eröffentlichunge« erschien soeben: Sntwi das Verständnis Die wir hier bei tpitel: Die Ek :e weitere Enl Zweites Kapitel: vch Major Hei: Isrika nach dem utzherrschaft übet i in naturwissw : Handel. Elfem chas Expedik ebentes Sapifc. ische Maßnah ine« and von Schelt Zehntes Kapitel: lnhan0 ein voll Neuzeit ergänjte die ©olonialge. tb zehnte Kapitel fein. Hierin legt «10 bet deutsche« ichutzgebieten bat. “ kann für sich kikum für billige zu0än0i0 0emach lonien stets ent: selbst ertheilt jeb hhandlun0 Schil :it 0ern Ausku« dem Gebiete dn l. bis 5. Liese« . Das bekannt r0an0 eingetrete, eressanten Beitri neuerer Zeit ui neidein noch nich hvolle Sanunlmi Landschasts- uri ie „Meisterweck UN0, wie sie V andere Weise h luß einer solch« in der soeben e :(ag von Richat Derung durch F"> des Blattes n«: „Moderne Kunst : ihre Leser |W* m in der Lage ist mmaiischen Einzel: ilkowsky, »Unsen beigefügten Jll« d Lebendigkeit, d« t unterstützt wirt ■ Illustration dn cht'^ von E. Renart Bondaux herven ilderzahl, dem du zu verdanken h«l. Dienstag den 26. Februar Nr. 25 1895. KmefiCF ümillüiiölüliet' Z Untechastuilgsblatt zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). In der neuen Welt. Roman von P. Olleverio. (Fortsetzung.) Obenan auf dem Papier stand das goldene Monogramm G. L., ein wenig weiter unten standen die Worte: „Theuerster R. — Ich erwarte Dich pünktlich. Vergiß nicht . . ." Das Uebrige war abgeriflen. Darunter kam ein Stück von einer anderen Zeile: glaube nicht . . und dann: mein liebes Perlenmedaillon, welches Du mir schenktest . . und zum Schluß beinahe vollständig stand die Unterschrift: „Deine Gertraud." Nachdem ich die» entziffert hatte, schwirrte es mir im Kopfe noch unklarer durcheinander, als je zuvor. ‘ Ich hatte gehofft, die unerwartete Entdeckung würde einen Lichtstrahl in das Dunkel werfen, welche» Gertrauds Schicksal umhüllte und nun schien e», al« ob ste da« Dunkel nur noch undurchdring» ltcher machen sollte. Wer war R., welchen sie vermuthlich an dem Tage erwartete, an dem wir sie zum letzten Male sahen? Er war also auch der Geber de» Medaillons gewesen. Sollte ste sich mit irgend Jemand aus der Nachbarschaft verlobt haben? Und wenn, — warum heimlich? Warum hatte sie Oscar nicht offen um seine Einwilligung gebeten? Al« ich so dasaß und sann, hörte ich, wie da« Pförtchen geöffnet wurde, durch welches ich hereingekommen war, und feste Tritte sich mir näherten. Ich kam mir plötzlich vor wie eine ertappte Spionin; die Wangen brannten wie Feuer, und rasch au« meinem Versteck hervortretend, sah ich mich nicht Arthur Ausbach gegenüberstehen, wie ich halb erwartet hatte, sondern Hugo Bergen. So war dieser endlich gefangen und konnte mir nicht mehr entgehen. Wir reichten uns ziemlich gezwungen die Hände. Sein sonnengebräuntes Gesicht war feuerroth geworden und er sah aus, als ob er am liebsten davongelaufen wäre. Natürlich erklärte ich ihm sofort, was mich hierhergeführt hatte. Er verzog keine Miene, selbst nicht, al» ich offen heraus, — denn ich war fest entschlossen, zu wissen, warum er sich uns gegenüber so seltsam benahm, — sagte: „Sie haben sich lange nicht bei uns sehen lassen, Herr Bergen." „Offen gestanden, Fräulein Christa, weil Ihre Schwester mich nicht gerade gut behandelt hat und ich nicht gern an ste erinnert werde," lautete seine Antwort. „So, nun wissen Sie es und mögen mir meiner Offenheit wegen zürnen, wenn Sie wollen." „Ich verstehe Sie nicht, Herr Bergen," gab ich zurück. „Wieso hat Gertraud Sie schlecht behandelt?" Und da mir plötzlich ein neuer Gedanke kam, fügte ich rasch hinzu: „Um des Himmels willen, wenn Sie etwas erfahren haben, das wir noch nicht wissen, so reden Sie und reißen Sie mich au« der furchtbaren Ungewißheit I" Hugo strich sich den blonden Bart und schien zu zögern. Endlich aber sagte er: „Wäre es möglich, daß Sie während der ganzen Zett nichts von ihr gehört hätten?" „Nichts," antwortete ich hastig. Ich zog das rosa Papier aus dem Handschuh, wo ich es verborgen hielt, und zeigte es Hugo, ihm gleichzeitig mittheilend, wie es in meinen Besitz gekommen war. Er las es wiederholt sorgfältig durch, worauf er es mir mit finster zusammengezogenen Brauen zurückgab. „Ich weiß nicht, auf welche Weise es hierher gekommen," sagte er, „noch an wen es adressirt ist. Eins aber ist klar wie der helle Tag — Ihre Schwester hatte eine Neigung, welche ste au« mir unbekannten Gründen geheim zu halten suchte; und mich benutzte ste als Deckmantel, um alle Welt von der richtigen Fährte abzulenken. Das nenne ich mehr als schlecht an mir gehandelt." In seinem Zorn bohrte er den Absatz seines Stiefels in den Sand. Ich hatte fein gutmüthiges Gesicht noch nie so finster gesehen; aber wenn es stch wirklich so verhielt, wie er meinte, dann war allerdings sehr schlecht an ihm gehandelt worden. „Das kann ich doch nicht glauben, Herr Bergen," sagte ich, nachdem ich eine Weile über seine Worte nachgedacht hatte. „Welchen Beweis von einem solchen Betrug seitens meiner Schwester haben Sie außer diesem fragmentarischen Billet und dem geheimnißvollen Medaillon?" „Welchen Beweis, fragen Sie?" fuhr Hugo auf. „So hören Sie denn gleich, was ich weiß- Ich war noch keine rief ich in Heller Verzweiflung. „Seine Schwester nur roat es, zu der sie sich hingezogen fühlte." „Das ist Unsinn," entgegnete Bergen. „Sie that nm fo, als ob sie ihn nicht leiden könnte. Ich glaube, alle Mädchen thun gern fo, als ob sie den Mann nicht leiden können, in den sie in Wahrheit sterblich verliebt sind. Und was Ausbachs Schwester anlangt, so brauchte er sie als Deckmantel für feine eigentlichen Absichten. Magdalene Ausbach hat js, wie ich überzeugt bin, ihre fünf Sinne nicht ganz beisammen, ist aber noch klar genug, um die Rolle durchzuführen, die ihr zugetheilt wird." „Aber Ausbachs waren fort," wendete ich noch einmal, wenn auch zaghaft, ein, da mich die Bestimmtheit, mit der et sprach, einschüchterte. „Sie waren bereits acht Tage voi Gertrauds Verschwinden abgereist." „Das ist das Verdächtigste von Allem," fiel Berge« rasch ein. „Abgereist? Ja, aber wie weit? Jedenfalls nich! weiter, als bis dahin, wo sie auf ein verabredetes Zeichen zu ihnen stoßen konnte, auch war die Abreise eine sehr plötzliche- Wenn Sie mir übrigens in einem dieser P mkte wider- sprechen können, will ich gern zugeben, daß ich möglicherweis! im Jrrthum gewesen bin." , Er sprach so zuversichtlich, wie Jemand, der jebe denkbare Möglichkeit nach allen Seiten hin erwogen und sich dann erst sein Urtheil gebildet hat, so daß ich völlig zum Schweige, gebracht war. „Nun wissen Sie also, Fräulein Christa," fuhr er v milderem Tone fort, „warum ich meiner Sache fo sicher bk und warum ich mich in der letzten Zeit gegen Sie und bit Ihren so rücksichtslos benommen habe. Sie müssen mir verzeihen. Sie wissen ja, daß ich für Sie jederzeit die höchst Achtung hege." Auch diesmal klang mir fein Compliment fade und leet. Was war mir eine höfliche Redensart nach der furchtbaren Entdeckung, die ich soeben gemacht zu haben glaubte? Ich murmelte ein paar Worte als Antwort, woraus mir Bergen herzlich die Hand schüttelte, und mich bat, ihm zu verzeihen, wenn er etwas gesagt, das mich beleidigt habe. Und nachdem er noch hinzugefügt hatte, daß er nichts mehi hier zu thun habe, nun er erfahren, daß Ausbach noch nich zurückgekehrt fei, ging er wieder durch das Pförtchen hinaH zu welchem er hereingekommen war. Ich blieb ein paar Minuten noch wie angewurzelt «t derselben Stelle stehen, wo er mich verlassen hatte, bis ich | ihn in der Ferne über die Wiese reiten sah. Dann schach ich langsam nach meinem alten Platze unter den Gammi- bäumen zurück, barg das Gesicht in den Händen und versuchte zu denken. Wenn Bergen recht hatte, dann gab es nrchts, bat Arthur's Falschheit überstiegen hätte, —• höchstens Gertraud r Aber ich konnte es nicht glauben. Hatte Arthur mich nich! mit eigenen Lippen gebeten, ihm zu vertrauen bis er Mitteten und sich von jedem Verdacht würde reinigen könne« Ich weiß nicht, wie lange ich so dasaß, doch schließ sprang ich hastig auf, mich erinnernd, daß die Zeit verste und ich mich meines Auftrages noch nicht entledigt hall Ich schritt der Hausthür zu. und da Mrs. Barton mich v°: dem Fenster aus hatte kommen sehen, ließ sie mich sofort ei« Sie war eine freundliche Frau, die meinen Dank I® die uns geschickten Früchte und Blumen liebenswürdig ent- gegennahm und mir den Muth gab, sie zu fragen, wann st Herrn Ausbach zurückerwartete. Ich konnte eine gewisse Angst die Thür könnte sich plötzlich aufthun, er selbst hereintrete- unb mich in seinem Hause finden, nicht überwinden; und d dem leisesten Geräusch schrack ich zusammen, daß ich am uedW davon gelaufen wäre. Mrs. Barton wußte nicht gewiß, wann er zurückkomm würde; sie glaubte, nicht so bald. Jedenfalls hatte ihr Ma von Ausbach's Hand schriftlichen Auftrag, während der nächst« zwei Monate die kleine Besitzung zu verwalten. , „Wird Fräulein Magdalene vielleicht früher zurückkehren' fragte ich weiter. acht Tage in Melbourne, als ich in Bourke Street Ihre , Schwester Gertraud daher fahren sah. Wir sahen uns scharf I in’s Gesicht und erkannten uns." In meiner Aufregung faßte ich Bergen am Arm und stammelte: „Sie haben Gertraud wirklich gesehen?" Mein erstes Gefühl war das unendlicher Erleichterung. I Todt war sie also nicht I „Dem Himmel sei Dank!" sprach ich leise vor mich hin. Hugo blickte zornig zu Boden und bohrte den Absatz noch I tiefer in den Sand hinein- „Ich für meinen Theil sehe keinen Grund, dem Himmel dankbar zu sein," sagte er. „Wie?" rief ich empört. „Richt dankbar dafür, daß sie lebt?" „Ich habe sie niemals tobt sgeglaubt," entgegnete er, „höchstens ben ersten unb zweiten Tag. Unb wenn sie tobt gewesen wäre, bann hätte ich sie boch noch lieben und ehren können, anstatt sie nun ihres Verrathes wegen verachten zu müssen." , „ . Das waren bittere Worte; doch ein Mann, an dem re» handelt worben war, wie an Hugo Bergen, hatte bas v « kommenste Recht, empört zu sein unb zum ersten Mal in tv nem Leben mußte ich Gertraud anklagen hören, ohne als rh. Vertheidigerin auftreten zu können. „Es thut mir unendlich leid, Herr Bergen,' sprach ich daher kleinlaut. „Ich sühle von ganzem Herzen mit Ihnen, aber vielleicht ist Gertraud selbst jetzt noch im Stande, uns eines Tages Alles ganz einfach zu erklären." Ich weiß nicht, welche wilde Gedanken mir in dem Augenblick durch den Kopf jagten. Einer von den am wenigsten unwahrscheinlichen war der, daß Gertraud durch irgend welches unfreiwillige Verschulden den Sturz des Polizisten in die Bucht veranlaßt hatte unb in ihrem Schreck geflohen war, um ben Folgen ber Entdeckung zu entgehen. Bergen zuckte bei meinen Worten bie Achsel. Sie haben ein wunderbares Vertrauen zu Ihrer Schwester, Fräulein Christa," sagte er und fügte dann mit plötzlicher Weichheit in der Stimme hinzu: „Ich glaube aber, im Grunde bewundere ich Sie deshalb." Ich gab keine Antwort auf dieses Compliment, das mein Ohr sehr leicht berührte. In meinem Innern tauchten die wunderbarsten und unmöglichsten Erklärungen für Gertrauds Verhalten auf unb für einige Minuten herrschte tiefes Schweigen zwischen uns. Bergen nahm zuerst wieder bas Wort „Jetzt ist es klar wie ber Tag, baß Gertraud einen Anderen geliebt unb mich als Werkzeug gebraucht hat. As sie mich nicht mehr brauchte, warf sie mich bei Seite. E) ist das für einen Mann gerade genug, um dem ganzen weib- lich.n Geschlecht zu fluchen." Er sprach mit unendlicher Bitterkeit. „Aber, Herr Bergen, überlegen Sie sich die Sache doch einmal ruhig," sagte ich in bittendem Tone. In meiner Ein- falt versuchte ich noch imm r, Gertraud vor mir und der ganzen Welt rein zu waschen. „Für wen hätte sie sich in- teresstren sollen? Es kam ja Niemand -nur halb so oft zu uns in das Haus, wie Sie." „Doch," erwiderte er; „Siner wohl." „Und wer?" „Ausbach!" r Da Bergen sich erinnerte, daß wir in Ausbachs Garten standen, dämpfte er bei den letzten Worten feine Stimme. Ich fühlte, wie bei dieser unerwarteten Antwort alles Blut aus meinen Wangen wich, und in der ersten Minute wußte ich nicht, was ich darauf sagen sollte. Wie konnte ich Hugo Bergen den wahren Grund mittheilen, welcher Arthur so oft in unser Haus führte? „Ich habe reiflich über Alles nachgedacht," fuhr Bergen plötzlich fort, „unb mir ist nun bie Sache klar. Natürlich war es Ausbach unb wir sind Alle unglaublich blind gewesen, daß wir davon nichts gesehen haben." „Aber Gertraud konnte Herrn Ausbach gar nicht leiden, finden ti schäme haltnn „habei berechi 3 wartet obgteii jedenfl Ihr S Treib ich; ‘ VON il kos st was c Dame und t c erhob trübt I sie un woran treffen M ■ ü Lebt«, Zurüc ü verire rother dem i 5 und a Vergr heran hatten Das Neugi war ( niß ei stadt, wähn schöne traut! mälde Frisu viellei aber ( Platz' wenig mache hierhe waren nicht, mir t das £ dem Zusan wohin Ich t tzs ster nut wat Sie that nur ube, alle Mäd< leiden können, Ind was Aus« fls Deckmantel nsbach hat ja, nz beisammen, ühren, die ihr h noch einmal, ät, mit der et cht Tage voi " fiel Berge« jedenfalls nich! redete« Zeiche« •ine sehr plötz- P mkte wider- möglicherweis! der jede denk- und stch dam zum Schweig« \,“ fuhr er V e so sicher bk , Sie und bit iüssen mir ver- czeit die höchst fade und leer. >er furchtbare« laubte? twort, woran! mich bat, ihm beleidigt habe, er nichts mehr .bad) noch nich örtchen hinan-! angewurzelt m n hatte, bis ich Dann schlich r den Gummi- inden und ver- :s nichts, da! ;ens Gertraud ! :thur mich nich! m bis er not einigen könne« doch schließ sie Zeit verstr entledigt Hali iarton mich v- mich sofort ei« einen Dank ß -enswürdig enb ragen, wann st ne gewisie Angst löst hereintret« vinden; und bei ß ich am liebst« er zurückkomm« hatte ihr M« rend der nächst« en. .s er zurückkehren > Nein, Mrs. Barton glaubte es nicht; und dann lachte sie. ; „Fräulein Magdalene ist eine eigenthümliche junge Dame; finden sie das nicht auch, Fräulein Leonhard?" „Mrs. Barton," erwiderte ich, — mich vor mir selber schämend, daß ich fragte, aber ich konnte nach meiner Unterhaltung mit Bergen der Versuchung nicht widerstehen, — „haben Sie je an ihr etwas bemerkt, das zu der Annahme berechtigte, ihr Geist sei ein wenig gestört?" Mrs. Barton überlegte einen Moment, bevor sie antwortete: „Ich könnte das mit gutem Gewissen nicht sagen, obgleich ich weiß, daß viele Leute so von ihr denken. Aber jedenfalls ist sie eine sonderbare junge Dame. Und so schlau! Ihr Bruder erfährt nicht die Hälfte von ihrem Thun und Treiben, und sie macht ihm so schon Sorge genug." „Ich dachte mir wohl, daß es ein Jrrthum war," sagte ich; „aber ich hatte schon wiederholt als etwas geisteskrank von ihr reden hören und fragte deshalb Sie, Mrs. Barton." „Ich begreife sehr wohl, daß, wer sie zuweilen so burschikos sieht, sie für nicht ganz klar hielt. Sie thut eben nicht«, was andere junge Damen thun, und Alles, was andere junge Damen nicht thun; daran aber ist kein Zweifel, daß sie Recht und Unrecht so gut zu unterscheiden weiß, wie Sie und ich." Ich glaubte für diesmal genug gehört zu haben und erhob mich, um zu gehen; doch Mrs. Barton war ganz betrübt darüber. „Nein, erst müssen Sie eine Tasse Thee trinken," bat sie und drückte mich mit Gewalt in Ausbachs Lehnstuhl nieder, worauf sie aus dem Zimmer eilte, um ihre Vorkehrungen zu treffen. ! h Ich war weder hungrig noch durstig, habe aber mein Lebtag eine wahre Angst gehabt, die Gefühle Anderer durch Zurückweisung mir gebotener Freundlichkeiten zu verletzen. So wartete ich denn und als ich mich, um die Zeit zu vertreiben, im Zimmer umsah, fiel mein Blick auf ein in rothem Sammt gebundenes Photographie-Album, welches auf dem Bücherregal stand. Doch als ich das Photographie-Album hermstergenommen und aufgeschlagen hatte, sah ich mich in der Erwartung meines Vergnügens getäuscht, denn bi« auf zwei Bilder waren alle herausgenommen und die Namen, welche darunter gestanden hatten, sorgfältig fortradirt. Die beiden steckten nebeneinander. Das eine war von Arthur selbst — ein sehr gutes Bild. Neugierig sah ich nach dem Namen des Photographen. Es war ein ungewöhnlicher italienischer, der stch meinem Gedächt- niß einprägte, gerade so wie auch der Ort, — eine Provinzialstadt, — wo da« Bild ausgenommen worden war. Ich erwähne das, um auf spätere Ereignisse ein Licht zu werfen. Das Bild neben demjenigen Arthurs war ein wunderschöner Frauenkopf mit sanften, lieblichen Augen und unendlich traurigen Zügen. Die Photographie schien nach eine n Gemälde gemacht zu sein. Arthurs Mutter konnte es nicht sein, dafür war die Frisur wie die ganze Tracht zu modern. Eine zweite Schwester vielleicht? Das schien wahrscheinlicher; ähnlich sah sie ihm aber nicht int Geringsten. Ich schloß das Buch und stellte es wieder an seinen Platz; und es überlief mich fröstelnd bei dem Gedanken, wie wenig ich doch über den Mann wußte, der mich zu der Seinen machen wollte. Niemand wußte, woher er kam und was ihn hierher geführt hatte; wer feine Verwandten, feine Freunde waren. Er galt für unverheirathet, vielleicht war er es doch nicht, wer konnte es behaupten? Auf dem Heimwege, als ich Fernyhurst längst hinter mir hatte, fragte ich mich wieder und immer wieder, wer das Original des schönen Bildes sein mochte, welchesMthur dem seinen zur Seite gesteckt hatte. 12. Capitel. Natürlich erzählte ich Fanny und Oscar von meinem Zusammentreffen mit Hugo Bergen, verschwieg ihnen aber wohlweislich Alles, was dieser über Ausbachs gesagt hatte. Ich theilte Ihnen nur mit, daß Bergen Gertraud in Melbourne gesehen und tief empört über den an ihm verübten Verrath zurückgekehrt sei. Wir konnten nicht länger daran zweifeln, daß unsere Schwester absichtlich davongelaufen war. Es war das furchtbar traurig und betrübend, und die arme Fanny nahm es sich schwer zu Herzen. Oscar zeigte sich wüchend und s hwor, Gertraud dürfte seine Stelle nie wieder betreten. Und ich? Auf mir lastete der Kummer so schwer, daß mir das Herz fast darunter brach. Gertrauds Zimmer war seit ihrem Verschwinden verschlossen geblieben. Wir hatten, wie ich schon früher erwähnte, ihre Sachen durchsucht, ohne etwas gefunden zu haben, das uns auf ihre Spur hätte lenken können. Auf meinem Heimwege von Fernyhurst war mir indessen plötzlich eingefallen, daß Gertraud sämmtliche Briefe von Magdalene Ausbach vernichtet haben mußte, da wir nicht einen einzigen unter ihren Sachen gefunden hatten. Das gab mir zu denken und ich beschloß, noch einmal und zwar sorgfältiger nachzusuchen, ohne Fanny oder Oscar von meinem Vorhaben zu unterrichten. Aber so fest ich es mir auch vorgenommen hatte, schrak ich, ohne selbst zu wissen warum, stets wieder davor zurück. Ich ließ eine Gelegenheit nach der anderen vorüberschlüpfen und noch immer konnte ich mich nicht entschließen, die verschlossene Thür zu öffnen. Während ich so zögerte, ohne zu wissen, daß ich vor einer großen Entdeckung stand, gab mir eine andere Hand den Anstoß. Ich saß eine« Tages mit Fanny zusammen und half ihr an einem Kleidchen für Fritz nähen, als sie mir ein Stück bunter Borte über den Tisch herüber reichte und sagte: „Es fehlt mir vielleicht noch eine Elle hiervon; Gertraud hat die Borte in ihrer Commnve. Ach, Christa, steh' doch zu, ob Du sie findest." Fanny scheute sich, es selbst zu thun, und ich mochte ihr die Bitte nicht abfchlagen. So trat ich denn in Gertrauds Zimmer und einmal dort, schob ich den Riegel vor, um nicht gestört zu werden. Wa« ich zu finden hoffte oder erwartete, weiß ich selber nicht, es war das Stück Papier, welches ich in Fernyhurst gefunden hatte, das meine Gedanken auf geschriebene Spuren lenkte, und ich beschloß, jede« Winkelchen zu durchsuchen, wo der kleinste Theil eine« Briefe« oder eines Couverts verborgen sein konnte. Zuerst durchsuchte ich Gertrauds sämmtliche Kleidungsstücke, schüttelte sie sorgfältig aus und griff in jede Tasche, doch Alles vergeblich — ich fand nichts weiter, als in dem einen Kleide eine verwelkte Rose, jedenfalls aus Ausbachs Garten, denn wir hatten noch keine vor unserem Hause. Ich setzte mich auf das Bett nieder, welches noch gerade so dastand, als sollte sich Gertraud am Abend hineinlegen, und überlegte, wo ich weiter suchen konnte. Gertraud besaß keinen Schreibtisch, nur ein kleines Schreibpult, in dem sie ein paar Briefbogen und Couverts aufzubewahren pflegte. Wir hatten es leer gefunden und es befand sich jetzt in Oscars Verwahrsam. "Schmuck besaß Gertraud wie auch ich nur wenig und an dem Wenigen fehlte nichts weiter, als was ich sie am Nachmittag hatte tragen sehen, als sie mich küßte. Ich wußte nun nicht mehr, wo ich suchen sollte und wollte es doch noch nicht aufgeben. Es war mir, als müßte ich etwa« finden, bevor ich das Zimmer wieder verließ und machte mich schließlich daran, einen Kasten nach dem anderen heraus« zunehmen und hinter dieselben zu sehen. Da endlich fand ich wirklich etwas I Hinter dem einen kleinen Kasten zur Linken lag eine Photographie. Sie mußte herausgerutscht fein und schon eine Weile dort gelegen haben, denn sie war staubig geworden und ziemlich zerknittert. Es war das Porträt eine« Manne« und auf der Rückseite stand von fester Hand geschrieben: „Von Richard für Gertraud". „Richard" also hieß das „R.", an welches ihr Bries adrefsirt gewesen. 100 — Welch' ein^wunderbar glückltchersZufall, daß^diese» Bild in meine Hände kommen mußte! . . Auf den ersten Blick erschien mir das Gesicht auf dem Bilde völlig ftemb, bei dem zweiten glaubte ich eine Aehnlich- keit mit Jemand zu finden, doch ich wußte nicht, mit wem, bei dem dritten wußte ich es. ,, , Es war Magdalene Ausbach in Männerkleidern! Ich wendete da» Bild um und fand auf der Rückseite denselben Photographen und Ortsnamen, wie unter Arthur Ausbachs Bild, das ich in Fernyhurst gesehen hatte. Beide Aufnahmen waren zu gleicher Zeit gemacht- T Nun begriff ich plötzlich die ganze Wahrheit. Wir waren Alle die Opfer eines schmählichen Betruges gewesen und Mag» dalene Ausbach war ein Mann in Frauenkleidern I (Fortsetzung folgt.) Sin aufregendes Romaneapitel (oder di« Folger schlechter Interpunktion): „Rach ihm kam der Lord auf dem Kopfe, einen weißen Hut an den Füßen, große Stiefel aus der Stirn, eine dunkle Wolke in seiner Hand, den unvermeidlichen Spazierstock in den Augen, einen drohenden Blick in finsterm Schweigen." * , • Im Eifer. Bürgermeister (zu dem abreisenden Fürstenpaare): .Durchlaucht haben un« unendlich glücklich gemacht, daß Hochdieselben Ihre Flitterwochen im Bami, unseres Städtchen» verlebten! . . Eure Durchlaucht und bis hohe Flitterwöchnerin, sie leben hoch!" Gsinsinnütziges. Beim Verlegen von Samenkörnern in den Boden ist e« gewiß von Vortheil, die einzelnen Körner in gleichmäßigen Abstünden von einander und auch in gleicher Dreie zu pflanzen, um regelmäßige, sich gleichartig entwickelnde Saaten zu erhalten. In origineller Weise sucht E- Evan» in Walsall die zeitraubende Arbeit, die solche regelmäßige Pflanzung er« fordert, zu kürzen, indem die Samenkörner mit geeignetem Klebmaterial in gleichen Abständen und Reihen auf dünnem, leicht verweslichem Papier aufgeklebt werden, s° daß ein solcher Bogen horizontal in entsprechender Tiefe in den Garten Hoden eingelegt und mit Erde überdeckt wird. Da» Verfahren verdient gewiß Beachtung, und ließen sich '-derartig Mpanerte Papierbogen wohl auch ganz gut, gleich «it den Samen be klebt, in beit Handel bringen, da dadurch Abwägen und Zählen der Körner wegsällt und sich wohl auch leicht Maschinen instruieren laffen, die mechanisch solche Bogen mit den Körnern in gleichmäßigen Abständen bekleben. (M'tgetheitt vom Jnttr« nationalen Patentbureau SarlFr.Reichelt, BerlinN.w.) Literarische» WaSsoll ich bttlawitenl Auslese der besten Deelamationt stücke ernsten und heitern Inhalts, unter Mitwirkung oe; "sten deu tsch« Bühnengrößen herausgegeben von Elise Henle, Verfasserin de« Preislustspiels „Durch die Intendanz." Neue, vermehrte Auflage. Broschiert M. 3.—, eleg. gebunden mit Goldschnitt M. 4.50. Schwa- bacher'sche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart. — Tue nunmehr in vierter Auflage erschienene Sammlung ernster und heiterer Vortragsstücke bekundet, daß der Verfasserin die Anerkennung m vollstem Maß, bis jetzt iu Theil wurde und cs durch die Neu-Auflage noch mehr werden wird. Es ist für jeden Geschmack, für jeden Zweck gesorgt M Jeder wird finden können, was er braucht und sucht, um GeseMchafte», Vereinsabende oder festliche Anlässe durch das Relief der VortraMM zu verschönern. Dieses vornehme Declamationswerk kann zu Gesche« bestens empfohlen werden. * W. L«tmb««g» gesammelt« R-»m-»«e «nd »ov«ll«n, Die Verlagshandlung der „Gartenlaube" (Ernst Kerl s Nachfolger tu Leipzig) hat einen Wunsch der weitesten Leserkreise erfüllt indem st von den Werken der beliebtesten deutschen Erzählerinnen der Neuzeit Marlitt, Werner und Heimburg neue billge, und M ausgestattete und mit vielen stimmungsvollen und künstlerischen I lus r°. tionen geschmückte Gesammtausgaben veranstaltete. Welchen Anklanz dieses Unternehmen gefunden hat, beweist der Umstand , daß auch da I Gesammtausgabe der Erzählungen von W. Hennburg m kurzer Zeit cho« in zweiter starker Auflage zu erscheinen begonnen hat. Von dieser neuen Auflage liegen uns die Lieferungen 7—12 vor, welche Fortsetzungen de« von I R. Wehle trefflich illustrierten Romans „Lumpenmullers Lieschen enthalten. Die Erscheinungsweise in vierzehntägigen Lieferungen n- möglicht es auch dem weniger Bemittelten, sich ohne Aufwendnni größerer Opfer in d.n Besitz dieses, jeder Familienbibliothek zur Zierde I gereichenden Werke zu setzen. * Sngtlhor«» Allgemein« Romaitbibliothek Es ist auch I in Deutschland möglich, dem Publikum gute Bücher zu billigem Prei | zu bieten und dabei weder die Autoren noch die eigenen Jnteresten zu | kurz kommen zu lassen, nur gehört Wagemuth und geschäftliche Tüchtig | keit dazu — das ist die Lehre, die der deutsche Verlagsbuchhandel am I dem Erfolg von „Engelhorns Allgemeiner Romanbibliothek ziehen kann, I und hoffentlich auch, sofern er sich auf seinen Vortheil versteht, inlimm | größerer Auswahl ziehen wird. Als der rührige Stuttgarter Verleg!! I vor zehn Jahren zuerst die bekannten ziegelrothen Bändchen -durch- I schnittlich zehn Bogen guter Ausstattung — zum Preise von 50 M j in die Welt sandte, begriff man gar nicht, wie der Mann dies leis- I könne; schon die „Collection Spemann", von welcher der Band - j Mark kostete, war dem Publikum, wie den Verlegern atS unergotkl I Wagnis, erschienen, und nun gar dasselbe — nur den Einband al rechnet - für die Hälfte! Aber noch meh.: Spemann druckte ai. | viele Werke, an denen, da die Verfasser seit mehr als dreißig Iah» I tobt waren, keine Autorrechte mehr bestanden, die al o zum mmde, - I nur den Druck und das Papier, aber kein Honorar mehr kosteten, I Engelhorn fiel diese Erleichterung weg; er brachte allerdings im ersm I Jahrgang ausnahmslos Uebersetzungen aus fremden Sprachen I auch da mußte das Autorisationsrecht bezahlt fein, dazu die Ucb I setzunq- Nun aber begab sich das Merkwürdige und sogar für die Gelehrten der Leipziger Buchhändlermeffe, geschweige denn für gewohnliq- | Sterbliche geradezu Unfaßbar«, daß Spemanns Collection trotz a I Rührigkeit ihres Verlegers und der im ganzen sehr guten Aar«-? I nicht einlchlug, während Engelhorn schon un zweiten Jahr m der «9 I war, auch Werke hervorragender deutscher Autoren zu bringen I Räthsel erklärte sich wohl sehr einfach: Der Deutsche ist so ®n.L I Leihbibliothek gewöhnt, und des Bücherkaufens rmgewohnt, daß ? I auch noch die Ausgabe von einer Mark schwer fällt, aber kostetä I die Hälfte, so thut er's schließlich doch. - Heute, nach j ist die „Allgemeine Romanbibliothek" so bekannt und verbreitet, | eine Empfehlung des vortrefflichen Unternehmens fast überflüssig * scheint. _____ VcrmMehtss. BeiderseitigeNeugier- Angeklagter: „Mein Anwalt ist nicht erschienen; ich beantrage baher die Verhandlung zu vertagen." — Richter: „Sie wurden ertappt, wie Sie einem Herrn seine goldene Uhr au» der Westentasche zogen; da dm ich 'doch neugierig, was unter diesen Umständen Ihr Ver- theidtger noch sagen könnte.' — Angeklagter. „Mir geht » gerade so, Herr Richter, und deshalb möcht ich gern seine Vertheidigungsrede hören." * , t'r Bsrsänglicher Bescheid. Vater: „Also, Du nicht», nutziger Bengel, bist zur Polizeiwache mitgenommen worden, weil Du — ja, wa» hat man denn dort zu Dir gesagt? Söhnchen: „Es'hieß dort, der Apfel fällt nicht weit vom Stamme, dann erhielt ich einen Verweis und wurde entlassen. Entgegenkommen. Assessor: „Glauben Sietzmir, mein Fräulein, die Liebe allein macht glücklich. — Fräulein. „Das kann ich mir kaum denken, ich habe immer gehört, die Liebe zu zweien macht es?' * Das Universalmittel. „Herr Doctor, ich danke Ihnen sür Ihr Universalmittel." — M nicht wahr," - „Es hat mir ganz außerordentlich geholfen. - „Wie viel Flaschen haben Sie davon gebraucht? — „Ich? Gar keine. Mein Onkel nahm eine, und ich bin nun sein einziger Erbe." Kebaction: A. Schcyd«. - Druck und Verlag der Brützl'schcn Druckerei jFr. «hr. Pietsch) m Gießen. W W-S W Ich Ihr auch die immer e Einflüsse bringen ihm folg «UN schli Gertraui händerin voll nach Riö in welch verstand ihn ger Schwefle Ich dem Bei zurück u Hausthü glühende Im kurz dar — lehn! dem Ha Da Dunkelh der hohi Be an mein Doch alt that, a! prallte \ Er sprach k Di