1895 & M *v* v^ v •• v v ammeoidkr ICbCliCF HnterWMgsblatt. zum Gießener Anzeiger (General Anzeiger). Ihr Vermächtniß. Komm von Maximilian Moegrlt«. (Sortsetzmig.) In ihrem Gärtchen standen der Lehrer Hoffmann und seine Frau an den Zaun gelehnt und sahen hinüber über ihr Stückchen Roggenfeld nach dem fernen Westen, wo eben der untergehende Sonnenball die Wipfel der finsteren Tannen von Birkheim in schönster Pracht beleuchtete. Der ganze westliche Horizont glich einem Feuermeer, das nach der Höhe zu purpurne Farben ausstrahlte. Von den Wiesen, die sich von der tiefe bis zum Walde heraufzogen, duftete das in Haufen stehende Heu, dazu die milde Luft und die feierliche Stille in der Natur gaben das Bild eines schönen Sommerabends. Vom Wiesengrunde erhob sich ein Storch und flog in langsamem, gleichmäßigem Flügeltacte nach der Scheune des alten Försters. „Sieh' nur das schöne Abendroth, Eduard," sagte Frau Lehrer Hoffmann recht zufrieden zu ihrem Manne, „wir werden morgen einen schönen Tag haben." „Nun, wir wollen es hoffen, es wäre auch jammerschade, wenn uns das Fest wieder zu Waffer werden sollte. Das ganze Dorf freut sich so sehr darauf, denn, Weibchen, was haben wir auch weiter in unserer stillen Landschaft, als dieses Fest, von dem man doch monatelang vorher schon spricht und an dem sich Jung und Alt ergötzt — und dann den Erntekranz I" Zehntes Capitel. Zur bestimmten Stunde trafen sich die Freunde im Gasthof zum Deutschen Hause und waren alsbald auf dem Wege nach Birkheim. „Was wird uns der heutige Tag bringen, Arthur? Denn ein Vergnügen drängt ja hier das andere, es ist eine wahre Lust," sagte der Ingenieur vergnügt. „Nun, wir werden ja sehen, Karl; ich für mein Theil liebe die Volksfeste im Allgemeinen und diese Kinderfeste im Besonderen. Das Wetter scheint es ja auch gut zu meinen mit der lieben Jugend." „Ach ja, ja, ja," sagte Hellmuth lächelnd und wischte fich die Stirn. Die Sonne brannte auf die Kiefernschonungen und diese verbreiteten ihr stärkendes Ozon. Kein Lüftchen regte sich; still, fast wie ausgestorben, lag der Wald. Nur hin und wieder bohrte der Specht seinen Schnabel knarrend in den Stamm, hier und dort schlug auch ein Finkenhahn an, andere leichtbeschwingte kleine Sänger hüpften still von Ast zu Ast, als suchten sie ein schattiges Plätzchen. Die Natur hielt ihren Mittagsschlaf. „Ist es noch weit zu dem alten Förster," sagte Hellmuth nach einer Weile, indem er mit seinem Hute sich Kühlung zufächelte. „In zehn Minuten sind wir dort, wir gehen den directen Weg." Von der Ostseite gesehen, liegt Forsthaus Birkheim auf einer Anhöhe. Rings um dasselbe ist Wald bis auf einen schmalen Streifen, durch den ein Fahrweg führt und auch das fünfzehn Minuten entfernte Dorf zu sehen ist. Zwei hohe, ziemlich gleichmäßig gewachsene Birken stehen am Eingänge des freundlichen Forsthauses, das von einem ähnlichen Zaune umgeben ist wie der Pflanzgarten, den wir schon gesehen. Im Garten begrüßten die Freunde des Försters Frau, ein altes Mütterchen, und ihren Schwiegersohn, den Gendarm Müller, der nichts Besseres zu thun hatte, als reife Kirschen in seinen Helm zu sammeln. „Ich werde meinen Alten sogleich rufen, Herr Baumeister," sagte das graue Mütterchen und schickte stch an, nach dem Hofe zu gehen. „O bitte, Frau Förster, lassen Sie mich hingehen, es ist mir ein besonderes Vergnügen." Und Heyd ging über den Hof nach dem Wagenschuppen, von wo aus er den Alten schon tüchtig schimpfen hörte. „Gott bewahre, er schimpft sich allein was vor," dachte der Baumeister und sah den alten Knurrbaß die fehlenden Zinken schneiden für ein halbes Dutzend Rechen, die neben ihm lagen. „Guten Tag, Herr Förster," rief ihm Heyd auf einige Schritte zu. „Ah — herzlich willkommen, Herr Baumeister," entgeg» 442 nete der Alte, sprang auf, und Holz und Rechen flogen in die Ecke. Mill wohl heute nicht nach Wunsch gehen, Herr Förster? Sie räsonnirten doch so!" „Ach, das ist Kleinigkeit, aber denken Sie sich nur, Herr Baumeister, mein Knecht, dieser verflucht--ist meine Alte auch nicht in der Nähe?" sagte der Förster und blickte schnell um sich. „Wissen Sie, seit zwanzig Jahren schon verspreche ich meiner Frau, nicht mehr zu fluchen; denn sie meint, es wäre an der Zeit, sich ein bischen für die himmlrsche Reise vorzubereiten; na und so ganz Unrecht hat sie ja auch schließlich nicht, denn in unseren Jahren kann in jeder Minute angespannt werden. — Ja, aber denken Sie sich nur, mein Knecht, dieser verfluchte Bengel, vergißt mir gestern den Schimmel anzubinden und dieser tappt im Dustern nach dem Futtergang, wo ein Sack mit Erbsen steht. Natürlich hat er sich die Setten vollgelegt und heute Morgen — ich denke, ich sehe nicht recht — guten Abend, Herr Teich ert, da liegt mein Schimmel, alle Viere von sich streckend, und bewegt sich schon in anderen Gefilden. Nein, wisien Sie, Herr Sau* meister — der Aerger mit den Leuten — na, davon haben Sie gar keinen Begriff. Als dann gleich darauf mein Schwiegersohn kam und uns die Ankunft seines elften Prinzen meldete, da war es mir gar keine rechte Freude mehr. Nein und was für ein Pferd! Ich kaufte es so billig drüben von der französisch-polnischen Gräfin und dachte mein Heu damit herauszuschlagen und nun — Adieu Marinka." Der Baumeister tröstete den Alten, so gut es eben ging. „Sagen Sie doch einmal, mein lieber Herr Förster, wie haben Sie denn nur des Barons von Walten Schulden in Erfahrung bringen können?" „Ja, sehen Sie, Herr Baumeister, das war gar nicht so schlimm. Sein Bursche nämlich, der ist ein verflucht heller Junge; er ist der jüngste Bruder meines Schwiegersohnes und diese kleine Kröte hat es sauber ausgekundschaftet. — Na und da drüben, da ist es auch man solche Sache, das ist ja der reine Roman. . t ir. Diese Gräfin von Koronatzka, die das Deutsche nicht riechen kann, ist nämlich ausgekoddert, ich wollte sagen, ist alle geworden. Ihre einzige Tochter, ein bildhübsches Mädel, — dunkel, wie Milch und Blut und Feuer und Flamme - eine echte Polin — verliebte sich in den Neffen unsere« Amtsvorstehers und dieser Neffe wiederum in sie. Der junge Mann ist nämlich Arzt und besuchte alle Jahre seinen Onkels in Polen, den Gutsbesitzer Ribold, Bruder des Schneidemüllers auf Heideflteß. Na - lange Zeit ging ja auch die Geschichte, bi» die gute Gräfin dahinter kam; dann gab es eine fürchterliche Scene und drei Monate später war die Fräulein Tochter eine französische Gräfin und so reich - so reich — wissen Sie, war das eine Hochzeit! Stimmt aber nicht! — Vor vierzehn Tagen etwa rührte den reichen Grasen der Schlag, da ganz im Süden, in der Nähe von Monte Carlo, und gleichzeitig ist auch die gute Gräfin Schwiegermama pleite! Verstehen Sie da«, Herr Baumeister? Schrumm," sagte der Alte und kniff das linke Auge halb zu. „Nun — das bekannte Ende vom alten Lrede/ erwiderte Hepd. „Doch nun lasien Sie uns nach dem Garten gehen; ich habe nämlich meinen Freund mitgebracht und ich dachte, wir gingen dann zusammen zum Feste." „Jawohl, Herr Baumeister; aber da hätten wir doch längst zu Ihrem Freunde gehen müssen," sagte der Alte und eilte vorwärts. „ „Nun, darum grämen Sie sich nur nicht, Herr Förster, der hilft Ihrem Schwiegersohn Kirschen pflücken." „So?" entgegnete der Alte. „Nun, der kommt za auch gleich mit." „Der Herr Gendarm feiert ja heute auch wohl Kinderfest," sagte Heyd lächelnd. „Ja, wissen Sie, Herr Baumeister, als der Segen anfing, da war er uns eine große Freude, doch als dieser," — und er zeigte auf den ruhig auf einem Beine in seinem Neste stehenden berühmten Vogel, — „alle Jahre mit größter Regel- Mäßigkeit wiederkehrte, da wurde die Freude immer kleiner, — na, der Mensch gewöhnt sich doch sehr bald an etwas." Inzwischen hatten sich schon die Kinder in ihrem besten Staat vor dem Schulhause versammelt, wohl hundertfünfzig an der Zahl. Die Knaben trugen Laubgewinde von der linken Schulter bi« zur rechten Hüfte und die Mädchen Kränze im Haar von Blumen, womit gerade die Natur Gärten und Wiesen schmückte. c L Patriotische Lieder singend, setzte sich um drer Uhr der Zug in Bewegung. Voran schritt eine Abtheilung Knaben mit der neuen Fahne in den deutschen Farben, dann folgten die Mädchen mit Hellen, frisch geplätteten Kleidern und den Schluß bildeten wieder Knabe» mit der schwarz-weißen Fahne. Die Lehrer und ihre Frauen führten den Zug und hinterher folgte das halbe Dorf in fröhlichster Stimmung- Als die muntere Schaar im Walde an bewußter Stelle angelangt war, ließen sich die Kinder im Halbkreise auf den grünen Rasen nieder. Rings um den Thalkessel waren Tische und Bänke aus rohen Brettern für die Erwachsenen hergestellt. Der Gastwirth aus dem Dorfe hatte sich auch eingefunden. An eine n breiten Wachholderstrauch hatte er ein Büffet improvi- sirt, das mit Bier, Cigarren u. f. w. reichlich ausgestattet war. Zu den ersten Gästen gehörten Frau Rendant und Frau Controlleur au« der Stadt, die ja niemals fehlten, wo etwas los war. Dann kamen zwei Leiterwagen mit je Vieren lang, die Leute des Herrn von Sielow aus Beerenbruch, vorauf die beiden Jnfpectoren zu Pferde. „Ach, ach, sehen Sie doch nur, wie großartig, Frau Rendant," sagte Frau Controlleur, vergnügt hin und her rückend. Nun folgten bald von allen Seiten Leute zu Wagen, zu Pferde und die Meisten zu Fuß. „Ach, da kommt ja auch der Förster Knurrbaß mit dem Gendarm und was sind da« wohl für Herren, die bei ihnen sind?" fragte Frau Controlleur halblaut und setzte ihr Pin- cenez fester auf die Nase. , r Frau Controlleur fuhr nach einer Pause fort: „Die habe ich ja noch nie gesehen! — Doch, doch, der Eine scheint der hübsche Herr Baumeister von der Bahn zu sein, der andere steht einem Doctor ober Offizier sehr ähnlich." „Aber sehen Sie doch einmal da hinüber, Frau Rendant, ist das nicht die Frau Spanholz? Bei Gott, ste ist es. Da haben Sie es doch, vorgestern Ausverkauf gewesen und heute mit Seidenkleid und theurem Federhut zum Waldfest I Sehen Sie, sehen Sie, Frau Rendant! Ich sagte Ihnen doch gleich, es geht nicht mit rechten Dingen zu- Aber der Herr Sohn muß in Thorn das Gymnasium besuchen, er soll zur Steuer und Controlleur werden! Wie finden Sie das, Frau Rendant, ha. ha, ha>" „ v 4 , „Sehen Sie doch, Frau Controlleur, da kommt ja auch der Herr Oberförster mit zwei Damen. Sehen Sie nur, wie freundlich der alte Herr nach allen Seiten dankt. Und wie schön heute die Rose von Lindenheim aussteht, die andere Dame ist das reiche Fräulein von Wtldenau! Wie elegant und vornehm, jetzt begrüßen sie ja auch die beiden Herren; man steht es doch gleich den Leuten an." Nun stellten sich die Kinder auf und sangen: „Deutschland, Deutschland, über Alles." Beim zweiten Vers fiel plötzlich die Musik ein, die versteckt und nur von Einigen gesehen, Aufstellung genommen hatte Freudige Ueberraschung malte sich auf allen Gesichtern- Als dann das Lied zu Ende war, ging der Lehrer Hoffmann zum Dirigenten und sagte ihm, daß sie zwar Alle freudig überrascht wären, daß aber das wenigs Geld wohl nicht ausreichen würde. „Lassen Sie das nur, Herr Lehrer," sagte der Dirigent der Bataillonsmusik und klopfte ihm freundlich auf die Schulte^ „Wir sind längst bezahlt und wollen Ihnen heute ordentlich aufspielen, und nach dem sollen Sie auch noch tüchtig tanzen bis zum hellen lichten Morgen." Nun nahmen die Musiker auf den vorderen Bänken Platz und spielten lustige Weise». Nach einer Pause stellten sich zwei Mädchen mit ihrem Lehrer auf, machten einen tiefen Knix und begannen vorzutragen: 443 Einem Forstmanns! Was ist des Waidmanns Dach? Es ist des Himmels Wölbung blau. Es ist, wo zieht die Lerche grau; Es ist, wo glüht der Sonnenstrahl, Wo flimmern die Sternlein allzumal: Dort ist des Waidmanns Dach. Wo ist des Waidmanns Sold? Es glänzt im Sonnenstrahle hold Und in der Abendröthe Gold; Sein Silber liegt im bleichen Mond, Wo still des Mondes Männlein wohnt: Das ist des Waidmanns Sold. Was ist des Waidmanns Brod? Er leidet nimmer Roth; Es ist ein Häslein tobt; Es ist der Rücken eines Reh, Es ist ein Fischlein aus tiefem See: Das ist des Waidmanns Brod. Was ist des Waidmanns Trinkpokal? Es schöpft die hohle Hand Aus des Baches Silberband, Aus des Felsens reichem Quell, Wo tönt Vogelsang so hell: Dort ist sein Trinkpokal. Wo steht des Waidmanns Bett? Es ist das weiche Moos Tief in der Wälder Schooß; Der liebe Gott selbst macht dies Bett, Er, der die Blümlein kleidet nett: Das ist des Waidmanns Bett. Was ist des Waidmanns Musik? Jni Wald ertönt des Hornes Klang, Im tiefen Thal am Bergabhang, Und dazu singet klar und fein Im grünen Laub das Vögelein: Das ist des Waidmanns Musik Was ist des Waidmanns Edelstein? Es ist die werthe Familie sein, So seelengut, so sittenrein! Die Angen strahlen wie Sternenlicht, Der Vater droben vergißt sie nicht: Das ist sein Edelstein. Der alte Förster schüttelte bedenklich den Kopf und der Gendarm klopfte ihm lachend auf die Schulter. „Sehen Sie, Vater," sagte er, „jetzt Haden Sie'- doch gehört, was der Forstmann für ein glücklicher Mensch ist und wie beschaulich sein Dasein ist. Ich habe ganz deutlich Hasenbraten, Rehrücken und Fifche verstanden!" „Nun, so ganz schlecht ist es ja auch manchmal nicht und besonders im Sommer, wenn wir mit den Culturen durch sind, dann ist das Leben auch erträglich, abgesehen von den Scherereien der Landwirthschaft; aber im Herbst und im Winter, wenn man oft keinen Hund aus dem Hause jagt und jeder Mensch den Ofen drückt, dann geht der vielbesungene Forstmann hinaus in seinen Holzschlag, der vielleicht zwei Mei en entfernt ist. Dort trampelt er den ganzen ausgeschlagenen Tag im Schmutz und Schnee umher und wenn er spät cm Abend nach Hause kommt, dann holt er sich sein Mittagbrod aus der Röhre. Ach ja, das ist schön, aber davon hat die Auguste vom Schulzen Bellermann und Belows Bertha nichts declamirt. Ja, mein Sohn, in der Dichtung da steht der .Forstmann obenan, aber in der Wirklichkeit, schrumm, da ist e» anders Ra, stoßen wir noch einmal an und lassen den Jungen leben!" Nun stellten sich der Lehrer Hoffmann mit zwei Knaben, die zu einem entfernten Dorfe gehörten, vor den Tisch des Oberförsters auf. Sie machten eine Verbeugung und sprachen mit so lauter Stimme, daß es Allen verständlich war und Jeder hören konnte: „Hoch klingt das Lied vom braven Mann Wie Orgelton und Glockenklang." Der Oberförster sah zum Baumeister hinüber, aber diesem waren beide Knaben alte Bekannte. Er nickte dem Oberförster zu und dieser wußte in dessen Mienen zu lesen. Seitlich von dem Tische standen an eine starke Tanne gelehnt der Bühnenmeister und der Bahnwärter von Bude 114. Als die Knaben ihren Vortrag beendet, ging der Oberförster zu ihnen, reichte Jedem die Hand und dankte für die merksamkeit- „Wenn Ihr Ferien habt," sagte er, „dann kommt einmal nach Lindenheim, und wenn Ihr angeln oder krebsen wollt, so werdet Ihr Alle« bei mir finden." Nun mußten sie an des Oberförsters Tisch kommen und Heyd dankte nochmals, Jedem herzlich die Hand drückend; dann stellte er sie den Anderen vor und in Herthas Auge glänzte eine Thräne. Während nun die Musik spielte, kamen die Kinder alle zusammen, die jetzt mit Kaffee und Kuchen bewirthet wurden. Dann wurde wieder gesungen und gespielt und dabei Prämien und Geschenke ausgetheilt. Des Grenzauffehers Walter Aeltester, der den Reichsapfel vom Adler heruntergeworfen, bekam eine so schöne Schulmappe, wie sie im Dorfe nur noch des Bauern Transki« Wilhelm besaß. Der Ingenieur ging mit Fräulein von Wildenau tiefer in den Wald, denn Hellmuth, der wieder bei bestem Humor war, hatte heute der wilden Trude viel zu erzählen- Der Oberförster begab sich zu seinen Leuten und sprach auch sehr freundlich des Längeren mit dem Gendarm und vielen Anwesenden. Hertha und der Baumeister mischten sich in den Trubel und hatten ihre Freude daran. Ein kleiner Knabe führte sein noch kleineres Schwesterchen an der Hand. Mit wahrer Seligkeit betrachteten sie ihren Kuchen, von dem sie nur wenig abgebiffen, damit dieser Genuß doch recht lange bliebe. Mit ihren großen Augen sahen sie so glücklich, so treuherzig und zuversichtlich in die Welt, wie die Küchlein unter den Flügeln der Glucke. Der Kleine hatte keine Mütze, ein Luxus, den sein Haupt wohl noch nie geziert hatte. Sein Schwesterchen trug ein reine», aber ausgebleichte« Kattunkleidchen, das wohl in einer besser situirten Bauernfamilie die Stufenleiter gemacht hatte. In den Haaren trug sie einen Kranz von Gänseblümchen; beide Kinder gingen barfuß und wenn sie heute so erschienen, so kann man wohl mit Bestimmtheit annehmen, daß ihren Füßen Strümpfe oder Schuhe gänzlich unbekannt sind. Hertha that dieser Anblick in der Seele weh. Sie gab den Kindern Bonbon und Chocolade und ließ sich von der einen Lehrersfrau den Namen der Kleinen sagen. Aber auch der Baumeister fühlte das Bedürfniß, zu helfen und war innerlich erfreut, daß Hertha ganz in seinem Sinne gehandelt. In bester Harmonie verliefen nun die Stunden. Ueberall Lust und Freude und überall hörte man sagen: Solch' ein schöne» Waldfest haben wir noch nie gehabt. Auch der Himmel felbst schien sein Theil dazu beitragen zu wollen. Kein Wölkchen stand am blauen Himmelsdome, kein Lüftchen rührte sich. Von dem hei überhängenden Zweig einer Tanne sah ein Eichkätzchen dem fröhlichen Treiben zu, er mußte sich wohl s hr wundern über das lustige Treiben in seinem Revier. Hoch in den Lüften umkreiste der große Bussard im langsamen Fluge den Thalkeflel, auch ihm schien es heute gar sonderbar in dem sonst so stillen Tannenforst. Gertruds Helles Lachen erfreute den Ingenieur, welcher lustige Ränke und Schwänke aus seiner Jugendzeit erzählte und die tollsten Dinge zu Tage förderte- Sie wanderten unter den finsteren Tannen bis zum nächsten Gestell, wo der Laubwald beginnt. Hellmuth sah suchend nach den Wipfeln der Bäume. „Aber, Herr Ingenieur, was haben Sie denn eigentlich? Sie suchen ja so emsig herum, als hätten Sie dort oben etwa« verloren!" sagte Gertrud belustigt- „Ich suche auch wirklich etwas, Fräulein von Wildenau, nämlich die Eiche, von der ich kürzlich geträumt," erwiderte Hellmuth, ruhig weiter suchend. Gertruds helles Lachen klang noch lauter denn zuvor. „Also auch Sie, Herr Ingenieur, glauben an Träume, die doch nur Schäume sind!" „Lachen Sie nur!" entgegnete Hellmuth scherzend und drohte mit dem rechten Zeigefinger. - „Sie, Fräulein von Wil- R«dactton: vch'yda. — Druck und Brrlag d«r Brühl'schen UmverfiMS-Buch- und Stemdrnckerei (Pietsch & Scheyda) in - 444 - werden mir diesen Traum noch deuten und Sie werden | man die betreffenden Stellen fleißig in eine tauwarme Äsung - Lier — hier war es!" rief I von übermangansaurem Kali, welches in allen Drogenhand, Dieser Baum war es," und er betrach' | lungen billig zu kaufen ist. Will man sich eine solche Lösung r?die Löbe sehend den Kopf bald nach rechts, bald | aufbewahren, so muß dies stets im Dunkeln geschehen, weil ihn, in die Höhe seyeno, oen mopt I un|er be* Einwirkung des Lichtes eine Art Zersetzung damit nach ttms yaueno eiaentliL ist er es doch nicht, I vor sich geht. Das übermangansaure Kali dient bei Brand, ton bem t<6 tS? war doch viel schöner, wunden Lls Deckmittel, durch das die Lust abgesperrt der überhaupt im Traume auch viel schöner | Schmerz gestillt und gleichzeitig die Vorbedingung zur Bildung wie mir der Wald M rhaupt ^Traume -u^vwr^o Älelbung b dann wäre wieder die Wirklichkeit viel I Kindes in Brand, so trage man das Kind so rasch als möglich Erfüllung ginge dann wäre wteoer mlt Decken und Kiffen recht ^^Gertrud war überrascht, denn so ernst, fast feierlich hatte zu, wobei die Flammen ersticken, ohne das Bett zu gefährden- sie den Ingenieur noch nie gesehen, "^Fortsetzung ^folat^ I Mittel gegen Wanzen. Ein empfehlenswerthes und und fragend sah sie ihn an. (Fortsetzung folgt.) ^rksames Mittel zur Vertilgung dieses lästigen Ungeziesers ------------ I ist die Essigsäure, welche Wanzen und deren Brut sofort _ , I tödtet. Am besten verfährt man, wenn man die Flüssigkeit | mit einer Glasspritze in die Ritzen und Fugen, in denen man ------ I Wanzen vermuthet, einspritzt. Die Essigsäure hat noch den Erke Litte bei Verletzungen kleiner Kinder. I besonderen Vorzug, daß sie billiger ist als die meisten Insekten- Beim Spielen der Kinder ereignen sich nur zu häufig kleinere | pulver. , * FxSSSäSBx m sa ä ste?s sä S beib raXn Verletzungen bei kleinen Kindern alsbald und gieße etwas Weingeist obenauf. Die Verbindung mit der Sein frembet Körper, wie Holz, i äußeren Luft wird dadurch verhindert, weil sich der spezifisch anzuwenden stnd. Hat ein fremder »o p » f0 leichtere Weingeist über dem Oele erhält. Die Flaschen müssen L " an ka!a7f!1>aß Äelbe' so E als möglich völlig gut verkorkt werden und aufrecht stehen bleiben. Ä? s?wasSe°man die^Wunde mi?ve"rdünnt? zwe? bis I Rebhühuerbrödchen.* Das Fleisch von mehreren dreipröcentiger Carbolsäure oder Creolin hinreichend aus und I gebratenen Rebhühnern hackt man fein und stellt es auf die «etBe b e bdteffenbe Stelle, damit sie vor Unreinigkeiten Seite. Dann zerhackt man auch das Gerippe, acht es gu 3S ist - Um kleinere Gegenständes wie Bohnen, aus, gießt die Brühe durch ein Sieb un.verdickt sie mit /L S * et bx Xi* kip so rt f ß dßboBtt bdt# I eiltet Steblfäßwifee« tootciuf utdit ein Sins SDlnbeitd uttb fünf* entf men bMge^man in den andren Nasenflügel eine starke zehn Gramm Liebigs Fleischextract beifügt und mit dem nöchigen frÄftiaes Niesten des Kindes be* I Pfeffer würzt. Nunmehr vermischt man mit dieser Sauce wirkt und den in die Nase geschobenen Körper herausschleudert. I das Rebhühnerfleisch, fügt ein Weinglas Fleischgallerte, einige Sin mnfir»« in -her Nasenöffnung sollte thunlichst vermieden I Eßlöffel Provenceröl und zwei Eßlöffel Estragonessig hinzu und Ein Bohren in der Nafenoflnung a b [ä|t 'Lie Masse in einer Form erstarren. Alsdann stürzt man da-Kind sie auf eine Schüssel und schneidet sie in Scheiben- ftrne?^ Dadurch Bohren"von'UnruMgen"da?Tromme^ ■ Wasierspatzen. Zu einem Pfund Mehl rechnet man Thierchen (Insekten) aus dem Ohr zu entfernen, lege man I Milch oder sauren Rahm. Der Teig wird eine halbe Stunde den Kovf des Kindes auf die andere Seite und gieße Mohn- I geschlagen und mup so fest sein, daß, wenn ein Löffel voll aus oder Kampheröl in das Ohr, in dem der Eindringling haust. I ein Brettchen genommen wird, er nicht abläust, fonbetn mit Seine Bmeaünaen lassen alsbalb nach, da kein kleines Thier dem Messer auseinandergestrichen werden kann. Es werden leben vermag' sollte es «St alsbald zum Vorschein nun länglich.dünne Strei en in das kochende, schwach gesalzene kmEn^sy entfernt man es nach Oeleingießung sicher Wasser gel7gt, einigemal aufgekocht, mit einem Se her heraus- dmch^Äus^pritzen des" Ohres mit lauwarmem Wasser. - gefangen, auf einen anderen Seiher gelegt, mit kochendem Aus dem Auge werden fremde Gegenstände, die sich meistens Wasser abgeschwenkt und wenn gut abgelaufen, angerichtet, au? berJnnen^eite bes oberen Augenlides befinden, am besten mit Weckmehl bestreut und mit kochender Butter gefchwitz . entfernt wenn der Patient senkrecht auf den Boden schaut, | Man kann auch die Spatzen aufziehen. Man legt die gu wodurch der Fremdkörper sichtbar wird und mit dem Zipfel | abgelaufenen Spatzen in eine} fettgestrichene Pfanne, begießt sie ,{np6 reinen Taschentuches leicht zu erreichen ist. Sollte I mit saurem Rahm, worin ein Ei gerührt ist, belegt sie mit letzteres nicht der Fall sein, so ziehe man das obere Augenlid I kleinen Butterstückchen und schiebt die Pfanne eine halbe bi» vorsichtig über das untere, wobei der fremde Körper sich leicht I dreiviertel Stunde in den Bratoftn. Zugabe Obst und Salat, meoretbt — Nadeln sollten nie in das Bereich der Kinder I Zu Spatzen von einem Pfund Mehl braucht man zum Auf gelangen können, da die Gefahr nahe liegt, daß die Kleinen I ziehen ein Achtelliter Rahm, Wei Eier und 100 Gramm Butter. K L''-^A»d^.7-ichV" SD.-«-nw--d-" rohes Eiweiß und lasse schleunigst einen Arzt kommen. Ver- I unter Hinzufügung einer Prise Soda weich gekocht, durch einen schluckt das Kind eine Münze, die im Halse stecken bleibt I Seiher getrieben, mit Butter verrührt und mit Wasser verdünnt, und nicht mit dem Finger zu erreichen ist, so beuge man das j Nachdem man ein Stückchen Zwiebel in Butter aufgeschwitzt Kind zunächst nach vorn und gebe ihm einige Schläge auf I und mit Mehl eine hellbraune Einbrenne bereitet hat, kocht man den Rücken; sollte dies erfolglos fein, dann gebe man dem I diese mit dem nöthigen Salz nebst etwas Butter in der Suppe Kind Rieinusvl zu trinken. — Bei Brandwunden tauche1 auf und gibt in Butter geröstete Semmelwürfelchen bei-