Dienstag den 27. August «irdliculilälkr isksksr HnterWMgMaU zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). ''r'* W In KMarLin als Kasakm-Hetma. Humoreske von A. Tholuck. - '■+ . (Nachdruck verboten.) Zu Anfang der 20er Jahre hatte das Schicksal eine An« zahl junger Freiwilliger des X. Artillerie-Regiments in die kleine, aber reizend gelegene Bergfestung G. . .dicht an der Grenze verschlagen, wo sie in Folge der absolvirten Brigade» schule zu Bombardieren, allerdings mit der ziemlich weitgehenden Bezeichnung „Bice" ernannt worden waren. Das „Vice" vor der Charge deutet sehr zart an, daß der Inhaber der Charge wohl die vollkommene Berechtigung zur Führung dieses Dienstcharacters hatte, jedoch in Folge der damaligen mißlichen Finanzverhältnifle nur den Gehalt eines Kanoniers bezog. Die in G. zusammengezogenen Vice-Bombardtere ragten über ihre etat-mäßigen Herren Kameraden dadurch weit hervor, daß sie gut erzogen und, was die Hauptsache, wiffenschastlich weiter waren, zum Theil schon verheiratheten, älteren Leute. Naturgemäß bildete dieser Vorzug ein festes Band unter den jungen Leuten, und bald sah man die Bürgerkreise sich für die flotten Bombardiere interessiren und ihnen gesellschaftlich einen Platz einräumen, welcher früher den Soldaten selten zu Theil wurde. So war auch der Carneval herangekommen und mit ihm der Maskenball der Bürgerreffourcs, welcher nach altem Herkommen in dem außerhalb der Festungswerke belegenen Amalien- thal stattfand. Auf Veranlaffung einiger Bombardiere, deren Wort in Vergnügungssachen etwas galt, war der Ball der Bürgerreffource einen Tag nach dem der adligen Reffource gelegt worden — nur weil die Herren Bombardiere in Folge ihrer Verbindung mit den Burschen und auch vielleicht den Kammermädchen der Offiziere sehr leicht zu eleganten Masken kamen, deren Beschaffung ihnen bei dem höchst geringen Solde nicht möglich gewesen wäre- Der Tag des Balles war gekommen und alles, was nur irgend courfähig in der Bürgerreffource war, hatte seine Vorbereitungen getroffen. Sehnlichst wurde die Dunkelheit herbeigewünscht und endlich nach Beendigung des Abenddienstss konnten die tanzlustigen Bombardiere sich in die Masken werfen und zur Wohnung ihrer Damen eilen, um diefel^n zum ferneren Amalienthal zu geleiten. . Einer der Bombardiere, nennen wir ihn Waldau, hatte vas Glück gehabt, den polnischen Burschen seine» PremierLieutenant» Grafen v- P. zur Hergabe von dessen Maske zu bewegen, welche letzerer sich von Berlin verschrieben hatte und zwar war die« die Originaluniform eine» Hetmans der Garde- Kosaken, welche sich durch ungemein reiche Goldstickerei und Eleganz auszeichnete. Mit Mühe war der derbe schlesische Bombardier in die Uniform des russischen Häuptlings hineingezwängt, die juwelenstrotzende Carabella umgegürtet und die Beine mit glänzenden Lackleder-Stulpen bekleidet. Dann wurde der sehr fadenscheinig aussehende Comismantel übergewofen, die „In- terimsMütze" auf das braunlockige Haupt gestülpt und nun der Weg zum Haufe der Geliebten angetreten, welche außerhalb des Feldthores bei ihren Eltern wohnte. Auf dem Wege dorthin mußte Waldau verschiedene Hauptstraßen passtren, wobei er da« Glück hatte, keinem Offizier zu begegnen, da ihm da« Grüßen derselben unmöglich wurde, daß er die mächtige Bärenmütze, welche den Hauptschmuck seines Costüms bildete, unter dem Arme tragen und sich außerdem den Mantel wegen der reichen Goldstickerei fest zuhalten mußte. Glücklich bis an die damals von einem Offizier commandirte Feldthorwache gekommen, wollte es das Schicksal, daß dicht vor dieser ihm der Wind den Mantel ausriß, so daß der Posten vor Gewehr die reiche Goldstickerei und die breiten rothen Streifen zu sehen bekam. Mit wahrer Stentorstimme brüllte der Posten: „Heraus" und Waldau hatte die größte Mühe, seinen Mantel fesHuhalten, während der eben heraustretende Offizier die Armbewegungen für „Abwinken" hielt und deßhalb „Schultern und Abtreten" ließ. Die Angst des armen Kofaken-Bombardiers war unbeschreiblich und man wird die Hast, mit welcher er an der Wache vorüberzukommen versuchte, sehr erklärlich finden; endlich hatte er da» Hau« seiner „Lisette" erreicht und eilte mit dieser dem Eldorado „Amalienthal" zu. Hier wurde jede» maskirte Paar mit einem Tusch der Kapelle empfangen und bald formirte sich die zahlreiche Gesellschaft zur Polonaise. Verschiedene Ueberraschungen waren angekündigt und ein Jeder amüsirte sich auf da« Beste. Besonderes Aufsehen machte ein Paar, welches in der Tracht der lithauijchen Bauern auf einer Trage, welche im gewöhnlichen Leben zum Herausschaffen von Streu aus dem Garnisonstalle diente, durch 6 Kanoniere in räthselhafter Uniform bis in die Mitte des Saales spedirt wurde, wo der Cavalier graziös seiner Dame herabhalf, «ährend di» Kanoniere „ohne beizutreten Kehrt machten" und mit ihrer -- 402 - Trage würdigen Schrittes wieder HLnausLrollten. Lustig wurde nun getanzt und schon nahte die Pause, bei welcher die Muttern in ihren ganzen Glorie auftreten, um mit den von Hause mitgebrachten Victualien den hungrigen Magen der unermüdlichen Bombardiere eine Vorlage zu bereiten, welche diese mit dem glücklichen Appetit der Jugend dem Ministerium ihre» Innern einverleibten, ohne sich um die Menge der „Artikel" zu kümmern, welche die Vorlage enthielt. Plötzlich wird da» harmonische Gemälde, von einem witzigen Bombardier „la fresco“ genannt, durch einen jungen Mann gestört, welcher leichenblaß hereinstürzt und die verhängnißvolle Meldung hineinbrüllt: „Alarm in der Festung." — Zuerst lange Pause. — Schreck aller anwesenden Damen — dann Gedränge in zur Garderobe hergerichteten Kegelbahn — Abmarsch sämmtlicher masktrten Bombardiere und Unteroffiziere und im Saale verdutzte Gesichter der nun ihrer besten Tänzer beraubten Damen. Während sich dies alles in Amalienthal abspielte, hatten dis Truppen der Besatzung sich auf den vorgeschriebenen Alarm- Plätzen eingefunden, die Festungs-Thore waren bis auf die „kleine Pforte" geschloffen und die Ausfall-Batterie, nebst dem nach altem Reglement zur Bedeckung commandirten Zugs Husaren, zog ihre gut genährten Gäule aus den Ställen, was nicht ohne Schwierigkeiten vor sich ging, da die Thiere in Folge des Friedensdienstes für derartige nächtliche Aufregungen nicht besonders eingenommen waren. Dank der Verwirrung, welche bei Alamirung herrschte, gelang es den maskierten Jüngern des Mars hinein und auf ihre Alarmplätze zu gelangen, nachdem sie das Lederzeug schnell über ihre Mäntel geworfen hatten- Der Major v. K. musterte sein ihm unterstelltes Volk nicht lange, sondern ließ die Avancirten „zum Kaiser schwenken" und theilte ihnen folgende inhaltschwere Geschichte mit: „Der Großfürst Nikolaus, welcher incognito in Schlesien reist, hat auch der Festung G. einen Besuch abgestattet, jedoch ist derselbe von dem wachhabenden Offizier am Feldthore bemerkt und der Commandant rechtzeitig benachrichtigt worden. Ich erwarte, daß Sie bei den morgen früh stattfindenden Festungs'Uebungen mit ihren Leuten recht auf dem Platze sind, damit der gute Ruf unserer Waffe gewahrt bleibe. Ich danke! — Kehrt! — Rechts und links schwenkt! — Marsch. — Halt. — Wegetreten." — So feuerten die Commando» durch die Nacht und ruhig kehrten die Mannschaften in ihre Kasematten, die Avancierten aber nach Amalienthal zurück, wo noch recht flott getanzt wurde. Niemand vermochte über die räthselhaste Alamirung Genaues mitzutheilen bis auf einen — und dieser schwieg aus verschiedenen Gründen. Während nun die müden Bombardiere in dunkler Kasematte von den Strapazen des unterbrochenen Maskenballes ausruhten, spielte sich im Commandantur-Ge- bäude folgende Szene ab: Der General-Major v. L., ein alter tüchtiger Feldsoldat, geschmückt mit dem eisernen Kreuz ging in voller Parade-Uniform in feinem Zimmer auf und ab, während ein junger Lieutenant, gleichfalls in voller Dienstuniform zitternd vor dem alten General stand. Die Disput der Beiden wär etwa folgender: „Herr Lieutenant v. M., Sie haben mir auf Ehrenwort versichert, den Großfürsten Nikolaus, sowohl an der Uniform als auch an Figur und Gesicht erkannt zu haben? Ist dem so??" „Zu Befehl, Herr General! Ich sah ihn ganz deutlich an der Feldwache vorübergehen und bemerkte sogar, wie Seine Hoheit abzuwinken geruhten, als der Posten vor Gewehr „Heraus" rief. „Nun, so hol' uns beide der Teufel, dann weiß ich nicht, wer das gewesen sein kann, denn in allen Hotels der Stadt habe ich diese Nacht Nachfrage gehalten und in keinem ist der Großfürst eingekrhrt, also müssen Sie sich wohl geirrt haben, denn ich kann mir nicht denken, daß Sie —, ein unverständliches Murmeln beendete die Unterredung, welche mit einem verdrießlichen „Ich danke Ihnen!" endete. Als der abgemuckte Lieutenant über den Stallplatz ging, begegnete ihm der Bom- badier Waldau, welcher mit der ernstesten Miene von iber Welt den Vorgesetzten grüßte. Dieser sah sich das Gesicht rdes Bombardiers eine Zeit lang an, blieb stehen, blicke ihm nach und murmelt in sich hinein: „Sonderbar!" — Wer der Groß- fürst war, hat, außer unseren Lesern, bi» heute Niemand er- fahren. Madame Sans GSne. Roman nach Bictorten Sardou und F. Morr«««. Deutsch von Nd«l« Lsrgor. Die Coalition war besiegt, der Süden kannte die VendSe nicht mehr und Bonaparte zog siegreich und Alles mit seinem Genie blendend, in die Geschichte ein. Er wurde zum Artillerie-General ernannt und nach Nizza in's Hauptquartier der italienischen, von Dumerbion commandirten Armee geschickt. Ruhmreich, mit einem Range bekleidet, der bet vierundzwanzig Jahren seinen Ehrgeiz befriedigen konnte, beschäftigte sich Bonaparte mit der Versorgung seiner Geschwister, seiner Das Glück Josefs entzückte ihn. Er hörte nicht auf, beständig von ihm zu sagen: „Ist Der glücklich, dieser Schlingel Josef!" Die Tochter eines Seifensieders geheirathet zu haben, erschien ihm damals als das schönste Loos. In diese Bewunderung für das neuvermählte Paar mischte stch etwas Bedauern, daß er nicht Desiroe, die zweite Tochter des Kaufmanns Clary, heirathen konnte. Aber eine andere Hsirath, die er nicht vorausgesehen, ärgerte und reizte ihn. Er erfuhr in Nizza, daß sein Bruder Lucien sich soeben verheirathet hatte. Und unter welchen Bedingungen! Bonaparte konnte den Zorn darüber zehn Jahre lang nicht los werden. Lucien hatte eine kleine Anstellung in der Militärverwaltung zu St. Maximin in der Vaucluss. Er war jung, feurig, ein guter Redner und bildete die Freude und den Ruhm eines Wirthshaufes, in dem er seine Mahlzeiten einnahm. Boyer, der Wirth, besaß eine reizende Tochter Namen» Christine. Diese konnte der Beredsamkeit und den Complimen- ten des künftigen Präsidenten der Fünfhundert gegenüber nicht gleichgiltig bleiben. Sie erklärte ihrem Vater, daß fie Lucien heirathen wolle. Der Wirth, der im Begriff gewesen, seinem Pensionär Zimmerschlüssel und Tisch zu entziehen, weil er mit der Zahlung im Rückstände war, graute sich den Kopf und gab zuletzt seine Einwilligung. Da» wär auch eine Art und Weise, die Rechnung dieses schlechten Zahlers zu begleichen. Als Bonaparte entdeckte, daß fein Bruder ihm die Tochter eines Wirthes zur Schwägerin gegeben hatte, gerieth er in eine heftige Wuth. Er ahnte schon seine Größe und ärgerte sich über Alle», was ihm durch die Seintgen bet seinem Glücke schaden oder den Glanz seines wachsenden Ruhmes verringern könne. Er brach alle Beziehungen mit dem Bruder ab und bewahrte der jungen Frau immer einen Groll. Sie war sanft und ergeben, diese Christine Boyer, und bemühte sich mehrmals, Bonaparte zu beschwichtigen und wieder zu Gnaden zu kommen. Man hat von ihr einen rührenden Brief bewahrt, den sie schrieb, als sie Mutter werden sollte. „Erlauben Sie mir, Sie Bruder zu nennen — in einem Monat hoffe ich, Ihnen einen Neffen geben zu können. Viele Umstände lassen mich hoffen, daß es ein Neffe sein wird. Ich verspreche Ihnen, einen Soldaten aus ihm zu machen, aber _id) wünsche, daß er Ihren Namen trage und Ihr Pathe sein soll. Ich hoffe, daß Sie mir das nicht abschlagen werden. Weil wir arm find, werden Sie uns nicht mißachten, denn trotz alledem sind Sie unser Bruder. Meine Kinder find Ihre einzigen Reffen und wir lieben Sie mehr als den Reich- thum. weisen S des $ ( selbst, gar n imwiss 5 < Roder Rache 9. A schlag verzich denR Mitgl wollte Arme Gene: ! patte, gleite! I mals ziere Girat dem i Genei Cram wund man wollt, zu ih zu co komm Geige i wäre sein S der Z coulai Local! einsch Ruhn Fana Brud werde werde fasch brach werd bahn liebet daß bleibe sich d am j Waffi thum. Könnte ich Ihnen einer Lager alle Zärtlichkeit beweisen, die ich für Sie hege/ Bonaparte blieb taub gegen diese Klagen. Der Tochter des Wirther blieb die Thür seines Herzens verschlossen. Er träumte übrigens von einer Verbindung für sich selbst, welche seiner Eigenliebe schmeichelte, und es fiel ihm gar nicht ein, der großen Dame, die er heirathen wollte, die unwissende und bäuerische Christine vorzustellen. Die Er^gnifle hatten stch für Bonaparte beschleunigt. Er hatte seine Beschützer verloren. Nachdem die beiden Roberpierre guillotinirt waren, setzten die Thermidorier» ihre Rache fort. Bonaparte hatte einen Augenblick, als er den 9. Thermidor erfuhr, die Idee, den Repräsentanten vorzu- schlagen, mit seinen Truppen auf Paris zu marschiren. Er verzichtete auf dieses Project, aber seine Anhängerschaft zu den Revolutionären wurde ihm nie verziehen. Dubois-Crancö, Mitglied des Wohlfahrtsausschusses, der die Jacobiner zerstreuen wollte, die, den Rapporten der Polizei nach, in der italienischen Armee zahlreich waren, destgnirte Bonaparte zum Artillerie- General in der Vendse. Verblüfft und durch diesen Streich bestürzt, reiste Bonaparte, von feinen zwei Adjutanten Junot und Marmont begleitet, nach Paris. Ein Artillerie-Capitän ohne Verdienste, Aubry, der damals Kriegsminister war, war sehr eifersüchtig auf die Offiziere seiner Waffe, die so rapid avaneirten. Obendrein noch Girondist, rächte sich Aubry an dem Freunde Robespierres, dem Strategen von Toulon, indem er ihn als Infanterie- General zur Ostarmee sandte. Das hieß dis Ungnade Dubots- Craneös noch steigern. Als man versuchte, den Kriegsminister zu erweichen, wunderte sich dieser traurige Nachfolger Carnots darüber, daß man einen Terroristen so warm unterstützte. Bonaparte wollte seine Sache selbst verfechten, doch Aubry sagte trocken zu ihm: „Sie sind zu jung, um die Artillerie einer Armee zu commandiren." „Man altert rasch auf den Schlachtfeldern und von dort komme ich," antwortete der General. Aubry war unbeugsam und Bonaparte wurde, da er sich weigerte, nach der Vendäe zu gehen, aus der Armee gestrichen. Er versuchte nun, beim Sultan Dienste zu nehmen und wäre in das Elend seiner früheren Jahre zurückgefallen, wenn sein Bruder Josef ihm nicht zu Hilfe gekommen wäre. Einer der Directoren des Kriegsministeriums, Doulcet de Poutä- coulant, erinnerte sich plötzlich seiner und ließ ihn in den Loealdienst eintreten, gerade als er stch nach Constantinopel einschiffen wollte. Der Orient lockte ihn stets. Er träumte von Glück und Ruhm unter einem fremden Himmel. Ein ganz muselmanischer Fanatismus beherrschte bereits seine Seele. „Alles läßt mich dem Schicksal trotzen," schrieb er seinem Bruder Josef, „und wenn das so weiter geht, mein Freund, werde ich dahin kommen, daß ich mich nicht mehr umwenden «erde, wenn ein Wagen vorüberfährt." Zugleich mit den Wunderländern des Islam fesselte und fascinirte ein anderes Bild feine Gedanken; er sah, glänzend geschmückt, voll Eleganz, eine Frau der alten Gesellschaft vor sich, der er sein Herz, seinen Namen geben würde und die ihm zum Tausche dafür das häusliche Glück, auch Wohlhabenheit und den Eintritt in die sich neu bildende Gesellschaft zu- brachte. Ein lärinendes Ereigniß ließ diese Träumereien wirklich werben. Der Convent hatte seine arbeitsame und fruchtbare Laufbahn beendet, die Constitution des Jahres III war fein ueberrest. Als der Convent stch zurückzog, hatte er entschieden, baß zwei Drittel der Conventmitglieder auf ihren Sitzen bleiben sollten. Dieses Decret erregte in Paris einen Aufstand. r Am 11. Vendömiaire (3. October 1795) versammelten ich die Wähler der verschiedenen Sectionen im Odeon und am 12. griffen die Wähler der Seetion Lepelletier zu den Waffen. General Menou, der den Befehl empfing, die See- tionen zu entwaffnen, ließ sich überrumpeln. Er verließ das Kloster der Filles St. Thomas, heute der Bauplatz der Rue du 4 Septembre und der Rue Vivienne, als Parlamentär. Die Insurgenten triumphirten. Es war 8 Uhr abends. Bonaparte befand sich im Theater Feydeau. Von den Ereignissen überrascht, begab er sich in die Versammlung. Man besprach die zu ergreifenden Maßregeln und suchte einen General zum Ersatz» für Menou. Varras, der designirt war, die Ordnung äufrecht zu erhalten, erinnerte sich wieder au Bonaparte, den er von Toulon kennen und schätzen gelernt hatte. Am Morgen de» 13. Vendömiaire fegte Bonaparte die Sectiontsteu vor der Kirche St. Roche hinweg und ward zum General des Innern ernannt. Diesmal hielt er das Glück fest und lies es nicht mehr los. Am Abend vorher mittellos und ohne Hilfsquellen, sah er stch plötzlich als Herrn von Paris und bald der Nation. Sein Stern, abwechselnd strahlend und erbleichend, glänzte endlich klar und fest am 'Firmament. Zwanzig Jahre lang sollte er der Pharus des geblendeten Frankreichs sein. XXII. , $ Aeyette. Blitzschnell wie die Prinzesstnnen der Feenmärchen, deren Paläste aus Kürbissen auftauchen, metamorphostrte sich Bonaparte und änderten sich die Dinge um ihn. Er installirte sich im Hauptquartier in der Rüe de Capueines, Junot und Lemarvis befanden .sich neben ihm. Sein Onkel wird nach Paris berufen, um ihm als Secretär zu dienen. Das erste Geld, welches ihm der Schatzmeister aursetzt, verwendet er, um seiner Familie beizuspringen. kEr schickt fünfzigtausend Franks seiner Mutter, indem er sich begnügt, sich ein paar schöne neue Stiefel zu kaufen, auf die er schon lange Lust hatte, und sich eine glänzende Goldstickerei an den Anzug nähen zu lassen, den er der Fürsprache Madame Talliens dankte. Er beeilte sich, den Einfluß zu benützen, um seine Brüder unterzubringen. Lucien nimmt er mit dem Grade eines Kapitäns zum Flügeladjutanten und erbittet ein Confulat für Josef; ins College, wo Jerome sich befindet, schickt er Geld, ordnet den Rückstand und befiehlt, daß man ihn dis H schönen Künste, Zeichnen, Mustk lehre. Beruhigt über das Schicksal der Seinen und der eigenen Zukunft sicher, wieder General geworden und vor die Wahl gestellt, ein vortheilhaftes Commando zu haben, denn der Convent kann seinem Retter nichts verweigern und das Directorat, das seine Functionen antritt, seinen Degen nicht entbehren, kehrt er wieder zu seinen Heirathrplänen zurück. Eine reiche Heirath mit einer Frau, die ihm Vermögen, Einfluß, das sociale Gewicht, die ihm mangelten, gaben, die Spur des einstigen Elends auslöschen und Helsen würde, seinen Rang zu behaupten — das war das Ziel seines Ehrgeizes. Aber Bonaparte, dieser unbeugsame Mathematiker, dieser mächtige und unfehlbare Geist, sollte wie der naivste junge Mann die Herrschermacht jenes stürmischen Muskels kennen lernen, der die Handlungen der Menschen regelt und ost in Regellostgkeit versetzt. Er verliebte stch. Mit dem Leichtsinne eines Schulknaben ließ er sich in der Falle einer Koketten in abnehmendem Alter fangen, jener Creolin, die ihn erst an dem Tage liebte, da der Kaiser ihr da» Kaiserinndiadem abnahm, das er thörichterweise auf ihre Stirne gesetzt hatte. Bei Madame Tallien, welcher der General vom Vends- miaire den Dank für die Aufnahme abstatten kam, die sie dem mittellosen Offizier vom vorigen Monate gewährt hatte, begegnete Bonaparte der Wittwe Beauharnais. Diese Wittwe Beauharnais war eine Creolin von den Antillen. Sie nannte sich Marie Josephe Rose Lascher de la Pagerie und war am 23. JuliZ1763 in sder Pfarre Rotte 404 Dame de la Purification zu Martinique geboren. Der Vater dieser Josephe, genannt Josephine, namens Joseph Gaspard, bewirthschaftete Pflanzungen, welche ihm seine 1726 aus Frankreich herübergekommene Familie hinterlassen hatte. Ein ehemaliger Dragonerkapitän, Ritter des heiligen Ludwig und Page der Dauphine, besaß er wenig Vermögen und gab fich große Mühe, seine älteste Tochter paffend zu oerheirathen, denn Josephine besaß noch zwei Schwestern: Catherine Marie Desiree und Marie Franroise. Eine gewiffe Frau Renandin, Tante des jungen Mädchen, verschaffte ihr den gewünschten Gatten. Sie hatte ihn bei der Hand: der jüngere Sohn des Marquis von Beauharnais, einstens Gouverneur der Jsles du Vent. Die Beauharuais kamen aus Orleans. Tante Remudin war die Geliebte des Marquis. Die Heirath wurde aus der Ferne beschloflen, denn der junge Beauharnais befand sich in Frankreich und seine Braut schiffte sich im September 1779 ein. Sie gelangte nach Bordeaux und heirathete eine Zeit darauf den Vicomte Alexandre von Beauharnais, der bet Gelegenheit seiner Heirath zum Capitän im Regiment de la Sarre ernannt wurde. Er war achtzehn, sie sechzehn Jahre alt. Bonaparte war zur Zeit, als seine künftige Kaiserin sich verhei- rathete, zehn Jahre alt und trat in die Militärschule von Briennes ein. Die Gatten logirten sich in der Rus Thsvenet in Paris ein. Am 2. September 1780 ward Eugen, der künftige Vicekönig von Italien, geboren. Das Ehepaar blieb nicht lange vereint. Bald verließ der junge Vicomte seine Frau, um nach Amerika unter das Commando von Bonille zu gehen. Der Wunsch, den Amerikanern die Unabhängigkeit zu verschaffen und an der Seite Lafayettes und Rochambeaus unsterblich zu werden, vereinte sich bei dem zu jungen Gatten mit dem Wunsche, sich von seiner koketten Frau zu entfernen. Er ließ Josestne zurück, als sie ein zweites Kind erwartete. Am 10. April 1787 brachte sie die künftige Königin Hortense, die Mutter Napoleons III., zur Welt. Zu jener Zeit hatte Josefine ihrem Gatten keinen Grund zur Klage gegeben. Dieser, zu jung verheirathet, gab fich dem Wunsche nach neuer Liebe und dem Zauber flüchtiger Zerstreuungen hin. Seine Abreise betrübte die Leichtstnnige nur mäßig, fie schenkte ihr eine Freiheit, nach der sie schon längst brannte. Beauharnais kehrte nach Frankreich zurück und klagte auf Scheidung. Das Parlament sprach fie ihm zu, aber da die Schuld beiderseitig war, gestand es Josefine eine Penston von zehntausend Livres zu. Die Geschiedene hielt es für gut, eine Reise in das Hetmathland zu unternehmen. Sie begab sich nach Martinique, kehrte aber 1791 wieder zurück. Sie fand ihren Gatten in sehr hoher Stellung wieder. Vicomte de Beauharnais, Deputirter des Adels, war eines der einflußreichsten Mitglieder der Constituante geworden- Ihm gebührt die Ehre, in der berühmten Nacht des 4. August die Zulässigkeit aller Bürger zu Civil-, Militär- und geistlichen Anstellungen und die Gleichheit der Strafen für alle Klaffen der Bürger vorgeschlagen zu haben, also die Absetzung des alten Regimes in zwei Artikeln. Er war mehrmals zum Präsidenten der Nationalversammlung gewählt worden und empfing in seinem Hotel der Rue de l'Universttö eine große Anzahl von Deputirten, deren Anführer er war. 'Josefine, von dem Ehrgeiz erfüllt, einem politischen Salon vorzusiehen, wo Alles verkehrte, was die Versammlung an hervorragenden Männern besaß, wollte sich mit ihrem Gatten wieder versöhnen. Sie gab sich demüthig, sanft, reuig, schmeichelnd. Es gelang ihr und während einiger Zeit glänzte sie in diesem Hotel. der Rue de l'Universitö, deffen Königin sie war. Aber die Tage wurden trüber. Die Schreckenszeit hatte die Salons geschlossen; Beauharnais war bei der Armee, als General en ohef der Rheinarmee belagerte er Mainz. Nach seiner Demission wrzxde er 1794 als Generalmajor der Armee Condäs verhaftet; obwohl ein Republikaner und Patriot wie General Beauharnais mit den Verräthern, trotz der Anwesenheit seines Bruders in ihrem Generalstab, nicht pactiren konnte, wurde er am 5. Thermidor guillotinirt. Vier Tage später öffneten sich die Gefängniffe und er wäre gerettet gewesen. Sein Tod war die Folge eines Jrrthums und der lieber* eilung, mit der in jenen schrecklichen Momenten die Todes* urtheile ausgeführt wurden. (Fortsetzung folgt.) Literarisches In neuem Gewände stellen sich uns mit dem soeben ausgegebenen ersten Heste des zwölften Jahrganges die Jllustrirten Oktav-Hefte von »tUfrtr Satt8 Uttb dar. Sie erscheinen in buntfarbigem Umschläge nach einem ebenso originellen wie künstlerisch-geistvollen Entwürfe von Professor Paul Höcker in München. Aber nicht nur aus die äußere Einkleidung erstreckt sich die Neuerung, welche dem altbewährten Unternehmen zu Theil geworden ist. Durfte die Leitung der Octav-Hefte von jeher das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, an Gediegenheit, Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit der von ihr gebotenen literarischen wie künstlerischen Gaben mehr zu leisten als irgend eine andere mit ihr in Wettbewerb tretende Zeitschrift ähnlichen Characters, so zeigt sie nunmehr, daß es ihr in der That Ernst ist, bei dem Erreichten nicht stehen zu bleiben, -sondern fort und fort an der Vervollkommnung ihres Werkes zu arbeiten. Hiervon überzeugt uns schon ein flüchtiger Blick auf den Inhalt des vorliegenden ersten Heftes. Es eröffnet dasselbe in glanzvoller Weise seinen neuen Jahrgang und erweist sich auf's Neue als die vornehmste, am reichsten illustrirte Monatsschrift, die nicht nur den seither eingenommenen Rang unter allen ähnlichen Unternehmungen mit Bravour behauptet, sondern ihrem Ziele der Vervollkommnung mit Riesenschritten näher kommt. Das erste Heft (Preis 1 Mark) ist in jeder Sortiments- und Kolportage-Buchhandlung zur Ansicht zu erhalten, fr » * Fesselnde Bilder aus dem Offiziersleben entwirft der bekannte Militärschriststeller Hans Nagel von Brawe in dem neuesten (24.) Hefte der trefflichen Halbmonatsschrift KelS $ttm M-tr* (Stuttgart, Verlag der Union Deutsche Verlagsgesellfchaft. Preis deS Heftes 75 Psg.) unter dem Titel „Gesuchte und ungesuchte Commandos", in anregender Weise von der vielseitigen Verwendung deS Lieutenants plaudernd. Aus dem sonstigen reichen Inhalt deS Heftes erwähnen wir eine Plauderei über eine Dampferfahrt auf der Havel: „Von Berlin nach Potsdam," von Hugo Herold, mit Bildern von E. Thiel, ein interessantes Saisonbild „Am Strande von Boulogne s. M.," modernes französisches Badeleben schildernd, sowie die in der Rubrik „Aus deutschen Gauen" aufgenommenen „Bilder aus der Pfalz." Zu den trefflichen Romanen des Heftes gesellt sich eine humoristische Touristeunovelle „Flitterwochen im Gebirg" von I. V. Widmann, die gerade jetzt, wo die Schweizerreisen stattfinden, allseitiges Interesse erregen wird. Sehr fesselnd sind ferner die Beiträge im „Sammler", wo neben Porträts und anderen actuellen Bildern in der neu eingerichteten Rubrik „Die Carson" eine reich illustrirte Schilderung von Karsbad sich vorfindet. Ständchen. Ich steh' vor Deinem Fenster — Es weht so kühl der Wind. Dein Stübchen ist noch helle, Du betest wohl, mein Kind? O, ahntest Du, welch' Sehnen Mein Herz zu Dir erhebt. Wie mich Dein holdes Bildniß Bezaubernd stets umschwebt! Im Lied will ich Dir klagen, Was mir das Herz bewegt, Das treu in stiller Liebe Rur Dir entgegenschlägt. Noch einmal neig' herunter Dein liebliches Gesicht, Noch einmal laß mir leuchten Der blauen Augen Licht! Dann will im Traum ich fliegen Auf zu des Himmels Höh'n Und Gott zu Füßen legen Für Dich mein heißes Fleh'n. Redaetion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversttStS-Buch- und Cteindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.