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Nirgends fand der unglückliche junge Mann Ruhe und kein einziger rettender Gedanke stieg in feiner Brust auf, um ihn von der Spielschuld zu befreien. . „Es ist unmöglich, gänzlich unmöglich/ seufzte der lange Mann, „ich bin unrettbar einem finsteren Geschick verfallen und werde meinem guten Vater den schrecklichen Leichtsinn beichten müssen, um die Schuld zu tilgen, denn an die Hoffnung, mit dem mir noch von Raben angebotenen Geld im Spiel das Verlorene wieder zu gewinnen, wage ich nicht ein« mal recht zu denken, und ich will auch mit diesem gleißenden Verführer, dem Raben, nichts weiter zu schaffen haben." Eggonsbergs Geist schweifte weit, weit zurück in seine glückliche Kindheit, wo er fast wie im Paradiese gelebt hatte, und alle Erinnerungen seines vergangenen Lebens verfolgend, fand er nicht die geringste Ursache zu einem solchen Leichtsinn, wie er ihn gestern gezeigt. Seine GxmüthSstimmung wurde dadurch nur noch 'trostloser. Sein halbes Leben hätte er darum geben mögen, wenn er die gräßliche Spielschuld und seinen gestrigen Leichtsinn hätte tilgen können. Mechanisch trugen ihn seine Füße weiter und er verirrte sich allmälig in die benachbarten Berge. Plötzlich stand er an einem gähnenden Abgrunde, in dessen Tiefe ein düsterer Gebirgssee sichtbar wurde. „Ein Sprung in die Tiefe und alles Elend ist zu Endel" rief es in feinem Innern, aber Eggonsberg widerstand der Versuchung standhaft, denn er war viel zu gottesfürchtig, um selbst in diesem schweren Kummer sein Leben mit einem Selbstmord zu enden- Eine wunderbare Beruhigung griff, als er die Versuchung Überstanden, in seinem Gemüthe Platz, obwohl er selbst noch keinen Gedanken daran hatte, daß das Unheil, welches seine Zukunft bedrohte, von ihm genommen werden konnte. Seltsam beruhigt in feinem aufgeregten Gemüthe, obwohl er sich noch immer nicht Rechenschaft über die Ursache dieser Umwandlung in seinem Innern geben konnte, setzte sich Eggonsberg am Rande des Abgrundes nieder und blickte sinnend auf den melancholisch im Halbdunkel liegenden Gebirgssee und dessen dunkle Fluthwellen. Wohl eine Stunde mochte er wie träumend an dieser Stelle gesessen haben, da wurde er durch leise Schritte hinter sich aufgeschreckt. Eggonsberg sprang empor und wandte sich um. Da stand ein riesig großer, schwarzer Hund vor ihm und musterte ihn mit seinen dunklen Gluthaugen. Der sonst nicht furchtsame Eggonsberg erschrak unwillkürlich vor dem gewaltigen Thiers, welches hier in dieser einsamen Gegend wohl nur einem Schmuggler ober Räuber gehören könnte. Der Hund stieß dann ein kurzes Bellen aus und wenige Augenblicke nachher näherte sich ein hagerer, in einen dunklen Mantel gehüllter Mann der Stelle, wo Eggonsberg vor dem Hunde stand. Der Mann trug einen schwarzen Schlapphut, und ein dunkler, mit einzelnen grauen Haaren vermischter Vollbart umrahmte sein düsteres Antlitz. Der Hund lief bei dem Nahen seines Herrn stumm und demüthig hinter denselben zurück und der seltsame Fremde stand bald dicht vor Eggonsberg. „Lassen Sie sich nicht stören," sagte der Fremdling zu Eggonsberg, „und setzen Sie sich wieder nieder, wo Sie vorhin gesessen haben, ich thue dtSgleichen, denn hier in dieser einsamen Gebirgswildniß müssen alle Menschen mit einander Freundschaft schließen." Als Eggonsberg zögerte, der Aufforderung des Fremdlings Folge zu leisten, frug ihn dieser barsch: „Fürchten Sie sich vielleicht vor mir? Nun, das haben Sie nicht nöthig, denn wenn ich Ihnen etwas Böses hätte zufügen wollen, so würden Sie schon längst tobt zu meinen Füßen ober unten im Teufelsloche liegen, wie die Leute den dunklen See nennen. Mein Hund konnte Sie von hinten packen und Niederreißen oder ich konnte Ihnen von jenem Abhangs dort, wo ich vorüberging, eine Revolverkugel durch den Kopf schießen, denn ich bin kein schlechter Schütze und ich konnte mich auch wie eine Katze an Sie heranschleichen und Sie in do« Abgrund stoßen. Aber nicht» that ich von alledem, also müssen Sie zugeben, daß ich Sie nicht morden will. Darum wollen wir uns ruhig an diesen schönen Abgrund niedersetzen." Der unheimliche Mann sprach die letzten Worte in einer solch' merkwürdigen Betonung aus, daß Eggonsberg der Aufforderung unwillkürlich Folge leistete und sich neben den fremden Mann an den Rand des Abgrundes setzte. „Es wäre gerade kein schlechter Tod, wenn wir uns Beide hinunter in den See stürzten, zweihundert Meter tief mag es hinab fein und zwei Unglückliche wären weniger auf der Welt, denn daß auch Sie wie ich unglücklich sind, sah ich Ihnen schon längst an- Jetzt gilt es aber, festzustellen, ob Sie Glück haben und Ihr Unglück kümmert uns bann weiter nicht!" Eggonsberg rückte unwillkürlich etwa« von dem seltsamen Manne, der eine solche rätselhafte Sprache führte, zurück. Sollte es ein Wahnsinniger ober gar der Teufel in Menschengestalt sein, um ihn zu versuchen? Ganz unheimlich rollten die stechenden dunklen Augen des Fremden und er machte eine solche strenge Miene und runzelte die Stirn fo verdächtig, al» könne er Widerspruch unter keinen Umständen ertragen. „Ja, ja, wir müssen feststellen, ob Sie Glück haben, junger Mann, und bann sind' Sie gerettet unb ich werde hoffentlich dann auch von einem Fluche, der schwer auf mir lastet, erlöst werden. Wir spielen Würfel, die Höchsts Nummer gewinnt immer, da» ist einfaches Spiel." „Aber ich habe kein Geld, um spielen zu können," erwiderte Eggonsberg und wehrte mit der Hand ab. „Außerdem spiele ich nicht mehr." „Sie müssen spielen," erklärte jetzt der fremde Mann mit rollenden Augen, „denn es hängt davon sehr viel, ja, vielleicht Ihre ganze Zukunft ab, denn ich muß sehen, ob Sie heute Glück haben. Hier sind die Würfel, wir würfeln hier auf dieser glatten Felsplatte. Fangen Sie an!" Unter einem seltsamen Zwange stehend, ergriff Eggonsberg den kleinen ledernen Würfelbecher, den ihm der Fremde hingeschoben hatte, und würfelte. Er warf die Zahl 644. Gleich darauf würfelte der Fremde unb warf 632. „Sie haben gewonnen!" rief sofort der seltsame Mann unb schob seinem Partner ein Goldstück hin. «Aber wir spielen weiter. Ich fange jetzt an." Er würfelte unb warf 321. Eggonsberg that desgleichen unb warf 431. Schweigsam schob ihm ber Fremde ein zweites Goldstück zu und ergriff von Neuem den Würfelbecher. Eggonsberg gewann wieder und fein Partner rief entzückt aus: „Sie scheinen wirklich Glück zu haben, junger Herr!" Er schob ihm dann abermals ein Goldstück zu und spielte weiter unb weiter mit Eggonsberg unb dieser gewann immer. Bald thürmte sich ein Hausen Goldstücke vor dem jungen Edelmanne unb je mehr er gewann, desto unheimlicher wurde es ihm dabei. Wiederholt kam es ihm vor, als ob er träume und er faßte nach feiner heißen Stirn, aber es war doch Alles Wirklichkeit, die Würfel hüpften so deutlich vor ihm auf der Felsplatte und die Goldstücke klangen so rein. „Jetzt haben Sie mein ganzes Geld gewonnen!" ries auf einmal der seltsame Fremdling ganz heiter. „Sie haben wirklich Glück, junger Mann! Dabei schob er Eggonsberg fein letztes Goldstück zu. „Aber wir müssen Ihr Glück noch weiter erproben," fuhr der Fremde mit leuchtenden Augen fort. „Jetzt spielen wir um meinen Revolver, er ist hundert Francs werth." Wieder begann das Würfelspiel und Eggonsberg gewann auch den Revolver, den ihm der seltsame Mann alsbald überreichte. „Sie haben wirklich Glück, junger Herr," sagte er dabei lächelnd, „aber wir müssen Ihr Glück noch weiter erproben. Atzt spielen wir um meinen Hund. Nero, komm' hierher." Der große schwarze Neufundländer schmiegte sich an feinen Herrn und die Würfel rollten abermals. (Fortfetzung folgt) — 136 Aas Martern der Muhthiere. Von Oskar Kr esse. (Schluß.) Allmählig, nach fünf bis zehn Minuten der fürchterlichen Qualen, ermattet das Opfer. Das Blut rinnt nur noch tropfenweise, und endlich ist das Thier stumm. Man glaube aber ja nicht, daß es nun verendet ist, nein, es hat noch fein volles Bewußtsein, nur vermag e» dasselbe, durch die Blut« entziehung entkräftet, nicht zu äußern. Ist es doch vorgekommen, daß sich ein Schwein, nachdem es auf die geschilderte Weise mißhandelt worden war, und alle seine Peiniger, in der Meinung, es sei tobt, weggegangen waren, plötzlich erhob, den Weg durch das offenstehende Thor nach der Dorfstraße fand und auf dieser seinen Verfolgern zu entrinnen suchte, bi» e» endlich erschöpft zusammenbrach und unter lautem Jubel zurückgeschleift wurde. Da» Bewußtsein schwindet eben erst nach der Blutentziehung ganz allmählich, so lange das Thier aber Bewußtsein hat, empfindet es auch Schmerzen! Wie groß dieselben aber bei vorher beschriebener Schlacht« Methode sein müffen, davon kann man sich kaum eine Vor« stellung machen. Bedenkt man nun noch, daß diese Methode die bei weitem verbreitetste im Deutschen Reich ist, ja daß nur in sehr wenigen Landbezirken und größeren Städten die vorherige Betäubung angewandt wird, so kann man sich der Einsicht nicht verschließen, daß es hohe Zeit ist, dagegen gesetzlich einzuschreiten, besonders da die Entziehung des Blutes bei vollem Bewußtsein jedes augenfälligen Nutzens bar ist, denn man gewinnt dieselbe Blutmenge auch nach vorheriger Betäubung. Es ist dies eben ein Zeichen, daß das Thier im Deutschen Reiche schutzlos ist. Aus diesem Grunde wird man es mit Freuden begrüßen, daß der „Verband der deutschen Thier« fchutzoereine" wiederholt eine Petition an den Reichstag richtete des Inhalts, daß beim Schlachten von Thieren die vorherige Betäubung gesetzlich verordnet werde, wie sie ja bei Pferd und R nd zum größten Theile schon überall in Anwendung ist. Diese Petition wird hoffentlich einmal vor dem Plenum de» Reichstages zur Verhandlung gelangen, und wenn, wie es zu hoffen ist, ein Gesetz im Sinne derselben zur Annahme gelangt, so werden mit einem Schlage 90 pCt. aller Thierquätereien im Deutschen Reich beseitigt- Und es wird hohe Zeit dazu, denn fast alle andern civilisierten Staaten find uns in dieser Beziehung weit voraus. In der Schweiz z. B. im Kanton St. Gallen wird Derjenige, welcher „Thiere nicht in vorschriftsmäßiger Weise (d. h. unter vorheriger Betäubung) tödtet, mit Geldstrafe bi« zu 150 FrS. oder mit Gefängniß bis zu einem Monat bestraft. Die Strafen können auch verbunden werden-" Im Kanton Genf ist es verboten, „die Schlachtthiere durch Blutentzichung zu tövten ohne vorherige Betäubung. Sie dürfen nur rasch und unter Anwendung aller jener Vorkehrungen getödtet werden, durch welche längere Leiden der Thiere vermieden werden." In dem Lande, in welchem die Schweineschlächterei im größten Maßstabe betrieben wird, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, ist auch die Thierschutzgesetzgebung am vorzüglichsten. Trotzdem unter den allgemeinen Bestimmungen dieser Gesetze die Thierguälerei beim Schlachten schon mit fällt, ist dieselbe doch stets noch besonders erwähnt. Grausames Tödten der Th'ere wird in einzelnen Staaten mit Strafen bis zu 1000 Dollars Geldbuße und bis zu zwölf Monaten Zwangs- arbeit geahndet. Gleich gute Gesetze haben Oesterreich, Italien, Dänemark, England u- s. w- Was ist dagegen Artikel 360 Nr- 13 unseres Reichsstrafgesetzbuches. „Mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft wird bestraft, wer öffentlich oder in Aergerniß erregender Weife Thiere quält oder roh mißhandelt." . Es kann also jeder Thiere quälen, soviel er Lust hat, wenn er dies nur nicht in öffentlicher oder Aergerniß erregender Weise thut! Durch die Zusätze „boshaft" und „roh" läßt dieser Paragraph an Unklarheit kaum noch etwas zu wünschen übrig, denn der Richter wird in jede« Falle z» berücksichtigen haben, ob der Angeklagte die Thiere au» Bor. Hastigkeit, au» Roheit oder au» anderen Gründen gequält hat. In erster Linie aber fehlen Bestimmungen, welche die Quälerei der Thiere während der Schlachtung durch unzweckmäßige Schlachtmethoden verbieten und unter Strafe stellen, ferner solche, die auf den Transport der Thiere auf Eisenbahnen u. s. w. Bezug haben- Möge hierin bald Wandel geschaffen werden, möge auch das Deutsche Reich die Forderung der Humanität erfüllen, daß den Thieren, welche wir unfern Bedürsniffen opfern, das Recht gegeben werde, eines schnellen Tode» zu sterben, damit sie ferner nicht ihr Leben unter langen, marteroollen Leiden für uns aushauchen I Literarisches. Aürst Otto vo« Bismarck. Festschrift zu seinem achtzigsten Geburtstage von F. Bornhak, Berlin W. Verlag von F. Fontane und Co. Preis 30 Pfg. Diese Festschrift gibt in knapper Form den Lebensgang Bismarcks. Die Darstellung ist von echt patriotischem Geiste durchweht. Für Schulen und Vereine, aber auch für Haus und Familie ist das Büchelchen, dem weiteste Verbreitung schon durch den billigen Preis gesichert ist, wie geschaffen. -i- * * „BiSmarck*. Festspiel zum achtzigsten Geburtstagsseste Seiner Durchlaucht des Fürsten v. Bismarck von Karl Wiegand. Commissioni- Verlag von Kreyß & Kunath