Saws eg dm 21.Decemder 1895 ÄNttieMstter -xs^:3|_ 4*t£;)Je WM !»m Gießener Anzeiger (Genrral-Aweigrr) Unter'm Dach der Heimath. Eine Weihnachtsgeschichte aus dem Comödiantenleben von Gebhard Schktzler-Perasini. ------- (Nachdruck verboten.) I. Hebet das große Dorf strich der eistge Nordwind, drehte den großen Hahn auf der alten Kirche, daß er ächzte und pfiff, als wäre in den rostzerfreffenen alten Körper urplötzlich Leben eingekehrt. Die Thurmglocke summte dazu leise ob den Sturmstößen, welche um ihre erzenen Kanten fuhren. Es war ein recht garstiger Tag, der nun zu Ende ging und morgen war doch großer Feiertag — Weihnachtstag. „Schöner heiliger Abend!" murrte deshalb auch der Großbauer Stephan, der, unter der Thür eines stattlichen Gehöftes stehend, die Schneeflocken von Hut und Aermeln klopfte, die er sich eben auf einem Gang in's Dorf gesammelt. „Das ist das reine Hundewetter! Ja, zu schlecht für einen Hund!" Den Schnee von den massiven Sohlen stampfend, schritt er durch den Hausgang nach der Stube. Er mußte den starren Nacken beugen, wie er über die Schwelle schritt. Der Stephan war trotz seiner vierundfünfzig Jahre fest und aufrecht, mit Muskeln so hart wie Stahl und Eisen. Ob auch sein Herz so hart? Die Meisten im Dorfe behaupteten dies, obwohl sie hinzusetzten, daß das Schicksal den Stephan so hart gemacht hätte. Er lebte mit seinem Weibe ruhig auf dem großen Gut, das abseits vom Dorf und den anderen Gehöften lag, kümmerte sich nie ^übermäßig um die übrigen Dörfler und be- wirthschaftete sein Anwesen mit Hilfe eines halben Dutzend Dienstboten, die alle in dem Hinterhause wohnten und auch dorthin ihre täglichen Mahlzeiten erhielten, denn der Bauer duldete keinen näheren Anschluß. Die im Hinterhaus waren ihm Leute, die er bezahlte, pünktlich und reichlich, von denen er jedoch auch ebensolche Arbeit verlangte. Sie fielen ihm auch nicht lästig, denn sein finstere« Gesicht, seine allzeit eistge Ruhe schreckten sie schon von vornherein zurück. Zwei Söhne hatte der Stephan einst und Beide waren ihm verloren. Der Eine — der »eitere — war seine Freude und sein Stolz gewesen; auch dann noch, al« sie ihn zum Mllitär nahmen. Aber bald rief die Kriegstrommel nach Frankreich und der junge Bauer mußte bett flatternden Fahnen folgen. Damals waren die Mienen des Stephan noch nicht so eisig gewesen, nur ängstlicher wurden sie von Tag zu Tag, je länger der Kampf währte, je heißer die Schlachten tobten. Und dann eines Tages stöhnte der Stephan tief schmerz- lich auf beim Lesen eine« Briefes — sein ältester Sohn, sein Liebling war gefallen; eine wälsche Kugel drang ihm in da« junge Herz. Nicht zu Hause bei den Seinen, in Vaterland«, lüft, in seinen waldigen Bergen starb er, sondern ein Fremdling auf fernem Boden, umwallt von Pulverdampf. In seinem Schmerze hatte der Bauer keinen Sinn dafür, daß sein Sohn mit so vielen Andern auf dem Feld der Ehre für seinen König und sein Vaterland fiel. Er holte seinen Sohn; wenigstens sollte er daheim, nicht in den Kalkgräberü der Wahlstatt ruhen. Wie er den Sohn auf dem Wagen von der Bahnstation holte und durch das Dorf fuhr, war'« ihm, als verlöre er dabei ein Stück seines Herzens, das der Tobte hinter ihm nähme. — Nun blieb ihm noch der eine Sohn, für den er all' die Liebe und Sorge hegte, deren er noch fähig war. Aber Anton, der Jüngere, nunmehr alleiniger Erbe des Hofe«, war kein richtiger Bauer. In seinen Adern floß ein phantastische« Blut, da« der Vater nie begriffen hat. Vielleicht «ar da« vom Großvater, der ein Gaukler in seiner Jugend sollte ge- wesen sein, dann eine reiche Bauerntochter im Dorfe freite und sich selber zum Bauer bequemte. Ein richtiger soll er nie geworden sein; jetzt war er längst gestorben. Anton zählte achtzehn Jahre, al« fein Bruder fiel und sein eigene« Naturell drängte ihn ebenfalls hinaus nach dem Kampfplatz; doch schob diesem Vorhaben das Machtwort de« Vater« eine Wand vor; er mußte bleiben. Freude machte er seinem Vater nicht viel; er war und blieb ein Phantast, der lieber, statt auf dem Felde die Ochsen anzutreiben, am Raine lag und den Wolken nachschaute. Ein Etwas steckte in ihm, was ihm unbequem «ar, am unbequemsten freilich 863 - ihm diese» rohe Schaffen und rastlose Msthm ohne anders» Ziel, al» den zu füllenden Seldsack. Und eben diese» Etwa» drängte ihn in eine andere Sphäre, die er doch nicht verstand und nicht nennen konnte. Heimlich la« er de« Nacht« auf seiner Kammer bei Talglicht die Bücher, die er sich ebenso heimlich zu verschaffen wußte. Der Stephan nahm seinen Sohn gar oft in'» Gebet; e» nützte nicht« I Der fühlte sich nicht wohl daheim, den trieb'» hinau« in unbekannte Fernen. Mel Verdruß hatte der Alte mit dem Ungerathenen, der ihm nicht parirte, wie er wünschte. ein gute», weicher Herz hatte der Anton ja in der Brust, da« war nicht zu leugnen. Dar hatte er zumeist von der Mutter, mag sein, trotz allem auch ein wenig vom Vater- Aber wenn auch der Alte damals noch etwa« von einem weichen Herzen in sich hatte, so kam dochsnie eine Gelegenheit, die« seinem Sohne zeigen zu können. Mit dem mußte er immer fluchen und wettern. . . . Nun waren bald achtzehn Jahre vergangen seit dem einen Tage, den der Stephan nicht so leicht vergaß. Wie er jetzt in der dunklen Stube saß, kamen ihm sonderbarer Weise die Gedanken auf seine Söhne. E» war ja doch „heiliger Abend", ein Zeitpunkt, wo in vergangenen früheren Jahren seine beiden Buben um den beleuchteten Tanneubaum gesprungen waren. Heute ist die Stube leer und beinahe kalt. Der eine von den Buben schläft lange schon unter'm Schnee und auch der andere ist ihm verloren — verschollen draußen in der Welt, nachdem er über sein Hau» Schande brachte. Der alte Stephan und sein Weib sind allein. — Ja, der Anton! Sonst dachte der Stephan nicht viel an ihn; heute jedoch blieben seine Gedanken länger al» sonst bei ihm stehen. Es war doch sein Fleisch und Blut, der Einzige noch, der freilich auch schon gestorben sein konnte, dessen Grab er aber nicht einmal wußte. Wenn er selber auch hinüberging, war der Hof ohne Herr, und wie die Mäuse über den Laib Brod, werden die fremden Leute über ihn herfallen. Aber einerlei wiederum — auch sein Sohn war ihm ein Fremder — er hatte keine Söhne mehr! Vor achtzehn Jahren war der Anton au« dem Vaterhaus entflohen — geflohen bei Rächt und Rebel in die Welt hinaus. Und nicht einmal allein war er davon. Er, dem der Vater schon die reiche Müllerstochter contractlich bestimmt hatte, er ließ die reiche Partie im Stich und nahm dis Anna, der ärmsten Häuslerin blutarme Tochter, mit sich, indem er damit sein Vaterhaus der Schande preisgab und einer alten kranken Mutter ihr einziges Kind nahm. . O, Fluch über den ungerathenen Sohn! Heiß stieg es de« Stephan auf, wie schon so oft, wenn er an die verwünschte Geschichte denken mußte. Er trat an das Fenster, das einen Ausblick nach der etwa» entfernten Landstraße gestattete, welche bogenartig an dem Gehöft vorbei dem Dorfe zulief. Stephan that nur einen einzigen Blick hinaus, als er auch schon unangenehm berührt zurücktrat und einen derben Fluch zwischen die Zähne preßte. Roch immer sank draußen der Schnee herunter; auch die Dämmerung war schon ziemlich vorgeschritten. Trotzdem konnte der Bauer auf der Landstraße einen Trupp Menschen bemerken, welche einem mittelgroßen überspannten Planwagen zu Fuße folgten. Langsam zogen die Leute vorüber. — „Muß mich Alle« an den Lumpen mahnen!" flüsterte Stephan grimmig vor sich hin; aber er hob dennoch, wie von unwiderstehlicher Gewalt gedrängt, den Kopf und schaute wieder hinaus. Die Hände tief in die wärmenden Taschen gesteckt, den Kopf auf die Brust gedrückt, wateten die wenigen Männer * drüben dem Wagen nach; auch zwei Weiber bemerkte der Bauer etwas weiter zurück. Abseits vom Wege schlich eine dünngekleidete Gestalt, welche nach dem Hof de» Stephan scheue Blicke warf; dieser selbst konnte davon freilich nicht« bemerken. Die Gruppe verschwand gleich darauf im Schneegestöber und der Bauer drehte sich um. „Elender Eomödiantengefindel!" Unverkennbarer Abscheu lag in dem Tone dieses kurzen, schroffen Ausrufes. Und wohl erklärlich war dies: Stephans mißrathener Sohn war vor achtzehn Jahren mit einer solchen Truppe aus der Hetmath geflohen. II. „Heilige Nacht" war'« nun; der Schneefall hatte aufgehört, weite, weiße Flächen lagen da; der dunkle Himmel war besät von mattschtmmernden Lichtern. Hin und wieder flogen von den Bäumen einzelne Flocken und blieben hängen am eirberetften Zaun. ließet der Stephan» Hof lag große Ruhe; fast konnte man zu der Annahme gelangen, da» Hau» berge kein lebende» Wesen in sich. Dem widersprach jedoch da« Licht, welche« au» dem einen Fenster fiel und auf den Schnee einen langen spitzen Lichtstreifen zeichnete. In den Ställen rührte sich freilich auch manchmal da» Vieh und die eisernen Halsketten klirrten gedämpft und unheimlich in die Nacht. Das Dorf selbst lag int Hintergrunds still und ruhig da. Es war sehr klar geworden; der Mond stand am Himmel und warf den fahlen Schein auch auf den inmitten einer weißen Fläche liegenden Kirchhof, außerhalb de« Dorfe». Von dem von einer Mauer eingerahmten hügelichen Garten glitzerte es herüber; dar kam von einigen vergoldeten Kreuzen, von denen der Schnee gefallen war. Hinter dem Zaun, am Eingang des Gehöfte», stand ein unbenützter Wagen, einen dunklen Schatten werfend. Gegen dis emporragende Deichsel lehnte sich ein Mann, fröstelnd vor Kälte und nur mit größter Mühe ein matte» Hüsteln unterdrückend. Es gelang ihm jedoch nicht so ganz; der alte Kettenhund fing darauf an, zu wimmern. „Es muß fein!" stöhnte der kranke Mann und trat zugleich aus dem Schatten; zögernd ging er dem Hause zu. Durch den knirschenden Schnee erschreckt, fuhr der Hund au» der Hütte und schlug an. Der Mann zuckte zusammen und schaute nach dem Fenster, von wo da» Licht fiel; nicht» veränderte sich dort. Langsam und unter sichtbarer Anstrengung schritt der nächtliche Besucher übet den Hofraum, den Hund mit Zureden beruhigend. Dieser knurrte und winselte zwar fortwährend, kroch aber dennoch schließlich in seine Hütte zurück. Drei Stufen führten zur Hausthüre empor; dicht mit Schnee waren sie belegt. Einen Augenblick zauderte der Mann noch, ehe er den Fuß auf dis erste Stufe fetzte, al» aber aus der Ferne, vom Dorfe her, ein verwischter, halb ächzender, halb klagender Ton herüberzog — vielleicht wat'» nur ein kreischende» Hofthor, obwohl man'» leicht für den Klageruf eine« Menschen nehmen konnte — da that er’« rasch, wenn ihm auch dabei der Athem keuchend an» der Brust kam. Noch zwei Schritte über den knirschenden Schnee, dann ein mit schwindender Kraft geführter Schlag mit frierender Hand auf die schwarze Thüre — und der Mann sank auch schon in die Knies dabei und lauschte fiebernd an der Thür» spalte auf ein Geräusch, da» nun kommen mußte. Der Hut war ihm vom Kopfe gefallen und dadurch ward ein mit spärlichen braunen Haaren bedeckter Kopf sichtbar. Ein bleiche», bartlose» Gesicht war e«, da» mit scheuem Blick die Thürspalte streifte. Der Hund fing an, laut zu heulen; der Mann auf den Stufen schauerte mehrmals zusammen und fuhr mit der Hand Über die Stirn- Durch die Spalte blitzte ein Lichtschein und schwere - m - rkte der ifid» eine Stephan h nichts egestöber kurzen, Stephans : solchen tte aus« Himmel > wieder hängen t konnte lebende« welche« i langen itte sich ilrketten chig da. Himmel in einer :fe«. tgelichen goldeten ianb ein Gegen ilnd vor i unter» tenhund trat zu» tnife zu. mb au» Fenster, ritt bet Zureden oährenb, idjt mit rte bet jte, al» r, halb it war'« sür den jat er'« m« der e, bann ietenbet mk auch : Thür» ch warb sichtbar. !M Blick heulen; nen und schwere warme Decken gehüllt, da« einen fünfjährigen Buben krampf» haft an sich brückte. Zur Seite lehnte matt unb kraftlos Anton; er betete mit gefalteten Händen. . . . Er machte einen Griff nach der Thürkante, um ein Ende zu machen. Aber mit einem von Schluchzen vermischten Angstschrei faßte ber Sohn über bie Schwelle nach ben Änieen be« Vater«. »Mich laß hier liegen, laß mich umkommen im Schnee, aber nimm mein Weib unb Kind bei Dir auf!" »Nein — geht dorthin, wo Ihr herkommt I" Heber be« Knieenden Gesicht rannen heiße Thränen — Alle« verspielt — auch ben letzten Funken Mitleid, ben er noch zu erwecken hoffte in der Vaterbrust I Ex griff mit blinden Augen nach seinem Hut, der im Schnee lag unb stützte sich rum Aufstehen an ba« «elänber der Stufen. Der Bauer zog an der Thür, um sie zu schließen. Jetzt tönten vom Dorfe her plötzlich zwei Glöcklein durch die Nacht. Mit welchen Empfindungen vernahm sie der Unglückliche? Die Klänge riefen nur noch einmal im Iahte zu so später Nachtzeit zur Kirche. Unb Stephan? Dachte er in diesen Minuten vielleicht doch noch einmal zurück an die Zeiten, wo er zu dieser Stunde mit seinen beiden Buben nach der Kirche ging? — Wie die sich in ihre Pelze wickelten und durch den Schnee stampften I — Der vor ihm wat auch einer davon — trotz allem — aber nein! — »Heilige Nacht I" jammerte der Heimgekehrte beim Weihe» klang der Glocken- »Weihnacht — und mein Weib stirbt — stirbt!" schrie er laut auf. »Hört Ihr'«, Vater! Sie stirbt und ich kann ihr nirgend« eine Stätte bieten. Wir sterben auf der Landstraße in der heiligen Nacht!" Lautlos stand der Stephan, noch immer die Hausthüre III. Nachdem der Stephan feinen Knecht fortgeschickt hatte, ging er in« Hau« zurück und lief unruhig, Worte vor sich hinmurmelnd, in der Stube auf und nieder. Sein Weib wat schon zwei Stunden bei Bekannten im Dorfe, wahrscheinlich ging sie mit denen jetzt in die Kirche. Der Knecht mochte etwa eine Viertelstunde von de« Stephan« Hof mit dem Schlitten fort fein, al« die Anns Marie dennoch unerwartet kam und ihren Mann zu bewegen suchte, in die heilige Nacht»Messe mit ihr zu gehen. “ Der Stephan that ihr den Willen jedoch nicht. Kleid' auch Du da," sagte er, »auch im Hause kannst Du beten. Ich denk', Du hast bald Gelegenheit dazu." Sie verstand ihn nicht, er aber sagte nur noch: „Geh' hinüber in’« Hinterhaus, die große Stube ist geheizt. Warte dort, bi« Du zu thun bekommst und wenn nöthig, laß den Doctor und den Pfarrer holen- Leicht ist'« möglich, daß heut' Nacht dort Jemand stirbt." B »Jesu« Maria!" schrie die Bäuerin. „Mich aber laß allein — ich will nichts hören!" Ex sagte da» fest und bestimmt, drehte sich auf dem Absätze um und stieg die Treppe hinaus. Oben sprang an der Thür ein Riegel vor; der Stephan hatte sich eingeschloffen. Kopflos geworden, rannte die Bäuerin in’« Hinterhaus; sie brauchte nicht lange zu warten. Bald kamen sie — und in dieser Nacht ward viel geweint und gebetet. War sie doch «4nS“taÄa?8et«Äi.W' I 6atottb‘ dr^md ta>, ^nb^i^ßeuAkXAfiJJÄ bet mit der einen I Der verlorene Sohn war allein; die Thür be« Vater» W Ät Ä I Hauses hatte sich vor ihm geschloffen. »H Was soll«? rief er hinan». I »Wir sterben auf ber Landstraße!" murmelte er. »Da« ”iOr Hm erhob sich nicht; er sank nur noch I 8008 be6 Comödianten —" JÄT. r* Änie« den weichen Schnee. Seine Brust I Ä ,Bedächtig staub er auf, nickte vielmals traurig mit dem ?agte in schwerem Kampfe unb endlich öffnete er bie Lippen, I ^pfe und ging langsam, sehr langsam davon. hob die Hände zum Stephan hinauf. I Die Beine schmerzten ihn von dem Daliegen unb in seinen »Vattt--- I Schuhen stand da« Schneewaffer-! di» nttÄt< ,erfi £atf zusammen, daß ihm beinahe I 3« Dorfe läutete e« immer zu; die Klänge mischten sich bann aber trat er einen Schritt I "it dem lauten Heulen de« Hunde«. J- Der Stephan Hieb iurüd, um mehr Uebersicht zu bekommen. I eine lange Weile regungslo« hinter der geschloffenen Thüre 9Paa $ benn da«? Mein Herr Sohn vom I ehe er sich hastig umwandte unb durch'« Hau» schritt- Kunstgewerbe ? I Er öffnete die HinterthÜr und trat in ben rückwärtigen Hof» Mit finster zusammengezogenen Brauen unb starrem Blick I tourm- R« gegenüber lag ba« Gesindehau», ein nicht allzu» Saute er in ba« von tödtlicher Angst zerrissene Antlitz seine« I «1°^««, einstöckige« Gebäude- Eben trat ein Knecht und eine ® 6 k m I M°gb heran« unb standen Im Begriff, nach der Kirche zu . »atoUr, um der Heiligen Willen, nimm mich bei Dir I gehen- aus' «ef der Knieende und machte Miene, sich zu erheben. I »Bleibt!" rief ihnen der Stephan mit sonderbarer Stimme -Bleib, wo Du bist!" gab ihm der Alte zurück und seine I ent6,efe?e .l'^^ne die ooere Stube, Katharin, und feuere ein, Stimme schwoll immer mehr an. „Du bist am richtigen I T S bi~ rooP' Du hast mich verstanden?" setzte er hinzu, Ort! Auf den Stufen de« Hause«, dem Du die SchaM ae" al* Magd ihn erstaunt ansah. „Marsch!" bracht hast!" ' ' oie etpanoe ge» I Die Magd verschwand sogleich im Glstndehau». Noch »Kannst Du nie vergeben, Vater?" I Hh ihr der Knecht verwirrt nach, al» Ihn der Bauer am »Heiß mich nicht so — ich bin Dein Vater nicht mehr!" I atm "Sm und bi« zur Hausecke führte. tönte e« hart unb unerbittlich ihm entgegen; „Du hast ben I ^^hstDu ben Menschen bort auf der Straße, Caspar?" alten Bauernstolz verlacht, unsere Ehre mit Füßen getreten I Q 2naR auf der eine Biegung machenden — trage jetzt Dein Loo«! Dort, steh' hinüber— der I pudstraße im grellen Mondlicht eine Gestalt sehr langsam Stephan zeigte nach dem Kirchhofe — „dort drüben liegt I bem mein Sohn, den sie mir im Franzosenland erschossen haben: I "Udilich, Bauer," antwortete Caspar. da« war mein einziger, letzter — einen anderen habe ich I ben kleinen Marktschlitten und schirre schnell ben «W mehr. Da brüben liegt auch eine alte Frau, ber ein ™ d ” ^g« Du'« fertig bringst. Dann fahre Schanbbube ba« einzige Kinb nahm und unglücklich machte." I ^m Menschen dort nach und komme nicht eher wieder, al« »Unglücklich - ja! Und wir hatten un« doch nur zu S “nbr Jemand, der bei ihm ist, mit» lieb," stöhnte der Sohn. »Vater, habe Mitleid mit ihr JS btin0l meinem Kinde I" 9 I Der Knecht peitschte auf den Schimmel unb über bie Ein laute« Lachen schlug ber Stephan auf. I ^mneefläche sauste der leichte Schlitten dem Dorf entgegen, «Also mit Familie ist man da? Möchte sich wohl nach | e langsamer kam er nach Verlauf einer halben Stunde einem verlotterten Leben zur Ruhe setzen I Ein schöne» Weih» I iut t. Ä , nachttgeschenk! Tragt Euer Loo« — Alle miteinander; habt I , S'ben dem Pserde lief der Knecht mit langsamen S tritten, t« Euch ja selber bereitet!" I im Innern be« Schlitten» aber lag ein sterbende» Weib in 604 - die Mutter, ungeachtet Allem, und sahen die drei Mensche« doch erbarmungswürdig genug au». — (Schluß folgt.) GenrernnRtziges. Die Lrrnge. Ihre Pflege und Behandlung im gesunden und kranken Zustande. Nebst einem Abschnitt über Heiserkeit und ihre Heilung von Dr. Paul Niemeyer. Achte Auflage, durchgesehen und berau-gegeden von Dr. Franz Carl Geister. Mit 43 in den Text gedruckten Abbiidungen. Preis 2 Mark, in Leinwand gebunden 3 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. — Da» Buch gewährt einen dankens» werlhen Beitrag zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse über ein Organ unseres Körpers, durch deffen falschen Gebrauch eine große Anzahl von Menschen alljährlich dem Siechthum und Tode auheimsällt. Der Verfasser geht bei seiner Belehrung ganz planmäßig zu Werke, indem er zunächst den Bau der Lunge erklärt, dann ote Art und Weise der Ath« mung, die Diätetik der Lunge, die Entstehung und schließlich die Behandlung der Lungenkrankheiten bespricht. Die Darstellung ist verständlich und lebendig und wirkt um so ü er» zeugender, al« der Verfasser aus eigener Praxis erzählt und zahlreiche Heilerfolge mittheilt. Seine Rathschläge verdienen Befolgung und Anwendung im täglichen Leben, das leider bei vielen Menschen in Gleichgiltigkeit auf die Gesundheit und Erhaltung diese« lebenerhaltenden Organs verläuft- Da« Bändchen reiht stch ein in die bei I I. Weber erscheinenden „Jllustrtrten Gesundheitsbücher", deren billige Erwerbung ihnen viele Abnehmer zuführt. Die Berwerthung des Obstes hat bi« vor wenigen Jahren bei un« in Deutschland sehr im Argen gelegen. Die Früchte wurden meist unvorstchtig etngeerntet und ohne die nöthige Sorgfalt aufbewahrt. Da ist e» nicht zu verwundern, daß feine« Tafelobst, gute« Dörrobst und selbst Fruchtsäfte in großen Quantitäten au« dem Auslande importiert wurden, während die heimischen Obstsorten nur geringe Preise erzielten. Neuerdings ist e« aber besser geworden. Unsere Gärtner verwenden auf die Pflege und Einerntung guter Tafelfrüchte mehr Aufmerksamkeit und haben deshalb auch vorzügliche Erfolge erzielt. Aber nicht nur in Tafelobst können wir jetzt mit dem Auslande wetteifern; auch das Trockenobst, da« früher in sehr primitiver Wise zubereitet wurde, wird jetzt in trefflichen Apparaten gedörrt, und unsere Obstweine erringen sich immer mehr Ruf. Der Sultan von Sansibar z. B- ist ein großer Freund deutschen Apfelwein-Champagners. Die Regeln, welche man beim Obstbau beobachten muß, sind einfach genug, aber leider zu wenig bekannt. Em sehr hübscher Artikel in der vielgelesenen Familienzeitschrift »Heimchen am Herd" (Verlag de» Universum, Dresden) giebt vortreffliche Anleitung wie da« Obst zu pflegen, aufzubewahren und zu verwerthen ist. Wir möchten allen Gärtnern und Gartenbesitzern anempfehlen, die betreffende Nummer (die nur 10 Pfg. kostet) zu lesen. * * Ochsenschwanzsuppe auf einfachste Art. Einen starken Ochsenschmänz zerrhetlt man in Stücke und läßt diese, denen man Reste von Schinken, Fleischabfälle und dergleichen beifügen kann, in Butter braun anbraten. Dann gießt man 3 Liter Wasser darauf, fügt Salz, Pfefferkörner, Zwiebel, Lorbeerblätter und Muscatblüche hinzu und kocht die Suppe mehrere Stunden. Nunmehr schüttet man sie durch ein Sieb, verdickt sie mit einer braunen Mehlschwitze und macht sie schließlich mit 26 Gramm Liebig« Fletschextract, einem Gla« Madeira und ein wenig Cayennepfeffer kräftig und schmackhaft. Literarisches. -Wrdlaud-Eage«. Nordisch-germanische Lieder und Mären für das deutsche Haus, bearbeitet von Emil Engelmann. Mit vielen Bildern nach Zeichnungen von G. Cloß, C. Häberlin, Th. Hoffmann, S. D. Kepler u. a. Vollständig in 12 Lieferungen ä 50 Pfg. Stuttgart, Paul Neff Verlag. Emil Engelmann hat sich durch seine Bearbeitungen der Heldenlieder: Nibelungenlied, Gudrunlied, Frithjofs- Sage, Parzival, sowie durch Germanias Sagenborn, HomerS Odyssee bei Jung und Alt so beliebt gemacht, daß eS beim Erscheinen dieses ‘ neuen Werkes wohl nur weniger Worte bedarf, um dasselbe bei unfern Lesern einzuführen. Viele werden erfreut sein, jetzt schon auf ein Buch aufmerksam gemacht zu werden, wie wohl kaum ein passenderes für die Jugend auf dem diesjährigen Weihnachtsmarkte zu finden sein wird. — Die nordisch-germanischen Heldensagen sind tiefer gegründet und innerlicher empfunden, als die anderer Völker, selbst als die der Hellenen. Es ist zwar nicht zu leugnen, daß hellenische Anmuth und Grazie den Sagen unserer Väter fehlt, und daß die germanischen Dichtungen oft wie eisige Höhen oder wogenumschäumtes Festgestade sich darstellen, arm aber an markigem Inhalt und befruchtenden Elementen des Eveln und Schönen sind sie nicht. Die theilweise den Quellen der Edda entnommenen Sagen stainmen aus einer Zeil, in welcher Odin und Frigga unbestritten auf dem Hochsitz in Walhalla thront-n und „Aegir Herr der Fluthen" war. Auch diejgermanffchen Völker sahen damals noch in ihren ursprünglichen Sitzen unter der wuchtigen Führerschaft ihrer tapferen Heerfürsten, und diese Zeit ist es, welche die ewig jungen und frischen, wunderbar poetischen Stoffe ausgebildet hat, die nach anderthalb Jahrtaukenden uns erfreuen und die nach uns Kommenden noch erfreuen werden. — Möge dieser neue Band, der in 12 Lieferungen ä 50 Pfg. rechtzeitig vor Weihnachten vollständig vorliegen wird, denselben Beifall finden, wie die früheren, für deren Gediegenheit, sowohl bezüglich des Inhalts als auch bezüglich der Ausstattung wohl der glänzendste Beweis dadurch erbracht ist, daß in wenigen Jahren ca. 75,000 Exemplare abgesetzt wurden. Das kleine Pferdchen spiel, die jüngere Schwester der übelbeleumundeten Roulette, die durch ihren harmlosen Namen und ihr kindliches Aussehen schon so manchen getäuscht hat, ehe sie diesen Sommer in Marienbad entlarvt wurde, bildet den Gegenstand einer höchst interessanten Originalzeichnung ron F v. Myrbach im jüngsten Heft der illustrierten Halbmonatsschrift Ket« jttiw Wut* (Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. Preis des Heftes 75 Pfg.), dem dritten dieses Jahrgangs. Wie seine Vorgänger zeichnet sich auch dieses Hest durch geschmackvolles Arrangement und reichen, zum Theil farbigen Bilderschmuck aus; die Kunstbcilagen „Am Kamin" von C. Wilda, „Ein Duett" von Jahoda Lökesch, „Besuch im Biwak" von O. Marcus und nicht minder die zahlreichen in den Text verstreuten Illustrationen sind mit einer technischen Vollendung wiedergegeben, wie sie heute nur selten in einer periodischen Zeitschrift zu finden ist. Und daß diese Vorzüge nicht etwa auf Kosten des gedruckten Textes erreicht werden, beweist ein Blick in das Jnhaltsverzeichniß, das die Namen von drei unsrer bedeutendsten Erzählertalente: Theodor Fontane, Bianca Bobertag und Isolde aufweist, von denen die beiden ersteren hier mit je einem größeren fortlausenden Roman vertreten sind, während die letztere in einer kürzeren Novelle die ganze Kunst ihrer feinen Beobachtungsgabe offenbart. Von sonstigen Beiträgen erwähnen wir die geistvolle kr,tische Studie „Was wir lesen" von A. E. Schönbach, die humoristische Reiseschilderung „Ein Ritt nach dem Todten Meer" von H. W. Vogel, die landwirthschaftliche Plauderei „Auf heimischer Scholle" von Dr. G. Ruhland und „Entdeckungsreisen in der Heimath" von K. A. Baur, Maxim Dasio, Hermann Kaulbach, Victor Naumann und H. v. Plessen, Künstlernamen, die durch ihren Klang schon die hervorragende Ausführung einer durch ihre Eigenart fesselnden Idee verbürgen- Den Freunden des Sports bietet der Sammler viel Interessantes aus Homburg und Iffezheim. Die schwierige Aufgabe, den Character eines Familienblattes im edelsten Sinn mit dem einer durchaus modernen Zeitschrift zu vereinen, hier ist sie in einer Weise gelöst, die wahrscheinlich höchste Anerkennung verdient. Neue Romane und Novellen der Das weltbekannte verbreitetste deutsche Volks- und Familienblatt kündigt soeben das Programm für seinen neuen Jahrgang an, der mit dem Neujahr beginnt. Wir ersehen aus demselben, daß es der Redaction in hohem Grade gelungen ist, durch Gewinnung unserer besten Autoren auf dem Gebiete echt volkstümlicher und fesselnder Erzählung den Ansprüchen weitester Leserkreise gerecht zu werden E. Werner, zweifellos eine der beliebtesten und erfolgreichsten unter den deutschen Erzählerinnen, eröffnet den neuen Jahrgang der „Gartenlaube" mit einem neuen, großen Roman, der den Titel „Fata Morgana" führt. Neben E. Werner erfreut sich W. Heimburg in gleichem Maße der Gunst der Leser und Leserinnen im deutschen Familienkreise, und auch von dieser berühmten Autorin kündigt die „Gartenlaube" einen neuen Roman „Trotzige Herzen" an. Durch diese Werke wird namentlich die große Mehrzahl der deutschen Leserinnen sicher erfreut werden. Daß aber auch anderen Lesebedürfniffen und Geschmacksrichtung von der Redaction mit Fleiß und Sorgfalt Rechnung getragen wird, dafür bürgen uns die Ankündigungen: „Vielliebchen" von Ernst Eckstein, „Der Klageschrei" von Rudolf Lindau, „Böse Zungen," von Ernst Lenbach und Namen wie Ludwig Ganghofer, A. v. Perfall u. A., denen wir in dem Prospect gleichfals begegnen. Es freut uns, hiermit feststellen zu können, wie umsichtig und glücklich die Redaction der „Gartenlaube" bestrebt ist, den alten Ruf der „Gartenlaube" als echtes deutsches Volks- und Familienblatt zu wahren und zu mehren und dem deutschen Hause eine fesselnde und gediegene Seetüre zu bieten. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfik8tS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schehd«) in Gießen.