Rr. 10 Dienstag den 22. Januar V* V ee V V amwokmr ier;eizeF ' Ml Gießener Anzeiger (General Anpiger). 1895 Q Sturmfluth. Roman Don Em. Heinrichs. (Fortsetzung.) „Er schläft jetzt sehr fest infolge eines Schlafpulvers," fuhr Elisabeth dann im Flüstertöne fort. „Es ist, Gott sei Dank, nur ein leichter Schlaganfall, von dem Papa wieder gänzlich genesen wird, wie der Sanitätsrath versicherte. Du weißt wohl, daß die Melchior hier war, Tante?" „Hamson erzählte es mir, es ist tragisch, daß die Unglückselige selbst in ihrer Gewissensangst und Reue unserer Familie Verderben bereiten muß. Was mag ihr dieser Gang gekostet haben und in welcher Verfassung mag sie heimgekehrt sein? Sie dauert mich trotz alledem!" „Ich verurtheile sie ja nicht, aber was trieb sie dazu, von Willibald anzufangen, da sie doch nicht wissen konnte, ob Papa seine Heimkehr schon erfahren hatte? O, Tante, wie fürchte ich mich vor seinem Erwachen, was soll ich ihm antworten, wie ihn beruhigen?" „Ich bleibe hier, Kind," versetzte die alte Dame mit bewunderungswürdiger Fassung. „Du sollst dies furchtbare Leid nicht allein tragen. Wir werden auch einen Krankenwärter zur Hilfe bekommen, wie mir Hamson sagte. Dieser junge Amerikaner will durchaus nicht an eine Lebensgefahr unseres Willibald glauben. Er besitzt eine merkwürdige. Ueber- zeugungskraft, welche sich selbst mir mitgetheilt und mich in der That mit einer gewissen Zuversicht erfüllt hat. Uebrigens war der Sanitätsrath auch vorhin bei mir, um mich zu beruhigen und eine sonderbare Zumuthung an mich oder vielmehr an Dich zu stellen." „An mich?" fragte Eisabeth erstaunt. „Ja, es hat mich einigermaßen überrascht, zumal er vom ärztlichen Standpunkte aus diese Forderung stellte. Er verlangt von Dir, in den nächsten Tagen, wo sich die Krisis vorbereitet, die Pflege im Krankenhause zu übernehmen." Eine freudige Ueberraschung malte sich in Elisabeths Zügen. Ihr feines blasses Gesicht färbte sich mit dunkler Gluth und aus den schönen Augen leuchtete die tiefe Herzenserregung. „Hm, Du scheinst dieser Aufforderung nachkommen zu wollen, Kind!" sagte Tante Dorothea kopfschüttelnd, „bedenke wohl, was dabei für Dich auf dem Spiele steht. Dein guter Ruf —" „Ich glaube, daß in diesem Falle sich keine Dame unserer Stadt weigern würde," fiel Elisabeth leidenschaftlich erregt ein, „und ich sollte mich nur einen Augenblick bedenken, der ärztlichen Aufforderung Folge zu leisten, wo es sich um Leben und Sterben eines geliebten Angehörigen handelt? O, Tante, wie klein denkst Du von mir!" „Rein, Elisabeth, ich denke nicht klein von Dir, hier kommen aber noch andere Punkte in Betracht, — zuerst Dein Papa, — was soll ich ihm sagen, wenn er nach Dir fragt?" „Die Wahrheit, — er müßte kein Herz haben, wenn er mir das verwehren und nicht dem Manne, den er selber begeistert als Held gepriesen, jeden erdenklichen Weg zur Rettung ebnen wollte, und nun gar dem Sohne seines seligen Bruders!" „Das möchte ich denn doch nicht wagen," meinte die Tante, sie unruhig forschend betrachtend, „und wenn auch, so wäre das doch nicht Alles, was bei dem ärztlichen Experiment in Frage käme. In erster Reihe rechnet der Doctor auf eine gegenseitige Herzensneigung, die er seltsamerweise zwischen Dir und Willibald voraussetzt." Alles Blut schoß Elisabeth in's Antlitz und blitzschnell wieder zurück zum Herzen. Dieser verrätherische Wechsel sagte der Tante genug. „Armes Kind," sagte sie, ihr mitleidig die Wange streichelnd, „hast Du ihm so fest und treu Deine Liebe bewahrt? Wie steht's aber mit ihm? — Fast ist es- mir freilich vorgekommen, als ob er nur um Deinetwillen den gefährlichen Heimweg angetreten hat." „Ja, Tante," erwiderte Elisabeth jetzt, freimüthig den Blick zu ihr erhebend, „wir lieben uns noch ebenso treu und innig wie vor zehn Jahren, als er von dem Kinde Abschied nahm, und Willibald ist in der That mit dem Vorsatze heimgekehrt, mich als sein Weib mit hinüber zu nehmen in seine zweite Heimath." , „Ja, er sagte mir davon," nickte die Tante trübe lächelnd, „ich hielt es für Wahnwitz, sehe aber nun, daß Du denselben allen Ernsterffgethsilt hast. Arme, thörichte Kinder, als wenn ein solcher Plan überhaupt hätte ausgeführt werden können." „Du stehst aber, beste Tante, daß ich unter diesen Umständen dem ärztlichen Gebote nachkommen muß," beharrte Elisabeth, „ich weiß, daß er sich selbst in seinen Fieberträumen nach mir sehnt und daß meine Gegenwart ihn beruhigen, ihn retten wird." „Ein starker Glaube," meinte die alte Dame etwas ironisch. „Aber die Liebe soll ja Alles überwinden, wie es in der Schrift heißt, auch den Tod, ob Du indeß den Papa willfährig machen, ihn zu Deinem Glauben bekehren wirst, ist eine zweite, sehr ernste Frage. Hat er überhaupt, mit Dir schon über Willibald gesprochen?" „Keine Silbe, die Aerzte haben ihm das Sprechen verboten." „Fürchtest Du nicht, daß Dein Entschluß, Willibald im Krankenhause zu pflegen, ihm einen zweiten gefährlicheren Schlaganfall zuziehen, ihn vielleicht gar tödten kann?" „O, Tante Dorothea, Du bist grausam I" klagte das junge Mädchen, fassungslos die Hände emporringend. „Nein, mein geliebtes Kind, nur aufrichtig. Wenigstens müssen wir erst fondiren, wie Papa jetzt über den armen Jungen denkt, ob er ihn noch verurtheilt oder seinen soeben bewiesenen Heldenmuth mit geringerem Maße abschätzt, als bei einem Fremden. Wenn das wäre, dann, arme Seele, fürchte ich, wird er, wenn's in seiner Hand liegt, ihn nicht retten wollen." „Hältst Du Deinen eigenen Bruder für einen Mörder?" fragte Elisabeth entsetzt. „Ach, was wissen wir von den starren Ehrbegriffen eines Soldaten vom Schlage Deines Vaters, meine Liebe! — Er befindet sich jetzt in einer Sackgasse, aus welcher ihn nur eiserner Trotz oder Waffenstreckung befreien kann. Sein unbändiger Stolz wird ihn lieber ungerecht und grausam als nachgiebig machen, ich kenne ihn zu gut, da schon als Knabe ein starres Festhalten seines vermeintlichen Rechts ihm eigen war." „Und um seines ungerechten Stolzes halber soll Willibald zu Grunde gehen?" rief Elisabeth vorwurfsvoll. „Kannst Du dar verantworten, Tante Dorothea?" „Still, Kind, wer sagt denn das; ich will ihn ja nur die Sache mit fich selber abmachen lassen. Vielleicht siegt auch in ihm die Liebe —" „Und mittlerweile stirbt Willibald." „So sei doch nur ruhig, ich will ja nichts dagegen reden, obwohl der tttte Sanitätsrath mir recht sonderbar vorkommt mit seinem neuen Heilmittel. Es soll wohl eine Art Hypnotismus sein, ich glaubte, die Aerzte seien sammt und sonders darüber erhaben." Die alte Dame seufzte schmerzlich bei diesen Worten, da ihr das neue Heilmittel den überzeugenden Beweis gab, daß der alte Arzt bei dem armen Willibald am Ende seiner Wissenschaft war und er ihm sowohl wie Elisabeth den letzten Trost der Beisammenseins nur noch gönnen wollte. „Ja, ja, Du sollst ihn pflegen, mein Kind," setzte sie, wie aus jenem Gedanken heraus, hinzu, „es ist Dein Recht, ich will dem Papa gegenüber die Verantwortung auf mich nehmen und sollte ich zur List, selbst zur Unwahrheit greifen müssen. Willibald ist auch meines Bruders Sohn —" In diesem, Augenblicke ertönte eine Glocke im Nebenzimmer. „Das ist Papa," sagte Elisabeth erregt, indem sie rasch dar Zimmer verlassen wollte. „Bleib', laß mich zu ihm gehen," flüsterte die Tante, sie zurückhaltend. Tante Dorothea trat an das Bett des kranken Bruders, der sie unruhig anblickte. „Du bist es," knurrte er, „es that nicht nöthig, Dich au« Deiner Ruhe aufzustören." „Ich bin nur zufällig auf einem Spaziergange hier vorgetreten. Wie befindest Du Dich letzt, lieber Max?" 38 — „Gut, wenn ich die rechte Hand nur erst wieder mobil hätte- Setz' Dich, Dorothea, ich muß mit Dir reden." „Wollen wir das nicht lieber auf morgen verschieben? — Der Doctor —" „Ach was, das Reden ist die beste Medicin für mich; ich werde verrückt von meinen Gedanken. Hast Du es gewußt, wer der — der — na, der Fremde — der — Retter in der Sturmfluth gewesen ist? — Oder — hat die Melchior es nur aus Bosheit gesagt, um mir damit den Todesstoß zu versetzen?" Die letzten Worte hatte er nur leise, mit großer Anstrengung hervorgebracht, seine Kraft war offenbar zu Ende. Die Schwester beugte sich angstvoll über ihn. „Du tödtest Dich selber mit dieser Aufregung," sagte sie so ruhig wie möglich, da sie nicht wußte, ob sie ihm die Wahrheit sagen durste. Wie erlöst athmete sie deshalb auf, als in diesem Augenblick der Sanitätsrath eintrat- „Mein Bruder regt sich unnöthig auf," nahm sie sofort das Wort, „er quält sich mit Gedanken." „Bah, lieber Hauptmann, Sie haben doch gut geschlafen?" fiel der Arzt, nach seinem Puls fühlend, rasch ein. „Böse Träume vielleicht gehabt?" Der Kranke starrte bald ihn, bald die Schwester an. „War es vielleicht ein Traum mit dem Besuch der Melchior?" fragte er leise. „Nein, gewiß nicht," erwiderte der Doctor, „sie ist auch nicht aus Bosheit zu Ihnen gekommen, sondern einzig von ihrem Gewissen ober sagen wir lieber von einer Art Dankbarkeit oder Pflichtgefühl getrieben, das für sie offenbar zum Zwang geworden ist. — Sie konnte es allerdings nicht voraussetzen, daß Hauptmann Ehrhard die hohen Verdienste eines solchen Helden nicht gebührend anerkennen —" „Er hat es nur zu sehr gethan," murmelte der Kranke. „Nun ja," fuhr der Sanitätsrath unbekümmert fort, obwohl Tante Dorothea ihn ängstlich flehend anblickte, „so lange es einem räthselhaften Unbekannten galt- Aber dem eigenen Neffen, dem heimgekehrten Sohne des für's Vaterland gestorbenen Bruders diesen Lorbeer zuzuerkennen, davor entsetzte sich der wackere Hauptmann Ehrhard so sehr, daß er einen Schlaganfall erlitt." Der Kranke lag nach diesen etwas gewagten Worten seines^ Arztes eine Weile unbeweglich still. Er hatte die Augen geschloffen, aber im Gesichte zuckte es verrätherisch und plötzlich drang durch die Lider eine Thräne, welche langsam über die gefürchtete Wange in den grauen Bart herabtropfte, Sich mit der linken Hand hastig übers Gesicht streichend, fragte er, etwas scheu die Augen wieder öffnend: „Ist er noch am Leben, Doctor?" „Ja, aber dieser kostbare Leben schwebt an einem dünnen Faden. Meine Hoffnung ist gering." „Ist er bei Besinnung?" „Nein, das Fieber rast in ihm und verzehrt seine letzten Kräfte." Der Kranke seufzte tief und schmerzlich auf. „Lassen Sie mich sterben, Doctor!" stöhnte er, „war ist an der Ruine gelegen, — aber retten Sie ihn. Könnte ich den Jungen nur einmal noch sehen, ein Wort mit ihm reden!" „Der Versöhnung und Liebe?" fragte Tante Dorothea, welche ihren Thränen nicht mehr gebieten konnte. „Meinst Du, ich wollt' ihm meinen Fluch noch extra mitgeben?" knurrte der Hauptmann. „Ruhig, ruhig," gebot der Arzt, „ich bin durchaus nicht im Stande, zu behaupten, daß mein tapferer Patient sterben muß. Schonen Sie Ihre Kräfte, Herr Hauptmann, damit Sie bald wieder aufstehen und den Kranken noch lebend begrüßen können. Der arme Kerl ruft fortwährend nach seinem Schutzengel, vielleicht wäre dieser im Stande, ihn zu „Wollen Sie mich hänseln, Doctor, oder gibt's einen ' solchen für ihn?" 39 „Freilich existirt ein Schutzengel, der aber nicht pariren will, weil er behauptet, einem anderen gehorchen zu müssen. Mit einem Wort, es ist Ihr Töchterchen, Herr Hauptmann!" „Elisabeth will ihn nicht retten!" fragte der alte Herr mit ungläubiger Miene „sie, die immer seine Partei ergriffen „Bah, Hauptmann Ehrhard, sie kennt Disciplin!" Ueber des Kranken Gesicht zuckte es wie ein zufriedenes Lächeln. „Meinen Sie, daß ihre Gegenwart Willibald nützen, ihn zum Bewußtsein bringen könnte?" fragte er leise. „Ich hoffe es, und wenn sie ihm auch vielleicht nur die letzte Stunde versüßen sollte, so meine ich, daß es ein Gebot der Nächstenliebe wäre. Uebrigens würden die Damen unserer Stadt insgesammt wetteifern, ihm diesen Liebesdienst zu erweisen." „Sie soll gehen," entschied der alte Herr jetzt hastig, „hat Urlaub so lange Sie es für nöthig halten, Doctor! — Rufe sie herein, Dorothea!" Diese gehorchte und mit Elisabeth erschien auch Leonore Carlsen im Krankenzimmer. „Willst Du vielleicht mein Schutzengel sein?" fragte der Hauptmann mit einem Anflug von Humor die letztere. „Ja, Onkel Hauptmann, ich will Ihre rechte Hand sein, und die Grillen von Ihrem Lager verscheuchen," erwiderte Leonore, „darf ich bleiben und Elisabeth gehen?" „Hm, Kleine, ich bin mit dem Tausch zufrieden, da Dein Herz wenigstens hier bei dem alten Krüppel sein wird. Geh' in Gottes Namen zu Deinem Kranken, meine Tochter!" setzte der Hauptmann, zu Elisabeth gewandt, mit mühsamer Fassung hinzu, „und nimm meinen Segen mit Dir, falls der Augenblick kommen wird, wo er Dich erkennt. Vielleicht thut der Herrgott ein Wunder und läßt die Liebe triumphiren, wie er es an dem harten Herzen meiner Feindin bewiesen hat." Mit einem Ausruf der Freude eilte Elisabeth auf ihren Vater zu, ergriff seine Hand und bedeckte sie mit innigen Küffen, während Freudenthränen ihren Augen entströmten. „Gott hat mein Flehen erhört, er wird mir auch ferner gnädig zur Seite stehen!" XI. Der Winter hatte seine Strenge verloren und in dem Herzen unserer Freunde begann es Frühling zu werden. Mit freudiger Theilnahme hatte die Bürgerschaft die aus dem Krankenhause kommenden Nachrichten über die Besserung des Zustandes des heldenhaften Retters aus schwerer Roth vernommen. Wenn auch nähere Details über die wunderbare Rettung des scheinbar dem Tode Verfallenen nicht bekannt geworden waren, so sprach man doch allgemein von einer Wunderkur, die der Sanitätsrath an dem Kranken vorgenommen habe. Auch im Hause des Professors Carlsen war sie in den letzten Wochen täglicher Gegenstand der Unterhaltung gewesen. „Daran erkennt man so recht die Zusammengehörigkeit der Menschen," bemerkte Leonore Carlsen, als Hamson ihr gegenüber seine Verwunderung über dieses merkwürdige Wunder aussprach. „Uebrigens ist es gar kein Wunder," setzte sie mit werser Miene hinzu, „da die Hypnose doch im Grunde an- erkannt ist, wenn sie auch von der Wissenschaft angezweifelt rt0™' 3ch habe in Dresden eine solche Vorstellung angesehen, sollte selber durchaus hypnotisirt werden, weil ich die Geschichte bezweifelte, bedankte mich aber und würde es unter keinen Umständen thun." „Sind Sie denn überzeugt worden, Fräulein Leonore? Pardon, meine Gnädige, der Name klingt so schön, daß ich »hn häufig in meinen Gedanken wiederhole." .. "Ab s^d unverbesserlich, wie ich sehe, mein Herr! Nun also, ich bin in der That davon überzeugt worden, daß es viele Dinge im Himmel und auf Erden gibt, von denen unsere Schulweisheit sich nichts träumen läßt, wie der edle Dänenprinz Hamlet schon behauptet hat. Was nun das Genesungs- wunder Ihres Freundes betrifft, so müssen wir ein solches doch einfach auf die Sympathie, welche ihn von Kindheit an mit Elisabeth verbunden, zurückführen." „Ganz recht, sagen wir, die Hypnose der Liebe vollbrachte das Wunder," sagte Hamson, sie unverwandt anblickend, „wie beneidenswerth, so fest von der Gegenliebe eines angebeteten Wesens überzeugt zu fein! Ich würde mich mit Vergnügen in derartige lebensgefährliche Unternehmungen stürzen, dürfte ich hoffen, eine solche Sympathie zu finden." „Hm, Willibald Ehrhard hatte bei seiner Heimkehr immerhin Glück," meinte Leonore, den Amerikaner schalkhaft an» blickend, „man sollte wähnen, der Herrgott habe ihm eigens die Sturmfluth gesandt, um seinen größten Widersacher, den Onkel Hauptmann, mürbe zu machen, abgesehen von den feurigen Kohlen, die er nebenbei auf verschiedene Häupter gesammelt hat. Was nun Ihren neidischen Wunsch anbetrifft, Herr Hamson, so fürchte ich, es könnte Ihnen mit dieser sympathetischen Kur ebenso schlimm ergehen, wie dem kranken König in Langbeins „Hemd des Glücklichen". Sie kennen das Gedicht wohl nicht?" „Leider nein." Leonore erklärte ihm den Inhalt dieses bekannten Gedichts, wonach der kranke König nur durch das Hemd eines Glücklichen gesund werden kann, aber doch zu Grunde gehen muß, weil der endlich gefundene Phönix kein einziger Hemd besitzt." „Sehr gut, eine vortreffliche Satire," lachte Hamson, „Sie setzen darnach voraus, daß es mir mit der erhofften Sympathie ebenso ergehen könnte?" „Ja, man würde Ihnen wie unferm Willibald auch sicherlich von allen Seiten Sympathie entgegenbringen, ob aber die erhoffte heilsame, wäre doch sehr sraglich." Das schöne Mädchen saß ihm gegenüber in dem behaglich durchwärmten Wohnzimmer ihres Elternhauses. Draußen war es wieder winterlich geworden, große Schneeflocken wirbelten lustig durcheinander, im Kamin loderten die Flammen wie in dem Herzen dieser beiden jungen Menschenkinder, die heute zum ersten Male allein miteinander waren, da der Professor ihn zwar ausgesucht höflich, doch noch immer mit einem Mißtrauen behandelte, das den verwöhnten Amerikaner mit hellem Zorn erfüllte. Heute aber wollte dieser ein Ende machen und eine Erklärung herbeiführen. Wie ihre braunen Augen ihn schelmisch anblitzten, diese Augen, die ihn um seinen ganzen Halt, seine Ruhe und selbst, bewußte Sicherheit brachten, wie sein Herz ihr stürmisch ent- gegenschlug! ... x »Gewiß, Herr Hamson," setzte sie schalkhaft hinzu, „ich lurchte, das „Hemd des Glücklichen" würde sich für Sie nirgends finden und auch Sie müßten wie der arme König elendiglich - sterben." Der junge Mann erhob sich ungestüm und trat rasch zu ihr. Aus seinen blauen Augen blitzten leidenschaftliche Liebe und Entschlossenheit. „So würden auch Sie mich elendiglich sterben lassen, Leonore ?" fragte er mit bebender Stimme, sich tief zu ihr herabneigend. Das blaffe Gesicht des jungen Mädchens erglühte zu Purpur Sie senkte den kecken Blick und vermochte kein Wort hervorzubringen, unwillkürlich preßte sie die Hand auf's Herz, als fürchtete sie den verrätherisch lauten Schlag desselben, der sie zu ersticken drohte. „Antworten Sie mir, theuerste Leonore," fuhr er, ungestüm ihre Hand ergreifend, fort, „würden Sie die ersehnte lebenrettende Sympathie nicht für mich haben? — Richt Ihr Glück mir geben, es in meiner Erhaltung wiederfinden?" .. »Mein Gott," stieß sie jetzt, ihre Hand ihm entziehend, erschreckt hervor, „ich glaube, meine Eltern kommen! — Was habe ich gesagt, gethan, um Sie zu einem solchen Ueberfall zu ermuthigen?" Hamson richtete sich auf und trat rasch zurück. Sein Gesicht war todtenblaß, er athmete schwer und mühsam. „Un, Verzeihung, mein gnädiges Fräulein," murmelte er, 40 Geineinirütziges nach Fassung rmgend, „ich war ei . . erlaube«, daß ich mich empfehle." Er verbeugte sich tief vor der völlig fassungslosen lungen ein wahnsinniger Thor. Eie | man die weißen Pelzsachen hinein und reibt sie mit den .1 ’ i Händen in dem Mehl ganz so, als wolle man waschen. Dies >ar der voma ranungsiosen junge« I dauert so lange, dis die Boa rein ist. Um dies g^nau zu das Rimmer zu verlassen, als die ! prüfen, stellt man das angeschmutzte Mehl bei Sette und das Zimmer zu vertanen, | reines Mehl, welches, wenn die Boa gut O VernEehtes Redaktion; «Hyda. - Druck und Verlag der Brüht'schm Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gietzm. Dame und wandte fich, um das Zimmer zu verlassen, ats me WJ, bie Boa gut Thür geöffnet wurde und Professor eintrat. I einiQt $ ^cht verändert aussehen darf. Wollene Sachen „Sich' da, Herr Hamson,.ich grüße Sie ries er in in Mehl gerieben welches mit etwas stchMch guter Latme. ”£?«» •** meU ** HRX «-* „«be« », ba« Mrb ,0~ LLÄ?'Sba,s«.aMA**Ä* Tochter und stutzte. elnQnbet auf sie wieder in Gebrauch. Diese immer gefahrlose Wäsche d-m xät*!o,t' srarässsä ä ’SfiTÄ "NUN, wer von Beiden hat die Axt ausgegrab n | ^bgruschütten ist, wird mit Bortheil zu Suppe und Tränke (Fortsetzung folgt.) für Vieh benützt. ■ KLnden und Füßen. Gegen erfrorene Aus den Fliegenden Blättern. - Die ruuge Lände und Füße wird eine Salbe empfohlen, welche zur Hausfrau. Er: „Ich hab' gedacht, es giebt heute zum dnen ßälfte ou8 gereinigtem, in Stücke zerbrochenen Baum« I Braten Maccaroni?" — Sie: „Ja, ich ließ auch welche barr und zur Hälfte aus reinem Provenceröl besteht und in I holen, mußte sie aber wieder zurückschicken, da die Dinger einer "Obertaffe im heißen Ofen zusammen geschmolzen wird- alle hohl waren!" - Aus der höheren Töchterschule. Mit der demnächst abgekühlten steifen Salbe reibt man die I Lehrerin: „Wie viele Arten von Poesie unterscheiden wir?_ gerötheten undgeschwollenen Frostbeulen tüchtig und nach Backfisch (nach längerem Besinnen) :„Drderler! Ersorderniß widerbolt ein; bei aufgesprungenen Frostbeulen | Lehrerin: „Nennen Sie mrr diese! — Backfisch. „Die lh D-° »unetn b« Pfl-mM Em wi””r «V<6 ni«t « Herben. - An.etge. Dean. wie man beim Umsetzen ch b q I ichneie bringi ,nr »feige, daß unter Heutigem ber kann, und die Entwickelung solcher Gewächse Nt r iq . | » Lobnkutschers Adolf, welcher Rattenfänger ist, nicht kräftiger als bei anderen, die nicht so behandelt sind. 5 dn^ 9«e Mark? und Maul- * ♦ , ... I korb hecumläuft. ohne sich darum zu kümmern, und höhnisch Kübekpftanzer» sollen im Winter halbhell, kühl, luftig I wenn derselbe gewarnt wird. Hörnle, Polizei« steben (2 bis 3 Grad Reaumur). Kein Kübelbaum darf ^ivat. — Zweierlei. A.: „Wie gefällt Ihnen die Frau tm Winterlocal treiben! Etwaiges Beschneiden der Krone ^äthin und ihre Tochter?" B-: „Beide haben es mir an« isi bis Januar und noch Februar vorzunehmen und sind t6an; $on ber Tochter bin ich bezaubert, von der Alten such im Innern derselben die kurzen Zwetglein zu stutzen, I bin behext!" - Kasernenhofblüthe. Feldwebel (er« wenn es hier, wie gewöhnlich, an Blättern fehlt. Das gilt I j[ärt ben neuen Einjährigen, wie der Rock sitzen muß). namentlich von Lorbeerbäumen. Der Erdbällen muß das bet unterste Knopf sitzt ungefähr auf dem Nabel. - Waffer schnell durchlaffen, die Kübel müssen daher stets hohl I Einjähriger: „Bei mir nicht, Herr Feldwebel! - Feld« sieben. Im Sommer wird gewöhnlich zu wenig gegossen, im I webe{. dann sind Sie eine Mißgeburt." — Erfreulich. Winter oft zu viel. Baron: „Mein früherer Kutscher war jeden zweiten Tag * • * I betrunken, ich möchte also gern einen anständigeren Menschen Die ^smenen gehören zu den schönsten Zwiebelge« | haben! Sind Sie nüchtern?" — Kutscher: „O, W oft, mä£6fen die die Natur geschaffen hat. Schon aus weiter I $err Baron!" — Der echte Sammler- Antiquitäten- Ferne leuchten sie einem mit ihren großen doldenartigen | Händler (dem ein Brief Schillers zum Kauf angeboten roirb): Slumen die rings um den grünen Stengel fitzen, entgegen. I erlauben Sie, sind die Fettflecken in dem Brief Original? «"man Ht ur 3imm«eutar h-mn>i-b-n, I« rnerbeu bi- L s-mufgebotfen. ®* .»--b-li Ich-» Sie Mr Rmtebeln int Januar birect in Töpfe gepflanzt; hierzu be» fo scharf ins Gesicht, ÄeHner?" - Kellner: „Pardon Sie biene man sich sandiger Mistbeeterde; statt des Gießens mit I haben mich gerade an boeuf a la mode mit Knobel er» verdünnter Jauche werden Hornspähne in Waffer aufgelöst, I innert, das der Herr dahinten bestellt hat! um hiermit vie Töpfe zu gießen. Im warmen Zimmer an I * • * hellem Standort beginnt die Vegetation der 3smene feyr ■ Verdächtig. Hauswtrthin: „Ich habe jetzt meine bald und bei etwas Aufmerksamkeit wird man nach circa I Qn Studenten vermiethet, ber pünkkich seine 5 Wochen bie ersten Blumen bewundern könmn. Zur Ber- « ^the zahlt unb niemals kneipen geht, sondern immer wenbung in große Vasen-Bouquets, größere Blumen Arran S ^n Büchern fitzt und arbeitet." — „Ach, gehen gemente, Kränze re. bleibt die Jsmene eine sehr gesuchte ist gar kein Student!" Blume. । e # I * e * «in. w-ib° rdW m-n « wu b«. 3-"K S. 2« hi»«.- - I-* warm doch darf es nicht im Geringsten bräunen. Nun taucht ' „Was - mich?