F| Nr. »4. 1 , Vl.lLI Samstag den 28. Februar. —— ----- " •■ um— ■uuml 1895. <-V* V •• V v ammeolalkr ••Ai'F '^i Tr^ssae i '1* lL>z-.^' fc*.~ yV .t5- -s- Z' W^M^Wss Unterhaltungsblau zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). SB In der neuen Welt. Roman von P. Olleverio. (ffortjetzung.) Als am Abend der Thee auf dem Tische stand, bat mich Fanny, Gertraud zu rufen. „Sie ist kurz nach Dir weggegangen," fuhr Fanny fort. „Aber ste muß lange wieder zurück sein, obgleich ich ste nicht habe kommen hören." Ich klopfte an Gertrauds Thür, da ich aber keine Antwort erhielt, öffnete ich leise und trat in da» Zimmer. Es war leer. Gertrauds Hut und ihr langer Regenmantel waren nicht an dem Platz, wo sie immer zu hängen pflegten. Das weiße Mullkleid, an welchem sie am Morgen gearbeitet, lag noch genau so auf dem Bett, wie sie es am Mittag aus der Hand gelegt hatte; ihre kleinen, blauen Morgenschuhe standen auf dem Stuhle. „Sie kann noch nicht zu Hause sein," sagte ich zu Fanny. „Ich möchte nur wissen, wohin sie gegangen ist." „Wir wollen mit dem Thee nicht warten," meinte diese. „Es kann frischer für sie aufgegossen werden, sobald sie kommt." Hugo Bergen kam, wie wir erwartet hatten. Er machte eine sehr enttäuschte Miene, al« er Gertrauds Platz leer fand; und so lange er auch seinen Besuch ausdehnte, sah er sich schließlich doch gezwungen, wieder zu gehen, ohne sie gesehen zu haben. Ich glaube, wir beunruhigten uns nicht eher um ste, als bis es völlig dunkel wurde, dann aber befiel uns eine große Angst. Wir schickten Oscar und einige Arbeiter aus, um in der Nachbarschaft nach ihr zu suchen, aber ohne Erfolg. Werde ich jemals die endlose, furchtbare Nacht, das traurige Morgengrauen vergessen? „Mein Gott, wenn ste an die Bucht hinuntergegangen und hineingefallen wäre!" fchluchzte Fanny. Nicht weit von unserem Hause entfernt war ein tiefes Loch, an dessen Ende stch das Erdreich hinabsenkte, so daß das erstere weder von unserem Hause, noch von einem der übrigen Farmgebäude aus zu sehen war. Fanny und ich würden sofort an die Bucht gelaufen sein, wenn Oscar nicht Einspruch gethan und selbst gegangen wäre. Doch auch von da kehrte er unverrichteter Sache zurück und meinte nur, es wäre ihm vorgekommen, als ob das Gras am Rande der Bucht niedsrgetreten wäre. Als der Morgen graute und es allmälig lichter Tag wurde, ohne uns irgendwelche Nachricht zu bringen, blieb uns nichts weiter übrig, als der furchtbaren Wahrheit in da» Gesicht zu sehen. Gertraud war verschwunden! 9. Capitel. Oscar ritt zu allen unseren Nachbarn, um einen Schlüssel für da» Geheimniß zu finden, aber Niemand hatte Gertraud gesehen. Der arme Hugo Bergen war ganz von Sinnen vor Gram und Schmerz. Er Züchte sie an allm nur denkbaren Orten und sprengte nach allen Richtungen hin, so daß er sein bestes Pferd lahm ritt. Fanny weinte über ihrem Kinde die bittersten Thränsn, und meiner hatte sich eine seltsame Rathlosigkeit bemächtigt. Ich vermochte keine zwei Minuten hintereinander ruhig zu bleiben; wenn ich mich niedersetzte, fing ich an zu denken, und das Denken steigerte meine Angst bis zur Unerträglichkeit; so lief ich von einer Stelle zur anderen, oft ohne Zweck, ohne Ziel- Ich durchsuchte mit Fanny Gertrauds Zimmer, um zu sehen, ob sich nicht dort etwas fände, das einen Lichtstrahl in das Dunkel warf. Doch auch das blieb fruchtlos und als der Abend kam, befand ich mich noch immer in der entsetzlichen Rathlosigkeit. Ich stand im Hofe, der hinter dem Hause lag, und vermochte das Furchtbare noch nicht zu fassen, erwartete ich doch, als ich so vastand, Gertraud würde mir plötzlich in der hereinbrechenden Abenddämmerung entgegentreten. ' Da trat einer von Oscars Arbeitern, Namens Thorpe, auf mich zu und bat mich leise, ihm ein Stück von dem Hause fort zu folgen, da er mir etwas Wichtiges mitzutheilen habe. Ich kannte den Mann genau, hatte ihm wiederholt von meinen englischen Büchern geliehen und mich über seinen Trieb, sich zu bilden, gefreut. Er gehört zu den Menschen, welchen m früher oder später gelingen muß, sich au» ihrer Klaffe 14 - dein diejenigen des Manner, welcher Marie an dem Lage, wo Gertraud verschwunden war, nach dem Wege zu Ausbachr Haus gefragt hatte. Ich erwachte mit dem Gefühl großer Erleichterung, ~ als ob eine Centnerlast von mir genommen wäre; doch in dem Mondlicht, welches zum Fenster hineinschien, glänzte etwas auf meinem Toilettentisch. Es war das Medaillon, welches Oscar am Abend dort hingelegt hatte- Bei diesem Anblick befiel mich die Angst von Neuem und schaudernd verbarg ich das Gestcht in den Kiffen- 10. Capitel. Am nächsten Tage kamen zwei Polizisten angeritten und untersuchten die Bucht. Fanny fragte nichts und wollte nichts hören. Früh am Morgen schon war Hugo Bergen da, wir zeigten ihm natürlich das Medaillon und erzählten ihm, wo es gefunden worden. Er nahm es in die Hand und drehte es mit ernster Miene von einer Seite zur andern. „Sie haben es ihr geschenkt, nicht wahr, Herr Bergen?" wagte ich zu fragen, worauf er mich verwundert ansah und entgegnete: „Ich? Nein, ich sehe es heute zum ersten Male. Wie kommen Sie auf diese Idee, Fräulein Christa?" „Sie sagte e« mir," antwortete ich zaghaft, während ich mir innerlich jedes Wort zurückrief, das Gertraud von dem Medaillon erwähnt hatte, als ich es sie zum ersten und letzten Male tragen sah. Er machte ein ganz verdutztes Gesicht und schüttelte her Kopf- „Da liegt ein Jrrthum vor," meinte er. „Ich habe er nie gewagt, Fräulein Gertraud ein so kostbares Geschenk an« zubieten und bezweifle, daß sie es von mir würde angenommen haben." „ ~ „ So wurde das Geheimniß immer größer, die Dunkelheit immer tiefer. , , „ Gegen Abend kam Oscar plötzlich in großer Hast nach Hause. Er nahm Fanny, mich, das Kind, Marie — Alle, wie wir waren, — steckte uns in Fannys Zimmer und schloß uns ein- Er selbst ging wieder. t u Fanny und ich hielten uns todtenbleich an der Hand und wagten nicht zu athmsn, während Marie mit dem Kleinen auf dem Arm im Zimmer auf und nieder schritt- Was ging draußen vor? , Die Aufregung brachte Fanny einer Ohnmacht nahe um Marie mußte das Kind niederlegen, um das Fenster zu öffnen. Da plötzlich drang leises Stimmengemurmel, aus dem sich hin und wieder eine befehlende Stimme lauter erhob, durch da« Fenster zu uns herein und bald darauf trat Oscar erregt in's Zimmer. ,, P . „ „Sie haben in der Bucht einen Leichnam gefunden, sagte er, und da Fanny bei seinen Worten einen Schrei aus- stieß, fügte er hinzu: „Nur ruhig, Fanny I Es ist ein Mann" Wir atbmeten erleichtert auf und Oscar fuhr fort: „Er wurde soeben durch den Hof getragen und über die Brücke nach den Ställen. Ihr solltet es gar nicht sehen, deshalb schloß ich Euch hier ein." , , ~ „Der Leichnam eines Mannes?" wiederholte Fanriz schaudernd. „Ja," gab Oscar zurück. „Und da» Seltsame bei der Sache ist, daß die Polizei sagt, es sei einer ihrer Leute, welcher kürzlich hier in-die Nachbarschaft geschickt und seitdem vermißt worden sei- Welches sein Auftrag gewesen, das natürlich verrathen sie nicht." „War es ein großer, blonder Mann?" fragte ich. „Ja," antwortete Oscar. „Er war neulich hier. Erinnerst Du Dich nicht? Ich sah ihn im Hofe und er frug nach dem Wege nach Fernyhurst." So war es also das Gestcht meines Traumes: und der Mann, welcher mir, als ich ihn sah, zu denken gab, war ein verkleideter Polizist gewesen! Was konnte ein solcher in Arthur Ausbachs Hause zu thun haben? Und wie war er mit Ger' traud in Verbindung zu bringen, da doch deren Medaillon an derselben Stelle gefunden worden, wo er ertrunken «ar? herauszuarbeiten. Erstaunt über seine Worte, folgte ich ihm daher ohne Zögern. „ „ . Sine kurze Strecke von dem Hause blieb er stehen und ich trat an seine Seite. Ueber den Bergen lag noch das letzte Abendroth, so daß die Brust und das wallende Haar des Riesenmädchens wie in Blut getaucht erschien. Der Speicher zu unserer Rechten hob sich in scharfen Linien von dem dunkelnden Himmel ab. „Ich bin unten an der Bucht gewesen, Fräulem Christa, sprach er mit gedämpftzr Stimme, «und habe dies hier gefunden." , , , _ Dabei reichte er mir etwas, was bei dem ersten Buck aussah wie ein schmutziger Lumpen, an dem etwas Glänzendes hing. Ein zweiter Blick darauf überzeugte mich aber, daß es das grüne Band war, welches Gertraud um den Hals getragen hatte, als ich sie das letzte Mal gesehen, und auch das Medaillon hing daran. Ja, kein Zweifel, es war dasselbe; das Band naß und beschmutzt und das Medaillon zerkratzt und verbogen; man hatte jedensalls darauf getreten, denn auch eine der Perlen, welche den Buchstaben G bildeten, war herausgebrochen und verschwunden. , , „ Ich sah Thorpe an, — gewiß mit weit aufgerrffenen, entsetzten Augen, — während mir langsam klar wurde, was seine Entdeckung zu bedeuten hatte. , , r, „Sie fanden es an der Bucht?" fragte ich, so heftig zitternd, daß ich mich kaum aufrecht zu halten vermochte. „Ja, im Schlamm am Rande der Bucht, fast im Waffer, antwortete er; „und ich brachte es Ihnen, weil ich glaubte, es würde das Räthfel lösen; und da Frau Leonhard nicht allzu kräftig ist, ist es vielleicht bester, wenn sie es nicht sieht I" Es war nicht zu verkennen, welche Schlußfolgerung der Mann aus feinem Funde zog; und zu welch' anderer Ueber- zeugung hätte ich kommen sollen, obgleich ich mit aller Gewalt versuchte, mich noch an die Hoffnung anzuklammern? Ich dankte ihm für seine Vorsicht und sagte ihm, daß er recht vermuthet habe, — das Medaillon gehörte meiner Schwester Gertraud. Dann wendete ich mich dem Hause zu und tastete mich an der Hecke entlang wie Jemand, der im Finstern geht. Die kühle Abendluft, welche mir die Stirn umfächelte, belebte mich wieder ein wenig, sie machte meine Sinne klarer und gab mir frische Kraft- Die Hoffnung erwachte von Neuem in meiner Brust und gewann immer mehr Raum. Was ließ sich von dem Band und von dem Medaillon schließen, mit dem der Zufall sein Spiel getrieben haben mochte? Mein Herz lehnte sich gegen die kalte Verzweiflung auf, die es erstarrt hatte; der Gedanke war zu furchtbar, als daß er wahr sein konnte. Ich sah Oscar in den Hof hineinreiten und winkte ihn zu mir heran. Als er das Medaillon sah und hörte, wo es sich gesunden hatte, sagte er: „Erwähne gegen Fanny nichts davon. Morgen früh, sobald es Tag wird, werde ich die Polizei in Kenntniß setzen." In der Nacht hatte ich einen lebhaften Traum. Ich war von der Angst und Anstrengung der vorhergehenden Nacht so erschöpft, daß ich einschlief, fobald ich mich niedergelegt hatte, und da träumte mir Folgendes: Ich befand mich mitten in einem Gehölz. Ganz etgenthümliche, mir fremde Bäume und Sträucher standen um mich herum und dicht zu meinen Füßen lag ein klarer Teich. Die Mondstrahlen fielen durch die Zweige der Bäume auf das Wasser und beleuchteten geisterhaft eine bleiche, regungslose Gestalt, welche dort ruhte, deren Gesicht ich aber nicht sehen konnte- Ich glaubte in der Gestalt Gertraud zu erkennen, und „Ertrunken! Ertrunken!" tönte es von allen Seiten an mein Ohr. Ich ging am Rande des Teiches entlang, immer schien der Mond auf das Waffer und immer trieb die Gestalt mit dem verborgenen Gesicht an meiner Seite hin- Plötzlich rief ich händeringend: „Gertraud! Gertraud!" Da richtete sich die Gestalt langsam im Waffer auf. Jetzt sah ich da» Gesicht. Es waren nicht Gertrauds Züge, son- — AK dem Tagi, zu Ausbachs hternng, ~ re; doch in länzte etwas Ion, welches Neuem und geritten und wollte nichts ;en da, wir en ihm, wo । und drehte R. rr Bergen?" : ansah und ersten Male, hx?" während ich ud von dem n und letzten schüttelte de ,Jch habe er Geschenk an« ;be angenom« ie Dunkelheit er Hast nach cie — Alle, rr und schloß >er Hand und n Kleinen aus cht nahe M ster zu öffnen, dem sich bin durch da« r erregt in's n gefunden," ; Schrei aus» i ein Mann." hr fort: „Er >r die Brücke chen, deshalb cholte Fannz tfame bei der ihrer Leute, t und seitdem m, das natiir» gte ich. ich hier. Er« und er frug nes: und der gab, war ein her in Arthur : er mit Ger» Medaillon an len war? Wir zermarterten uns mit leeren Bermuthungsn, bis Oscar uns wieder verlaffen mußte. „Verzagt nicht," sagte er, bevor er ging, „ich glaube nicht, daß Gertraud tobt ist und denke auch, die Polizei glaubt es nicht. Die Beamten betrachteten das Medaillon mit sehr nachdenklicher Miene und baten, es vorläufig behalten zu dürfen." Spät am Abend wurde uns die beruhigende Mittheilung, daß man weder in der Bucht selbst, noch in deren Nähe etwas gefunden hatte, und so ging der zweite Tag nach Gertrauds Verschwinden zu Ende. Die Zeit verstrich. Die Sonne ging oftmals auf und nieder, ohne daß ein Lichtstrahl in das Dunkel gefallen wäre, welches Gertraud umhüllte. Ueber den Tod des Ertrunkenen wurden Nachforschungen angestellt, er wurde begraben und dann versank Alles in ruhiges Schweigen. Wenn die Polizei irgend eine Spur entdeckt hatte, so zog sie uns doch nicht in das Vertrauen. Fanny, glaube ich, hegte von uns Allen dis wenigste Hoffnung. Sie schlug mir eines Tages vor, Trauer anzulegen, Oscar aber, der es hörte, untersagte es uns entschieden; so wurde davon nichts wieder erwähnt. Ich für meinen Theil hatte das sichere Gefühl, als könnte Gertraud unmöglich tobt fein. Mein alter Traum kehrte mir in wenig veränberter Form wieder und wieder. Immer stand ich im Walde und immer war da eine verschleierte Gestalt, deren Züge ich nicht sehen konnte. Da war Waffer, da war Mondenschein, da waren Bäume ringsum, und immer hatte ich dasselbe furchtbare, ungewiffe Gefühl, ob die im Waffer treibende Gestalt Getraud sei oder nicht. Mein kleiner Neffe war mir in jener Zeit ein großer Trost. Der kleine Bursche wurde kräftig, gesund und klug und war mehr als je der Liebling des ganzen Hauses. Es schien, als ob wir seit der in unserem Familienkreise entstandenen Lücke noch enger zusammenhielten, um diese weniger zu empfinden. Hugo Bergen betrachteten wir fast wie zu uns gehörig. Er durchstreifte die ganze Umgegend und kam in seiner Verzweiflung schließlich zu mir, um mir zu sagen, daß er diesen Zustand nicht mehr zu ertragen vermochte- Er müßte fort. Sein Bruder wollte nach seinen Geschäften sehen und er wollte den Winter in Melbourne zubringen. „Vielleicht habe ich es im Frühjahre, wenn ich zurückkomme, ein wenig überwunden," meinte er mit einem trostlosen Blick auf Gertrauds Bild, welches an der Wand hing. Er that mir unendlich leid und ich hielt es auch für das Beste, wenn er eine Zeit lang fort ging. Er schüttelte uns Allen herzlich die Hand, fragte, ob er in Melbourne etwas für uns besorgen könne, und reiste wenige Tage darauf ab. Alle unsere guten Freunde verließen uns. Was wohl aus Ausbachs geworden sein mochte? Wir hatten nichts wieder von ihnen gehört- Von Fernyhurst wurden uns regelmäßig die prächtigsten Blumen und Früchte geschickt. „So hat es Herr Ausbach befohlen, ehe er abreiste," sagte man Oscar; und gleichzeitig hatte er auch angeordnet, daß alle neuen Bücher und Zeitschriften, welche für ihn einlaufen würden, mir sofort zugestellt werden. Zu wiederholten Malen fühlte ich mich stark versucht, an Arthur zu schreiben und ihm mitzutheilen, welch' schwerer Kummer uns befallen hatte, aber ich hatte 'keine Ahnung, wohin ich den Brief hätte adresstren können und unsere Bekannten, von denen sicher dieser oder jener es gewußt hätte, fragen, das wollte ich nicht. Durste ich außerdem nach dem, was zwischen uns vorgefallen war, ihm so entgegenkommen und damit einen Wink geben, daß er zurückkehren möge? Der Winter stellte sich zeitig ein- Die Berge legten ihr weißes Gewand an. Das Riesenmädchen wurde zur Alabasterstatue auf mächtigem Grabe. Mit dem ersten Frost kam auch, Allen völlig unerwartet, Hugo Bergen zurück. Er war nur vier Wochen in Melbourne geblieben und nahm sein altes Leben, feine regelmäßige Thätig« feit fo ruhig wieder auf, als ob er sie nie verlaffen hätte. Ob er Gertraud nach all' der Verzweiflung fo schnell vergessen hatte? Wir hätten es glauben können, wenn er nicht Zeichen vom Gegeutheil gegeben hätte. Doch Eins machte uns stutzig, — er kam nie zu uns. Wir hatten ihn Alle lieb gewonnen und durch das Band gemeinsamen Schmerzes verknüpft, würden wir ihn stets als unfern Bruder betrachtet und ihm jederzeit ein herzliches Willkommen entgegengebracht haben. Aber, wie gesagt, er hielt sich so fern von uns wie möglich. Mehr noch, Oscar versicherte uns, daß er ihn zufällig zwei oder drei Mal auf der Straße getroffen habe und Bergen ihm absichtlich ausgewichen fei, ja sogar den Kopf zur Seite gewandt habe, um den Gruß zu umgehen. Das schien doch sonderbar. Fanny und ich fühlten uns anfangs von der offen kundgegebeuen Kälte verletzt, bann aber sagten wir uns, daß der arme Hugo sehr viel gelitten haben mochte und wir ihn jedenfalls zu schmerzlich an früher verlebte glückliche Tage erinnerten, als daß ihm unsere Gesellschaft angenehm gewesen wäre und bald dachten wir überhaupt nicht mehr an die Sache, da es für unsere Gedanken eine Menge andere und aufregende Nahrung gab. Eines Tages lenkte ich meine Schritts nach Fernyhurst hinüber. Durch dis Wiesen war der Weg dorthin nur zwei englische Meilen weit, also fast nur halb so lang, wie über die Landstraße; von Fernyhurst aber ober selbst ber Lanbstraße war von unseren Fenstern aus nichts zu sehen, da ein dazwischen liegender Hügel die Aussicht verhinderte- Seit Arthurs Abreise war Niemand von uns nach Fernyhurst gekommen und wir hielten es endlich für unsere Pflicht, Mrs- Barton, der Frau, welche mit ihrem Manne für Haus und Garten sorgte, sür die Freundlichkeit zu danken, mit der sie Ausbachs Auftrag aussührte und uns regelmäßig die schönsten Blumen und Früchte schickte- Es war für den Spaziergang ein köstlicher Tag und fast auf dem ganzen Wege sah ich die Berge vor mir liegen. Ich fühlte mich in meiner kurzen Pelzjacke äußerst warm und behaglich und auch mit dem Schuh werk hatte ich mich vorgesehen, denn es hatte in der Nacht geregnet und der Boden war feucht und schlüpfrig. Durch ein kleines Seitenpförtchen, welches mir bekannt war, trat ich in den Garten, um durch diesen in das Haus zu gehen. Als ich im Begriff war, das Pförtchen hinter mir zu fchließen, sah ich unter einem Laurestinur dicht neben mir ein Stück Papier liegen, als ob ber Wind es dahin geweht hätte Ich würde es jedenfalls nicht weiter beachtet haben, wenn das Papier nicht die eigenthümlich rosige Farbe gehabt hätte, welche Gertraud so liebte und von dem sie sich aus ber Heimath einen großen Vorrath mit herübergebracht hatte. Die Farbe zog mich bermaßen an, daß ich dem Verlangen nicht widerstehen konnte und das zerknitterte Papier aufhob. Ja, kein Zweifel, das war ein Stück von Gertrauds Briefpapier und noch mehr, es standen Worte von ber Hand meiner Schwester darauf geschrieben- 11. Capitel. Ich kann nicht beschreiben, welch' seltsames Gefühl mich beschlich, als ich das Stück Papier in ber Hand hielt- Es war mir, als hätte ich endlich seit Gertrauds Verschwinden die erste Spur von ihr gefunden. Die erste Frage war nun: Wann war dieser Brief geschrieben ? Das Papier war feucht vom Regen und kreuzweise durchrissen, die Worte darauf ließen sich noch deutlich entziffern. Augenscheinlich war es die Hälfte eines Briefes, den man zu vernichten glaubte und weggeworfen hatte; und ber betreffen» ben Person, mochte es sein, wer es wollte, war biese Absicht nicht gelungen. Ich setzte mich unter ben Gummibäumen nleber, welche in jenem Theil des Gartens bicht beisammen stauben und begann, vor jebem beobachtenben Auge sicher, bas kostbare Dokument 96 Literarische» (8. N. N.) Gestrickt doch nie genug. Wenn ich ein junges Mädchen wär', Große Gefahr. Studiosus Bummel macht eine Ein- aabe an die Polizei, worin er ersucht, daß den Herren Schneidermeistern verboten wird, ihre Rechnungen in so kurzen Zwischenräumen wiederholt zu schicken, damit man nicht in Gefahr laufe, diesilben zwei oder drei Mal zu bezahlen. De? Neujahrspunsch und die Befferungs-Gelöbniffe zu Neujahr haben ost etwas Aehnliches; ersterer ist für den Kater, letztere sind für die Katz. Wenn ich ein junges Mädchen wär, Mein Liebstes wäre das: Ich ging zur Köchin in die Lehr Und lochte selber 'was! Der HauSfrau ziemt eS sicherlich, Wenn sie gut kochen kann. Und könnt' ich dies, bekäme ich Auch sicher einen Mann Mein Zweites wäre das: Ich controlierte etwas mehr Die Wäscherin am Faß. Ich stellte, wenn die Waschzeit ist, Romanlectüre ein; Das nur ist Ohrentrug, Geklimpert wird ja viel zu viel, Mit spannenden Romanen liest Man nicht die Wäsche rein. Häuslichkeit. Wenn ich ein junges Mädchen wär', Mein Erstes wäre das: Ich nähme Strickbaumwolle her Und strickt ohn' Unterlaß. Ich ließe das Pianospiel, Meisterwerke der Holzschneidekunst. Aus dem Gebiete in Architectur, Skulptur und Malerei. XVII. Band. l. bis 5. Liefere zu je 1 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Das befannt prächtige Sammelwerk ist jetzt in seinen siebzehnten Jahrgang emgetret« Was bisher darin veröffentlicht wurde, bildet einen interessanten Beitri zur Kunstgeschichte theils älterer, aber vorwiegend neuerer Z-ck wt liefert den Beweis, daß die Künstler unter den Holzschneidern noch nit ausgestorben sind. Jeder Jahrgang bietet eine werthvolle Sammlm von Kunstwerken, unter denen sowohl Historien- wie Landschafts- W Genremalerei als auch Skulptur vertreten sind. Die „Meisterweck liefern ihren Beziehern allmählich eine Kunstsammlung, wie sie |i . , . , ... i gleichem Preise und in gleicher Vollendung auf keine andere Weise i» Was eilt Häkchen wird. Kaufmann: „Was willst I schafft werden könnte, lieber den bildenden Einfluß eurer solche gütige: „Für 50 Pfennig Kaffee und 50 Pfennig I Sammlung braucht wohl nichts gesagt zu werden. betau« 1" - Kaufmann: „Wo hast du denn die Maik?" - I * * * ^unae- Die will die Mutter nächste Woche bringen! I „Die Sturmfluth auf Helgoland« findet in der soeben« ' • • I schienenen Nr. 12 der „Modernen Ättttft* (Berlag von Rrchr 0-rr (»«! d-m BM- ,«». MdI»-« »7d Fräuiein, Sie haben aber einen großen Fächer! — I Nordseeinsel geschickt wurde. Damit liefert die „Moderne Auir: Kräulein: «Ja, dahinter haben auch Zwei Platz!" I einen neuen B weis, wie sie trotz der großen Auflage ihre Leser sti» • * I über wichtige Ereignisse auf dem Laufenden zu erhalten in der Lage t| hrmtififinrKt Reamter Ratb' .Na. Lemke, I Schilderungen.modernen Lebens in kurzen, fast epigrammatischen Einzel Ein brauch barer »e amter bildern wie „Das moderne Weib« von Georg Malkowsky, ,unfe« Sie frieren wohl heute? — ©ectetat. „Wenn der Herr | Rechtsanwälte« von Georg Reimann sichern mit den beigefügten M" Rath frieren, erlaube ich mir, dieselbe Empfindung zu haben ! I ftrationen dem Blatte eine ungewöhnliche Frische und Lebendigkeit, d- • • I durch eine Fülle von Kunst- und Gesellschafts-Notizen unterstützt wm (Sie fnUp« I Die Kunstbeilagen, unter denen wir eine prächtige Illustration M Ein Strateg e. Lieutenant, „^injäyrtger, Ste sollen | Ggbthe'schenFischer-Ballade von G. Papperitz, „Die Nacht« von E. Reilari den Uebergang über eine gut vertheidigte Brücke erzwingen. I un^ ^te Rückkehr aus der Verbannung« von G. Bondaux hcrM. welche» ist die Vorschrift, die Sie dabei in erster Linie zu 8[ heben möchten, zeugen von einem Geschmack in der Bilderzahl, dem «t* beobachten haben?" — Einjähriger: „Rechts gehen!" ' „Moderne Kunst" einen großen Theil ihrer Eesolge zu verdanken p näher »n betrachten. Zuvor aber spähte ich nach allen Rich' tunaen au», ob sich die fehlende Hälfte de» Briefe» nicht möglicherweife noch entdecken ließ, doch davon war nirgend» eine Spur- I Als dritter Band des vierten Jahrgangs der Veröffentlichungen Al» ich dar Päpier auf meinen Knieen glatt strich, freute I des „Vereins der Bücherfreunde, Berlin", erschien soeben: ich mich, daß die ersten Worte, auf welche meine Blicke fielen, klar und deutlich da» Datum nannten. Der Brief war an I 22 Bogen. Preis geheftet Mk. 0.—; gebunden Mk. demselben Tage geschrieben, an welchem Gertraud verschwunden I ^uch von Rochus Schmidt behandelt Deutschlands Colonien, ihr« mar (Fortsetzung folgt.) I Gestaltung, Entwickelung und Hilfsquellen und zwar in zwei Bänden. ------------- I Der erste Band enthält eine Einführung, eine Behandlung von Branden- I burgs colonialen Unternehmungen an der Westküste Afrikas und Deutsch- I Ost-Afrika. Bei der Behandlung des letzteren Schutzgebietes ist der gt I schjchtlichen Entwickelung der Colonie ein verhältnißmäßig breiter Raun, gewährt. Die einzelnen Phasen von der Begründung von Dr. Pete« bis zum Gouvernement Schele sind berücksichtigt und characteristert. geographischer und ethnographischer Hinsicht konnte die Behandlung m- großen Gebietes eine allzu eingehende und detaillierte nicht sein, da d« zur Verfügung stehende Raum dies verbot. Mit dem vorliegend!: Buch verfolgt die Verlagsbuchhandlung, die es sich angelegen sein lief dasselbe reich mit Bildern und Karten auszustatten und es zu einen äußerst billigen Preise zugänglich zu machen, den Zweck, das Jnterch an unserer Colonialpolitik im Volke zu verallgemeinern und das Verständnis hierfür zu fördern. Das Buch umfaßt zehn Kapitel, die wir hter bet größeren Uebersicht wegen gleich anführen. Erstes Kapitel: Die Er Werbung der Kolonie durch Dr. Karl Peters und ihre weitere Entwickelung bis zum Eingreifen der Reichsregierung. Zweckes Kapitel: Die Niederwerfung des ostafrikanischen Ausstandes durch Major Her mann v. Wißmann. Drittes Kapitel: Deutsch-Ost-Afrika nach dm deutsch-englischen Vertrage. Abtretung der deutschen Schutzherrschast übet Witu an England. Viertes Kapitel: Deutsch-Ost-Afrika in naturwtllei: schaftlicher Hinsicht. Fünftes Kapitel: Der ostasrikanische Handel. Elmbein. — Sklaverei. Sechstes Kapitel: Dr. Emin Paschas Expedit» Begründung deutscher Stationen im Seengebiet. Siebentes Sapifc. Antisklaverei und Missionen. Achtes Kapitel: Militärische Maßnahme« im Innern unter dem Gouvernement von Soden und von Scheu. Neuntes Kapitel: Wirthschaftliche Unternehmungen. Zehntes Kapitel: Deutschlands Colonialverwaltung. Außerdem als Anhang em voll ständiges Namenverzeichniß und eine bis auf die Neuzeit ergänzt! Karte von Ost-Afrika. Von besonderem Interesse für die ColouwH^ gesinnten und interessierten Kreise dürfte das achte und zehnte Kapitel des ersten Bandes „Deutschlands Eolonialverwaltung« sein, hierin ügt der Verfasser feine Ansichten über die Centralverwaltung der deutsche« ~ , Colonien wie die Regierungssysteme in den einzelnen Schutzgebieten bat. Wa» die Frauen nicht haben. Jede Frau hat I Die Geschäftsleitung des „Vereins bet Bücherfreunde" kann für sich d-n frpitpRen Mann die intelligentesten Kinder , den größten I das Verdienst in Anspruch nehmen, dem deutschen Publikum für billige ben tteuelien wann, ow ™ 1 l «•** ' . » ’ @e[b eine eingehende Schilderung unserer Colonien zugang,g gemach Aerger mit den Dienstboten, die besten Kochrecepke, ote otutguen 1 kostete doch bis jetzt ein Buch über eie Colonien stets et® Eidkaufsquellen — aber ni .ts zum Anziehen. . I Mk. 20.—. Ueber den „Verein der Bücherfreunde« selbst ertheilt jet1 (Aus der „Wiener Mode i. I Buchhandlung, sowie die Geschäftsleitung, Verlagsbuchhandlung Schl • • I u Grund, Berlin W. 62, Kurfürstenstraße 128, jederzeit gern Ausku« Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (gr. Ehr. Pietsch- in