1895. I y A r~ L^t ' AmKkß öes 18. November ;ä ' ~‘ 'r'-1 »V'-'V* . Auf japanischer Erde. Novelle von W. H. Leinborg. (Fortsetzung.) „Sie befinden sich da ganz offenbar im Jrrthum, Herr Norton," entgegnete Mr. Elmsley mit Nachdruck. „Thomas Ellis, der auf der Ueberfahrt die Bekanntschaft meiner Nichte gemacht hatte, bewirbt sich seit Wochen um ihre Zuneigung und um ihre Hand." . «Ich weiß es. Aber an Bord desselben Dampfers, den der angebliche Ellis in Bombay bestieg, hatte sich auch mein armer Freund befunden. Und es scheint, daß Fräulein Donaldsons Anmuth einen unauslöschlichen Eindruck auf ihn gemacht hat." W „Das mag fein. Doch es war für Ellis durchaus kein Grund, ihn als Nebenbuhler zu Haffen. Denn meine Nichte ist unzweifelhaft sehr weit davon entfernt, die Zuneigung dieses jungen Mannes zu erwidern." „Darüber, Herr Conful, vermöchte wohl nur Fräulein Donaldson selbst Auskunft zu geben. Und es ist für die Untersuchung vorläufig auch ohne Bedeutung. Nur weil Sie 1 eine Erklärung für die Feindschaft der beiden Männer zu i haben wünschten, habe ich diesen Gegenstand berührt. Und « ich wiederhole, daß der Mordanschlag dieser Nacht nicht der erste gewesen ist, den der Elende gegen seinen Rivalen unter» nahm." „Sie sprechen von dem Versuch einer Vergiftung und Sie wollten diese Beschuldigung wirklich aufrecht erhalten?" „Gewiß. Denn ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, daß Thomas Ellis, während er sich ohne Zweifel unbeobachtet glaubte, aus einem Fläschchen, das er bei sich führte, einige Tropfen einer wafferhellen Flüssigkeit in ein leeres Champagnerglas fallen ließ — daß er unmittelbar nachher unter dem Vorwande einer Versöhnung Georg Stralendorf aufforderte, mit ihm zu trinken und ihm dabet dasselbe Glas reichte, das er in so teuflischer Weise vorbereitet hatte." „Nun — und weiter? — Es ist dem jungen Manne, wie es scheint, doch nicht schlecht bekommen?" „Nein, denn ich hinderte ihn daran, das Glas zu leeren, indem ich es scheinbar unabsichtlich vom Tische stieß. Eine Katze leckte den ausgefloffenen Champagner auf und kaum eine halbe Stunde später fanden wir ste verendet im Garten des Clubhause«." Herbert Elmsley wechselte die Farbe. „Das ist allerdings sonderbar. Aber wenn Sie Thomas Ellis schon damals für einen Verbrecher hielten, warum um des Himmels willen haben Sie denn nicht sofort eine Anzeige gegen ihn erstattet?" Abraham Norton blickte vor sich nieder und eine tiefe Traurigkeit war auf seinem sonst so unbeweglichen Gesicht zu lesen. „Ich werde niemals aufhören, mir wegen dieser Unter» laffung Vorwürfe zu machen, denn ich fürchte, sie kostet dem armen Stralendorf das Leben. Ich ahnte ja nicht, daß der Schurke seinen Anschlag so bald wiederholen würde und ich glaubte für den Augenblick genug gethan zu haben, indem ich den Andern vor ihm warnte. Hätte ich ihn offen beschuldigt, so würde Ellis bei seiner Verschlagenheit vielleicht doch ein Mittel gefunden haben, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und seine Person abermals rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Das aber war es, was ich um jeden Preis verhindern wollte. Denn ich wollte nicht seit so und so viel Wochen daran gearbeitet haben, ihn zu überrumpeln, um doch schließlich sehen zu müffen, daß er mir entwischte." „Er wäre Ihnen also verdächtig gewesen, schon ehe sich dieser Vorfall ereignete?" „Er war mir verdächtig seit dem Augenblick, da er bei seiner Landung da» Zollamt im Hafen von Dokohama betrat. Als ich zum ersten Male sein Gesicht sah, wußte ich, daß mir dies Gesicht schon früher begegnet sein müsse und zwar unter Umständen, die mich gelehrt hatten, es zu verabscheuen. Aber ich zerbrach mir lange vergeblich den Kopf, um die rechte Fährte zu finden, bis mirs beim Tempel von Asakass mit einem Mal klar wurde, wen ich in diesem angeblichen Thomas Ellis vor habe." dort? „Beim Tempel von Asakusa? — Und weßhalb gerade „Ich sah ihn neben dem verwundeten Japaner knieen, dem er vielleicht das Leben gerettet hatte, und sah, daß er ihn verband, wie eben nur ein Arzt einen Verwundeten ver« 546 bhtben kann. Seltsamer Weise war es gerade die einzige gute Handlung seines Lebens, die ihm zur Verrätherin wurde. t Denn in dem Augenblick, wo mir die Gewißheit kam, daß i er von Haus aus ein Arzt sein müsse, wußte ich auch, wer er war. Vor sieben Jahren war ich ihm ein paar mal in Philadelphia begegnet, um bald nach meinem letzten Zusammentreffen mit ihm zu erfahren, daß der vielbewunderte Doctor Dugald Frazer, der verwegene Reiter, der flotte Tänzer, der geschickte Arzt, ein vierfacher Mörder sei." — »Dugald Frazer?" fiel ihm der Consul mit unverhohlenem Entsetzen in die Rede. „Ich erinnere mich des Falles sehr gut, denn alle Zeitungen der Welt waren ja damals davon erfüllt. Aber es ist doch undenkbar, daß Thoma- Ellis und dieser fluchwürdige Verbrecher — „Sie sind eine und dieselbe Person, darüber giebt es für mich längst keinen Zweifel mehr. In Bezug auf Physiog- nomieen ist mein Gedächtniß untrüglich. Ueberdies habe ich den Menschen, soweit es mir eben möglich war, seit jenem Tage unausgesetzt beobachtet und ich habe hundert Wahrnehmungen gemacht, die meinen Argwohn zur unumstößlichen Gewißheit steigern mußten." „Und Sie wandten sich trotzdem weder an die japanische Polizei, noch an mich ober an den Consul der Vereinigten Staaten?" „Ich war anfänglich nahe daran, etwas Derartiges zu thun, aber ich bin vielleicht zu sehr Amerikaner, Herr Elms- legi Es ist meine Art, jede Sache lange und reiflich zu überlegen, zumal wenn es sich dabei um einen Eingriff in die persönliche Freiheit eines Andern handeln soll. So lange ich noch bei mir selber die Möglichkeit eines Jrrthums — und wäre es auch nur eine sehr schwache Möglichkeit gewesen — zugeben mußte, so lange war meiner Ansicht nach der Zeitpunkt zu entscheidendem Handeln noch nicht gekommen. Und ich konnte damals nicht ahnen, welches Unheil durch mein Zaudern heraufbeschworen werden würde- Eine Flucht der Verdächtigen war kaum zu besorgen. Er hatte mich offenbar nicht wieder erkannt, hatte unsere dereinstige flüchtige Begegnung vollständig vergessen und war weit davon entfernt, eine Gefahr zu vermuthen. So blieb mir, wie ich meinte, Zeit genug, mir volle Gewißheit zu verschaffen. Ich setzte mich mit einem meiner Freunde, einem amerikanischen Juristen, in Verbindung und ersuchte ihn, mir so schnell als möglich Alles zu übersenden, was sich an Material über den Fall Frazer jetzt noch beschaffen lassen würde. Mit dem nächsten Dampfer du sie ich das Eintreffen seiner Antwort, jedenfalls auch die Ankunft eines Porträts und einer genauen Personalbeschreibung des Mörders erwarten. Bis dahin aber wollte ich ihn nicht aus den Augen lassen und die Aufmerksamkeit, mit der ich gleich einem Deiectio auch auf dem Clu^feste sein Thun und Lassen beobachtete, führte mich zu der Entdeckung seine- ersten Anschlags auf meinen jungen Hausgenossen." Herbert Elmsley erhob sich und faßte den Amerikaner scharf in's Auge. „Sie werden mir dies Alles, was Sie mir soeben gesagt haben, unter Ihrem Eide wiederholen?" „Auf der Stelle, wenn Sie es wünschen." „Und Sie übernehmen die moralische Verantwortung für Alles, was auf Ihre Aussage hin gegen Herrn Thomas Ellis verfügt werden könnte?' „Ich würde mit Vergnügen die moralische Verantwortung dafür übernehmen, wenn man ihn ohne Weiteres aufknüpfte." „Run, eine so rasche Justiz dürften die japanischen Behörden allerdings nicht üben — basür aber, daß sie nicht zu langsam handeln, werde ich schon zu sorgen wissen- Darf ich Sie bitten, Herr Norton, sich in einer Stunde wieder hier einzufinden — selbst auf die Gefahr hin, daß Sie genöthigt sein könnten, ein wenig zu warten?" „Soweit es sich um die Ueberführung dieses Verbrechers handelt, Herr Consul, bin ich mit meiner Person ganz zu Ihren Diensten." „Sehr wohl! — Alles Weitere später! — Wenn Ihre Vermuthungen zutreffen, haben Sie nicht nur der Justiz, son- dern auch mir persönlich einen großen Dienst geleistet, mein Herr! Ich werde nicht unterlassen, Ihren Antheil an dieser Sache der Oeffentlichkeit gegenüber nach Gebühr hervorzuheben." Abraham Norton schüttelte ablehnend den Kopf. „Es ist mir durchaus nicht um irgend welche Anerkennung meiner Verdienste zu thun. Ich werde mehr als hin- reichend belohnt fein, wenn es mir gelungen ist, meinen unglücklichen jungen Kameraden an feinem Mörder zu rächen." Er verabschiedete sich und der Consul fing an, mit langen Schritten im Zimmer auf und nieder zu gehen, wie immer, wenn es in seiner amtlichen Thätigkeit irgend ein besonder- schwieriges Problem zu lösen galt. Noch war er augenscheinlich nicht ganz mit sich selber in'- Reine gekommen, als die Schiebethür heftig geöffnet | wurde und als sich zu seiner grenzenlosen Ueberraschung seine Schwester laut schluchzend in seine Arme warf. „Was um des Himmels willen," tief er bestürzt, „soll denn nun das wieder bedeuten?" „Sei barmherzig, Bruder," jammerte Frau Donaldson. „Stoße das unglückliche Kind nicht von Dir, weil es in seiner Verblendung nicht weiß, was es thut! Ach, ich würde es ja selbst zu feiner Pflicht zurückgerufen haben — aber ich kann mich nicht an diesen schrecklichen Ort begeben — meine armen Nerven würden es nicht ertragen." „Wenn Du nur vor Allem die Freundlichkeit haben wolltest, mir zu sagen, um was es sich handelt! Ist es Maud, von der Du da redest?" »Ja, ja, Herbert — steift es! — Gott, ich weiß kaum, wie ich es Dir erzählen soll, ohne Dich allzu zornig auf sie zu machen. Als ich sie fortschickte, mir das Riechsalz zu holen — Du weißt, ich hatte einen Nervenanfall infolge —" „Mach' es, bitte, kurz," drängte er. „Ich hab' jetzt nicht Zeit, mich lange mit Frauenzimmergeschichten aufzuhalten." „Nun, ganz kurz also - sie ist nicht wieder gekommen." „Nicht wieder gekommen? Was soll das heißen?" „So wie sie ging und stand, ist sie fortgelaufen. Und weißt Du, wohin? Nach dem englischen Hospital! Vor zehn Minuten erhielt ich diesen Zettel von ihrer Hand." Mit zitternden Fingern überreichte sie ihrem Bruder das Papier, auf dem mit Bleistift ein paar flüchtige Zeilen hin- geworfen waren. Herbert Elmsley las: „Geliebte Mutter! Vergib mir, wenn ich Dir einen Kummer bereiten muß; aber ich kann nicht anders handeln. Man hat mir gesagt, daß Georg Stralendorf nach menschlicher Voraussicht sterben müsse und ich werde nicht von seinem Lager weichen, bis Alles vorüber ist, denn ich liebe ihn — nur ihn! — Und ich bin so namenlos unglücklich, daß ich so wenig mehr nach der guten ober schlechten Meinung der Leute frage, als nach irgend eines Menschen Zorn. Versucht nicht, mich von hier zu entfernen, nachdem Doctor Morris mir gestattet hat, zu bleiben. Ihr würdet mich mit Gewalt fortschleppen müssen, und Ihr würdet mich unfehlbar tödten." Nicht einmal ihren Namen hatte sie hinzugesügt, aber er war, als ob aus jeder dieser zitternden, kraftlosen Linien die unsägliche Verzweiflung spräche, die ihr die Hand geführt hatte. Herbert Elmsley starrte eine ganze Weile schweigend auf da-Blatt; dann, als seine Schwester eben einen fürchterlichen Zornesausbrauch erwartete, faltete er es langsam zusammen und sagte mit einer Weichheit, die bei ihm zu den ungewöhnlichsten Dingen gehörte: „Wenn sie ihn wirklich so sehr liebt, dürfen wir sie wohl nicht hindern, bei ihm zu bleiben. Man braucht nicht mehr allzu ängstlich zu sein, wenn es sich um einen Sterbenden handelt." Frau Donaldson wagte kaum, ihren Ohren zu trauen. „Aber mein Gott, Herbert, — ihr Verhältniß zu Thomas Ellis — sie ist doch beinahe seine Braut." Da erst fuhr er heftig aus und maß die Erschrockene mit einem streng verweisenden, unmuthigen Blick. „Wer sagt das? — Wer darf das sagen? — Ich ver- 54t 6 »So muß der arme Bursche einer Personen-Verwech-lung zum Opfer gefallen sein. Denn es wäre absurd, unter den obwalte,-den Umständen an die Absicht eines Raubes zu denken. Und man hat, wie Sie sagen, von dem Schurken noch keine Spur?" Und ehe noch die arme, fassungslose Dame eine einzige Silbe zu erwidern vermochte, war er aus dem Zimmer ver- fchwunden. „Ja. Er wurde bei der Heimkehr von einem Mord- gesellen angefallen und tödtlich verwundet." - mers und der überaus artige Japaner, der ein vorzügliches ? Englisch sprach, zeigte ein lebhaftes Juteresse für alle von : Thomas Ellis kundgegebenen Ansichten und Vermuthungsn. Und das Gewicht, das man offenbar seinen Aeußerungen beilegte, veranlaßte diesen, immer sicherer und bestimmter aufzutreten. Wen/l ihm während dieser letzten Stunde wirklich für einen Moment eine Anwandlung von Mißtrauen gekommen war, so war sie durch das Benehmen der beiden Herren jedenfalls längst beseitigt worden und seine anfänglich mit äußerster Behutsamkeit abgegebenen Worte waren jetzt frei und unbefangen wie die eines Mannes, der als ein völlia Unbetheiligter fein Urtheil abgibt. Da — er hatte eben in einer längeren Rede mit einer Fülle von Gründen bewiesen, daß Georg Stralendorf nur einem Jrrthum des Mörders hinsichtlich feiner Person zum Opfer gefallen sein könne - da ertönte draußen vor dem offenen Fenster ein kurzer, scharfer Pfiff, und in demselben Augenblick legte stch von hinten her eine männliche Hand fest und schwer auf die Schulter des Sprechenden. (Schluß folgt) „Keine! Wo auch sollte man ihn suchen, da er gleich nach vollbrachter Thal wie von der Erde verschwunden war I" „Aber die That darf doch nicht ungesühnt bleiben. Wir sind es unserer nationalen Ehre schuldig, bet der japanischen Polizei mit allem Nachdruck auf eine energische Untersuchung zu dringen. Solche Verbrechen dürfen nicht ungestraft vor- übt werden in einer Stadt, die Tausende von Fremden zu ihren Bewohnern zählt. Schon um unserer eigenen Sicherheit willen sollten wir Alle uns an den Nachforschungen nach dem Mörder betheiligen." „Ich freue mich, Sie dazu bereit zu finden, Herr Ellis! — Die warme Theilnohme an dem Geschick des jungen Deutschen macht Ihrem Herzen alle Ehre." „Aber ich sagte Ihnen ja schon, daß er mein Freund war. Noch am Abend der Clubfestes saßen wir in heiterster Laune bei einer Flasche Champagner zusammen und ich würde den für einen sehr schlechten Propheten gehalten haben, der mir damals gesagt hätte, der blühende junge Man« habe nur noch ein paar Tage zu leben." „Davon, daß Georg Stralendorf hier etwa einen Feind gehabt hätte, ist Ihnen nichts bekannt? rx« sAen eine halbe Minute «achzudenken, dann schüttelte er den Kopf. „Nein. Ich habe niemals gehört, baß er mit Jemandem in Streit gerathen wäre. Und bei seinem liebenswüroigen Charaeter hat er sicherlich keinem Menschen Anlaß gegeben ihn aus irgend einem anderen Grunde zu Haffen." ' "Sie halten es auch nicht für möglich, daß ein weib- liches Wesen im Spiel gewesen sein könnte? Es wäre doch immerhin denkbar, daß dieser Chinese von einem Nebenbuhler gedungen worden ist, rhm aufzulauern und ihn zu tösten “ „Meiner Ueberzeugurtg nach würde man sehr khöricht handeln, wenn man sich durch derartige romantische Ver- muthungen auf falsche Spuren leiten ließe. Stralendorf war längst durch feste Herzensbande gefesselt, bevor er hierher I kam und es entsprach durchaus nicht seiner Natur, sich leicht- fertig auf neue Liebesabenteuer einzulaffen." In oiefem Augenblick wurde an die Thür des Zimmers geklopft und auf die Einladung zum Eintritt, die der Conful ergehen ließ, zeigte sich die kleine, aber kräftige Gestalt eines höheren japanischen Polizeibeamten in seiner nach europäischem Muster zugeschntttenen Uniform auf der Schwelle. I Er grüßte höflich und der Consul zögerte nicht, ihn in IX. ~ ®on Herbert Elmsley« japanischen Dienern hatte Thomas Ellis eingeladen, den Consul um zwölf Uhr Mittaas zum Zweck einer nothwendigen Besprechung zu besuchen. Ohne sich von dem Ruhebett zu erheben, auf dem er rauchend und lesend lag, hatte ihm der Engländer geantwortet, daß er nicht ermangeln werde, pünktlich zu erscheinen und daß er sich dem Herrn Consul angelegentlichst empfehlen . Schlag zwölf Uhr war er denn auch heiteren Antlitzes und in tadellosem Gesellschaftsanzuge auf dem Consulat erschienen, unverkennbar ein wenig überrascht, als er nicht, wie sonst, in den Empfangssalon, sondern in das Arbeitszimmer seines Freundes Elmsley geführt wurde. r , Aber der Empfang, der ihm zu Theil wurde, mußte ihn gleich überzeugen, daß dieser Umstand nicht etwa auf einen Wechsel in der freundschaftlichen Gesinnung des Hausherrn zurückzuführen fei. Der Consul war niemals verbindlicher und liebenswürdiger gewesen, als gerade heute. Es war ihm selber ganz unverkennbar recht fatal, nach dem Austausch einiger artigen Redensarten der Unterhaltung einen gewissen osficiellen und feierlichen Character geben zu müssen. „Sie waren mit dem unglücklichen Georg Stralendorf näher bekannt, Herr Ellis?" „Gewiß! — Ich rechne ihn unter meine persönlichen Freunde. Warum aber nennen Sie ihn unglücklich?" Es war unmöglich, sich einen unbefangenem und harmloseren Ton vorzustellen als den, in welchem er diese Frage ausgesprochen hatte und er wurde dem Consul nicht ganz leicht, seine Ueberraschung zu verbergen. w^e Ihnen noch gar nicht bekannt, von welchem Schicksal der arme junge Mann betroffen worden ist?" „Ich habe keine Ahnung. Aber Sie erschrecken mich. Es ist ihm doch nicht etwa auf seinem Ausflüge ein Unfall zugestoßen?" ich Sie darum bitten, Herr Consul, mir auch die Einzelheiten des unseligen Vorfall« zu erzählen?" Und Herbert Elmsley leistete diesem Verlangen bereitwillig Folge, so weit er auf Grund der Zeugenaussagen d -zu im Stande war. Aufgeregt lief Ellis während seiner Darstellung im Zimmer umher, ihn wiederholt durch allerlei Ausrufungen des Bedauerns und der Entrüstung unterbrechend. „Die Geschichte ist mir völlig unbegreiflich!" sagte er, als der Consul geendet, „ja, wenn der Mörder noch ein Japaner gewesen wäre, einer von den fremdenhassenden Fanatikern, die hier noch immer nicht ausgestorben sein sollen! — Aber ein ChineseIst Mr. Bradbury wirklich ganz flcher, sich nicht getäuscht zu haben?" „Er hat unter seinem Eide bekundet, daß er die chinesische Kleidung und den schwarzen Zopf des Mannes deutlich gesehen habe." oiete Str, Mals ein ähnliches Wort auszusprechen. Ich und meine Familie - wir haben nicht» mit diesem Thomas Ell-s zu schaffen. Du hast ihn mir in's Haus geschleppt und Du magst auch die Verantwortung dafür auf Dich nehmen. Ich Nichte fe"15 baran Obacht, ihm die Hand meiner Thomas Ellis sprang auf. Nichts als tieft Bestürzung i aller Form mit Thomas Ellis bekannt zu machen. Erklärend war auf seinem Gesicht zu lesen. I fügte er hinzu, daß ihm der Besuch der Beamten, der sich . „S möglich? — Der wackere, liebenswürdige Mensch, ; von ihm einige Informationen zu holen wünsche, bereits vor- ber sicherlich nie e nem Anderen ein Leid zugesügt hat. O, i hin angemeldet worden sei und daß Elli« vielleicht die günstige wre ich ihn beklage! - Und davon wußte ich nichts! Aber 1 Gelege- heit benützen werde, um dem Herr» seine per'önliche freilich, ich bin seit gestern Mittag nicht au« dem Zimmer - Meinung über den Fall Stralendorf mllzutheilen gewesen und habe außer meinem Kotzkoi (japanischer Kammer- I Man setzte sich um den kleinen Tuch inmitten des Rim« ,diener) kein menschliches Wesen zu Gesicht bekommen. Darf . mers und der überaus artige Japaner, der ein vorrüalickes Gemeinnütziges. Erkältungen sind die stetigen Begleiter eines Witternngsumschlags und die Ursachen der mannigfachsten Erkrankungen. Auffallender Weise beobachtet man dieselben fast ebenso viel bei eintretendem Steigen der Wärme al» bei starkem Rückgang derselben. Das kommt daher, daß wir meist dem Wechsel der Witterung mit dem Wechsel der Kleidung nicht genau folgen, d. h. mit dem Anlegen der Winterkleider warten, bis die Erkältung eingetrete« ist, und im Frühjahr zu voreilig damit find. Abhärtung unseres Körpers ist freilich sehr zu empfehlen, doch muß dieselbe vernünftig betrieben werden, was nur dann geschieht, wenn wir uns an den Uebergang zur leichteren Kleidung nur allmählich gewöhnen. Bei unbeständiger, feuchter Witterung aber erkälten wir uns durch nichts mehr, als wenn wir zu bequem dazu find, die mehr oder minder durchnäßten Kleider mit trockenen zu wechseln. Man hat einen Gang gemacht und bekommt in den Strümpfen die Feuchtigkeit mit, und damit ist der empfindlichste Theil des Körpers, der Fuß, in Gefahr, der Vermittler einer Erkältung zu werden. Der berühmte Arzt Pettenkofer schildert den Prozeß, der fich in diesem Falle vollzieht, indem er sagt: „Wenn wir uns im Freien nasse Füße zugezogen haben, so beginnt, sowie wir in ein warmes Zimmer mit trockener Luft kommen, eine bedeutende Verdunstung. Wenn man an der Fußbekleidung nur drei Loth Wolle durchnäßt hat, so fordert das Wasser darin so viel Wärme zu seiner Verdunstung, daß man damit ein halber Pfund Wasser von Null Grad zum Sieden erhitzen oder mehr als ein halbes Pfund Eis schmelzen könnte." Man wechsele also nasse Strümpfe, sowie andere keuchte Leibwäsche und Kleidungsstücke sobald als möglich; im gegen- theiligen Fall wird man ohne einen tüchtigen Schnupfen oder sonstigen Katarrh kaum davon kommen. Feuchte Wohnung. Ein sehr einfaches Verfahren, um zu wissen, ob eine anscheinend feuchte Wohnung für den Menschen bewohnbar ist, besteht darin, daß jedes Zimmer gut verschlossen und man in denselben eine ganz genau abgewogene Menge frisch gebrannten und fein zerstoßenen Kalkes ausstellt. Erst nach 24 Stunden wiegt man den Kalk wieder ab und stellt den Unterschied fest. Beträgt die Gewichtszunahme mehr als 1 Procent, so sind die Zimmer der großen Feuchtigkeit der Luft für die Gesundheit der Menschen nachtheilig und sollten nicht bewohnt werden. Es müssen daher Vorkehrungen getroffen werden, um in solchen Wohnungen den Feuchtigkeitsgehalt der Luft zu vermindern. • Fensterscheiben zu reinigen. Durch Anwendung von Bürsten oder kräftiges Scheuern mit groben Lappen werden die Glasscheiben leicht zerkratzt; wenn man sie aber mit scharfem Essig oder verdünnter Salzsäure benetzt, so werden die grauen, matten Stellen, welche sonst gar nicht weichen wollen, verschwinden, und nach Abspülen mit reinem Wasser wieder rein und durchsichtig erscheinen. • • • Holzfiecke« aus Wäsche zu entfernen. Durch das Waschen in neuen Wannen bekommt das Zeug zuweilen braune oder gelbe Flecken. Um dieselben zu entfernen, löst man einen Theelöffel voll Weinsteinsäure in einem Liter weichem Wasser auf, weicht die befleckte Stelle hierin ein und wäscht sie nach 24 Stunden aus. Allenfalls ist dies Verfahren noch einmal zu wiederholen. Besonders hartnäckige, durch Tannenholz entstandene Flecken weicht man in eine aus der Apotheke geholte starke Lösung unterschwefelsaures Natron ein, streut dann Weinsteinsäure darauf und wäscht mit lauem Regen- wasser nach. ReiSsuppe. Der Reis wird zuerst eine halbe Stunde in kaltes Wasser gethan, damit er feine eigenthümliche Säure verliert, sodann abgegossen und mit kochendem Wasser ab- gequirlt, dann in die kochende Fleischbrühe gethan und eine Stunde kochen lassen; wenn man will, noch mit einem in kaltem Wasser zerquirlten Ei in einem Kaffeelöffel voll Kartoffelmehl abgequirlt und mit zerriebener Muscatnuß bestreut. ♦ ♦ e Fleischklötze. Das gekochte ober gebratene Fleisch wird mit etwas Zwiebel und einigen Sardellen recht fein gewiegt, */4 bis Vr Pfund Butter zu Schaum gerührt und nach und nach ganze Eier, sowie etwas geriebene Muscatnuß, gewiegte Citronenschale, Salz und ein Viertel soviel geriebene Semmel, als man gewiegtes Fleisch hat, dazu gethan, dann rührt man Alles gut durcheinander, formirt breite Klöse, bestreicht solche mit zerquirltem Ei und klarer Semmel und bratet sie in Butter auf beiden Seiten schön gelbbraun. * * O Junge Häschen oder Kaninchen mit Kräuter«. Das junge Häschen oder Kaninchen legt man, in Stücke gehackt, mit Butter, feingeschnittenem Speck, Salz, Pfeffer, Petersilie, Sauerampfer und fein gewiegten Zwiebeln in eine Schmorpfanne. Nachdem das Fleisch genügend gedämpft ist, fügt man den Saft einer Citrone hinzu. • * » Honigbier. Ein Pfund Honig wird mit 12 Pfund Wasser übergossen, dem Gemisch setzt man einen Abguß von 5 Gramm Hopfen und etwas Muskatnuß oder Ingwer zu. Hat sich die Flüssigkeit soweit abgekühlt, daß man einen Finger in ihr erleiden kann, so schüttet man ihr noch 2 bis 4 Löffel voll Hefe zu; am anderen Tage beginnt die Gährung. Nach 2 bis 4 Tagen ist sie bei etwas unter normaler Temperatur beendet. Ist Klärung eingetreten, so wird das Bier vorsichtig abgegossen und zum Gebrauch auf Flaschen gezogen. Oernckiehter. Vorschlag zur Güte. Student (der fich von einem Herrn fixirt glaubt): „Mein Herr, ich wünsche mit Ihnen zu hängen." — Herr: „Hären Se, könnten Se das nicht besser alleene besorgen?" * e * Seine Auffassung. Soldat (in einem Geschichtr- werke lesend): „Napoleon verließ Helena nicht mehr bi» zu seinem Tode. (Für fich): Donnerwetter, muß die gut gekocht haben." * * ♦ Naive Frage. Mäxchen: „Nicht wahr, Papa, wenn der Herzog einen Sohn haben will, dann läßt er mit der Kanone 21 Mal schießen, und der Storch bringt ihm dann einen?" • * • Wenig Vertrauen. Fritz (zu seinem Vater, der Schutzmann ist): „Vater, ist Dein Helm au» Gold?" - Vater: „Nein, wo denkst Du hin . . ." — Sohn: „Glaub'- schon, sonst hätten ihn die Spitzbuben schon lang erwischt!" • Das gerade nicht. „Ist da« Mädchen, dem sie gekündigt haben, arbeitsscheu, gnädige Frau?" — „Das gerade nicht I Sie ruht nur gern aus, bevor sie recht angefangen hat!" ♦ * ♦ Zerstreut. Professor (in den Raflrfalon hineinrufend): -Guten Morgen! Ich gehe nur noch 'mal schnell vis-a-vis B"Wltndler- Seifen Sie mich nur inzwischen immer ein! Rtbaction: A. Schstzd«. — Druck und Verlag der Brühl'schm UniverfiKtk^vuch- und Ctcinbrurferei (Pietsch & Gcheyba) in VießM. Nortom so ganz daß ich De verborg! raschten war ihn brecher eigniß ii das Tri müthig । Züge vi Bestürzu zusamme offenbar gurgelnde Unt lichen U bewußter Mit eine die Brufl schliffen« Boden si sollte. Abei dramatift könnten, । Mit in dem si auf seiner obachtet, gefährlich, der Umsst loser Mar