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Es war eine herrliche, milde Nacht. । Weit standen in Elisabeths Zimmer die Thüren nach °em Balkon geöffnet, sie trat hinaus und vermochte kaum einen 5"ruf des Entzückens zu unterdrücken. Dicht bis an den tn köstlicher Blumenfülle prangenden Garten, welcher das nÄ Etliche Landhaus umgab, schlugen leise plätschernd die Wellen des Sees. Heller Vollmondschein beleuchtete die mch geschmückte Natur. Elisabeth wähnte sich wie in ein Ladies versetzt und begab sich erst eine Stunde später zur Hell schien die Morgensonne, ste erweckte das junge Mäd« ,n^uer Begeisterung, denn in ihrem Glanz trat die Wn^eit der Umgebung nur noch bezaubernder hervor. Hier Mein wohnte sicher da» Glück, meinte Elisabeth, und sie »achte mit Grauen an den düsteren Himmel und an die kalte, rauhe Luft der Heimath. r ®er ursprüngliche Vorsatz der Prinzessin, still hier zu Ä wenigstens der zu Haus ausgesprochene, ward von der Frau umgestoßen, sobald sie sich von der Reise erholt m n98um an den Ufern wohnten vornehme Fremde, weiche Verbindungen mit der hohen Dame anzuknüpfen suchten, Fürstlichkeiten wohnten in der Nähe, denen die Prim ?esstn ihren Besuch abzustatten hatte. Eine Woche verstrich nach der andern, Feste reihten sich J, man suchte sich an Pracht und Reichthurn zu über« tn ^acht ward zum Tage gemacht, um venetianische zu feiern. Oft begab man sich erst zur Ruhe, wenn der Morgen herauf dämmerte. Elisabeth lebte wie in einem Rausche; solche Märchen« pracht hatte sie in den kühnsten Träumen nicht geahnt. Hätten doch ihre vielen Neiderinnen daheim einen Blick werfen können auf da», was sich hier ihr bot! Ein ganzer Monat war schon verfloffen. Elisabeth unterhielt nur flüchtigen Verkehr mit der Heimath. Die Mutter schrieb ihr ernste, mahnende Briefe, gab ihr Vor« schristen über ihr Benehmen, welche zu befolgen die Tochter nicht geneigt war. Die Mutter hat kein Verständniß für die Verhältnisse hier, damit legte Elisabeth die Briefe bei Seite. Wenn sie Jemand gefragt hätte, ob sie jetzt vollauf befriedigt wäre, sie hätte entschieden geantwortet: „Ja" und sich dabei belogen, denn eine Stimme in ihrem Herzen ließ sich nicht Schweigen gebieten und diese Stimme sagte, daß Elisabeth mit ganz anderen Hoffnungen hierher gegangen war. Graf Bretow flüsterte ihr Schmeicheleien zu, zeigte sich als der galante Cavalier, aber kein Wort entschlüpfte seinem Munde, welches ste der Erfüllung ihrer glühenden Wünsche näher brachte. Denn die Gemahlin des Grafen Bretow und mit ihm Frau Oberhofmarschall wollte Elisabeth werden. Sehr, sehr traurig war sie deshalb zuweilen, wenn sie noch gar kein Anzeichen für die Erfüllung ihrer heißen Wünsche sehen konnte. Einen Monat noch wollten die Herrschaften hier bleiben. Ob die Prinzesstn nach der Heimkehr Elisabeth bei stch behalten, ob sie ihr eine feste Stellung geben werde, erfuhr aber diese nicht. Die Prinzesstn vermied Alles, wa» für ste bindend werden konnte. Dazu war ihre Stimmung feit einiger Zeit höchst ungleich, heute bezaubernd liebenswürdig, gleich darauf herrisch, launisch und reizbar. Unverdiente Vorwürfe trafen dann die junge Begleiterin Elisabeth von Kronau. Bald war )ie Prinzessin zu ernst, bald zu heiter. Das eine Mal wurde ihr vorgeworfen, daß sie stch angeblich gleich einer Aufseherin an die Fersen der Herrin hefte, das andere Mal sollte Elisa« beth Pflichten vernachlässigen und nur dem eigenen Vergnügen leben. Es ist nicht leicht in abhängiger Stellung; will man sich onnen im Glanz der Hoheit, muß man düstere Schatten mit in den Kauf nehmen, hatte Elisabeth» Mutter oft zur War« 494 nung gesagt. Jetzt erst sah Elisabeth ein, wie wahr die Mutter gesprochen und wie thöricht die Tochter gewesen, zu wenig auf die Warnung der Mutter gehört zu haben. Eines Tages forderte Graf Bretow Elisabeth auf, mit ihm eine Partie Schach zu spielen, als man zu später Vormittagsstunde aus dem sonnendurchhitzten Freien nach den kühlen, blumengeschmückten Räumen im Erdgeschoß flüchtete. Elisabeth spielte mit Glück trotz de» geübten Gegners. Wenig Züge hatte sie noch zu thun und sie hoffte ihm das „Matt" zurufen zu können. Vertieft in das Schachspiel, war es Beiden entgangen, daß die Prinzessin halb verdeckt durch die Portieren ihnen zusah. Urplötzlich trat sie schnell heran, stieß anscheinend aus Versehen an das Schachbrett, daß die Figuren durcheinander rollten und der Sieg unentschieden blieb. „Schade," rief Elisabeth bedauernd aus, „ich war entschieden im Vortheil." „Desto beffer für Sie!" entgegnete die Prinzessin mit seltsamem Lächeln. „Unglück im Spiel bringt Glück in der Liebe." Sollten diese Worte scherzend klingen? Aber wie bitterer Spott und Hohn, so scharf ertönten sie aus dem Munde der Prinzessin und ihre dunklen Augen sprühten zornig. Elisabeth senkte die ihrigen erschrocken zu Boden- Es entging ihr aber, daß der Graf wie abwehrend der Prinzessin zuwinkte. Als man sich bei Tafel wieder zusammenfand, schien die Laune der Herrin wieder rosig. Sie neckte ihre junge Begleiterin, daß man ihr noch immer den Schreck ansähe und zeigte sich von der liebenswürdigsten Seite. Derartige Austritte wiederholten sich nur zu oft. Die ruhigen Stunden erschienen nur wie die Stille vor dem Sturm. Es gab Zeiten, in denen Elisabeth sich geradezu fürchtete und, wenn auch Niemand ee ahnen durfte, Sehnsucht nach der Heimath fühlte. Die heißen, glänzenden Sonnenstrahlen Italien» thaten jetzt ihren Augen weh und der stets klare, blaue Himmel erschien ihr so eintönig. Ihres Bruders Braut schrieb ihr eines Tages: „Du genießt für uns den Frühling, liebe Elisabeth, denn wir haben recht schlechtes Aprilwetter, der Himmel ist trüb und grau, der Regen schlägt an die Scheiben, aber wir freuen un« des warmen Ofens und des klaren Sonnenscheins im Herzen. Deines Bruders Liebe beglückt mich; so wird es immerdar sein, auch wenn Gott uns trübe Tage schicken sollte. Möge auch Dir ein so treuer Halt und Führer beschieden sein als mir." — Er war Elisabeth beschieden gewesen, allein im frevelnden Uebermuth hatte ste ihn von sich gewiesen, nun fühlte sie, daß sie ihn nie werde vergeffen können, daß sie die Schuld trug, wenn sie einer einsamen, unbefriedigten Zukunft entgegenging; ihr graute davor. Eins beängstigte Elisabeth besonder», nämlich eine seltsame Beobachtung, die sie in der Nacht gemacht. Oft, wenn sie de» Abends, nachdem Alle die Ruhe gesucht, den Schlaf allein nicht zu finden vermochte, wie sie meinte, flüchtete sie hinaus auf den Balkon, damit die köstliche Abendluft, die tiefe Stille in der Natur, nur durch der Wogen leises Rauschen unterbrochen, ihre» Herzens ungestümes Klopfen beruhige; da tönte fett einiger Zett oft da» Flüstern mehrerer Stimmen an ihr Ohr; sie sah Niemand und vermochte nicht zu unterscheiden, woher die Stimmen kamen, ob man unter dem Balkon stand, ob verborgen durch das nahe Gebüsch. Erst fürchtete sie einen räuberischen Ueberfall in der Villa, überzeugte sich aber schnell, daß daran keine Möglichkeit vorlag; ebensowenig konnte sie an ein Stelldichein denken; die Dienerschaft bestand nur aus älteren Leuten, welche sich freute», wenn sie die Ruhe suchen durften, oft recht spät erst. Eines Tages hatte man wieder viel von der ungleichen Stimmung der Prinzessin zu leiden. Des Abends klagte ste über Kopfschmerz und zog sich zeitig zurück. Auch Elisabeth suchte ihr Zimmer auf, sie sehnte sich zu ruhen, aber wieder floh sie der Schlaf. Sie erhob sich nach langem, vergeblichem Bemühen, den Schlummer zu finden, und lehnte sich in einen bequemen Sessel auf dem Balkon. Bei dem leisen Rauschen der Blätter, dem eintönigen Plätschern des Springbrunnens schlossen fich endlich ihre müden Augen. Plötzlich fuhr fie auf, es mochte schon spät sein; wieder vernahm sie das Flüstern im Garten. Nach und nach ging es in lauteres, heftiges Sprechen über, man nahm wohl an, daß alle Bewohner der Villa längst der Ruhe pflegten. Elisabeths Herz klopfte laut vor Entsetzen, was ste längst geahnt, sich aber selbst sbleugnen wollte, nun war es zur Gewißheit geworden, sie preßte fest die Lippen zusammen, damit sie nicht vor Schreck einen Schrei ausstieß. Es war der Prinz und die Prinzessin, welche sich gegenseitig das Unglück und die Trostlosigkeit ihrer Ehe vorwarfen. Am Tage wagte das hochgestellte Paar nicht von dem Unheil seiner Ehe zu sprechen. Deshalb wählten sie die Nacht. Dabei klagte der Prinz seine Gemahlin noch an, daß sie flatterhaft in ihrer Gunst sei. Die Unterredung ward unterbrochen durch Klopfen an der EingangSthür und durch lautes Rufen. Die hohen Herrschaften verschwanden schnell im Innern des Hauses. Elisabeth wankte mit zitternden Füßen in ihr Zimmer zurück. Sie sah jetzt nur zu klar; ein bitteres Gefühl der Verlassenheit ergriff sie, heiße Sehnsucht, in der Mutter Arme sich auszuweinen, ihre Verzeihung zu erbitten. Im trotzigen Hochmuth hatte sie fich aber der theuren Mutter treuen Rath- schlägen widersetzt. Jetzt war sie gestraft, nur zu sehr. Eine glänzende Zukunft, zauberhaftes Glück, wie es Niemand sonst beschieden, davon träumend ging sie nach dem fernen Süden. Wenige Wochen noch und fie kehrte arm an allen Zukunfts- Hoffnungen heim; und doch ersehnte sie den Tag der Rückkehr. Mehrmaliges Klopfen an der Thür schreckte sie auf; allein fie blieb unbeweglich, mochte man denken, ste schlafe längst; fie hörte Jemand fortgehen, es ward still in und außer dem Hause. Schon schlug die Mitternachtsstunde, als Elisabeth fich zur Ruhe begab. Wenige Stunden nur noch blieben ihr; am frühen Morgen, um die Kühle zu genießen, war mit einigen Familien ein Ausflug verabredet. Nach langem Wachen fand sie endlich den Schlaf, aber bange Träume quälten sie; sie athmete erleichtert auf, als sie von einem Geräusch erwachte. Es klang wie das schnelle Rollen mehrerer Wagen. Hatte man vergeffen, sie zu wecken? Fuhren die Equipagen bereits vor? Die Unpünktlichkeit würde ihr viel Vorwürfe zuziehen. Schnell erhob fie fich und klingelte ihrer Jungfer. Ehe sie eine Frage thun konnte, meldete diese: „Frau Baronin Felbern lassen dar gnädige Fräulein bitten, sich sobald als möglich zu ihr zu bemühen." Elisabeth fragte nicht, in Eile kleidete sie sich an und stand bald vor der Oberhofmeisterin. „Ich habe Ihnen leider keine erfreuliche Nachricht zu überbringen," sagte diese, der sichtlich Erschrockenen thetl- nehmend die Hand reichend. „Ein Telegramm brachte gestern in den späten Abendstunden die Nachricht, daß Ihr Herr Vater erkrankt sei; Gott sei Dank, er befindet sich auf dem Wege der Besserung, allein die Ihrigen wünschen dringend Ihre Heimkehr. Ihre Hoheit ertheilt Ihnen durch mich sofort Urlaub, fie selbst hat sich mit den Andern auf den geplanten Ausflug begeben. Sie wünscht Ihrem Herrn Vater baldige Genesung." Als Elisabeth, keine« Wörter mächtig, in heftiges Weinen ausbrach, fuhr die würdige Frau fort: „Fassen Sie Muth, liebes Kind, Gott wird helfen. Und wird Ihnen das Scheiden schwer von hier, so seien Sie überzeugt, es dient zu Ihrem Frieden. Wohl weiß ich, daß Sie mir mißtrauen, die Jugend fällt schnell ihr Urtheil, aber glauben Sie, mein Mann und ich, wir würden weit lieber in dem stillen Frieden der eigenen Heimath nach unserer Neigung leben, al« hier; da» Vertrauen der hohen Fürstensamilie hat uns auf einen schwierigen Posten gestellt, auf heißen Boden, wir müssen ausharren." „Vergeben Sie mir," bat Elisabeth, fich über die Hand der Frau von Feldern beugend. „So schmerzlich die Ursache meiner schnellen Rückkehr ist, so erleichtert athme ich auf, daß »alkon. Bei i Plätschern iben Augen, wieder ver- ich ging e» )hl an, daß Elisabeths geahnt, sich swißheit ge- nit sie nicht : sich gegenvorwarfen, dem Unheil tcht- Dabei ! flatterhaft )sen an der johen Herr- >es. ihr Zimmer Gefühl der lütter Arms sm trotzigen reuen Rath- sehr. Eine emand sonst nett Süden, n Zukunft»- er Rückkehr, le sie auf; sie schlafe und außer ils Elisabeth blieben ihr; , war mil gern Wachen quälten sie; Geräusch er- rrer Wagen. Equipagen I Vorwürfe ngfer. Ehe m Baronin sobald als ich an und lachricht zu lenen thetl- chte gestern Ihr Herr H auf dem n dringend mich sofort t geplanten ter baldige iges Weinen Sie Muth, 16 Scheiden : zu Ihrem die Jugend Mann und der eigenen i Vertrauen igen Posten : die Hand die Ursache ch auf, daß - 495 ich von hier entfliehen darf. Lange schon hegte ich Furcht, der gestrige Abend hat mir traurige Gewißheit gebracht; ich weiß, wie sehr ich Ihnen, verehrte Frau, Unrecht gethan. Sie nehmen eine Last von mir, wenn Sie mir nicht mehr zürnen." * „Nein, von ganzem Herzen thun Sie mir leid, daß Ihnen schmerzliche Erfahrungen nicht erspart blieben; allein aller Kummer dient nur zu unserem Bellen, auch Sie werden dies empfinden. Vertrauen Sie auf Gott, er schickt nach Sturm und Regen wieder klares Sonnenlicht." In der liebenswürdigsten Weise unterstützte die Frau Baronin Elisabeth bei ihren Reisevorberettungen. Tief beschämt, daß sie ihren Werth so spät erkannt und voll inniger Dankbarkeit nahm diese von der verehrten Frau Abschied. Sie kehrte schweren Herzens, gedemüthigt und voll banger Sorgen, zurück zur Heimath, nachdem sie kurz vorher voll Stolz und übermüthiger Glückeszuversicht ihr den Rücken gekehrt. • * Trotz der Winde-schnelle, mit welcher der Eilzug dem Norden zuflog, erschien es der Ungeduld der jungen Reisenden doch unendlich lange. Die bange Frage, wie sie den Vater finden werde, die Sorge, wie ihre Zukunft sich wohl gestalte, dazu das peinliche Gefühl, daß sie der Mutter Unzufriedenheit verschuldet, daß vielleicht ein Riß bleibe, obgleich sie sich jetzt so unendlich danach sehnte, allen Kummer am treuen Mutterherzen aus- zuweinen; Alles dies quälte sie und raubte ihr die Ruhe. Endlich spät am Abend fuhr der Eilzug in die weite Bahnhalle der Hauptstadt ein. Es warteten, außer den Bahnbeamten, nur wenige, trotzdem konnte Elisabeth weder Jemand von den Ihrigen, noch von der Dienerschaft ausfindig machen. Sie mußte sich entschließen, ihr Handgepäck selbst zu ergreifen und auszusteigen. Im selben Augenblick eilte ein junger Herr schnell herzu, um ihr behilflich zu sein. „Willkommen, liebe Schwester," rief er aus, „Du hast Dich beeilt, wir wagten kaum, heute schon auf Deine Ankunft hoffen zu dürfen." „Paul, verzeihe, ich erkannte Dich nicht sogleich in Ctvil. Wie geht es dem Vater?" „Gott sei es gedankt, etwas besser, Du Aermste hast Dich sicher furchtbar geängstigt." „Ja gewiß, aber laß uns eilen, heimzukommen. Wo ist der Diener, damit er meine Sachen zum Wagen bringt?" „Ich bin allein hier," entgegnete zögernd der Bruder. „Ohne den Wagen, ich soll ein Miethgeschirr benutzen?" frug Elisabeth, deren Hochmuth schnell auflebte, sobald sie von des Vaters besserem Befinden hörte. „Ich denke, wir gehen den kurzen Weg zu Fuß; ich werde das Gepäck morgen abholen lassen." Stumm gingen sie fort. Endlich begann Paul zögernd: „Es ist nicht allein de» Vater» Krankheit, Du wirst unsere Verhältnisse sehr verändert finden. Die Wahrheit ist Dir ja doch nicht vorzuenthalten. De» Vater» Krankheit, ein Schlaganfall, ist die Folge großer Aufregungen. Ausgaben über seine Verhältnisse, eine große Anzahl von Rechnungen, welche zugleich einliefen, ohne daß ihm möglich war, zu bezahlen, verleiteten ihn, hoch zu spielen, er hoffte auf großen Gewinn und verlor, er fiel in die Hände der Wucherer." „Aber die Eltern besitzen Vermögen." „Die Mutter opferte Alles, es war nicht ausreichend. Er sah sich genöthigt, seinen Abschied zu nehmen, wollte er ihn nicht unerbeten bekommen." „Der Vater hat sehr unrecht an uns gehandelt." „Keinen Vorwurf, Elisabeth, gegen den armen Vater, er ist furchtbar schwer gestraft. Eine lange Reihe von Jahren in hervorragender Stellung, geliebt und geachtet von seinen Kameraden und Untergebenen und nun —" Pauls Stimme zitterte, er mußte sich erst fassen, ehe er fortzufahren vermochte. „Nun muß er froh sein, daß schwere» Leiden den wahren Grund seiner Verabschiedung verbirgt. Nimm Dir ein Beispiel an unserer Mutter; mit Heldenmuth erträgt sie Aller, mit Hingebung und Treue pflegt sie den Leidenden, an sich selbst denkt sie nie und wie schwer sie geprüft wird." „Gewiß, Paul, ich will mich bemühen, ihr treu zur Seite zu stehen, fürchte ich doch, daß auch ich einen großen Theil der Schuld trage durch unüberlegte Ausgaben. Aber Du selbst, hast Du jetzt Urlaub? Warum trägst Du nicht Uniform?" Paul mußte erst seine tiefe Erschütterung Niederkämpfen, ehe er zu antworten vermochte: „Auch ich leide unter dem Unglück. Selbstverständlich sah ich mich genöthigt, ebenfalls um den Abschied zu bitten, nachdem ihn der Vater erhielt. Durch die Gnade des Landerherrn bekam ich vorderhand längeren Urlaub, doch fürchte ich, e» wird sich nichts ändern; ich muß einen anderen Beruf suchen; ich denke, es soll mir nicht allzu schwer werden, schon gingen mir unter der Hand Anerbietungen zu; aber mit bitterem Kummer scheide ich von einer Thätigkeit, an welcher mein Herz hängt." „Und Deine Braut?" „Marie bleibt mir treu, obgleich ihre Eltern infolge der trüben Verhältnisse ein Band lösen wollen, welche» innige Liebe geknüpft; sie wird in Geduld ausharren, bis bessere Tage, klarer Himmel uns beschieden sind." Die Geschwister standen an der Thür ihre» Hauses. „Nicht wahr, liebe Schwester, Du bemühst Dich, Dich in da» Schicksal zu finden, welche» uns beschieden, und er- schwerst nicht durch nutzlose Klagen der Mutter schwere Lage. Jetzt ist es an uns, den Eltern unsere Dankbarkeit zu be- weisen für all' ihre Liebe. Fasse Muth, so wird Gott Dir beistehen, Du wirst erfahren, daß innige» Zusammenhalten mehr werth ist, als äußerer Glanz." Elisabeth trocknete ihre Thränen, welche immer wieder dem Auge entrollten und stieg an des Bruders Arm die Stufen hinauf. „Eines noch," begann dieser, „die großen vorderen Räume sind verschlossen, das feine, reiche Meublement zum Theil verkauft, da eine kleinere Wohnung gesucht werden muß, sobald des Vaters Zustand den Umzug gestattet. Wir bewohnen einstweilen dis kleineren Hinterzimmer; die Dienerschaft ist entlassen bis auf unsere alte Christine. Die treue Seele würde um keinen Preis von uns gehen." Elisabeth schwieg und ihre Lippen zitterten. Wie von einem schweren Traum umfangen, tappte sie vorwärts; sie meinte nicht Wochen nur, sondern lange Jahre von der Hei- math entfernt gewesen zu sein, so vollständig erschien ihr Alles verwandelt. Da kamen Schritte rasch näher, zwei Arme streckten sich aus und zogen sie an sich, sie ruhte am Herzen der Mutter. Vergessen war, wie sie geschieden. Die Liebe der Mutter ist groß im Vergeben und Vergessen. Die Tochter hatte wollen um Verzeihung bitte», hatte versprechen wollen eine ganz Andere zu werden, aber kein Wort kam über ihre Lippen als: „Meine liebe, liebe Mutter, ich bin wieder bei Dir, ich bin geborgen." Es genügte. Liebevoll sorgten Mutter und Bruder für die Heimgekehrte, sie nahmen ihr die Hüllen ab und wieder und wieder streichelte die Mutter ihr blondes Haar. „Der Vater schläft sanft, der Schlaf ist für ihn die beste Arznei, wie der Arzt versichert, verschiebe es deshalb bis morgen früh, ihn zu begrüßen," bat die Mutter und dann fuhr sie fort: „Laß Dich vor allen Dingen einige Zeit bei uns behalten, erwärme und stärke Dich, Du siehst fthr angegriffen aus, mein armes Kind." Die Mutter hatte nur zu recht, jetzt erst, nachdem die furchtbare Aufregung vorüber, fühlte Elisabeth die Abspannung Welche Behaglichkeit herrschte in dem kleinen Zimmer die gemüthlichen Möbel aus der früheren Heimath waren wieder da, sogar der altmodische, aber noch hübsche Theetisch hell von der Lampe beschienen. Dazu summte der Theekessel sein altes Lied und der Ofen verbreitete eine wohlthuende Wärme. Rur der Mutter schmale«, bleicher Gesicht der Schmerzenszug verriethen, wie schwer sie gelitten. Elisabeth - 488 - Wollte sogleich da« Amt der Hausfrau übernehmen, aber die Mutter verbot e» mit den Worten: „Morgen sollst Du mir helfen, wenn Du Dich ausgeruht hast. Und wenn irgend möglich, gibst Du Deine Stellung bei Hofe ganz auf." Elisabeth sagte nicht Ja und nicht Nein, sondern nickte nur leise. (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Versengte Wäsche. Die gelben Stellen verschwinden sofort, wenn man ste mit in Wasser 'gelöstem Borax befeuchtet und sofort bügelt. • • Um Fettflecken aus Druckpapier zu entfernen, übergießt man dasselbe wiederholt mit Petroleumäther und tupft es mit Fließpapier ab. Nachdem dieses öfters geschehen, trocknet man dasselbe, indem man das zu reinigende Papier auf beiden Seiten mit Fließpapier belegt. O * Einen sehr wirksamen Klebestoff für Alles bereitet man sich auf folgende Weise: Zwei Theile gereinigtes Gummi-arabicum.Pulver, ein und ein halbes Theil feinste Stärke, ein halbes Theil weißer gestoßener Zucker werden in der Art gemischt, daß erst das Gummi-arabicum in etwas Wasser gelöst, dann die Stärke und der Zucker dazu gerührt wird. Hierauf kocht man das Ganze im Wasserbade, bis eine klare Masse erstanden ist. Durch einen geringen Zusatz von Kampher oder Nelkenöl ist diese» ganz vorzügliche Klebe» mittel längere Zeit erfolgreich vor dem Verderben durch Gährung zu schützen. Cordinalsuppe. Man röstet 60 Gramm Mehl in 200 Gramm Krebsbutter, verrührt diese Mischung in drei Liter siedendem Wasser und läßt da» Ganze eine halbe Stunde leise einkochen. Unterdessen löst man ein große» Stück Butter und drei Tassen Fleischbrühe auf, kocht darin eine Quantität vom besten Reis gar, schüttet diesen in die fertige Brühe, fügt der letzteren 20 Gramm Liebigs Fleisch- extract bei, salzt sie und würzt sie mit Muskatblüthe. • * * Kastaniensuppe. Nachdem man die äußere Schale von so viel Kastanien als man braucht, entfernt hat, brüht man ste mit kochendem Wasser und häutet ste ab. Dann dünstet man ste in etwa» Butter und Zwiebeln, streut ein wenig Mehl darüber und füllt nach und nach mit Fleischbrühe auf. Dann treibt man die Kastanien durch ein Sieb, verdünnt so viel, wie nothwendig mit Fleischbrühe, läßt die Suppe nochmals auskochen und richtet sie über Kalbsmilchwürfel und gebähte Weckschnitten an. ♦ ♦ ♦ Fleischsalat. Uebrig gebliebene» Suppenfleisch wird fein gewiegt und mit folgendem Beiguß vermengt: Einige hartgekochte Eidotter werden mit etwa» Essig fein verrührt, hierzu fügt man feines Oel, Salz, Pfeffer, feingehackte Zwiebeln. Man nimmt saure Gurken unter den Salat und mengt ihn einige Stunden vor dem Anrichten. Westfälische Klötze.* Für acht Personen nehme man VJ2 Kilogramm Weizenmehl, für 20 Pfg. trockene in Würfel geschnittene Semmeln, 60 Gramm gute Hefe, 6 Eier, Salz nach Geschmack, rühre Alle» mit lauwarmer Milch zu einem lockeren Teige und lasse denselben zugedeckt an einem warmen Orte langsam aufgehen. Danach legt man die Klöße löffelweise in kochendes Wasser und zwar so viel mit einem Male al« neben einander Platz haben. Man läßt die Klöße knapp ’/4 Stunde kochen, läßt sie sodann über einen Durchschlag ablaufen und gibt sie mit Backobst, gebräunter Butter und im Backofen geröstetem seingestoßenen Schwarz- brod auf den Tisch. ■ Vermischtes. Das langt. Landrath: „Nun, lieber Forstmeister, Hai der Herr Assessor bei der heutigen Jagd viel geschossen?" — Forstmeister: „O, der hatte heute ein besonderes Glück, Herr Landrath I 15 Stück, nämlich 3 Treiber, 2 Kühe, 1 Pferd, 1 Getreidestadel und 8 Bäume." ♦ ♦ Seine Erholung. Ich freue mich schon ganz riesig auf die Sommersaison." — „Da reisen Sie wohl in» Bad?', — „Ich nicht — aber meine Gläubiger." Drastische Ab h ü lf e. * Wirth (zu Sommerfrischlern, die in einem Dorfwirthrhau» eine Tanzunterhaltung veranstaltet haben): „Na, wie unterhalt'« Enk denn?" — Herr: „O, ganz gut. Nur gar zu voll ist e»I" — Wirth: „Wann'» bloß dös tsl" (Zum Hausknecht): „Sepp, wirf a' Paar naus, daß Platz wird!" • ♦ Ein Biedermann. Polizeiwachmann: „Was machen Sie da?" — Einbrecher: „Ich hab' vor vierzehn Tagen einen Hausschlüssel gefunden, und da probtr' ich, in welches Hau» er paßt, damit ich ihn dem Eigenthümer wieder zurückgeben kann!" e * Gut abgeführt. Gast (im Restaurant zum Kellner) „Das Roastbeef ist aber sehr zähe." — Kellner: „Da müssen Sie sich beim Ochsen beklagen." — Gast: „Da» thu' ich ja soeben." . Literarisches Meggendorfers Humoristische Blatter. Preis pro Quartal in wöchentlichen Nummern Mk. 3.—, Heft-Ausgabe, vierzehntägig erscheinend, pro Hest 50 Pfg. — Bestellungen per Post (Ztgs.-Nr 4191), per Buchhandel oder auf Wunsch auch direct per Kreuzband, haben soeben ihren 22. Band vollendet. Es ist uns ein Vergnügen, diese so sehr beliebten Blätter, deren Devise „stetes Vorwärtsschreiten in jeder Beziehung" wir immer auf's Neue auch durch die That bestätigt finden, abermals auf das Günstigste beurtheilen zu können. Im Verhältntß zu dem, was diese Blätter bieten — man betrachte nur die hohe Vollendung und Feinheit der so kostspieligen Farbentechnik — sind dieselben staunenswerth billig. Probenummer bei beabsichtigtem Abonnement gratis und franco durch Meggendorfers Humoristische Blätter, Geschäftsstelle München, Corneliusstraße 19. * * * »Heimchen am Herd.* Von der mit diesem anheimelnden Titel ausgestatteten „illustrierten Wochenschrift für die Familie" (Verlag des Universum, Dresden) liegt uns heute die zweite und dritte Nummer vor. Angesichts des wahrhaft vorzüglichen textlichen, wie illustrativen Inhalts auch dieser Nummern können wir unser bereits früher abgegebenes Urtheil, daß sich bei diesem neuen Unternehmen die Begriffe „billig und gut, nein — vorzügl ich" in geradezu mustergültiger Weise decken, nur wiederholen und empfehlen daher allen unsren Lesern ein Abonnement auf dieses interessante und dabei billigste Familienblatt (Preis pro Nummer 10 Pfg.) nochmals aufs Angelegentlichste. B * Als Vorbote des neuen Jahres hat sich der Daheim-Kalender auf das Jahr 1896 (Verlag von Velhagen u. Klasing in Bielefeld und Leipzig, Preis 1,50 M.) bereits eingestellt, ein schön ausgestattetes, inhaltreiches und hübsch illustrirtes Jahrbuch, das sich in jedem Hause als eilt lieber Gast einbürgern wird, wo er einmal eingekehrt ist. Neben dem, was ein Kalender bringen muß, bietet der Daheim-Kalender in sorgfältigster Auswahl nur Gediegenes zur Unterhaltung und Belehrung in buntem Wechsel. Fein empfunden sind die sehr hübsch illustrierten Erzählungen von Ilse Frapan und A. von Freidorf: überaus anregend die Aufsätze und Abhandlungen von E. Frommel,, Otto Funke und B. Rogge, interessant die zeitgeschichtlichen Rückblicke, besonders die mit trefflichen Porträts versehene „Todtenschau." Den Frauen und Mädchen ist außerdem ein eigener „Frauenkalender" mit Handarbeiten, praktischen Abhandlungen, Hauspoesie gewidmet, der Jugend „Allerlei Kurzweil" mit Fröbel'schen Spielen, Vorlagen u. a. Hübsch illustrirte Gedichte, auch lustige Anekdoten und Räthsel, schöne Holzschnitt- uud Farbendruckbilder und ein sauber in Chromolithographie ausgeführtes Titelbild vervollständigen den Inhalt des gediegenen Kalenders, der in seinem netten, soliden Einbande auch äußerlich einen angenehmen Eindruck macht. Redaktion: A. Echeyda. — »ruck und Verlag Brüh lösche« UnkversitSts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & «cheyda) in «ikßm. ö 8 Tr lange b Erlebnis Euch bi big en. und na< werden.' Di Die Ei, Gewöhn Hand tu No nungen Bau au schnell zi in Trü birgt ei> ung. C Glanz e in der i dies Gli lag bie lassen; f sanft sch Ka ständig t der Fall der Mai und geli Elisabetl zustrecker Vater ir selben ui