Nr. 139 GKMMß deA23.Novemver 1895. ünmisMWsk k'berier iura Gießener Anzeiger (General-Anzeiger) (Nachdruck verboten.) I. Erklärte Freundschaft. Dichterfrühling. Historische Original-Novelle von Carl Casfau. frHftpr^hr.berSchlafrock fester zusammen und sagte fröstelnd . Es ist eine Thränenfistel, die Professor Lebstei« ^enezn versprochen hat! Das Störende liegt bei dieser ZiLU-'"bem "** b°i,ch Ll „Und Ihr Prinz?" Weltall i* „>«> c. I "Ich habe das Verhältniß gelöst!" ltall, ,ch möcht dich umarmen, dich, Himmel, -preßt' I „Amen! So sind Sie ein freier Mann!" Unbefriedigt ich steh', zehre im Ringen mlch^auN^' I iyitbl"@in dessen Sclavenkette die Sorge bilden fewnsSÄ’ff’K'sssjt m, «***?«»• SM-«„ ^"ger, schlank gewachsener junger Mann im modischen An- i bemSiXU?”#Orders Platz genommen, auf, legte zuge, mit einem Anflug von studentischem Wesm und einem I sL^ni^rtraulich die Hand auf die Schult r und sagte echten Jupiterantlitz, welches von zwei tiefen dunkü-n A»m>» k et mädchenhaft erröthet-7 .Lieber Herr Strab U1h ebensolchem Lockenhaar umrahmt war, durch die | ^ark dem Wechsel de? minder 34 kann Ihnen Ätt St6bt ^bbu-g Änderte und am M?nster mäßige7W j-bem Leuchtenden Blickes musterte der Wanderer das herrliche I ab- den Kopf und wehrte mit der Hand Baudenkmal Erwin von Steinbachs, ihm zum unvergeßlichen ! &’ 'S mich! Jetzt Gottsei Dank noch nicht!" Ruhme geschaffen, und schritt dann in die ArämXaffFöinTfn zurü/und 'S5 Besuch darauf an feinen Platz $ier ^chte er nach den Hausnummern und trat darauf durch I Dienst williakei/dock nwu wkTr s”e nX ^iwillig angebotene ine schmale Thür in ein Haus hinein, an beffenVarterr?- I ÜeI' Iieberr mi> Freund?" fenstern alle Rouleaux herabgelassen waren. 6 I verhalten, als er erwiderte: Auf Zurechtweisung einer Magd, die dem interessanten 1 licke ßutJ^hle mich durch Ihre Herz« Neuling mit langen Blicken nachsah, klopfte dieser an die erste | Sie gewesen bin!" 4 f° Wmia entgegenkommend gegen Me Ä Ä- flrÄf* N-- 8~blw, säiäärsri:T,ä“ Eäi?b srs «?a.“ — ■ HSÄism?ä«ä avr»«Mx? - !ä5'smä*, I K L er „Von Herzen gern," erwiderte Goethe, ebenfalls die Hand ausstreckend, „ich werde diesen Tag als einen glücklichen preisen I" Der Kranke nahm nun wieder auf dem Kanapee Platz und sagte: „Womit beschästigen Sie sich jetzt außer Ihren Studien?" Wolfgang Goethe schaute sinnend auf das Muster der Decke des Tischchens vor sich und gab zurück: „Daß das trockene Rechtsstudium nicht ganz meine Seele füllt, haben Sie sehr richtig bemerkt. Ich fühle mich ost so unbefriedigt, das Herz so leer! Zwei Naturen ringen kämpfend in mir: ich möchte nach den Sternen greifen und hänge doch voll Lust an dieser schönen Erde, die ich fast noch nie so reizend sah, als hier an der Vogesenwand!" „Sie sind eine Prometheusnatur, Goethe," lächelte auf diese Erklärung Herder, „aus manchen Ihrer hingeworfenen Bemerkungen schließe ich, daß Sie einst, wenn Sie sich selbst erkannt haben werden, Beruf fühlen dürfen, um die schönsten Kränze des Ruhmes zu ringen!" Jetzt huschte auch ein Lächeln über Goethes schönes Gesicht, als er meinte: „Vorläufig ringe ich nach Ihrer Freundschaft!" Herder nickte: „Die ich Ihnen anfänglich nur vorenthielt, weil ich glaubte, daß Sie als verwöhnter Sohn reicher Eltern nur spechtartig bei Wissenschaften und Musen anklopfen würden; ich habe mich gründlich geirrt! Also jetzt zu Ihren Sonderstudien, lieber Freund!" Goethe blickte auf. „Ein guter Keim, glaube ich, ist mütterlicherseits in mir gepflanzt," lautete seine Antwort. „Verwöhnt bin ich dank des Vaters Sorge nicht; ich werde mich auch bemühen, nicht wir ein Specht überall nur anzuklopfen, sondern streben, am Born der Wahrheit zu trinken! Vor Allem zieht mich die Poesie mächtig an, obwohl ich bisher kaum etwas Nennens- werthes geschaffen." Herder meinte befriedigt: „Ich dachte es mir! Aber behalten Sie stets die volksthümliche Dichtung im Auge, wenn Sie Erfolg haben wollen! Es dichtet nämlich das ganze Volk an seinen Liedern; Dichtkunst ist nicht die Gabe eines Einzelnen, sondern Vieler. Treffen Sie diesen Ton der Gesammt- heit, so sind Sie einst der Mann des Tages!" „Sie haben Recht!" gab Goethe sinnend zu. „Auf der anderen Seite schwärme ich für das Ritterthum; ich mache Studien zu einem Drama, dessen Mittelpunkt und Held der sehr ehrenwerthe Ritter Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand werden soll!" „Da haben wir'»!" lachte Herder. „Aber das Ziel fest in'r Auge gefaßt, Freund, und nicht auf halbem Wege ermatten! Was dar Drama nun angeht, so rathe ich Ihnen, sich in die Werke des großen Herzenskündigerr Wilhelm Shakespeare zu vertiefen! Niemand hat die menschliche Natur in ihrer höchsten Seelengröße und ganzen Abscheulichkeit so lebenswahr wie er geschildert! Dort liegt sein Julius Cäsar vor Ihnen!" Wolfgang Goethe nahm das Buch vom Tische und darin hin und her blätternd, that er dar: „Shakespeares Sprache ist mir am ungelenksten! — Es gibt auch eine Sympathie, dünkt mich, in der Wahl des Sprachstudium»! Die Grieche« reden stets, sei es, daß sie uns ihre Helden kindlich fromm im Umgänge mit den Göttern schildern, sei es, daß sie uns in die Tiefe philosophischer Speculation führen, die Sprache der Anmuth! Ihre schmelzenden Laute haben mich deshalb stets angezogen! Die lateinische Sprache hat mich schon nicht mehr so entzückt. Ich bewundere sie, aber ich höre im Geiste dabei schon die Axtschläge der germanischen Kraft an dem römischen Thron! — Was soll ich sagen von der Sprache der Höfe und Höflinge, der französischen, die ich schon als Kind wie ein nothwendiges Nebel erlernen mußte? Man redet sie dort, wo es gilt, seine Gedanken zu verbergen! — Da lobe ich mir doch die Sprache unserer Helden, die deutsche Muttersprache! Wenn ich einen Wunsch hätte, so wäre es der, sie einst vollkommen schreiben zu können!" Herder nickte beifällig. „Das nenne ich gut gesprochen l Ich lasse es gelten, daß Sie unserer Muttersprache den Vorzug geben, aber das Englische empfehle ich Ihnen doch! Es ist nicht nur die Sprache Shakespeares, sondern auch diejenige der freiesten Volkes der Erde!" Goethe entgegnete: „Nun gut, Ihnen zu lieb will ich sie erlernen, wenn Sie mich dabei unterstützen wollen; meine Vorkenntnifle sind geringe!" Herder bejahte und setzte hinzu: „Dort liegt Goldsmithr kleine englische Erzählung „Vicar of Wakefield"; versuchen wir es damit!" Die vorgenommene Probe ergab, daß der Schüler der Lehrers würdig war, denn Goethe förderte eine so gute deutsche Uebersetzung zu Tage, daß Herder verwundert horchte. Beim Klange der Münsterglocken schlug aber Goethe da» Buch zu und sagte: „Ich muß jetzt zu Tische zu den Jungfern Lauth! Sie speisen wohl zu Hause? Prosit die Mahlzeit!" Er griff zum Hute, drückte Herder die Hand und lächelte: „Hoffen wir, daß wir bei Ihrer baldigen Genesung einen Kapaun speisen können, war viel besser ist, al» einen Hahn dem Aeskulap zu opfern! Leben Sie wohl bi» morgen! Ade!" Und schnell war er hinaus. Herder aber murmelte: „Es freut mich, daß dieser Mensch mit dem tiefen Blick meine Erwartungen nicht getäuscht hat! Dieser spatzenhafte Monsieur besitzt Kopf und Herz! Er ist mir lieb geworden! Es lebe die Freundschaft!" Und er ließ die Magd ein, die den Tisch bestellen wollte. II. Ein Ritt durch den Herbst. Sei mir gegrüßt, mein Elsaß, du lieblichstes Fleckchen der Erde; Jubelnd begrüße ich euch, Berge und liebliches Thal! Der Herbst von 1770 hatte Einkehr gehalten, aber so milde, wie lange Jahre hindurch nicht. Die Ferien der Uni» versität hatten begonnen und die Tischgesellschaft der Jungfern Lauth war daher sehr zusammengeschmolzen. Nur die Naivetät jener Zeit konnte solche engen, mit so wenig Comfort aus- gestatteten Räume passabel genug finden, eine zahlreiche Gesell- schäft junger studirender, hervorragender Herren zu fesseln. Den Vorsitz nahm ein nahezu vierzig Jahre alter Junggeselle ein, dessen zugeknöpfte Kleidung sofort den Bureaumenschen, dessen helles Auge und regelmäßige Gesichtsbildung aber viel Geist verrieth. Das war „Papa Salzmann", ein sehr wohlmeinender und edler, wenn auch etwas sürsichtiger und pedantischer Herr. Ihm nahe saß Goethe, auf dessen alcibiadischer Schönheit seine Blicke oft sinnend ruhten, denn Jener war sein erklärter Liebling. „Wir schmilzen ja zusammen wie die letzten der Spartaner vor der Speerwolke der Perser!" lächelte Goethe und lehnte sich gegen die steife Lehne seines Stuhles zurück. „Jungfer Barbare Lauth in der Küche wird froh sein, wenn auch der Letzte unseres Stammes dahin ist! Schon sinkt die sonst so opulente Mahlzeit auf eine sehr wenig nährende Stachelbeerwein-Suppe, eine sehr zweifelhafte Art von Forellen und ein Härchen herab, welche» wahrscheinlich niemals von dem dabei folgenden Rothkohl gespeist hat und^gewiß mit mehr Recht, würdig des rothen Tischweine«, in die Gattung der Katzen gezählt werden dürfte, so viel die servirende Jungfer Doris das Alles auch als olympische Gaben anpretst!" Der Jurist Engelbach meinte, als das Gelächter ringsum verstummt war, mit Vorsicht: „Daß es nur die Schwestern nicht hören, die leicht zankenden, welche zusammen nur einen Zahn, aber zwei Zungen wie zweischneidige Schwerter und zwanzig scharfe Nägel besitzen!" „Nicht ausarten!" warf Salzmann ein, obwohl er selbst herzlich lachte. Hier ergriff Weyland, Goethes intimer Freund, da» Wort: „So ist es und so schlage ich Dir, lieber Wolfgang, vor, mich auf einem Ritt zu meinem Oheim, welcher Pfarrer s zu Sesenheim, einem Dörfchen zwischen Bischweiler und 555 Hagenau, kaum sieben Wegstunden von hier entfernt, ist, begleiten 1" zu »Der Ritt würde Ihnen wohlthun, lieber Goethe," redete Salzmann zu, „Sie sehen in der That recht angegriffen null »Welch' Wunder auch," machte sich hier ein niedliches Kerlchen im Schnürrock, der Livländer Lenz, bemerklich, „weich' Wunder bei der Lebensart! Den Nachmittag geht'« vom Fechtboden zur Tanzstunde, von dort in die Kneipe, wo man bis früh zecht, um später den Tag zur Nacht zu machen. Darauf kommt der Repetent, man geht in's Colleg und — die Herren beginnen denselben Rundtanz!" „So schlimm ist er aber doch nicht!" rief hier Goethe aus. „Ich begreife nicht, Herr Lenz, welche Gründe Sie haben können, stets Alles von der schlimmsten Seite darzustellen. Eines schickt sich nicht für Alle! Jeder sehe, wie er's treibe; Jeder suche, wo er bleibe, Und wer steht, daß er nicht falle!" Lenz schwieg ganz betroffen still, aber Leopold Wagner, gemeinhin da« „Kraftgenie" genannt, ein anderer Freund Goethes, meinte: „Tanzen und Fechten gehört zum guten Ton, Herr Lenz; beim Humpen kommen oft die besten Gedanken und schließlich hat der Tag doch nur vierundzwanzig Stunden I Könnt Ihr Herren aber auch retten, daß Euch die liebe Gassenjugend nicht als lateinischen Sonntagsreitern nach- jubelt?" Goethe lachte herzlich. „Ich dächte wohl! Aber ich danke Ihnen, liebe Freunde, für Ihre herzliche Theilnahme I Geseg- nete Mahlzeit!" ö Die Tischgesellschaft erhob sich und stob auseinander. Der Actuar vom Pupillencollegium aber nahm vertrau« lich Goethes Arm unter den seinigen und zog ihn mit sich auf die Straße. „Wird auch fleißig studirt?" fragte er väterlich. Goethe lachte. „So leidlich, mein Sokrates, dank dem mir bestellten Repetenten!" „Ich gönne der Jugend jede Erholung," fuhr Jener fort, „aber die Arbeit ist der Zweck des Lebens, die Pforte zur Glückseligkeit!" „Gewiß!" versicherte Goethe. „Ich höre heute Nachmittag sogar noch ein Klinicum des jüngeren Ehrmann, obwohl mir diese anthropologischen Sachen fern liegen; aber sie interessiren mich!" „Recht so!" nickte Salzmann. „Wie fanden Sie Herder heute?" Goethe blieb stehen- „Professor Lobstein macht eine Meistercur an ihm; der Patient ist in der besten Stimmung! Ein vortrefflicher Mensch, der mich trotz alles Tadelns und | Scheltens doch herzlich liebt!" „Ich sehe Sie gern in seiner Gesellschaft!" „Und mit Recht! Sie sollen einmal Ihr blaue» Wunder I haben, mein lieber Secretär, welche Fortschritte ich im Eng» j ltschen gemacht! Ich werde Ihnen da» in unserer neuerlich l gestifteten gelehrten Uebungigesellschaft an einem Vortrage über I den genialen englischen Dichter William Shakespeare be- I weisen!" Salzmänn drückte seinem Lieblinge die Hand und sagte z abschiednehmend: „Dort am Münster stehen die Freunde | wartend und ich muß in's Amt- Leben Sie wohl und stärken s Sie Ihren immerhin noch von der letzten Krankheit schwachen | Körper! Gott befohlen!" Zwei Stunden später sehen wir Goethe und Weyland I mit einem Pferdeverleiher am Zwinger in Unterhandlung, wo sie Rosse entlehnen und besteigen, worauf sie den Weg über die Zeil nehmen und durch dar Brückenthor aus der Stadt eilen. Goethe saß vorzüglich zu Pferde und sah wie ein junger Liebesgott au», Weyland bildete dazu ein vortreffliches Pendant. Bald ließen die beiden Reiter die ansehnliche Stadt mit Thürmen und Thürmchen, überragt von dem schönen Münster, hinter sich und hielten auf der Höhe, von wo sie theils auf ; das schöne Panorama der Stdat, theils in herrliche, herbstlichsonnige Landschaften hinabblickten, in denen reichgeschmückte, üppige Ebenen mit schattigen Thalgründen, durcheilt von glitzernden Bächen und besetzt mit freundlichen Dörfern, au« Nußbäumen und Nutzholz versteckt hervorlugend, abwechselten. Eine gute, baumbesetzte Landstraße führte nordwärts; e» war die Straße nach Hagenau. Den Rettern begegneten freundliche Landleute, die Frauen in kurzen bunten Röcken, in Mützen und Hauben mit großen Schleifen, die Männer in den wetten tuchenen Halbacker gekleidet; dort stießen sie auf landesübliches Fuhrwerk, artig begrüßt von den Führern; jetzt ritten sie durch Nußbaumalleen dahin, bald war der Weg von echten Kastanien und Obstbäumen bestanden; hier lagen große, saubere Dörfer, dort westlich erhob sich die dunkle Vogesenwand, deren zackige Formationen verschiedentlich alte Ruinen trugen; ostwärts sieht man den Rhein, Rebenhügel und waldreiche Landstrecken. „Welch' herrliches Land!" rief Weyland bei diesem Anblick. „Ist es nicht ein Jammer, daß es Deutschland ent- riffen ist?" Goethe nickte zustimmend und fügte dann bei: „Du hast Recht, Bruderherz; hundert Jahre fast gibt sich Frankreich bereits die erdenklichste Mühe, diesen Garten Europas zu französiziren, aber ohne Erfolg! Wahrlich, wenn drüben über'm Rhein mehr Einigkeit wäre, was könnte Deutschland sein! Aber ich habe kein Vertrauen zu dieser Zerrissenheit, die nicht viel mehr als einen geographischen Begriff auamacht! Vielleicht blüht unsere Hoffnung in späterer Zett einmal zur Wirklichkeit auf!" So ritten sie im Trab gut drei Stunden lang ihren Weg, bis Weyland plötzlich nach Westen zeigte und bemerkte: „Siehe, das ist Drusenheim; nun haben wir nicht mehr weit nach Sesenheim, welches sich aus der nächsten Höhe unseren Blicken zeigen muß! Glaubst Du auch, daß der Name von dem tapferen Drusus herstammt?" Goethe blickte sich leuchtenden Auges um. „Ja," sagte er warm, „hier ist'» fchön! Was nun Drusus betrifft, warum sollte er nicht Veranlassung zu dem Namen gegeben haben, da die Römer ja seit des Artooist Zetten im Besitz de» Rheines waren? Warum soll der bis zur Albis Vorgedrungene hier nicht geruht haben, so daß seine Legionen die Lagerstätte Drusenheim nannten?" Weyland nickte und sagte: „Hab' mir's so ähnlich gedacht: — Aber nun muß ich Dir auch die Familie des Oheim» Johann Jacob Brion etwas beschreiben, damit Du nicht völlig unbekannt mit ihr dort eintrittst!" „Laß hören!" Sie gaben dabei den Pferden die Sporen und trabten weiter. „Da ist zuerst das Haupt der Familie, der Pfarrherr, ein kleiner, gemüthlicher Herr mit der Seelengüte eines echten Landprediger», dessen gutmüthige Augen jeden Fremden willkommen heißen und jeden Gast ermuthigen, ihn um die erste beste Gefälligkeit zu bitten!" „Hm!" „Da ist ferner die Frau Pfarrer, Maria Magdalena, geborene Schöll! Sie ist aber keineswegs eine Magdalena- Natur, sondern eine sehr resolute Frau, größer als der Oheim und von hervorragender Schönheit!" „Wohl gesagt!" „Da sind ferner zwei erwachsene Töchter, die blondlockige, blauäugige Friederica, eine Verkörperung der Anmuth und Herzlichkeit, und die dunkeläugige, derbere Salomea, die der Mutter ähnelt! Ein jüngerer Bruder heißt Georg und die kleine Sophie, ein prächtiges Kind, beschließt den Reigen I Da hast Du die ganze Familie!" Goethe lachte und bemerkte: „Deine Schilderung erinnert ja an den Landprediger von Wackefield, den ich gerade lese!" „Ah, mit Herder?" „Jawohl!" Weyland trieb da» Pferd an und Goethe folgte. M - verspr sind, frohen 3 Du w wohl 1 ff dringli »klärt« für bei des M daß W Hauses L 3' und re! dm B« Redaction: A. Scheyda. - Druck und B«lag der Brühl'schen UniverfiMs-Bnch- und Steindruckerei (Pietsch & Gcheyda) in Gießen. , t »E« fängt bereits an zu dunkeln, vorwärts, Wolfgang I" , _ . einenStU“' tk6**4'‘ -,«-rI4°n:„r>,.nstMdch». b" »'■ UXXT .ÄÄ'ÄWä | Erboten, so starken Thee zu trinken." — Student: „Aber, I Mamachen, ich verdünne ihn doch^erst gehörig mit Cognac!" Gefälschten Rothwein erkennt man leicht, wenn I Zehnmarkstücke stark abnutzen oder nidjL schreibt uns ein em Pröbchen des Weines in einer auf heißem Wasser | Eingeweihter: „Wie sehr sich vie Zehnmarkstücke abnutzen schwimmenden Porzellanschale ruhig stehend verdampft wird. | geradezu unglaublich! Noch vor acht Tagen hatte ich Gefärbter Rothwein läßt dabei einen schönen, rothen Rand | drei Zehnmarkstücke in meinem Portemonnai. Innerhalb dieser °uf dem Ge äße zurück; ächtfarbiger dagegen gibt dunkle, | Frist muß sich die goldene Hülle vollständig abgerieben haben, bräunliche Ränder. . , | denn heute finde ich nur noch drei.Fünfzig.Pfennigstücke vor." Um zu strengen frischen Tabak milder und zum I . ® Heirathsgesuch. Eine höchst sonder- Rauchen angenehmer zu machen, lege man die Blätter eine I 2*2 befindet sich in einem Blatte der Reichshaupt, viertel bis eine halbe Stunde ins Wasser, damit sie durch- I , Sie lautet: „Lebensgefährtin gesucht, am liebsten einweichen und presse sie dann stark aus. Dadurch wird ihnen N^ten unter M. 465." - Wahrscheinlich bedarf ein großer Theil des nikotinhaltigen Oeles genommen und | Ler Heirathslustige eine Lebensgefährtin, die immer - ein der Tabak verliert an Stärke. Wenn man die Blätter vor | äU0e ^drückt. dem Gebrauche längere Zeit liegen läßt, verflüchtigt sich das | , * * * Oel ebenfalls wesentlich. I Lakonisch. Der bekannte Musikhall-Sänger Mr. Che- * ♦ * I voller in London theilt in seiner eben erschienenen Autobio- Neue Blumentöpfe. Alle Zierpflanzen, welche in | b unter andern guten Dingen folgenden kurzen, aber Töpfe gesetzt werden, leiden, wenn da» Gefäß neu war und I ^^"^n Brief mit, den ein berühmter Theaterdirector ohne Weiteres verwendet wurde. Der gebrannte Thon zieht I Verfasser eines sehr schlechten Stückes richtete: „Mein das Wasser aus der Erde an sich und bildet rings um sie I ^T" $$ habe Ihr Stück gelesen. O, mein lieber einen leeren Raum, indem dieselbe schwindet. Das Wasser i $err ergebener John Clayton." dringt dann beim Begießen nicht in den Wurzelballen, sondern I Qr . . , * • * läuft zwischen der Erde und dem Topfrande durch, die Pflanze I °er Schule. Der Lehrer erklärt da« Sprüch- vertrocknet und stirbt ab. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, ^rannte Kind fürchtet dar Feuer." - Zum legt man jeden Topf vor dem Pflanzen in frischer Wasser, I m ^"t er die Schüler auf, einen ähnlichen Satz zu wodurch derselbe, abgelöscht, kein Wasser mehr anziehen kann. I Sre"; einer langen stummen Pause meldet sich Kobi. * . * I ir-"„flobi llreudig): „Dar gewaschene Kind Blumen zu düngen. Es ist immer gewagt, bei ■ $* b Blumen in Töpfen ein Düngmittel anzuwenden, da es leicht zu stark wirkt und man das Gegentheil, statt des gewünschten Erfolges erzielt. Eine sehr erprobte Art aber, den Blumen im Zimmer zum Wachsthum zu verhelfen, ist, wenn man in die Kanne, mit der man dieselben täglich begießt, ein Stück gewöhnlichen Leim legt und diesen darin läßt, bis er sich langsam auflöst, war ziemich lange Zeit dauert. Man gibt stets frisches Wasser darauf, da« man dann am nächsten Tag, für die Blumen verbraucht. So werden diese langsam und doch genügend gedüngt und gedeihen wunderschön dabei. • * Die Topfnelken muß man im Winter in» Haus bringen, jedoch so spät als möglich. Im Hause stellt man sie in ein ziemlich frostfreies Zimmer, wo man ihnen zu- weilen frische Luft geben kann- Sie dürfen im Zimmer nur selten und dann nur wenig begossen werden; es ist besser etwas Schnee aufzulegen, als sie mit Wasser zu begießen. Um die im Freien stehenden Nelkenstöcke legt man bei großer Kälte etwas Moos, Laub- oder Fichtennadeln und hält zu viel Nässe durch ein Dach ab, weil sie sonst faulen. Fleisch mürbe zu machen. Fleisch von alten Thieren, welches, wenn es noch so lange gekocht wird, doch meistens zähe bleibt, läßt sich dadurch mürbe machen, daß man es Abends vorher nach dem Aus wässern in ein Tuch | schlägt und es an einen warmen Ort legt (etwa in einen I halb abgekühlten Back- oder Kochofen). Dadurch wird es 1 beim Kochen am anderen Tage mürbe und saftig sein. 1 Literarisches Conversations Lexikon für jedermann Practisches Hand und Nachschlagebuch zur schnellen und sicheren Orien- ~etun8 1!ber ?’? Romane und Novellen aller Kulturvölker von "^b'szur Gegenwart. NebstFingerzeigenüberpassendeJugend- । lecture. Von Dr E. Mensch. 306 Seiten gr. Octav. Preis Mk. 4 — Schwabacher sche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart. Es ist nach- gerade keine leichte Aufgabe geworden, sich in der Fluth von Romanen r?b «.indischer Production zurechtzufinden, k- literarisch hochgebildeten Leser, wie viel mehr ?'b..?°""sthät,gkeit nur das Verdaungsstündchen für Me schone Literatur übrig läßt. Ein Buch, das jeder Erscheinung und ledem Amor gerecht wird, und das ermöglicht, sich über jeden beliebigen sch?iststelle"e ^"v'chen oder ausländischen Unterhaltunqs- pbTiWk1!? ^ni> J.elne S?e5fe ^"sch und sicher zu orientieren und sich wÄ’V'Ä »/“ Silben, ist seither nicht vorhanden gewesen. In diese Lucke tritt das soeben erschienene Literarische Conversatio ns- hn/ V™ ■J)r" o ^enrö- Es leistet dem Orientierungsbedürfniß, l'ch Zecken Kreisen des lesenden und sich für Literatur interes- ,su't der Zeit immer empfindlicher bemerkbar machte, UpVrrrf’r' (un®nt6el^rItc6ften Sienfte. Nicht nur hat in der für schnelle Ueberstcht so bequemen lexikalischen Anordnung jeder einzelne Odbrift^ außerd7m °sin?'auch Tm? (£tfprec^enbe Schilderung erfahren, sondern bandelt wie - R I 3 ,®tuWel\tn scharfen Characteristiken be- en® Romaiiliteratur der Franzosen, Engländer, Russen, Polen, Italiener, Spanier, Lckandmavter; ferner der Berliner Dorf- und^Bearisse^mie w"? R°uberroman u. s. w. Markante Strömungen und Begriffe, wie Naturalismus, Zolaismus, Fin de siede, Decadence, u. a. werden in be,anderen Artikeln fesselnd erklärt und erörtert Er kennt sich. Professor (auf der Hochzeitsreise): ,,«m, hm, wo ist denn nur meine Frau — sollte ich die unterwegs irgendwo stehen gelassen haben?" Literarisches.