alles voll." „ , ,L)ie Mama hat Recht," ries Elly, sich athemlos auf einen Stuhl werfend. „Es sind ja nur noch wenige Stunden, bis die Gäste kommen und wir sind noch so sehr zurück." „Wer kommt denn Alles?" fragte der Lieutenant. „O, nur die Nächsten; wir können in unserer keinen Wohnung ja auch nicht Viele haben und Mama liebt es auch gar nicht- Außer uns hier und Axel nur noch meine beste Freundin, Eva von Strachwitz." ,Aha, die Eva, sie soll ja eine Gelehrte geworden sein, hörte ich^ und man fürchtet sich vor ihr. Hoffentlich wird sie mich heute Abend nicht auf meine Kenntnisse prüfen. Ich glaube, ich würde schlecht bestehen, nicht wahr, Käthe? Du bist doch auch solch' eine Selfmade«Lady. wie es ja wohl heißt, eine Berühmtheit. Ach Gott, wie klein werde ich mir in diesem illustren Kreise vorkommen I" „Ich glaube, Du brauchst Dich nicht zu sürchten, scherzte Käthe. „Eva ist ein sehr schöne« Mädchen und schönen Mädchen gegenüber warst Du ja noch nie auf den Mund gefallen." Nun lachte auch er. „ . , , , „Ja, wenn ste schön ist, dann braucht sie ;a aber eigentlich gar nicht so viel Geist, vor Allem keine Gelehrsamkeit. Die kleidet schöne Mädchen am wenigsten." „Das ist so Ansichtssache," meinte Käthe lächelnd. „Doch streiten wir nicht weiter darüber, hilf lieber der Mama die Gardinen auflegen und mache Dich nützlich. Zu solchen Meinungsaustauschen haben wir heute wirklich keine Zeit. Die Damen mußten sich bald zurückztehen, um Toilette zu machen; auch Curt suchte da» für ihn hergerichtete, sonst zu Wirthschaftszwecken benutzte kleine Logirzimmer auf und warf sich in den Waffenrock zu Ehren des Familienfestes. Elly sah sehr lieblich aus in dem lichtblauen Kleide von leichtem Sommerstoffe, im Haar und am Busen gelbe Marschall- Nielrosen aus dem von dem Geliebten gespendeten Strauße- Käthe, in einem sehr einfachen weißen Crep-kleide, bildete mit ihrer distinguirten Erscheinung, dem dunklen, ausdrucksvollen . Kopfe einen wirksamen Gegensatz zu der blonden Anmuth der Schimmer mit einem raschen Blick auf Axel ein. anzustecken. , „ „Kann der Ruhm glücklich machen?" sagte er leise, sich zu Käthe neigend. „Ich habe mir ein anderes Glück geträumt. Mit einem geliebten Weibe im Arm glaubte ich der Welt und ihres Glanzes entbehren zu können. Wie gern wäre ich an Schimmers Stelle und von den Erfahrungen de» letzten Jahres verschont geblieben." Käthe blickte ihn etwas erstaunt an. „Trauerst Du ihr wirklich immer noch nach, dieser Sirene, in deren schönem Körper keine Seele wohnt?" „Nein, keine Seele," wiederholte er, „Du hast recht, sie ist nicht werth, daß man ihr nachtrauert, und dennoch —" Eva von Strachwitz, die an Axels anderer Seite saß, ganz in rosa gekleidet, wie ein eben erblühtes Röschen, ^und trotz ihrer berufenen Gelehrsamkeit im ausgelassensten Geplauder mit Ellys Bruder begriffen, wandte sich jetzt mit der Frage zu diesem, ob er schon wisse, daß sein Vetter Wolf vor wenig Tagen ganz unerwartet nach Gattersberg zurückgekehrt sei. Ein allgemeines „Ah", ein Aushorchen — „Ich dachte, er solle noch längere Zeit im Süden bleiben, 155 und ihrem Sohne bett Hauptplatz um den runden Sophatifch I < einnahm, auf dem die Lampe stand und einige Albums zum I I Anschauen aurgebreitet lagen. h»,,***«,«» I' „Wann feiern wir denn wieder Verlobung, Muttch.n? I fragte Curt, lachend auf das Paar in ^r Ecke deutend. „Es scheint mir, dort brennt es auch schon lichterloh. | Eva vonStrachwitz folgte mit den Augen semem Blicke, I schüttelte dann aber leise den Kopf. 9T1,x D-4 h>*”n W die der Herr Legationsrath sich erwählt habe. „Von einer Anderen?" fragte nun. auch die Geoeim räthin, aufmerksam werdend. „Davon weiß ich ja gar mchts, WCt ^o,8 wenn Ne nichts davon wisien, Frau Geheimräthin, I ich möchte keine Jndiscretion begehen." Curt lachte unbändig. t \ wäre ein Spaß 1 Eine Andere also! Blithe zum | zweiten Male von dem geliebten Vetter kalt gestellt! Ist aber I meiner stolzen Cousine schon recht. Will sie etwas ganz Be-> | Anderes sein, so stellt sie sich damit außerhalb des Begehrens. Und wenn sie durchaus eine alte Jungfer werden will, wer kann sie daran hindern? Ich wette darauf, sie allein trägt die Schuld daran, daß e» so gekommen ist." Die Geheimräthtn schüttelte nachdenklich den Kopf, Eoa vonStrachwitz meinte aber: „Wie können Sie noch von alten | ^unafern sprechen, Herr von Willrich, die Riebt» heutzutage nicht mehr. Das ist ein veralteter Begriff. Man wird es demnächst auch bei uns einführen, wie es in anderen Ländern ja lange schon Sitte ist, daß die Mädchen in einem gewissen Alter auch mit dem Titel „Frau" angeredet werden. Damtt hört dann auch die Zurücksetzung inder ^iellschast auf unter der die Unverheiratheten hier und da noch zu leiden Hadem „Und damit meinen gnädigste Comteß, sei Alles erre cht, was ein Mädchen sich nur wünschen kann? warf der Lieu« -enant beiter ein. „D, mein Gott, wie niedrig stehen wir Männer da bei Ihnen in Geltung! Und das vielgepriesene Glück der Liebe, ist das auch nichts? Oder verbannen sie die Liebe für die Zukunft ganz aus dem menschlichen Leben? Die junge Comteß hob den hübschen Kopf mit einer ’S« °---d-n pE»°-° V°E hörte ich den Kellner renommiren. „Frau Gräfin Recha oder so ähnlich klang der Name — „verlassen dann Saßnitz, desgleichen Herr Baron von Wolldorf nebst Frau Gemah.in und Dienerschaft — da haben die Herrschaften eine phano« Enale Collection. Dies Appartement hat ja auch nur das Fncommando, daß die Pisce hinter dem Vorderzimmer nur durch dieses hindurch zugänglich ist — indeffen v^llelcht wenn hinten der gnädige Herr mit Frau Gemahlin und vorn b08 6Än aSÄunte t»er. „Wir bleiben hier. L-ffen Sie unser GeV herausschaffen.» Der Rest der Worte war Äer^Dittos Stimme hatte ich deutlich unterschieden. , Eine ganz niederträchtige Freude krabbelte mir durchs Gebein. Sie war da. Alle waren da! Mir nachgefolgt! Daß ich nicht gegen die Wand trampelte und rief: "Ditto und rcnnnvXip ick bin hier —» Kinder, das war rein Alles! Zunächst schalt ich mich einen dreifach quadrirten grünen Esel daß ich nicht noch ausgeblieben war. Was hätte bas für’tt gemütliches Dasein auf der Veranda unten gegeben. Und vielleicht - was für'» Finale! Diesmal gelang mir der Vers beffer und ich beschloß, ihn am folgenden Tage auf' Ä«*.6Mt di« G-U-di- wdhl i« d-m ta-W rufit Re so Ücker, da ruht sie so warm — aber nachher kam mir 'ne Jsee als hätte ich bei irgend einem Skribifax schon 'was Aehnliches gelesen. Mag sein. Habe mir auf Litteratur niC Eßt^hr, was ich nun that? — Stand auf und sah durch's Fenster. Erst in den Mond, der ein GMt schnitt, so fidel wie'ne besoffener Zaunkönig, dann - Donner und Doria — recht» von meinem Fenster glänzten zwei andere, deren Rront sich mit der des meinen rechtswinkelig schnitt- Sie gehörten zu einem kleinen Anbau. Nun flammte hmter benäeaug driibm Lichl auf, und ich muß!« ®ibt" an ma, bet Sin,a», ,u dem AppatiemenI, *8«»« bte zwei von den Ditto» belegten Stube« genannt hatte, und dt ""°'"L?LL7.?d-4 di« Männer metden ft« bin Mühe geben müssen, sich unserer werth zu machen; denn nur den Würdigsten wird da» Glück zu Theil werden, geliebt, erwählt^ zuwerden. Curt, komischem Entsetzen mit beiden Händen in da» schön gekräuselte Haar mh« ia schlimm ergehen. Aber wtffen Sie, gnädigste Comteß, L»Trost können' Sie uns Armen doch nicht nehmen, den | Nämlich, daß die Liebe blind ist." .Das wird sie nicht mehr sein, wenn die Frauen künftig« hin beffer geschult werden und richtiger denken lernen. 9 Dann freilich find wir verloren. Gott sei gedankt, daß «» Frauen dieser hervorragenden Art heute noch nicht zu viele flieht. Wer weiß, ob wir sonst Elly» Verlobung so fröhlich hätten feiern können. Und sehen Sie einmal dort, wie die Beiden im Erker sich so glücklich in die Augen sehen. Ist das nicht auf alle Fälle beneidenswerth? Grau, theurer Freund, ist alle Theorie und grün de» Lebens goldener y"Ut®ie Geheimräthin hatte sich an dem Gespräch nicht be» iheiligt, ihr Auge ruhte unverwandt auf Käthes vom Hinter« gründe der dunklen Tapete sich scharf abhebendem Quilitz, das ihr ganz besonders bleich und wie von innerem Seelenleid schmerzlich verzogen schien. Wenn es wahr wäre, wenn Axel wirklich bar- j nebeneinander, in der bekannten Wochenschrift »Dies Blatt aehöti Ser eine Roman, unter dem Titel „Das m* Geschlecht", stammt aus der Feder von Bertha von Lancken und ist s» recht eine Seetüre für Damen, da im Mittelpunkt der Handlung eine Heldin steht, welche der ganzen Sympathie weiblicher Leser von vorn- herem sicher fern kann. Der andere Roman „Im Ausstand" schildert das Leben der Arbeit, sowohl vom Standpunkt der Arbeitgeber wie der I Arbeitnehmer, und obwohl auch in dieser Erzählung eine weibliche Figur zu den Hauptpersonen gehört, so bietet der „Ausstand" im Geaen- iatz zu „Em neues Geschlecht" der Leserin doch auch noch Einblicke in I praetlsche Leben und Treiben, wogegen die bewegenden Kräfte des I Romans mehr Herzenstriebe sind. — Die in ihrem gesammten Inhalt ausgezeichnete Wochenschrift enthält außerdem des Practischen und Anregenden ungemein viel; die vorzüglichen Mode-, Schnitt- und Handarbeitsvorlagen seien noch besonders hervorgehoben. „Dies Blatt I hehort der Hausfrau!" erscheint wöchentlich, also dreizehnmal im Biertel- lahr; der Abonnementspreis von 1,40 Mk. ist somit ein sehr billiger. I » Jtem Ü? wöchentlich im Durchschnitt nur auf wenig über 10 Pfa Jede Buchhandlung oder Postanstalt übernimmt Bestellungen. Wiener Modebericht. Die englische Fagon in Wiener Varia- t'°n lft entschieden modern, hauptsächlich kurze offene Jäckchen mit I Patten-, Fallen- oder glatten Schößchen. Außerdem werden neuartige Blousenformen hergestellt. Aermel und Röcke werden schmäler. Originelle und doch einfach auszuführende CoMposirionen dieser Art finden wi- un eben erschienenen Heft 13 der „Wiener Mo»«-, das in allen Buchhandlungen zur Ansicht aufliegt. Mit diesem prachtvoll ausgestatteten Heft, das mit der Gratisbeilage „Wiener Kinder-Mode" über 100 praetische Garderobestücke für die Frühjahrssaison enthält, beginnt ein neues Abonnement. Preis per Quartal 2 Mk. 50 Pfg. ®in Extrazug zur Berliner Gewerbe - Ausstelluna geht m den nächsten Wochen wohl von jeder Stadt aus nach Berlin und wertesten Kreisen wird Gelegenheit geboten werden, im Laufe dieses Sommers die Reichshauptstadt und ihre Herrlichkeiten kennen zu lernen Man rüstet sich allenthalben zu dieser Reise und an die Leserinnen tritt dre Beantwortung einer schwierigen Frage heran, die Beantwortuna der Toilettenfrage. Die Zeiten sind vorüber, in denen die Dame aus der Provinz» gewissermaßen das Recht hatte, in altväterischem Costüm m der Hauptstadt des Landes zu erscheinen. Im heutigen Zeitalter des Verkehrs setzt jede Dame ihren Stolz darein, mit ihrer Toilette „auf der Höhe" zu sein und die Dame aus der fernsten Ecke der Provinz gießt in Chic und moderner Eleganz der Großstädterin nichts nach. Im Gegentheil, sie will, wenn möglich, die Aufmerksanckeit die Bewunderung der Berliner Damen erregen, wenn sie zur Ausstelluna nach Berlin kommt. Wie leicht aber wird es auch den Damen beute gemacht, sich über das „Allermodernste" und „Allerbeste" ständig zu Dtienttren. Wir brauchen nur die Namen »ModkUwelt- und ^kEN-Zeitung» zu erwähnen, um ein verständnisvolles Lächeln um schone Damenlippen spielen zu taffen. Das ist das kleine Geheimnrß der Toilett-nftage! Man kann sie leicht lösen wenn m“n zuverlässige, getreue und so wenig kostspielige Rathgeber in „ ertcn'ra®en ~ Abonnements nimmt jede Buchhandlung und Postanstalt an, — wie die obengenannten beiden Herolde des Ge- schmacks und des Chics. * * ....Das erste Quartal der ,91 tu en Mus» Zeitung- Jahrgang 1396 enthalt eine Novelle von H. Wachenhusen, Humoresken von P Jtofewr und I. v. Bitzer, musikpädagogische Aussätze von K Zu-' schneid, Beßmertuy (Rubmsteins Lehrmethode), 0r. Haase (E. M v. Webers Claviercompositionen), eine Reihe musikgeschichtlicher Artikel einen Essay über Operndramaturgen von Paul Moos, kritische Besprechungen neuer Werke der Musikliteratur, Skizzen über Componisten der Gegenwart, Biographien von Virtuosen mit deren Bildnissen Tableaux englischer Tonkünstlerinnen und der Mtglieder der Frankfurter Oper Urtheile über alle wichtigen musikalischen Erscheinungen im Eoneertsaal und über neue Opern, Anecdoten aus dem Leben von Musikern Rofiren über das Musikleben der Gegenwart. Die werthvollen Musikbeilagen bringen Clavierstücke von Fr. Zierau, Bruno Wandelt, Cyrill Kistler, Paul Höste, Lieder von Theodor Röhmeyer, Paul Gäbler, Jstr,m Malling, Ernst Hartenstein, A. Räubert und ein Duo für Glatter und ®eige von Aug. Reiser. Probenummern sendet der Verleger Earl Grüninger in Stuttgart gebührenfrei.