noch einige t über das liefet Schaf- mit kleinen ffeln werden hierauf wird reich gekocht kehl, welches t Brühe uer» ;e Kartoffeln und einige gelb braten, Wasser oder ijtet sie über ffeegesellschaft. ; Frau allein , Warum bist Zch muß doch chen können!" daß der An» Ermangelung Angeklagter cochen): „Na iarbierladen) : erressiren sich D, gegen die >er die Kerl», neiden!" hen Städtchen in Unfrieden, ränken. Der den Bäcker« ^ermeister da» en sofort ini änkung. Der o genau nicht als wenn es kermeister ein en naseweisen Sofort groß! »rtung herbei- Neins Herren, sgestrichen ist, ner (meldet)! der Laterne«' Herr Schulze." Straßenkehrer maus." e ein Schnell' leringschätzuns höhnisch. - den von der tiekehle." HntechaUungsblatt?um Gießener Anzeiger (General Anzeiger). 1895. n 1 Sturmfluth. Roman von Em. Heinrichs. (Fortsetzung.) Die Mutter schwieg eine Weile, sie dachte daran, daß dieser Mann ihr einziges Kind, woran ihr banges Herz hing, über's Weltmeer entführen würde, in eine weite Ferne hinaus, vielleicht auf Nimmerwiedersehen. Durfte sie es nicht für ein besonderes Glück halten, daß es so gekommen und daß der Amerikaner, in seiner Eitelkeit, seinem übermäßigen Mannes« stolz verletzt, sich sofort von ihrem schöben Kinde abgewandt und zur Abreise entschloffen hatte? Sie lächelte bitter bei dem Gedanken, daß der reiche Genußmensch seine „Siebe" für das umworbenste Mädchen der Stadt in Paris begraben wollte und schauderte unwillkürlich vor dem Scheinglück einer solchen Ehe zurück. „Ich habe diesen Augenblick vorausgesehen und ihn im Stillen gefürchtet, mein armes Kind!" begann sie endlich weich und zärtlich. „Es war ein schrecklicher Gedanke für mich, Dich vielleicht einem wildfremden Manne hingeben zu müssen, obwohl ich das Mißtrauen, das ungerechtfertigte Vorurtheil Deines Vaters gegen Hamson nie geteilt habe. Wenn Du ihm heute auf sein erstes offenes Werben hin nicht sofort in bie Arme gesunken bist, wie er es in seinem amerikanischen Millionenstolz von der Tochter des armen deutschen Professors —" „Aber Papa ist doch nicht arm!" unterbrach Leonore sie gereizt, sich stolz aufrichtend. „In seinen Augen ist er's gewiß," fuhr die Mutter in ihrer ruhigen Weise fort, „wie er es also sicherlich von Dir ^wartet hat, so mußte er, falls seine Liebe von der rechten Art ist, in Betracht ziehen, daß Du keine emancipirte Ameri« mnerin bist. Er mußte daran erkennen, daß nur jungfräuliche Schüchternheit, nicht die Berechnung weiblicher Koketterie, Dich beherrscht hat. Anstatt dessen gibt er Dich sofort auf, spricht von unerträ fltcher Langweile und beschließt, in Paris nachzuholen, was er hier versäumt und eingebüßt hat." Mama, Du bist grausam," flüsterte Leonore mit erstickter Stimme. „Nein, mein Herzenskind, nur aufrichtig wahr gegen Dich, wie die Mutterpflicht es mir vorschreibt. Du mußt die Dinge sehen, wie sie wirklich sind und schließlich zur Ueberzeugung gelangen, daß der Himmel es vielleicht sehr gut mit Dir gemeint hat, als er Dich heute vor einem übereilten Schritte, einem verhängnißvollen Jrrthume bewahrte. Eine unglückliche Ehe ist das schwerste Unglück des Lebens, das zwei Menschen, welche nicht für einander passen, zur Hölle verdammt. In diesem Falle wärst Du die Unglücklichste, da der eiserne Ring, welcher Dich mit einem selbstsüchtigen Manne zusammengeschmiedet, schwer, ja kaum gewaltsam zu brechen ist, dessen Splitter auch nur einzig die Frau verletzen. — Raffe Deinen Stolz zusammen, Leonore, vermeide es, ihm auch nur einen Schritt entgegenzukommen und warte ab, ob er zurückkehrt, ob seine Liebe mächtig genug ist, seinen Hochmuth zu bändigen und auf's Neue um Dich zu werben. Dann — auch nur bann, mein Kind, kann ich, von Deinem Glücke überzeugt, Dich über's Weltmeer ziehen lassen und meinen Schmerz, Dich zu verlieren, überwinden." Leonore hatte mit gesenktem Haupte den Worten der Mutter gelauscht. Jetzt richtete sie sich hoch auf, ihre Thränen waren versiegt, aus den braunen Augen flammte eine stolze Entschlossenheit. „Ich danke Dir, mein Mütterchen," sagte sie, die treue Beratherin innig küssend, „Du hast mich wieder in's rechte Gleichgewicht gebracht und mir die grausame Wahrheit durch einen Hoffnungsstrahl versüßt. — Gott sei gelobt, daß ich noch eine Mutter besitze." „So ist's recht. Wir Frauen haben zwei sichere Waffen gegen solche Kämpfe: unsere Selbstbeherrschung und unfern Stolz; laß sie Dir nicht entwinden, mein geliebtes Kind, und Du wirst in allen Fällen siegen, zuletzt auch über Dein rebellisches Herz." Sie ließ Leonore jetzt allein, um ihr die nöthige Muße zum Nachdenken zu lassen, überzeugt, daß sie den Brief an Hamson nicht schreiben werde. Das junge Mädchen beeilte sich in der That auch, den Briefbogen hervorzuziehen und sofort zu vernichten. Schwer, sehr schwer aber fiel es ihr doch, mit dem gewaltsam heraufbeschworenen Stolze das rebellische Herz niederzukämpfen und ihre äußere Fassung ss 46 weit zmückzugewinnen, um der Welt ruhig entgegentreten zu $ können. XII. Hauptmann Ehrhard saß in seinem bequemen Lehnseffel in der Nähe des Ofens und f'h nachdenklich hinaus auf die geräuschlos niederfinkenden Schneeflocken. Er war soeben von seinem gewohnten Nachmittagsschläfchen erwacht, deffen Stunde im ganzen Hause durch die größte Stille respectirt wurde, und horchte schon seit einer Weile unruhig auf irgend einen gewohnten Klang. „Ist der Geiger oben krank?" fragte er die mit dem Kaffeegeschirr eintretende Elisabeth. „Nein, Papa, weshalb?" entgegnete sie, ein Lächeln unterdrückend. „Weshalb? Es ist halb vier und noch immer kein Ton. Er müßte schon über eine Viertelstunde gespielt haben. Schicke die Alte mal hinauf, es beunruhigt mich ernstlich." Wie hatten sich die Dinge hier im Hause doch seit der letzten Sturmfluth verändert! Allerdings war es bedeutend ruhiger geworden, seitdem Fräulein Wedemeier verheirathet war und mit ihrem Instrument das Haus verlassen hatte, aber sie hätte jetzt auch noch ihren Tannhäusermarsch loslassen können, ohne daß der Hauptmann sich darüber beklagt haben würde, wie er nun sogar zur gewohnten Stunde das Geigenspiel im Dachstock vermißte. Da tönte plötzlich der erste Ton desselben zu ihm hernieder. Ein Lächeln der Befriedigung überflog das bleiche, eingefallene Gesicht des alten Mannes, das nur zu deutlich die Spuren der überstandenen Krankheit noch trug. In demselben Augenblick wurde draußen die Klingel gezogen. Trina meldete den Herrn Professor Carlsen mit „noch einem Herrn". „So laß sie doch eintreten," schalt der Hauptmann und die Alte ließ brummend die Thür offen, durch welche der Professor und Hamson in'« Zimmer eintraten. „Kommen wir gelegen, verehrter Freund?" rief Carlsen, dem Hauptmann kräftig die Hand schüttelnd, während Elisabeth den Amerikaner herzlich begrüßte. „Unnütze Frage, für einen alten Freund bin ich immer mobil. Setzen Sie sich her zu mir." „Ich bringe Ihnen hier einen Gast aus Amerika," fuhr der Professor mit einer Handbewegung gegen Hamson, der sich vor dem Hauptmann tief verbeugte, ruhig fort. „Er steht im Begriff, abzureisen, wollte aber unsere Stadt nicht verlassen, ohne den Hauptmann Ehrhard kennen gelernt und ihm seine Hochachtung bezeigt zu haben. Herr Richard Hamson au« Nashville — Amerika," stellte er den jungen Mann dann dem etwas verblüfften Invaliden vor. «Verzeihen Sie mir diesen Ueberfall, Herr Hauptmann," ergriff Hamson rasch das Wort, „ich nahm die Vermittelung der Herrn Professors in Anspruch, um vor meiner Abreise noch einen Mann kennen zu lernen, von welchem ich seit Jahren zu viel Gutes gehört, um mich nicht verpflichtet zu Men, ihm meine Verehrung darzubringen." „Sehr angenehm," erwiderte der alte Herr etwas verwirrt, „bitte, setzen Sie sich. Ich — weiß — freilich nicht," fuhr er mit stockender Stimme fort, „womit ich — eine solche Verehrung — verdient haben könnte und — und — ob ich berechtigt bin, — sie — ohne Weiteres anzunehmen." „Wenn Sie auch nicht der verehrte Oheim meines besten Freundes, mit dem mich brüderliche Liebe verbindet, wären, Herr Hauptmann," versetzte Hamson mit einem kühnen Sturmlauf, „so würde der Anblick eines solchen Helden doch jedes echten Mannes Herz mit Verehrung erfüllen müssen. Wir Amerikaner verstehen Tapferkeit zu würdigen und es macht mich stolz, dem deutschen Heere von anno 1870 in einem seiner Helden meinen Tribut aufrichtiger Bewunderung darbringen zu dürfen." „Donnerwetter, der versteht's," dachte der Professor, halb ängstlich, halb belustigt, während Elisabeth vo.wurssvoll auf die beiden Herren blickte und vergeben« nach einem Verständ- niß für diese Seene suchte, welche ihr fast wie ein Attentat auf den alten Mann, mindestens doch wie ei« sehr gewagter Experiment erschien. Der Hauptmann aber schien diese unerwartete Huldigung ehr angenehm zu empfinden. Ein Lächeln huschte über das bleiche Gesicht, und den jungen Mann fest anblickend, antwortete er nach einer kleinen Pause: „Ich danke Ihnen, Ihre Anerkennung thut mir wohl, ich nehme sie al« eine wohlverdiente entgegen im Namen der deutschen Armee. — Al- Soldat halte ich den Kriegsruhm, die todverachtende Tapferkeit auf dem Schlachtielde selbstverständlich für da« Höchste im Leben. Ich sage al« Soldat von Beruf, al« Offizier! Da» schließt aber den Heldenmuth im Leben —" hier senkte der Hauptmann die Stimme — „als solchen nicht au« iunb ich preise den tapferen Muth, der mit edler Selbstverleugnung und Hingabe sein Leben daran setzt, seinen Nächsten au« drohendster Todesgefahr im Kampfe mit den unerbittlichen Elementen zu retten. Ein solcher Mann ist mir ebensoviel werth, wie der tapferste Held der Schlacht. Sagen Sie da« Ihrem Freunde vom Hauptmann Ehrhard, mein lieber, junger Herr!" Hamson erhob sich rasch, ergriff de« Hauptmann« Hand und führte sie, ehe dieser es hindern konnte, an seine Lippen. „Mein Willibald hat mir sehr ost das Loblied seine- tapferen, warmherzigen Oheim- gesungen, in diesem Augenblicke aber habe ich es erst verstanden," sagte der Amerikaner bewegt. „Der Junge hatte durchaus keinen Grund, mein Loblied zu fingen," murmelte der Hauptmann, einen verlegenen Blick auf Elisabeth und von da auf den Professor werfend. Als er bei ihnen nur freudige Rührung und stille Befriedigung wahrnahm, glitt ein freudiger Zug durch seine Mienen. Das Gefühl, einen großen Sieg über sich selbst erstritten zu haben, da Willibalds Name noch nicht in seiner Gegenwart ausgesprochen worden war, erfüllte ihn seltsamer Weise mit Stolz und Triumph. Daß die Sturmfluth mit ihrer zerstörenden Gewalt die soldatische Despotie und Selbstsucht, hinter welchen sich da- weiche, menschenfreundliche Herz des alten Herrn so lange verschanzt, unerbittlich ntedergerissen und hinweggeschwemmt hatte, das begriff er allerdings noch nicht, sondern glaubte nur, einen Tribut, den er der Tapferkeit, in welcher Gestalt sie sich auch offenbare, schuldig sei, diesmal mit Fug und Recht seinem Neffen gezollt und damit seine Vergangenheit aurgelöscht zu haben. „Geht er mit Ihnen zurück nach Amerika?" fragte er dann, sich gewaltsam zusammenfassend. „Nein, Herr Hauptmann, dazu ist noch lange keine Aussicht vorhanden." „Ja so, ich vergaß, — weshalb wollen Sie ihn verlassen? Müssen Sie zurück in Ihre Heimath?" „O, das nicht, — ich will mir nur diesen Welttheil ein wenig anschauen," erwiderte Hamson, „obwohl ich die großen europäischen Städte schon früher bereist habe. Indessen —" Er zögerte mit einem Blick auf den Professor, da es ihm sehr widerstrebte, jetzt noch den besonderen Grund seines Besuches zu nennen. „Nun ja," nahm Carlsen, welcher seinen Blick verstanden, ruhig das Wort, „sein Freund treibt ihn im Grunde selbst in die Flucht. Können Sie sich denken, Herr Hauptmann, daß der Kranke die ernsthafte Forderung an ihn stellt, ihn jetzt bei der zuständigen Militärbehörde zu denunciren?" „Unmöglich!" rief Elisabeth erschreckt. „Leider ist es die Wahrheit, mein gnädiges Fräulein," sagte Hamson achselzuckend, „ich bedaure, daß der Herr Professor diesen Punkt, der Ihnen verheimlicht werden sollte, in Ihrer Gegenwart zur Sprache gebracht hat." „Alle Wetter, ich vergaß," rief der Professor bestürzt, „Pardon, aber ich denke —" „Daß es ebenso gut ist, wenn ich erfahre, was hinter meinem Rücken geplant wird," fiel Elisabeth rasch ein. „Und deshalb wollten Sie die Flucht ergreifen?" setzte sie etwa» spöttisch, zu Hamson gewendet, hinzu. „Si, ich wäre ja nicht heimlich auf und davon gegangen, meine Gnädige," vertheidigte sich der junge Mann mit einer so schmerzlich restgnirten Miene, das, fte ihn betroffen anblickte. „Willibald verlangt die Denuneiation wie einen Freundschaftsdienst von mir, weshalb ich mich dem Herrn Professor an- vertraute- Ich bin hier fremd und einsam, schließlich verlangt auch der genügsamste Mensch ein wenig Geselligkeit —" „Aber Sie hatten doch den Professor, der Sie überall einführen konnte," meinte der Hauptmann kopfschüttelnd. „Ach, der war die ganze Zeit über ein mißtrauischer, ungastlicher Mensch," rief Carlsen, sich ärgerlich durch'» Haar fahrend, „reden wir nicht mehr davon." „Was halten Sie von dem Verlangen Willibalds, Hauptmann?" fuhr der Professor fort. — „Sie sind in diesem Falle eine Autorität und da die Sache nun einmal durch meine Uebereilung und Vergeßlichkeit zur Sprache gekommen ist, so werden Sie un» Ihren Rath und Ihre Ansicht nicht vorenthalten." Der Hauptmann sah eine Weile starr vor sich hin, in seinen ausdrucksvollen, verwitterten Zügen Malte sich ein schwerer, innerer Kampf. „Ich denke, daß das keine» fremden Menschen, sondern ganz allein meine Sache ist," sprach er endlich zu Aller Überraschung langsam und fest. „Wenn der Junge aus einem Gewissenszwangs, den ich begreiflich finde, mit der Vergangenheit endlich abfchließen will, dann kann nur ich allein sein Angeber —" „Papa, das wirst Du nicht thun," unterbrach Elisabeth ihn fast schreiend. „Nur ich allein auch fein Sachverwalter sein," vollendete der alte Herr ruhig. „Ich habe dem Sohne meines seligen Bruders einst Vaterliebe und Vaterpflicht angelobt und bin entschlossen, jetzt Beide» durch die That zu beweisen. Reisen Sie in Gottesnamen, mein junger Freund, wenn Sie aber hier bleiben sollten, dann besuchen Sie mich täglich. Ich würde mich freuen, von Ihnen sehr viel über Amerika zu hören." „Versprechen kann ich es Ihnen nicht, Herr Hauptmann," erwiderte Hamson, sich erhebend und ihm die Hand schüttelnd, „ich bin auch augenblicklich ein schlechter Gesellschafter, die deutsche Luft scheint mir nicht gut zu thun. Vielleicht zieht der Freund mich bald wieder hierher, dann werde ich von Ihrer Erlaubniß nur gar zu gern Gebrauch machen." Er wandte sich jetzt zu Elisabeth, die ihn forschend ansah und deren Hand er länger, als üblich war, in der seinen hielt, was der Professor mit schmerzlicher Genugthuung bemerkte. „Weiß Willibald von Ihrer geplanten Abreise?" fragte fte leise. „Roch nicht, ich werde morgen früh Abschied von ihm nehmen." „Er wird Sie nicht fortlassen, ea wird ihn wieder kränker machen." „Das wolle Gott verhüten, er hat Sie, Elisabeth, und damit den Inhalt seines jetzigen Daseins. Ich denke, hier nun lange genug umhergebummelt zu haben." „Und Leonore CarlsenI" setzte sie leise, zögernd hinzu. Hamson fühlte, wie er erblaßte und biß sich zornig auf die Lippe. „O, sie ist gütig genug, mir eine glückliche Reise zu wünschen!" äußerte er hart und spöttisch. Der Professor hätte für sein Leben gern ein wenig den Horcher gespielt, da er den unglücklichen Hamson im Stillen ob seiner hoffnungslosen Liebe sür die Braut des Freundes tief bedauerte, aber der Hauptmann nahm seine ganze Aufmerksamkeit für sich in Anspruch. „Herr Hamson," sagte Elisabeth leise, „wollen Sie mir versprechen, an Willibald zu schreiben?" „Ei natürlich, ich werde ihm die schönste Reisebeschreibung liefern, wenn Sie's verlangen, ein regelrechtes Tagebuch." „Ich werde Willibalds Secretär fein müssen, vielleicht bestimmt er Vie doch, zu bleiben." Er schüttelte den Kopf, küßte ihr die Hand und empfahl fich dem Professor. ! Seltsamerweise hatte Willibald, den er am nächsten Morgen besuchte, nicht« gegen seine Abreise einzuwenden. „Du hast mir durch diesen laugen Aufenthalt schon ein so großes Opfer gebracht, mein Pylades," sagte er mit seinem jetzt so sonnigen Lächeln, „daß es ein Verbrechen wäre, Dir nicht wieder eine erquickende Abwechselung zu gönnen. Elisabeth freilich glaubte an irgend ein zartes Band, das Dich hier zurückhalten würde. Wie ich sehe, hat sie sich geirrt. Oder doch nicht, Richard?" setzte er, als der Freund sich heftig abwandte, sanft hinzu. „War Leonore —" „Schweige von ihrl" fiel Hamson ihm zornig in’« Wort. „Sie ist eine raffinirte Kokette, nicht werth, von Deiner unvergleichlichen Elisabeth Freundin genannt zu werden. Wie können diese beiden Gegensätze eine solche Neigung für einav- der haben?" „Oho, dar klingt ja recht häßlich, Freund Richard!" sprach der Kranke sehr ernst. „Hast Du Beweise für Deine Anklagen? Man zerstückelt nicht so ohne Weiterer die Ehre einer jungen, geachteten Dame. Seit wann ist Richard Hamson unter die Verleumder gegangen?" „Ich verleumde nicht," erwiderte Jener mit gepreßter Stimme. „Und doch," setzte er hastig hinzu, „verzeih' und vergiß meine Worte, es war unrecht, nein, schlecht von mir. Ich war ein Thor, vertraute meinem gewohnten Stern und verdiente die Abfertigung. Versprich mir mit Hand und Wort, Deiner Elisabeth nicht» davon zu sagen, ich würde in ihrer Achtung sinken und mich sür immer von Dir trennen.“ „Armer Junge, Du bist in schlechter Stimmung," sagte Willibald, ihn zärtlich ablickend, „gewiß hast Du die Sache amerikanisch behandelt. — Ich verspreche Dir, Deine Worte wie etwa» Unwürdiges, das mit meinem Richard nichts zu schaffen hat, für immer zu vergessen, muß aber doch noch bemerken, daß Elisabeth Eyrhard eine raffinirte Kokette nie Freundin nennen, sie nicht wie eine leibliche Schwester lieben könnte. Ein deutscher Mädchen will doch etwas anders behandelt werden, als die Amerikanerin, deren Selbstständiakeit auch andere Formen bedingt. — Reise, mein theurer Pylades, unterwegs wirst Du auf andere Gedanken kommen und Gerechtigkeit walten lassen. Ich hoffe ganz fest auf Deine baldige Rückkehr." „Wenigstens komme ich zu Deiner Hochzeit." „Dann werden wir uns sobald nicht wieder scheu, da ich vorher meine Strafe abbüßen will." „Unsinn, erst geheirathet und dann gebüßt," rief Hamson mit erzwungener Lustigkeit, „der Hauptmann wird die Sache schon in'» Reine bringen. Dich freut'« doch, Will, daß er sich Deiner wieder väterlich annehmen will?" Der Kranke sah sehr nachdenklich aus. „Daß er mir vergeben hat, freut und rührt mich mchr, als ich sagen kann," erwiderte er, „ob er aber al» Sachwalter nicht am Ende mehr schaden al» nützen wird, bleibt dahingestellt- Ich fürchte, daß er dabei an» der Vertheidiger- rolle in die de« Richter» fällt, man kann nicht Ankläger und Sachwalter in einer Person fein, mein bester Dick, zumal wenn diese Person Hauptmann Ehrhard ist." „Hm, Du beurtheilst Deinen Oheim nach eigenen Erfahrungen, mein Bester! Wie der Professor mir erzählte, hat diese letzte Sturmfluth ihn gänzlich umgewandelt, au» einem Saulus einen Paulus gemacht. Kannst Deine Sache ihm unbesorgt anvertrauen, er wird jetzt weniger an den Deserteur, als an den Sohn seine» Bruder« denken, verlaß Dich daraus, mein theurer Will! — Und nun good bye, alter Junge, ich schreibe bald und hoffe, gute Nachrichten von Dir zu erhalten. Grüß’ mir Deine Elisabeth, Du Glücklicher!" Er beugte sich zu dem Kranken nieder, küßte zärtlich feine Stirn und war dann nach einem Händedruck hinan«. Willibalds Blick hastete lange an der Thür, durch welche der Freund verschwunden war, dann Überflog ein Lächeln fein blasse« Gesicht und halblaut sprach er vor sich Hinz „Er kommt bald zurück!" (Fortsetzung folgt.) — 48 Arme Kinder. Zu Gunsten des Berliner Verein« für Kinder« Volksküchen haben eine Reihe angesehener Schriftsteller, Gelehrte rc. Beiträge gespendet, von denen nachstehende mit» gethrtlt seien: Oeffnet Her, und Hand, die Roth zu lindern. Seid barmherzig, seid gerecht, Und Ihr werdet aus des Elends Kindern Euch erzieh'n ein besseres Geschlecht. Berlin, 7. November 1894. Julius Rodenberz. Lieber hungrig schlafen geh'n, hungrig Kindlein seh'n. Meiningen, 11. DEnber 1894. Rudolf Baumbach. Die Ihr der hungernden Vöglein Gedenkt und Futter streut, Gedenkt auch der hungernden Kinder. — O kommt und helft noch heut'l Die Noth ist groß und so grausam, Schont selbst die Kleinsten nicht; Da steh'n sie — erbarmet Euch des Elends! — Mit blassem Gramgesicht. . . Auch Du hilf Thränen zu trocknen, Sie fließen reichlich hier, Dann erst heißt es: »Friede auf Erden" Und Wohlgefallen an Dir. Basel (Schweiz), 30. December 1894. Alfred Beetschen. Die Kinder sind die Zukunft unserer Nation. Wer auch nur ein Echerflein dazu beiträgt, daß sie gesund an Leib und Seele heranwachsen, erwirbt sich ein unvergängliches Verdienst an der kraftvollen Thatenentwicklung des deutschen Volkes. Berlin, 2. Januar 1895. D ora Duncker. Kindern wohlzuthun, ist nicht nur die liebenswürdigste, sondern auch die ersprießlichste Wohlthat — die einzige, die niemals mit Undank belohnt wird. ,, , , getifat. Karl Frenzel. O schöne Pflicht, zu sorgen für die Kleinen, Die hungrig geh'n auf rauher Lebensbahn! „Was Ihr gelhan für der Geringsten einen," Spricht Gott der Herr, „das habt Ihr mir gethan. Berlin. Otto Franz Gensichen. Neiqe Dich nieder zu den armen, verlassenen Kindern; wer Blumen pflück, n will, muß sich bücken. Wer die kleinen Menschenknospen pflegen Hilst, der bereitet einen Flor blühender Existenzen vor, einen Menschheitssrühling, der die Winternacht des socialen Elends verscheuchen wird. Niemand dankt Dir rührender als ein Kind; denn es dankt Dir naiv und unbewußt; es nimmt Derne Güte so unbefangen ent- aeaen wie den Thau und den Sonnenschein, wie einen Naturvorgang, wie eine Ausstrahlung Gottes; darum schasst Dir kindlicher Dank auch göttliches Empfinden, wahrhafte Seligkeit. Potsdam. Dagobert von Gerhardt-Amyntor. Die Wohlthat, die ein Kinderherz erfreut, Gleicht einem Samenkorn, im Lenz gestreut. Es keimt im Stillen; doch in künst'gen Tagen Wird wieder es sür Andre Früchte tragen. Pankow. Rudolf Kireisel. Arme, vernachlässigte Kinder sind die furchtbarsten Ankläger der ^haAottenburg, 1. Januar 1895. Riax Kretzer. Wer der Kleinen Noth zu mindern, Oeffnet milde Herz und Hand, Baut fürwahr den eignen Kindern Sorgend vor ein Zukunftsland. Was wir jetzt in Liebe säten, Wird in Liebe einst erblüh'n, Unser Nachwuchs wird es jäten, Wenn's zur vollen Frucht gedieh'n. Güte kann nur Güte wecken, Liebe sprießt aus Liebessaat, Rimmer braucht uns dann zu schrecken Das Gespenst vom „Zukunftsstaat." Berlin, 31. December 1894. Harry von Pilgrim. „Laßt die Kindlein zu mir kommen I" ... . Göttliches Wort voll Erbarmen, Oft gesprochen von den Frommen — Selten gehört von den Armen! Jetzt, in vielgeschmähter Zeit Erst, haben ste's wirklich vernommen, Hilfreich klingt's von Nah und Weit: „Lasset die Kindlein.nun kommen!" Dresden, Weihnacht 1894. Franz von Schönthan. Die Kinder der Armuth nähren und pflegen, heißt ben Geistes, acker für die Aussaat bereiten. Berlin. Robert Schmeichel. Wer ein Kind erquickt, sorgt für die Zukunft seines Volkes. Berlin. Heinrich von Sybel. Daß Menschen hungern müssen, ist unwürdig und schrecklich, — daß schuld- und hilflose Kinder darben, aber der niederdrückendste und beschämtndste Gedanke. Berlin. - E. Vely. Vevii Echtes. Feldmarschall Blücher traf einst seinen Oberstab«« arzt, einen hübschen, aber sehr eingebildeten, stutzerhaften Mann vor dem Spiegel an, in dem er sich wohlgefällig be» trachtete. — „Doctor," sagte Blücher, „ich halte Sie für den glücklichsten Menschen auf Gottes weiter Erde." — „Warum, Excellenz, wenn ich fragen darf?" forschte lächelnd der Eule. — „Weil," entgegnete Blücher, „Sie in sich selbst verliebt find und Ihnen Niemand darum neidisch ist." • ♦ ♦ Baron Wichs: „Wie ist es Dir in Amerika drüben ergangen?" — Baron Faulhuber: „Gräßlich, ganz miserabel! Wer dort nicht arbeitet, muß verhungern I" • ♦ ♦ Bedingung. Schneider: „Wünsche ein recht ftohes neues Jahr, Herr Lieutenant, und hier ist die Rechnung." Lieutenant: „Nehmen Sie die Rechnung wieder zurück, Meister, sonst kann Ihr Wunsch unmöglich in Erfüllung gehen." • Auch ein Toast. Hausfreund (der aufgefordert wird, einen Toast auf das Geburtstagskind auszubrinaen): „Ver» ehrte Anwesende, ich bin kein Freund vieler Worte . . . Kurz und gut, ich schenke meinem Freunde hiermit die zwanzig Mark, die ich noch von ihm kriege! Das Geburts- tagrkmd lebe hoch!" ♦ Eine sänderbare Wette. „Sie sind angeklagt, den Herrn Groß geprügelt zu haben. Warum haben Sie das gethan?" — „Herr Groß .ist der beste Schachspieler." — „Nun und?" — „Ich habe gewettet, daß ich den besten Schachspieler schlagen werde." ♦ Zweideutig. Wirth (schmunzelnd): „Nun, wie alt schützen Sie das Weinchen?" — Gast (probirt): „Hm, die Sündfluth hat er mindestens mitgebracht!" ♦ Ein Namensvetter. Besucher: „Herzliche Gra» tulation zum neuen Jahr!" — Commerzienrath Meter: „Wie kommen Sie dazu? Ich kenne Sie ja gar nicht!" — Be« sucher: „Entschuldigen Sie: ich heiß' auch Meier!" ♦ e • Der Dienst des Fernsprechers in München. Der ächte Münchener weiß auch die Telephonleitung praktisch für sich aurzunützen. Er geht zum Director des Telephon« tnstitutes und erklärt: „Sie Herr Telephondirector, ich wünsche eine Leitung vom Hosbräuhaus in meine Wohnung." — „Vom Hofbräuhaus?' — „Ja, wiffen'S, damit ich'« allemal gleich hör', wenn anzapft wird!" Redaction: A. Echeyds. — Druck und Verlag der Brühl'schen Drucker« (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.