F| Nr. 1B8. Sie«# iee 6« 24. Setemi« SMilisnßssUsk icKencr UnterßMmgsblatt junt Gießener Anzeiger (Oeneral-Aqriger). °S' Unter’ (Schluß.) Wie es Morgen — Weihnachtsmorgen — war, war M tt«nt°n ohne Weib. Sie war gestorben; da» matte losch ^ ^t' das kaum noch flackerte, war in der Nacht er» Weihnachten. Verheißungsvoll durch Wintersdunkel Erglänzt der holde Weihnachtsstern, - Er grüßt mit seinem Lichtgefunkel Die Christenheit in Nah und Fern. — Und weithin über alle Fluren Wirft er so Hellen Gnadenschein, — Es senken seine Strahlenspuren Sich tief auch in die Herzen ein! Und wohl bi» in die kleinste Hütte Dringt heut' von seinem Glanz ein Theil, - Dort, wo die Lieb' mit leisem Schritte Wirkt zu der Kummervollen Heil. — Und wo ein Herz begehrt nach Frieden, Da leuchtet in der Nacht des Herrn Ihm, von de» Höchsten Huld beschieden, Von Bethlehem der hehre Stern! Willkommen denn in Deinem Klingen, Du heilige, geweihte Nacht! — Du bringst schier wie auf Zauberschwingen Uns wunderholde Märchenpracht. — O, sel'ge Nacht, sei uns gepriesen, Wir fassen Deine Wonne kaum; — Laß Allen Deinen Segen fließen Nun unter'm grünen Tannenbaum! B. Walther. 'm Dach der Heimath. «ine Weihnachtsgeschichte aus dem Combdiantenleben von Gebhard Schätzler-Perasini. I Gestndestube stand der fahrende Comö» I SA mM*!au e brennenden Auge« hinüber auf das Dach I K-nnM^Vause». Die Gefährtin seiner Wanderjahre, die I Genossin all seines Elend« hatte ihn verlassen. I froirf» Mi {n ber Ecke war mutterlos. Jetzt I blieb rhm doch der volle Begriff davon ferne. Er saß I (b,em ®ct)oo&e der Bäuerin und ließ stch die gedörrten I ^^pfel schmecken, welche ihm die Großmutter mechanisch ™»taVterrro2r fe& Ue, die schlief unter dem weißen Tuch. St. nm6t baS ®eR4t Ue6 Pe ^hen, selbst das war zu- d-m erCkl6ut ouf und erschrack doch gleich vor Ä - ro“W M»>I-r dnm Der Anton am Fenster griff wiederholt nach der Brust • 1 ee S beute mehr denn sonst und sein auf ber BüsÄto“ ™ W fte “”m Die Bäuerin stand auf, nahm das Kind bei der Hand und ging damit hinaus. In der Stube war's jetzt sehr ruhia kaum daß man den Athem Antons hörte und manchmal das knatternde Geräusch eines zersprungenen Holzscheits im Ofen. Es war mittlerweile ganz hell geworden. Ueber den d-m Nein« Jung« an L Ä. Ä'sg* 5ta““' mb «' «»»--M-n- .. Nach minutenlangem Warten ging die Thüre auf und die Bäuerin tritt mit dem Kinde ein. Stephan war voll» Kleidet; ja, ein Blick der Frau überzeugte fie daß er überhaupt nicht geschlafen hatte in dieser Nacht 8 „Sie ist todt, Stephan," sagte die Bäuerin; er nickte stumm dazu; er hatte darauf gewartet. »Und unser Sohn, Stephan?" fragte sie schüchtern. »Ich habe keinen mehr —* gab er dumvf Zurück K-i« Weib trat ihm näher, indem es das Kind vorschob Duihn hinausschicken, mitten im Winter - in'« Elend? Ihn mit dem Kinde da? Schau es doch an, Stevban — da« ist auch von Deinem Blut und frei von Schuld." Mit schweren Schritten ging er auf und ab . . Jetzt trat ihm der kleine Junge entgegen, nachdem ihm die Bäuerin 606 etwa« in’« Ohr geflüstert. Das Kind hob beide Händchen ängstlich auf und feine Stimme war nahe dem Weinen, al» ■ es sagte: „Bitte — Vater dableiben — und kleine Franz 1" Der Stephan blieb stehen; seine Braunen zogen sich zusammen und seine Augen zuckten. Dann lief er davon, ohne ein Wort zu reden. — Drei Tage später begruben sie das Weib des Comödian- ten. Es war eine recht armselige Leiche, kaum ein Dutzend Leidtragende: Der Bauer, die Bäuerin, das Gesinde und Anton- Das war auch bald vorbei, umsomehr, als es ein grimmiger, kalter Tag war und Jedes trachtete, wieder unter Dach zu kommen. Anton verblieb im Hinterhaus, ohne daß sein Vater auch nur ein einziges Wort mehr mit ihm gesprochen hatte. Nur al» er gleich nach dem Begräbniß erkrankte und mehrere Wochen lag, schickte ihm der Stephan den Doctor, den er dann heimlich beim Fortgehen befragte. Der aber mußte ihm nicht viel tröstliche Worte gemeldet haben; Stephan ließ den Kopf tief auf die Brust sinken. Und von da an litt er es ohne Widerrede, daß der Anton, selbst al» er wieder auf war, im Gestndehau» verblieb, ohne sich an den gewöhnlichen Arbeiten zu betheiligen. Dafür aber hatte Stephan seine Helle Freude an dem kleinen Franz. Da» war ein Prachtbube, voll Gesundheit und Leben. Für den war'» da» höchste Vergnügen, auf einem Pferderücken nach dem Felde zu reiten und dort sich mit den Arbeitern herumzutollen; daß mußte einst ein ganzer Bauer werden. Das Frühjahr war da und der Anton auch noch. Der Stephan sagte noch immer nichts, aber Anton ging erregt unruhig umher, bis er eines Tages seinen Gang nach dem Vaterhaus nahm. Sie waren in der Stube, wie er hereinkam; der Stephan, sein Weib und das Kind. Und keines hatte ihn da erwartet, wo er sonst nie hinkam. Einen Augenblick wußte Anton nicht, wie beginnen; aber es stand ja fest und mußte auch sein. Der Bauer war aufgestanden. „Es wird Zeit, daß ich wieder gehe," Hub Anton an; „lange genug bin ich Euch zur Last gefallen — bin fremd geworden hier und werd' mir im Leben wohl kaum mehr dar Heimathsrecht verdienen. Weil ich Euch aber viel Dank schuldig bin, wollte ich nicht fort, mitten in der Nacht wie — damals, wo ich ein unbesonnener Junge war. Heute, wo mich die Zeit und die Sorge früh genug zum alternden Manne gemacht haben, danke ich Euch noch einmal für all' das, was Ihr dem Fremden gethan habt. Und ich hätte nur eine Bitte noch —" — sein Auge suchte da« Kind — „wollt Ihr mein Kind bei Euch behalten? Es hat ja jetzt schon da seine Heimath gefunden, die ich ihm nirgends bieten kann. Rur blutiges Elend kann ich ihm zeigen und den Untergang. Mich aber laßt hinaus in meine weite Welt, die mich wieder aufnehmen wird mit vollen Armen, die mir wieder gewähren wird, was sie bisher gab und die ich doch nicht mehr meiden kann." Einen langen Kampf hatte währenddem da» harte Herz de» Bauern gekämpft; heiß kam der Athem aus der breiten Brust, als er Anton entgegsntrat und zum erstenmale nach langer Zeit den Namen seines Sohnes aussprach. „Anton," sagte er, „willst Du versprechen, mir keine Schande mehr zu machen — willst Du Dich fügen in die Sitten und Bräuche Deiner Heimath — willst Du wieder ein Bauer werden, so bleibe dal" Er glaubte viel gethan zu haben und auch die Bäuerin blickte freudig auf. Allein Anton schüttelte den Kopf, obgleich ihm Thränen in den Augen standen. „Wie ich Euch danke," flüsterte er halblaut. „Wieder einmal nach langen Jahren habt Ihr mich Anton genannt; Ihr glaubt nicht, wie wohl da» thut und wie ich Euch Dank dafür weiß. Aber bleiben — da» kann ich dennoch nicht, wie gut Ihr'» auch meint." Stephan trat einen Schritt zurück und seins Mundwinkel wurden starr. „Ihr wißt es nicht, Vater," fuhr Anton bittend fort, „welcher Zauber meinem Berufe innewohnt. Ich konnte mir nie eine Stellung erringen, wie mancher Andere, der, wenn auch nicht glänzend, so doch zu leben hat. Ich blieb stets der halbe Bauer und auch Weib und Kind, die ich nie verließ, trugen nicht dazu bet, meine Lage zu verbeffern. So bin ich zum Wander-Eomödianten geworden, zu einem, der das ganze große Elend hinter den bunten Eouliffen kennt. Und dennoch ist dieses Elend nicht so, wie das der anderen Welt; thut auch der Jammer sehr wehe, sind die Wunden auch tiefer, ein Zauber liegt dennoch selbst darin, den sich Keiner erklären kann- Das ist das Lampenlicht und wie die Motten ziehen i wir nach diesem Licht, ob wir sterben darin oder zur Höhe fliegen." „Sterben und verderben — jal" murmelte Stephan. „Ich weiß es, Vater, aber es ist vergeben». Ich habe meine Heimath verloren an dem Tage, da ich sie freiwillig floh. Nun kann ich nicht mehr bleiben, auch wenn ich so gerne wollte." „So geh' — und stirb auf der Landstraßei" tönte de» Bauern harte Stimme. Tiefer Groll lag darin. Anton lächelte bitter. „Das ist das Loos der Meisten von uns. Kaum Einer stirbt in den Armen der Seinen. Alle allein, unter fremden - Menschen — und dennoch haben sie es Alle selbst gewählt und deshalb laßt auch mich gehen in Frieden." Noch einmal fühlte Stephan eine leise Regung von Mitleid in sich; er gedachte an den Ausspruch de» Doctor». „Du bist immer noch krank, Anton," sagte er, „mehr vielleicht, al» Du selber denkst. Ich kann Dich nicht verstehen, was Du von dem elenden Leben in der Welt draußen sagst, aber ich meine — und ich setz' den Fall — Du hättest nicht mehr lange zu leben — wenn Du'» so vor Augen sähest — möchtest Du auch dann nicht lieber im Vaterhaus sterben, al» draußen in der Fremde?" Anton streifte langsam mit der Hand über die bleiche Stirne. „Wenn'» einmal an'» Sterben ging, Vater — ja — dann möcht' ich wohl zu Hause sein." Nun schien ihm ein Gedanke zu kommen. „Ich will Euch noch sagen, Vater, wenn ich die Zeit fühle — wenn e» bald so weit ist — dann will ich noch trachten, heimzukommen. Legt mich dann hinüber neben mein Weib und meinen Bruder, so könnte ich in der Heimath schlafen." „Umsonst," murmelte Stephan; sein Weib aber schluchzte leise. Der Wander-Comödiant trat seinem Vater näher. „Nun laßt mich; — mein Kind nehmt Ihr doch bei Euch auf? Zwei Söhne habt Ihr verloren, das Kind ist noch frei von Schuld. Nehmt es für mich al« Ersatz und macht au» ihm, was ich nicht werden konnte. Haltet es fern von Allem, was an das flimmernde Lampenlicht, an das tödtends Truggold gemahnt; es wird leicht vergeflen, was es noch kaum weiß. Und wenn Ihr ihm von seiner Mutter erzählt, sagt ihm, sie wäre gestorben, weil sie den Vater zu sehr geliebt, der ein ungehorsamer Sohn gewesen — und deshalb auch gestorben wäre." Er nahm den kleinen Franz zu sich herauf, schaute ihm wehmüthig in die Hellen Augen, streichelte ihm die Backe — eine Thräne trat ihm dabei in'» Auge. Er setzte ihn ab, nahm die Hand seiner Mutter, welche sie nicht loslaffen wollte. Er entzog sie ihr, ohne ein Wort zu sagen. Dann tastete er unsicher nach Stephan? Händen; einen Augenblick schien e«, als möchte sie ihm der entziehen, aber er seufzte dann tief und ließ sie ihm. Eine Minute darauf war Anton aus der Stube. „Ausl" sagte dumpf der Stephan, als sich die Thüre schloß. „Wir haben keine Söhne - Alle tobt!" Er fiel in 60f - Die Jahre ziehen hin und der Franz wird dem Stephan ersetzen, war dem sein unglücklicher Vater raubte: Er wird ihm ein ganzer Sohn und Erbe de» Hofe» werden. Vorläufig aber hält noch der Stephan mit fester Hand die Zügel und freigeben wird er fie erst dann, wenn'» an der Zeit ist. Wie da» Licht der Laterne in da» Schneegestöber hinaus- fiel, erweiterten sich plötzlich Stephan» Augen. Was war da»? Auf den Stufen lag wirklich ein Mensch I Die Thüre riß der Stephan auf und stürzte über die Schwelle. Ein voller Schneewirbel blies ihm in'» Gesicht; er achtete nicht darauf. Da vor seinen Füßen lag Einer und der Stephan wußte es, das war der Anton. Der hielt sein Versprechen, war heimgekommen, um im Vaterhaus zu sterben, nachdem er dort nicht mehr leben gekonnt. Heute wandt sich der Sohn nicht im Schnee wie vor drei Jahren, heute flehte und bat auch der bleiche Mund nicht um Ausnahme. Und dennoch nahm ihn heute der Vater ans, ohne Bitten — weit offen stand die Thür und der Wind fegte den Schnee in'» Hau». Auf den Stufen int Schnee kniete der Stephan neben seinem Sohne und fuhr ihm mit der Hand über da» Gesicht und that dann einen langen Aufschrei. Der vor ihm war tobt — nun wirklich tobt! Aber wenn er doch noch lebte? Nur für kurze Zeit, damit er noch die Seinen erkannte und ruhig sterben konnte. Während im Hause oben Licht aufflammte und Geräusch entstand, nahm Stephan den Körper seines großen Sohnes wie ein Kind in seine Arme und trug ihn in'» Haus. Auf Händen getragen in'» Vaterhaus I Wenn Anton sich selbst und seinen alten Vater sehen könnte I Das Blut hatte sich dennoch nicht verleugnet; einmal brach es sich Bahn; es war eben doch sein Sohn, den er nun tobt über die Schwelle trug. — In Stephans Hof gab es diese Nacht kein schlummerndes Auge; aber es war Alles vergebens. Der Heimgekehrte erwachte nicht mehr. Zwar kam er todesmatt bis an das Vaterhaus, wie er ersehnt, aber man hörte ihn nicht mehr, wie er leise wimmernd vor der Thür zusammenbrach. Nur der Hund hatte einmal aufgeheult. Anton war gestorben auf den Stufen de» Vaterhauses. Weihnachtszeit ist'» wieder, aber keine fröhliche, denn im Haufe liegt Einer auf der Tobienbahre mit einem Herzen, das nicht mehr heiß schlagen, das nicht mehr fühlen und leiden konnte. Jetzt war aller Zauber von Lampenlicht und Flittergold dahin — nun schlief der Comödiant ruhig unter'm heimaih. lichen Dach. — Ein „sinniges" Weihnachtsgeschenk. Der kleine Lix, der eigentlich Felix heißt, so erzählen die „Dresdener Nachrichten", hatte sich schon lange einen Eisenbahnzug mit heizbarer Locomotive gewünscht und dieser Wunsch war ihm nun erfüllt worden. Auf einem besonder« großen Tische neben dem Weihnachtsbaum waren die Schienen gelegt und stattlich nahm sich der kleine Zug aus, der zum Abfahren bereit stand: eine allerliebste Locomotive, ein Tender, ein Gepäckwagen, Wagen erster, zweiter und dritter Klaffe und eine vollständige Holzlowry. Der Zug sollte nun in Bewegung gesetzt und die Freuds des kleinen Lix auf das glanzvollste gesteigert werden. Man brachte Spiritus und Wasser, füllte Beides in die Kessel der Maschine ein, entzündete die Brenner und Alle» stand erwartungsvoll und harrte des großen Augenblicks. Wohl volle fünf Minuten, während das Wasser im Kessel kochte und die Dämpfe sich entwickeln mußten, starrten Alle wie hypnotisirt auf die Locomotive, die mit jedem Augenblick mehr pustete und dampfte. Noch immer stand der Zug unbeweglich. Todtenstille herrschte unter dem lieblichen Weih- nachtsbäum, die Erwartungen hatten eine förmliche elektrische Spannung angenommen. Die kleine, niedliche Locomottve aber spielte jetzt in jener verdächtigen Farbe, welche die Bügeleisen bei höchster Leistungsfähigkeit anzunehmen pflegen. Das Dingelchen sah nicht mehr freundlich au», sondern bösartig und heimtückisch. Und da I Plötzlich sauste die Locomotive und mit ihr der ganze Zug mit einer Kraft und Geschwindigkeit los, die jeder Beschreibung spotten. Wie vom Bösen besessen, rast das Ganze ßexensabbatartig über die Schienen, einem Courierzug gleich, der alle und jede Führung verloren, so schnell, so drohend und wirbelnd, daß die Umstehenden den Bewegungen nicht mehr zu folgen vermögen und nur noch einen mit aller Macht schwingenden Kreis erblicken, unter dessen Wirkungen Hören und Sehen vergeht. Bereits ertönten Hilferufe und die Beherzten machten Versuche, dem verrückt gewordenen Schnellzug ein Ziel zu setzen, da — der Himmel bewahre Jeden vor ähnlichen Weihnachtsüberraschungen — entgleist der Zug und fällt auf den Boden. Die nun ent- stehende Verwirrung ist grenzenlos. Der Zug rast unten am den Lederstuhl zurück und starrte zur Decke; draußen verhallten die Schritte seines Sohnes. _ Um seine Kniee streifte etwa»; müde blickte er hinunter: §rani es, der sich vergeblich abmühte, an ihm hinaufzuklettern. Wie frisch das Gesichtchen war! Und wie " deu Stephan an seine Söhne gemahnte — an eine ferne, ferne Zeit! Neue Kraft fühlte der Stephan plötzlich durch seine Adern nJeine. Muskeln spannten sich. Er stand auf, faßte das Kind unter den Armen und hob es hoch zu sich empor. Ein voller, goldiger Sonnenstrahl fiel auf Großvater und Enkel. Muthig strampelte der kleine Bengel mit den Beinchen und haschte nach dem Barte des Stephan. Zur selben Stunde nahm Anton sein Bündel im Hinter- Haus und vertteß die Heimath. IV. Drei Jahre sind vergangen. «n x°Fer ^uft bewirthschaftet der Stephan mit seinem Weib noch immer den Hos. Der Doctor verdient blutwenig a” dieser Familie, denn auch der kleine Franz ist munter wie ein 2$$,tm Jetzt geht er bereit» ein ganzes Jahr zur Schule und wie der sich entwickelt hat! Da» mußte einst ein ganzer Bauer werden und der Stephan kann's ja am Ende noch erwarten. Der denkt noch lange nicht an's Sterben. Von Anton war nie etwas gehört worden. Aber der Stephan wartete von Jahr zu Jahr im Geheimen; er mußte doch Heimkommen; ihm sagte die» ein inneres Etwa«. Wiederum ist'« heilige Nacht, so kalt und stürmisch wie damals vor drei Jahren. Heute ließ der Sturm und Schnee- fall aber nicht nach wie damals, al« auf den Stufen des Hauses der verlorene Sohn gelegen und um'Aufnahme gefleht , Manch' scheuen Blick warf der Stephan diesen Abend aus dem Fenster nach dem Hofraum. Sonderbar, heute war ihm immer, als müßte dort auf den Quadern vor der Thür etwas int Schnee liegen. Selbst der freudige Jubel des kleinen Franz, der lärmend um den beleuchteten Tannenbaum hüpfte und dann auf dem großen Schaukelpferd ritt, verscheuchte diese Gedanken nicht. Al« Alles schon schlief, floh ihn der sonst gesunde Schlaf. Mitternacht war längst vorbei - Stephan hörte jede Stunde int Dorfe schlagen — im Hof unten heulte einmal der Kettenhund laut aus, dann war er aber wieder ruhig. Noch eine halbe Stunde lang hielt sich der Bauer im Bette, dann stand er sachte auf, um Niemand zu wecken und schlich sich mit der Stalllaterne die Treppe hinunter. Vor Kalte zusammenschauernd, ging er dem kleinen Fenster neben I bet Hausthüre zu. Es war freilich lächerlich, immer zu denken, t da draußen müsse Einer warten, bis man ihn aufnehme — aber dennoch!-- M — Bod«r weitet, zunächst unter einen großen Lehnstuhl, dessen Bekleidung Feuer fängt, dann unter da« Sopha, wo er nur einen Augenblick weilt, um seinen Weg sofort unter die übrigen Möbel zu nehmen. Niemand wagt es, die glühend heiße Lokomotive anzufaffen, zwei Personen haben stch daran schon die Finger gehörig verbrannt und auch das Kleid der Schwiegermutter riecht bereits brennlich — Alle« stürzt durcheinander, rathlos, hilflos! In diesem verzweifelten Augenblick faßt ein junger Mädchen den kühnen Entschluß, der wahnsinnigen Lokomotive mit einem Stuhle zu Leibe zu gehen — ein Krach — und das Ungethüm liegt auf der Seite — der Zug steht still und nur eine große Flamme, die aus dem ausgelaufenen Spiritus entstanden ist und ein Loch in den Teppich brennt, zeugt noch von dem kaum überstandenen Schrecken. Als die Feuerrgefahr beseitigt ist, sehen sich die Versammelten nacheinander um. Die Mutter liegt leichenblaß auf einem Lehnstuhl hingestreckt, die Schwiegermutter befindet stch in ähnlicher Lage auf dem Sopha, Vater und Onkel wickeln die Taschentücher um die verbrannten Finger, das junge Mädchen versucht das abgeschlagene Stuhlbein dem Stuhle wieder anzupaffen, da» Dienstmädchen plagt fich ab, das Scheusal von einer Lokomotive auf eine Kohlenschaufel zu bringen und die gräßlichen Spuren de« Eisenbahnunglücks zu beseitigen — Lix ist völlig verschwunden und mit ihm „Männel", der Dachshund. Beide fand man später an der Wasserleitung, Lix an allen Gliedern zitternd und an dessen Seite Männel mit eingezogenem Schweife. Keiner von beiden wollte gutwillig wieder in» Zimmer zurückkehren. Als fich der Schrecken gänzlich gelegt hatte und der strahlende Weih« nachtsbaum wieder in seine Rechte getreten war, hat man allerdings herzlich über da« Eisenbahnunglück gelacht. Wer seinen Kindern und seiner Familie aber eine wirkliche „Ueber- raschung" und „Freude" bereiten will, der gehe hin und kaufe eine so reizende kleine Lokomotive. Er wird fich mit diesem Geschenk lange Zeit in lebhafter Erinnerung seiner Freunde erhatten- ____________ GsineinniltzZges. Kleine Base für Blume«. Zu Weihnachten macht oft ein drollige« Geschenk, da« geradezu nicht» gekostet hat, mehr Spaß al» ein werthvolle», und so dürfen wir wohl annehmen, daß auch unser Präsent Erfolg haben wird. Die kleine Vase ist ein ganz einfache» Wichstöpfchen, das durch Stoffhülle maskiert und verschönt ist. Der Form des Thon« gefäßchen» angepaßt werden 6 gleich große Theile aus bräun« lichem Filz geschnitten, durch überwendüche Naht vereinigt, am oberen und unteren Rand gezackt und unten mit Boden, oben mit einem, den Topfrand ganz fest umschließenden Filz« streifen versehen. Dieser ist am besten dunkelgrün, ebenfalls ausgezackt und mit feinen Stichen unter den braunen Filz geheftet. Vorn am Töpfchen bringt man eine Applikation von tothen Filzblumen und grünen Filzblättchen an, die man mittelst Zierstiche in hellroth, gelb und ltchtgrün festnäht; seitwärts befestigt man mit schmalem Filzstreif umwickelte Wetallringe- • ♦ Körbchen al- HaarnadeMfserr. Ein Bastkörbchen von 8*/g Zentimeter Höhe und 6‘/2 Zentimeter Durchmesser, «eiche» krau» mit blauem Atlas bekleidet und darauf mit drei weißen, glatten, gestickten Seidentheilen geziert ist, wird mit losem Roßhaar gefüllt und oben über doppeltem, weißem Tüll mit Strickarbeit bekleidet. Letztere ist mit groben Nadeln und doppelter, weißer Eiswolle in hin- und hergehenden Reihen mit Rechtsmaschen zu stricken. Die zierliche Stickerei arbeitet man mit bunten Seiden im Schrägstich. Aeitte weitze Lebkuchen. 1000 Gramm Zucker «erben mit 16 ganzen Eiern recht schaumig gerührt, dann gibt man dazu 100 Gramm abgeschälte, geschnittene, geröstete ! Redaktion: A. Echeyda. Mandeln, 100 Gramm Zitronat und Orangeat, da» Gelbs einer Zitrone, etwas Zimmt, Nelken, Zordemonen, Muskat« blüthe, 1 Gläschen Arak, 4 Eierschalen voll Milch und 1000 Gramm Mehl, auf Oblaten gestrichen und getrocknet, bis sie eine leichte Haut haben und bei mittlerer Hitze hellgelb gebacken. ♦ * ♦ Linzer Torte. 250 Gramm Mandeln werden mit 80 Gramm Zucker fein gestoßen und sodann in einer Schüssel mit 450 Gramm Butter und 120 Gramm-Zucker zusammen recht schaumig gerührt, sodann vermenge man etwa» Zimmt, Zitronenschale und nach und nach 370 Gramm Mehl dazu, backe dann die Masse in 3 Böden bei mittlerer Hitze. Füllungen sind verschiedene, Rand roth glasiren, oben weiße Arakglasur, die Masse muß an einem kalten Ort gerührt werden. ♦ * Hafelrmtzmakronen 200 Gramm Haselnußkerne, 200 Gramm abgeschälte Mandeln, 400 Gramm Zucker und den Schnee von 6 Eiern, die fein geriebenen Nüsse und Mandeln werden mit dem Zucker, dem steifen Schnee und Zitronengelb vermischt, dann bei guter Hitze gebacken; wenn richtig behandelt, müssen solche außen hart, innen seucht sein. Literarisches * Rechtzeitig vor dem Feste, um als practisches Weihnachtsgeschenk zu dienen, ist soeben im Verlage des Verfassers erschienen: M» 6lotit6« HauSbttth für 1896» Demselben ist beigegeben ein WirlhschaftSbuch. Beide Bücher enthalten eine Fülle des für jeden geordneten Haushalt verwertbaren Materials, Haushaltungstabellen, Wäscheverzeichniß nebst Anweisung zur Führung desselben, Vorschriften über Verhaltungsmaßregeln bei Krankheiten, Bereitung von Heilmitteln, Erhaltung der Gesundheit, Ernährung des Menschen, NahrungSmittel- Werthtabellen, Verzeichniß der in den einzelnen Monaten gebräuchlichsten Nahrungsmittel aus dem Thier- und Pflanzenreich, Kennzeichen guter und schlechter Nahrungsmittel, Aufbewahrung und Conserviren der Nahrungsmittel, Jnstandhalten der Kleider, Auskunft über Rechte und Pflichten des Gesindes, Maß- und Gewichtstabellen, Postverkehrsnachrichten u. s. w. Wir stimmen dem Verfasser vollständig bei, wenn er in seinem Vorwort auf die schweren Mißstände und Folgen ungeordneter Haushaltung hinweist und betont, daß z. B. die meisten Hospital- plätze von Leuten besetzt sind, die beffere Tage kannten und nur infolge verkehrter Wirthschaftsführung zurückkamen. Beide Bücher sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen, in Calico-Einband zu Mk. 1,20, in Halbleinenband zu Mk. 1.—. * * * Handbuch bet praktischen Zimmergärltrerei. Von Max Hesdörffer. Mit einer Farbentafel, mehreren Vollbildern und über 200 Textabbildungen. Vollständig in etwa 8 Lieferungen ä 76 Pfg. Verlag von Robert Oppenheim (Gustav Schmidt) in Berlin SW. 46. Es giebt wohl kein Haus, in dem man sich nicht mit der Blumenpflege beschäftigt, in den Palästen der Neichen wie in der einfachen bürgerlichen Wohnung, überall bilden die Blumen einen wichtigen Be- standtheil der häuslichen Einrichtung und erfreuen sich der Pflege durch Familienmitglieder. Wie oft aber beginnen die Gewächse zu welken und ihrem Besitzer Sorge zu verursachen trotz aller Pflege und Mühe, die aufgewendet sind. Dann ist guter Rath theuer und wenn überhaupt noch zu helfen, muß der Gärtner einspringen. Und dennoch wäre dem vorzubeugen gewesen, wenn die Pflege in der richtigen Weise gehandhabt worden wäre. Alles, auch das scheinbar Einfachste, will gründlich erlernt sein und so ist es auch mit der Blumenpflege im Hause, der sogenannten Zimmergärtnerei, die zu den verbreitetsten Liebhabereien gehört. Es ist deßhalb mit Freude zu begrüßen, daß der bewährte Fachmann Max Hesdörffer es unternimmt, den Laien ein Buch zu bieten, das in wirklich klarer, verständlicher und practischer Weise dem Blumenfreunde Anleitung zur Ausübung seiner Liebhaberei ertheilt. Die vorliegende erste Lieferung gibt bereits ein Bild von der Zweckmäßigkeit dieses Buches; neu und übersichtlich in der Anordnung des Stoffes, verständlich und reich an praktischen Handgriffen, Winken und Rathschlägen, die durch eine Fülle von vortrefflichen, nach des Verfassers Angaben gezeichneten Abbildungen veranschaulicht werden. Es ist eine Freude, in der Lieferung zu lesen und sich durch die fließende Schilderung des Verfassers und begleitenden Abbildungen belehren zu lassen. Wer noch kein Blumenfreund ist, muß hierdurch geradezu angeregt werden, sich dieser so dankbaren und schönen. Liebhaberei zu widmen. Die Ausstattung ist hervorragend zu nennen und der Preis von 75 Pfg. für die Lieferung ein auffallend billiger. Allen Blumenfreunden sei die Subscription auf dieses nützliche und schöne Hausbuch warm empfohlen, es wird ihnen sicher reichen Nutzen bringen. — Druck und «erlag der Brühl'fchen UniversiMS-Buch. und Lteindruckerei (Pietsch * Tcheyb«) in Metzen.