in entschlüpfen ilarmiren. überraschte!" Oberhand. rni Dreizehnten ie Feinde selbst »ßweite kommen Wache gehalten mmert." lern der beiden >as Brautpaar tete andächtig, inten. es Kreuzweges, Istrallampe, in er brennenden ehalten werden irine, von dem : Kapelle. einem Klirren länger zu be- ) kniete nieder, ntgen langsam nun rasch mit Vie zu, welche em Hut in der ldemoiselle, ich igen zu haben, ire Schüchtern' 1 len, an Ihrer h nicht. lblaut: „Dar aß Du endlich ege doch diesen sich so trauen i, Deinen und des Generalr enigstens Dein einem solchen cwähnen hörte, n kurzen Rock intel und zog stürzt, üger verblüfft. r (zum ange« Schaft): Siir gejodelt — dioh huhuhu ibejleuer eine i!" — ,,Weß- erhoben wird." Marie-Elschen. Novelle von H. Förster- .. . x. ----- (Nachdruck verboten.) Ich bin auf's Land gezogen, aber nicht wie früher etwa auf ein hübsches Schloß oder in ein behagliches Herrenhaus, sondern auf ein armes, simples Dorf, in die sandbestreute, schiefebene Oberstube eines Wirthshauser, und nicht wie sonst wohl zur heißen Sommerszeit oder zum herbstlichen Jagen, sondern im eisigen, schneeigen Winter noch . - . Ich will es nicht erklären, ob es Laune war — oder vielleicht die äußerliche Wirkung eines wehen Gesühl» tief im Herzen, so eine Art Flucht vor Welt und Menschen, in der man aber doch nur eigenen Erinnerungen und gewisser» maßen sich selbst entfliehen möchte- Der Collectivnamen der 20 bis 25 Häuser und Hütten, welche an ziemlich steilem Berghang liegen, ist Sickendorf, und das Land, das sie trägt, ist buchonifches; ich glaube, wenn meine Freunde wüßten, wo ich wäre, im Wald, der noch etwas an sich hat von der Zeit, „wo in ihm Elenn und Wisent zwischen Riesen von Eichen und Linden weideten, im Vogelsbergerbtet," um schweizerisch zu reden, sie würden sagen im Land, wo Hasen und Füchse einander Gute Nacht sagen. Aber sie wissen'« nicht; und sie brauchen es nicht eher zu wissen, als bis ich zurückkehre, da« heißt, bis ich in mir den Kampf bestanden, und über mich Sieger geworden bin . . . Es wird mirlgelingen; aber es ist doch nur ein Pyrhus- sieg . > . Immer ist es erhaben schön in Gottes freier Natur. Immer noch hat sie mich getröstet, beruhigt, geheilt und gesegnet — denn ich habe die Göttliche verstanden. Und auch jetzt wieder spüre ich ihr leises, stilles Wirken, das ich nur Einem vergleichen kann, dem des heiligen Geiste«. In der Hauptstadt dachte man schon an die srmutzige Zeit der Schneeschmelze. Aber als ich gestern Abend vor der Bahnstation auf elendem, offenen Bretterwägelchen herauffuhr, erfroren, gliederlahm, müde von der Eisenbahntour, da wurde ich schnell frisch und munter — e« fror stark, der Schnee knirschte, die Sterne flimmerten. Wie gut that die warme Wtrthsflube, wie trefflich schmeckte da« braune Brod, die w KLM HMD ' - -x * - - NMÄWW 1 2- der Käst, die Wurst — allei Hausmachev UrltechaUrmgMatt Ml Gießener Anzeiger) vorzügliche Erst später kamen einige händereibende, kopfbedeckte, fuß« stampfende Individuen, alte Bekannte, der Schmied vor allem, die von meiner Ankunft gehört. Du meiner Treu, am Abend zuvor hatte ich noch im Victoria-Restaurant gesessen und Schlummer'punjch getrunken, und der gute, lange Dr. Delmar hatte mich fast in Schlaf geredet mit seinem endlosen Er» zählen von electrischen Bahnen mit oberirdischer Stromleitung und mit unterirdischer und mit Accumulatorenbetrieb — und nun sitze ich unter den biedere» Sickendorfern und höre nur mit halber Ausmerksamkeit auf ihre Unterhaltung über Wetteraussichten und Prophezeiungen, über Heu- und Vieh- preise. Schließlich rückte ich ein wenig mit dem Schmied zusammen; er erzählt mir von seiner Familie und au« der Chronik des Dorfe« — und dazwischen drein klingt manches Wort, das mich freut, ein Wort von feiner Freund- fchast für mich. Warum soll ich mich schämen, e« einzuge« stehen? Dieser biedere, rauhe Bauer, der in seiner ungewandten, schwerfälligen Art, in seiner Gebirglerstrotzigkeit schwer zu gewinnen ist und solch' gut Theil Mißtrauen, Eigensinn und Schroffheit besitzt, ist mir eigenthümlich zu- gethan; er muß in Ahnung etwas verstanden haben von den Schmerzen eines Menschen, der in der überfeinerten Welt, im eigensüchtigen, vorurtheilsvollen Treiben der Leute mit viel Kopf und wenig Herz ober mit wenig Kopf und noch weniger Herz seinem Herzen königliche Rechte zugestanden hat! Wie gesagt, e« freut mich, und deshalb müssen der Schmied, Bachpeter, Hohljockes, Hannadam und „der Polizei" (Ortspo lizeidiener) ihre kurzen Pfeifen bei Seite legen und mit mir eine Cigarre rauchen, und da sie mein übrigens treffliches Flaschenbier verschmähen, ihre „Viertelchen Ordi- nären" wenigstens mit Getreidekümmel ober „Hamburger Tropfen" vertauschen. Letztere« ist da« Feinste hier zu Dienstag öe« 20. August. M,, '_ Fl .........— Q' ' --t----- | Nr. S8. Heute Morgen habe ich mir von Lies, der kleinen, schönen Magd, ein herrliches prasselnde«, tobendes Feuer anmachen lassen, das Kachelungethüm in meinem Zimmer verschlingt mächtige Eichenscheite, e« ist eine wahre Pracht; so etwa« kennt man in der Stadt nicht! Dabei habe ich in einem großen, alten Großvaterstuhl gesessen, ge- 890 raucht und etwas von Leetüre genascht, denn eine Kiste Bücher hatte ich mir vorausgeschickt. Mittags bin ich durch die Wälder gestreift, bin oft auf verschneiten Höhenwegen knieetief eingesunken. Todtenstill war'L im winterstarren Forst. Ein Viertelstündchen schaute die Sonne vom Himmel. Welch' Zauberschöne umfing mich da. Diamantenbestreut standen die Bäume, Diamanten glitzerten auf dem Schnee der Erde, ein großes gewaltiges Diamantenlicht war die Sonne selbst . . . Hase und Hästn habe ich gesehen und Rehe und unweit des Dorfes gar einen Fuchs. Mit rother Nase, steifen Ohren und eifigen Füßen kam ich heim, innerlich aber erwärmt, gleichwie heute früh beim knisternden, knatternden, prasselnden Eichenholzfeuer wohlig den sich dehnenden Gliedern geschah. Und nun habe ich schon zum zweiten Male in illustrer Stammtischrunde gesessen und bin dann zeitig, solid, wie ich es in der Stadt so selten war, hinaufgestiegen auf mein großes, Helles Zimmer, und Lis hat mir geleuchtet, das Bett aufgedeckt (man versinkt darin bis über die Ohren), hat noch einmal dem Ofen Futter gegeben und hat mir Gute Nacht gewünscht. Ich zweifle aber, daß ihr Wunsch in Erfüllung geht- Es ist mir, als habe ich mich durch die neuen Eindrücke seither nur täuschen lassen — das Weh, dem ich entfliehen gewollt, ist mit mir gegangen und beherrscht mich ganz. In dieser Stimmung lege ich mich nicht gern schlafen. Ach, ich gäbe etwas d'rum, wenn ich mir jetzt irgend ein lichtes, traulich Bildchen vor die Augen zaubern könnte. Doch wenn man mit Absicht daraufhin auszieht, erreicht man es nie. Soviel sonnige Tage auch meine Knabenzeit, meine Studienjahre gehabt und sie mir auch späterhin nicht gefehlt — kaum mochte ich jetzt an einen derselben denken, blitzschnell mischte sich ein trüber» schmerzender Gedanke darein- Und vor allem immer wieder stieg vor mir die letzte, schwere, wehe Zeit auf- Ich begann in der Stube auf und ab zu gehen; ich trat an das Fenster und öffnete es. Im Dorf weiter unten schien eben gerade eine Spinnstube aus zu sein. Am Brunnen, da wo der Weg zum Wirthshaus abzweigt, schien die über- müthige, junge Gesellschaft zum Abschied stehen zu bleiben, ich hörte das Kichern der Mädchen, das Lachen und Geschwätz der Jungburschen. Zu guterletzt gab es noch einmal einen Hauptlärm, wahrscheinlich als die lang zurückgedrängts Lust der Burschen ausbrach, und sie sich kleine, harmlose Ueber- griffe zu erlauben wagten, die in der Stube die scharfen Augen der Spinnmutter nicht geduldet hätten. Dann trennte man sich. Zwei Gestalten dicht aneinander kommen näher- Schräg mir gegenüber vor dem Haus des Schmiedes blieben sie stehen — da wußte ich es, daß es Gretel war, des Schmieds blondes Töchterlein, die „was Liebes hatte." Ueber Sickendorfer Herzensgeschichten bin ich stets bestens unterrichtet. Ich wußte auch, daß zu eben dieser Gretels Vater noch schief sah. Doch es hat sicher nichts auf sich. Ich habe ihm gestern auch wacker zugeredet. (Fortsetzung folgt.) Madame Sans Gsne. Hemmt nach Biet orten Sardou und F. Morrean. Deutsch von «dele Berger. (Fortßchtma.) In diesem Momente wandte sich der Priester der Versammlung zu, indem er seine Arme ausbreitete und murmelte: „Benedicat vos, omnipotentem Deus! Dominus vobiscum!“ Und er erwartete, daß man ihm antworte: „Et cum spiritu tuo.“ Doch die Aufregung war zu allgemein, als daß Jemand der Liturgie hätte folgen können. Die österreichischen Offiziere waren näher getreten. „Eine Französin, eine Marketenderin," sagte Derjenige, welcher der Anführer zu sein schien, mit komischem Schrecken. I x t »Ja wohl! Eine Französin, Catherine Lefebvre, Marketenderin vom Dreizehnten! Was, das ärgert Euch, meine Jungens!" rief Madame Sans-Gene, sich ihres langen Mantels entledigend und bereit, dem gefoppten Bräutigam in's Gesicht zu lachen, dem wüthenden Marquis die Zunge herauszustrecken und den österreichischen Offizieren ein Schnippchen zu schlagen, die sich beunruhigt umsahen, ob die Soldaten vom 13. Regb ment, deren Nummer Catherine so stolz wie ein Trompeten- appm, wie ein Kampfsignal hinausgerufen hatte, am Ende gar unter dem Schutze des Gottes der Heere au» dem Beicht- stuhle hervorbrachen oder aus dem Tabernakel heraustreten würden. XVIII. Eine Dankesschuld. Nachdem der erste Moment der Ueberraschung verstrichen war, legte einer der Offiziere die Hand auf die Schulter Catherinens. „Madame, Sie find meine Gefangene!" sagte er ernst, „Hört mir auf!" rief Catherine. „Ich bin ja kein Sob dat — ich bin hier zu Besuch als Parlamentär." „Höhnen Sie nicht I Sie sind in dieses Schloß eingedrungen von dem ich im Namen Seiner Majestät des Kaisers von Oesterreich Besitz ergriffen habe. Sie sind Französin und auf österreichischem Territorium. Ich verhafte Sie also." „Sie verhaften jetzt gar Frauen? Das isi nicht galant!" „Sie sind Marketenderin!" „Marketenderinnen find keine Soldaten!" „Ich nehme Sie nicht als Soldat gefangen, sondern als Spionin," antwortete der Offizier und commandirte, indem er ein Zeichen gab: „Es sollen vier Leute kommen und diese Frau fortführen und so längs bewachen, bis beschloffen wird, was mit ihr zu geschehen hat!" Baron Lowendaal, der hinausgestürzt und in das Zimmer Blanches gelaufen war, kehrte jetzt verstört zurück. „Meine Herren," sagte er mit erstickter Stimme, „diese Frau ist die Mitschuldige einer Entführung. Sie hat die Flucht des Fräuleins von Lavaline, meiner Braut, erleichtert. Wo ist Fräulein von Lavaline?" wandte er fich wüthend zu Catherine. Diese begann zu lächen. „Wenn Sie Fräulein von Lavaline sehen wollen, müssen Sie diese österreichischen Herren verlassen und sich in da» französische Lager begeben — dort erwartet sie Sie." „In's französische Lager? Was hat sie dort zu thun?" Der Marquis beugte sich an das Ohr des Baron»: „Das beruhigt Sie doch. Bei den Franzosen findet sie diesen Neipperg, auf den Sie so eifersüchtig sind, entschieden nicht." Er suchte damit den getäuschten Bräutigam z« beruhigen. „Das ist möglich," antwortete der Baron. „Aber nochmals, was hat sie dazu bewogen, sich zu den Franzosen zu flüchten? Ist sie vielleicht in Dumouriez verliebt?" „Sie ist zu ihrem Kinde gegangen," sagte Catherine. „Ihrem Kinde?" schrieen der Marquis und der Baron, beide gleich verblüfft, auf. „Jawohl, der kleine Henriot, ein reizendes Engelchen, wie Sie nie eins haben könnten I" rief die Sans-Gone familiär, den genarrten Bräutigam verhöhnend. Aber Lowendaal war zu verblüfft und auch zu bestürzt, um die höhnischen Worte Catherinens zu beachten. Leonard jedoch, der dieser Scene ganz starr beiwohnte, verzog die Lippen zu einer kläglichen Grimasse. Alle feine Pläne wurden zunichte gemacht: Nachdem Blanche fort war, hörte da» Kind, von dessen Existenz der Baron erfuhr, auf, ein Mittel zur Einschüchterung, eine Drohung, eine stets bereite Waffe gegen Die zu sein, die in wenigen Augenblicken Baronin Lowendaal hätte sein sollen. Er hatte keine Hoffnung mehr, die vortheilhaften Combinationen zu verwirklichen, welche der Besitz de» Geheimniffes Blanches in ihm erweckt hatte. Rasch überlegte er, was er nun zu thun habe. Dieser Leonard war ein sehr kluger Mensch, der keine Skrupel kannte, außer die Furcht vor der Galeere, die sein 391 - 13. Regiment besorgt, den Entschluß gefaßt, rasch in's Schloß zurückzukehren. Dar Geräusch in der Kapelle überraschte ihn. Er näherte sich derselben und hatte, indem er sich zu einem Fenster hinaufschwang, die Gefahr bemerkt, in der die Frau seines Capitäns schwebte. Da war ihm der Gedanke gekommen, seine Trommel zu benützen, um den Feind zu erschrecken. „He, Madame Lefebvre, nicht wahr, ich weiß die Trommel Guillaumets zu benützen? Ich möchte trotz alledem einen famosen Trommler abgeben, wenn ich nicht so lang wäre," schloß der brave Junge seine Erzählung. „Und wo hast Du meinen Mann gelassen?" fragte Catherine ängstlich. „Zweihundert Meter von hier — bereit, mit seinen Leuten herbeizueilen, wenn ich das Signal gebe." „Was für ein Signal?" „Einen Schuß!" „Warten wir; mir scheint, es kommt Jemand. Hörst Du nicht ein Geräusch, als wenn Pferde kämen?" Das Stampfen von Schritten und das Klappern von Hufen bewiesen in der Thät die Ankunft einer zahlreichen Truppe mit Cavallerie. „Soll ich schießen, Madame Lefebvre?" fragte La Bio» leite, indem er sein am Bandelier hängendes Gewehr loshakte. Und er fügte hinzu, indem er auf die von den Oester» reichern liegen gelassenen Gewehre deutete: „Wir haben genug, um das Signal viermal zu geben." „Nicht schießen !" rief sie rasch. . „Warum denn nicht? Glauben Sie, daß die Kaiserlichen mir Angst machen? Ich sagte Ihnen ja, es ist Rächt und da fürchte ich nichts." „Unglücklicher! Die Oesterreicher haben Verstärkungen. Du wirst Lefebvre und die Unfrigen in einen Hinterhalt locken! Wir Zwei werden uns schon herausziehen. Es ist besser, zu parlamentiren." „Commandiren Sie, Madame Lefebvre, ichgleiste Ihnen Subordination." Es wurde rauh an die Thür geklopft und sine Stimme schrie: „Oeffnet oder wir stoßen die Thür ein!" Catherine hieß La Violetts die Querstange abnehmen. Die Thür wurde geöffnet, und Reiter und Soldaten erschienen. Ihre dunkle Masse zeichnete sich beim Blitzen der Säbel, Helme und Bajonette in der Nacht ab. Catherine und La Violette hatten sich bis zum Altar geflüchtet. Dort bemerkten sie eine schwarze, kauernde Gestalt. Es war der Priester, der nach beendigter Messe ganz leise Gebete vor sich hinmurmelte — vielleicht jene, welche man für die Sterbenden spricht- Die Soldaten hatten die Kapelle überfluthet; man sah nichts, als Gewehre und Säbel. Der Offizier, der Catherine hatte verhaften wollen, erschien wieder, beschämt, vor einer Frau davongelaufen zu sein und von dem Wunsche erfüllt, sich zu rächen- Er wandte fich zu einem in einen gallonlrten Mantel gehüllten Offizier, der einen höheren Rang zu bekleiden schien. „Herr Oberst," sagte er, „wir werden diesen Soldaten und diese Frau füstliren lassen." „Die Frau auch?" fragte in kaltem Tone der als Oberst Angesprochene. „Es sind zwei Spione!" „Fragen Sie, wer sie sind, wie sie heißen, was sie hier wollten, nachher werden wir entscheiden," sagte der Oberst. Catherine hatte zugehört. „Ich verlange, daß man uns als Kriegsgefangene behandelt," sagte sie fest. „Die Schlacht hat noch nicht begonnen," entgegnete der Offizier. „Ja, durch uns, ich war die Avantgarde und das ist die erste Colonne," sagte ste, auf La Violette deutend. „Sie haben nicht das Recht, uns zu füstliren, well wir uns ergeben. Nehmen Sie sich in Acht! Wenn Sie diese Gemeinheit be- Herr in schwierigen Umständen geschickt aufrecht zu erhalten wußte. „Ich will auch in's französische Lager," murmelte er, „ich habe ja das Losungswort. Sie werden mich passiren lassen — vielleicht ist nicht. Alles für mich verloren. Wir wollen sehen, Frau Baronin." Geräuschloß glitt er hinter den österreichischen Soldaten durch, die einer der Offiziere geholt hatte, gelangte zur Thür der Kapelle und stürzte hinaus. Der Offizier, der Catherine verhaftet hatte, sagte nun in kurzem Tone: „Es muß ein Ende gemacht werden, Herr Baron. Haben Sie keine Bemerkung mehr zu machen, keine Frage an unsere Gefangene mehr zu stellen?" „Nein, nein, führt ste fort, bewacht sie, füsilirt sie!" rief Jener aus. „Oder," fuhr er in komischer Verzweiflung fort, „fragt sie lieber aus, bringt aus ihr heraus, was mit Fräulein von Lavaline geschehen ist. Sie soll wenigstens sagen, was das mit dem Kinde bedeutet." „Wir werden sie in einem der Säle des Schlosses einsperren," antwortete der Offizier ruhig. „Das Gefängniß macht mürbe. Morgen wird sie uns antworten." „Morgen werden Soldaten der Republik hier sein und Keiner wird reden, denn Ihre Alls werdet tobt oder in die Lust gesprengt sein!" rief Catherine kühn. „Führt sie hinaus I" sagte der Offizier kalt, sich zu seinen Leuten wendend, dann fügte er hinzu: „Stellt Eure Gewehre nieder und führt sie hinaus! Fesselt sie, wenn sie sich widersetzt!" Die vier Soldaten lehnten ihre Gewehre gegen die Balustrade, welche das Chor abschloß, und traten schweren Schrittes vor, bereit, den Befehl auszusühren. „Kommt nicht näher!" schrie Catherine. „Der Erste, der sich muckst, ist tobt I" Und rasch ihre beiden Pistolen aus. dem Gürtel ziehend, legte sie auf die Soldaten an, die stehen blieben. „Vorwärts! Vorwärts!" brüllte der Offizier. „Ihr'erschreckt am Ende gar vor einer Frau!" Die vier Soldaten entschieden fich, den Befehl auszuführen, als plötzlich in der Stille der Nacht, ganz in der Nähe der Kapelle, lauter Trommelwirbel ertönte. Die Trommel schlug den Sturmschritt. „Die Franzosen! Die Franzosen!" rief der Baron entsetzt. Die Panik war plötzlich und unwiderstehlich. Die Soldaten, ihre Gewehre vergessend, flohen in großer Unordnung, ihnen nach die Offiziere, um sie einzuholen und die österreichischen Patrouillen zu erreichen, denn sie waren überzeugt, daß die» eine Ueberraschung der Avantgarde Du- mouriez sei. Der Marquis und der Baron waren fortgeeilt, um sich im Schlosse einzuschließen. Die Kapelle hatte sich geleert. Am Altar beendete der Priester gleichgiltig seine Messe. Mittlerwelle trommelte der Tambour immer lauter und Catherine sah auf der Schwelle der Kapelle überrascht und freudig den langen, mageren La Violette erscheinen, der äus Leibeskräften auf die Esüshaut losschlug. „Du hier?" sagte sie. „Was machst Du da? Wo ist da» Regiment?" „Ei, im Lager!" rief La Violette, indem er zu trommeln ^ufhorte. „He, Madame Lefebvre, ich bin zurecht gekommen, "'chr wahr? Aber wären wir nicht besser daran, wenn wir die Thür zumachten?" , _. rasch schlug er die beiden Thürflügel zu und befestigte sorgfältig den Querbalken. , Dann erklärte er der erstaunten Catherine, daß er Blanche i geführt habe, daß sie jedoch unterwegs auf eine französische, von Lefebvre commandirte Patrouille gestoßen @r hatte Fräulein von Lavaline zwei sicheren Männern anvertraut und diese mußte sich bereits in Sicherheit hinter der Linie Dumouriez bei ihrem kleinen Henrioi befinden. Dann hatte er, um die brave Marketenderin vom - SS2 gehen, wird man es bei den Unseren erfahren und dann erwarten Sie von den Voltigeuren vom dreizehnten Regiment keine Gnade. Sie sind nicht weit und werden bald hier sein. — Erinnern Sie sich an die Mühle von Valmyl Ihre Gefangenen werden für uns Zwei bezahlen. Mein Mann, der Capitän ist, wird un» rächen, so wahr ich Catherine Lefebvre heiße." Der Offizier im Mantel, den man Oberst genannt hatte, machte eine Bewegung der Ueberraschung. Er trat ein paar Schritte vor und suchte im Dunkeln die Sprechende zu erkennen. „Madame," sagte er höflich, „find Sie vielleicht eine Verwandte eines Lefebvres, der bei den Garden in Paris diente und eine Wäscherin geheirathet hat, die man Madame Sans-Gsne nannte?" „Die Wäscherin, die Sans-Göne, bin ich; Lefebvre, der Capitän Lefebvre, das ist mein Mann." Der Oberst, sichtbar in lebhafter Bewegung, that ein paar Schritte auf Catherine zu, dann öffnete er seinen Mantel und sagte, indem er ihr sest in’» Gesicht blickte: „Erkennen Sie mich denn nicht?" Catherine wich zurück und sägte: „Ihre Stimme, Ihre Züge, mir scheint — Ihre Figur erscheint mir wie in einem Nebel." „Ein Nebel, der durch die Rauchwolken der Kanonen gebildet wird. Haben Sie den Morgen des 10. August vergessen?" „Den 10. August? Sie sind also der Verwundete, der österreichische Offizier?" rief Catherine. „Ja, ich bin es, Graf Neipperg, den Sie gerettet haben und der Ihnen ewige Dankbarkeit bewahrt. Laflen Sie sich von mir umarmen, meine Lebensretterin I" Und er ging mit ausgestreckten Armen auf sie zu, um sie an sich zu ziehen. Aber Catherine sagte lebhaft, indem sie zurückwich: „Herr Oberst, ich danke Ihnen, daß Sie ein so gutes Ge- dächtniß haben. Was ich am 10. August für Sie that, geschah aus Menschlichkeit. Sie waren verfolgt, waffenlos, außerdem verwundet; ich habe Sie beschützt, ohne mich darum zu kümmern, unter welcher Fahne Sie verwundet wurden, in welcher Sache Sie stehen. Heute finde ich Sie wieder und Sie tragen die Uniform der Feinds der Nation, find der Commandant von Soldaten, die in mein Vaterland einbrechen. Ich will mich nicht mehr erinnern, was in Paris vorgegangen ist. Meine Freunde, die Soldaten meine» Regiments, mein Mann, dieser brave Junge, den Sie da neben mir sehen, alle Patrioten könnten mir vorwerfen, daß ich da» Leben eine» Aristokraten, eine» Oesterreichers, eines Obersten gerettet habe, welcher Leute, die sich ergeben, füsiliren läßt. Herr Graf, erwähnen Sie nichts mehr vom 10. August, ich will nicht wiffen, daß ich einen Feind wie Sie gerettet habe." Neipperg beherrschte sich, die energischen Worte Catherine Lefebvres versetzten ihn in außerordentliche Bewegung. „Catherine, meine Wohlthäterin," sagte er in aufrichtigem Tone, „machen Sie mir keine Vorwürfe, weil ich meinem Lande so diene, wie Sie bem. Ihren. So wie Ihr tapferer Mann seine Fahne vertheidigt, schlage ich mich für die meinige. Das Schicksal hat uns getrennt, indem es uns unter einem verschiedenen Himmel auf die Welt kommen ließ, und scheint un» nur in den Stunden größter Gefahr zu nähern. Kränken Sie mich nicht durch Ihre Feindschaft. Wenn Sie den 10. August vergessen wollen, so muß ich mich seiner erinnern und der Generalstab»-Oberst der siegreichen kaiserlichen Armee . . ." „Noch nicht siegreich," unterbrach ihn Catherine trocken. „Morgen wird sie es sein," fuhr Neipperg fort und fügte hinzu: „Der kaiserliche Oberst, der hier commandirt, hat nicht vergeffen, daß er die Dankesschuld des Vertheidtgerr der Tuillerien, de» Verwundeten des Wäscheladens in der Rue Saint-Roche bezahlen muß: Catherine Lefebvre, Sie sind frei 1" (Fortsetzung folgt.) Literarisches ,,Die Württemberger bei Villiers-Ch ampigny" betitelt sich ein prächtiger, doppelseitiger Farbendruck nach einem Original von R. Knötel, der die vorliegende vierte Lieferung des Prachtwerkes: „Kriegs-Erinnerungen. Wie wir unser Eisern Kreuz er, warben-' (Deutsches Verlagshaus Bong & Co., & Heft 50 Pfg.) schmückt. In den Text eingestreut ist eine Reihe flotter Illustrationen einzelner Gefechtsmomente, unter denen wir besonders die Darstellung eines Hornisten hervorheben möchten, der seinem durchschossenen Instrument vergebens das Rückzugssignal zu entlocken sucht — „der Ton blieb aus". Die zahlreichen Porträts sind musterhaft ausgeführt und vergegenwärtigen die Helden der einzelnen Episoden abwechselnd, lheils in dem mit Ehren getragenen Rock des Königs, theils im Civilkleide, dessen Brust das Eiserne Kreuz schmückt. Der gesammte illustrative Schmuck des Heftes entspricht wieder durchaus den rühmlichen Traditionen des Bong'schen Verlages. Der Text ist außerordentlich geschickt zusammengestellt. Erzählt hier ein braver Füsilier des 13. Regiments, wie er mit ein paar Mann, von seinem Bataillon abgekommen, den Ansturm der Feinde stundenlang aufgehalten, so wird in dem sonstigen reichen Inhalt dieser geradezu unentbehrlichen Kriegsgeschichte in Einzeldarstellungen noch manches andere Bravourstückchen von Dem, der es erlebt unb, durchgefochten, in schlichten Worten erzählt zur Erinnerung und Nacheiferung für alte und junge Krieger Es ist geradezu bewun- dernswerth, in wie bescheidenem und doch lebhaftem Ton die Hunderte von Mitarbeitern des volksthümlichen Werkes von ihrem Antheil an den Ereignissen 1870/71 zu berichten wissen und mit welchem Verständniß die Redaction die Eigenart der Erzählung wahrt. Das Ganze macht den Eindruck einer Veteranen-Ruhmeshalle, in der Jeder seinen Namen mit der ihm eigenthümlichen Schrift verzeichnet. Der billige Preis des Werkes, das auf etwa 15 Hefte berechnet ist, sowie die Erscheinungsform in Lieferungen ä 50 Pfg. sichert dieser interessantesten aller Kriegsgeschichten einen echt volksthümlichen, durch seine Eigenart wohlverdienten Erfolg. * » * Das Erinnerungsjahr an die großen Ereignisse 1870/71 gibt in dem soeben erschienenen Heft 24 der „Modernen Kunst-' (Berlin W. 57, Verlag von Rich. Bong, ä Heft 60 Pfg.) Gelegenheit zu einer eigenartigen Publikation. An die Schlachtenbilder Georg Bleibtreus anknüpfend, schildert der Sohn Carl Bleibtreu das künstlerische Mitwirken seines Vaters an dem großen Einigungswerke. Der Artikel gewinnt besonderes Interesse durch die Auszüge aus Briefen des Künstlers, die dircct von den Schlachtfeldern aus an die Seinig«. gerichtet, überraschende Streiflichter auf die große Zeit werfen. Auch durch den illustrativen Schmuck an Kunstbeilagen und Textbildern, meist nach Originalen von Georg Bleibtreu, characterisirt sich das Heft als Jubiläums-Publikation, indem es gleichzeitig einen der bedeutendsten Schlachtenmaler aller Zeiten feiert. Das neu sie Heft der „Modernen Kunst" liefert den sich stets wiederholenden Beweis, daß diese Zeitschrift in jeder Nummer Ueberraschendes zu bieten weiß und alle ähnlichen Blätter in Text und Illustrationen überflügelt. Vergessen. Ich gab Dir einst ein Blümlein, Es war so himmlisch blau; Du sahst, wie ich es pflückte Auf frühlingsgrüner Au. Schaut' Dir dabei in's Auge — Du senktest es zur Erd'. — War denn das blaue Blümlein Nicht Deines Blickes werth? — Wir schieden voneinander, Ich kehrt' allein zurück; Ich sah nicht mehr Dein Auge Und fand nicht mehr mein Glück. Die Tage ohne Ruhe, Die Nächte ohne Schlaf — Sie trieben bald mich wieder Dahin, wo ich Dich traf. Doch als ich Dir zu Füßen Mein Herz Dir aufgethan, Schaust Du mit kaltem Blicke Den kühnen Fremdling an. —- Das Dir gereichte Blümchen Sprach eine Bitte schlicht — Du hast sie nicht verstanden. Mein Kind, ich zürn' Dir nicht. —g. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universttats-Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.