chSnthan. dm GeisteS- chweichel. Volkes. on Sybel. schrecklich, — rückendste und E. Vely. n Oberstab»- stutzerhaften stgefällig be« Ite Sie für Erde." - chte lächelnd in sich selbst ist." erika drüben lz miserabel! recht ftohes ! Rechnung." ück, Meister, zehen." fordert wird, wen) : „Ver» Worte • . . hiermit die a» Geburt»- d angeklagt, r haben Sie Schachspieler." ch den besten tun, wie alt >: „Hm, die rzliche Gra- Meter: „Wie 6t 1" - Seit!" i München, tung praktisch )es Telephon- ir, ich wünsche ohnung" — ich'» allemal Dienstag den 29. Januar 1895. smklkskMM Nntrrhawrngsblatt?um Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). k'Rei;er Sturmfluth. Roman von Em. Heinrichs. (Forkjetzung.) XIII. Ein Monat war seitdem vergangen. Der Held der Sturmfluth, dessen Genesung stetig, aber sehr langsam vor. wärts schritt, war für die Bewohner der Stadt keine un« bekannte Persönlichkeit mehr und der Name Ehrhard bald in Aller Munde. Auf welche Art und durch wen die Kunde in die Oeffentlichkeit gelangt war, wußte Niemand zu sagen, genug, daß auch die Zeitungen sich sofort des Gerüchts be- mächtigten und es durch die Thatfache, daß keine Widerlegung desselben von maßgebender Stelle erfolgte, bestätigt wurde. Die Geschichte des jungen Einjährig-Freiwilligen, der seinen Unteroffizier niedergeschlagen hatte und dann entflohen war, tauchte aus der Vergangenheit wieder auf und das In« teresse für den Helden wurde dadurch womöglich noch erhöht. Diese» Interesse wuchs aber zu einer bedrohlichen Empörung an, als es plötzlich hieß, daß der tapfere Retter von feinem eigenen Oheim denuncirt worden fei und nach seiner Genesung vor ein Kriegsgericht gestellt werden sollte, um nachträglich seine Strafe zu erhalten. Hauptmann Ehrhard, welcher über die Jndiscretionen der Zeitungen bereits in helle Wuth gerathen war, ahnte noch nichts von dies.» neuen Gerüchten, deren bedrohliche Spitze sich gegen ihn selber richtete. Er hatte allerdings bereits an das betreffende Commando, dem sein Neffe seiner Zeit unter- standen, die Anzeige von der Rückkehr des Deserteurs eingereicht, aber zugleich auch ein Gnadengesuch an den Landes- Herrn gerichtet, worin er alle Milderungsgründe für den Neffen hervorhob, sich selbst in seinem soldatischen Despotis- mus nicht schonend, weil er den berechtigten Klagen des Ge- mrßhandelten beharrlich sein Ohr verschlossen hatte. Schließ- ltch auf die Ereignisse der letzten Sturmfluth hinweisend, appellirte er noch an die Gerechtigkeit des Herzogs, welche roerbe & &e8 von der Strafsumme abrechnen Der alte Mann hatte das Gesuch selber geschrieben und wirkliche Herzenötöne darin angeschlagen, weil er seinen Bruder neben sich wähnte und gleichsam au» dessen Innern geschöpft, das Vatergesühl des Tobten lebendig empfunden hatte- Doch hatte er weder auf dieses Gesuch bislang eine Antwort er- halten, noch war von dem Militärcommando irgend ein Schritt zur vorläufigen Vernehmung de» Schuldigen geschehen oder eine Vorladung an ihn, den Denuncianten, ergangen. Vielleicht mochte es der Behörde selber unangenehm sein, daß die überraschende Anzeige de» Hauptmanns, welche in diesem verwandtschaftlichen Falle einigermaßen peinlich erschien, in die Oeffentlichkeit gedrungen, also von irgend einer Seite verrathen worden war, zumal sich besonders in den unteren Klaffen eine gewaltige Empörung darüber kundgab. Man hatte hier nicht bloß den heldenmüthigen Retter, sondern zugleich ein Opfer soldatischer Willkür an dem Denuncianten, der zu- gleich sein leiblicher Oheim war, zu rächen und wollte sich diesen Act der Gerechtigkeit nicht verkümmern lassen, zumal es nebenbei für die krakehlsüchtige Menge dann noch den be« liebten Radau gab. Da» dazu ausersehene Opfer, der alte Hauptmann, ssß ahnungslos in seinem Wohnzimmer, au« der Lieblingspfeife mit mächtigem Meerschaumkopf dichte Wolken blasend und zornig auf die unverschämten Zeitungsschreiber, denen nicht« mehr heilig sei, schimpfend. Elisabeth saß mit ihrer Stickerei am Fenster, tapfer ihre Angst niederkämpfenv, da sie die Stimmung der Bevölkerung kannte. Sie sah den Professor von der entgegengesetzten Seite der Straße herüberkommen und glaubte eine besondere Un« ruhe in seinen Zügen zu entdecken. Unauffällig legte sie ihre Arbeit hin und verließ da« Zimmer, um dem alten Freunde durch die geräuschlos geöffnete Etagenthür entgegenzutreten. „Gibt es neues Unheil?" fragte sie nach der ersten leisen Begrüßung mit ängstlicher Miene. „Es wird heute Abend jedenfalls etwa« geben, mein Kind I Ich weiß aus sicherer Quelle, daß der Pöbel den Papa durch eine Katzenmusik auszeichnen will und daß es dabei nicht bleibt, ist nur allzu sicher." „Dann muß die Polizei benachrichtigt werden." „Ist schon geschehen, im Nothfall haben wir Militär genug, um die Bande auseinanderzufegen. Bor allen Dingen aber — und deshalb bin ich gekommen — darf Papa nichts davon erfahren. Wir müssen ihn mit List aus dem Haufe bringen." „Das wird unmöglich fein," seufzte Elisabeth. „Ich habe soeben die Sache mit Willibald überlegt, er läßt ihn durch mich um ein erstes Wiedersehen bitten. Das Wetter ist gut, in einer halben Stunde ist die Droschke hier, welche ihn später vom Krankenhause nach der Tante Dorothea bringt, wo ich mit dem Candidaten einen Whist arrangire. Du bringst uns Nachricht, wenn die Luft rein ist, mein alter Thomas soll zu Deiner Verfügung stehen. Weißt Du etwas Besseres?' „Nein, warten Sie hier noch ein wenig, Onkel Professor, Papa ist jetzt wieder recht mißtrauisch und schwer zu behandeln." Sie schlüpfte hinein und kehrte dann ruhig in's Wohnzimmer zurück. „Hat denn der Amerikaner noch nicht wieder geschrieben? ' fragte der Hauptmann, der stchsin eine undurchdringliche Dampf- wolke gehüllt hatte. „Nein, Papa, er hat in der ganzen Zeit nur ein einziges Mal und zwar aus Rom geschrieben." „Na ja, nette Freundschaft, — taugt nichts, mit einem Geldprotzen sich einzulassen. — Wird sich in Paris amüsiren oder läßt sich an der Spielbank dort unten bei den italienischen Banditen die Goldfedern ausrupfen." Seine Worte wurden durch das Eintreten des Professors unterbrochen, der nach kurzer Begrüßung ohne Weiteres fragte: „Nun, sind Sie mobil, alter Freund?" „Sie wollen mich wohl zu einem Spaziergange abholen, was?" „Nein, wir wollen fahren, Sie müssen endlich einen Krankenbesuch machen, Hauptmann! Sie werden sehnsüchtig erwartet, ich habe daraufhin schon einen Wagen bestellt." „Das war sehr voreilig von Ihnen, Professor! Wissen Sie, daß ich noch immer keine Antwort auf mein Gesuch erhalten habe? Daß auch das Commando sich noch nicht rührt? Warten wir, bis Beides erfolgt ist, dann werde ich ihm zur Seite stehen." „Und wissen Sie, daß man in der Bevölkerung den De- nuncianten, der seinen nächsten Verwandten nicht sehen will, kennt und verurtheilt?" rief der Professor. „Wenn es ruchbar würde, daß Sie feine Bitte nicht erfüllen, den Sohn des verstorbenen Bruders, den man ob seiner Thaten feiert und lobpreist —" Mit einem gewaltsamen Ruck hatte sich der Hauptmann erhoben. „Meine Uniform!" rief er gebieterisch. „Ich will denn doch einmal sehen, ob man den Muth hat, einen Invaliden von Anno 1870 zu schmähen, des Kaisers Rock zu beleidigen." „Recht so," stimmte der Professor ihm bei, „erlauben Sie dem Freunde, Ihnen Hilfe zu leisten." Da der alte Offizier sich selbst im Hause halb militärisch kleidete, so ging die Umwandlung rasch von statten und als der Wagen vorfuhr, stand Hauptmann Ehrhard mit der Uniform, welche ihm weiter zu tragen gestattet war, angethan, den Degen an der Seite, vor dem Spiegel, mit einem weh- müthigen Lächeln sich betrachtend und dann seufzend den Blick an sich herniedergleiten lassend. „Eine Ruine," murmelte er, „aber dies hier ist mein Stolz," setzte er, auf das Eiserne Kreuz, welches nebst mehreren anderen Verdienstorden den Ehrenplatz auf seiner Brust einnahm, deutend, mit fester Stimme hinzu, „und wehe dem, der mich zu beleidigen wagt!" „Es wird dies auch Niemand wagen," beruhigte ihn der Professor, den Militärmantel um seine Schultern legend, während Elisabeth ihm schmeichelnd die Mütze in die Stirn drückte. In diesem Augenblick hörte man das Rollen eines Wagens, der vor dem Hause anhielt. „Da ist unsere Droschke," sagte der Professor, „nun vorwärts, Hauptmann!" „Nein, das ist eine Equipage," bemerkte Elisabeth, „die Droschke hält schon länger und fähr jetzt seitwärts. — Ach, Papa," fuhr Elisabeth erschreckt fort, „das ist ja General von Steinach —" Bevor der Hauptmann fragen konnte, wurde draußen schon die Klingel gezogen. Das junge Mädchen eilte zitternd hinaus, um die Etagenthür zu öffnen. Jetzt kam die Entscheidung, fis fühlte es an der furchtbaren Angst, die ihr Blut stocken ließ, der General brachte das Schicksal des Geliebten, Tod oder Leben sür sie und ihn. „Ist Hauptmann Ehrhard daheim und im Stande, mich zu empfangen, mein gnädiges Fräulein ?" fragte der General, ein alter Herr mit weißem Schnurrbart. Er trug Große Uniform, welcher Umstand auf eine hochwichtige Mittheilung schließen und Elisabeths Herz noch angstvoller schlagen ließ. Bevor sie antworten konnte, fuhr der General mit ritterlicher Galanterie, die Hand am Helm, freundlich fort: „Wahrscheinlich die gnädige Fräulein Tochter?" Elisabeth verneigte stch verwirrt. „Mein Vater, der eben im Begriffe steht, seine erste Ausfahrt nach langer Krankheit zu. machen, wird sich sehr glücklich schätzen, daß Eure Excellenz ihm die Ehre erweisen." „Sie kennen mich also, meine Gnädige? Freut mich sehr, müßte eigentlich dem Hauptmann zürnen, eine solche Rose unserer Gesellschaft bisher entzogen zu haben- — Also, General von Steinach, wenn ich Sie mit der Meldung behelligen darf, mein gnädiges Fräulein?" Die alte Excellenz war in der Jugend ein Schwerenöther gewesen und auch jetzt noch sehr geneigt, schönen Damen seine Huldigung darzubringen. Seine auffällig heitere Stimmung schien auch auf Elisabeth ihre Wirkung zu üben; konnte der General ein so freundliches Gesicht zeigen als Ueberbringer einer Unglücksbotschaft? Gewiß nicht. Ein sonniges Lächeln überflog ihr schönes, sorgenvolles Antlitz, und ihren ganzen Muth zusammenraffend, fragte sie: „Bringen Eure Excellenz Leben oder Tod?" Der weißbärtige Herr ergriff ihre Hand, führte sie ehrerbietig an seine Lippen und erwiderte: „Glauben Sie, daß ich mich zu einer Henker-Botschaft in große Gala geworfen hätte, mein Kind? Sie dürfen um das Schicksal der „braven Mannes" beruhigt sein." Jetzt hörte man die Stimme des Hauptmanns, welche wie ein grollendes Gewitter klang. Er stand, die Mütze auf dem Kopf, in der geöffneten Thür des Wohnzimmers. „Papa!" rief Elisabeth glückstrahlend. „Der Herr General —" „Ja, lieber Hauptmann, Sie müssen mir verzeihen, daß ich Sie einstweilen internirt habe," lachte der General, dem verdutzten Ehrhard die Hand entgegenstreckend. „Ihre schöne Tochter, die Sie so unchristltch hier verborgen halten, parla- mentirte erst mit mir." „Excellenz hätten aber auch das Nachsehen haben können," erwiderte der Hauptmann, hastig die Mili-tärmütze abziehend, während der Professor ihm den Mantel abnahm und sich mit Elisabeth zurückziehen wollte. „Herr Professor Carlsen," beeilte sich Ehrhard, ihn vorzustellen. „O, wir kennen uns recht gut," rief der General, „irre ich nicht, vom Castno-Ball her, wo ich das Glück hatte, Ihr reizendes Töchterlein bei Tisch neben mir zu haben. Aber weshalb wollen Sie mit dem gnädigen Fräulein das Zimmer verlassen?' setzte er lebhaft hinzu- „Der Auftrag, welcher mich hierher führt, braucht keinen Ausschluß der Oeffentlich- keit." Er hatte bei diesen Worten Elisabeths Hand ergriffen, um sie nach einem Sessel zu führen, Helm und Mantel rasch abgelegt und aus einer Tasche des letzteren ein mit einem großen Siegel versehenes Schreiben, sowie ein rothsammetnes Etui hervorgezogen. „Herr Hauptmann Ehrhard," begann er jetzt, sich straff aufrichtend, im dienstlichen Tone, „Seine Hoheit, unser allergnädigster Herzog, hat mir den ebenso ehrenvollen wie erfreulichen Auftrag ertheilt, Ihnen neben der Antwort auf Ihr Gesuch in Anerkennung Ihrer militärischen Verdienste im Frieden sowohl wie auf den Schlachtfeldern, sowie Ihrer heroischen Selbstverleugnung, welche Sie hinsichtlich Ihres der Mißhandlung eines Vorgesetzten und der Fahnenflucht überführten Neffen bewiesen haben, das Ritterkreuz des Herzoglichen Hausordens zu überreichen." Er öffnete nach diesen Worten das Etui und heftete dem Ueberrafchten das Kreuz selber an die Brust, worauf er ihm das Schreiben, welches das herzogliche Siegel trug, in die Hand legte. Der Hauptmann war leichenblaß geworden, er öffnete die Lippen, um zu reden, vermochte aber kein Wort hervorzubringen. Scheu heftete er dis Augen, in denen sich eine tödt-- liche Angst spiegelte, auf den verhängnißvollen Brief in seiner Hand und athmete schwer. „Lesen Sie ihn getrost, lieber Hauptmann," fuhr der General, welcher in der Seele des alten Mannes las, mit bewegter Stimme fort, „er enthält keine Hiobspost. — Ich will Sie jetzt nicht länger stören, Herr Kamerad, Sie wünschen gewiß allein zu sein, obwohl ich auf die Erfüllung einer Bitte gehofft hatte." Der Hauptmann sank kraftlos auf einen Stuhl. „Keine Hiobspost," murmelte er, „Gott sei gelobt!" „Plötzlich erhob er sich wie neubelebt und richtete sich straff empor. „Verzeihung, Exeellenzl Der verteufelte Fuß versagt zuweilen den Gehorsam, aber pariren muß er doch wieder — Mein General hat nicht zu bitten, sondern nur zu befehlen." „Gut, Hoheit wünscht, daß Sie in meiner Gegenwart das Schreiben lesen und mich dann zu Ihrem Neffen begleiten, Herr Kamerad!" „Ich stand auf dem Sprunge, zu ihm zu fahren," erwiderte der Hauptmann triumphtrend. „Ei, das ist ja mehr, als ich erwartet," rief der General sichtlich erfreut, „nun also, dann bitte ich — Herr Hauptmann Ehrhard!" Er deutete auf das herzogliche Schreiben. „Zu Befehl, Excellenz! Lisbeth, schneide den Umschlag auf, aber das Siegel nicht verletzen!" Das junge Mädchen gehorchte zitternd vor Aufregung. Der Hauptmann zog das Schreiben hervor, entfaltete es und versuchte zu lesen, aber die Buchstaben tanzten vor seinen Augen, es war unmöglich, flehend blickte er den General an, dessen freundliche Augen vor innerer Bewegung feucht geworden waren. „Darf ich vorlesen, Herr Kamerad?" fragte die Excllenz, „ich sehe, Sie haben die Brille nicht zur Hand. Es ist ein eigenhändiges Schreiben unsers allergnädigsten Herrn." Der General räusperte sich und las dann mit fester Stimme: „Mein lieber Hauptmann Ehrhard! Auf Ihr Gesuch vom 10. Januar er. fühle ich Mich zunächst veranlaßt, Ihrer Verdienste als Offizier, Ihrer Tapferkeit und Umsicht im Kriegs und der Opfer, welche Sie dem Vaterlande gebracht, zu gedenken, und Ihnen in gerechter Würdigung, und wenn auch verspäteter Anerkennung derselben das Ritterkreuz Meines Hausordens zu verleihen. Als besonderer Beweis Meines Wohlwollens wird General v. Steinach, Excellenz, es Ihnen in Meinem Namen persönlich überreichen. «Ich habe mich ferner auf Ihr Gesuch hin bewogen gefühlt, die Strafacten Ihres Neffen, des seinerzeit wegen Desertion und Mißhandlung eines Vorgesetzten in contumaciam vom Kriegsgericht zu 10 Jahren schwerer Festunghaft und Ausstoßung aus dem Heere verurtheilten Einjährig-Freiwilligen Willibald Ehrhard, einer persönlichen Durchsicht zu unterziehen und gefunden, daß sein Vergehen angesichts der andauernden Quälereien, welche er von besagtem Vorgesetzten zu erdulden gehabt, milder hätte beurtheilt, die Strafe geringer hätte bemeffen werden können. Nachdem sich ferner auf genaue Informationen Meiner Regierung herausgestellt, daß Ihr Neffe sich in Amerika nicht nur eine persönlich I ehrenvolle Stellung erworben, sondern auch dem deutschen! Namen durch großartige Brückenbauten und sonstige ausge- * 61 — zeichnete ingeniöse Werke Ehre gemacht hat, und nachdem es zu meiner Kenntniß gekommen, daß derselbe schon in den ersten Stunden nach seiner Heimkehr sich nicht nur als ein unerschrockener und tapferer Mann im Kampfe mit den Elementen, sondern auch als ein Christ in des Wortes schönster Bedeutung erwiesen hat, so habe Ich in gerechter Erwägung dieser Thaten das kriegsgerichtliche Urtheil ausgehoben, ihn kraft Meines landesherrlichen Rechts zu 4 Wochen leichter Festungshaft begnadigt und seine militärische Ehre wieder hergestellt. „Ich habe außerdem meinen General von Steinach beauftragt, Ihrem Neffen die von Mir ihm verliehene Rettungsmedaille zu überbringen, mit dem Wunsche, daß solches in Ihrer Begleitung geschehe- — Im klebrigen verbleibe ich Ihr wohlgewogener Friedrich." Der General faltete das kostbare Schreiben wieder sorgsam zusammen und überreichte es dem Hauptmann, der starr wie eine Bildsäule zugehört hatte. Es zuckte verrätherisch in den Mienen deffelben, die Augen blinzelten verdächtig und ein heftiges Räuspern und Schlucken, als ob ihm etwas in der Kehle sitze, verriethen den Sturm der Gefühle, den er um keinen Preis zum Ausbruche kommen lassen wollte. Todtenstille herrschte eine Weile in dem Zimmer. Elisabeth hatte sich in den fernsten Winkel zurückgezogen, um die Thränen seligsten Glücks, welche nach der qualvollen Angst und Erwartung den Damm der Selbstbeherrschung jetzt gewaltsam durchbrachen, zu verbergen, während der Professor an sich halten mußte, um nicht in lautem Jubel auszubrechen. „Es ist zu viel, zu viel der Gnade!" stieß der Hauptmann, welcher die unmännliche Weichheit tapfer bezwungen hatte, endlich mit heiser klingender Stimme hervor. „Kann's meinem allergnädigsten Herrn nicht einmal durch treue Dienste mehr vergelten." „Dann wird's Ihr Neffe für Sie thun. Herr Kamerad!" rief der General in fröhlichster Stimmung, „jetzt vorwärts, marsch, Hauptmann, wir dürfen nicht eine Minute länger zögern, um dem Kranken diese beiden kostbaren Heilmittel zu überbringen. Sehen Sie hier die prächtige goldene Medaille, welche Se. Hoheit eigens für ihn hat modelliren lassen, und zwar nach dem Entwurfs eines berühmten Berliner Künstlers. Wenn mich nicht alles täuscht, so hat unser allergnädigster Herzog etwas ganz besonderes vor mit Ihrem Neffen, lieber Hauptmann!" Elisabeth, welche ihre Fassung zurückgewonnen, hatte sich jetzt genähert, um die Medaille in Augenschein zu nehmen, und auch der Professor verlieh nun seiner Freuds und Bewunderung beredten Ausdruck. Die prächtige Denkmünze trug auf der einen Seite den Kopf des Landesherrn, auf der andern Willibald's Namen mit dem Namen der Sturmfluth, von einem Lorbeerkranz und der Inschrift: „Hoch klingt das Lied vom braven Mann!' umgeben. Nach wenigen Augenblicken brauste die Equipage des Generals mit diesem und dem Hauptmann davon. „Das ist ein Glückstag!" rief Carlsen, welcher dem Wagen nachgeblickt hatte, vom Fenster zurücktretend, „den ich doppelt roch im Kalender unterstreichen werde. Nun, Kleine, Du machst ja ein ernstes Gesicht, freust Du Dich nicht?" setzte er verwundert hinzu. „Ach, mein ganzes Empfinden ist ein Dankgebet", erwiderte Elisabeth tief aufathmend, „nur kommt es mir noch so unglaublich vor, daß ich meinem Glücksgefühl keinen Ausdruck zu geben wage, aus Furcht, das Ganze nur geträumt zu haben- Es ist wirklich so, Onkel Professor, auf eine große, unfaßbare Freude folgt in der Regel die bitterste Enttäuschung." „Das kann hier durchaus nicht zutreffen, weil das Ritterkreuz, die Medaille und die Begnadigung in greifbarster Form so zu sagen, ins Haus geschneit sind und durch wen? Es ist doch keine Kleinigkeit, daß Seine Hoheit den Herrn General damit hergesandt, den Hauptmann sowohl 52 wie unfern Willibald in der denkbar ehrenvollsten Weise dadurch ausgezeichnet hat. Glaubst Du, weiblicher Thomas, daß dergleichen aus bloßer Laune geschieht?" „Nein, nein, es erscheint mir nur zu viel auf einmal," rief Elisabeth mit einem strahlenden Lächeln. „Ich möchte wie der König von Samos den Göttern irgend etwas mir recht Werthvolles opfern, um das Glück zu versöhnen."M „Das wollen wir den Poeten überlassen, mein Kind! Jetzt rasch ins Zeug, um Tante Dorothea den Herzens-Balsam zu bringen, welcher auch bei mir zu Hause seine Wunderkraft üben wird." (Fortsetzung folgt.) GeineiirnÄtziges. Der Nährwerth des Fischfleisches, Er ist noch gar nicht lange her, daß Gerichte von Fischen, mit Ausnahme des Herings und Bücklings, als eine Art Delicateffe, kurz als etwas seltenes betrachtet wurden. Erst seitdem der Seefisch die Binnenländer erobert, ist infolge seines Maffen- fanges und seiner daraus hervorgehenden Billigkeit das Fischfleisch zu einem Hauptnahrungsmittel für alle Stände geworden. Darum ist es auch von hohem Interesse, seinen Nährwerth kennen zu lernen, und zwar umsomehr, als derselbe unter verschiedener Begründung, namentlich aber durch das Anführen der schweren Verdaulichkeit des Fischfleisches, von vielen Seiten bestritten oder herabgesetzt worden ist. Allen diesen Urtheilen wollen wir aber das nachfolgende Resultat entgegenhalten, das bet genauer wissenschaftlicher Untersuchung im physiologischen Institute de. worin es mehrere Wochen bleibt. VeviiMehtes. Aus den Fliegenden Blättern. — Richtig vermuthet. Mann (Mittags aus dem Geschäfte kommend, zu seiner jungen Frau): „Es riecht so eigenthümlich im Hause; heute hast Du gewiß etwas ganz Besonderes — anbrennen lassen!" — Ab gelehnt . Du liebst mich nimmer, August, denn sogar wenn ich weine, frägst Du mich nicht einmal mehr warum!" — „Ja, weißt Du, liebe Amalie, diese Frage kommt mich immer zu theuer!" — In der Sommerfrische. Herr: „Donnerwetter, Sie haben mir )6 einen ganz guten Zahn geMen!" — Landbader: „Entschuldigen Sie vielmals, aber es geht halt in dem Jahr gar kein Geschäft!" — Dilemna. Laura: „Ich bin in einer furchtbaren Verlegenheit!" — Klara: „Wieso denn?" — Laura: „Karl hat mir versprochen, er hört mit dem Trinken aus-, wenn ich ihn heirathe, und Emil droht, er fängt es an, wenn ich .es thue!" — Berichtigung. „In der vorletzten Nummer Ihre» Blattes berichteten Sie, daß auf der Obertupfinger Markung von einem Jäger 65 Hasen geschossen wurden. Dies ist jedoch dahin richtig zu stellen, daß von fünfundsechzig Jägern ein Hase geschossen wurde und daß die Jagd nicht am Samstag, sondern am Sonntag stattgesunden hat. Alles Andere stimmt. Das Bürgermeisteramt." — Gutes Zeichen. „Wie weit ist denn Deine Schwester mit ihrem Gesangunterricht?" — „Papa hat heute zum ersten Mal die Walte aus den Ohren gethan." — Ein Feigling. Kunde: „Von Ihrem Jungen lasse ich mich aber nicht mehr rastren!" — Barbier (verächtlich): „Und Sie wollen drei Feldzüge mitgemacht haben?" — Nach dem Balle. „Adieu, Herr Rath — heute hoffe ich einmal recht gut zu schlafen!" — „Für Sie, Fräulein, muß aber das Schlafen eine arge Anstrengung sein!" — Wieso?" — „So große Augen die ganze Nacht geschlossen zu halten!" — Kasernenhofblüthen. Unteroffizier (zu einem Rekruten): „Kerl, Sie stehen gerade so da, als ob Sie soeben von einem Luftballon überfahren worden wären!" — Sergeant: „Menschenkind, Sie wissen nicht, wie der Herr Oberst heißt? Stellen Sie sich doch nicht so 'ne Desdemona paupertatis aus!" — Bescheidener Zweifel. Hausfrau: „Anna, morgen speist ein Herr bei uns, der fünf Jahre unter den Menschenfressern gelebt hat!" — „Ach, gnä Frau, da wird ihm gewiß unser Kalbsbraten auch nicht mehr schmecken" — Aus dem Gerichtssaal. Richter: „Haben Sie den Diebstahl allein ausgeführt?" — Angeklagter; „Nein, unter gütiger Mitwirkung anderer Freunde!" — Gesichert. „Sie, ich glaube, der Mensch, mit dem Ihre Tochter jetzt verkehrt, hat keine reellen Absichten!" — „Na, er hat noch seinen Regenschirm bei uns stehen; wenn er meine Tochter nicht heirathet, kriegt er den einfach nicht wieder!" — Voraussetzung. „Wer war denn der Herr, der diese unglücklichen Jagdgeschichten erzählte?" — „Der pensionierte Herr Oberförster." — Donnerwetter, muß der erst gelogen haben, als er noch actio war!" — Schlau. Die neue Braut: Also morgen Abend treffen wir uns! Werden Sie mich auch wieder erkennen, Herr Sergeant?" — Sergeant: „Nun, Sie können ja meinetwegen als Erkennungszeichen ein Gansviertel in der Hand haltenI" — Druckfehlerteufel. (Aus einem Polizeiberichte.) Seit der letzten Rauferei beim Hirfchen- wirth ist der dort beschäftigt gewesene Hausknecht Johann vollständig verschwollen. Ein Racheact scheint vorzuliegen. — Rafsinirt. Jnspector: „Wie kommt es, daß Sie ohne Prügelstrafe eine so gute Disziplin erzielen?" — Lehrer: „Sehr einsach — jeder Schüler, der schwätzt ober Allotria treibt, bekommt nach der Schule einen — Löffel Leberthran." — Unmöglich. Lieutenant (im Dorswirthshaus): „Wollen Sie auch einmal eine Cigarrette rauchen, Lammwirth?" — Lammwirth: „Nöi, dös Zeig kann i’ net rasche — so weit bring' i’ 'S Maul net z'samme!" fliebactipn: VL Hcheqda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) tu .1,