Gründen in des verstorbenen Lord Faros Haus begeben hatte, als um mit seiner Tochter, von deren Existenz ich ja kaum eine Ahnung hatte, bekannt zu werden. Es war ein Zufall, .der Netta mit mir zusammenführte, ohne daß ich wußte, wer sie war. Das' ist Alles, watz-ich Ihnen sagen kann." „Und wer sind Sie?" fragte der Graf rasch. „Wäre es möglich ... - sind Sie ein Verwandter deS unglückseligen Mädchens, das den Tod meines armen Bruders verursachte?" „Ich bin Frau Falkners Sohn, wenn Sie das meinen, Mylord," erwiderte der junge Mann stolz. „Und der Fehl« tritt des jungen Mädchens, das ich selbst gerettet und der Fürsorge meiner Mutter übergeben hatte, war für mich ein ebenso großes Unglück, wie für Lord Faro. Ja, das ganze Elend.fing mit..jener Begebenheit an. Wir haben nur Elend und- Unfriede erlebt, seit Cora stch hatte verleiten taffen, ihre Heimath zu verlasien." Graf Treville betrachtete aufmerksam das Gesicht des jungen Mannes bei dieser leidenschaftlichen Klage; es war unmöglich, an der Wahrheit seiner Worte zu zweifeln. „Es ist bedauerlich, daß Frau Falkner ihren Sohn und ihr Adoptivkind mit so leichtsinnigen Ansichten über Recht und Unrecht aufgezogen haben soll," fuhr der Graf mit einem Blicke fort, dessen nachdenkliches Interesse an einem so zweifelhaften Gegenstand, wie die Handlungsweise einer einfachen Fremden, Rupert auffiel, „doch wird man der Wahrheit binnen Kurzem auf den Grund kommen und die Uebelthäter werden ihre Strafe finden- Inzwischen werde ich nichts weiter thun, als dafür sorgen, daß Sie unter meiner oder unter gerichtlicher Aufsicht bleiben, bis ich die Sache genau habe untersuchen lassen, um über Weiteres entscheiden zu können." „Und darf ich fragen, unter welchem Vorwand, Mylord?" fragte Rupert ernst. „Ich habe kein Verbrechen begangen ..." „Sie wurden auf meiner Besitzung gefunden, als Sie im Begriff waren, sich heimlich aus meinem Hause zu entfernen," entgegnete der Graf erregt- „Doch will ich aus Rücksicht für meine Richte Ihren Namen nicht der Oeffentlich- keit aussetzen .... wenn Sie mir daher Ihr Wort geben wollen, daß Sie keinen Fluchtversuch machen und freiwillig unter meiner Aufsicht bleiben wollen, werde ich Ihnen ein Zimmer anweisen, das ich jedoch streng bewachen lassen werde." Rupert richtete seine schlanke Gestalt stolz auf und seine rinander zu lszutauschen. randant vor endlich die sie kfich zu r die schein. rm Assistenz-- die Ursache übergehende itt?" fragte hend. ang zurück, in?" bekam die reunden in wie es W chr viel gr» und sagte hoffe, daß Sie mir zu seinen r Kapitän arseille mit ßer Gefahr hehen?" i, „glauben besser bei wird uns . ach niederer schönen m Gläsern ööre, was >rsica. Es rparte." nen Bona- „Jst ihm mtronnen." »wind, um errn Com- tlings aus gespitzten en Kunden I folgt.) f lebe, jung i mt nieget — cht. —g- i i i i I i ... sM Ak T EWAWMB8 V •• V V ammeommr • „ *• e K WU Unterhaltungsblatt zum Meßener Anpiger (General-Anzeiger). Die Tochter des Meeres. Itomew vw X. Rink Des Grafen Aerger flammte rasch zu Hellem Zorne auf. „Antworten Siel" rief er. „Ich bin nicht gewöhnt, daß man mich in meinem eigenen Hause mit Verachtung behandelt, noch werde ich es UW einem gewissenlosen Abenteurer wie Sie dulden!" „Ich bin kein Abenteurer, Mylord'. . . mein Leben ist makellos und ehrenhaft gewesen, wie es Ihr eigenes nur ge- wesen sein kann," entgegnete Rupert mit fester Stimme. „Doch, Mylord, die Antwort auf Ihre Frage muß ich Ihnen schuldig bleiben." „Sie wollen also kein Geständniß, keine Erklärung über das freche Eindringen in mein Haus geben?" rief der Graf wüthend aus. „Leider muß ich es Ihnen abschlagen, Mylord," lautete die ruhige Antwort. „Dann muß ich nach anderer Seite hin um Erklärung bitten," entgegnete der Graf in Hartern Ton. „Hatten Sie die Bekanntschaft mit meiner Nichte schon angeknüpft, bevor dieselbe unter meinen Schutz gestellt wurde?" Rupert verneigte sich bejahend. „Und Sie folgten ihr hierher?" Wieder schwieg Rupert, denn er wollte Netta durch kein Wort bloßstellen, bevor er nicht wußte, welchen Ton sie an. schlagen würde. „Diese Frage kann ich mir selbst beantworten," Hub der Graf wieder an. „Wollen Sie mir nun Ihren Namen nennen, damit ich den Werth der Bekanntschaft meiner Nichte und Ihr Verfahren besser zu beurteilen vermag?" Rupert zögerte einige Augenblicke, dann sprang er plötz- «ch auf und trat mit festem Blick vor den Grasen hin. „Mylord," sprach er, „ich wende mich an ihre eigene Ehre als Mensch und Gentleman . . . urtheilen Sie selbst, ob nicht schwer verginge, wenn ich einen jener verzeih, li^en Impulse »erriete, die Miß Faro im ersten Augenblicke nnseres Zusammentreffens beseelt haben mögen. Es genüge Ihnen, wenn ich Ihnen sage, daß ich mich aus ganz anderen Haltung und Miene drückten eint edle Entrüstung aus, als er entgegnete: „Wenn ich Ihnen mein Wort darauf gebe, so könnten alle Thüren offen und Ihre ganze Dienerschaft ab« wesend sein, ich würde doch bleiben. Graf Treville," sprach er in bittendem Ton weiter, «ich mag in einigen, vielleicht in vielen Dingen geirrt haben, doch würde ich lieber sterben, als daß ich mein Wort bräche oder mich durch feige Flucht der Gefahr entzöge." Diese Worte besänftigten den Grafen einigermaßen. „Vielleicht verdienen Sie ein solches Vertrauen," sagte er freundlicher, „aber in diesem Falle ist es doch wohl beffer, jeder Versuchung vorzubeugen, wo wichtigere Dinge, als Sie vielleicht ahnen, von dem Ausgange des Verhörs abhängen. Doch sollen Sie keine unnütze Härte erfahren Sie werden mehr meiner Lebensstellung als der Ihrigen angemeffen behandelt werden und wenn Sie Ihre Unschuld beweisen können, soll Ihnen volle Entschädigung für Ihre momentane Gefangenschaft zu Theil werden." Rupert verneigte sich. Seine Neugier war vielleicht ebenso stark erregt, als er dankbar für die vermeintliche Barmherzigkeit war. „So habe ich Ihr Wort, junger Mann?" fragte der Graf. „Ja, Mylord ... für einige Zeit ... doch möchte ich wohl wissen, wie lange die fatale Gefangenschaft dauern soll?" entgegnete Rupert- „Vielleicht eine Woche, vielleicht auch nicht so lange. Jetzt verlasse ich Sie, um Befehle wegen Ihres Hierbleibens zu geben. Inzwischen wird Miß Netta reichlich Gelegenheit haben, während Ihrer Gefangenschaft ein ihr passend erscheinendes Geständniß abzulegen. Ich habe soeben nach Jemand geschickt, der Helsen wird, sie zur Vernunft und Reue zu bringen." LVI. „Wo ist das Mädchen, das ich Eurer Obhut anvertraut habe? Wo ist Cora?" rief der alte Admiral Sir Fulke, indem er unangemeldet mit strenger Miene in das Zimmer trat, in welchem Frau Digby und Trissa in düsterem Schweigen beisammen saßen. „Wirklich, Onkel, Du bist sehr ungerecht, wo es sich um das lästige Mädchen handelt. Ich wünschte, ich hätte sie nie gesehen und bin nur froh, daß sie uns von nun an kein Aergsrniß mehr bereiten kann. Lange wird es nicht mehr dauern, bis sie irgend eines groben Vergehens wegen hinter Schloß und Riegel sitzen wird. Es ist sehr gut, daß wir sie los sind. So viel mir scheint, hat sie wenigstens nicht gewagt, etwas von unseren Wertsachen mitzunehmen, doch kann ich es nicht mit Bestimmtheit sagen," erwiderte Frau Digby. Sir Fulke hörte ihr mit bitterem, ungläubigem Lächeln zu. „Wenn Ungerechtigkeit und Schlechtigkeit bei der Sache mit im Spiele ist, so gehen dieselben doch sicher nicht von Cora aus," sagte er. „Die Zeit wird noch kommen, wo Du staunen und Deine unbegreifliche Thorheit bitter bereuen wirst." „Nie!" sagte die Lady in festem Tone und in fieberhafter Erregung über die strengen Worte ihres reichen Verwandten. „Allerdings, wenn ich mein eigenes und meines Kindes Interesse dabei zu Raths gezogen hätte, anstatt fest an Ehre und Princip zu halten, würde ich mich anders gezeigt haben, als ich empfand, würde ich dem unglücklichen Mädchen geschmeichelt und ihr Gelegenheit zu all' den schamlosen Liebeleien gegeben haben, die sie gern angezettelt hätte, ich würde zugegeben haben, daß mein Sohn ihr zum Opfer fiel und meine Tochter sich durch den Umgang mit ... mit .. . einer . . ." „Einer Grafentochter und Erbin!" bemerkte der Admiral spöttisch, als seine Nichte stockte, um Athem zu holen- Frau Digby rang nach Athem und Trissa lachte dazu spöttisch auf- „Onkel, Du treibst Dein Spiel mit uns," brachte die Mutter endlich mühsam hervor. „So leichtgläubig sind wir doch nicht!" bemerkte die Lady. „Aengstige Dich nicht- Die Thatsache unterliegt keinem Zweisel und wird sehr bald ganz erwiesen sein," antwortete der Admiral. „Dank Deinen eifrigen Bemühungen ist Miß Cora bereits auf dem-Wege zu der Stelle, wo ihr Verwandter sie erwartet. Aber es bekümmert mich, daß Ihr, die ich wie meine Kinder liebte, Euch so unedel, grausam und ungerecht gegen eine verlassene Waise gezeigt habt." „Lieber, guter Onkel," brach es heftig von Frau Digbys Lippen. „Du mußt doch selbst einsehen, in welch' seltsamer Lage wir uns befanden." „Ich sehe, daß ich Dich vergebens um weibliche Theil- nähme und mütterliche Dankbarkeit bat," unterbrach sie Sir Fulke ernst. „Jetzt fürchte ich, ist es zu spät, den falschen Schritt, den Du gethan hast, wieder gut zu machen. Du hättest Dir die freundliche Zuneigung einer sehr vornehmen und reichen Erbin gesichert, sie durch die Bande der Dankbarkeit und kindlichen Liebe an Dich gefesselt; jetzt wirst Du nur als kalte, mißtrauische Richterin, als die verrätherische Hüterin eines unschuldigen Mädchens genannt werden- Nun, ich denke die Strafe ist hart genug." ♦ » Eine ähnliche Scene voll Aerger und Reue in Bezug auf die unglückliche, unschuldige Cora spielte sich an einem andere» Orte ab. Frau Falkner befand sich in banger Unschlüsstgkeit, ob sie einer gebieterischen Aufforderung des Grafen Treville, nach Cannes zu kommen, Folge leisten solle oder nicht. Denn diese Frau, die in die Geheimnisse des Grafen noch mehr eingeweiht war, als dieser selbst, schmiedete seltsame Pläne der Habgier und der Rache. Da es ihr ganz unmöglich schien, sich mit Cora auszusöhnen, wollte sie deren Anerkennung als Tochter des Grasen hintertreiben. LVII. „Du kannst wirklich keine Auskunft über diese auffällige Sache geben, Netta?" frug Graf Treville. Die Angeredete hatte das Gesicht abgewendet, ihre Augen waren düster zu Boden gesenkt und sie beobachtete ein hartnäckiges Schweigen. „Netta, darf ich um eine Antwort bitten? Ich verlasse Dich nicht, ohne vorher eine Erklärung bekommen zu haben," Hub ihr Onkel in strengem Ton wieder an. Wieder entstand eine Pause, aber das Mädchen wußte recht gut, daß ihr Onkel nicht mit sich spaflen ließ und unter halb schmollendem, halb reuigem Schluchzen fing sie an, seine Fragen zu beantworten. „Nun, Onkel, Du weißt ja ... es war so unrecht von Papa ... und als das Mädchen seinen Tod verschuldet hatte und Jeder doch ihre Partei zu nehmen schien und Keiner an mich dachte, da ... da ... da war dieser Herr der Einzige, der sich sreundlich zeigte und als er hierher kam, da war ich ... das heißt, er . . ." Graf Treville hatte diesem stotternden Geständniß mit kalter Miene zugehört, jetzt aber riß ihm die Geduld. „Sei so gut und gib mir eine vernünftige Antwort. Ich habe nicht nach den Gründen und Jntriguen gefragt, die Deine Bekanntschaft mit diesem Herrn veranlaßt haben, sondern ich frage nach den Gründen, die Dich verführt haben können, seine heimlichen Besuche in Deinem Zimmer zu gestatten und auch, ob Du im Geheimen mit ihm verlobt bist." „Ich, Onkel? O nein, gewiß nicht!" „Es sollte Deine größte Sorge sein, Deinen guten Namen und Deine weibliche Würde zu wahren. Ich werde darauf bestehen, daß Du die Vergangenheit auf irgend eine Weise wieder gut zu machen suchst, bevor ich das ehrlose Betragen, dessen Du Dich schuldig gemacht hast, vergessen kann." „Ich verstehe Dich nicht, Onkel," stammelte sie. „Entweder Du gibst mir eine befriedigende Erklärung oder erklärst Dich bereit, diesen jungen Mann zu heirathen oder ... ich stelle Dich sofort unter die strenge Aussicht eines englischen Klosters, bis Du das von Deinem irregeleiteten Vater in seinem Testament bezeichnete Alter erreicht hast." Das Mädchen stieß einen seltsamen Schrei aus. „Onkel, Du treibst einen schändlichen, grausamen Scherz mit mir!" sagte sie schluchzend. 343 „Ich scherze nicht," erwiderte er fest. „Mein Leben ist zu einsam und traurig für mich gewesen, als daß ich mir noch einen Funken Heiterkeit bewahrt haben könnte. Ich spreche im Ernst. Wähle, was Dir das Liebste tfll" „Aber, Onkel, ich kann nicht begreifen, wie Du, selbst wenn ich einwillige, so etwas durchführen könntest. Hier ist es zu einsam und Du würdest doch sicherlich meiner Hochzeit wegen nicht nach London gehen wollen . . „Du hast nichts weiter zu thun," unterbrach sie der Graf, „als zwischen einer Heirath und dem Kloster zu wählen, wenn Du mir über Dich selbst keine vernünftigere Erklärung geben kannst, als bisher. Wenn Du Dich einige Stunden bedenken willst, so habe ich nichts dagegen," setzte er mit strengem Blick hinzu. „Aber, Onkel, weißt Du denn, wer er ist?' rief Netta. „Weißt Du denn sogar, daß er eine paffende Partie für Deine Nichte ist?" „Wenn er gut zum Liebhaber ist, dann ist er auch gut zum Heirathen nach dem Urtheil jeder ehrbaren Frau und jedes ehrenwerthen Mannes," antwortete der Graf in barschem Ton. „Du wirst sehen, daß ich nicht mit mir scherzen lasse. Wünschest Du Bedenkzeit oder willst Du Dich gleich entscheiden?" Netta überlegte einige Zeit. „Onkel, ich bin bereit, Dir zu gehorchen," sagte sie zögernd. „Ich hatte mir wirklich nichts Unrechtes dabei gedacht. Rur möchte ich wissen, ob er nicht meinen Namen annehmen und Dein Erbe werden kann, Onkel, da Du ja keine Kinder hast?" Der Graf lachte spöttisch. »Zügle Deine Zunge, wenn Du Dir nicht jedes Interesse verscherzen willst, das ich an dem Kinde meines Bruders nehme. Also Du willigst in die Heirath?" Netta nickte stumm mit dem Kopfe- ,,®ut!" sagte er. „Hoffentlich wirst Du in Kurzem sehen, daß Du klug gehandelt hast. Nun bleibt mir nur noch übrig, mich von den Gefühlen und ehrbaren Gesinnungen des jungen Mannes zu überzeugen, um alsdann die nöthigen Vorbereitungen zu treffen." Der Graf wurde durch ein Klopfen an der Thür unterbrochen. Auf den Ruf: „Herein!" öffnete sie sich rasch und Lady Marian Biddulph erschien auf der Schwelle. „Ich müßte eigentlich wegen meines unangemeldeten Ein- dringe; s um Entschuldigung bitten, doch, Mylord, Sie ließen mich rufen," sagte sie, indem sie sich halb wieder zurückzog. ,,Jch fürchtete, Sie wären krank," setzte sie zu Netta gewendet hinzu. „Nicht körperlich, ■ Lady Marian," bemerkte der Graf spöttisch, „doch ist Ihre freundliche Gegenwart deshalb viel» iE nicht minder nöthig. - Netta, ich rathe Dir, Lady Marian zu vertrauen. Ich verlaffe Dich, damit Du ihr erzählen kannst, was geschehen ist. Lady Marian, Sie werden diesem unglücklichen Mädchen ihrer Jugend und ihrer elternlosen Lage halber verzeihen," setzte er mit ehrerbietigem Gruße hmzu, als er das Zimmer verließ. Und im nächsten Augenblick waren die beiden Mädchen allein und sahen einander verwundert an- „Ich verstehe nicht, was Ihr Onkel meint . . . Sie klären faate Lady Marian, indem sie sich mit ruhiger Entschlossenheit niedersetzts. ?estcht bedeckte sich mit einer tiefen Röthe; sie ^cüte Se^ämßnbeö in bem Geständniß lag, das r. ' Nun, es ist sonderbar ... es kommt so plötzlich," sagte und "Dnt.< $reoine duscht mich zu verheirathen und . . . so h j'U roeTjr WeLady Marian hastig. „Sie sind noch so lung . . so sehr jung und ich wüßte nicht, wer . . ." werden es auch nicht rathsn können, wen ich hei- rachen soll, unterbrach sie Netta, „aber wenn Sie ihn auch nicht kennen, muß ich doch sagen, daß er sehr hübsch ist und ! ich .... ich kann wohl sagen, daß ich ihn im Grunde sehr gern habe." „Aber wen... . wen wollen Sie heirathen?" drängte Lady Marian. „Einen gewissen Herrn Falkner, den ich bereits in England kennen lernte," erwiderte das Mädchen. „Herrn Falkner?" wiederholte Lady Marian erstaunt. „Herrn Falkner?" „Ich kann wirklich nicht einsehen, war es so Erstaunliches dabei gibt," versetzte Netta, deren Muth bei der offenbaren Verlegenheit ihrer Freundin stieg. „Ich bin doch wohl nicht so häßlich, daß sich ein Mann nicht in mich verlieben sollte, und da der Onkel es wünscht, wüßte ich nicht, warum ich dagegen sein sollte. Sie sollen meine Brautjungfer sein und mir rathen, was ich tragen soll. Jedenfalls kann der Onkel doch nichts gegen ein schönes Brautkleid einzuwenden haben." „Ich kann es Ihnen unter den obwaltenden Umständen nicht abschlagen," entgegnete Lady Marian in kaltem Ton, vergebens bemüht, den Aerger und das Gefühl der Einsamkeit, das ihre Seele bewegte, zu verbergen, „aber ich laffe meinen Vater jetzt so selten allein und seine Gesundheit ist so schwankend, daß ich das Versprechen nur bedingungsweise geben kann. Und nun ich gehört habe, weshalb ich gebeten wurde, herzukommen, muß ich Sie verlaffe», Netta. Sie lassen es mich jedenfalls wissen, wenn der Hochzeitstag bestimmt ist. Adieu!" Und ohne eine weitere Antwort abzuwarten, rauschte sie stolz aus dem Zimmer. Netta sah ihr etwas überrascht nach. „Wie sonderbar!" sagte sie. „Aber vielleicht ist sie ärgerlich darüber, daß ich mich eher verheirathe, da ich doch bedeutend jünger bin als sie." (Fortsetzung folgt.) Madame Sans (Seite. Roman nach Bictorien Sardou und F. Morrra«. Drutsch von »del« Btr|er. (Fortsetzung.) Marcel erklärte zuerst, daß die Sorten, der Revolution feindlich gesinnt, sich England übergeben wollten. Paoli, der Held der ersten Unabhängigkeitsjahre, hatte mit den Engländern unterhandelt und versuchte Bonaparte in seinen Abfall mit« hineinzuziehen. Die Unterstützung des Commandanten der Nationalgarde von Ajaccio war unbedingt nothwendig. Aber Bonaparte hatte sich mit Empörung geweigert, an dem Ver« rathe theilzunehmen. Dadurch gereizt hatte Paoli die Bevölkerung gegen ihn und die ©einigen aufgehetzt. Napoleon und seine Brüder Josef und Lucien waren genöthigt gewesen, in Verkleidung zu entfliehen. Paoli wendete seine Wuth gegen die Mutter Bonapartes. Das Haus, in dem Lätitia Bonaparte mit ihren Töchtern Zuflucht gesucht hatte, wurde angegriffen, niederge- riffen und angezündet. Die muthige Frau mußte sich in der Nacht durch das Dickicht flüchten. Es war eine schreckliche Flucht. Einige ergebene Freunde unter der Anführung eines energischen Winzers, Namens Bastelica, beschützten die Flüchtigen. Die Familie Bonapartes marschirte inmitten einer mit Karabinern bewaffneten Es- korde. Lätitia hielt die kleine Pauline, die künftige Generalin Leclerc, an der Hand; Elisa, das Fräulein von St. Cyr, die kaum aus dem Erziehungshause ausgetreten, nun in die Abenteuer einer Auswanderung durch die Berge gerieth, begleitete ihren Onkel, den Abbs Fesch, dessen Purpur noch sehr in der Ferne hing. Der junge Louis lief vor der Eolonne einher, sondirte das Dickicht und forderte beharrlich einen Karabiner. Der kleine Jerome wurde von Savaria, der ergebenen Dienerin, getragen. Man vermied die Landstraßen und suchte die verstecktesten Fußwege auf. Es handelte sich darum, das Ufer zu gewinnen, ohne von den Paolisten bemerkt zu werden. Die Sträucher und Wurzeln zerrissen beim Vor« 844 Übergehen die Kleider, Hände und Gesichter der weinenden Kinder. Nach einer Nacht der Ermüdung und Schlaflosigkeit ge- langten die Flüchtigen zu einem Strome. Es war unmöglich, ihn mit diesem Kinderschwarm zu überschreiten. Glücklicherweise konnte ein Pferd beschafft werden, und der gefährliche Strom wurde überschritten. Im Augenblicke, als man das Ufer erreichte, ritt eine Truppe Paolisten, die auf die Verfolgung der Bonapartes ausgesandt war, im Galopp vorüber. Alle versteckten sich in dem Dickicht und hielten den Athem an, Madame Lätitia bemühte sich, die furchtsame Pauline am Weinen zu hindern. Das Pferd, von Lucian gehalten, schien die Gefahr zu errathen und blieb unbeweglich mit gefpitzten Ohren am ganzen Körper schauernd stehen. Endlich sah man von einem Felsen aus Napoleon, der in einer Barke von einem französischen, im Golfe kreuzenden Schiffe abstieß. Bonaparte beeilte sich, zu landen. Kaum war er mit den Seintgen vereinigt, da lief ein Hirte vorbei und meldete, daß die Paolisten sie entdeckt hätten. Man hatte gerade Zeit, sich einzuschiffen, so erschienen duch die Korsen am Ufer und begrüßten die Flüchtigen mit einem scharfen Musketenfeuer. Aber sie waren bereits außer Schußweite. Kaum an Bord angelangt, läuft Bonaparte zu der einzigen Kanone, die sich auf dem Schiffe befindet, ladet, richtet sie und sendet den Paolisten eine furchtbare Decharge zu, daß acht oder zehn Derjenigen, die ihn tödten wollten, auf dem Sande blieben. Die anderen flohen. Die Familie und ihr Oberhaupt waren gerettet. „Bravo, Bonaparte I" rief Catherine, in die Hände klatschend. „Diese Kanaillen von Corstkanern! Wenn ich mit unseren Leuten dort gewesen wäre. Nicht wahr, Lefebvre?" „Bonaparte genügte," sagte Lefebvre, „er ist ein großartiger Kanonier!" „Und ein guter Franzose," fügte Beaurepaire hinzu. „Er wollte sein Vaterland nicht den Feinden ausliefern, das ist gut. Stellt Euch vor, Bonaparte auf einer Insel der Gefangene der Engländers Das wäre lächerlich gewesen, und sein Schicksal wird ganz anders ausfallen. Doctor, ich danke für Ihre Auskünfte. Wenn wir Verdun befreit haben werden, werde ich Bonaparte schreiben und ihm Glück wünschen." m , Der Commandant hatte sich erhoben; da er die Ruhe für genügend hielt und nichts Verdächtiges um Verdun zu sein schien, gab er den Befehl, alles für den Ausbruch herzu- richten. In zwei Stunden sollte der Marsch wieder ausgenommen werden, um Verdun vor Nacht zu erreichen. Während die Männer, nachdem sie die Suppe ^gegessen und die Waffen gereinigt hatten, sich anschickten, in Reih und Glied .zu treten, begab sich der Commandant zu dem bereits bespannten Wagen Catherinen« und bedeutete der Marketenderin, daß er mit ihr zu sprechen hätte, Mit leiser Stimme gab er Catherine, die mit einiger Ueberraschunz zuzuhören schien, seine Instructionen. Als er geendet hatte, antwortete die Marketenderin einfach: „Ich habe verstanden, Herr Commandant und was soll ich thun, wenn ich Jouy-en-Argonne verlaffen habe und wieder in Verdun bin?" „Uns erwarten, wenn die Stadt ruhig ist — uns eilig benachrichtigen, wenn der Feind eine Bewegung gemacht hat." Schön, Herr Commandant, ich werde meine Ctvtlkleider anziehen und hoffe, daß Sie mit mir zusrieden sein werden." Dann rief sie Lefebvre zu, der sich fragte, was für eine geheime Mission der Commandant wohl seiner Frau anvertrauen könne: „Frantzois, wir sehen uns in Verdun wieder. — Befehl des Commandanten. Gieb auf Henriot acht und daß La Violette — das war der Name des jungen Soldaten, der zur Bedienung der Cantine commandirt war — beim Abstieg Acht giebt, das Pferd immer im Schritt und immer am Zügel zu halten —" „Soll geschehen," sagte Lefebvre, „aber Catherine sei vorsichtig; wenn die preußischen Reiter, die in der Gegend streifen, Dich gefangen nehmen." „Bist Du dumm! Habe ich denn nicht unter meinen Röcken meine zwei Wachthunde," sagte Catherine lustig. Und ihr Oberkleid in die Höhe hebend, zeigte sie ihrem Manne die beiden Pistolen, die in dem Gürtel, welcher ihr Geld enthielt, steckten. Mittlerweile hatten sich die Freiwilligen auf ein Zeichen Beaurepaires in Reih und Glied gestellt und schickten sich an, den Marsch fortzusetzen. Catherine eilte tapfer die steilen Abhänge der Schluchten hinab, auf deren Grund das kleine Dorf Jouy-en-Argonne lag. Sie hatte die ersten Häuser erreicht, als über die Wälder, Wiesen und Felder hinweg die „Marseillaise", das begeisternde Lied der Freiwilligen, die auf Verdun marschieren, zu ihr herüberdrang. Und das Echo des Thales wiederhallte: „Qa ira! §a ira!“ rhythmisch den kriegerischen Marsch dieser tapfere« Kinder des Vaterlandes begleitend, die singend unter der Fahne der Freiheit dem Siege entgegeneilten. (Fortsetzung folgt.) V-viiMehtes. Zutreffend. Affeffor (nebenbei Sonntagsjäger) zum Angeklagten: „Habe ich Sie denn nicht schon irgendwo getroffen?" — Angeklagter (seine Kehrseite reibend): „Und ob, Eure Gnaden; erst vorigen Sonntag auf der Treibjagd!" * e ♦ Eine neue Erfindung. A.: „Wiffen Sie, da hat neulich Jemand ein Hemd erfunden, das keinen Knopf hat." s— B. (mit einem Seitenblick auf seine Frau): „O, liebet I Freund, solche trage ich schon längst!" * Falsche Scham. Madame: „Minna, was sehe ich, Sie haben mein Ballkleid zum Droschkenkutscher-Ball angezogen ! So eine Unverschämtheit ist mir noch gar nicht vorgekommen. Haben Sie sich denn gar nicht geschämt?" — Köchin: „Na, ob ich mich geschämt hab'! Mein Johann hat gesagt, wenn ich noch einmal in so 'nem unanständigen Aufzug käm', wär'n wir geschiedene Leut'!" * * * M Anzüglich. Director: „Sie haben wieder einmal unter dem Affen gespielt!" — Schauspieler: „Und dar sageii Sie als — Director!" * ♦ W ♦ Schnell getröstet. Reisender (der sich eben anschickt, in ein saftiges Beeffsteak einzuhauen und sieht, wie ihm sein Zug vor der Nase davonfährt): „Nee, solches Glück! Jetzt kann ich mein Beeffsteak wenigstens gemüthlich aufessen!" Neues Wort. Vater: „Nun, was haben Sie m meiner Tochter auszusetzen? Hübsch, jung, fein gebildet, zwanzig Mille Mitgift ..." - Freier: „Das ist es gerade — Re ist mir noch nicht mitgiftig genug!" * Köchin (mit ihrer Freundin Leni vom Markte heimkehrend): „Du, Leni, heut' hab'n wir ein Ganferl und ein Spanferkel gekauft — da geh'» wir an der Kasern' vorüber!" ♦ Mißverstanden. Telegraphenbeamter: „Für jeder Wort müssen Sie 5 Pfg. zahlen." — Bauer: „Da wär ich ein rechter Narr, da möchtens mit mir noch a halbe Stund schwätze." Redaction: A. Sch eh da. — Druck und Verlag der Brühl'schm Universitats-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Sch eh da) in Gießen.