AntrchaUungsblatt zum Gießener Anzeiger (General AnMger). ^y ♦ y^y «»• v v affimeoldkr / .... A- Jjii . 8Sa»«i; W V .MKWM Sturmfluth. Roman von Em. Heinrichs. (Fortsetzung.) Jetzt war die Reihe zum Stutzen an Leonore und Ham» fon gekommen. Was war geschehen, um den Herrn Professor urplötzlich umzuwandeln? Er, der noch gestern seiner Tochter ihre Parteinahme für den Amerikaner mit wegwerfenden Worten verwiesen hatte; für ihn, hatte er gesagt, bedürfe es noch ganz anderer Zeugnisse, um einem Fremden, der Gott weiß welche Vergangenheit in Amerika haben könne, Vertrauen zu schenken und heute kam er diesem Fremden mit der cordtalsten Herzlichkeit entgegen und scherzte in einer Weise, die Leonore geradezu haarsträubend erschien. Hatte der Pava zu gut gefrühstückt? Scheu streifte ihr Blick Hamsons Gestcht, auf welchem sich ein zerstreutes Lächeln zeigte. »Sie irren, Herr Professor," erwiderte der junge Mann, sich gewaltsam zusammennehmend, „ich bin ein ebenso fried» fertiger wie ungefährlicher Gegner, falls das gnädige Fräu» « r ?? solchen betrachten sollte. Ich hätte mir diesen Besuch nicht erlaubt, wenn nicht die Angelegenheit meines Freundes Ehrhard mich halb und halb dazu gezwungen hätten, mrr Ihren Rath zu erbitten." < »Gut. dann setzen Sie sich gefälligst, junger Herr!" nickte der Professor. „Ich denke, daß Sie nicht viel zu versäumen haben und daß es hier gemüthltcher ist, als draußen. Mama ist wohl noch nicht wieder daheim?" wandte er sich an Leo» nore, welche sich erhoben hatte und Miene machte, das Zimmer zu verlassen. ° „Nein, Papa!" t „»Die reine Armesündermiene," sagte der alte Herr, ihr kopfschüttelnd nachblickend. „Na, es wird wohl nichts weiter zu bedeuten haben. Nun bitte, Herr Hamson!" baß mein Freund Ehrhard mit Riesenschritten seiner Genesung entgegengeht, Herr Professor!" . »Freilich weiß ich das, habe mich ja erst gestern selber davon überzeugt. Mein alter Hauptmann, mit dem es leider noch immer nicht recht vorwärts will, hat mit seiner Friedenspfeife die famose Wunderkur vollendet." „Sie sind ja heute der reine Indianer," lächelte Hamson, der nun ebenfalls an eine Weinlaune des Professors zu glauben begann. „Da muß ich Ihnen, dem Amerikaner, ja doppelt fym» pathisch sein, mein junger Freund! Doch Scherz bei Seite, mit welchem Rathschlag kann ich Ihnen dienen?" „Willibald verlangt von mir, daß ich der Militärbehörde von seinem Hiersein Kenntniß gebe und seine Bestrafung beantrage, und verlangt das als einen Freundschaftsdienst, den ich ihm unweigerlich leisten müsse." Der Professor blickte nachdenklich vor sich hin. »Das sleht dem Querkopf ähnlich," nickte er, „weiß Elisabeth Ehrhard davon?" .„Bewahre, er hat mir vorher das Wort abgenommen, ihr kein Wort davon zu sagen." „Aha, an Andere hat er nicht gedacht, der thörichte tW, weil sie ihm Herz und Kopf jetzt ganz allein aus» zusüllen scheint. Weshalb aber um Gotteswillen hat er's so eilig damit?" „Weil er natürlich seine Elisabeth sobald wie möglich zu heirathen und dann hier in der Vaterstadt sich anzusiedeln gedenkt. Da ist es begreiflich, daß er die Sache so schnell wie möglich hinter sich haben will. Da sein Gegner damals ohne üble Folgen davongekommen ist, so hofft er auf Milderungsgründe und trägt sich sogar mit einem Bitt«such an Ihren Herzog." Der Professor blickte den jungen Mann, dessen intelligentes, scharf geschnittenes Antlitz von einem schmerzlich'finsteren Ausdruck überschattet war, forschend an und schüttelte verwundert den Kopf. „Weshalb sind Sie plötzlich so pessimistisch aesinnt?" fragte er. „Die Geschichte rottb für Ihren Freund "so überaus schlimm jetzt nicht verlaufen und dann denke ich, hat er doch nebenbei ein Glück gesunden, um das ihn Viele beneiden werden." »Wer möchte das bestreiten!" rief Hamson mit'ungewöhn« licher Wärme. „Und wenn mein Freund zehn Jahre Kerkerhaft bekäme, so wäre er dennoch ein beneidenswerther Mann, - 4S - M« ihm ein unve«leichlichs» Frauenherz Liebe und Treue bis in den Tod bewahren würde." „Alle Wetter," dachte der Profeflor halb erschreckt, „der Mensch liebt die Elisabeth, - da bin ich gründlich auf dem Holzwege gewesen, — nun wird'» gut werden. — Na, sehen Sie," setzte er dann laut hinzu, „was haben Sie sich denn da so sehr um ihn zu sorgen, Herr Hamson? Glaubt denn WEibalo wirklich, daß man betreffenden Orts über seme Per» sönltchkeit noch im Unklaren ist?" „Natürlich glaubt er das, ich mochte ihn nicht eines Besseren belehren, ohne mit Ihnen, Herr Professor, Rücksprache genommen zu haben, da mir die hiesigen militärischen Per» hältnrffe und die rückwirkende Kraft Ihrer Strafgesetze unbekannt find. Ich begreife es einfach nicht, daß ein Mann wie mein Freund Ehrhard, der drüben im freien Amerika sich eine hochgeachtete Stellung, ein hübsches Vermögen, die absoluteste Unabhängigkeit durch eigene Kraft errungen, sein Leben in dieser engherzigen Heimath, die ihm so grausam mit« gespielt hat, beschließen will. Ich würde in diesen engen Ver» ^n^Ja, weither Herr, dasür ist und bleibt Willibald nun einmal ein Deutscher, unb ich meine, daß sein Heimaths» gesühl dieselbe Berechtigung hat, wie das Ihrige als Ameri» kaner. Vielleicht hätte er niemals an die Heimkehr gedacht, wenn er drüben sein Herzensglück gefunden hätte. Sie würden im gleichen Falle nicht hier in Deutschland bleiben." „Nun," erwiderte Hamson kurz, „die Frau soll nach dem Worte der Schrift dem Manne folgen und diesen Grundsatz glaubte ich auch von Ehrhard gewahrt zu sehen. Ich bedaure, ihn so schwach befunden, ihn, der mein zweites Ich gewesen, so u wiederbringlich verloren zu haben Meine letzte Aufgabe soll die noch sein, ihn hier so glücklich wie möglich zu sehen und alle Hindernisse für ihn beseitigen zu helfen. Dann wird meines Bleibens hier nicht mehr lange sein; denn selbst die nahe Bekanntschaft mit Willibald hat mich vor Mißtrauen unv kühlem Entgegenkommen auch von Ihrer Sette nicht ganz bewahren können. Ich zürne Ihnen deshalb durchaus nicht, aber es kann mich auch nicht zu längerem Aufenthalte hier verführen. Wenn ich nur über die Zukunft meines Freundes beruhigt wäre, dann würde ich noch heute einen Abstecher nach Paris machen." Der Profeffor fuhr sich mit der Hand durch das noch volle Haar und war recht zornig auf sich selber. Er hatte heute Gelegenheit gehabt, sich mit dem Consul der Vereinigten Staaten in Hamburg, welcher hier augenblicklich bei Verwandten weilte, zu unterhalten und beiläufig des Herrn Richard Hamson erwähnt, woraus fich der Consul effrig und sichtlich erfreut nach ihm erkundigt und den einer sehr angesehenen reichen Familie angehörigen jungen Gentleman als seinen lieben Freund bezeichnet hatte. Er halte ihn gebeten, den Freund von seiner hiesigen Anwesenheit zu benachrichtigen. Der Profeffor verhehlte sich die Niederlage, welche er durch sein Mißtrauen erlitten, durchaus nicht. „Apropos, Herr Hamson," sagte er, „kennen Sie den Consul Dolling in Hamburg?" , _ r „Consul Dolling? - Gewiß, ist er jetzt in Hamburg domicilrrt?" ,, m. , , . m „Ja, augenblicklich weilt er hier zum Besuch bei Verwandten. Ich habe ihn heute gesprochen und —" ,,®c hat sich nach mir erkundigt, sehr freundlich, Herr Profeffor," warf Hamson sarkastisch ein. „Bitte, seien Sie nicht rachsüchtig, Herr Hamson!" bat Jener, ihm die Hand hinhaltend. Der junge Mann schlug lächelnd ein. „Diesen Fehler hat man mir nie vorgeworfen, Herr Profeffor, laffen rott’» gut sein, — die kleine Wunde verletzter Eitelkeit wird bald verharscht sein. Haben Sie dem Consul meine Adresse mitgetheilt oder erwartet er meinen Besuch?' „Er bittet, um fünf Uhr sür ihn zu Hause zu fein." „Ich danke Ihnen, Herr Profeffor, und nun mein Freund Ehrhard? Was wäre Ihr Rath in dieser Sachs?" „Dem Hauptmann dieselbe vortragen, er ist darin die beste Autorität. Soll ich’s übernehmen?" „Zu freundlich," erwiderte Hamson zerstreut, da er in diesem Augenblicke eine Stimme draußen auf dem Flur hörte, welche ihm das Blut zum Herzen trieb- Es war Leonore, die ihre heimkehrende Mutter empfing. „Ich werde Ihren Rath befolgen und selber zum Hauptmann Ehrhard gehen," setzte er hastig hinzu, „ich muß den alten Herrn doch kennen lernen, bevor ich diese Stadt für immer verlaffe. — Bitte, mich Ihren Damen zu empfehlen, Herr Profeffor!" „Nein, so kommen Sie mir heute nicht fort, Herr Hamson!" rief Jener, seine Hand festhaltend. „Ich will Ihnen erst klaren Wein über die Motive meiner Handlungsweise einschänken, mein junger Freund. Der Hauptgrund meines Mißtrauens gegen Sie bestand in der geheimen Furcht, daß Sie die Neigung meiner Tochter gewinnen und sie über’» Weltmeer entführen könnten. Was wollen Sie, Leonore ist unser einziges Kind, weder meine Frau noch ich hätten das überleben können." „Und nun sind Sie darüber so plötzlich beruhigt worden?" fragte der junge Mann mit bitterem Lächeln. „Ich denke doch," nickte der Profeffor, „verheirathet find Sie drüben nicht," setzte er gutmüthig lachend hinzu, „aber da Sie und die Lore hier so ruhig selbander geplaudert haben und Ihre Sehnsucht nach Paris geht, so wird meine Sorge jedenfalls umsonst gewesen fein. Und nun machen Sie mir die Freude, zu bleiben und einen Teller Suppe mit uns zu effen. Ich gehe dann nach Tisch mit Ihnen zum Hauptmann." „Bedaure unendlich, Herr Profeffor," wehrte Hamson artig, aber bestimmt ab, „ich habe einige sehr nothwendtge Bliese zu schreiben, wäre Ihnen aber sehr dankbar, wenn Sie nach Tisch sich zu mir bemühen und meine Einführung bei dem Hauptmann vermitteln wollten. Darf ich darauf rechnen?" „Selbstverständlich, aus Wiedersehen dann, mein junger Freund." Hamson ging. Ohne einen Blick nach dem Hause zurück- zusenden, durchschritt er den Vorgarten, die Augen finster aus den schneebedeckten Boden geheftet. Er ahnte nicht, daß zwei braune Augen ihm sehnsüchtig folgten, daß eine geheime Angst fich in denselben spiegelte und ein ungestüm klopfende» Herz darnach drängte, ihn zurückzurufen. Bei Tisch war L onore schweigsam. — Es war sehr deprimirend sür sie gewesen, daß ihr Blick durchaus keine sympathetische Kraft beftffen, da Hamson sich doch sonst unzweifelhaft noch einmal umqeschaut haben würde. Es bestand "also keine seelische Verbindung, kein geheimnißvolle? Band jener Herzens-Hypnose zwischen ihnen, welche Wllibald vom Tode gerettet hatte. Diese Erkenntniß war im Grunde eine niederschmetternde für Leonore, welche int Punkte überschwänglicher Verehrung und Huldigung bislang sehr verwöhnt worden war. , , , „ „Ich wollte den Amerikaner zu Tische hier behalten/ sagte der Pcofeflor, „er schützte aber eilte nothwendtge Correspondenz vor." „Du bist ja auf einmal so entgegenkommend gegen ihn geworden," bemerkte seine Gattin verwundert- „Na, man kann sich in Betreff eines Menschen mal irren, wa» auch hier gründlich der Fall gewesen ist- Herr Hamson ist ein sehr respectooller Mann aus der besten Familie." „Daran habe ich niemals gezweifelt," warf Leonore etwas spöttisch hin, „und ich gestehe, Papa, daß ich mich irt diesem Punkte zuweilen Deiner geschämt habe-" „Oho, Kleine, das muß ich mir denn doch ernstlich verbitten," rief der Profeflor stirnrunzelnd, „wenn ich ihm mißtraute, so war ich im Recht- Man öffnet sein Haus nicht bereitwillig jedem Fremden, zumal wenn man zum Ueberfiaß eine hübsche, heirathsfähige Tochter hat- Jetzt liegt die Sache ander». Ich habe heute mit einem amerikanischen Consul, der mit ihm befreundet ist, gesprochen, und bin auch hinsichtlich meine» Töchterlein» beruhigt worden." 48 Leonore wechselte die Farbe; was wollte der Vater damit sagen? - „Er wird in diesen Tagen, vielleicht morgen schon, unsere Stadt verlaffen und vorerst nach Paris gehen," fuhr der Profeffor, eifrig essend, fort. „Der junge Herr ist ja reich genug, um sich Europa gründlich anzuschauen und die Genüsse der großen Städte auszukosten." „So bleibt er nicht hier bis zu Willibalds Genesung?" fragte Leonore mit großer Anstrengung. „Nun, das nimmt mich auch wunder," rief die Mutter, „zumal er doch nicht wissen kann, wie feines Freundes künftiges Geschick sich gestalten wird. Ich hielt die Beiden für innig befreundet." „Muß auch seine Richtigkeit gehabt haben," nickte der Vater mit einem schlauen Lächeln, „aber neben der Liebe kann eine solche Freundschaft nicht bestehen, das ist eine alte Geschichte. Der Mister Hamson fühlt sich hier überflüssig, langweilt sich zum Sterben und sehnt sich nach den Genüssen einer Weltstadt, was ich einem reichen Manne nicht verdenken kann. — Aber, was hast Du denn, Lore?" fragte er plötzlich, die Tochter anblickend. „Du ißt ja gar nichts, fehlt Dir etwas?" „Der Appetit, Papa, ich habe Kopfschmerzen, ich möchte mich lieber zurückziehen und ein wenig schlafen." „Iß erst einen Bissen, der Appetit kommt beim Essen." „Ach laß sie doch," wehrte die Mutter, einen besorgten Blick auf die Tochter werfend, welche in der That jetzt sehr bleich aussah, „versuche zu schlafen, liebes Kind, ich bringe Dir nachher eine Taffe starken Kaffee." Leonors nickte der Mutter dankbar zu und verließ das Zimmer. „Es ist nicht recht von Dir, ihr in Allem gleich nach« zugeben," bemerkte der Profeffor, unmuthig Messer und Gabel niederlegend, „es wäre eine nette Geschichte, wenn sie sich in diesen Amerikaner wirklich vergafft haben sollte." „Nun, die Partie wäre doch nicht so übel gewesen," meinte seine Gattin, „ein so hübscher, liebenswürdiger junger Mann aus guter Familie und dazu reich, unabhängig — ich begreife Deine Furcht nicht, Heinrich!" Der Profeffor schälte sich einen prachtvollen Apfel, zer- theilte ihn sorgsam und präsentirte ein Viertel davon seiner Gattin, die unmuthig ablehnend den Kopf schüttelte. „Du solltest ein wenig davon essen, meine Liebe," sagte er lächelnd, „Aepfel beruhigen das Blut. — Was nun die gute Partie anbetrifft," fuhr er, das Obst mit großem Appetit verspeisend, nach einer Weile fort, „so frage ich Dich selber, ob Du Dein einziges Kind nach Amerika hättest ziehen lassen wollen." „Wenn er Leonore liebte, wäre er sicherlich hier geblieben —" „Nein, das wäre er nicht, meine Liebe, er erklärte mir nämlich, daß er seinen Freund Willibald nicht begreifen könne, weil dieser entschlossen sei, seine glänzende, einträgliche Stellung drüben aufzugeben und sich hier, wo man ihn gemißhandelt und verstoßen habe, seinen Herd zu gründen. Wenn er sich in Europa eine Gattin erwählen würde, so müsse sie ihm un« bedingt in seine Heimath folgen. Und das ist noch nicht Alles," fuhr der Professor mit gedämpfter Stimme fort, „wenn meine Menfchenkenntniß mich nicht völlig im Stich ge- laffen, so mag Willibald sich glücklich schätzen, wenn sein Freund so bald wie möglich das Feld hier räumt, da dieser allem Anschein nach in Elisabeth verschossen ist." ,k „Nun, da» fehlte wirklich noch," rief die Frau Profeffor förmlich entrüstet, „wenn unser Kind Kenntniß davon hätte, würde es sicher cuttet sein. Was meinst Du? Ob ich'» ihr mittheile?" „Weshalb nicht; ist sie krank, dann kann diese M-'xtur ihr gründlich nützen und andernfalls keinen Schaden stiften. Du kannst die Sache ja als meine persönliche Ansicht, doch beileibe nicht als Thatsache hinstellen." . , ,"Wte sollte ich denn! Das wird so beiläufig erwähnt und dabei die Ehrenhaftigkeit des Amerikaners, der zeitig genug ' für das Eheglück des Freundes das Feld räumt, gebührend hervorgehoben." „Ja, Kind, das wird das beste fein; doch nun bitte ich rasch um eine Taffe Kaffee, ich habe Hamson versprochen, ihn zum Hauptmann Ehrhard zu begleiten, weil er dem alten Herrn noch gar nicht vorgestellt worden ist und gern vor der Abreise seine Bekanntschaft machen möchte." „Na, wenn Ihr da nur keine Niederlage erlebt," meinte die Frau Profeffor, die Klingel ziehend, um abtragen zu lassen ir 1'5$' der Alte ist zahm geworden. - Ich will meine Torlette rasch ein wenig erneuern." Nach einer Viertelstunde hatte der Profeffor seinen Kaffee getrunken und das Haus verlaffen. Seine Frau blickte ihm nach und schüttelte dann ungläubig den Kopf. „Ich kann's nicht glauben," dachte sie, „er sollte Elisabeth lieben? — Dann müßte er ja ein vollendeter Heuchler sein, da er Leonoren gegenüber seiner Bewunderung doch vollständig die Zügel schießen ließ. Ich muß klar darin sehen." Mit diesem Entschluß brachte sie ihrem Töchterchen den versprochenen Kaffee. Leonore erschrak heftig, als die Mutter geräuschlos ein- trat. Sie saß vor ihrem zierlichen Schreibtisch, einen elegrn- ten Bogen vor sich, die Fever in der Rechten, träumerisch vor sich hinstarrend. „Ach, Du willst schreiben; nun, das freut mich, dann wird der Kopfschmerz Dich wohl verlaffen haben. Run trinke erst den Kaffee, er wird Dich vollends curiren." „Ich wollte nur einige Zeilen an Elisabeth Ehrhard schreiben," stotterte das junge Mädchen, verwirrt den Bogen in ihre Mapps schiebend, „sie erwartet mich heute Abend zum Thee, ich möchte aber lieber daheim bleiben." „Ist auch beffer bei dem Wetter," sprach die Mutter, deren scharfe Augen sehr wohl gesehen hatten, daß die Anrede, welche der sonst noch leere Briefbogen enthielt, nicht an die Freundin lautete. „Trink' nur, ich leiste Dir Gesellschaft. Nachher kannst Du Deinen Brief schreiben und ihn noch früh genug hinschicken. Vielleicht hättest Du heute Abend den Amerikaner bei Hauptmanns treffen können," setzte sie, sich behaglich auf das kleine Sopha niederlaffend, hinzu, „Papa ist zu ihm gegangen, um ihn auf seine Bitte dem alten Ehrhard vorzustellen, womit er gleich seinen Abschiedsbesuch verbinden will." Leonore war bei den letzten Worten der Mutter zusammengezuckt, ihre Hand zitterte so sehr, daß sie die Taffe, welche sie zum Munde führen wollte, rasch hinsetzen mußte. „ „Wozu'braucht denn Papa mit ihm zu gehen?" fragte sie fast heftig. „Elisabeth ist doch hinreichend mit ihm bekannt." , «Ach- Du weißt, wie sonderbar der Hauptmann ist, mein Kind! Vielleicht mag Elisabeth es so gewünscht haben. Uebri- gens hatte Papa eine wunderliche Jvee, er behauptete allen Ernstes, daß Herr Hamson in sie verliebt sei und daß er deshalb jetzt so plötzlich die Flucht ergreife. Wenn es wirklich der Fall fein sollte, so ist seine rasche Abreise, welche sonst auch unerklärlich erscheint, ein sehr ehrenhafter Zug an dem mir recht sympathischen jungen Manne" Die Mutter hatte leichthin gesprochen, doch Leonore dabei charf beobachtet. Diese spielte nervös mit dem Kaffeelöffel, te hielt die Augen gesenkt, um ihre Lippen zuckte es schmerz« Uch und ein zerstreutes Lächeln irrte über ihr blasses Gesicht. „Papa irrt!" stieß sie plötzlich fast heftig hervor. „Er liebt Elisabeth Ehrhard nicht, geht auch nicht um ihret- willen fort." „Vielleicht um Deinetwillen, Leonore?" fragte die Mutter eise. Als sich Jene abwandte und schwieg, fuhr sie sanft und eindringlich fort: „Habe ich Dein Vertrauen verloren, mein Kind? Sag' an, was quält Dich? Hat Hamson Dich seute beleidigt?" „Nein, Mama, nein, ich fürchte eher —" Sie brach ab, erhob sich und trat an'» Fenster. „So hat er um Deine Liebe geworben und Du hast ihn abgewiesen. Ist es nicht so, Leonore?" - 44 braten schon Kenner getäuscht. Man serviert mit kleinen GemsrnnNtziges. Redattisn- A. Tcheyd». - Druck und Berlaz der Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Wießm. Er« um den all. von Stockflecken aus Tischzeug zu eutfernen. Das einfachste Mittel, durch welcher die Wäsche am Wenigsten leidet, ist das Bleichen; wo Rasenplätze nicht zur Verfügung stehen, bewirkt man dies dadurch, daß die Wäsche naß, also ohne vorher ausgerungen zu sein, aufgehängi wird. Ein anderes, ebenfalls sehr einfaches Mittel ist, die Wäsche etwa 24 Stunden in saurer Milch liegen zu lasten und dann nachzuwaschen. Kartoffeln- Kohl mit Kartoffeln. Kleine Kartoffeln werden geschält, gekocht und in Fett braun gebraten; hierauf wird der Kohl, wenn er gut gewachsen, gelesen und reich gekocht ist, fein gewiegt und ein wenig Semmel und Mehl, welches man in Butter geschmort, dazu geschüttet, mit Brühe verdünnt und alles gut aufkochen gekästen, dann die Kartoffeln darüber geschüttet. Las junge Mädchen hatte im nächsten Augenblick die , begießt- Etwas vor dem Anrichte« giebt ma« noch emige Mutter umschlungen, um ihr in leisen, stockenden Worten den * Löffel Rahm in die Sauce, welche durchgestebt über das verhängnißvollsn Schluß ihrer Unterredung mit Hamson mit- : Fleisch angerichtet wird. So zubereitet hat dieser Schaf. Falscher Rehrücken. Man läßt sich einen schönen SSafsrücken vom Metzger wie einen Rehrücken zuschneiden, d. h. die Schulterblätter und die Hälfte der Rippen ab- schneiden und das Rückgrat schön zustutzen. Der Abfall kann für Ragout verwendet werden. Run entfernt man alles Häutige und Fette, legt den Rücken in eine paffende Schüffel, giebt Pfefferkörner, eine kleine Hand voll Wachholderbeeren, ein Lorbeerblatt, eine Zwiebel und eine gelbe Rübe dazu und übergießt es mit einigen Glas heißen Weines. Man läßt nun den Rücken etwa fünf Tage in der Beize, man muß aber den Wein jeden Tag abschütten und wieder aufkochen lassen und heiß darüber gießen. Man nimmt nun das Fleisch aus der Beize, trocknet ab und spickt es schön, dann giebt man es in reichlich steigende Butter und bratet es schön saftig, indem man nach und nach etwas von der Beize zuschüttet und das nöthige Wasser zusetzt und fleißig Zwiebelsuppe. Geschnittene Zwiebel und einige Löffel Weizenmehl läßt man in gehöriger Butter gelb braten, thut sie dann nebst etwas Salz in kochendes Wasser oder kochende Fleischbrühe, läßt sie auskochen und richtet sie über geröstete Semmel an- Behandlung gefrorenen Fleisches. Im gemeinen ist man wirthschaftlich der Ansicht, daß Fleisch frisch geschlachteten Thieren durch starkes Gefrieren mürbe werde. In England ist aber die Erfahrung gemacht worden, daß das aus Neuseeland in gefrorenem Zustande eingeführte beste Hammel- und Lammfleisch zäh und geschmacklos war, wenn es gleich gefroren dem Prozeß des Bratens oder Kochens überliefert wurde, dagegen weich, saftig und wohl- duflend, wenn man es langsam wieder hatte aufthauen lassen. zutheilen. „Und Du liebst ihn wirklich, mein Kind?" fragte Jene bekümmert. _ „Mehr, als ich Dir sagen kann, Mama! Er war so stürmisch, Alles kam so überraschend schnell, daß ich erschreckt wurde und die Furcht, von Dir oder Papa überrascht zu werden, mich halb von Sinnen brachte. Ach, ich bereute es ja gleich, — aber da trat Papa in's Zimmer und ich fühlte, daß ich ihn verloren hatte." (Fortsetzung folgt.) Waschleinen zu reinigen. An frisch gewaschener Wäsche bemerkt man zuweilen gelbe oder graue Streifen. Dieselben rühren von den unsauber gewordenen Waschleinen her, auf welchen man die Wäsche trocknete. Um erstere zu reinigen, empfiehlt die „Fundgrube", von Seife und etwas Soda eine glatte Lauge zu kochen, welche man auf dre Leine, (Seil) in ein nicht zu tiefes Waschfaß gießt. Nach einer Viertelstunde reibt man die Leins mit einem wollenem Lappen kräftig in der Seifenlauge ab, nimmt nochmals reines Seifen« wasser und spült ste zuletzt in ,klarem warmen Wasser aus. Wenn man einen großen staubfreien Raum hat, spannt man dis Leine darin aus, damit fie schnell trocknet. In mangelung einer solchen Raumes wickelt man die Leine «in Brett glatt und gleichmäßig auf und stellt sie an Ofen oder in die Sonne. Zartfühlend. Bei Müllers ist Kaffeegesellschaft. Herr Müller kommt nach Hause und findet seine Frau allein im Entroezimmer fitzen. Erstaunt fragt er: „Warum bist Du denn nicht bei Deiner Gesellschaft?" — „Ich muß doch einmal hinausgehen, damit sie auch «über mich sprechen können!" Malitiör. Der Vorsitzende verkündet, daß der An» geklagte bei seinem hartnäckigen Leugnen in Ermangelung anderer Beweise freigesprochen werden müsse. Angeklagter (stolz zu seinem Vertheidiger, der schlecht gesprochen): „Na diesmal hab' ich — Sie herausgerissen!" ♦ * • Auch ein Standpunkt. Kunde (im Barbierladen): „Man steht Sie niemals int Concert, Sie interresstren sich wohl gar nicht für Musik?" — Barbier: „O, gegen die Musik an und für sich habe ich ja nichts, aber die Kerl», die sie machen, lasten sich ja die Haare nicht schneiden!" DesBäckersRache. In einem pommerschen Städtchen lebte der Bürgermeister mit einem Bäckermeister in Unfrieden. Ersterem bot sich Gelegenheit, den Andern zu kränken. Der Magistrat hatte ein amtliches Schriftstück an den Bäcker« meister abzusenden, von besten Adresse der Bürgermeister da» Wort „Herrn" durchstrich. Der Bäcker erschien sofort im Ralhhause und beklagte sich über die Ehrenkränkung. Der Bürgermeister aber sagte: „Das dürfen Ste so genau nicht nehmen, was ausgestrichen ist, das ist so gut, als wenn es gar nicht da war!" Jetzt sandte der Bäckermeister ein Schreiben an den Magistrat, adresstrte „an den naseweiser Magistrat" und strich sodann „nass" fort. Sofort groß! Aufregung im hohen Rath. Der zur Verantwortung herbei« gerufene Bäckermeister sagte indeß gelassen: „Meine Herren, das dürfen Sie so genau nicht nehmen, was ausgestrichen ist, das ist so gut, als wenn es gar nicht da war!" Ein Feind der Trinkgelder. Diener (meldet)' „Der Schornsteinfeger, der Nachtwächter und der Laternen« anzünder sind da wegen der Neujahrstrinkgelder, Herr Schulze." — Schulze: „Warten Sie noch, bis der Straßenkehrer kommt, und dann werfen Sie alle zusammen hinaus." ♦ • „Mein Herr, wir sind College«!" sagte ein Schnell' läufer zu einem Theatersänger, der ihn mit Geringschätzung behandelte. — „Wir College«?" fragte Dieser höhnisch- " „Ja wohl," erwiderte Jener „wir Beide leben von der Kehle, Sie von der Hals- und ich von der Kniekehle."