Ähre sich von ;en Weise geilt Sümmchen kann, wo er gsam, so doch viel, sagt ein hren unnützen versucht, wird sparniffe an» Menschen ver« artet Barnum !» Einkommen anzigfachen, je icht wenig, - reis bedeutend daß sie ihren i, den Schein t Opfer. Es m Mitteln zu tterlaffen, für d auch glück- itt die Frauen nicht« Neble« heut wunder« nken Sie doch, „Wie wahr will et!“ - i Ausnahme" in Vater von : „Na, heut irige« Trink« rlot, da habe in 1 Mk. 50 Pfg. ! nennt unsere ,ar launenhaft, che uns unver« doch die Frau daß sie einen ng fassen kann, s ihr instinctiv mmt dabei eine antome, welche Besonders in -urtheilung der deren geistigen, sahrenheit und und Schaden "stört wird. — ehr zeitgemäß, höheren Liebe, rd die hierzu re Einblicke m -ch dem Weibe dtt und leicht- aodernen Frau utz vor folgen^ ihren. n Gießen. Untechaltungsdlatt pm Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). i : 4 ' 1 - JV* i /" •* Samstag -e« L August ! «7. 'W8DW. I MA. Die Erbin. Novellette von Leo Sonntag. (Schluß.) Jeder Versuch, den Hedwig machte, Ilse zu trösten, zu beruhigen, war umsonst. Immer wieder schluchzte sie auf: „Warum mußte gerade ich ihn lieben? Warum lieb' ich ihn noch?" Endlich ließ der erste heftige Ausbruch ihres Schmerze» ein wenig nach. „Er darf morgen nicht kommen, darf nicht mit dem Onkel sprechen; ich werde ihm schreiben I" Und mit ihrer ganzen Energie richtete sie sich auf und eilte zum Schreibtisch. „Herr Lieutenant," lautete da« Billet, „Sie haben mir gestern die Ehre erwiesen, mich Ihrer Liebe zu versichern; doch es geschah unter falschen Voraussetzungen. Ich habe heute Morgen erfahren, daß man mich hier allgemein mit meiner Schwester Hella verwechselt, das heißt, daß man mich für die Erbin hält, die sie ist. Wir find Halbschwestern und ihr allerdings beträchtliches Vermögen stammt von ihrer ver« storbenen Mutter, während ich arm bin. Sie sehen also, ich entspreche nicht dem Ideal, welchem Sie nachstrebten und ich entbinde Sie daher Ihre» Versprechens, morgen meinen Onkel aufzusuchen. Ergebenst Ilse Selttkoff." Am Abend desselben Tage» saß Curt von Thelen in seinem Zimmer, eifrig studirend, al» plötzlich Alfred zu ihm hereingestürmt kam. „Lies dies," rief er und warf Ilses Billet vor ihm auf den Tisch. „Lies und dann sage mir, was ich thun soll." „Was Du thun sollst? Nun, das scheint mir sehr klar," sagte Curt, nachdem er die wenigen Zeilen überflogen, „zu ihr hingehen und ihr sagen, daß Du sie nie für eine reiche Erbin gehalten." „Aber das wäre ja eine Lüge, denn ich habe sie dafür gehalten." „Du hättest -* m , »Hier, lies auch dies." Und Alfred reichte ihm jenen Brief seines Onkels, der ihn seiner Zeit so sehr erregt. „So, das war'«? Also deshalb wolltest Du zuerst nicht» von Ilse wiffen, deshalb Dein sonderbares Benehmen, da» ich mir nicht erklären konnte!" „Ja, der Vorschlag meine» Onkel» empörte mich, ich wehrte mich lange gegen meine Liebe, denn auf den ersten Blick hatte mir e» Ilse angethan; ich wollte mich nicht gefangen geben, wollte kein Glücksjäger sein. Aber was half mir die ganre schöne Ueberlegung? Nichts, gar nicht»! Ich unterlag schließlich doch und zwar hoffnungslor. Und wenn meine Verhältnisse nur etwas besser wären, ich würde mich heute aufrichtig freuen, daß sie nicht die Erbin ist, denn das war eigentlich das Einzige, was mich insgeheim noch an ihr störte. Aber was soll ich thun? Darf ich sie an mich binden, ohne ihr eine gesicherte Existenz bieten zu können, und würden ihr Onkel, ihre Mutter es zugeben?" „Ob sie will, scheinst Du gar nicht zu fragen." „Wozu? Ich weiß, baß Ilse mich liebt, und wenn ich es nicht gewußt hätte, aus diesem Brief hätte ich es heraus- gelesen." „Nun, wenn es nur Deine ungünstigen Vermögensverhältnisse sind, die Dir zu denken geben," begann Curt zögernd, „so könnte ich Dir vielleicht einen Vorschlag machen." „Halt, alter Freund, mache mir lieber keinen Vorschlag, denn ich müßte ihn doch nur als einen Act Deiner Großmuth betrachten. Daß ich weder an Deiner Freundschaft noch an Deiner Opferwilligkeit zweifle, weißt Du, aber eben so gut wirst Du mir zugestehen müssen, daß ich ein Opfer Deinerseits keinesfalls annehmen kann." „Jetzt bin ich es, der Dir Halt zuruft. Wer sagt Dir denn, daß ich ein Opfer bringen will? Viel eher könnte mein Vorschlag ein solches für Dich bedeuten. Wenn ich vorhin zögerte, mich auszusprechen, so lag es daran, daß mir der Gedanke ganz plötzlich gekommen war. Willst Du mich jetzt anhören ?" " . ,mertnelroe8enl" stimmte Rheinsberg zu, und nun setzten sich die beiden Freunde zu einer ernsten Bsrathung hin und es war schon sehr spät in der Nacht geworden, als Fred endlich mit einem festen Entschluß von Thelen Abschied nahm. •- 854 «- Die directe Folge dieses Entschluffes war, daß sich Rheinsberg am nächsten Morgen nach dem Dienst sofort hinsetzte und ein Urlaubsgesuch an sein Regiment schrieb. Hierauf machte er sehr sorgfältig Toilette, fuhr sodann nach Ludwigs- bad hinüber und ließ sich dort bei Ilse Seltikoff anmelden. Die hochgradige Aufregung, in der das junge Mädchen sich Tags zuvor befunden, hatte einer trüben Niedergeschlagen- heit Platz gemacht und als man ihr jetzt die Karte des Lieutenants brachte, lehnte sie matt in einem Sessel, während Hedwig vor ihr stand und sich in dem Bestreben, die Freundin von der Grundlosigkeit ihres Verdachtes zu überzeugen, in einen wahren Feuereifer hineinredete. ,O, Heda, nun ist er doch gekommen! Aber ich kann ihn nicht sehen I Bitte, bitte, thu' mir den Gefallen und sprich Du mit ihm. Sag' ihm, daß er wieder geht!" „Unsinn, Kind! Darf doch jeder Verbrecher sich verthei- digen, warum willst Du ihn nicht anhören? Du bist es Dir und ihm schuldig I" «Nehmen Sie meinen Dank, mein gnädigstes Fräulein, für Ihre warme Fürsprache," ertönte jetzt die klangvolle Stimme des Offiziers von der Thür her. «Verzeihen Sie, Ilse, daß ich gegen Ihren Willen hier eindringe; aber ich muß Sie sprechen!" «Ach, Herr von Rheinsberg!" rief Hedwig, «wie haben Sie mich erschreckt! Doch Sie müssen mich einen Augenblick entschuldigen —" Und damit war die junge Dame bereits aus dem Zimmer geschlüpft, ohne auf der Freundin bittendes «Hedwig!" zu achten. n„ «Me, liebe Ilse!" Mit diesem Ausruf war Rheinsberg stürmisch auf die Geliebte zugetreten, welche von ihrem Sessel aufgestanden war, ihm bleich, aber entschlossen entgegentrat und wie zur Abwehr leise die Hand erhob. «Einen Augenblick, Herr von Rheinsberg. Sie sind wohl gekommen, um mich zu überzeugen, daß ich in einem Jrrthum befangen war, als ich Ihnen schrieb. Es bedarf nicht vieler Worte. Sagen Sie mir nur Eins, aber auf Ihre Ehre: Haben Sie mich für eine reiche Erbin gehalten oder nicht?" _ ^se- Sie hätten nicht meine Ehre anzurufen brauchen 1 Ja, ich habe Sie dafür gehalten! Aber —" »Ich weiß genug, Herr Lieutenant, und ich glaube, Sie werden begreifen, daß wir Beide nun nichts mehr miteinander zu besprechen haben." „Nein, das begreife ich nicht. Ilse, haben Sie denn gänz vergessen, was Sie mir vorgestern Abend gestanden? 34 »weiß es noch. Soll ich es Ihnen in's Gedächtniß zurück- „Das ist nicht nöthig, Herr von Rheinsberg. Ich weiß es leider nur zu gut! O Gott, daß ich mich so in Ihnen täuschen mußte!" _ «Es war keine Täuschung, ich liebe Sie; Sie, Ilse Seltikoff; ich mußte Sie lieben, trotzdem ich Sie für eine Erbin hielt. Ich wehrte mich gegen diese Liebe, ich kämpfte dagegen, eben weil ich Sie reich glaubte und ich bin glücklich, Ilse, daß Sie arm sind wie ich!" „Wozu diese Comödie? Sie denken vielleicht, ich hätte Sie nur auf die Probe stellen wollen? An ein Mädchen, das er wirklich für arm hält, wird der elegante Lieutenant von Rheinsberg doch keine Liebesbetheuerungen verschwenden! Aber glauben Sie nur, es ist bittere Wahrheit. Doch was thut's? Uebermorgen ist die rechte Erbin da, dann können Sie ja Ihr Glück auch bei ihr versuchen! Ich werde Sie nicht verrathen!" ,, ^Rheinsberg war bei diesen beleidigenden Worten sehr bleich geworden; doch nach einer secundenlangen Pause sagte » in ansch-inend ruhigem Ton: „Ich danke Ihnen, mein gnädigste» Fräulein! Uebermorgen bin ich nicht mehr hier, kann also von Ihrer Güte keinen Gebrauch machen. Leben Sie wohl! M Und mit einer tadellosen.Verbeugung verließ er das Zimmer. , -Ilse, Ilse, was hast Du gethan?" rief Hedwig, die ihm in der Thür begegnete und offenbar dis letzten Worte gehört hatte. „Das wird er Dir nie vergeben!" „Ich weiß es," entgegnete die Angeredete tonlos. • ♦ * Mehr als ein Jahr war vergangen. Die Herbstmanövsr waren vorüber und in wenigen Tagen sollte die Hochzeit von Curt und Hedwig stattfinden. Ilse Seltikoff befand sich schon seit einiger Zeit im Hause des Landraths zu Besuch, denn Hedwig konnte natürlich die wichtigste Feier ihres Lebens nicht ohne die geliebte Freundin begehen. Ilse war zwar sehr ungern an die Stätte zurückgekehrt, wo sie die schönsten und die traurigsten Tage ihre» Leben« zugebracht. Aber Hedwig wünschte ihr Kommen so ernstlich, daß sie nachgeben mußte. Brauchte sie ja doch keine Begegnung mit Rheinsberg zu fürchten, denn wie Hedwig ihr geschrieben, hatte er seinen Abschied genommen und Jckstädt verlassen. Die beiden jungen Dämen waren heute allein. Curt und der Landrath waren in die nächste größere Stadt ge- fahren, wo sie noch Einiges zu besorgen halten, das an der Ausstattung der Villa sehlte, die der junge Offizier für sich und seine zukünftige Frau hatte bauen lassen. Außerdem be- absichtigte Curt, mit einem Herrn zusammen zu treffen, den er al» Administrator für einen Gütercomplex an der polnischen Grenze engagirt hatte, welcher ihm vor ungefähr Jahresfrist durch Erbschaft zugefallen war. „Der Herr ist ein alter Freund meines Schwiegersöhne» und kommt direct von der landwirthschaftlichen Schule," hatte der Landrath am Morgen zu Ilse gesagt. „Auch so eine neumodische Erfindung," hatte er brummend hinzugefügt, „früher nahm man practische Landwirthe für solche Stellen." Der Zug, der die Herren zurückbringen sollte, mußte bald eintreffen, und da Hedwig den Bräutigam den ganzen langen Tag hatte entbehren müssen, so sollten sie direct nach Hause kommen und den neuen Administrator zum Abendbrod mitbringen. Hedwig war eben in ihr Zimmer gegangen, um ihr reizendes Persönchen noch etwas reizender zu machen, und Ilse stand am Fenster desselben Salons, al« der Wagen unten vorfuhr. Es war schon zu düster draußen, um mehr al« die Umrisse der Gestalten zu erkennen, und so sah sie nur, daß der Fremde eine hohe, elegante Gestalt hatte und ein Etwa« in den Bewegungen, das ihr bekannt vorkam. Doch es mochte wohl nur das sichere Auftreten eines Mannes von Welt sein, das sie anheimelte. Jetzt ertönten Schritte im Corridor und Ilse hörte Curt sagen: „Geh' nur einstweilen da hinein; ich muß zuerst zu meiner Braut, komme aber sogleich mit ihr zurück." Wenige Secunden später wurde die Thür des Salon- geöffnet und in ihrem Rahmen stand, hell beleuchtet von der im Vorsaal bereits brennenden Lampe, — Rheinsberg. Einen Schritt war Ilse zurückgetreten, aber er war nicht Schrecken, was sich in ihren Zügen malte, sondern eher Staunen und freudige Ueberraschung, mit der sie die Augen auf der stolzen, männlichen Erscheinung ruhen ließ. „Rheinsberg!" Sie mußte den Namen wohl ausgesprochen haben, denn der Eintretende, der einen Augenblick den Schritt angehalten hatte, schloß die Thüre hinter sich und sagte: „Ja, Rheinr- berg, aber nicht der elegante Lieutenant von Rheinsberg, sondern der Administrator Rheinsberg. Und dieser darf doch wohl ein anderes Ideal haben, als eine reiche Erbin. Meinen Sie nicht auch, Fräulein Ilse Seltikoff?" Da kam Leben in die Gestalt des jungen Mädchens und rasch nach der Thür eilend, stammelte sie verwirrt: „Verzeihen Sie - ich will - es ist so dunkel hier -" Aber rascher noch als sie hatte Alfred die Thür erreicht und seine Hand leise aus ihren Arm legend, sprach er innig: „Ilse, warum fliehen Sie mich? Haben Sie nicht einige - 335 - Minuten für «ich übrig? Darf ich Ihnen nicht heute die Erklärung geben, die Sie vor einem Jahre nicht anhören wollten?" Und wenn sie ihm auch keine Antwort gab, so litt sie es doch, daß er sie zu einem Sessel führte, in welchen sie sich widerstandslos sinken ließ, während sie mit beiden Händen ihr Antlitz bedeckte. Was er zu ihr sprach, waren nicht viele Worte, aber der warme, innige Klang seiner Stimme senkte sich tief in ihr Herz. Sie mußte auch von seiner Erklärung vollkommen befriedigt sein, denn als jetzt in der weitgeöffneten Thüre Curt und Hedwig Arm in Arm erschienen, da zog Rheinsberg die nicht mehr Widerstrebende in seine Arme und rief dem Freunde mit mühsam unterdrücktem Jubel zu: „Herr Curt von Thelen, es ist eine neue Bedingung in unfern Con« tretet aufzunehmen und diese lautet: Die Familienwohnung des Administrators Rheinsberg ist so schnell als möglich aus» zubauen und zur Aufnahme einer jungen Frau vorzurichten." „Hurrah, Fredi, die Bedingung nehme ich an I — Eine größere Freude hättet Ihr Beide uns nicht machen können, nicht wahr, Hede?" — Fremdkörper im Ohr. Von Dr. H. Grumbach. ------- (Nachdruck verboten.) Durch unvorsichtiges und ungeschicktes Herumbohren im Ohre ist schon manches Unheil angerichtet worden. Hat sich das Ohrenschmalz verdickt oder ist es lange nicht entfernt worden, so daß es ein juckendes, kitzelndes Gefühl verursacht, dann ergreifen viele den ersten besten spitzen Gegenstand und bohren damit gewaltsam im Ohre herum. Wie ost sind dadurch schon Verletzungen der zarten inneren Haut ober gar des Trommelfells entstanden! Später, oft lange nachher, zeigt sich dann Eiter im Ohre, bald greift da» Geschwür immer weiter um sich, geht auf das Gehirn über und bisweilen tritt sogar der Tod ein. Noch schlimmer und schneller aber stellt sich das Unheil ein, wenn Theile des in das Ohr eingeführten Gegenstandes abbrechen. So mancher stochert z. B. ganz gedankenlos, ohne weiter die Folgen zu beachten, mit dem gerade in der Hand befindlichen Bleistift tief im Ohre herum. Plötzlich bricht die Spitze ab. Nun werden zuerst mit den Fingernägeln, dann mit Zahnstochern, Streichhölzern und dergleichen Instrumenten alle möglichen Versuche gemacht, den Fremdkörper wieder zu entfernen. Gelingt dies wirklich, so kann man von großem Glück sagen. Meist aber wird bei diesen Extractionsversuchen — weil sie ohne jede Keuntniß der baulichen (anatomischen) Verhältnisse de» Ohres aurgeführt werden — der betreffende Gegenstand immer tiefer in dem Gehörgang hineingeschoben, auch treten mehrfach kleinere, aber für die zarten inneren Theile höchst verhängnißvolle Verletzungen ein. Selbst für den Arzt wird es dadurch trotz der jetzt so vervollkommneten Instrumente, nachher oft unmöglich, den Fremdkörper ohne eine gefährliche Operation zu entfernen. Sowohl diese Fälle, als auch jene, wo namentlich Kinder sich Gegenstände spielend in'» Ohr stecken, führen daher nicht selten zu den schwersten Erkrankungen, ja selbst zum Tode. Man könnte diese Schilderung für übertrieben halten und da» Krankheitsbilb als zu schwarz gemalt und nicht der Wirklichkeit entsprechend; deshalb will ich einige fachmännische Urtheile und characteristische Beispiele anführen. Professor Schwartze sagt in seinen „chirurgischen Krankheiten des Ohres": „Alljährlich sterben überall in Folge solcher ungeeigneter Extractionsversuche eine Anzahl von Kindern. Aus der verhältnißmäßigen Seltenheit der veröffentlichten tödt- lichen Fälle darf nicht geichlossen werden auf die Seltenheit ihres Vorkommens." Es können eben in Folge des Widerstände» der Angehörigen nur sehr selten anatomische Untersuchungen nach Todesfällen durch Gehirnentzündung oder durch Eiterungen im Gehirne vorgenommen werden, und daher wird auch das Grundübel, die eigentliche Krankheitsursache selten erkannt. Aber doch finden sich in der medicinischen Literatur viele Fälle, welche deutlich beweisen, daß Störungen bei Trommelfelle», Taubheit, Gehirnentzündung und Tod schon häufig die traurigen Folgen der ungeschickten Entfernung von Fremdkörpern im Ohre waren. Dr. Sabatier sah den Tod durch eine Papierkugel eintreten, welche durch unzweckmäßige Entfernungsversuche in die sogenannte Paukenhöhle des Ohres gelangt war. Es zeigte sich bei der Sectiou eine schwere Verletzung de» knöchernen Daches der Paukenhöhle und eine Eiterung. Dr. Weinlechner berichtet folgendes: Ein Waisenknabe steckte sich einen Kieselstein in» Ohr. Er schob tüchtig nach, um ihn, wie er meinte, beim andern Ohre wieder herauszubringen. Dadurch wurde der Stein fest in die Paukenhöhle gedrängt. Es trat Lähmung der Gesichtsnerven und nach einigen Tagen der Tod an Gehirnentzündung ein. Dieselbe Todesursache bewirkte bei einem zwölfjährigen Knaben eine Kaffeebohne im Ohr, welche durch ungeschickte Entfernungsversuche immer weiter in die Paukenhöhle gedrängt wurde. Viele andere Aerzte berichten ähnliche Fälle, in denen Johanuisbrodkerne, Kieselsteine, Bohnen, Kirschkerne auf gewaltsame Weise tief in das Ohr gepreßt wurden und Verletzungen der Paukenhöhle, Zerstörungen des Trommelfelles u. f. w. veranlaßten. Und wenn auch wirklich solche laienhafte Operationen nicht immer gleich diese schlimmen Folgen haben, so bewirken sie doch fast stets eine Schwellung des Innern Ohres und erschweren dadurch die späteren ärztlichen Eingriffe ganz bedeutend. Mit Recht sagt Professor Bezold: „So einsach und sicher die Entfernung aller von Extractionsinstrumenten in Laienhand unberührt gebliebenen Fremdkörper im Ohr, nach den Erfahrungen sämmtlicher Autoren, gelingt, so schwierig wird die Aufgabe, wenn der Körper durch Ungeschicklichkeit bis tief in den inneren Gehörgang vorgeschoben ist." Möge daher Jeder, wenn einmal ein Gegenstand — welcher Art er auch sei, groß oder klein — ins Ohr gekommen ist, die Hand davon lassen und nicht durch gewaltsame Entfernungsversuche großes Unheil anrichten. Das einzige Experiment, welches man selbstständig ohne Gefahr und sehr oft mit Erfolg ausführen kann, ist folgendes: Man neige den Kopf ganz tief nach rechts ober links, je nachdem der Gegenstand im rechten ober linken Ohre sich befindet. Dann ziehe ein anderer die äußere Mündung des Gehörganges mit beiden Daumen energisch auseinander und der Patient rüttele und schüttele dabei mit dem Kopse und stampfe und hüpfe auf dem Beine der betreffenden Seite. Im vorigen Sommer traf ich auf einer Waldwiese mehrere Knaben, welche „Räuber und Soldat" spielten. Es schien aber gerade allgemeiner Friede zu herrschen, denn ohne von Holzsäbel und Schleuder Gebrauch zu machen, standen sie ängstlich-ruhig dicht bei einander. Sogar die „Räuber" machten trotz ihrer Hahnenfedern am Hute höchst muth- und rathlose Gesichter. Ich wagte mich daher näher heran und fragte, was geschehen sei. Da zeigten sie mir einen jämmerlich heulenden „Räuber", welchem ein Steinchen im Ohre saß. Er hatte sich vorher mit dem Ohre ganz dicht auf die Erde gelegt, um das eventuelle Herannahen der Soldaten besser zu hören. In seinem jugendlichen Eifer hatte er dabei wahrscheinlich das Ohr so fest auf den Boden gedrückt, daß der Stein gewaltsam hineingepreßt wurde. Ich wandte nun die vorhin geschilderte Methode an und alsbald fiel das Steinchen heraus. Nach kurzem Dank stürmten dann wieder Räuber und Soldaten wuthentbranut aufeinander los. Hat dieses Experiment aber keinen Erfolg, so stehe man von allen weiteren Versuchen ab und nehme sofort ärztliche Hilfe in Anspruch. Es mögen auch die Eltern ihre Kinder wiederholt auf die großen Gefahren aufmerksam machen, welche Fremdkörper im Ohre bringen können, damit die Kleinen nicht im Spiele sich solche „aus Spaß" hineinstecken. Ebenso sollen Erwachsene kein böses Beispiel dadurch geben, daß sie zum Entfernen de» Ohrenschmalzes Streichhölzer, Zahnstocher oder gar die leicht abbrechenden Bleistiftspitzen benutzen. 356 Was die Straße verschlingt. (Bilder aus dem socialen Leben der Reichshauptstadt.) _ ^ sonnigen Landen ist es noch Sitte, daß ehrsame Meister ihr Handwerk auf der Straße unter freiem Himmel betreiben und frei von Ladenmiethe und Spiegelscheiben ihre Waare, so wie sie fertig ist, dem Vorüberwandelnden anbieten und verkaufen. In unserem kühlen Norden zieht sich der seßhafte Kaufmann und Handwerker hinter die Mauern des Hauses zurück und es find die Enterbten des Schicksals, die durch Verkauf geringer Waare auf der freien Straße ein kümmerliches Dasein fristen. In der Weltstadt Berlin giebt es Tausende solcher Existenzen, die das Gewühl und der Kampf des Lebens auf die Straße geworfen hat und die nun im Lärm der Straße sich abmühen, ihren Lebensunterhalt zu finden. Manche schnurrigen Käuze find darunter, die Dir ein Lächeln abnöihigen, manche gebrochene Gestalten, die Dir die Thränen des Mitleids entlocken. Betrachten wir, was diese Aermsten der Armen, die Du in früher Morgenstunde und in der tiefsten Nacht, bei greller Sonne und beim Heulen des Sturmes bei ihrer Thätigkeit findest, betreiben. Da ist zunächst die große Schaar der Zeitungsverkäufer. Auf öffentlichen Plätzen, in belebten Straßen, in der Nähe der Bahnhöfe, an den Pferdebahnkreuzungspunkten bieten sie ihre Zeitungen feil. Einige verkaufen nur die Nummern einer bestimmten Zeitung, Andere bieten Dir in großartiger Unparteilichkeit die „Kreuzzeitung" und den „Vorwärts", die „Germania" und die „Nationalzeitung" an. Sie sind so un- parteiisch, daß sie an dem einen Abend mit dröhnender Stimme ausrufen: „Parlamentsausgabe der Freisinnigen Zeitung; hoch- wichtige Rede des Abgeordneten Bebel gegen den Militäretat" und am anderen Abend: „Parlamentsausgabe der Freisinnigen Zeitung; hochwichtige Rede des Kriegsministers gegen den Abgeordneten Bebel." Im Winter machen sie mit diesen Parlamentsausgaben gute Geschäfte; im Sommer werden die Parlamentarier — pardon — von — Rennpferden abgelöst. Da tönt es durch die Straßen: „Neueste Nummer der Sportwelt. Großer Steg vom Armbruster im Badener Jubiläumspreis." Die Verkäufer bleiben dieselben: Arme Kerle in abgerissenem Anzug, Frauen, denen die Noth auf dem Gesicht geschrieben steht. Die Käufer aber wechseln: Im Winter find es bebrillte Männer, die nicht früh genug die weisen Sprüche ihrer Lieblingsparlamentarier zu lesen bekommen können, im Sommer elegante Dandys mit Plättfalten in den Beinkleidern, Jünglinge, die ihres Vaters Geld am „Toto" verwetten und nur sehen wollen, wieviel „Odds" es auf den siegenden Gaul gegeben hat. Unter diesen Jünglingen hat die zweite große Gruppe der Straßenverkäufer nicht ihre Kunden. Diese Gruppe bilden die Verkäufer der verschiedensten Lebensmittel. Sie suchen die Bedürfnisse von Kreisen zu befriedigen, die nicht viel reicher sind als sie. Wenn man am Lustgarten die uralten Frauen sieht, die noch ältere« Backwerk und Würstchen verkaufen, die den Lenden lebensmüder Ackergäule entstammen, so wird man es wohl begreifen, daß sich nur die ärmere Bevölkerung an diese „Leckerbissen" heranwagt. Aber ein gar streitbares Geschlecht sind diese Greisinnen, das hat der Schreiber dieser Zeilen einmal an sich erfahren, als er als junger Student eine solche alte Dame „anulkte". Da bekam er einen harten Apfel mit solcher Vehemenz an den Kopf geworfen, daß ihm noch heute der Schädel brummt, wenn er daran denkt. Einen etwas zeitgemäßeren Eindruck machen die Händler, dis kleine Wagen benutzen, um auf ihnen Obst, Südfrüchte, Naschwerk, manchmal auch Häringe durch die Straßen zu be- fördern. Die Häringe und Flundern freilich stinken manchmal zum Himmel empor wie Kains Missethat, aber das Obst sieht leidlich manierlich aus, wenn es auch zweiter, dritter oder fünfter Güte ist. Bis in die tiefe Nacht halten diese Händler »ebaction: A. Scheyda. - vielfach Mann und Frau - aus, um einige Groschen zu verdienen. Noch länger als sie gehen die .fliegenden Kaffe«. Händler , die in einer fahrbaren Maschine warmen Kaffee bereit halten, und die Würstchenverkäufer, die den dampfenden Kessel vor sich hertrage», ihrem Berufe nach. Weniger günstiger gestellt als diese Lieferanten für den Magen sind die Lieferanten für das Herz: die Blumenhänd. ler. Der Berliner liebt die Blumen sehr, und da zudem die Blumen in den Läden meist nicht unerheblich theurer sind, als bei dem ambulanten Händler, so finden diese guten Absatz. Somit könnten fie ganz guten Verdienst erwerben, wenn sie sich nicht gar zu sehr Conkurrenz machten. Daß Blumen eigentlich nur von Menschenblumen, von hübschen, blühenden Mädchen, verkauft werden sollten, ist in Berlin ebenso zur Fabel geworden, wie in der bella Italia. Was handelt nicht Alles mit Blumen auf der Straße! Alte Graubärte, würdige Matronen, Stelzfüße, Einäugige und dann wieder junge Bur« fchen, die nicht arbeiten wollen oder keine Arbeit finden, und halbwüchsige Kinder. Hübsche Blumenmädchen giebt es aller» dings auch, aber die verkaufen ihre Blumen nicht auf der Straße, sondern eilen von Local zu Lokal, um an die Gäste ihre Veilchen und Maiglöckchen loszuwerden. Sie nehmen an manchem Abend ein guter Stück Geld ein, doch die armen Kinder haben nichts davon, denn das Geld wird ihnen meist von den Frauen, die ihnen Kost und Logis geben und sie mit den hübschen Schwarzwälderinnenkostümen ausstaffiren, abge« nommen. Doch nun zurück auf die Straße. Neben den Vertreter« der genannten Categorien giebt es «och Unzählige, die mit allem Möglichen und Unmöglichen handeln — „wie's trefft", wie der polnische Jude sagt. Da geht ein Mann am Stra« ßendamm entlang, der einige ganz junge Möpse in den Armen hält, um sie Liebhabern zu verkaufen. Die armen Thierchen zittern vor Kälte und Schwäche, und es ist sonderbar anzu« sehen, wie der Mann, aus dessen verwitterten Zügen ein sturmbewegtes Leben spricht, die kleinen Thiere zärtlich streichelt. Plötzlich tönt neben Dir eine tiefe, wie aus dem Grabe kommende Stimme langsam und jede Silbe betonend: Wachs-streich-höl-zer. Du blickst Dich um und siehst einen steinalten Mann, mit mächtigem, wirren Silberbart, in einem verschlissenen, zerfetzten Rock; das Mitleid erfaßt Dich und Du giebst ihm einen Groschen. Aber im nächsten Augen« blick überlegst Du, ob Du den Nickel nicht lieber jener bleichen, halb verhungerten Frau hättest geben sollen, die Dir Notizbücher, das Stück für 5 Pfennige, anbietet, oder jenem kaum zwölfjährigen Mädchen, das in der kalten Winternacht oder bei dem sprühenden Frühlingsregen in seinem dünnen Kleidchen erbärmlich friert, und Dich mit zitternder Stimme bittet, ihr einen Kalender oder bergt abzukaufen, weil der Vater fie schlage, jwenn sie nach Hause komme, ohne etwas verkauft zu haben. Das Mitleid erfaßt Dich, Du ziehst Deine Börse, giebst auch dem Kinde eine Kleinigkeit und gehst Plötzlich hörst Du, wie dieselbe Stimme, die da Dein höchstes Mitleid erregt hat, lachend ein frivoles Wort ausspricht. Du wendest Dich um und siehst, daß das junge Mädchen von einigen Wüstlingen umringt ist, die ihr frivole Worte zurufen, denen sie, die kaum den Kinderschuhen ent« wachsen ist, in derselben Weise antwortet. Glaube nur nicht, daß dieses junge Mädchen eine Ausnahme ist. Alle die vier« zehnjährigen Knaben und die noch jüngeren Mädchen, die Nachts in der Friedrichstadt oder an anderen belebten Orten ihre Maaren feilbieten, sind durch das nächtliche Treiben, das sich in ihrer unmittelbaren Nähe abspielt, verdorben. Der Weg, den fie in späteren Jahren wandeln werden, ist ihnen vorgezeichnet: er führt in die Tiefe. Sie fristen ihr junges Leben von der Straße, von dem Mitleid oder der Kauflust später Nachtschwärmer, und die Straße fordert ihren Lohn dafür und verschlingt sie, wie sie eine Generation vorher ihre Eltern verschlungen hat. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfiMS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. 34 bei der der jetzi, director fachen S Gründer hatte. Re, in Oeste specieller besondere Namens wurde id sondern niffen de Pol die direc Tages n fahrt ab einen „ls Mi! unteren „Pennbr nennt. Es Secte dl ihre Sack und Rich Sinne gi Verbrech, Der enthalt d ste mit 2 tigt«. E d, h. im