SmMkßWM 1 . ä- k,?. k e**etn|ke80.Xtttt»« M Mm Gießener Anzeiger (Meneral-Ameiger) Dichterfrühling. -istsrische Original-Novelle von Carl Cassau. (Fortsetzung.) Seine geisterstärkere Ehehälfte nahm ihm aber die Last der Unterhaltung ob, als sie in ein anderes Fahrwasser lenkend fortfuhr: „Daß Sie auch ein Dichter sind, Herr Goethe, hat unsere Achtung vor Ihren Talenten noch wesentlich vermehrt!" Wolfgang erröthete und meinte: „Aber, verehrte Frau, da» sind ja nur Anfänge; später hoffe ich, mir einmal das Prädicat eine« Dichters verdienen zu können!" Der Herr Pfarrer beliebte darauf von Bescheidenheit zu reden, die jungen Leuten wohl anstehe und entschuldigte sich dann ob seinem Zurückziehen in’« Studierzimmer, da er seinen Vortrag memortren müsse. Die Pfarrerin that desgleichen, indem sie ihre Anwesenheit in der Wirthschaft als notdwendig hinstellte; sie ging in die Küche, um dort für den Sonntag Alle» vorzubereiten. Salomea aber hieß die Magd einen tüchtigen Klotz in den Kamin schieben und machte dann den Vorschlag, sich zum Erzählen um da» Feuer zu gruppiren. Hiermit war da» ganze junge Volk einverstanden. Wolfgang saß neben Friederike und hielt ihre Hand in der feinigen, Salomea saß dem Kamin am nächsten, um die Abwartung desselben zugleich zu übernehmen, Georg und Sophie aber schloffen den Halbkreis. Die ganze Gesellschaft hing nun am Munde Wolfgangs. Dieser blickte wie ein junger Apoll darein; seine Augen leuch« teten im göttlichen Glanze, al» er ganz seiner innersten Natur nach fabulirend begann: „Ich habe einst die reizende Geschichte selbst erlebt, die ich hiermit meinen Prinzessinnen zum Besten gebe; ich nenne sie: Die neue Melusine!" Friederike drückte dem Erzähler die Hand, Salomea aber meinte: „Wir wissen schon, Herr Goethe, wie artig Ihre Bescheidenheit Ihre GeisteSproducte einzukleiden versteht; es wird der Geschichte nicht schaden, wenn Sie gestehen, daß Sie dieselbe erdacht haben! Ich kenne ein Märchen „Melusine"! Der Titel verspricht schon etwa«!" Goethe lächelte und begann nun: „Als junger Scholar durchstreift« ich oft zu Pferds die Umgegend von Frankfurt und kam dabei oft in unbekannte Gegenden. Einst hatte ich mich bei einer solchen Gelegenheit so weit verirrt, daß ich in einem nicht eben feinen Wirthshaus übernachten mußte. Erzählungen von Mördern und Räubern kamen mir dabei in Erinnerung und nur der Umstand, daß der Wirth ein sehr entgegenkommender Mann war, konnte mir einigermaßen über meine unangenehme Lage hinweghelfen. Er wußte mich auch durch ein sehr gutes Abendessen und eine Flasche vortrefflichen Landweines in so gute Laune zu versetzen, daß selbige sogar nicht durch die Mittheilung getrübt werden konnte, wie ich mein Zimmer, welches zwei Betten enthielt, mit einem Tabuletkrämer theilen müsse. Dieser war ein bescheidener, anständiger Mann, setzte seinen Kasten auf den Tisch und legte sich mit einem „Gute Nacht" schlafen. Ich selbst blieb nachgrübelnd im Lehnstuhl sitzen und horchte, wie der kalte Frühlingsregen klatschend gegen die Fensterscheiben schlug. Plötzlich sehe ich in dem Kasten de« Tabuletkrämer« Licht, schleiche mich auf den Fußspitzen hinan, schaue durch eine Ritze de« Kasten« und — erblicke darin eine junge Dame, die in dem zum Salon en miniature umgestalteten Kasten be« Krämers auf dem Kanapee, überstrahlt vom brennenden Kronleuchter, sitzt- Sie war entzückend schön, die Kleine, und nun bemerkte ich auch, daß in ihrem Blondhaar ein strahlen- des Diadem von Gold flimmerte. Noch schielte ich durch die Ritze, al« sich ein Donnergepolter erhob, der Kch-n sich öffnete und meine Schöne, die plötzlich bis zur Lebensgröße gewachsen war, sich meinem Lehnstuhl, auf den ich mich schicklicher Weise zurückgezogen, näherte. Ich war damals, wie gesagt, noch ein Scholar, der niemals eine n weiblichen Wesen gegenübergestanden hatte und daher die Schüchternheit selbst war. Die Schöne dagegen schien derartige Rücksichten nicht zu kennen, denn sie stellte sich mir als Prinzessin Melusine aus Klein-Alpinium vor und erklärte, daß sie Mich neulich bei Gelegenheit einer botanischen Excursion in’» Gebirge gesehen hätte; der Tabuletkrämer, ihr Diener, sei im Geheimnisse; sie lege mir anjetzo die Frage vor, ob ich mich entschließen könne, ihr Gemahl zu werden, denn al« Prinzessin zwinge sie nicht», sich dem allgemeinen Brauche zu fügen. Sie setzte noch hinzu, daß sie mich bei Bejahung der Frage in ihr Zauberland führen werde, wo es mir an nichts fehlen solle, wo an d«r Tafel stets au« Gold MH «a Sespeist »erbe, »o die edelste» Weixe stöffen, wo mir SpaziW- ritts auf den schönsten Pferden, Fahrten in Gtaatscaroffe« zuständen, wo ich meine Ausgaben nicht zu beschränken brauche, da ich meine Taschen stets aus den unermeßliche« Schatzkammern des Reiches füllen könne. Wem hätte dieses bestechende Programm nicht in meinen Jahren gefallen? Ich besann mich auch nicht lange und schlug ein. Sofort redete mich dann auch Prinzesstn Melusine al« ihren Verlobten, Prinz Wolfgang, an und steckte mir einen prachtvollen Ring mit einem erbsengroßen Diamanten an den Goldfinger der linken Hand. Plötzlich fühlte ich mich zusammenschrumpfen; ich wurde so klein wie Prinzeß Melusine vorher gewesen und auch jetzt wieder geworden war. Wir befanden uns Beide im Salon des Kastens vom Tabuletkrämer, der noch mehrere Nebengemächer enthielt, aus welchem jetzt unser Hofstaat, bestehend aus Herren und Damen, unter tiefen Verbeugungen heraus- trat. Nichts kann dieser eleganten Gesellschaft gleichkonmen! Da blitzte e« von Gold und Edelstein; da rauschte Brokat und Seide! Die Prinzessin stellte mich all diesen Leuten als ihren Verlobten, Prinz Wolfgang von Mens, vor und die Hofgesellschaft stattete ihre devotesten Glückwünsche ab. Ich empfing sie, da ich von dem Allen ganz betäubt wurde, fast theilnahmlos, was als sehr vornehm galt. Darnach fühlte ich mich mit meiner Prinzessin-Braut in ein Gefährt gehoben, der Vorreiter blie», sechs Postillone lenkten die sechs Paar Rosse, auf dem Trittbrett standen kostbar gekleidete Lakaien. So fuhren wir dahin, bis wir schließlich, ich weiß nicht nach wie langen Stunden, Klein-Alpinium erreichten. Groß war dis Freude bei Hof, als Prinzessin Melusine mit mir bei den Eltern anlangte; die ganze Hauptstadt stürzte sich ob der glückliche« Verlobung der einzigen Tochter des erlauchten Königspaares mit einem Prinzen von Mens in einen Wonnetaumel, der auch den ganzen Hof und selbst mich so ansteckte, daß ich eine ganze Reihe von Tage« nicht zu mir selbst kam. Als ich endlich nach sll' den mir gegebenen Festen zu Athem kam und über meine Lage nachdachte, war ich ein Zwerg, Kronprinz eines Zwergreiche», in dem wohl Ueberfluß an Reichrhum und Allem, was das Herz oft so thöricht sich wünscht, herrschte, was aber nicht verhindern konnte, daß ich heimlich meine frühere Größe und Unabhängigkeit beweinte. So lieblich und herzensgut sich nun auch Prinzeß Melusine gegen mich bezeigte, so fühlte ich doch bald, daß ich sie auf die Länge nicht lieben könne, denn nur die Liebe kann uns, sei es bet Reichthum und Ueberfluß, sei es bei Armuth und Mangel, da» Leben erträglich machen." Hier drückte Friederike Wolfgang abermals vielsagend die Hand, Salomea aber bemerkte: „Sehr richtig, Herr Goethe! Sie besitzen sür Ihr Mer sehr gereifte Lebensanschauungen!" Wolfgang verbeugte sich, Sophie aber rief: „Bitte, erzählen Sie weiter!" „Bitte sehr!" fügte Georg bei. Und Goethe fuhr fort: „Meine Lage gefiel mir durchaus nicht mehr! Zuerst weinte ich nur heimlich, dann zeigte sich meine böse Laune auch öffentlich, so daß sich die Höflinge und Würdenträger des Reiches von Klein-Alpinium scheu wie das böse Gswiffen vor mir zurückzogen. Damals bildeten sich schon am Hofe zwei Parteien. Dis eine, welche es mit mir hielt, pflegte Eier zum Thee an der gewölbten Seite auszuschlagen; man nannte sie deshalb die Dickköpfe! Die andere zog im Gegensatz dazu das spitze Ende vor; diese Partei nannte sich die Spitzköpfe!" „Aber wie komisch!" warf hier Georg ein. „Stille!" gebot Sophie. „Bitte, Herr Goethe, erzählen Sie weiter!" Wolfgang lachte und begann wieder: „Was mich in die hellste Verzweiflung setzte, war ein Umstand, der mir bisher entgangen war, der mir aber, je länger ich mit Prinzeß Melusine in Berührung kam, schwerer und schwerer auf'» Herz fiel: Die junge Dame besaß nicht» von dem, wa» wir : Geist nennen! Ihre Bildung beschränkte sich auf dieKermtniß i einiger flachen französischen Romane, im Uebrigen lebte sie ganz — der Putzsucht und dem süßesten NichtSthun, was geradezu schrecklich anzusehen war." Hier blickten sich Salomea und Friederike vielsagend an. Friederike aber wurde seitdem still und stiller. Wolfgang hatte von all den Intermezzi» nichts bemerkt und fuhr sinnig fort: „Die Partei der Spttzköpfe flüsterte sich bereit» bei allen öffentlichen Schaustellungen, so daß ich es | hören mußte, zu, wie der Hof sich mit Absicht einen Prinzen i von Mens zum künftigen Schwiegersohn ersehen, da eine | Blutkreuzung der Dynastie, die längst einen Mangel an Esprit | aufzuweisen gehabt, geboten erscheine. Die Partei der Dick- | köpfe aber drohte, daß ich al» der demnächstige Herrscher von I Klein-Alpinium alle durch Vorurtheile aufgebauten Schranken s zwischen Hof und Volk, zwischen Geistes- und Traditions-Adel l aufheben, alle Zöpfe abschneiden und sine allgemeine Staats- 1 Umwälzung veranlassen werde. Die böse Laune, in der ich mich selbstverständlich immer befand, deutete man al» das Brüten über großen Problemen der Staatskunst aus. Darüber entbrannte dann zwischen beiden Parteien ein überaus heftiger diplomatischer Krieg, denn die Spchköpfe fürchteten für ihre Privilegien. Infolge dessen bereitete sich eine Jntrigue vor, i: deren Vorhandensein meine längst geplante heimliche Flucht mir wesentlich erleichtern konnte. Die Partei der Spitzköpfe war endlich übereingekommen, mich vom Hofe auf die eine oder andere Weise zu entfernen. Da man nun glaubte, daß mein Herz an Rang und Stand, an Krone und Herrschaft hänge und man meinen seelischen Zustand nicht ahnte, so erkaufte man den Groß-Kalendermacher und Ober-Sternseher von Klein-Alpinium, daß er mir Alle» zu wissen kund thun solle, was mich gegen Prinzeß Melusine einnehmen müsse. Dieser vorzügliche Ehrenmann näherte sich mir dann eine» Tages und verrteth mir, daß ich nur durch Zauberkunst so klein geworden. Diese» bringe der Ring an meinem Finger zuwege; soald ich ihn abstretfe, werde ich meine frühere Menschengröße wieder erlangen. Der Widerhaken saß nun in meinem Herzen. Nachdem ich für einige Goldklumpen al» Reisegeld gesorgt, versuchte ich den Ring abzudrehen; aber e» ging nicht. — Schließlich versuchte ich es mit einer Feile und das gelang! Ich konnte nun jederzeit die lästige Fessel abstreifen;" Salomea seufzte bei diesen Worten laut, so daß Friederike zusammenfuhr und fragte: „Was ist Dir, Schwester?" Salomea entgegnete: „Nichts! Bitte, Herr Goethe, beendigen Sie Ihre hübsche moralische Erzählung!" Wolfgang sah sie groß ob de« Tone«, in dem diese« gesagt ward, an und fuhr dann folgendermaßen fort: „Wie oft hatte ich mein leichtsinnig und unbedacht gegebenes Wort schon bereut! E» war eine« Tage« eine große Hofcour angesagt. Alle Hofchargen, alle Parteien, selbst die Majestäten waren bereit« versammelt, nur Prinzeß Melusine fehlte- Ich sandte einen Kammerherrn zu ihr und ließ um ihr Erscheinen bitten. Keuchend kehrte der Bote zurück und berichtete, Prinzeß Melusine probtre eine neue Haartour, der Hof könne so lange warten, bi« diese Probe beendet sei. Da brach bei mir der Sturm Io«; mühsam hatte ich bis dahin meine Gefühle bemeistert, jetzt dünkt mich dieser Umstand schrecklich und entwürdigend. Entrüstet trat ich vor und sagte laut, so daß Jedermann im Saale es hören konnte: Eure Majestäten, ich bin nicht hierher gekommen und habe meine herrliche Menschengröße nicht geopfert, um in einem Zwerg- reiche an der Seite einer dummen und putzsüchtigen Prinzeß zu verkümmern; hiermit zerreiße ich ein aufgedrungenes Band, welches mir längst eine Fessel war! Damit zerbrach ich den Ring, wuchs und wuchs zusehends und — durchstieß die Decke de« Krönungrsaale«, so daß Alles ringsherum laut aufschrie. Mit Donnergepolter stürzte der ganze Palast zusammen und ich war frei, frei und — erwachte. Da« Licht war tief bi« auf den Leuchter herunter- W - ( k i 8 „@s scblug mein Herz, geschwind zu Pferde! Es war gethan, fast eh' gedacht. Der Abend wiegte schön die Erde Und an den Bergen hing die Nacht- Schon stand im Nebelkleid die Eiche, Ein aufgethürmter Riese, ka, Wo Finsterniß aus dem Gesträuche Mit hundert schwarzen Augen sah. Der Mond von einem Wolkenhügel Sah kläglich aus dem Dunst hervor; Die Winde schwangen leis' die Flügel, Umsausten schauerlich mein Ohr. Die Nacht schuf tausend Ungeheuer, Doch frisch und fröhlich war mein Muth: In meinen Adern, welches Feuer, In meinem Herzen, welche Gluth! Dich sah ich, und die milde Freude Floß von dem süßen Blick auf mich; Ganz war mein Herz an Deiner Seite Und jeder Athemzuq für Dich. Ein rosenfarb'nes Frühlingswetter Umgab das liebliche Gesicht Und Zärtlichkeit, für mich, Ihr Götter, Ich hofft' e$, ich verdien' es nicht! Friederike erklärte es ihm. „Papa msmorirt seine Predigt trinft Sonntags den Kaffee in seinem Studier- Nubchen! Goethe nickte; er verstand darin den alten Herrn wohl. Der Vormittag verging schnell. Zunächst saß Wolfgang an Friederikens Seite im hohen vergitterten Kirchstuhl neben Sophie und Georg, während Salomes der Mutter in der Küche zur Hand ging. Er hörte von der trockenen Predigt nicht viel, desto mehr blickte er Friederiken an und fand, daß ihr Gesicht noch denselben Reiz *|It ausübte, wie zuerst. Wie seelisch konnten diese Grübchenwangenlächeln, diese Augen feucht schimmern! Welche Amnuth lag in jeder Bewegung dieses sylphidenhaften Wesen». Ja, er liebte, liebte mit der ganzen Gluth einer vollen Reigung. Friederike oder keine! Nach dem Gottesdienst spazierten die Liebenden dann zum Dorf hinaus auf die Höhe, von wo sie in die schöne Winter» landschast blickten. __ Bei Tische herrschte die heiterste Laune, welche einige Flaschen alten Buchsweilers noch erhöhten. Der alte Herr; ßttiett zuletzt selbst so in'S Feuer, daß er Schnurre» au» der - Studentenzeit zum Besten gab, bei denen die Hausfrau einige «äär? ™ rnan von Abschied und Abreise, die am nächsten Morgen um 5 Uhr angetreten werden sollte. Der aue Herr lobte da» und sagte unzweideutig: „Das Sesen» s2-n d ^rhaus soll mir Keiner ängstlich und pedantisch Ordnung muß in allen Dingen sein und einen KW*«“ Herrn Amtmann kann e» nicht wohl ohne pünktlich besuchte Collegia geben!« Das «ar deutlich und nun legte sich des Abschieds Schwere über die kleine, bis dahin so frohe Gesellschaft. Wolfgang mußte eine recht baldige Wiederholung seines lieben Besuche» versprechen; dann legte man sich schlafen. äderen Morgen war es die Pfarrerin, die Wolf- gang tröstete und Friederiken Gelegenheit verschaffte, von WEa°ng unter vier Augen Abschied zu nehmen. Da gab's ™£r U9en »Nb der Freund fehlte Allen ohne Ausnahme. Selbst Salomes gestand: .Friederike, wenn er Dir treu bleibt, bist Du zu beneiden, Götterkind I" - ' . , Unterwegs kehrte Goethe dieses Mal in einem ihm von P arrersfamilie empfohlenen Wirthshaufe ein, von wo er an Friederike folgende Verse sandte: „Nun sitzt der Ritter an dem Ort, Den Ihr ihm nanntet, liebe Kinder ' Jem Pferd ging nur sehr langsam fort Und seine Seele nicht geschwinder. Da sitz' ich nun vergüügt bei Tisch Und endig« mein Abenteuer Mit einem Paar gesott'ner Eier Und einem Stück gebrat'nem Fisch. Die Nacht schien wahrlich ziemlich düster. Mem Falber stolperte rote blind Und fand den Weg, rote ihn der Küster Des Sonntags früh zur Kirche find't." Wir wollen von dem nächsten Briefs schweigen, sonder« । nur des Gedichtes Erwähnung thun, welches Rtekchen durch ' die Fahrpost am nächsten Tage erhielt. Es lautete- j "«rauf da«» Herr Johan« Jacob | p^tzlich innehielt, um gleich yernach ebenso plötzlich l Ä^^r^heren Laune in's alte Fahrwasser zurückzusteuern. ^aß lange beim Gamebraten und trank vornehm den s / 7 "’•**’ Die Dämmerung füllten allerlei Vorträge ? »7 Klavier aus, zu dessen Begleitung Friederike ihre besten f Lisdersang, bis die Mutter wieder den Tisch oeckte und die - Punschbowle mit dampfendem Inhalt aufsetzte. . ®QS war ein heiterer Abend, der sich dem Mittag würdig ÄnfL1"1? °uf's höchste animirt, nahm die Andeutung des alten Herrn auf den zukünftigen Herrn Amtmann und dessen dermaleinstige Hrusehre gar nicht mehr übel ”“8te'L Friederiken einige Male verstohlen unter dem Tische die Hand zu drücken. a herrlich, wunderbar!« riefen Georg und Sophie, kam auch die Pfarrerin in die Stube Man üS1eineö@ftoien^mhUhb S‘7ST9' ®oet§e abe$ berichtete und stiller 2rbP ^L?mer(te J,T' ba6 Friederike strller E E S ®"bIicb »ar es Zubettgehenszeit und Goethe ?ie%fMrerfSr Begrüßung in'» Fremdenzimmer hinauf, XälÄ? aber 809 ebenfalls in ihre Schlaft die allein befanden, meinte Riekchen?" M Du die Tendenz des Märchens verfolgt, n,r»ÄetS SS ??"e ihr schönes blondes Lockenhaar gelöst und betrachtete ihre kindlich-reinen Züge im Spiegel. «3a, entgegnete sie, „er verlangt Geist von seiner Vrin- nur^genüge? $ e nfö$e* Landmädchen ihm, dem Herrlichen, Salomes aber lachte bitter. „Geist? - Sie soll ihm auch Hausfrau sein, die fleißig die Nadel führt, kocht und dem gestrengen Herrn Gemahl die Pantoffeln zurechtstellt!" er «IAH'“' ®ß omea!# rks hier Friederike. „Das fordert V* UlCyl I . a'J.e£ ^rzte sie und meinte beruhigend: „Thörich. £nS ä&e8 R ia btt6 21068 nur Beforgniß für Dich und , Mfvlll vylUU I - ge<>i.Mnr, vor mir stand wie vordem der Kaits» h.« *r*h<,r Sftn uur so den Zuhörern von der Brust. »Vs war also nur ein Traum?" fragte Frieder!?- a an ~ t c. r i” »4 fliest l- meinte Äaffee'w*. Damit besänftigte sie die Schwester und Beide schliefen ein. Sie träumten von Prinzeß Melusine. $ ' fiÄnh.Ä NlfeJine ruhige Nacht. Ihm träumte, er K». & ner Rosenhecke, an der eine wundervolle - Knospe eben zum Aufbruch kam. Aber jetzt überspann eine I grofee Kreuzspinne die Hecke und drohte, ihn selbst in ihee FrfAhfniUhr,«eM^»‘ a6ec Popo Salzmann und erschlug das häßliche Thier mit einer Fliegenklatsche und der kleine, boshafte Lenz sang ein Epigramm auf die Affaire. PaJäuteten die L-onntagSglocken und Wolfgang erwachte, kleidete sich an und ging in die freundliche Wohnstube hinab, wo der Sonntagskoffee schon auf ihn wartete. Die Gespenster k c t waren vor dem Hellen Wintermorgen geflohen, so daß selbst die bedachtsame Salomea de« Freund des Hause» freundlich-vertrauend begrüßte. Friederiken» Händedruck sagte mehr al» alle Worte, die |ra“ Poerin aber meinte: „Sie erweisen doch meinem Gatten die Ehre, seine Adoentrpredigt zu hören?" „Wolfgang verbeugte sich und fragte: „Wo bleibt denn der Herr Pfarrer?" c Redaktion: A. Echeyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm UniversttAS^vuch- u*b Steindruck—i (Pietsch fc Tchryb«) ta Dietzen. braucht Wie fit 8 Weyla muß n L E ihm eli Mode Künstle schönen Ksch ach, scheu mit der Morgens»»«« Nerengt der Abschied mir das Herz: In Deinen Küssen, welche Wonne! In Deinem Auge, welcher Schmerz! Ich ging, Du standst und sahst zur Erden, Sahst lang' mir nach mit nassem Blick; Und doch, welch' Glück, geliebt zu werden, Und selbst zu lieben, welch' ein Glück!" (Fortsetzung folgt.) er eilig Bruder! Pfarrhc grüßen I diesen 5 nun bui Wl genomm v® Sagen i eine« lir Literarisches. MLdHondilbli»tK«k Areia zur Bildung von Deist und Ds- müth für Deutschlands Töchter. Unter Mitwirkung bedeutender Autoren herausgegeben von Helene Dtökl. Mit Illustrationen. 3. Band, eleg. geb. Mk. 2,—. Verlag von Levy & Müller in Stuttgart. — Von der „Mädchenbiblioihek Freia", die in der kurzen Zeit ihres Bestehens eine so beifällige Aufnahme in der Mädchenwelt gesund,n hat, liegt uns der dritte Band vor Die Herausgeberin ist mit demselben ihrem Ziele, den Heranwachsenden Töchtern eine auch den verwöhntesten Ansprüchen genügende Lectüre zu bieten, die Geist und Gemüth zu gleicher Zeit pflegt, ohne einen Tropfen Gift in das jugendliche Herz kommen zu lassen, wieder einen bedeutenden Schritt näher gerückt Ueberall ist mit feinem Tacte den Neigungen der Mädchenwelt Rechnung getragen und mit großem Gefchick das vereinigt worden, was Herz und Geist der weiblichen Jugend erfreuen und erheben kann, wie dies ja auch gar nicht anders zu erwarten ist bei einem Werke, zu dem ein Peter Rosegger, eine Bertha von Suttner, eine Elise Polka u. B. Beiträge geliefert haben. Bei der Fülle und Gediegenheit des Inhaltes, der überaus gediegenen und geschmackvollen Ausstattung muß der wohlfeile Preis (Mk. 2,— für den Band) geradezu überraschen. Eine reizvollere Gabe für junge Mädchen als die bisher erschienenen drei Bände der „Mädchen- bibliothek Freia" können wir uns kaum denken. Möge dieselbe in recht vielen Familien Eingang finden! Des Hauspoet im Are««deSkreise. Wünsche und Widmungen der Fnundschaft. Stammbuch- und Album Verse, Gedichte für Begrüßung, Abschied und Genesung, Begleitverse zu Geschenken, Tisch- karten-Verse, B-grüßungs- und Glückwunsch-Telegramme, Verse für eine Scherzlotterie, Gedichte für das Fremdenbuch, In- und Aufschriften, Gravschriften und Nachrufe rc. Unter Mitwirkung hervorragender Dichter und Schriftsteller herausgegeben von Constanze von Franken. Stuttgart, Verlag von Levy 6 Müller. VI und 146 Seiten 8°. — Preis eleg. kart. Mk. 1,50. Mädchen ich ewig k „S den« die Goi Mensch, ich ihrb »Ka Hühner; hat man einige Stück von Fasan oder Rebhühner«, so füge man fie hinzu und lasse Alle« kochen, bi« e« weich ist. Nun füge man 1% Liter Kalbsbouillon hinzu und lasse e« noch eine Stunde kochen, gebe er durch ein Sieb, ent« ferne Alle«, ausgenommen die besten Stücke der Birkhühner, koche und schäume e« noch einmal und füge ein kleine« Stück Zucker und ein Gla« Weißwein hinzu." Wa« da außer den Birkhühnern noch an Fasan, Rebhühnern und Kalbs« bouillon zur Hand sein muß! Bei der Bereitung aller ihrer Speisen pflegt e« der Gräfin auch auf ein paar Flaschen Madeira mehr oder weniger nicht anzukommen. So betreibt das Kochbuch aus dem Verlage der „Wiener Mode" die Sache nicht. Darin find wohl ebenfalls vornehme Speisen enthalten, aber zumeist einfacher zusammengesetzte und zwar in sehr großer Auswahl. Während beispielsweise die Gräfin Münster nur 14 Suppen, m t Einschluß der Austernsuppe, beschrecht, zählt da« neue Ko-tbuch deren 230, eine Reich« Halligkeit, die alle anderen Bücher dieser Art weit übertrifft. Da« Gleiche ist von der Anzahl der übrigen Speisen zu sagen Es wird aber auch da« Gute aus allen Gegenden Europas, Amerikas und Ausst aliens herbetgezogen; Buenos« Ayre» und Stockbolm, New-Dark, Parts, Melbourne und London, die Wiener, die hamburgische und ungarische Küche geben ihr Beste« her, selbst au« Bosnien und Serbien wußte die Verfasserin, die sich unter einer vorzüglichen Einleitung über dar Kochen im Allgemeinen als K. Ansion-Hasatty zeichnet, originelle Arten der Bereitung zu holen. Er fehlt auch die Hamburger Aalfuppe nicht, die Vielen al» ein ganz sonderbares, ja unerhörtes Essen vorkommt. In Szegedin habe ich einmal ein Fischgericht bekommen, hal paprikas genannt. Es war famo«, aber wie man e« zubereitet, konnte ich nicht ergründen. In dem neuen Koch' buch wird es Paprikafisch genannt und nach folgender echt ungarischer Vorschrift bereitet: „Man nimmt kleine gemischte Fische, reinigt fie und schneidet fie in Stücke- Eine feinge« schmttene Zwiebel wird auf Butter gelblich gedünstet. Dann läßt man Paprika anlaufen, legt die gesalzenen Fischstücke hinein, übergießt fie mit drei Deciliter Rahm und läßt fie langsam verkochen. Dann legt man die Flschstücke auf eine heiße Schüssel, legirt die Sauce mit einem Stück Butter, zwei Eierdottern und dem Saft einer Eitrone, läßt fie noch einmal auffieden und gießt fie darüber." (Schluß folgt.) Km neues Kochöuch. Unter den Erscheinungen in der Literatur nehmen die Bücher, welche un» belehren, wie unsere Nahrungsmittel angenehm bereuet werden sollen, einen durchaus wichtigen und vornebmen Rang ein. Die« zu beweisen, ist ganz übe; flüssig, denn Jedermann weiß es, und es wird nicht Viele geben, die niät schon manchmal, namentlich in der Kmdheit, ihre Nase mit Wohlge»allen in ein solche» Buch gesteckt haben. Auch der Ver» faffer folgender Auseinandersetzung hat fich schon früh mit dem Studium diesen leckeren Bücher beschäftigt. In seinem väterlichen Hause ward erst um 5 Uhr zu Mittag gespeist, und da stellte fich denn zuweilen voiher ein derber Hunger ein, der die Zeit des Warten« mit Ungeduld erfüllte. Dann wußte der Knabe in einem Schrank das dicke Kochbuch zu finden und la» mit größerer Hingebung, al» er fie sonst der Bibel zuwandte, die Satzungen zur Verfertigung der herrlichen Gerichte. Voll Eifer sah er auf die guten Dinge, die dem Anfangsbefehl „Man nehme" folgten, und schnalzte mit der Zunge bei dem erhebenden Schluß „Man thue e» auf eine Schüssel und trage es auf." So verging auf höchst angemessene und lehrreiche Art die Zeit, bis über dem Speisetische die Lampe angezündet ward und die wirklichen Speisen hereinkamen. Wenn Jemand fich über den Vorgang aufhält, so möge er hier gefragt sein, ob er e» nicht auch schon einmal so gemacht hat. In reiferen Jahren wurden dann gelegentlich die Schriften de» Herrn v Rumohr über den Geist der Kochkunst, die von Brillat-Savarin über die Physiologie de» Geschmackes und da» Buch der Gräfin Münster, geborenen Lady Harriet St. Slair, Gemahlin de« deutschen Botschafter» in Pari», vorgenommen und nicht ohne Nutzen gelesen und ihnen habe ich vielleicht zu danken, daß ich im Essen mehr theoretisch al» praktisch verfahre. Ich selber esse kaum so viel, wie eine Fledermaus täglich zu fich nimmt, sehe aber gerne zu, wie Andere sich in Wohlgefallen mit dem Gebotenen beschäftigen. Ist meine Eßlust mit einigen Brocken gestillt, so möge man meinen Freunden Hunderte von Austern, den prachtvollsten Eteinbutt und die zartesten Haselbühner vorsetzen, und ich verlange nicht, auch davon zu haben. Ich begnüge mich ganz und gar mit der Befriedigung und der Schmauselust Anderer, dader darf ich wohl dreist behaupten, daß ich ein aurgesprochenene« Talent zum uneigennützigen Studium von Kochbüchern besitze und in der That verlege ich mich auf sie mit größerem Verständniß al» auf das Lösen eine« Problems der hohen Mathematik. Zu meiner Freude hat vor Kurzem ein neues Kochbuch in Wien dar Tageslicht erblickt, das größte und reichhaltigste, da« mir bisher vorgekommen ist. Es ist im Verlage der „Wiener Mode" erschienen, eines Blattes, da» im Zeiträume von wenigen Jahren einen enormen Autsch würg genommen hat. Das Buch ist ungemein stattlich, zählt 852 wohlgenävrte Setten und ist ganz und gar praktisch gehalten. Graf Münster hat in dem Vorwort, das er zu dem Kochbuch seiner Gemahlin verfaßt hat, gut reden, aber die Hobe Dame scheint bet ihren Gerichten so recht aus dem Vollen greifen zu können. Als Beispiel sei hier nur eine ihrer Suppen angeführt. Von der Birkhuhnsuppe heißt es: „Man schneide die Rücken von sechs Birkhühnern ab, zertheile die besten Stücke von Brust, Flügeln und Beinen von vier der Birk-