n Nr. «8. a „ Dienstag dm 28. Mai. . • ©. is»5. m I iMMIirill I ______X-. c-i.-r n. .UL/u-ar - -n- i.rnr-Cf^'S - X'~L_2xi-ä». -Xjtaeecepa/" «--1 HnterWungsöLatr zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). MJV W MM ®&s9SiK «sage® MrW» ■< W HSkKK^^KKMHWMW niF r mrWÄ MKWW WWEkWtM ---3|SS SS WW^ <* -5S-7?:S’-ä i MM '•1 Die Tochter des Meeres. Roman von Ä. Rieol«. (8ortfe8«iRg«) In Lady Marians Augen lag die halb unbewußte Mattigkeit, die dem Schlafe vorangeht. Als Frau Aston sich während ihrer letzten Worte mehr und mehr von dem Sopha entfernte, fchrack das Mädchen plötzlich auf. „Ja, Sie haben Recht. Vielleicht kann ich ein wenig schlafen, wenn ich allein bin. Gehen Sie . . . ich werde klingeln, wenn ich etwa» brauche." Die Haushälterin stellte eine silberne Glocke auf den Tisch neben dem Sopha und zog sich zurück. Die Geschichte, die sie soeben gehört hatte, klang Lady Marian noch in den Ohren. Die dadurch heraufbeschworenen Silber tanzten phantastisch vor ihrem inneren Auge. Der stolze, ernste Vicomte, der leidenschaftliche, groß« müthige Philipp, und sie, die schöne Ida Merrick, die Urheberin des verhängnißvollen häuslichen Zwistes, schienen in ihrer Einbildung greifbare Formen anzunehmen, und schließlich glaubte ihre erhitzte Phantasie den heftigen Streit, den Kampf, das Stöhnen des Opfers, die fliehenden Schritte des Siegers zu hören. So lebhaft ihre Phantasie sich dieses Bild ausmalte, vernahm sie doch einen leisen Schritt auf dem Kiesweg in dem Garten unter ihrem Zimmer. Zitternd und erregt sprang sie auf und lief nach dem Fenster. Aber Alles war still. „Ich muß von Sinnen fein," sprach sie zu sich selbst, „daß ich langbegrabene Tobte heraufbeschwöre und mich durch meine eigenen Gedanken erschrecke." Aber al» sie sich eben, ärgerlich über sich selbst, vom Fenster abwandte, blieb sie plötzlich beim deutlichen, wenn auch leise gehauchten Ton ihres eigenen Namens stehen. „Marian!" klang es leise. „Mariani" Die Stimme klang so seltsam und zitternd, daß man sie kaum für die Stimme eines lebenden Wesen» halten konnte. „Wer ruft mich?" fragte Marian in demselben leisen Tone. „Marian . . . Cousine!" klang es durch die Luft und eine Gestalt schlich sich die Mauer entlang. Dann that der Näherkommende einen plötzlichen Sprung; er hatte sich an dem Gasrohre emporgeschwungen, das aus Lady Marians Zimmer nach der Veranda führte, und stand, bevor sie überhaupt Zeit zum Erschrecken hatte, in ihrem Zimmer. „Ernst! ... Ist es möglich? Kannst Du es fein?" hauchte sie, al» ihr Blick aus Lord Belfort» erschreckend bleiche Züge fiel. „Du hast Recht, Marian, daß Du kaum glauben kannst, mich vor Dir zu sehen, aber um unserer früheren Freund« schäft willen bin ich hierhergekommen, um . . . ja, wozu? Um zu sterben, glaube ich, denn da» Leben ist mir eine Last, die ich nicht ertragen kann." „Still! Still I Da» ist feig, wahnsinnig!" sagte sie und nahm beim Anblick seiner furchtbaren Verzweiflung all' ihre Kraft zusammen. „Ernst! Was ist geschehen?" sagte sie in der Hoffnung, durch diese Frage etwa» Energie in ihm zu erwecken. „Was geschehen ist? Weißt Du das nicht? Aber die Kunde davon ist vielleicht noch nicht bis hierher gedrungen? Und Du weißt nicht, daß ich . . . ein Mörder bin?" Lady Marian schauerte. Schon das bloße Wort war so furchtbar, der Gedanke an Blut war ihr so entsetzlich, daß es wohl zu entschuldigen war, daß sie selbst vor diesem Unglücklichen einen Augenblick zurückschauderte. „Ah, ich sehe .... Du wagst mich nicht anzurühren. Meine letzte Hoffnung ist dahin! Du bist, Du warst mir wie eine Schwester, Marian, und das ist meine gerechte Strafe. Ich will gehen und Deine Unschuld durch meine Gegenwart nicht noch mehr beflecken." Und langsam wandte er sich dem offenen Fenster zu mit einem Blick, der einen verzweifelten Sprung verkündete, der vielleicht seinem Kummer ein Ende machen und sein Verbrechen und Schicksal besiegeln würde. Aber sie sprang an seine Seite, denn diese neue Gefahr befreite ihre Seele von dem entsetzlichen Bann, in welchem sie lag. „Ernst! Emst! Beruhige Dich und höre mich an!" rief sie flehend. „Mich beruhigen, Marian?" rief er. „Wo der Fluch Kains auf mir ruht, wo vielleicht die Schergen auf meiner Spur sind! Spottest Du meiner, daß Du so herzlos kalt redest ?" Und mit einer Heftigkeit, die zu vergeben es ihrer ganzen Sanftmuth, ihres ganzen Mitleids bedurfte, schüttelte er die Hand ab, die sie auf seinen Arm gelegt hatte. „Ernst, Du bist ganz außer Dir, sonst könntest Du mich nicht so falsch beurtheilen," sprach sie sanft, „aber Du bist nicht sicher, wenn Du hier bleibst. Du mußt Dich irgendwo verbergen, bis die Gefahr vorüber ist." „Ich? Und wie? Meinst Du, Dein Vater würde einen Mörder in seinem Hause dulden?" entgegnete er bitter. „Meines Vaters Tochter wird das Wagniß auf sich nehmen, was auch die Folge davon fei!" sagte das Mädchen mit festem Muth, der ihn bei seiner Gereiztheit mehr beruhigte, als alle Vorstellungen. „Warte einen Augenblick und laß mich überlegen." Wie oft sah sie es in späterer Zeit als Gottes Vorsehung an, daß Frau Aston ihr die seltsame Geschichte von den zwei Brüdern erzählt hatte, denn sie dachte für den Augenblick nur an einen Zufluchtsort für den unglücklichen Flüchtling. „Ernst, es bleibt uns nur Eins übrig," sagte sie nach kurzem Ueberlegen. „Es gibt ein Zimmer in diesem Hause, das von der Dienerschaft gemieden und überhaupt nicht benutzt wird. Folge mir und ich will Dir wenigstens für den Auge«, blick einen sicheren Zufluchtsort bieten, bis sich ein besserer gesunden hat. Komm'!" Das Würdevolle, fast Gebieterische in ihrem Ton hatte einen wunderbaren Einfluß auf ihren aufgeregten Begleiter. Er folgte ihr fast mechanisch. Sie öffnete eine Thür, die nach ihrem Toilettezimmer führte und ging ihm einen kurzen, gewundenen Corridor und eine Treppe voran, bis sie den ältesten Theil des Gebäudes erreicht hatte. „Da!" sagte sie, als sie endlich auf dem oberen Flur stehen blieb und aus einem kleinen, daselbst befindlichen Wandschrank einen Schlüssel nahm. „Willst Du die Thür aufschließen, Ernst? Es wird all' Deiner Kräfte bedürfen, denn das Schloß ist jedenfalls rostig." Er gehorchte und steckte den rostigen Schlüssel in das halbversteckte Thürschloß, das nach einiger Anstrengung seinem starken Druck nachgab und ein großes, gut möblirtes Zimmer erschloß, in dem es roch, als ob ihm seit Jahren keine frische Luft zugeführt worden wäre. Doch sah Alles noch gut darin aus, vielleicht gerade, weil es der freien Luft verschlossen und seit jenem unglücklichen Tage, wo die schöne Ida Merrick den eleganten Raum bewohnt hatte, unbenutzt geblieben war. „Hier bist Du jedenfalls sicher," sagte Marian ruhig, „denn auch wenn man Dich durch irgend einen unglücklichen Zufall sähe, würden Dich die einfältigen Diener doch nur für den Geist des unglücklichen Philipp oder seines Bruders halten. - Aber, Ernst," fügte sie leise hinzu, „hast Du mir keine Erklärung zu geben, hast Du kein Wort der Hoffnung und des Trostes, das ich Denen überbringen könnte, die dessen bedürfen?" Er blickte mißtrauisch in ihr abgewandtes Gesicht. „Und wer sind die, Marian?" stöhnte er. „Wem außer Dir, Spielgefährtin meiner Jugend, liegt daran, etwas Anderes von mir zu hören, als meine Verurtheilung? O, es ist entsetzlich! Ja, sie wird mich hassen, während es doch um ihret- willen geschah!" murmelte er so leise, daß es für jeden Andern unhörbar gewesen wäre, nur nicht für seine feinhörige Be- gleiterin. „Sprichst Du von Miß Netta?" frug sie in kaltem Tone- ^„Nein, nein! Wenigstens an sie, die ich zur Waise gemacht habe, wage ich kaum zu denken," sagte er schaudernd. „Aber Marian, ich wollte ihn ja nicht tödten. Ich wollte in die Lust feuern, doch in demselben Augenblick bewegte er sich, daß er das unbeabsichtigte Ziel meines Schusses wurde. Aber wer würde mir das glauben außer Dir, meine Freundin?" PBö - „Wenn Dein eigenes Herz es weiß, so hast Du wenig, stens das Bewußtsein, kein absichtlicher Mörder zu fein," er- widerte sie ruhig, „und Du kannst auf des Himmels Vergebung hoffen- Aber jetzt muß ich Dich verlassen, damit man meine Abwesenheit nicht bemerkt. Vor dem Abend komme ich wieder und bringe Dir Licht und etwas zu essen. Bis dahin tröste Dich mit dem Gedanken, daß Du sicher bist. Tritt auch nicht an das Fenster, damit Dich nicht ein Vorübergehender febe Und nun lebe wohl!" 1 y Schweigend verließ sie ihn. Ihrs überangestrengten Kräfte erlaubten ihr nicht, noch länger bei ihm zu verweilen. Marian und Ernst Beifort waren fast wie Geschwister zusammen aufgewachsen. Das hatte sich tief in ihr Mädchen, herz eingeprägt. War er daher schön, als der junge Lord vor sechs Monaten nach langer Abwesenheit in seine Heimath zmückgekehrt war, unnatürlich oder unweiblich von ihr, daß sie erwartete, er würde sich ebenso wie sie der früheren Liebe erinnern und schöne Hoffnungen auf ein Glück bauen! In Netta Faro konnte Marian kaum eine Nebenbuhlerin erblicken; es ließ sich nicht denken, daß ein Mädchen, das fast noch Kind war, der schönen Erbin von Biddulph seine Liebe rauben würde und bis zu dem Ball im Hause Faros kannte sie nicht den eigenthümlichen Zauber des dort lebenden fremden Mädchens. Doch auch dann war sie zu stolz, dieses zu fürch, ten und sie verachtete sich selbst des unbehaglichen Gefühl- wegen, das sich in ihrer Brust regte, als sie sah, mit welchu Zuvorkommenheit er die junge Fremde behandelte. Jetzt errieth sie Alles, wenigstens Alles, was sie zu wissen brauchte. Von der schönen Unbekannten hing auch in dieser Stunde der Gefahr und Reue der Friede und das Glück von Ernst Belforts Leben ab. XIII. Eora glaubte zu träumen, als sie sich wieder in dem Zimmer sah, welches der Schauplatz jenes verhängnißvollen Streite» und der ihrem unschuldigen, unerfahrenen Herzen erstaunenerregenden Entdeckung, Lord Faro Liebe eingeflößt zu haben, gewesen war. In ihrem Alter und in ihrer einsamen Stellung konnte diese Thatsache ihre besten Empfindungen kaum unberührt lassen. Diesem Manne von so hohem Rang, so feiner BilbiU und so großen berechtigten Ansprüchen war sie so theuer, daß er um ihretwillen sein Leben auf's Spiel gesetzt hatte. Eine solche Ergebenheit hatte ihr selbst Rupert Falkner nicht gezeigt, er würde nicht so viel gewagt haben. Vielleicht war Rupert jetzt der Verlobte, wenn nicht gar schon der Ge- mahl der Cousine Adele. Cora setzte sich auf Lord Faros Stuhl und sah ringsum auf die Bücher, dis Zeitungen, die er vielleicht niemals wieder- sah; sie berührte das Papier, das noch frisch von seiner Feder war und auf welches er geschrieben hatte, bevor sie bei ihm eintrat. Wie sie das Papier mit einer gewissen Scheu be» rührte, rauschte etwas, das offenbar unter dem Briefbogen gelegen hatte und jetzt auf die Erde rollte. Sie beugte sich hastig, um den gefallenen Gegenstand wieder aufzuheben und fand nach kurzem Suchen ein Medaillon. Sie untersuchte es mit fieberhafter Spannung. Auf der einen Seite war ein Monogramm von Diaman- ten, das sie nicht entziffern konnte, aber während sie es noch in der Hand hielt, öffnete sich durch einen unbewußten Druck ihrer Finger eine Feder und es zeigte sich ein kleines Miniaturbild. Es war das Porträt einer Dame . . . und welch' einer schönen Dame! Cora hatte keine Ahnung von ihrem eigenen Liebreiz, sonst würde sie sich mit diesem dunklen, feurigen Antlitz verglichen haben, das sogar auf diese winzig kleine Elfenbeinplatte mit erstaunlicher Geschicklichkeit gemalt war- Allerdings lag in diesen dunklen Augen ein muthwilliger, halb triumphirender Ausdruck, für den Caros Antlitz zu ernst war, doch die Farbe von Coras Augen hätte auch mit diesem wunderbar schönen Gesicht einen Vergleich ausgehalten. 2ü1 (Fortsetzung folgt.) zu wissen in dieser ttück von in dem Mißvollen t Herzen eingeflößt lg konnte unberührt genstand edaillon. Diaman- es noch n Druck kleines ringsum i wieder- ler Feder bei ihm cheu be- riefbogen Bilbmz uer, daß !e. Falkner Vielleicht der Ge- Madame Sans Gsne. Roman nach Victorien Sardou und F. Morreau. Deutsch von Adele Berger. der Roth wenden könnten I" u wenig« sein," er. !ergebung an meine ch wieder hin tröste auch nicht iber sehe. I estrengten verweilen. Geschwister Mädchen. Lord vor Heimath ihr, daß iren Liebe 1! nbuhlerin das fast litte Liebe os kannte t fremden M fürch. Gefühls ;t welchu Wer kannte es sein? Seine verstorbene Frau, glaubte Cora. Sie dachte dann an Nettas Gestcht und an ein Porträt, das die verstorbene Frau des Lord darstellte. Aber ketns von beiden hatte die geringste Aehnlichkeit mit diesem Miniatur, bilde. Und doch war es Caro, als ob ste dieses Gesicht auf einem Bild ober im wirklichen Leben schon einmal gesehen hätte, wenn sie auch für den Augenblick nicht sagen konnte, wann und wo? Aber wie sie es sich so ansah, kehrten ihre Gedanken nach ihrer deutschen Heimath und zu ihrer Kindheit zurück, als sie Frau Falkner einst mit einem Kästchen in der Hand gesehen hatte, das sie und Adele aufmerksam betrachteten und das ebenfalls zu sehen st- sich mit kindlicher Neugier herangeschlichen. Dieser Vorfall hatte sich ihrem Gedächtniß fest eingeprägt des scharfen Tadels halber, den sie von der alten Dame für diese kleine Unart empfangen hatte. Sie war sofort aus dem Zimmer gewiesen worden, aber sie hatte das Gestcht viele Tage lang nicht vergessen können und dasselbe trat ihr jetzt wieder lebhaft in die Erinnerung. Ihr erster Gedanke war, diese Reliquie sorgfältig zu be» wahren; kein minder treuer Behüter sollte dieses Juwel et* halten, das Dem so theuer war, der sein Leben für ste gewagt hatte. Und mit einem letzten raschen Blick auf das schöne Ge* sicht war sie eben im Begriff, das Bild in die Tasche ihres Kleides zu versenken, als sie plötzlich in ihrem Vorhaben durch eine Stimme gestört wurde, die zwar nicht unbekannt war, deren scharfer, unerwarteter Ton sie aber erzittern ließ. „Ei, junge Miß! Was ist das?" rief die Stimme. Es war der alte Diener Mitchell, der von Kindheit an auf Schloß Faro lebte. Mit ernstem, doch väterlichem Ausdruck auf feinem ehrwürdigen Gesicht trat er näher; als er den Schrecken der jungen Dame vernahm, wurden feine Züge weicher. „Verzeihen Sie, Miß!" sagte er, als Cora die Hand, die das Kleinod hielt, an die Brust drückte. „Ich habe selbst Kinder und will um meiner jungen Herrin willen nicht hart gegen Sie sein. Das muß ich sagen .... ich habe nichts Unrechtes von Ihnen gesehen, seit Sie im Hause sind. Doch wissen Sie, daß Sie sich in einen schlechten Ruf bringen, wenn Sie hier in diesem Zimmer noch länger verweilen ? Und wäre es nur um deswillen, was ich soeben von Ihnen gesehen habe." „Und was wäre das, Mitchell?" fragte Cora, bemüht, ihre Ruhe zu behalten. „Was das wäre? . . . Run, Sie durchsuchten soeben die Papiere meines armen lieben Herrn und ich sah etwas in den Händen glitzern, das, wenn es bemerkt würde, den Verdacht des Diebstahls erregen könnte." „Mein Gott, so ist es ja nicht!" rief sie erregt. „O, Mitchell, was kann ich thun? Ihr Herr war mein einziger Freund ... er liegt im Sterben und ich bin unglücklich. Ach, wenn ich doch auch sterben könnte I" stöhnte sie und ihren Augen entquoll ein Strom heißer Thränen. Mitchell war fast erschreckt über die Leidenschaftlichkeit, mit der ste sprach. „Kind, ich will Ihnen ja nicht wehe thun, was auch meine Herrin dazu sagen mag," erwiderte er freundlich. „Rur thäten Sie besser, aus dem Wege zu gehen und nicht neue Streiche zu spielen, denn mit meiner jungen Herrin ist nicht zu spaßen, das weiß ich von früher." „Aber ich kann, ich will ihn nicht lassen, meinen einzigen Stfwibl' sagte das Mädchen aufgeregt. „Wenn er stirbt, Mitchell, fällt die Schuld auf mich und wenn er am Leben bleibt, würde er mich treulos, für schlecht halten, wenn ich während seines Leidens das Haus verließe, in das er mich gebracht hat. Nein, nein! Ich wage es nicht I Ich darf weder ihn noch das Haus jetzt verlassen!" Der gute alte Diener machte ein sehr verlegene» Gestcht, als er dieser Wehklage zuhörte. ch' einer eigenen feurigen g kleine lt war. er, halb nst war, diesem n- (Fortsetzung.) Auf dem Pflaster hallten Gewehrkolben nieder. Gleichzeitig wurde an die Hinterthüre gepocht und wirre Stimmen erhoben sich: „Nach dieser Richtung ist er gelaufen!" „Hier hat er sich versteckt!" Catherine zitterte. „Sie suchen ihn," murmelte sie, indem sie den noch immer bewußtlosen Verwundeten mit noch größerem Mitleid betrachtete. Die Stimmen lärmten an beiden Eingängen. Ein gereiztes Stampfen mit den Füßen bewies die Ungeduld der Menge. „Schlagen wir die Thür ein!" sprach plötzlich eine Stimme. „Wie rette ich ihn?" murmelte Catherine und schüttelte den Sterbenden, indem sie ihm zuraunte: „Bürger . . . Monsieur . . . Muth gefaßt! Versuchen Sie aufzustehen!" Der Verwundete öffnete die Augen und seufzte mit erstickter Stimme: „Ich kann nicht . . . lassen Sie mich sterben 1" „Ach was, sterben I" brummte Catherine. „Vorwärts, raffen Sie sich zusammen, in des Kuckucks Namen! Ich muß Sie ja lebend dem Fräulein von Lavaline zurückstellen . . . Das hätte sich nicht gelohnt, Sie herzuschicken, damit sie hierbleiben . . . Stehen Sie auf... so ... so! Sie stehen, es ist nicht schwer, man braucht nur zu wollen." Neipperg schwankte wie ein Trunkener- Catherine hatte Mühe, ihn aufrechtzuhalten. Draußen verdoppelten sich das Geschrei, die Drohungen und Flüche, und schon ließen kräftig geführte Stöße mit dem Gewehrkolben die Pfosten der Thür erzittern. Plötzlich erhob sich eine Stimme- „Wartet, Bürger . . . laßt mich machen, mir wird aus- „Sehen Sie, mein liebes Kind," sagte er in väterlichem Ton. „Das klingt Alles so recht hübsch, aber Sie werden doch jedenfalls gehen müssen. Wenn Lord Faro wieder gesund wird, — was der Himmel gebe I — wird er in seinem Hause thun, was ihm beliebt und kann Sie sofort wieder zurückrufen. Und wenn er sterben sollte, der arme, gute Herr, wäre es viel schlimmer für Sie, aus dem Hause gewiesen zu werden, als wenn Sie jetzt aus freien Stücken gehen, wo, wenn ich die Wahrheit sagen soll, der Leute Mund voll von Ihnen ist. Wollen Sie mir denn nicht vertrauen, Fräulein?" sprach er weiter. „Sie können sich darauf verlassen, ich würde über das, was ich soeben gesehen habe, nicht reinen Mund halten, wenn ich nicht wüßte, wie die Dinge zwischen Ihnen und meiner jungen Herrin stehen. Sehen Sie, Miß Cora, ich bin ein erfahrener alter Mann und weiß recht gut, daß Miß Emily und Lord Faro schon seit ihrer Kindheit nicht besonders gut mit einander ausgekommen flnd. Nehmen Sie meinen Rath an und folgen Sie mir!" Cora sank auf einen Stuhl und bedeckte ihr Gesicht mit den Händen. „Warum lebe ich? Warum hat er mich gerettet? O, Rupert, Rupert! Es war doppelt grausam! Ich bringe nur Unglück, wohin ich auch gehe. Wenn ich mich doch in der Erde verbergen könnte!" Und sie stöhnte laut in ihrer Herzensqual. „Haben Sie keine Freunde, zu denen Sie gehen könnten, Miß Cora?" fragte Mitchell mitleidig. „Keine I" sagte sie. „Gar keine. Besser ist es, ich ergebe mich meinem Schicksal." „Wie traurig, wenn man an all' die vornehmen Herrschaften denkt, die hier so lustig waren und Sie mit ihnen, und daß Sie keinen Freund haben sollen, an bett Sie sich in 2ZL zu küssen?« RawliHK ». «ch«4»». — Mm« «* St*g ** tmt> «Steinbraderet (Pietsch » Sch«,»») te «4®- gemacht werden!* Und dann rief dieselbe Stimme sehr > «Deine Frau? Noch nicht, Lefebvre," sagte Catherine, taut: „Catherine, ich bin'», hab' keine Angst ... so komme I „Wie, ist denn der Tyrann nicht gestürzt? Aber auf dschl« I Wiedersehen, Bürger — in der Section! Wir müssen einen „Lefebvre!" sagte Catherine, am ganzen Körper zitternd, i Hauptmann und zwei Lieutenant» ernennen, außerdem einen natürlich glücklich, ihren Landsmann heil und gesund zu I Pfarrer für den Sprengel — wohlverstanden, einen patrio- wissen, aber in großer Sorge um den Verwundeten. „Warte, I tischen Pfarrer. Der frühere hat Angst gekriegt und ist ge« ich komme!" tief sie. I flohen, die Lieutenants und der Kapitän sind von den „Ihr seht, Bürger, ste macht auf, also ein bischen Ge« I Schweizern getödtet worden, man muß sie also ersetzen - duld. Teufel, Ihr habt ste mit Eurer Art, durch Kolben-1 auf Wiedersehen!" flöße den Eintritt zu erzwingen, erschreckt," sagte Lefebvre I Die Gardisten entfernten sich, doch die Maulaffen vertäut genug, um Catherine seine Stimme erkennen zu lassen. I harrten bei der Thür. „Sie hören," wandte ste sich lebhaft zu dem Verwun- I „Nun, liebe Freunde, habt Ihr nicht gehört — nicht beten, .sie wollen herein ... ich muß öffnen . . • kommen I verstanden?" sprach Lefebvre mit gutmüthig-rauher Stimme. etel; | „Auf was wartet Ihr? Auf den Weißrock? Der ist nicht „Wohin?" I bei Catherine, das ist klar. Aber er muß nicht weit von „Versuchen Sie, diese Treppe hinaufzusteigen ... ich I hier in irgend einem Winkel niedergefallen sein. Denn er «erde Sie auf dem Boden verstecken ..." I hatte mindestens drei Kugeln im Leibe. Sucht ihn, das ist «Hinaufsteigen? O, unmöglich ... Sie sehen, ich halte I Eure Sache; der Jäger pflegt nie selbst das Wild aufzu- mich kaum aufrecht... I heben." „Run denn — da ... in mein Zimmer!" I Und er stieß ste hinaus. Und mit Schieben und Zerren gelang es Catherine, I „Schon gut, schon gut - wir gehen schon, Sergeant!" den Oesterreicher in ihr Zimmer zu bringen, dessen Thüre ste I Und einer sprach in gedehntem Ton: „Möglicherweise verschloß I kann er im Zimmer versteckt sein." Dann eilte ste roth und athemlos zur Ladenthüre, um I Lefebvre schloß rasch die Thüre, kehrte zu Catherine zu- Lefebvre und der Menge zu öffnen, indem ste sich mit freu- I rück und sagte, indem er die Arme ausbreitete, um ste aber- diger Befriedigung sagte: „Jetzt ist er gerettet!" I mals zu umarmen: „Ich habe schon geglaubt, daß sie gar V I nicht mehr weggehen würden! Hast Du diese Dummheit ge« Da« «immer Catblerinen». I hört, sie sprechen von Deinem Zimmer. Eine solche Idee! Nachdem die Querstange abgenommen und die Riegel I Aber wie Du zitterst , meine Catherine! So beruhige, Dich zurückgeschoben waren, öffnete sie die Thür und ließ Lefebvre I doch, es ist ja vorbei! Denken wir letzt an uns beide, ein, gefolgt von einigen Nationalgardisten und einer Menge I Er sah zui seiner Ueberraschung, wie Catherine einen von Nachbarn, Maulaffen, wobei Frauen und Kinder die | 0 3 Majorität bildeten. I geradewegs auf diese Thür zu und wollte sie öffnen. „Du hast lange gebraucht, um uns zu öffnen, meine | Sie war verschlossen. (Fortsetzung folgt.) liebe Catherine!" sagte Lefebvre, indem er sie auf beide I Wangen küßte. ... „ VevnEchtes. •S Unreife'ich'Du hattest Angst äb'er er waren Passende Leetüre. Offizier (findet beim Nachhause- M - ÄS W‘”‘»-b"B-l- «d--S.« d»6«* -6S«a**Ä9.nüe.'bf” „Es lebe die Nation!" schrieen einige Stimmen. I „Tod den Verräthern! Nieder mit den Schweizern | Eine Tochter Albions will im Fleischerladen und den Rittern vom Dolche!" schrien andere in der Menge, I Schweinsrippen.kaufen. „Geben Sie mir ah» uie eißt die sich auf der Schwelle des Ladens Catherinens drängte. I .das von das Schwein — die kleinen Knochen der „Ja, Tod denen, die auf da» Volk gezielt haben!" I Stück, uo Eva geschaffen worden von da». sprach Lefebvre mit starker Stimme. „Catherine, weißt Du, I warum so laut an Deinem Laden gehämmert wurde?« I -Nein - ich war sehr erschrocken - ganz in der Nähe ihre Entstehung und Verhütung, ist geschossen worden- I Vierte Auflage. Eine populär-wissenschaftliche Studie von Dr. Wilh. „Wir haben auf einen Aristokraten gefeuert, der au» I Huber. M» 40 Abbildungen. Preis 3 Mk. so Psg.; in Original- den Tuilerien entwischt ist, einen jener Ritter vom Dolche, I Leinenband 4 Mk. 50 Psg. Verlag von I. I. Weber in Leipzig, daß, wenn mir einer unter die Hände geräth, er mir für I auf fcem Gebiete der Frauenheilkunde erkennen. Der Verfasser such, da» Blut der Unseren büßen soll. Gerade jetzt haben wir, I das Publikum in sachgemäßer Weise über alle einschlägigen ärztlichen ich und die Kameraden," er deutete auf die ihn begleitenden I Verhältnisse aufzuklären, hält sich durchweg in sehr decenten Grenzen Nationalgardisten, „einen verfolgt. Wir gaben mehrere Schüsse I und befleißigt sich einer klaren, von allen überflüssigen Fremdwörtern au aTä am «TÄtiHA ößtfAtntitih I st-bien Sprache. Der Gedanke, die Abhandlung mit Aückflcht auf En. auf ihn av, 618 kr ptvtzttcy an "°r >Slrafieneae verscywanv. 1 j-te^ung und Verhütung der Frauenkrankheiten darzustellen, muß als Aber er war verletzt, denn bis zu Deiner Htnterthüre, Ca- I e{n fefjt glücklicher bezeichnet werden, weil dadurch das Buch nicht nur therine, liefen Blutspuren — und da haben wir gedacht, daß I für kranke, sondern noch weit mehr sür gesunde Frauen ein brauch- er sich zu Dir geflüchtet hat.« I barer Berather wird. Trotzdem ist aber auch den Erscheinungen der Skvefekwre Klickte M um und fuBr fnnleiS fort- Aber I Krankheiten und ihrer Behandlung in jeder Weise Genüge gethan. IknJB 'L’E I Besonders soweit die kranke Frau selbst und ihre Umgebung in die er ist nicht da, sonst würde man ihn ja sehen und dann I Lage kommt, auf ärztliche Verordnung hin die Behandlung zu Hause hättest Du es uns ja gleich gesagt, nicht wahr?" vorzunehmen, sind alle erforderlichen Maßnahmen in ausführlicher Er wandte sich zu den Nationalgardisten: „Kameraden, I Weise erörtert. Dadurch bekommt auch der praktische Arzt an dem wir haben hier nicht» mehr zu tbun — Ihr wenigstens I I Buche eine willkommene Unterstützung für seine Vorschriften, welche 'N •wu, tX I„M w«, ctoM JöXt hnA I Eile oft nur kurz und andeutungsweise gegeben, gelegentlich wohl auch Ihr seht, der Weißrock ist nicht hier. Ihr werdet doch I ö0tl Seiten der Laien falsch aufgefaßt und dementsprechend unrichtig einem Besieger der Tuilerien erlauben, in Ruhe seine Frau | ausgeführt werden. Hubers „Frauenkrankheiten" sind jeder Frau, zu küssen?" । der an Erhaltung ihrer Gesundheit gelegen ist, bestens zu empfehlen.