Richtig kommend, ümlich im tberes — liebst mich st Du mich ibe Amalie, In der haben mir »er: „Ent- Jahr gar in in einer renn?" — :m Trinken ngt es an, „In der , daß auf Hafen ge- stellen, daß vurde und mtag statt- rgermeister- denn Deine Papa hat zethan." — n lasse ich »nächtlich): ' - Nach ich einmal muß aber Lieso?" - falten!" — l Rekruten): soeben von ■ Sergeant: »erst heißt? paupertatis »: „Anna, unter den j, da wird mecken" — le den Dieb- , unter gü- ert. „Sie, tzt verkehrt, noch seinen Achter nicht Voraus- unglückltchen Herr Oberhaben, als öraut: Also mich auch „Nun, Sie Gansviertel fei. (Aus :im Hirschenecht Johann vorzuliegen, aß Sie ohne — Lehrer: »der Allotria Leberthran." s): „Wollen twirth?" — — so weit Nr. 14. , Donnerstag den 3L Januar. 18SS. KE ÄW iMWMMO MMMM WM WUMM MMchaltWgsblatt Mm Meßener AnMgrr (Oeneral-AnMgrr). Sturmfluth. Roman von Em. Heinrichs. (Fortsetzung.) XIV. Willibald saß erwartungsvoll in einem großen, bequemen Lehnstuhl. Die Aussicht auf das erste Wiedersehen mit dem Oheim schien ihm doch mehr Aufregung zu bereiten, als er geglaubt, und doch hatte der Arzt es nur in der Voraus» setzung gestattet, daß sein allerdings stark in der Genesung befindlicher, aber doch noch äußerst schwacher Patient die volle Gemüthsruhe dabei bewahren werde. Er hatte ihn soeben erst verlassen und kehrte jetzt schon wieder zurück. „Draußen steht eine Dame, welche sich täglich nach Ihrem Befinden erkundigt hat", begann er leise, „sie bittet flehentlich, einige Worte mit Ihnen unter vier Augen sprechen zu dürfen." „Wer ist es?" fragte der Kranke verwundert. „Fräulein Bernhardine Melchior —" »Ach — die? — Aber, Herr Doktor, Sie wissen doch, daß ich meinen Onkel Ehrhardermarte. Sie mag morgen kommen." „Können Sie es über's Herz bringe», ihr die kleine Bitte abzuschlagen, mein junger Freund? Mir kommt es schwer an, ihr die Enttäuschung zu bereiten. Sie haben ihr das Leben gerettet —" „Eben deshalb, lieber Doktor \" rief Willibald ungeduldig. „Ich mag von dieser Dame keinen Dank. Mein Gott, mir war's doch gleichgiltig, ob ich sie oder eine andere rettete." „Herr Ehrhard», sagte der Arzt im Flüsterton, „die Arme leidet Gewissenspein, ich bin ihr Hausarzt, sie hat mir gebeichtet. Die feurigen Kohlen, welche Sie in jener Nacht °uf ihr schuldiges Haupt gesammelt, brennen wie höllisches Feuer. Ich begehe einen Vertrauensbruch damit, aber Sie müssen es wissen, Fräulein Melchior ist heimlich nach der Residenz gereist, hat dort eine Audienz beim Herzog erhalten und 'hm fußfällig gestanden, was sie gethan und wie Sie ihre häßliche That vergolten haben. Der hohe Herr ist sehr gütig gewesen. Er hat ihr das Versprechen gegeben, sich für ihren Retter, dem ja noch viele andere Menschen ihr Leben verdankten, interessiren zu wollen. Wohlgemerkt, Herr Ehr- Hard, die Dame hat es mir unter dem Siegel des Vertrauens mitgetheilt, sie darf von meinem Wortbruch keine Ahnung haben. Aber ich denke mir, daß es auch für Sie ein köstliches Gefühl sein muß, Haß und Verbitterung, die ein halbes Menschenalter hindurch zwei befreundete Familien getrennt, in Reue und versöhnende Liebe umgewandelt zu haben. Darf sie hereinkommen?" „Ja, ja", murmelte Willibald, dem Arzte tiefbewegt die Hand reichend, „ich danke Ihnen, lieber, alter Freund!" Der Doctor ging hinaus und dann betrat Bernhardine Melchior das Zimmer. Wie hatten diese letzten Monate sie verändert, wie schmal und eingefallen war ihr Gesicht, wie trübe der sonst so kalte, strenge Blick ihrer jetzt so hohlen Augen geworden, selbst der harte Zug um den Mund war verschwunden, der ihr Gesicht so abstoßend gemacht. Mit demüthig gesenktem Kopfe näherte sie sich dem Kranken, der sie mit einer Art erstaunter Rührung betrachtete. Bernhardine Melchior war ihm schon als Knabe eine höchst unsympathische Persönlichkeit gewesen, welche ihm auch nie- mals eine Freundlichkeit erwiesen hatte- Daß der Onkel Hauptmann ihre Liebe nicht erwidert, sie nicht zum Altar geführt hatte, wollte er auch später, als er den eigentlichen Grund ihrer verbitterten Natur erfahren, nicht als Entschuldigung eines so maßlosen Haffes gelten lassen. In diesem Augenblick aber regte sich in seinem Herzen ein Gefühl tiefen Mitleids. Wie freudlos war dis Arme durchs Leben gegangen, und wie furchtbar hatte die Gewiffensangst mit der verknöcherten Selbstsucht, dem hochmüthigen Pharisäerthum, das ihr ganzes Sein und Wesen durchtränkt hatte, kämpfen müffett, um die bösen Geister niederzuzwingen und sie so demüthig zu machen, wie sie jetzt vor ihm stand. Da« Göttliche, welches in jeder Menschenseele ruht, doch leider nur zu häufig von der harten Steinkruste wilder Genußsucht und aller jener Leidenschaften, welche mit der Selbstsucht Hand in Hand gehen, erstickt wird, war durch die That des jungen Mannes bei Bernhardine Melchior zum Durchbruch gekommen und hatte ihre Seele von den häßlichen Schlacken der Rachsucht und des Hasses gereinigt, sie menschlich schönen Empfindungen wieder zugänglich gemacht. »Seien Sie mir herzlich gegrüßt, Fräulein Melchior!" begann Willibald jetzt rasch, um ihr den Anfang zu erleichtern, „es freut mich aufrichtig, eine Bekannte wiederzusehsn." Er streckte ihr die Hand entgegen, welche sie demüthig ergriff. „Bitte, setzen Sie sich her zu mir und erzählen Sie mir etwas von Ihren Geschwistern. Wie geht« Fräulein Lucie? Ist ste noch immer so leidend? Und was macht mein guter Onkel Kandidat?" „Meinem Bruder geht es wieder gut, der armen Lucie weniger; seit der letzten schrecklichen Sturmfluth hat sich das alte Leiden unheimlich verschlimmert. Doch nicht von meinen Geschwistern wollte ich reden, sondern von Ihnen, Herr Ehr- Hard und von mir." „Davon will ich aber nichts hören, meine liebe Freundin!" unterbrach Willibald sie mit ruhigem Ernst. „Von mir selber können Sie mir doch nichts neues berichten und was Ihre Gesundheit anbetrifft, so hoffe ich, daß Sie zum Wohle Ihrer armen Schwester sich recht schonen und alle überflüssigen Sorgen und Grübeleien als unnützen Lebensballast über Bord werfen." „Aber Sie haben mir und den Meinen das Leben gerettet", rief Bernhardine in tiefer Bewegung, „und wußten doch sicherlich, was ich gethan, welchen Verrath ich gegen Sie verübt." „Und wenn ich es gewußt oder geahnt, hätte ich deshalb die einfachste Menschenpflicht unterlaffen, mich zum Verbrecher — denn was wäre ich in diesem Falle gewesen — herabwürdigen sollen? — Sie sehen, Fräulein Bernhardine, daß es für mich gar keine Wahl gab, daß also meine That auch durchaus nicht so rühmenswerth ist, um mich zu einem Helden zu stempeln." „So haben Sie mir wirklich vergeben, Herr Ehrhard?" fragte sie aufschluchzend. „Von Herzen, und ich bin stolz darauf, mir eine aufrichtige Freundin gewonnen zu haben. Nicht wahr, der alte Haß ist getilgt, und Freundschaft soll fortan zwischen unseren Familien herrschen?" „Za, ja, ich danke Ihnen aus tiefster Seele, und fühle mich zum ersten Male wieder nach langen Jahren frei und leicht im Herzen." Sie erhob sich, trocknete hastig ihre Augen und reichte ihm beide Hände mit einem Lächeln, bas ihr Gesicht wundersam verklärte. Dann ging sie. Als sie ins Freie trat, rollte eine Equipage vor die Thür. Bernhardine Melchior warf einen flüchtigen Blick in den Wagen und schritt dann hastig weiter. Bevor sie um eine Ecke bog, blieb sie stehen, um mit gespanntem Ausdruck nach dem Eingänge des Krankenhauses zu spähen, worauf wieder ein befriedigendes Lächeln über ihr vergrämtes Gesicht huschte. „Er selber in Uniform", dachte sie, „und der andere war General Steinach, das ist ein gutes Zeichen. O, wie wird Lucie sich freuen!" Droben im Krankenzimmer spielte sich eine ergreifende Scene ab. Als Hauptmann Ehrhard und der General eingetreten waren, da hatte es den ersteren beim Anblicke des Neffen so heftig gepackt, daß er, den General und Alles ver- geffend, so rasch es sein Stelzfuß erlaubte, auf ihn zugehumpelt war, um ihn in seine Arme zu schließen und ihn wie ein geliebtes Kind zu streicheln und zu küssen. „Mein Junge, mein braver Willibald!" kam es dabei halblaut über seine Lippen, „was hätte ich anfangen sollen, wenn zDu ohne Versöhnung gestorben wärst. Gott hat es wohl gemacht." „Du hast mir verziehen, mein lieber, lieber Onkel! O, nun ist Alles gut, mag meine Strafe noch so hart werden, ich weiß ja, daß ich am Ende derselben einen Vater finde, der mich nicht mehr verachtet." „Jawohl, mein Junge", unterbrach ihn der Hauptmann, sich aufrichtend und die Rührung gewaltsam abschüttelnd, „seien wir ein Mann. Um Verzeihung, Excellenz!' wandte er sich an den General, welcher still lächelnd der Scene züge- schaut, „ich habe den Jungen seit zehn Jahren nicht gesehen, und so konnte diese gröbliche Verletzung der Subordination, Excellenz —" „Wir sind nicht im Dienste, Herr Kamerad!" unterbrach ihn der General, lächelnd nähertretend, „als Abgesandter Sr. Hoheit des Herzogs tritt der General gern zurück, um dem Vater zuerst Raum zu geben Nun aber erlauben Sie mir, Herr Ehrhard", wandte er sich an den Kranken, der ihn mit gespanntem Ausdruck anblickte, da die alte Excellenz in der glänzenden Uniform ihm wie sein verkörpertes Schicksal erschien, „im Namen Sr. Hoheit zu Ihnen zu reden und den Allerhöchsten Auftrag aurzurichten, daß Ihre aufopfernde Menschenliebe in der letzten Sturmfluth die verdiente Anerkennung gefunden und Se. Hoheit sich bewogen gefühlt haben, Ihrem Heldenmuthe, dem so viele Menschen ihr Leben verdanken, eine besondere Denkmünze zu widmen, welche ich im Namen meines allergnädigsten Herrn Ihnen heute zu überreichen die Ehre und das Vergnügen habe. Er hatte während dieser feierlichen Rede das Etui hervorgezogen und es dem überraschten Willibald in die Hand gelegt. Mechanisch dasselbe öffnend, konnte der junge Mann bei der Betrachtung der prachtvollen Denkmünze einen Ausruf der Bewunderung nicht unterdrücken, worauf er in schlichten ruhigen Worten seine That als die einfachste Menschenpflicht hinstellte, welche keiner so hohen Belohnung bedurft hätte, zugleich aber auch seiner Freude Ausdruck verlieh und den General ersuchte, dem Herzog leinen tief empfundenen Dank zu überbringen. Eine besondere Unterthänigkeit lag freilich nicht in diesen Worten, was die beiden Offiziere dem bereits hinlänglich naturalistrten Amerikaner zu gute halten mußten, wie sie im Stillen dachten. „Nach Deiner Genesung wirst Du Sr. Hoheit noch persönlich Deinen Dank aussprechen, mein Sohn!" bemerkte der Hauptmann mit einem gelinden Räuspern, „ich glaube, Du hast, abgesehen von Deiner bewiesenen Bravour, die allergrößte Ursache dazu, wenn Du dieses allerhöchste Schreiben gelesen haben wirst." Mit zitternder Hand legte Willibald das Etui mit der Münze auf das neben ihm stehende Tischchen, um da« Schreiben, welches, wie er wußte, Leben oder Tod für ihn enthielt, entgegenzunehmen und es schwer athmend zu überfliegen- Was das Wiedersehen mit dem versöhnten Oheim und die goldene Denkmünze sammt der feierlichen Rede des Generals nicht vermocht hatten, das bewirkte der Inhalt des herzoglichen Schreibens, welcher einer völligen Begnadigung gleich kam. Einen tiefen Seufzer, der wie eine Erlösung klang, ausstoßend, sank er mit geschlossenen Augen ohnmächtig in seinen Sessel- „Es war zuviel auf einmal für den armen Jungen," sagte der Hauptmann sich bekümmert über ihn beugend. „Ich werde den Arzt herbeirufen," rief der General, „und mich zugleich empfehlen. Sie bleiben doch noch, lieber Hauptmann?" In diesem Augenblick wurde die Thür geöffnet, der Oberarzt trat ein. Er beruhigte die Herren, daß es nur ein leichter Ohnmachtsfall sei. Dann drückte der General dem Kameraden die Hand, empfahl sich dem Arzte und ging. XV. Der Abend dieses ereignißvvllen Tages war gekommen, der Courierzug von Süden fuhr in den Bahnhof ein. Aus einem Coupee erster Klaffe stieg Richard Hamson, in einen kostbaren Pelz gehüllt. Er sah sehr blaß und gelangweilt aus, gab einem dienstbaren Bahnbeamten Auftrag, sein Gepäck nach seinem früherem Hotel zu befördern und schritt dann in die Stadt hinein. „Da bist Du also richtig wieder in dieses Krähwinklernest zurückgelangt," dachte er sich selbst verspottend, „bist doch Ls ein merkwürdig consequenter Kerl, mein lieber Richard I — Die Sehnsucht nach dem Freunde hätte Dich hergezogen? Mache Dir selber nichts weiß, und hänge der Wahrheit kein Mäntelchen um. Die kleine Professortochter beherrscht nach wie vor Dein ganzes Denken und ließ Dich selbst in dem sonnigen Süden, im ewigen Rom nicht los." Er schritt hastiger aus und suchte sich dann zu orientiren. Wohin wollte er denn eigentlich? Natürlich in sein Hotel, daran war er aber längst vorüber. Vielleicht konnte er den Hauptmann Ehrhard sogleich begrüßen, das war ein Gedanke. Sich bei einem Vorübergehenden erkundigend, beeilte er sich, sein Ziel zu erreichen. Am Hause angekommen, blieb er erstaunt stehen, als er eine große Volksversammlung erblickte, welche sich noch ziemlich ruhig verhielt. Hamson fragte einen Mann aus dem Volke, was denn los sei. „Wir wollen dem einbeinigen Hallunken von Hauptmann eine Katzenmusik bringen", lautete die Antwort. „Dem Hauptmann Ehrhard? Um Gotteswillen, weshalb denn nur?" „Weshalb? — Weil er seinen eigenen Bruderssohn, den tapferen Retter, der bei dem letzten hohen Waffer sein Leben daransetzte und von einem Balken beinahe tobt geschlagen wurde, wie einen Judas verrathen hat." „Aber, liebe Freunde, Ihr irrt Euch, das ist ganz unmöglich!" rief Hamson, sich jetzt, von einer bangen Ahnung ergriffen, rücksichtslos durch die Menge drängend, welche in diesem Augenblicke ein ohrenzerreißendes Geschrei ausstieß, in welches sich unharmonisches Gerassel und Geklapper mischte. Die Polizei, welche zahlreich erschienen war, suchte die Menge durch gütliches Zureden zu besänftigen. „Ruhig l" gebot plötzlich eine klangvolle Stimme, die den wilden Lärm übertönte und ihn in der That besänftigte. „Hier will einer reden, hören wir, was er uns zu sagen hat." Hamson hatte die Vortreppe eines Hauses betreten und schickte sich an, einige wohl erwogene Worte an das erregte Volk, das für seinen Helden Partei ergriff, zu richten. »Ich habe auch nicht viel zu sagen," begann er mit ruhiger fester Stimme, „nur das eine Wort, das ich Euch zu beherzigen bitte, daß Ihr nämlich jenen Mann, der in der Sturmfluth sein Leben für Euch in die Schanze geschlagen hat, nicht tiefer betrüben und schädigen könnt, als durch Euer jetziges ungesetzliches und unüberlegtes Vorhaben. Willibald Ehrhard ist mein Freund und Bruder, ich bin Amerikaner und habe ihn zurückgeleitet in seine Heimath, wo ihm, dem Deserteur, der seinen Vorgesetzten niedergeschlagen hatte, eine schwere Strafe bevorstand. Aber das Heimweh nach dem Bruder seines im Kriege gefallenen Vaters war stärker als die Furcht vor entehrender Strafe. Hauptmann Ehrhard war ihm ein zweiter Vater geworden und feine Landsleute wollen diesen Mann, einen Veteran des letzten großen Krieges, der für das deutsche Volk zum Krüppel geschossen worden ist, beschimpfen und verhöhnen?" „Mit Verlaub, Herr!" unterbrach ihn hier eine dröhnende Stimme, „dem Offizier ist der Krieg das eigentliche Hand- werk, darum muß er ruhig hinnehmen, wie's kommt. Habe dem alten Hauptmann immer refpectirt, aber daß er zum Judas gegen den eigenen Neffen geworden ist, und nun gar gegen einen solchen Neffen, das können wir nicht so hingehen lassen. Steigen Sie man herunter von Ihrer Tribüne, Herr Amerikaner, wir wollen dem Alten kein Haar krümmen, ihm nur zeigen, wofür wir ihn halten." Ein wildes Beifalls-Gejohle folgte diesen Worten. „Ruhig", rief eine mächtige Stimme, als das Brüllen sich etwas gelegt hatte, „laßt den Amerikaner ausreden!" . »Haben Sie noch was zu sagen, Herr?" wandte sich der Sprecher an Hamson. .«Ja' wenn man mich anhören und nicht so unsinnig -I. will. — Hauptmann Ehrhard brauchte seinen Neffen « » brachen, das war schon am ersten Abend seiner Ankunft von anderer Seite besorgt worden. Der alte tapfere Degen hat vielmehr ein Gnadengesuch für ihn eingereicht, das kann ich, der Freund Eures Helden, bezeugen. Und nun geht ruhig nach Haufe, damit die Langmuth der Polizei nicht auf eine zu harte Probe gestellt wird. Für Eure Theilnahme danke ich Euch im Namen meines Freundes, dem Ihr durch eine gesetzlose Handlung schaden würdet. Hoffen wir, daß seine muthige und schöne That auch bei seinen Richtern gerechte Würdigung finden möge, wie bei seinem Oheim, dem tapferen Veteran. Uebrigens freut mich Eure Parteinahme für meinen Freund und Bruder, und ich wünsche, daß Ihr seine Gesundheit in einem guten Trunk ausbringt. Hier", wandte er sich an den Rächststehenden, „nehmt diese Scheine, die Ihr vertrinken sollt, und zwar auf die Gesundheit des Hauptmanns und seines muthigen Neffen." Er drückte seinem Nachbar einige Dollarscheine in die Hand, worauf dieser sofort ein donnerndes Lebehoch auf „Onkel und Neffen" ausbrachte, das einen stürmischen Widerhall fand. „Bravo, Herr Hamson!" tönte es in diesem Augenblick hinter ihm. Hamson wandte sich überrascht um und blickte in ein Antlitz, das im Lampenscheine, welcher aus der geöffneten Hausthür des Bedrohten drang, von dessen Treppe er seine Rede gehalten, wie eine zauberhafte Erscheinung vor ihm auftauchte. Neckte ihn eine trügerische Phantasie, oder das rebellische Herz, welches ihr Bild nicht zu bannen vermochte? War sie es wirklich, jene stolze Leonore, welche ihm jetzt mit einem sinnverwirrenden Blicke beide Hände entgegenstreckte? Schon stand er vor ihr, ihre Hände in den seinen festhaltend, unbekümmert, wer sonst noch seine Blicke auf sie richten mochte. „Ich gebe Dich nicht wieder frei, Du Holde, Süße", flüsterte er, ihr tief in die leuchtenden Augen schauend. „O, sage, daß Du mein sein willst, mein für immer, mir folgen willst, wohin auch immer es sei." „Ja, ja, Du lieber, schlimmer Mann!" erwiderte sie leise, „nun bescheide Dich und erlaube dem Vater auch ein Wort." „Hallo!" tönte des Professors Stimme etwas barsch an sein Ohr, „allen Respect vor Ihrem diplomatischen Talent, mein Herr Amerikaner! Aber hier sind wir auf neutralem Boden. Na, danken wir dem Himmel oder dem glücklichen Zufall, der Sie just in dieser kritischen Stunde wieder zu uns zurückgeführt hat, Herr Hamson!" setzte er freundlicher hinzu, „übrigens wußte ich von der unserm Hauptmann zugedachten Ehre und hatte ihn deshalb mit List aus dem Haufe gebracht, auch die Polizei davon benachrichtigt. Ich wollte mich heimlich von dem Verlause der albernen Demonstration überzeugen und gelangte gerade vor dem Anwachsen der Menge ins Haus." (Schluß folgt.) Em Besuch in der Kaiserlichen Conserven- fabrik in Spandau. Ermächtigt durch eine Verfügung des Kriegsministeriums hatte der Redacteur der „Allg. Fleischer-Zeitung" Gelegenheit, die Kaiserliche Armeeconservenfabrik in Spandau einer eingehenden Besichtigung zu unterziehen. Wir entnehmen der interessanten Schilderung in der „Allg. Fleischer-Ztg." folgende Ausführungen: Die etwa 20 Minuten von Spandau entfernt, auf dem ehemaligen Privatbesitze Haselhorst um den Betrag von 1V3 Millionen Mark errichtete Conservenfabrik umfaßt mit ihrem Betriebe alle diejenigen Verrichtungen, welche die Herstellung der Conserven, vom rohen Fleisch angefangen bis zu den Verpackungs Utensilien, den Blechbüchsen und Holzkisten, erfordert. Für heute wollen wir uns nur mit der Herstellung der Fleischconferven beschäftigen. Das Eta- blissemeut stellte diese Conserven in Gestalt von Kochfleisch, Gullaschfleisch, Roastbeefs, Filets und Zungen her und bezieht das Fleischmaterial hierfür jetzt direct vom Berliner Viehhof 56 Redaction: A. Schetzda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen. merkt e» auf Schritt und Tritt, daß in dieser Arbeitsstätte ein von den Schäden der modernen Arbeiterverhältnisse nicht angefressener patriarchalischer Zustand im besten Sinne des Wortes waltet und daß das Wohlwollen des Arbeitgebers mit der vertrauensvollen Zuneigung des Arbeitnehmers reichlich vergolten wird- Wie könnte es auch anders sein bei den musterhaften Wohlfahrtseinrichtungen dieses Etablissements! Dasselbe gewährt seinen Arbeitern bei zehnstündiger Arbeitszeit nicht nur auskömmlichen Verdienst, sondern auch noch schmackhafte und reichliche Verpflegung zu billigem Preise. Von den 80 männlichen Arbeitern wird für Verabreichung von Kaffee des Morgens und vorzüglicher Suppe, Rindfleisch, Kartoffeln oder Braten mit Gemüse des Mittags ä 30 Pfg. verlangt. , Die Frauen, welche sich naturgemäß mit kleineren Rationen zu sättigen vermögen, zahlen dafür gar nur 15 Pfg. Dazu der stete Aufenthalt in Hellen, luftigen, durchaus gesunden Arbeitsräumen bei einer dem Körper nicht abträglichen Arbeitsleistung — da wird man es wohl begreifen, daß der Fabrikinspector, welcher jüngst das Etablisiement inspizirte, dems eiben bereitwilligst das Zeugniß der Mustergiltigkeit ausstellen konnte, — eine Qualification, die wir auf Grund unserer eigenen Wahrnehmungen pflichtgemäß und freudig unterschreiben möchten. Ebenso wohlthätig aber wie die Fabrik für ihre Be- diensteten sich erweist, ebenso zweckdienlich sind ihre Fabrikate von der Armeeleitung befunden worden; denn man steht, wie wir hören, im Begriffe, den bisherigen zwei Conservenfabriken — hier und in Mainz — noch eine dritte im Nordosten des Reiches htnzuzufügen. Der wirkliche Geheime Kriegs ath Herr Engelhard, der Gründer und eifervolle Förderer unserer Conservensabrication, kann wirklich stolz sein auf dieses glänzende Ergebniß seiner jahrelangen der Vervollkommnung unserer Heeresverpflegung rastlos gew idmeten patriotischen Bestrebungen l in Gestalt lebender Mastochfen bester Qualität; bi» vor Kurzem wurden zur Fabrikation die als vorzüglich anerkannten Husumer Weideochsen verwendet, nachdem die Bestände an Weidevieh nahezu aufgeräumt, hat man stch zur Verwerthung von prima Stallmastochsen entschloffen. Die Ochsen (es werden gegenwärtig alltäglich 20 bis 22 bezogen — entsprechend dem augenblicklich auf das Mindestmaß eingeschränkten Betriebe) wandern zunächst in den Stall, wo sie von einem eigens bestellten Thierarzte auf ihre Gesundheit untersucht werden. Sodann werden sie in gut ausgeruhtem Zustande in das Schlachthaus gebracht und dort geschlachtet. Hierauf findet eine abermalige Beschau der geschlachteten Thiere statt, von denen nur die vier Viertel, die Zungen und Köpfe (nur zur Herstellung von Kraftbrühe) zur Verwendung gelangen, die restlichen Abfälle dem Viehlieferanten gehören. Zur Her- stellung der oben erwähnten Gattungen von Fleischconserven werden die dazu geeigneten Stücke der entsprechenden kulinarischen Behandlung unterzogen, wobei das aus den Knochen gewonnene Fett angemeffene Verwendung findet. Außer dem Knochenfett wird auch das Bouillon- und Bratenfett verwerthet, und zwar zur Fabrikation der Ge- müseconserven. Die Fleischtheile und die Fettquantitäten werden bis zur Verarbeitung in Kühlzellen ausbewahrt, die mit kalter Lust durch Apparate nach dem System Linde versorgt werden und, wie überhaupt alle Fabrikräume und Auf- bewahrungs-Localitäten, vortrefflich ventilirt sind. Die Pro- cebur des Kochens und Bratens geschieht in eigenartigen, für die Zwecke der Conservenfabrik practisch construirten Oefen, das gewonnene Fabrikat wird sodann in Blechbüchsen zu 15 oder 3 Portionen verpackt, gewogen und in höchst sinnreicher Weise mittelst eigens construirter maschineller Vor- richtungen hermetisch verschloffen. Die Abtödtung der Gährungserreger findet nach dem Verschluß durch Kochen in Wasser von 116 Grad C. Hitze statt. Schließlich wandern die Büchsen mit ihrem Inhalt auf die Lagerböden, wo fie bis zum Versandt an die Armee aufbewahrt werden. Erwähnt sei nebenbei, daß jede Büchse den Jahrgang ihre« Inhalte» eingeprägt trägt, ein Verfahren, das den Privat- Conservenfabriken zur Nachahmung im Interesse der Consu- menten nicht warm genug empfohlen werden kann. Um die auf dem oben beschriebenen Wege gewonnenen Fleischconserven im Gebrauchsfalle mundgerecht zu machen, bedarf es bei den großen Büchsen zu 15 Portionen einer Kochzeit von 1, bei den kleinen, zu 3 Portionen einer solchen von nur l/2 Stunde. Von der Schmackhaftigkeit der Conservenfabrikate uns zu überzeugen, hatten wir gestern gleichfalls willkommene Gelegenheit. Wir kosteten von den uns vorgesetzten Proben und fanden die Suppe wie das Fleisch, in allen seinen Zu- bereitungsarten, von dellcater Beschaffenheit. Ein Umstand aber, der der Schmackhaftigkeit unserer Kostproben in hohem Maße förderlich war, verdient ganz besonders hervorgehoben zu werden. Es ist dies die peinliche Reinlichkeit, welche bei der Verarbeitung des Materials von dem dabei beschäftigten Personal auf's Allerstrengste gehandhabt wirb. Das letztere muß sich vor Beginn ber Arbeit in der Fabrik selbst bis Hänbe besinfiziren unb wirb biefe Prozebur so ost wieberholt, als ber ober bie Arbeiterin die Arbeit verläßt. Außerbem erhalten die Arbeiter beim jedesmaligen Beginn der Arbeit eine frischgewaschene Bekleidung: Die Männer weiße Kappe, Blouse unb weiße Schürze, bie Frauen Haube ober Kopftuch und Schürze — Alles aus Leinwand gefertigt. Ueberhaupt wirb schon bet der Anstellung strengstens barauf geachtet, baß bas Verfonal in sittlicher wie in sanitärer Hinsicht keinen Makel aufweise, unb wirb beshalb auch während der Dauer seiner Beschäftigung nach beiben Seiten hin in genauer Observanz gehalten. Trotzbem also eine strenge Hausordnung in ber Fabrik gehandhabt wirb, ist dieselbe doch keinesfalls rein militärischen Characters; bie Disziplin wirb ohne viel Aufwanb an Worten geübt von Seiten ber Verwaltung wie ber disziplinirten Arbeiter selbst. Man „Wer nicht liebtWein, WeibunbGesang" rc. so hatte ein Tourist in ein Schwarzwälber Frembenbuch eingeschrieben. Darauf entgegnete ein anbetet: „Hättest du meinen Aeppelwein gekannt, Mein Weib dein Eigen auch genannt, Wär' dir ihr Sieb zu Ohren gedrungen, Fürwahr, du hätt'st nicht so gesungen." Vern Echtes. Drolliger Annoncenstil. „Von heute ab befindet sich mein Butterkeller eine Treppe hoch." — „Wer den verlorenen Ring Gartensttaße 17 abgiebt, erhält täglich von 9 bis 10 Uhr einen Thaler." — „Zum 1. Juli verlege ich mein Speisezimmer auf bie Breitenstraße." — „Zum 1. April sind burcheinanverlaufende Zimmer sofort zu vermiethen." — „Dem Publikum empfiehlt sich dauerhaft und billig." — „Mit vorzüglichen Fleischsotten empfiehlt stch pfundweise ber Fleischermetster B." — „Durch das Zusammentreffen mit meiner Frau ist meine Menagerie bedeutend vergrößert." O * * Gast: „Wie ist es möglich, daß Sie bei 5 Mark Lohn per Monat bestehen können?" — Kellnerin: „Ja, wissen S' wenn bie Trinkgelder nicht wären unb sich Unsereins nicht hie und da beim Zusammenrechuen ber Zeche irren thät, bann könnt' man nicht bestehen!" Boshaft. Fräulein (zu ihrem Tischherrn): „Sehen Sie nur, Herr Refeubar, unsere Wirthin ißt selbst keinen Bissen!" — „Die will ihren Gästen mit gutem Beispiel vor- angehen!"