MMW öeN8i.Deemöer UnterhaltungsdLatt zurrn Gießener Anzeiger (General-Anzeiger) Aeujahvsgvrrtz. Neues Jahr, sei uns willkommen Nun auf deiner jungen Bahn — Nicht mit Herzen, die beklommen, Sehen Alle wir dich nah'» — Nein, in hoffnungsfrohem Sinnen Ist dir zugewandt der Blick, Denn wir glauben zu gewinnen Ja in dir ein neues Glück! Wohl, so spende frisches Leben Du nunmehr für jedes Haus, Laß der Hoffnung Blüthen weben Sich für Jedermann zum Strauß. Pflanze gläubiges Vertrauen Machtvoll du uns Allen ein, Daß wir muthig aufwärts schauen Zu des Höchsten Himmelsschretn I Grüß das Leid mit Trosteslächeln, Segen schenk' der guten That, Und mit mildem Hauch umfächeln Mögst du unfern Pilgerpfad. — Sei in deinem Lauf beschieden Uns auch, was von Goldeswerth: Unferm Vaterlande Frieden Und Gedeihen unferm Herd! B. Neu en dorff. Durch die Liebe erlöst. Weihnachtsnovelle von R. Sturm. (Schluß.) „Ja, ja, Leonie war wohl damals kaum fünfzehn Jahre alt und war nur als Zuschauerin mit zum Regimentsfest genommen worden," sagte zur Aufklärung Frau Major von Struberg. £ ®° verlief die Abendtafel unter heiteren Scherzen und fröhlichem Plaudern und Curt von Pleffen sah dabei immer tiefer in Ediths schöne blaue Augen und fand immer mehr Gefallen an ihrem anmuthigen, schelmischen Wesen. Gütiger Himmel! Da kam ihm auf einmal ein großer Gedanke, dessen Ausführung ihn aus der peinlichen Verlegen« yett, in welcher er sich seinem Vater gegenüber befand, retten wurde. Konnte er stch nicht um Ediths Hand bewerben? Dieses reizende Mädchen hatte sein leichtes Herz gefangen, I und Edlth von Struberg als feine liebe Braut nach Schloß ? Messen zu führen, war jetzt ein Gedanke, welcher Curt von I Pleffen eifrig beschäftigte. h Sein Gsmüth war davon so eingenommen, daß er trotz i der großen Heiterkeit, die an der kleinen Tafelrunde herrschte, f zuweilen wie in tiefes Sinnen versunken dasaß. Der Hausherr, Major von Struberg, deutete diese Wahrnehmung dahin, daß Lieutenant von Pleffen infolge der scharfen langen Rittes in der kalten Winterluft und des Ur« ^^wahrscheinlich sehr ermüdet sei. Auf einen leisen Wink des Majors verließen daher die Damen das Speisezimmer und sagten den Herren „Gute Nacht!" Bei dem Abschiede war aber Curt von Pleffen wieder ganz umgewandelt. Eine förmliche Aufregung glühte in seinem vorher bleichen Gesichte und mit einer fast rührenden Stimme sagte er: „Ich weiß nicht, ob ich die Ehre haben werde, die gnädige Frau und die gnädigen Fräulein morgen früh noch einmal zu sehen, denn ich werde sehr zeitig nach Pleffen zurückkehren, um meine Eltern von der Sorge um mich zu befreien." 8 „Zum Frühstück sehen wir Sie doch noch bei uns, Herr Lieutenant," entgegnete Frau von Struberg und reichte ihm freundlich die Hand. „Natürlich frühstücken Sie noch bei uns," erklärte der Major, „denn Sie können doch nicht ohne Frühstück den fast zwei Meilen weiten Weg nach Pleffen zurücklegen. Außerdem fragt es sich, in welchem Zustands Ihr Pferd morgen ist." „Aber meine Eltern sind in Sorge um mich. Deshalb möchte ich morgen schon sehr früh fort," bemerkte Curt- „Nun, ich werde meinen Reitknecht morgen früh sieben Uhr nach Pleffen reiten lassen/ sagte der Major, „dem geben 614 Sie ein Briefchen an Ihren Herrn Vater mit, da ist die t I bekannten Ausgelassenheit? Sollte er Absichten auf eine meiner Töchter haben und nicht recht mit der Sprache herausrücken? Aber das ist ja nicht glaublich. Früher hat er die Mädchen kaum beachtet und kennt sie eigentlich erst feit gestern. Oder hatte Edith mit mir und ihrer Mutter Eomödie gespielt und dieselbe, Gott weiß wo sonst noch, Plessen bereit» kennen gelernt haben. Nun, hinter diese» Gcheimniß werden wir bald spruch genommen werden." Der Major schloß einen Bücherschrank auf und fuhr lächelnd fort: „Hier find die berühmten Werke von Earlowitz, da können Sie einen Abschnitt Kriegsgeschichte studireu, Herr Lieutenant. Dort in dem anderen Schranke finden Sie aber auch unsere beliebtesten Klasfiker. Auf Wiedersehen zum seinen Lippen. Der Major stutzte und sah forschend in Pleffen» blaffe» Antlitz. „Bei dem ist etwa» nicht ganz richtig," dachte der Major. »Diese plötzliche Sentimentalität bei seiner mir sonst so wohl $ ^Messen verbeugte sich dankend, al» der Major ging und trat dann an den Schrank, welcher die Bücher der Klasfiker enthielt. Er nahm dann einen Band von Göthe» Werken hervor und erwischte den „Faust". „Da» ist wirklich eine gute Fügung," dachte Curt von Pleffen, indem er das Buch aufschlug, „ich bin heute gerade in einer rechten Fauststimmung. Er möchte kein Hund so länger leben. Mit meiner Carriöre al» Offizier am Ende, mit den Eltern entzweit, Schulden und Sorgen und Thor« heilen, da könnte es rasch weiter mit mir bergab gehen, wenn mir nur noch wie dem Faust der böse Versucher erschiene.' Curt von Pleffen wurde immer trauriger gestimmt, al» er über seine mißliche Lage nachdachte und ab und zu eine Stelle in dem packenden Lebensgemälde de» irrenden und kämpfenden Faust las. Er bemerkte in dieser Stimmnng auch nicht, wie leise die Thür des Bibliothekzimmers geöffnet wurde und leichten Fußes, fast unhörbar, die anmuthige Edith von Struberg Das junge Mädchen sah aber den Lieutenant von Pleffen sofort und sie wollte ihm freundlich „Guten Morgen" wünschen, erschrack aber förmlich vor Pleffen» bleichem Antlitz und seinen wie geistesabwesend nach dem Fenster starrenden äU0 „Mein Gott, der arme Lieutenant scheint recht krank oder unglücklich zu fein," dachte Edith. „Vielleicht hat er sich bei dem Unfall gestern doch einen Schaden an seiner Gesund« bett zugezogen oder e» brennt ein heimliches Weh an seiner Seele. Soll ich ihn allein laffen oder soll ich hier bleiben und den Christbaum fertig putzen, wie mir die Mama ausgetragen?" ,, ,, Edith zögerte einige Augenblicke und blickte den bleichen jungen Mann mit seinem so schönen, aber doch so sorgenvollen Antlitz immer wieder an- Gr that ihr wirklich leid, denn e< kommen." „Herr Lieutenant, wollen Sie fich vielleicht bis zum zweiten Frühstück nicht einmal mein Haus etwa» näher an« sehen?' Mit diesen jovial gesprochenen Worten wandte fich der Major jetzt plötzlich an Pleffen. ,Jch bin gern bereit, wenn Sie die Güte haben wollen, mich zu führen, Herr Major," antwortete Pleffen höflich mit einer Verbeugung. Bald schritten die beiden Herren durch die weiten Räume des großen Hause». Nach der Besichtigung des großen Saale» und mehrerer Zimmer öffnete der Major eine Thür, welche in ein schönes großes Eckzimmer führte- „Dies ist unser Bibliothekzimmer," sagte er, „und hier wird auch immer der Weihnachtsbaum geschmückt." , O, dort steht er ja schon ziemlich fertig angeputzt," be« merkte Pleffen und zeigte auf einen schönen Tannenbaum, der in einer Ecke des Bibliothekzimmer» stand. Z „Hier können Sie sich die Zeit mit Lesen vertreiben, ! Herr Lieutenant, während ich einige häusliche Anordnungen treffe," bemerkte der Major lächelnd. „Es ist auch wahr« und kleidete fich schnell an. Galt es doch, in den wenigen, ihm »um Aufenthalte in diesem Hause noch bleibenden Stunden möglichst sein Vorhaben zur Entscheidung zu bringen und fein Schicksal zu wenden. ... . In der frischen Morgenluft ging der Mge Offizier zunächst hinunter in den Hof und dann in den Stall, um nach seinem Pferde zu sehen. Wie zu erwarten war, ging da» Thier noch lahm und er konnte auf demselben nicht nach Hause reiten. Zu seiner Befriedigung konnte er fich aber jetzt davon überzeugen, daß da» Pferd bei dem Sturze keinen ernsten Schaden genommen hatte, sondern daß nur eine Fußverstauchung vorlag, die in einigen Tagen heilen würde- Bald kam auch der Major herbei und erklärte, daß er Pleffen »ach Hause fahren, deffen Pferd aber bi» zur vollständigen Genesung in Pflege behalten werde. Curt nahm natürlich diese« Anerbieten dankend an und folgte dann dem Major in'« Herrenhaus, um in deffen Gesell- schäft den Morgenkaffee zu trinken- „Sie sehen recht verstört au«, lieber Pleffen,' bemerkte dabei der Major lächelnd. „Haben wohl schlecht geschlafen nach der Affaire von gestern?" „Sie haben Recht, Herr Major, ich habe schlecht ge« schlafen, der Unfall mit dem Pferde und die Unruhe wegen der Sorgen meiner Eltern um mich hatten doch meine Nerven so aufgeregt, daß ich fast kein Auge schließen konnte!" »Nun, da« schadet bei jungen Herren wie Sie nicht viel," erklärte der Major. „Sie werden an der frischen Morgenluft bald wieder munter und zufrieden werden " »Ja, wenn e« nur wahr würde, bald ganz zufrieden zu werden," dachte Curt und seufzte leise. »Augenscheinlich sind Sie wegen Ihres Ausbleibens auch besorgt, lieber Pleffen," sagte dann der Major. „Nun, mein Reitknecht ist gewiß inzwischen drüben auf Schloß Pleffen angelangt und hat Ihren Brief abgegeben- „Ob dadurch meine Eltern aber ganz beruhigt würden, bleibt zweifelhaft," kam e» plötzlich auffällig sentimental von Sache erledigt." , , , „Ich kann diese große Güte kaum annehmen, Herr Major," bat Curt vor. „Es ist eine unnöthige Strapaze für : den Knecht und das Pferd." „O, meinem Reitknecht und dem Pferde schadet die Früh« ! tour gar nichts, denn sie liegen sonst auch auf der Bären« haut," rief der Major. „Auch ist es klares Wetter geworden und der Weg gar nicht gefährlich." m So nahm denn Curt von Pleffen das freundliche Anerbieten, bis morgen noch zum zweiten Frühstück in dem gastlichen Haufe zu bleiben, an. Er that dies nur zu gern, weil er hoffte, auf diese Weise seine Herzenswünsche, mit Glück um Edith» Hand zu freien, zur Entscheidung zu bringen- Ein Welchen saß er noch mit dem Maior zusammen, um diesem verschiedene Fragen in Bezug auf die Offiziere seine» Regiment» zu beantworten. Dann, nachdem er das Briefchen, welche» der Reitknecht nach Pleffen bringen sollte, geschrieben, geleitete ihn der Major zur Nachtruhe in eins der Fremdenzimmer. Curt von Pleffen hatte eine böse Nacht zu überwinden. Infolge der Erlebnisse be« heutigen Tages und der Vorwürfe über die seinen Eltern bereiteten Sorgen, sowie wegen be« brennenden Herzenswunsches, durch seine Verlobung mit Edith von Struberg die Eltern zu versöhnen und sich ein neue» wirkliches Glück zu gründen, waren seine Nerven so aufgeregt, S» Sww«uttÄ I äwäwwä mitKaUen turnen. Al» er bann am denn meine Frau und Töchter pflegen im Suter an den mnrnen erwaLte war et noch müde und matt und hatte I Vormittagen einige Stunden im Biblwthekzimmer zu ver empfindliche Kopfschmerzen. Aber er erhob sich trotzdem rasch bringen, wenn sie nicht von anderen Angelegenheiten in An- 615 i ? „O, Sie können, Sie müssen die Ursache meines Unglückes hören, verehrtes Fräulein, denn Sie können mir helfen/' sagte jetzt plötzlich Messen mit steigender Wärme und in seinen vorhin noch so traurig blickenden Augen glänzte ein Hoffnungsstrahl. Es war freilich eine Generalbeichte, welche Curt von Pleffen bei dem Major ablegen mußte, als er um Edith- Hand bei dem gewissenhaften Vater bat, und der Major runzelte mehr wie einmal die Stirn, al- er aus Pleffens Munde die Ursachen von dessen Bedrängnissen erfuhr. Auch paßte dem Major die rasche Verlobung gar nicht. Aber daß Curt so entschieden die Parthie mit der reichen, ungeliebten, Agne» von Rodeck entschieden ablehnte, da» imponirte dem Major doch wiederum ganz gewaltig, denn da zeigte der leichtfinnige junge Herr doch entschieden Charakter. „Ich will Ihnen die Hoffnung nicht rauben, lieber Pleffen, mit Edith glücklich zu werden," sagte der Major dann ernst, „aber sprechen Sie doch vor allen Dingen nun auch mit Ihrem Herrn Vater, der ja von Ihrem Verlobung-» plane noch keine Ahnung hat. Auch meine Frau und ich müssen uns Ihren Antrag noch einmal überlegen und mit Edith sprechen. Und daß sage ich Ihnen gerade heraus, lieber Pleflen, eine Geldheirath können Sie bei uns nicht verlockend, denn Agnes von Rodeck ist reich, sehr reich, meine Schulden würden mit Leichtigkeit gedeckt werden, und e» wäre für noble Passionen immer viel Geld vorhanden. Aber halten Sie von mir, war Sie wollen, verehrtes Fräulein, so versichere ich Ihnen und auf Ehrenwort, daß ich bei allem meinem Leichtsinn nicht im Stande bin, ein ungeliebtes Mädchen zu heirathen, mag sie auch noch so viel Reichthum besitzen! Und in diesem Falle bin ich um so weniger dazu im Stande, weil ich weiß, daß der mir befreundete Kammerherr Baron von Jngerhausen sich um Fräulein von Rodecks Hand bewirbt und ich ihm diese gute Partie gern gönne" „£), ich bitte, ich flehe Sie an, verehrtes Fräulein," bat Pleffen in ergreifendem Tone, „hören Sie mich an! Denn bei Gott, Sie können mich retten und Sie werden über die Ursache meine» Unglücke» nichts hören, was das Ohr einer Dame beleidigen könnte. Seien Sie barmherzig und schenken Sie mir Gehör!" Edith nickte leise zustimmend und nahm in einem Sessel Pleffen gegenüber Platz. „Die Geschichte meine- Unglückes ist einfach und kommt hundertfach im Leben vor," begann der junge Offizier- „Als einziger Sohn verwöhnt im Haufe der Eltern, kam ich leichtlebig zu unferm Regiments. Natürlich lebte ich flott und gedankenlos in den Tag hinein, wurde auch zu Spiel und Wetten verführt und machte Schulden. Mein Vater verzieh mkc mehrere Male, schließlich wurde ihm aber mein Leichtsinn zu bunt und im Einverständniß mit unserem strengen Oberst verlangt er von mir, daß ich um meinen Abschied bitte." «Aber das ist doch kein so großes Unglück, Herr Lieutenant, es nehme» doch viele Offiziere ihren Abschied," wandte Edith tröstend ein. „Aber ich hänge noch mit ganzer Lust und Liebe an meiner Waffe, am ritterlichen Osfiziersdienste bei meinem schönen Regiments," fuhr Pleffen eifrig fort, „und mein Abschied macht mich unglücklich." „Run, so bitten Sie Ihren Herrn Vater noch einmal recht herzlich und geloben ernstlich Besserung, dann wird er schon noch einmal einwilligen, daß Sie weiter dienen dürfen." „Mein Vater ist in dieser Frage aber leider ganz unerbittlich geworden, und ich beschwöre seinen gerechten Zorn herauf, wenn ich nicht alsbald um meine Entlassung bitte. Doch das wäre noch nicht das Schlimmste für mich, verehrtes Fräulein, denn wenn auch schwer, so würde ich mich schließlich doch darein schicken, auf dem väterlichen Gute Landwirth zu werden. Das Schlimmste in der ganzen Zu- kunftsfrage für mich ist, daß mein Vater darauf besteht, daß ich mich sofort mit einem ungeliebten Mädchen und zwar mit Fräulein Agne» von Rodeck, einer reichen Erbin und einzigen Tochter unseres Gutsnachbar», verloben soll. Diese „Sie wollen die Meine werden Sie wollen mich erlösen, liebe Edith!" rief Messen. „Dem Himmel sei Dank, d ß er mich in dieses Haus geführt. Noch in dieser Stunde werde ich bei Ihrem Herrn Vater um Ihre §*ttb werben, und wenn er mir sein Vertrauen schenkt, so werden wir noch heute ein glückliches Brautpaar." Pleffen küßte das schöne Mädchen ehrerbietig auf die weiße Stirn und eilte davon, um dem Major von Struberg sein wichtiges Anliegen vorzutragen. Aber auch Edith lief eilig aus dem Bibliothekzimmer, um ihr Glück in ihrem Kämmerlein zu verbergen. Das junge Mädchen erbebte leise bei diesen überraschen- r den Worten Pleffens und seiner plötzlichen Umwandlung. Was mochte er ihr anvertrauen wollen? Die Ursache seines Unglückes! Sie zögerte mit der Antwort und trat einen Schritt zurück Edith blickte mit einem wunderbar leuchtenden Aufschlag ihrer schönen blauen Augen auf Curt. Trotz seines offenbar großen Lichtsinnes erschien er ihr in seinen Herzensangelegenheiten so groß, so wahr, so edel und ritterlich, wie sie er bisher noch nie an einem jungen Herrn beobachtet hatte. „Sie sind trotz Ihres Leichtsinnes doch noch ein guter Mensch, Herr von Pleflen," flüsterte sie, „und deshalb wird ihr Unglück wohl noch von Ihnen abgewendet werden können." „Dem Himmel sei Dank, daß noch ein edles Herz an meinen ehrlichen Willen, mich bessern zu wollen, glaubt," rief jetzt Plessen begeistert und ergriff Ediths zarte Hand, um dankend seine Lippen darauf zu drücken. „Nun wage ich aber auch, theuerste Edith, Sie um die große Huld und Gnade zu bitten, mich Aermsten aus Unglück und Verzweiflung zu retten. Sie glauben doch an meine Besserung, also können Sie auch, wenn Ihr Herz nicht nein sagt, meine Retterin, mein Schutzengel iui Leben werden. Fräulein Edith, ich ge- . stehe Ihnen meine ganze aufrichtige Liebe. Sie haben bereits t gestern mein Herz im Fluge erobert und ich wage noch heute ' bei Ihrem Vater um Ihre Hand zu bitten, wenn Sie zu ? meiner Bewerbung die Zustimmung ertheilen?" ^innett?siS*au^« ßW Verlobung ist eine abgemachte Sache zwischen Herrn 2W* mt6t | Mit flinken Schritten näherte ste sich Pless.n und sagte | & melodischer Stimme, durch welche die ganze I Herrlichkeit eines edlen, weiblichen Wesens klang: „Guten | Uh) ■•gen, Herr Lieutenant I Warum sind Sie so traurig am | •len und noch dazu vor dem schönen, an Freuden so l retchen Weihnachtsfeste?" i . $ra£,oor der unerwarteten Anrede zusammen, l ehte tief® sRöHje stieg wie ein Gluthfeuer in sein bleiches E Antlitz und verlegen stammelte er: „Ich bitte tausendmal um 5 gnädiges Fräulein, daß ich Ihren Eintritt in ? da» Bibliothekzimmsr nicht bemerkt habe. Ich war in ein ? trefes, trauriges Sinnen versunken und Sie haben recht gesehen, denn ich bitt thatsächlich unglücklich, sehr unglücklich." ,.. ."Dar thut nur recht leid, Herr Lieutenant, aber es ist unschicklich, wenn ich als junges Mädchen Sie nach der Ur- fache Ihres Unglücks aurfragen wollte. Vielleicht vertrauen Sre sich meinem Vater an, der weiß wahrscheinlich Ihnen zu öu helfen," entgegnete Edith mit zartfühlender Theilnahme. In holdseliger Verwirrung zeigte Edith ihr schönes - Haupt, ihr Herz klopfte saft hörbar und ihre Brust wogte. I Ja, sie liebte Curt von Pleffen mit der ganzen Innigkeit einer echten, edeln Frauenliebe und wollte ihn retten und er- lösen aus seinem Unglücke. Dies sah Messen an Ediths rosigem Antlitz und das fühlte er an dem leisen Drucke ihrer zarten Hand. «» 616 wachen, denn unser Vermögen ist durch bett erst vor Kurzem stattgefundene« Ankauf der Herrschaft Linden festgelegt worden. Aber zur Ordnung Ihrer Angelegenheiten würde ich natürlich, wenn Sie mein Schwiegersohn werden, redlich beitragen. »Herzlichen Dank, Herr Major, für diesen Beweis Ihres Vertrauens, dessen ich mich noch würdig erweisen muß," entgegnete Curt von Pleffen. „Meine Verlobung mit Fräulein Edith ist mir eine so ernste Sache, daß ich noch heute dieselbe bei meinem Vater zur Entscheidung bringen werde- Ich werde sofort nach Schloß Pleffen fahren, und bitte Sie herzlich, mich für heute davon zu dispenfiren, im Kreise Ihrer Familie das Frühstück einzunehmen." Der Major nickte zustimmend, denn er fühlte, wie es Curt in der Seele brennen mußte, und daß er jetzt nicht im Stande war, in gewohnter Fröhlichkeit in Gesellschaft zu sein. Pleffen frühstückte deshalb auch nur ein wenig auf seinem Zimmer und fuhr schon eine halbe Stunde später in dem Wage« des Majors nach dem heimathlichen Schlöffe ab ♦ ♦ * Curts Eltern waren seit gestern Nacht in einer großen Aufregung über das unaufgeklärte Fernbleiben des einzigen Sohnes und waren auch durch den Brief, de« heute morgen der Majors Reitknecht von Curt gebracht, nicht beruhigt. »Ja, ja, unser Sohn ist ein Tollkopf und ein Starrkopf dazu, liebe Frau," wetterte der Major noch immer, obwohl er es inzwischen schon hundert Mal bereut hatte, Curt so streng behandelt zu haben. „Aber wenn er Agnes von Rodeck nun einmal icht heirathen mag," erklärte jetzt die Frau Baronin von Pleffen, „so können wir ihn auch nicht weiter dazu zwingen Fast sch°int es mir, daß er sein Herz an eine der Töchter de« Majors von Struberg verloren habe, denn daß er statt nach Rodeck nach Linden geritten, erscheint mir nicht als Zufall." „Nun, ich würde ja auch zu einer Verlobung Curts mit einem Fräulein von Struberg nicht nein sagen," meinte der Baron von Pleffen. „Der Major von Struberg ist ein wohlhabender Mann und war einst mein lieber, braver Kamerad beim Regiment. Äber heirathen muß Curt sobald als möglich, von dieser Bedingung weiche ich nicht ab." Diese letzten W^rte sagte der Baron mit seiner mächtigen Stimme so laut, daß man sie im Vorsaal hören konnte und dort hatte sie auch Jemand gehört, denn plötzlich ging die Thür auf, Curt trat erregt ein und sagte: „Ja, heirathen will ich, lieber Vater, und brav und solid werden, wie Du es wünschest, und verloben will ich mich noch heute, aber nicht mit Agnes von Rodeck, die ich nicht liebe und die, wie ich unterw- s erfuhr, auch sich bereits mit dem Baron von Jngershaufe« verlobt hat, sondern meine Braut ist Edith von Struberg, ein reizende«, gutes Mädchen, das ich liebe- Ich erhalte Ediths Hand, wenn Ihr zu meinem Vorhaben Eure Zustimmung ertheilt. Und ich bitte Euch nachträglich «och herzlich um Verzeihung, daß ich Euch solche Sorge bereitet habe. Aber „Ende gut, Alles gut" dürfen wir wohl ’ sagen." Es dauerte diesmal einige Secunden, ehe der alte Baron die rechten Worte fand, dann sagte er mit einer Freuden- thräne im Auge: „Curt, das war wieder ein Husarenstreich von Dir, aber der beste von allen. Ich vertraue darauf, daß Du glücklich gewählt hast. Nimm meinen Segen zu Duner Verlobung mit Edith von Struberg. In einer Stunde fahren wir nach Linden, um die Verlobung zu feiern, und zu Weihnachten soll in Schloß Pleffen und im Herrenhaus Linden die Weihnachtssreude doppelt so groß sein al» sonst." GernerniMtziges. Champagner für Sylvester. Will man sich aus selbstgewonnenem Vorrathe von Obst- oder Beerenobstwein Champagner für die Sylvesternacht bereiten, so fülle man den Wein in feste Champagnerflaschen, gebe pro Flasche einen gehäuften Eßlöffel klaren Zucker und ein Gpitzgläschen guten Cognac, verkorke dicht und verbinde den Kork gut. Durch den Zucker kommt der Wein etwa» in Gährung und entwickelt durch die entweichende Kohlensäure ein prächtiger Mousseux. Billig, aber gut- • # ♦ Nutzplätzche«. 125 Gramm Zucker mit einem Si fest rühren, 80 Stück Nußkerne mit Eiweiß gerieben, etwas Zimmt, gestoßene Vanille dazu, Alle» gut vermengen, Häufchen auf Oblaten gesetzt und langsam hellgelb gebacken, je fester der Teig, desto beffer das Gebäck. VeviiM-chtes. Usber gefälschten Kaffee ist insbesondere in der letzten Zeit so viel geredet, geschrieben und lamentirt worden, daß man glauben müßte, es könnten Uebervorthellungen de» gewarnten und mißtrauischen Kaufpublikum« in dieser Hinsicht gar nicht mehr vorkommen. Dürfte e» schon unter die Vergehen gegen das Nahrungsmittelgesetz fallen, wenn Kaffeebohnen, welche auf dem Seetransport durch Waffer gelitten haben, durch Färben wieder aufgefrischt werden, so ist doch die folgende Nachricht, welche wir einem Beitrag in der illu- strirten Familienzeitschrift „Universum" (Dresden) entnehmen, noch viel ungeheuerlicher. Danach sollen Kaffeebohnen au» Thon, Pappmacho rc- hergestellt und der echten Waare beigemengt worden fein; ja, in England wurde sogar schon im Jahre 1883 eine Epecialmaschine zur Fabrikation künstlicher Kaffeebohnen — nicht etwa confiscirt, sondern — patentirt! Unschädlich gemacht. „Nun, lieber Brüller, wie ist denn Durchlaucht mit Ihrem Gesang zufrieden?" — „Prächtig! So oft ich zum Singen zu ihm komme, gibt er mir stet» eine Cigarre und sagt: So, lieber Brüller, nun rauchen Sie mal recht fleißig!" ♦ Je nachdem. Ein Gastwirth geht mit seinem Söhnchen über Land. Plötzlich huscht etwas über den Feldweg. — Söhnchen: „Papa, war das ein Hase oder eine Katze?" — Vater: „Das kommt nur auf die Zubereitung an!" Literarisches. Kür'L HLuSlichs Leben von Eugenie Tafel (Verfasserin von Allerlei für's Haus, Deutsches Hausfrauenbuch, Gute Küche.) 100 S. 8°. Preis höchst elegant gebunden 1 Mark. Verlag von Georg Brieger in Schweidnitz. Ein liebliches Büchlein, das wir gern in den Händen recht vieler Hausfrauen und Mädchen sähen, da cs gute Worte über alle möglichen häuslichen Verhältnisse enthält, die viel Segen stiften können. In seiner schönen Ausstattung eignet es sich vorzüglich zu Geschenken. Der Böglein Bitte O helft, wir leiden bsit're Noch! Ach, gebt uns doch ein wenig Brod I Verödet ist der schöne Wald, Es frieret uns, denn es ist so kalt. Auf Feld und Flur liegt hoher Schnee, Und Hungern lhut entsetzlich weh. Wir bitten nicht um Ueberfluß, Ein Körnlein schon ist uns Genuß, Gebt, was von Ea'rer Tafel fällt, Wir Armen sind dann wohl bestellt. Ja, selbst mit Euern kleinsten Gaben Vermöget Ihr uns reich zu laben. Die andern Vögel sind gezogen Nach Süden über Meereswogcn, Wir aber sind Euch treu geblieben Und bitten flehend Euch, Ihr Lieben: „O, habet Mitleid und Erbarmen Mit uns bedrängten, hilflos Armen! Habt Mitleid, Menschen, lieb und werth, Das Vöglein wenig nur begehrt!" Rebartio«: A. Schktzdlt. — Druck und Seclag der Brühl'schen UniverflKtS^Such- und Eteindruckcrei (Pietsch Ä Scheßd«) in Gießen.