m. 140 AevßLkß ömLtz.Novemher MmilisBlÄtsk »öKSKSI- UnterhalLungsblatt MM Gießener Anzeiger (General-Anzeiger) 'S’ UH Jo MKW Dichterfrühling. Histrrische Original-Novelle von Carl kassau. (Fortsetzung.) Wolfgang blickte in der Richtung aus und meinte: „Vielversprechend ! — Wenn die Bewohner des Ortes ebenso herzig sind, wie das Aussehen des Dörfleins, so werden wir einen ftohen Tag erleben I ' Weyland verbesserte: „Mehrere Tage, denke ich, denn Du wirst Dich dort, wo uns kein Pandectenstaub umwirbelt, wohl fühlen; Alles ist hier frische Natur!" „Mehrere Tage?" meinte Goethe. „Ist es nicht aufdringlich ? Doch wir werden sehen." Sie hatten das Dorf erreicht, stellten ihre Rosse im Stalle des Wirthshauses ein und schritten an der freundlichen Kirche vorbei dem altersgrauen zweistöckigen Pfarrhause zu, worin bereits Licht brannte. Beim Scheine desselben wurden die beiden Gäste durch da» Gebell eine» Haushundes angemeldet, worauf der Pfarrherr erschien, der nach Weylands Vorstellung beide Gäste kurz, aber herzlich willkommen hieß. Er führte den Besuch in die Wohnstube, wo um einen runden Tisch Georg, Sophie und Salomea mit Arbeiten beschäftigt saßen, während die Frau Pfarrer au» der Küche herbetetlte. Alle begrüßten die Gäste freundlich-zutraulich; Friederike, hieß es, weile noch bei einer kranken Nachbarin, werde sich aber bald einstellen. Inzwischen mußten Weyland und Wolfgang Platz nehmen. Während nun die Pfarrerüleute bei Weyland Umfrage nach der Familie hielten, konnte Wolfgang das gemüthlich, aber nicht allzuretch ausgestattete Wohnzimmer mustern, dessen Einrichtung einen feinen Sinn verrteth. Auf eine dessallstge Bemerkung Goethes erklärte Salomea, daß dieses ein Werk Friederikens sei, die sür dergleichen viel Chic besitze. Ueberhaupt war der Name des Mädchen« in dieser kurzen Frist so oft genannt worden, daß Wolfgang bald merkte, wie sie die Hauptperson de» Pfarrhauses sei. Inzwischen trug die Pfarrerin mit der größten Urbanität und resolut für die Hungrigen da» Abendessen auf und nöthigte den Besuch an de« Tisch. Hier verwickelte der Hausherr Goethe bald in ein anregendes Gespräch über Frankfurt, Leipzig und Straßburg, bei welchem natürlich dem redegewandten Wolfgang die Hauptrolle zufiel. Bereits fing man au, den Fremden bewundernd und mit wohlwollenden Blicken anzusehen und freute sich jetzt doppelt der seltenen Unterbrechung der ländliche« Monotonität, die den Bewohnern der Pfarrhauses bei Goethes glänzender Unterhaltungsgabe mehr al« sonst zum Bewußtsein kam: da trat Friederike ein. Sie war ein blondlockiges, schlankgewachsener Mädchen, über dessen ganzes Wesen die Fülle echt weiblicher Anmuth i« solchem Maße ausgegoffen war, daß dieses natürliche seelische Geschöpf als das lieblichste Frauenbild gelten durste, welches jemals den Boden der Pfarrei betreten. Ihre Erscheinung riß den für Frauenschönheit sehr empfänglichen Goethe sogleich zur Bewunderung hin, sodaß der Strom seiner Rede, welcher bis dahin wie ein murmelnder Waldbach am Theetisch dahingefloffen, plötzlich verstechte und einem bewunderungsvollen Schweigen und Anschauen Platz machte, daß Weyland sich sogar genöthigt sah, artige Worte zu machen, um das Schweigen des Freunde» weniger auffällig zu gestatten. Wolfgang lebte seit dem Augenblick, wo Friederike neben ihm am Tische Platz genommen und mit dem gesunden Appetit einer ungeschminkten Naturkinde» zulangte, ihrer zarten Son- stitution nach aber doch wenig aß, nur ausschließlich für da» holde Wesen an seiner Seite. Er reichte ihr die Theetaffe, er gab ihr da« Körbchen mit den Brodschnitten, er reichte ihr Butter und Auslage zu und erschöpfte sich in tausend Kleinigkeiten, bi» er allgemach wieder in den Strom des sprudelnden Witze« und geistreicher Rede einzulenken im Stande war. Friederike dagegen hing an seinem Munde und an seinen Augen, bi« ihr Strahl fle im innersten Herzen traf. Der lose Schalk Amor, der sich erst die Augen schelmisch verbindet, wenn sein Widerhakenpfeil bereits im Herzen sitzt, hatte hier leichtes Spiel, zwei Herzen für einander zu gewinnen, die sich unbewußt bereits gehört hatten Er fand sie bezaubernd, sie ihn bedeutend und sym- pathisch; jede» fand in dem andern sein alter ego und Platon- ergänzende Hälfte, welche jedem bei der Schöpfung verloren geht und erst im Kampfe mit dem Leben wiedergefunden wird. Aber auch di« Tischgesellschaft «ar mtMt; der gut« ä f j Pfarrer lobte die Belesenheit des Saftes, die Pfarrerin fand sein Herz brav, Salomea hob seine Galanterie als schmeichelhaft hervor, Georg und Sophie freuten fich seiner kindlichen Herablassung und Weyland ahnte nun, daß sich hier ein bedeutungsvolles Ereigniß anknüpfe, wobei er dem Herzensfreunde alles Gute wünschte. Es war ein köstlicher Herstabend und Friederike, der verzogene Liebling de« Hauses, schlug noch einen Spaziergang im Mondschein vor, welchem Vorschlag die ganze Tischgesellschaft sofort beitrat. Es versteht sich, daß Goethe Friederike galant den Arm bot, daß der Pfarrer die Gattin und Wey- land Cousine Salomea führte, wie auch, daß Georg und Sophie den Beschluß des Zuges machten, der sich durch die Dorfstraße forlbewegte. „Sehen Sie, Mademoiselle," tief Wolfgang entzückt aus, als man auf der Höhe vor dem Dorfe angekommen war, „wie wundervoll das helle Licht des Mondes alles ringsum übergießt! Es ist ein Anblick, den mir dis altersgrauen Dächer Straßburgs lange nicht gestattet haben! Ich fühle mich an Ihrer Seite in eine Zauberwelt versetzt!" Friederikens Stimme zitterte leise, als sie auf die vielsagende Anrede zurückgab: „Sie sind ein Schwärmer, der im Stande ist, alle Anderen mit fich fortzureißen! Sie wissen den alltäglichsten Dingen eine Seite abzugewinnen, die uns jene ganz neu erscheinen läßt! Wissen Sie auch, daß ich Sie für eine dichterische Natur halte?" Goethe blieb stehen. „Dank für dieses Wort, Mabemoi- selle; ich fühle wirklich so etwas von einem Dichter in mir! E« ist freilich noch Alles roh und im Werden, Sie aber haben mir plötzlich die Binde von den Augen gerissen." Ein sanfter Druck ihrer Hand antwortete ihm. Jndeß meinte Ehren-Brion: „Ein vortrefflicher junger Mann, liebe Frau!" „Wie findest Du unseren Gast, liebe Cousine?" sondirte indeß Wkyland seine Begleiterin. „Wie ich ihn finde?" entgegnete Salomes ernst. „Ec ist eine vulcanische Natur, die Alles mit sich fortreibt! Wenn Friederike ihm nur einst als Günstling de« Glückes genügen wird! Unstreitig haben sich die Beiden sofort einander zugeneigt; Schönheit und Reichthum hat ihm dar Glück in den Schooß geworfen; solche Leute sind oft wetterwendisch!" Aber Weyland nahm warm die Vertheidigung Wolfgangs auf und sagte: „Er ist mein bester Freund, Cousine, ein ungemein braver, grundgescheiter Bursche! Würde ich ihn sonst meinen lieben Verwandten zugeführt haben?" Salomea aber entgegnete gelassen: „Gewiß, gewiß; aber seine Meinung, Vetter, darf man doch frei äußern?" „Ja," erwiderte Weyland, „Offenheit ist Jeder dem An- dern, wenn auch mit freundlicher Schonung, jedenfalls schuldig!" „Wir werden ja später sehen!" meinte Salomea und wandelte sinnend weiter. „Der neue Freund unseres Hauses ist ein vorzüglicher Mensch!" lachte Georg. „Gr soll mir beim Griechischen helfen!" „Und mir soll er die interessantesten Bücher geben," fiel Sophie ein, „in Straßburg soll sich nämlich eine große Bibliothek befinden!" Man hatte den Rückweg angetreten; angesichts des altersgrauen, aber gemüthlichen Pfarrhauses nahm Friederike wieder das Wort: „Morgen werde ich Ihnen unfern einfachen, aber netten Garten und meinen Lieblingsplatz zeigen! Er befindet fich in dem kleinen Buchenwäldchm hinter dem Garten. Die Rachtigallen bauen dort im M; ich bi» neugierig, ob fix im Frühling nächsten Jahres auch wieder so zahlreich kommen f werden!" I < «. Wolfgang drückte ihre kleine Hand und entgegnete: „Ich t hoffe, der nächste Lenz soll ein himmlischer werden!" Sie stützte fich fester auf ihn. j Daheim rauchte der Hausherr noch feine Pfeife und er- i innerte durch Gähnen daran, daß es Zeit zum Schlafengehen - sei. Man nahm deshalb Abschied von einander und die Haus- \ Jrou leuchtete den Fremden auf dar gemeinsame Schlafgemach • im obersten Stockwerk hinauf. j Kaum hatte die Pfarrerin die Thür mit „Gute Nacht" hinter sich geschloffen, so stürzte Wolfgang auf Weyland zu, ■ legte ihm beide Hände auf tue Schultern und sagte erregt: „yerzensbruder, lieblich nanntest Du sie; sie ist mehr, sie ist das verkörperte Ideal von Frauenschönheit! Ich muß Dir tausendmal danken, daß Du mich zu ihr geführt!" Weyland lächelte über seinen Eifer und meinte: „Du übertreidst, Wolfgang; sie ist meine Base, ein Mädchen, er- trägltch schön und liebenswerrh, aber —* „Ach, Alltagsmensch, Prosaseele," unterbrach ihn Goethe rasch, „schäme Dich, von einem solchen Mädchen so banal sprechen zu können! Blaß ist jede Schilderung gegen dieser Mädchens Lieblichkeit! Fürwahr, ich müßte zum Lastträger und n cht zum Dichter geboren sein, wollte ich wie Du ihr alltäglich gegenüberstehen I" Weyland schüttete den Kopf. „Sollte uns der Schlaf nach dem ermüdenden Ritt nicht wohlthun, Freund? Deine Gesundheit ist nicht die festeste und der Ritt muß Dich an- gegriffen haben. Komm' schlafen!" Wolfgang hatte den Fensterflügel aufgestoßen und blickte in den Mondschein hinaus, indem er murmelte: „Wer denkt der Gesundheit, wenn die Seele seiner Seele vor einem steht? Schlafe, Ecdenwurm, mich aber laß in die lichten Höhen blicken, ihr Bild voll auszudenken. O, Friederike!" Er legte sich erst spät schlafen, als längst Alles im Hause still war und Weyland bereits im tiefen Schlummer lag. III. Frühling int Winter. ist verödet die Flur und Winterschnee decket die , Felder, Aber im Herzen erblüht lieblich der wonnigste Lenz. __ Es ist November und draußen toben Schneesturm und Ostwind. In Herders Zimmer aber ist es gemüthltch warm und im Kamin knistert noch das Feuer. An diesem hatte der Besitzer des Zimmers im Lehnstuhl P atz genommen, ihm gegenüber fitzt Goethe. Beide lesen den Ossian in der Ursprache. Plötzlich läßt Herder das Buch sinken, blickt Wolfgang durch die blaue Brille forschend an und sagt: „War ist mit Ihnen eigentlich vorgegangen, Freund Wolfgang ? Ihre siüge sind seit längerer Zeit vergeistigt, Ihre Leistungen sind seit Kurzem überraschende geworden! Sie scheinen einen neuen Menschen angezogen zu haben!" »Das könnte schon sein," lächelte Goethe hierauf, freund« lich antwortend, „wenigsten« fühle ich nuch so frisch und froh, ®i.e V°gel im Lenz! Zu anderen Zetten dagegen bin ich bedrückt und traurig!" „Das ist ja komisch!" bemerkte Herder nicht ohne einen Anflug von Spott. „Sind Sie etwa verliebt?" r^./'^icht!" gestand Wolfgang zu. „Ich weiß e« selbst mcht! Ich habe freilich kürzlich ein Mädchen kennen gelernt, gegen welches alle übrigen Frauenzimmer nur stygtsche Schatten find!" ™ »Oho, Freund Wolfgang!" „Wie ich sage!" „Dann sind Sie verliebt I Im Ernst, Wolfgang, hören Sie: Nur keine Liebelei in Ihren Jahren; das hemmt die gesunde Entwickelung des Geistes und verdirbt uns die Saniere I" »Ja, wer das stets bedenken könnte!" Die Pfarrerin nickte. „Aus guter Familie und ver- J mögend; er braucht auf keine große Aussteuer zu sehen!" Der Pfarrherr staunte über den Scharfblick seiner Gattin. ! „Meinst Du, liebe Freundin?" Frau Maria Magdalena lächelte überlegen. „Bester j Jacob, so etwas entgeht uns Frauen niemals! Hast Du nicht z bemerkt, wie entzückt er Friederike anstarrte? Das gute Ktnd, I diesen Goldfinken gönne ich ihr!" Der Psarrherr seufzte und setzte dann seinen Weg stille fort. 8L9 I. „Durch Feld und Wald zu schweifen, Mein Liedchen froh zu pfeifen, So geht's von Ort zu Ort! Und nach dem Taete reget Und nach dem Maß beweget Sich Alles an mir fort. Ich kann sie kaum erwarten, Die erste Blum' im Garten, Die erste Blüth' am Baum. Sie grüßen meine Lieder Und kommt der Winter wieder, Sing ich noch jenen Traum! Ich sing ihn in der Weite Auf Elses Läng' und Breite, Da blüht der Winter schön! Auch diese Blüthe schwindet Und meine Freude findet Sich auf bebauten Höh'n! Wenn dann ich Bei der Linde Die jungen Leute finde, Sogleich erreg' ich sie. Der stumpfe Bursche bläht sich, Das steife Mädchen dreht sich Nach meiner Melodie! Sie gibt den Sohlen Flügel Und treibt durch Thal und Hügel Den Liebling weit von Haus. Ihr lieben, holden Musen, Wann ruh' an eurem Busen Ich endlich wieder aus?" „Via Sunset Route.“ Eine Reise um die Welt. SBon Hamburg nach dem Stillen Ocean in 13 Tagen. Von Heinrich Lemcke. einem Koffer, der reichlich mit Sommer, und Wint rgarderobe sowie Wäsche versehen war, und einer Handtasche ausgerüstet, begab ich mich nach der Abschieds- Föte bet Pfordts am nächsten Morgen an Bord de» Dovvsl. schrauben.Schnelldampsers „Normannia" derH-mburg-Amenka- Lmte, der bei Cuxhaven am Ausgang der Elbe lag, wohm un» Passagiere ein Extrazug von Hamburg brachte. * lieber die Einrichtung, Pracht und Grobartigkeit der Schnelldampfer die er Linie Nähere» hier zu sagen, dürfte überflüssig sein, da ste weltberühmt sind. Auchdie Küche Lautes Bravorufen und Händeklatschen lohnte dem Dich, ter, Viele aber schrieen: „Aufschreiben, aufschreiben!" ^doch erhob sich und sagte: „Sie entschuldigen mich, diese Arbeitwird mir Herr Jung abnehmen, nicht wahr? Darf ich Ihnen die Strophen einbändigen?" Jung erwiderte: „Es ist mir eine Ehre, Herr Goethe!" Wolfgang nickte und eilte hinaus. Er nahm seinen Weg nach der Rodertsau, jenen von Lenötre eingerichteten Garien« anlagen, die, obwohl von Schnee bedeckt, doch dank der Für- sorge der Stadtverwaltung schöne Spaziergangstrecken auf. wiesen. Hier mäßigte der Spaziergänger da» Tempo seiner Schritte, zog die Brieftafel hervor und begann laut declamirend zu schreiben: „Ich denke Dein, wenn mir her Sonne Schimmer Vom Meere strahlt; Ich denke Dein, wenn sich de8 Mondes Flimmer In Quellen malt! Ich sehe Dich, wenn auf dem schmalen We«e Der Staub sich hebt, In tiefer Nacht, wenn auf dem fernen Steas Der Wand'rer bebt. Ich höre Dich, wenn dort im dumpfen Rauschen Die Welle steigt; Im stillen Haine geh' ich oft, zu lauschen, Wenn Alles schweigt! Ich bin bei Dir, Du seist auch noch so ferne Du bist mir nah! ' Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne. O, wärst Du da!" (Fortsetzung folgt.) »Zudem täuscht man sich oft über die wahre Siebe 1" selben"^ " Welche» sind denn die Kennzeichen der- Herder lächelte fein und fuhr dann fort: Man sank alle» bie Wiedergeburt der Seele" die über allen Erdenwust emporhebt und uns zum Ewigschönen und lÄTn eine Gotteskraft, welche uns zum Höchsten anspornt und un»Unglaubliche« dulden hilft' sie ist LL ft °ll-- Guten, da- Perpetuum Ls d» flüfleIkObSÖr.S?e S bie Gluth des Kamins und K.® m n 1 le‘ »3®' bM ist Liebe!" — Laut fuhr er mMf/^h°Den ro r wieder beginnen, mein Lieber? Ich möchte Ihnen nun gern den Schluß de» Vicars vorlesen!» Als'""Er leichthin. »Mir ist'« recht. Achtung also!" ?°^fung zu Ende, griff Goethe nach dem Hut. '^7 » mi$9e 66 Sbnen auch gut schmecken, mem Freund. Heute will ich noch fleißig repetiren denn ick muß on mein juristisches Examen denken!» ' „So plötzlich?" fragte Herder lachend. M Ä effi? äk Ä©ie Specht!" lachte Herder. „Auf Wiedersehen!" ging lächelnd und murmelte unterweg»: „Wenn WmZin bm-i” ”“*» r,e Keine S'““ betrat er da» Hau» der „Gorgonen", wie ein Wölb vom Pensionstische längst die Schwestern genannt speisten gegen zwei Dutzend Musensöhne an der ä e ^" ^haltung wogte hin und her und Stichwörter W”" W"“" ”»» P ötzltch tief ein Theologe Goethen, der die ganze Zeit über sinnend dagesessen, zu: „Nun, Dichter von Gotte» Gnaden, steht'»°damtt?" UnS "^lich schon ein Studentenlied; wie . f Hier bemächtigte sich der Livländer Lenz de» Worte» und 5.ies in die Stille hinein: „Laßt Goethe in Ruh, der ist ver- liebt und denkt nicht an Studentenlieder I Hat Apoll ihm denn allein die Leier gestimmt?" y v Da warf ihm Goethe einen strengen Blick zu, erhob sich dann und declamirte in vorzüglichster Weise: ~ (Nachdruck verboten.) , »Glückliche Reise um die Welt und auf frohe» Wieder, seh u nach drei Monaten hier in Hamburg!" so lautete der " b,en? weltbekannten Pfordte'schen Restaurant ^„^ihhaurmarkt in der prächtigen Hansestadt, inmitten von Freunden mir und meinem Vorhaben galt. In unserem Zeitalter de» Weltverkehrs ist das Reisen bereits eine Modesache geworden, und nicht nur den Reichen" sondern auch den mit weniger Glücksgütern gesegneten Menschen ist e» vergönnt, heutzutage gleichsam im Fluge um die Erde zu reifen und nach der vielgewanderten Odysseus Reise« prinzip: „Vieler Menschen Stätten zu schauen und ihre Sitten kennen zu lernen.» Spielt doch schon da» vielgerühmte und vielgelästerte Fahrrad im Weltreise-Verkehr die H/»vt. rolle, und wo der Fahrrädler aufhöct, ist noch immer der typische Parsocegänger da. Ich verzichtete sowohl auf Fahrrad als auf Dauerlauf und loste mir ein „Um bie Welt'-Reissbillet, das, beiläusia gesagt, für erste Klosse Dampfschiff, und Eisenbahnfahrt in. tl0^er ^^ölllgung auf den Dampfern, 2562 Mark 50 Pfennige kostete, bei dem europäischen Repräsentanten der South^n Pacific Company Herrn Rudolph Falck in Ham" ?ur bmdungen zwischen dem Occident und Orient, und nickt weniger als vier verschiedene Welt-Rundreisen hat sie in ihrem Programm. * ' - 8SV - ü« Bord eines solchen Dampfers wird von keinem Hotel ersten R nge« übertroffen In der Schnelligkeit sind diese Dampfer ohne Rivalen; ste machen die Fahrt von Hamburg nach New-Aork in 7*/, Tagen, und wenn man am Donners« tag Nachmulag von Hamburg abfägtt, darf man verstchert fein, daß man am Freitag Morgen der nächsten Woche schon in New-Jork gelandet worden. Der Führer unsere« Schnelldampfer», Capitän Barends, ist einer der tüchtigsten und erprobtesten Sch>ffscupitäne der deutschen Handels-Marine. Auf seinem Schiffe fühlt man sich so sicher geborgen wie in Abrahams Schvvß. Pünktlich zur festgesetzten Stunde setzte stch unser Koloß in Bewegung. Noch einmal die letzten Grüße an die L eben in der Hetmath — ein Wmken mit der Hand, eine Thräne im Auge, dem heimathlichen Boden des deutschen Vaterlandes gewecht — und Cuxhaven war außer Sicht, für immer verschwunden. Nach einer etwa» stürmischen Oceanfahrt landete die «Normannia" acht Tage darauf Morgens in Hoboken, New- Jork gegenüber. An demselben Tage, bei kühlem Oetoberwetter verließ ich New-Jork und fuhr mit der Eisenbahn nach New-Oclean» am Golf von Mexiko. Während in der Umgebung ’SUm« Jork» die Natur sich bereit» auf ihren Winterschlaf vorbereitete und Feld und Wald kahl und öde erschienen, änderte sich dieses Bild, je näher wir dem Süden kamen. New-Orleans ist unstreitig die Hauptstadt und der wichtigste Hafen de» großen, südöstlichen Thetle» des amerikanischen Kontinente», welcher vor dem Sclavenkrisge 1861 bi» 1865 die Südstaaten umfaßte. Der sonnige Süden, das Land des -immerwährenden Sommer», das Land der Drangen, der Baumwolle, des Reis und Zuckerrohrs, ringsum New-Orleans finden wir ihn. Die Stadt selbst mit ihrer gemischten Bevölkerung, als: Franzosen, Italiener, Spanier, Creolen, Mulatten, Schwarze, Mexikaner, Indianer, Iankees und Deutsche, ihrem Handel und Verkehr und ihrem hochinteressanten Hafenleben gewährt ein eigenthümlich reizvolles Schauspiel. In New-Orleans bestiegen wir den „Sunset Limited“- Schnellzug, der uns in 77 Stunden nach dem goldenen Thore (Golden Gade) am Stillen Ocean bringen sollte und die Staaten und Territorien Louisiana, Texas, New-Mexico, Arizona und (Kalifornien durchquert. Man muß es den Amerikanern lassen, ste verstehen e» wie keine andere Nation, das Eisenbahnretsen nicht nur äußerst bequem, sondern auch ungemein anregend zu machen. Eine Eisenbahn-Companie überbietet die andere in Bezug auf luxur'öie Ausstattung, Bequemlichkeiten und Schnelligkeit ihrer Perionen-Schnellzüge, wobei die Geldfrage gar nicht in Betracht zu kommen scheint. — „Royl Blue Flyer,“ * State Empire Express,“ „Cannon Ball,“ „Western Empire,“ „Crescent Flyer“ u. s. w., das find einige der stolzesten Eigennamen, welche die verschiedenen amerikanischen Eisenbohngesellschaften ihren Luxus-Schnellzügen beilegen. So ist denn auch unser „Sunset Limited“ ein Luxus- Zug sonder Gleichen. Derselbe bestand au» einem Pullman- Composition»-Buffetwagen, Rauch-, Barbier-, Bade-, Restau- rat'on»-, und Bibliothek-Zimmer enthaltend, zwei Pullman- Schlafwagen, sämmtlch neuesten Style», mit wahrhaft fürstlicher Pracht ausgestattet und durch ein Vestibüle mit einander verbunden, einem Gepäck- und Postwagen und einer Riesen- Schnellzugs-Locomottve. 1 Die Speisen in dem Restaurant de» Zuges, zu cioilen Preisen a la carte serviert, ließen Nichts zu wünschen übrig, sührte doch die „bill of fare“ alle Deltcateffen der Saison; und auch an guten preiswürdigen Getränken fehlte es keineswegs.^ Sogar Kupferberg-Gold-Sect und Münchener Pschorr« bräu in Flaschen, war vorhanden. Eine genügende Anzahl von Wärtern und Kellnern, Barbier, ja, ein Stenograph und I Typewriter sorgten für die sonstigen Bedürfnisse der Kahrgäste. Ab New-Orleans passirten wir zunächst die große« Sumpf-Ländereien der Misst'sippt-Mündung, dabei den mächtigen Bayon-District kreuzend, allwo die eigentliche Heimath der Alligatoren, Schildkröten, tödtlichen Schlangen und Sumpfvögel mannigfacher Art ist. Dazwischen Reis-, Zucker und Baumwolle-Plantagen mit ihren stolzen Herrenhaus-Besitzungen, den stummen Zeugen einstmaliger Sclaven-Herrschaft. Dann folgen Waldungen von Cypressen, Lebenseichen, Magnolien und anderen Baumarten, durch die der Sabine-Fluß seine trägen Fluchen wälzt. Mit Entzücken ruht da» Auge auf den aufstrebenden Bäumen, zwilchen denen Schlingpflanzen ihre schwebenden Guirlanden mit dm nickenden Blüthrn flechten. Mit festumklammernden Armen steigen sie höher und höher, ihrem stützenden Pfleger allmählich da» Leben entziehend; morsch und trocken werden des Baumriesen Aeste, lange, graue Moosbärte hängen an ihm herab, bis er endlich niederstürzt, andere Bäume im Fallen mit sich reißend. Doch neues Leben bildet stch in dem modernden Stamm — Orchideen schmücken ihn mit zarten Blüthen, Schmarotzerpilze sprossen ans der Rinde hervor. Einige der letzteren, leuchtend roth und länglich rund, haben fast die Form menschlicher Ohren, andere gleichen fleischigen Tulpen und seltsamen Muscheln. Glänzende Lorbeerbäume und zierliche Mycthen- gebüsche wachsen neben dem baumartigen Farnkraut mit seinen schön gezackten Blätterwedeln. Ab und zu huscht surrend ein farbenprächtiger Kolibri vorüber, flattert einer der herrlichen lichtblauen Schmetterlinge von Blume zu Blume. Von der Station New-Iberia ist e» nicht weit nach Orange-Island, allwo R>p van Winkle die Lebensquelle gefunden haben soll, die einst Ponce de Leon, der den kühnen Columbus auf dessen zweiter Weltentdeckungs-Reife begleitet, in Florida, dem Blumenlande, vergeblich gesucht. Es folgt die Stadt Houston in Texas, in deren Nähe unser Zug den Brazos-Rioer kreuzt. Dann geht es inmitten von Zuckerrohr- und Baumwolle-Plantagen, sowie Rindvieh« Ranches, der Heimath der texanischen Cowboys, nach San Antonio, einer lebhaften, auch von vielen Deutschen bewohnten Handels- und Industrie-Stadt im südwestlichen Texas. Am nächsten Morgen erblicken wir ein Wüsten-Panorama inmitten von Gebirgszügen. Kakteen und Wüsten-Palmen bilden hier die einzige Vegetation. Von Houston, nur wenige Fuß über der Mcereshöhe gelegen, bi» nach Paisano-Paß steigt die Bahn 5180 Fuß, um bann durch New-Mexico und Arizona durchschnittlich 4000 Fuß über dem Meere» spiegel zu bleiben. Bei Alazan to Spofforb ist der „Gateway“ (Thorweg) nach Mexico. Hier spricht Alle« nur spanisch. Der mächtige Rio Grande-Fluß ist uns zur Seite und den Devils River passiren wir fiebzehnmal. Die Gebirgsscenerie ist von wunderbarer Schönheit. Antilopen-Heerden und zahlreiche Prairie-Hunde erblicken wir vom Wagenfenster au», lieber den Pecos-River führt uns eine eiferne Brücke, die zweithöchste in der Welt. D-efe Brücke bat eine Höhe von 321 Fuß über dem River. Sie ist 2180 Fuß lang und besitzt ein Gesammtgewicht von 200 Millionen Ton» Eisen. Wir kommen nun in den Bereich des Grand Canyon mit großartigen Sandstein-Wällen voller Grotten unb Höhlen. Auf den Wafferstationen ber Sunset-Route muß ba» Wasser durch artesische Brunnen 1500 Fuß tief gehoben werden. Die Pasiano und Sierra Bianca Mountain» kommen in Sicht. Die Gebirgsstadt Malone passirt unser Zug fünfmal nacheinander, immer höher in Hufeifen-Curven die Berge empor« klimmend. Nun folgt El P.fo, an der Grenzscheibe von Texas, New-M.xico unb M.x co gelegen, von wo eine Elsen« bahn-Veibindung mit Mexico unterhalten wird. Die International Mexican Railway zweigt in Spofforb, Texas, mit ber Sunset-Route nach Durango unb ber Hauptstadt Mexico ab. (Schluß folgt.) Partien: A. «chryd«, — Druck irnb V-rlaZ der Vrühl'schm Untre,fiNkir^vuch- UN» Vtcindrnckerei (Pietsch ch «chei, d«) in Rtn,