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Er «®- Segen noch ein r des armen W;i ad zu beißen hat vom Herrn hübsch, mein 6* m so frühzeitig d-' chetzdch to smsiiskNäkisi' WMM 8 - TI i te /.g -;r-vT. WVWWA MW W??ZMKM UntrrhaUungsdlatt jum Meßrnrr Adriger (Griieral-An?eiger). Unebenbürtig. Roman von H. von Ziegler. (Nachdruck verboten.) Ueber dem Wald lag dumpfe Gewitterschwüle, bleigrau, hochgethürmt stieg eine Wolkenwand im Westen empor, fahle Blitze zuckten au» derselben hervor, dumpf grollte ferner Donner auf, und tief am Boden flogen und huschten die Schwalben, «ährend in den Aesten und Zweigen der Bäume ein leises Rauschen sich hören ließ. Droben am Walde hielten drei Reiter, zwei Damen und ein Herr, denen in einiger Entfernung ein gleichfalls berittener Reitknecht folgte. Sie schienen das aufsteigende Unwetter nicht so gefährlich zu finden, denn sie machten durchaus keine Anstalten, umzukehren, sondern plauderten völlig ruhig mit» einander. Der Herr und die etwa» jüngere der Damen 6e< saßen bei aller Verschiedenheit, denn sie war blond und er brünett, doch solch' unleugbare Aehnlichkeit, daß man sie jederzeit für Geschwister erkannt hätte; ja, e» waren sogar Zwillinge und soeben erst zwanzig Jahre alt geworden. Beide waren schlank gewachsen und da» junge Mädchen von auf» fallender Schönheit, während der Bruder ebenfalls sehr hübsch war, aber heute sehr finster aussah. Die andere Dame hatte reiche», röthltche» Haar und schöne, tiefblaue, aber kokette Augen, die nur für ihren getreuen Begleiter da zu sein schienen. Er wich nicht von ihrer Seite, sein bewundernder Back flog über die anmuthige Gestalt im dunkelrothen Reit» gewande, welche» an der Brust mit einem Jasminbouquet geschmückt war, über die schmale Hand, die so graciö» mit der Reitgerte spielte. Da leuchtete grell ein Blitz auf, stärker grollte der Donner und die blonde Dame sagte beunruhigt: „Aber Rudolf, e» ist hohe Zeit, heimzukehren, da« Gewitter zieht doch herauf und Mama ängstigt sich, wenn wir während des Unwetter» unterwegs sind." ... "Deine Mama ängstigt sich!" sagte die rothhaarige Dame übermüthig. „O,Therese, welch' eine pflichtgetreue Tochter Du bist, Gräfin Wildenstein, Deine Mama, hat ja noch ihren Gatten, um bei ihm Schutz vor dem Gewitter zu suchen, wenn Ihr fern seid. Oder müßt Ihr beim ersten Donnerschlag gleich umkehren?" „Sobald e» in meiner Macht steht, liebe Melanie, thue- ich er, denn die Mama ängstigt sich sonst unnöthig ab und ich habe Mitleid mit ihren erregten Nerven." „O, Graf Rudolf, so bleiben Sie mit mir im Walde während des Gewitters; Ihre Schwester kann sich vom Reitknecht Heimbegleiten lassen, denn ich hab' mir'» nun einmal in den Kopf gefetzt, solchem Naturschauspiel beizuwohnen; er muß so erhaben und majestätisch fein." Graf Rudolf Wildenstein wandte sich an seine Schwester und sagte überredend: „Bleibe nur, Therese, denn Fräulein von Roden» Wunsch müssen wir heute schon nachkommen. Auch ist e» nicht möglich, da» Schloß vor Ausbruch des Gewitter» noch zu erreichen. Dasselbe zieht rasch näher." Wieder leuchtete ein Blitz auf, ein furchtbarer Donner- schlaz folgte und das vor einigen Augenblicken noch so muthige Fräulein Melanie von Roden stieß einen Schreckensruf au«, so daß ihr Pferd scheu ward und wiehernd in die Luft stieg; mit geübter Hand zog Graf Rudolf die Zügel an und riß da« Thier wieder auf die Füße. E« stand vald am ganzen Leibe zitternd still, dar schöne, rothhaarige Mädchen aber umklammerte mit beiden Händen die Zügel. Alle Farbe war aus ihrem Antlitz gewichen und sie stammelte athemlos: „Graf Wildenstein, bleiben Sie bei mir und verlassen Sie mich nicht! — Ich fürchte mich doch vor — dem Gewitter." „Nehmen Sie die Zügel ganz fest, gnädiges Fräulein," beschwichtigte sie der junge Mann, dem dies liebliche Gesichtchen in seiner ganzen Angst noch viel reizvoller erschien, al« vorhin im tändelnden Uebermuth, „ich bleibe dicht an Ihrer Seite. Wir werden in der Bergschänke einkehren, um da» Wetter abzuwarten. Therese, komm', wir reiten nach der Bergschänke." Die junge Gräfin nickte zustimmend. Sie sah wunderschön, vornehm und unnahbar au« in dem schwarzen Reitkleide und dem halbhohen Hütchen auf den schimmernden, blonden Flechten; elegant und ruhig lenkte sie ihr Pferd, da» ebenfalls ziemlich erregt wurde durch das schon nahe Gewitter, doch sie selbst blieb still. Eine „Tochter der Wildenstein", wie sie sich gern nannte, wußte nicht, wa» Furcht war, besonder» nicht vor Elementargewalten. 8« Gedanken versunken, ritt sie hinter dem Bruder und der Freundin drein. Sie achtete kaum de» stärker werdenden Sturme» und der fallenden Tropfe«, ihre Seele beschäftigte sich mit diesen beiden Personen und immer klarer, zweifelloser trat eine Gewißheit vor sie hin: Melanie wollte ihren Bru- der erobern — und ihre Chancen standen nicht schlecht. „Rudolf," flüsterte Gräfin Therese lautlos in den Sturm hinein, „liebt sie Dich auch, liebst Du sie, wie Hohenthal mich liebt. Nur dann kannst Du fie zu Deiner Braut machen, sonst wirst Du unglücklich. Ich weiß nicht einmal, ob sie Dich oder den Grafentitel in Dir wählt. Ich fürchte —" Seufzend hielt fie in ihren Gedanken inne, denn man hielt an der Bergschänke, und gerade in dem Augenblick, als der Graf Rudolf Fräulein von Roden au» dem Sattel hob, zuckte ein greller Blitz vom Himmel, krachte ein so furchtbarer Donnerschlag, daß diese wie außer sich aufkreischte und ihr Köpfchen an seiner Schulter verbarg. Aber ihr Pferd, das keine Hand am Zügel fühlte, bäumte von Neuem wild auf und stob davon, die Landstraße entlang; der Reitknecht, selbst noch in dem Sattel, hielt des Grafen.Pferd und konnte durch« aus nicht fort. Die Situation war höchst fatal, zudem strömte der Regen jetzt stärker, der Wind sauste mit voller Gewalt, es war hohe Zeit, unter ein schützende» Dach zu kommen. An dem höflich sein Käppchen lüftenden Wirthe vorüber trug Graf Wilden« stein seine schöne Bürde in's Gastzimmer- Niemand sah, wie seine Lippen secundenlang das röthlich flimmernde Haar be« rührten, wie sie murmelten: „Melanie, Du Süße, Schöne! Ich will mich und Dich prüfen, ob unsere Liebe echt ist — und bann —" Der Reitknecht hatte einem herbeteilenden Fuhrmann indeßzdes Grafen Pferd zum Hatten gegeben und sich sodann beeilt, seiner jungen Herrin au» dem Sattel zu helfen; die Schleppe über den Arm schlagend, trat Therese gleich darauf ebenfalls in'» Zimmer. Rudolf richtete sich in die Höhe, Melanies Thränen versiegten und sie flüsterte mühsam: „O, ich danke Ihnen, Herr Graf! Ich bin solch' ein Hasenfuß beim Gewitter, schelten Sie mich nur tüchtig au«." „Weshalb aber wolltest Du denn vorhin nicht nach Hause?" frug Therese etwas scharf. „Du bekamst ja eine »ähre Passion, mit Rudolf in's Wetter hinein zu reiten." „Und mein Pferd, mein hübscher Brauner?' Melanie» Blick ruhte mit meisterhaft gespielter Unruhe auf dem vor ihr stehenden jungen Manne, al» sie frug: „Graf Rudolf, ist da» Pferd denn wirklich fortgerannt?" „Darum ängstigen Sie sich nicht, Fräulein, es läuft wahrscheinlich geraden Weg» in den Wildensteiner Stall, wie e» schon früher mitunter that. Aber wie fühlen Sie sich? Darf ich eine Erfrischung bestellen?" Therese hatte ihren Hut abgenommen und strich mit- dem Taschentuch die Regentropfen au» dem Gesicht, so daß ihr der kokette Blick Melanie» entging und sie nur die schmachtenden Worte vernahm: „Ach ja, Herr Graf, ich wäre Ihnen unendlich dankbar für eine Taffe Kaffee." Rudolf ging sogleich, kaum aber hatte sich die Thür hinter ihm zugeschlosten, al» Therese, an*» Fenster eilend, ausries: „Ach, Dein Pferd, Melanie, ein fremder Herr bringt es zurück, ein vornehmer Fremder. Wer kann e» fein?" Vor der Thür der Bergschänke hielt der Unbekannte still. Graf Rudolf, der Wirth und der Reitknecht waren sogleich bei der Hand, ihm das edle Thier abzunehmen und Ersterer rief verbindlich: „Ich bin Ihnen, mein Herr. Dank schuldig für da» Wiederbringen dieser Flüchtling». Aber Sie find völlig durchnäßt. Wollen Sie nicht eintreten ?" „Im Gewitterregen wird man naß," lächelte der Fremde, den triefenden Hut abnehmend, „doch ist e» mir ein großer Vorzug gewesen, Ihnen dienen zu können- Heda, Herr Wirth, eine Tasse Kaffee!" „Aber die Damen find im Gastzimmer," meinte der Wirth bedenklich und sogleich trat der unbekannte Ankömmling zurück. „O, Verzeihung, dann will ich nicht stören/, haben Ä nicht irgend ein andere» Local?" „Aber ich bitte Sie, mein Herr, treten Sie nur ein/ sagte Graf Wildenstein; „meine Damen sind ebenso verregnet- wir müssen unser Leid gemeinsam tragen. Also vorwärts Herr Wirth, bringen Sie rasch Kaffee. Zuvor jedoch möchte ich, mein Herr, mir erlauben, mich Ihnen vorzustellen: Gras Wildenstein." „Mein Name ist: zur Stetten," sagte der Fremde und verneigte sich verbindlich, „ich bin zum Besuch bei einem Universitätsfreunde in der Nähe." „Jetzt haben wir uns wie zwei civilisirte Europäer vor. gestellt und ich werde Sie nun mit meiner Schwester und deren Freundin Fräulein von Roden bekannt machen, damit wir unser Zusammentreffen beim Kaffee feiern können." Herr zur Stetten war ein hochgewachsener, schöner Mann, ungefähr dreißig Jahre alt, mit starkem, blondem Vollbar! und dunklen, ernsten Augen; e» war so recht eine Erscheinung, die bei den Damen Eindruck hervorbringen mußte. Fräulein von Roden neigte bei seiner ehrerbietigen Ver* beugung nur flüchtig, fast hochmüthig den Kopf, bann wandte sie ihre volle Aufmerksamkeit wieder dem Grafen zu, während Therese mit Herrn zur Stetten freundlich eine Unterhaltung mit den Worten begann: „Sie waren, wie ich höre, so gütig, da» scheue Pferd einzufangen?" „Ich hatte den Vorzug, meine gnädige Gräfin. Zufällig war ich auf einem Spaziergange begriffen und wollte gleichfalls in der Bergschänke ein Unterkommen gegen da» Weiim suchen, al» ich dem Flüchtling begegnete." „Die Thiere sind beim Gewitter so furchtsam." „Wie manche Menschen auch," neckte Graf Rudolf und Melanie erröthete lachend. Der Kaffee kam, die Herren hielten da» Gespräch animirt, so daß man kaum mehr auf da» Wetter achtete, bi» endlich der Reitknecht eintrat mit der Frage, ob er die Pferde nach dem Schloß führen solle oder ob die Herrschaften wünschte« heimzureiten. „Ich will lieber gehen," meinte die übermütige Melanit, doch ein mahnender Blick Theresen» streifte sie. „Ich denke, wir reiten doch lieber," bemerkte die letzte« sehr ernst, „vielleicht begleiten Sie uns noch ein Stückchen, Herr zur Stetten?" „Sehr gern, Comteß, es wird mir eine große Freude und Ehre fein!" „Aber ich muß beim Satteln meine» Braunen dabei fein," rief Melanie übermütig und schnellte von ihrem Stuhl empor, „es war vorhin nicht Alle» in Ordnung." Und fort eilte sie, gefolgt von Rudolf, während die junge Gräfin mit dem Herrn zur Stetten sitzen blieb- Er war eine intereffante Erscheinung mit tiefem, klangvollem Organ und da» junge Mädchen fühlte sich seltsam davon an* gezogen- Er sprach gut und ruhig, ohne seine Ansichten auf drängen zu wollen, aber sein Auge feffelte sie, e» schien ihr, als kenne sie ihn bereit» seit langer Zeit- „Und Sie sind nicht in dieser Gegend zu Hause ?" fragte fie, träumerisch die Blumen zerpflückend, die Melanie bei Seite geworfen. „Nein, gnädige Gräfin. Meine Heimath liegt an de« Küsten der Nordsee, aber ich bin ein ruheloser Wandervogel geworden, den da» Leben bald hierhin, bald dorthin wirst-" „Aber die Welt ist rund, man findet stet» wieder Aw tnüpfungen, wohin man auch immer kommt." „Sie mögen Recht haben — aber auch stets jene chinesisch Mauer, welche die verschiedenen Gesellschaftsklaffen trennt." „Aber wie könnten Sie unter derselben leiden? Dir Bildung ist der Zauberstab, der jene Mauer niederreißt." „Nicht immer, doch lasten wir da» Thema ruhen- Sir stehen solchem Streite fern und sollen es auch bleiben. Sir gehören einem alten Adelsgeschlechte an?" „Ja, wir find ein uraltes Geschlecht; der erste Wildem Reiner zog mit Gottfried von Bouillon in'» gelobte Land, ’ entgegnete die junge Gräfin. „Und auf den g einem eben «Ich Schatten । besten Ma säzliche Li hinan." „Und „Her' »Jnd auch Recht Ihren Au mern, roel „Bar gut und e lieb hätte. Zur Mädchen, aber er ft lich began wnnderschi reit» vor »In, fröhlich w de» Wild! „So diesen Na „Da ein ebensc »Ah beide nad meine, Jh »Wi schelmisch ab, denn bewunderr Bewegung »Ich war'«, a „denn me und täusi „Äö „Si Sie mir „Nei In Hand uni Fürstin, i »Si Fräulein gefallsüchl Regiment ein Mani und Reich sie heute legte» Äl „Sr mag etw Auge ist Im von der und offen r »Nr ohne zur „Ich wä noch hät „Si bemerkte anderer ' »H° Dank sü een'; habt« Ä Sie nur ein,’ benso nerreqnet; Also vorwärts, or jedoch möchte rzustellen: Graf »er Fremde und »such bei einem e Europäer vor, Schwester und : machen, damit n können." c, schöner Mann, blondem Vollbar! eine Erscheinung, nutzte. jrerbietigen Ver* »f, dann wandte fen zu, während ne Unterhaltung ) höre, so gütig, Gräfin. Zufällig nd wollte gleich- egen da» Sßetex chtsam." ras Rudolf und öespräch animirt, tete, bi» endlich die Pferde nach aften wünschte« müthige Melanit, le. nerkte die letztere h ein Stückchen, ite große Freude Braunen dabei von ihrem Stuhl ung." [f, während die fitzen blieb. Er fem, klangvollem ltsam davon an* ne Ansichten auf sie, e» schien ihr, l Hause?" fragte >ie Melanie bei th liegt an de» fer Wandervogel i dorthin wirft." siet» wieder Aw II >ts jene chinesische lassen trennt." ien leiden? Die niederreißt." ma ruhen- Sle tch bleiben. Sie »er erste Wilden* \ gelobte Land," - Ul „iinb seine jüngste Sprosst«," lächelnd wie» zur Stetten auf den goldenen Ring an Theresen» Finger, „wird gewiß einem ebenbürtigen Edelmann die kleine Hand reichen! Ich bin verlobt." Bestätigend neigte sie ihr Haupt, ein Schatten glitt über ihre Stirn. „Verlobt mit dem edelsten, besten Manne, der hienieden athmet, ich verdiene seine unsägliche Liebe nicht, ich reiche kaum an seine Vortrefflichkeit hinan." , „ „Und Sie lieben ihn?" „Herr zur Stetten, diese Frage ist — „Jndiscret, wollen Sie sagen, Gräfin, und Sie haben auch Recht, doch ich bin Psychologe und suche vergeben« in Ihren Augen nach jenem wunderbaren Leuchten und Schim- mein, welche« der Liebe eigen sein soll." „Baron Eduard von Hohenthal, mein Verlobter, ist so gut und edel, daß ich undankbar wäre, wenn ich ihn nicht lieb hätte." Zur Stetten« Blick hing an dem schönen, erröthenden Mädchen, e« war, al« vermöge er ihr tief in'« Herz zu schauen, aber er fragte nicht weiter, er schwieg eine Weile, und endlich begann er von Neuem: „Ihr väterliche« Schloß liegt in wunderschöner Gegend, gnädigste Gräfin; man zeigte mir bereit« vor einigen Tagen Wildenstein." „Ja, e« ist schön droben bei uns," lächelte Therese, fröhlich wie ein Kind, „und ich bin stolz darauf, eine Tochter de« Wildensteiner Schlöffe« zu sein." „So stolz, daß Sie gewiß nie daran denken würden, diesen Namen mit einem — weniger edeln zu vertauschen!" „Da« brauche ich auch nicht, der Name Hohenthal ist ein ebenso guter." „Ah, ich vergaß die« zu beachten. So werden Sie beide nach den Traditionen der Familien heirathen, denn ich meine, Ihr Herr Bruder hat auch bereit« gewählt." „Wie gefährlich doch solch ein Psychologe sein kann," schelmisch lächelnd blickte Therese auf, doch verwirrt brach sie ab, denn da« Auge de« stattlichen Manne« ruhte so aufrichtig bewundernd an ihrem Antlitz, daß sie eine ärgerliche innere Bewegung fühlte. „Ich bin froh darüber," antwortete er endlich und ihr war'«, als klänge ein leiser Seufzer au« seiner Stimme, „denn mein psychologische« Talent bereitet mir manchen Genuß und täuscht mich selten." „Können Sie auch Fräulein von Roden beurteilen?" „Sie find befreundet mit der Dame, Gräfin, so erlassen Sie mir noch ein Urtheil." „Nein, sondern ich bitte Sie darum." In einem plötzlichen Impuls bot sie ihm ihre schlanke Hand und er nahm sie, ehrfurchtsvoll, als fei es die einer Fürstin, um sie an seine Lippen zu ziehen. „Sie befehlen, Gräfin Wildenstein, und ich gehorche. Fräulein von Roden ist nach meiner Beurtheilung eine — gefallsüchtige, egoistische Natur, deren Herz ganz unter dem Regiment de« Verstandes steht. Ich meine, wenn eines Tages ein Mann in ihren Gesichtskreis tritt, dessen Rang, Name und Retchthum ihr besser paßt, so wird sie denjenigen, welchen sie heute an sich zu fesseln sucht, fallen lassen, wie ein abgelegte« Kleidungsstück." „Sie urtheilen sehr scharf, Herr zur Stetten, und doch mag etwa« Wahre« in Ihren Worten legen. Melanie'« Auge ist kalt und selbstsüchtig." Im selben Moment öffnete sich die Thür und diejenige, von der soeben die Rede gewesen, trat ein, lachend, erhitzt und offenbar sehr vergnügt. „Nun können wir abreiten, liebe Therese," rief Melanie, ohne zur Stetten zu beachten, welcher sehr ernst sich erhob. „Ich wäre gleich aufgeseffen, wenn ich nicht meinen Hut noch hätte abholen müssen." „So darf ich mich den Herrschaften bereit« hier empfehlen," bemerkte zur Stetten ruhig, „denn mein Weg führt nach anderer Richtung." „Haben Sie, mein Herr, also nochmals verbindlichen Dank für Ihrs Hilfe von vorhin," sagte toim Abschiede Graf Rudolf, ihm herzlich die Hand schüttelnd, „ohne Sie wäre vielleicht da« werthvollste Reitpferd in dem Wetter irre gelaufen und krank geworden, damit find wir sehr in Ihrer Schuld." „Wir Damen schließen uns aufrichtig diesem Danke an," fiel Therese lebhaft ein und bot gleichfalls zur Stetten die Hand, „hoffentlich ist die« nicht das letzte Mal, daß wir uns begegnen —" „Ich muß schon morgen abreisen, gnädigste Gräfin," gab er zurück und küßte ehrerbietig die schlanken Finger, wozu Melanie'« Lippen sich spöttffch kräuselten, „vielleicht — habe ich die Ehre, Sie im Winter in der Residenz zu sehen." „Kommen Sie, Graf," rief Fräulein von Roden ungeduldig, „helfen Sie mir in den Sattel, der Abschied dauert mir zu lange." Und ohne zur Stetten auch nur eine« Blicke« zu würdigen, eilte sie an ihm vorüber, zur Thür hinaus. Therese bemerkte fein Erbleichen und sagte deshalb mit doppelter Freundlichkeit: „Nun denn, auf Wiedersehen." „Nein, gnädigste Gräfin, für uns wird es kein Wiedersehen mehr geben," gab er finster zurück und schritt an ihrer Seite vor'« Hau«, „wer weiß, ob Sie einverstanden sein würden, mich, wenn Sie mich Wiedersehen, wiederzukennen, denken Sie an die chinesische Mauer." „Und dennoch sage ich auf Wiedersehen, Herr zur Stetten. Wo e« auch immer sei, ich werde mich stets freuen, einen Bekannten wieder zu begrüßen. Leben Sie wohl für heute." Er trat bescheiden zurück, für fein Leben gern hätte er das schöne Mädchen in den Sattel gehoben, aber er wagte es nicht; er zog ehrerbietig den Hut: als die kleine Cavalcade davonritt und blieb gedankenvoll stehen, bis auch der letzte Schimmer von Theresens schwarzem Reitkleid verschwunden war. Dann athmete er tief auf und schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn: „Thor, der ich bin, so tief in diese blauen Mädchenaugen zu schauen, aber sie ist ja eine hochgeborene Gräfin -*• und eines anderen Braut!" Die Sonne sank im Westen, es schien auf einmal so düster und öde rings um den einsamen Wanderer; er sah nicht die tausend flimmernden Brillanten ringsum auf Zweigen und Gräsern, hörte nicht den Jubelgesang der Vöglein aus den Baumkronen, nur eine Stimme klang ihm fort und fort an'« Ohr: „ich werde mich stet» freuen, einen Bekannten wiederzusehen."-- „Nun, Therese," rief Melanie Übermütig, al« die drei Reiter dahinsprengten, „Du hast ja ganz gefährlich mit diesem fremden Herrn kokettirt. Wenn da« Hohenthal gesehen hätte." „Liebe Malanie," gab die Comteß ziemlich kühl zurück, „Du weißt, es ist keineswegs meine Art, zu koketttren und im übrigen wollte ich nur Dein unverbindliche« Benehmen diesem Herr» gegenüber wieder gut machen." Eine scharfe, schnippische Antwort schwebte bereit« auf Fräulein von Roden'« Lippen, doch sie bezwang sich mit einem Blick auf Graf Rudolf; ihm wollte sie doch nicht mißfallen, deshalb überwand sie sich, was sonst nicht ihr« Art war. „Und nun vorwärts, meine Damen," mahnte der junge Mann, das Gespräch ablenkend, „wir müssen uns eilen, heim- zukommen, sonst ängstigt sich Mama noch mehr." Sie flogen dahin durch den schattigen Wald. Therese schwieg, aber ihre Brust hob und senkte sich rascher und hätte jetzt zur Stetten'« psychologischer Scharfblick ihr Auge beobachtet, er hätte darin ein Flimmern und Leuchten gesehen wie noch nie zuvor. Al» der Wildenstein hoch und zackig vor ihr emporstieg, seufzte sie gepreßt; e« schien ihr, als seien Jahre darüber hingegangen, als sei sie eine andere geworden, seit sie ihn verlassen — und doch lag nur eine Gewitterwolke dazwischen, ein kurzer Augenblick, den sie nimmer zu vergessen meinte. Die Abendsonne flimmerte goldig auf den Fenstern, lcise knarrte die Wetterfahne auf dem Dach dr» Schlosse» und Litermvisch-O Vevnnsehtes Höchst« Renommag«. Erster Student: „Ranin Was fehlt Dir denn? Du hast ja beide Ohre« voll Watt« Gar Mancher hält sic für ein Glück, Die Bürgermeisterwürde, Und denkt nicht in dem Augenblick, Daß leicht sie wird zur Bürde, Indem viel Trübsal daraus erblüht Selbst dem, der recht getreu versteht Sein Amt als Bürgermeister. Kommt nur ein Fremder in'6 Geheg Und fragt ein wenig stutzig: „Warum sind Pflug und Karrn im Weg, Die «Strafe’ und Flöß so schmutzig?" So wird alsbald die Antwort sei»' „Die ganze Ursach' nur allein Liegt an dem Bürgermeister!" . Geht dann die Thurmuhr nicht ganz recht, Thut man nicht pünktlich läuten, Auch wenn der Wächter bläst gar schlecht (Wie's vorkommt so zu Zeiten), So heifet es just fast allgemein: „Da liegt doch nur die Schuld allein Gewiß am Bürgermeister!" Hört manchmal nach der Polizei Man noch im Wirthshans lärmen, Auch wohl noch auf der Straße frei Die halben Nächte schwärmen, So wird, oft leider gar mit Wucht, Nicht selten deshalb viel geflucht Dem lieben Blirgermeister. Und ist etwas veraccordirt Im Namen der Gemeinde, Und wird's hernach schlecht ausgeführt, So gibt es wieder Feinde, Die geben voller Ungeduld Nur einzig und allein die Schul» Auch hier dem Bürgermeister. Liegt hier und da ein Graben zu, Wodurch etwas verschlimmert, So heifet es alsobald im Nu: „Seht doch, wie unbekümmert Fast Alles dieser Mann vergißt, Was ihm nicht selbst zum Schaden ist Ein schöner Bürgermeister!" D'rum wer nach diesem Anrte strebt, Kann leicht sein Ziel verfehlen; Doch iver gern für's Gemeinwohl lebt, Der lasse sich nur wählen; Und wenn er dann sein Ziel erreicht, Jst's Pflicht auch, daß er stets sich zeigt Nur als ein Mann von Ehre. einig« Jagdhund« kam«« fteudig bellend gesprungen, die An» kvmmltnge zu begrüße«. _ ... „Daheim," murmelte Dherese, „Tochter de« Wildenstein», I gestopft." - Zweiter Student: „Ach ja, ich bin Unglück»- vergiß nicht, wohin Du gehörst, vergiß nicht den Ring am j dran. Ich habe mir nämlich im vorigen Semester durch Finger, denn Du gehörst Dir nicht mehr allein an, sondern | viele« Lollegien-Hören ein Ohrenleiden zugezogen " einem Anderen." Gräfin Wildenstein, eine sanfte, vornehm aursehende Dame, stand augenscheinlich erfreut an der Freitreppe, die Die Mürgermeisterwürde. (Eingesandt.) schreitenden Mutter auf den Balkon. „Du machst mich neugierig, Mama," begann er leichthin. „Du sollst mit Deines Vaters Bruder eine Reise nach Norwegen und Schweden machen, Rudolf. Ich stimme sehr dafür, Du doch hoffentlich auch?" „Ich," wiederholte er gedehnt, „hm, da» kann ich nicht gerade sagen, denn offen gesagt, Mutter, mich hält gerade jetzt etwa» Bestimmte» hier." „Fräulein von Roden, ich weiß e»," sagte sie ernst, „und gerade au« dem Grunde möchte ich wünschen, daß Du abreisest; fle bleibt wohl noch einige Zeit hier." „Wal hast Du gegen Melanie, Mütter? Ihre Familie ist tadellos, fie besttzt selbst einiges Vermögen und — ich liebe fie." „Liebt fie denn Dich ebenfalls und zwar nur um Deiner selbst willen?" „ _ ,c Rudolf seufzte, dann entgegnete er ernst: „Ich weiß e» nicht, Mama, aber ich hoffe e«; au» jedem ihrer Blicke spricht ihr Herz." „Oder ihre Koketterie. Rudolf, prüfe da» Mädchen, ehe Du Dich bindest. Ich weiß, Du hast das Wort auf den Lippen, welche« die Entscheidung bringt, aber höre nur die« eine Mal auf Deine Mutter — und warte noch, ehe Du Dich verlobst. Wir gehen ja im Winter nach der Residenz; dort mag der Würfel fallen, wen» sie Dir bi« dahin treu gewesen ist. Reise jetzt ab, Rudolf, prüfe da« Mädchen und Du wirst finden, daß ich nicht Unrecht thue, wenn ich fie eine Kokette nenn«. Mir ist auch ihr schmeichelnde» Wesen geradezu widerwärtig." (Fortsetzung folgt.) Zerstreut. Profeflor»gattin: „Denke Dir, Männchen, unser Alfred ist versetzt worden." — Professor: „Ich »erde ih« morgen wieder einlösen." Gut ausgedrückt. „Frau, Du verzärtelst die Kinder. So eine Affenliebe I" — „Sei Du nur still, sonst will ich Dir sagen, wie groß Deine „Affen"»Liebe ist, wenn Du in« Wirthrhau» gehst." * Lom Kasernenhos.* Korporal (zum Rekruten): „Zupfen Sie nicht immer am Bart, Müller I Hier ist keine Schönheitr.Eoncurrenz." ffltlrti— A. Gchetz»«. — m» »wta| ** »tUVW» *«i> «t.indruckerei (Pietsch & «cheyßa) « Rude Entschluß blickte, w „Mutter, Onkel." „Br Augen sä im Leben wird; ei Tochter o zu sein, aber die dunklen 8 The herein; » heiter, di „D, mer gefu erwiderte sondern „Ei lachte D götzt un Herrn." „N alte Gra tische« 6 t „L Hervorri unserem das schö heraursi denn ih »st WS W rief fie lächelnd, „ich habe mich doch ein wenig über Euer Ausbleiben geängstigt." ffiÄ*g?°L"AnAkneuer gewonnen. „Trotzdem Sie un« im Schutz Ihre» Herrn Sohne« I leicht erklärlich, denn der Inhalt des Blattes ist ein derartiger, daß ei wußten, Frau Gräfin," sagte Melanie schmeichelnd und beugte I bei seinen Leserinnen Beifall finden inufe". Nichts Oberflächliches, ab« ra al« fie abaesessen war, über die Hand der Dame, „wir I auch nichts Pedantisches wird geboten; alle Artikel sind durchgeisttz HwfAlTa Nail ««h * I von einem zielbewußten Streben, welches den Interessen edler Weiblih find trotz eines kleinen Unfalls heil und frisch heimgek hrt. I keit dient. Ob es wohlgemeinte Rathschläge sind, oder unterhaltend,, „Das freut mich, lautete die Antwort. Gräfin Wttoen» I erzählende Beiträge, ob die Erscheinungen auf dem Gebiete der Mod,, stein nickte sodann innig der Tochter zu, als diese zu ihr trat. I oder diejenigen im Bereich der practischen Neuerungen und Erfindung,! „Nun, Therese, Du flehst bleich au». Bist Du angegriffen I Berücksichtigung finden, alles wird in gefälliger ansprechender > ® u' I geboten. Und darin liegt das Gehennmß der großen Verbreitung o, von oem ckkill, u ,x I „Dies Blatt gehört der Hausfrau!" Mit Vergnügen empfehlen r „Nein, Mama, erwiderte das junge Mädchen, „ich bin | 'D,ej-C Zeitschrift unseren Leserinnen. Jede Buchhandlung oder Pa nur müde. Ich will mich gleich umkleiden." ' I anstatt vermittelt Abonnements. „Nun, so komm' Du zu mir, Rudolf," meinte die Gräfin. „Ich habe mit Dir zu reden; Papa ist auch eben erst vom Vorwerk gekommen und noch in seiner Stube." Etwa» verwundert folgte der junge Mann bet voran-