DonnerMkg dm 18. Juli. Nr. 84 verletzt zu t: v * •• vv amtheRpkiHf UotrchallWgsdlMpim Girßrirrr Anzeiger (General Anzeiger) ) in GW". erwarteten erber in's „Mein einem Rechts rderung durch e der Advocat principiell nur ist vor wenigen isl, es waren it haben, auch M, hm - - " mütterliche ie glauben l nicht — Verstecken» nen sagen: die Josefs, en Scherz. sehe nicht rgte Bona» m, die ich ohne alle ißig Jahre Zermon ver» nandierender sätte zwelfel« Heile gedient. Wunsch au«' eine reich en erleichtern öffnen sollte, aber, wie er saffot hervor« Ile aus der )N Piombino i Gatten Jo« ung folgt ) mit Feuer, m, die ich illige, was rn, anders» «Ich will des Nach» ne reizende er beiläufig r ehrenhaft erhelrathen- , ihr Herz Zetter, einen ! hatte tt)tt in die Ton» ildet wurde, eigens einen h ungeschickt napartes ab, (ft* X*-J 1 XLIX. Frau Digby hatte stch in ihr Zimmer eingeschloffen und war In ein für sie jedenfalls sehr intereffantes Studium vor» tieft Eine Zeitung lag vor ihr und eine Anzeige in derselben hatte Ihre Ausmerksamkelt in nicht geringem Grade gefeffelt. Zu Anfang der Anzeige war eine außergewöhnlich hohe Summe als Belohnung ausgesetzt. Die Belohnung war für die Auskunft über ein Mädchen geboten, dessen Beschreibung ganz genau auf Cora paßte. Es wurde ihr nicht direct eine Schuld zur Last gelegt, doch dem Wortlaut und der hohen Belohnung nach schien es doch, als ob die Flüchtige von nicht geringer Wichtigkeit fei. Ja noch mehr ... das Hauptziel Dessen, von dem die Bekanntmachung ausging, schien entweder, die Miffethäterln zu bestrafen oder einem Verbrechen auf den Grund zu kommen. Die betreffende junge Person war plötzlich auf gehelmniß» volle Welse verschwunden und zwar mit Jemandem, deffen Anfangsbuchstaben allein genannt waren, der aber offenbar dem männlichen Geschlecht angehörte. Mr Irgend welche Auskunft über sie geben könnte, sollte eine hohe Belohnung erhalten, während sür ihre Entdeckung nicht weniger als vierhundert Pfund zugesichert wurden. „Wenn ich nur auf diese Welse die ganze Sorge los werden könnte!" dachte Frau Digby. „Ich will ja nicht un» dankbar sein, aber es ist doch zu klar, daß stch das Mädchen irgend einer ungerechten Handlung schuldig gemacht hat; sie hat sich Denen durch die Flucht entzogen, welche die Pflicht haben, über sie zu wachen. In beiden Fällen ist es nicht Grausamkeit, sondern einfach meine Pflicht, sie auszugeben. Doch ist es vielleicht bester, sie ihrer Wege gehen zu kaffen unter der Bedingung, uns nicht mehr mit Ihrer Gegenwart zu belästigen." Und sie zog die Klingel, als sie endlich ihren Entschluß gefaßt hatte. „Ich wünsche Miß Cora zu sprechen," befahl sie der eintretenden Dienerin. Die Tochter des Meeres Stenum wn K. »!«•(«. Frau Digby schritt unruhig im Zimmer auf und ab. BelmNahen leichter Fußtritte schrack sie heftig zusammen. Im nächsten Augenblick meldete ein leises Klopfen an der Thür Coras Ankunft- „Sie wünschen mich zu sprechen, Frau Digby?" sprach sie, ruhig eintretend. „Ja, Cora," entgegnete Frau Digby in strengem Ton und zwar mit schwerem Herzen. „Aber setzen Sie sich, ich will versuchen, Ihre Gefühle so viel wie möglich zu schonen um des Dienstes willen, den Sie meiner Tochter einst geleistet haben." Coras Wangen glühten und ihre Augen blitzten in fieberhafter Erregung während der Zelt, die zwischen der nun folgenden Erklärung verstrich. Frau Digby hustete verlegen und nahm dann als letzte Hilfsquelle die Zeitung zur Hand, die vor ihr lag. „Miß Cora," sprach sie ernst, „ich weiß nicht, ob ich wagen darf, mich wegen eines offenen, wahrheitsgetreuen Wortes auf Sie zu verlaffen, nachdem stch mir infolge zu überzeugender Umstände ein schmerzlicher Verdacht aufgedrängt hat. Doch wenn Sie einer gewiffen Aufrichtigkeit fähig sind, möchte ich eine Frage an Sie richten, bevor ich Sie auf eine härtere Probe stelle. Haben Sie irgend einen Grund, ein öffentliches Verhör zu fürchten oder sich zu schämen, irgend einen Menschen mit Ihrem Aufenthalt bekannt zu machen?" Cora antwortete ruhig: „Meine Vergangenheit ist eine seltsame, traurige Zeit gewesen, aber ich kann wenigstens sagen, daß ich mich nie irgend einer Thal schuldig gemacht habe, wegen welcher ich Verachtung oder Strafe verdiente." „Sind Sie deffen gewiß?" fragte Frau Digby ernst. „Vollständig," antwortete Cora, indem sie dem strengen, durchdringenden Blick der Lady festen Blickes begegnete. „Bitte, lesen Sie das!" Mit diesen Worten hielt Frau Digby Cora die Bekanntmachung, die ihr Interesse in so hohem Maße erregt hatte, hin, ohne die Zeitung aus der Hand zu geben. Coras Augen blitzten schmerzlich auf. „Erkennen Sie die Beschreibung?" fragte die Lady. „Sie ist ein wenig geschmeichelt, doch scheint sie auf mich zu paffen," erwiderte Cora lächelnd. „Das unterliegt keinem Zweifel und es bleibt Ihnen nur nofi übrig, mir die geheime Ursache dieser öffentlichen Auf- forderung anzuvertrauen." 1 Cora schwieg. "Gedenken Sie, in diesem hartnäckigen Schweigen zu be- harren? Hub die Lady wieder an. „Bedenken Sie wohl, daß Sie sich durch eine solche Handlungsweise in meine Hände geben. „Inwiefern?" fragte Cora kalt. . "»Erwarten doch wohl kaum, daß ich eine Person von so zweifelhaftem Rufe als Gesellschafterin meiner Tochter im Hause behalte." „Wollen Sie damit sagen, daß Sie meiner bestimmten Verstcherung nicht glauben?" fragte Cora traurig. „Wenn Sie unschuldig sind, haben Sie keine Veranlassung zur Geheimhaltung." u „Das ist nicht immer der Fall . . . wenigstens nicht in meiner Lage, lautete die mit Bestimmtheit gegebene Antwort- „Können Sie behaupten, daß Sie keine Ahnung davon haben, von wem diese Bekanntmachung ausgeht und wer so dringend wünscht, daß sie wieder zum Vorschein kommen?" fragte Frau Digby ernst. „Das habe ich nicht gesagt," antwortete Cora- „Das ist ein stillschweigendes Bekenntniß Ihrer Schuld. , & ™ rbe8 Dienstes willen, den Sie meinem Kinde einst geleistet haben, biete ich Ihnen Schutz und Hilfe an. Ver. ttauen Sie mir, wenn Sie unschuldig sind ... . und wenn Sie sich nicht meinen vollen Beifall erwerben können, so verspreche ich Ihnen wenigstens beizustehen, daß Sie nicht gefun- den werden." „Ich verlange nichts von Ihnen, Frau Digby," sprach sie ruhig. „Sie können mich verrathen, wenn Sie wollen." „Verrathen ist ein scharfer Ausdruck," erwiderte Frau Digby in kaltem Tone. „Wissen Sie nicht, warum man Sie in so seltsamer Weise auffordert?" Aber Cora wich vor der ihr därgereichten Hand wie vor dem Biß einer Schlange zurück. "Ich kann nur wiederholen," sagte Cora, „daß ich frei von jeder Schuld bin." „Verstocktes Mädchen!" entgegnete Frau Digby erregt. „Können Sie sich nicht wenigstens meiner Barmherzigkeit an- heimstellen und es mir überlassen, Sie, wenn ich kann, zu retten?" Cora neigte schweigend den Kopf. Sie vermochte nicht zu sprechen; heiße Thränen traten ihr in die Augen und rasch begab sie sich in ihr Zimmer, um der leidenschaftlichen Erregung, die ihre Selbstbeherrschung erschütterte, freien Lauf zu lassen. L. „Mylord, ich hoffe endlich eine angenehme Nachricht für Sie zu haben," sagte der Diener Ponsford, in das Zimmer seines Herrn tretend, noch bevor derselbe nach einer schlaflosen Nacht aufgestanden war. „Haben Sie etwas von . . . von meinem Kinde gehört?" erwiderte der Graf, indem er hastig aufsprang. „Mensch, reden Sie und spannen Sie mich nicht auf die Folter!" Ponsford schüttelte den Kopf. „Vielleicht thäte ich am besten, Ihnen den Brief zu geben, nach welchem ich zu handeln gedenke," sagte der Diener zögernd, als er seinen Herrn die Farbe wechseln und seine Augen so fieberhaft leuchten sah. Lord Treville griff hastig nach dem ihm dargereichten Briefe. Er lautete folgendermaßen: „Ihre Bekanntmachung ist von einer Dame gelesen worden, welche glaubt, Aufschluß über das Gewünschte geben zu können, obgleich sie aus bestimmten Gründen wünscht, vorläufig unbekannt zu bleiben. Aber wenn man einen Vertrauensmann an die beigefügte Adresse schicken will, wird sie ein Zusammentreffen mit der jungen Person veranlassen, auf welche sich, wie sie glaubt, die Aufforderung bezieht und welche gegenwärtig in vielleicht sehr unverdientem Luxus unter liebevoller Pflege lebt. Die betreffende Dame wird dafür sorgen, daß Niemand dabei compromittirt wird, wenn sie sich irren sollte. Sie gibt nur die Ansangsbuch, staben ihres Namens und die Adresse an als Beweis ihrer Vorsicht. H. D.« Der Graf las den Brief wieder und wieder und sprach dann: „Ponsford, sagen Sie mir, wie Sie darüber denken, und ich will mich bemühen, Ihre Ansicht ruhig in Betracht zu ziehen." Der Diener schüttelte mit schwermütiger Geberbe den Kopf und antwortete: „Ich bin ein einfacher und wohl auch kaum ein kluger Rathgeber, aber ich bin ein treuer und ergebener Diener, Mylord. Noch einmal beschwöre ich Sie au- tiefstem Herzen, die Idee, daß das unglückliche Mädchen Ihr Kind fein könnte, aufzugeben! Lassen Sie die Sache wie bis- her im Dunkeln ruhen! Noch ist es nicht zu spät dazu. Außer mir und der Frau, die, wie ich glaube, ein wohldurchdachter Spiel spielt, hat Niemand die geringste Ahnung von der Existenz einer solchen Person. Lassen Sie die Sache ruhen, Mylord, und machen Sie lieber Miß Netta zu Ihrem Kinde." ^ein, Ponsford! Die Sache ist schon zu weit gediehen Ich bin fest entschlossen und ich habe keine Ruhe mehr, seit der aufregende Gedanke sich in meinem Innern festgesetzt hat. Ich will nur noch wissen, ob Sie die Sache so für mich leiten können, um sie geheim zu halten und doch Gewißheit darüber zu erlangen?" „Wenn Sie mir vertrauen und Erlaubniß geben wollen, ganz nach meinem Gutdünken zu handeln, will ich mein Mög- lichstes thnn, der Wahrheit auf den Grund zu kommen." „Ich vertraue Ihnen, mein lieber Ponsford," erwiderte der Graf gütig. „Und nun reden Sie . . . was halten Sie für das Beste, unseren Plan in's Werk zu setzen? Ich will keine einzige Stunde verloren gehen lassen." „Nun, ich denke, das Beste ist, den Brief zu beantworte» und die Zeit zu bestimmen, wann Ihr Sachwalter dort sein wird," sagte Ponsford. „Und dann gedenke ich, das Md- chen durch Güte oder Gewalt dazu zu bringen, daß fle mir mir kommt. Haben wir sie erst hier, dann wird es Ihnen leicht werden, sich von der Wahrheit Ihres Verdachtes zu überzeugen." „Aber Alles in Güte, Ponsford ... in Güte! Dafür sorgen Sie!" versetzte der Graf ernst. „Wenn sie das Kind meiner Bianca ist, soll kein unfreundlicher Blick, kein hartes Wort sie kränken, und ist sie es nicht, so haben wir kein Recht, sie für etwas zu strafen, daß sie sich gar nicht hat zu Schulden kommen lassen und das uns nichts angeht." LI. Cora hatte, feit sie durch Frau Digby erfahren, daß eifrig nach ihr und Ernst Belfort geforscht wurde, mehrere Tage wie im Traume zugebracht. Hatte sie ihre stolze Weigerung, einen beschämende» Schutz anzunehmen, bereut? Nein, sie war keinen Augenblick über die Klugheit ihrer Entscheidung schwankend geworden. Sie war der Gefahr und Unsicherheit ihrer traurigen, einsamen Lage müde! Und obgleich ihr junges, empfängliches Herz vor der &• niedrigung, die sie erwartete, zurückschreckte, so war sie doh entschlossen, dem Schlimmsten mit dem Muth der Verzweiflung und der stolzen Verachtung entgegenzutreten, welche die Unschuld stets erzeugt. Es war Cora eine Erleichterung, al- allmälig der kleine Kreis ihrer Bekanntschaft sich lichtete und endlich auch Sir Fulke und der Herzog von Dunbar unter die Abwesenden zählten. Es waren ungefähr acht Tage vergangen seit der Unterredung, die Coras Vertrauen und Zuneigung für immer Triffa» Mutter entzogen hatte. Frau Digby und ihre Tochter waren ausgegangen und Cora war allein, bemüht, durch die süßen Töne ihrer eigenen herrlichen Stimme die Furcht und Bangigkeit, die aus ihr lagen, zu verscheuchen. , Ihre Finger glitten rasch über die Tasten hin, während § ihre volle Stimme das Zimmer erfüllte. Aber plötzlich wurde H sie durch ein heftiges Klingeln an der Hausthüre unterbrochen. - 336 - Nach wenigen Augenblicken hörte sie feste, schwere Tritte die Treppe heraufkommen und es beschlich sie das Gefühl, al- nahe irgend etwas Schreckliches. Die Thür ging auf und mit halb erschrecktem, halb verlegenem Gesicht meldete der Diener: „Es wünscht Sie Jemand zu sprechen, Miß Cora. Er sagt, es führe ihn eine wichtige Angelegenheit zu Ihnen." Cora stockte der Athem und es war ihr, als höre ihr Herz auf zu schlagen. „Lassen Sie ihn eintreten!" befahl sie dann, ihre ganze Kraft zusammsnfassend. Der Diener zog sich zurück und gleich darauf traten zwei Männer in das Zimmer. Die Thür wurde geschlossen, der Diener ging langsam wieder die Treppe hinunter und Cora war mit den beiden unwillkommenen Besuchern allein. Einige Secunden standen sie, einander neugierig betrachtend, sich stumm gegenüber. Der eine der beiden Männer war kein anderer als Lord Trevilles Diener Ponsford, dem die edle Haltung und die Anmuth des Mädchens, das zu richten und zu verurtheilen er gekommen war, unwillkürlich Bewunderung abzwang. Der andere Mann hatte ein ernsteres, beruf-mäßigeres Aussehen, das sofort einen Beamten in ihm erkennen ließ. Er war der Erste, der das Wort ergriff. „Ihr Name ist Cora vom Meere, Miß?" fragte er kurz. „Unter diesem Namen bin ich bekannt," versetzte sie „Ah! Sie behaupten nicht, daß es Ihr wirklicher Name ist? ... . Wie Sie sehen, Herr Ponsford, werden wir der Sache bald auf den Grund kommen." Er gab seinem Begleiter einen verständnißinnigen Wink, während er zurücktrat und diesem Platz machte, sich dem Mädchen zu nähern, das noch wie festgewurzelt neben dem Piano stand. „Er hat recht, Miß, wie Sie selbst erkennen werben, wenn Sie hören, was wir Ihnen zu sagen haben," Hub Ponsford nach verlegenem Hüsteln an. „Sie haben wohl die Güte, mich aufzuklären," sagte Cora, indem sie all' ihre Kraft zusammennahm. „Sie sehen, Herr Ponsford, wie es steht," setzte der Beamte, zu dem Diener gewendet, hinzu. „Ja," erwiderte Ponsford gedehnt, „dennoch aber hat Miß Cora Recht. Es ist nur billig, daß sie erst die Ursache kennt. — Junge Dame," fuhr er fort, „sind Sie sich wirklich keiner Schuld bewußt, die uns zu Ihnen führen könnte?" Cora richtete sich voll stolzer Würde auf. „Nein, keiner!" sagte sie. „Können Sie feierlich erklären, daß Sie die Wahrheit sprechen?" fragte Ponsford weiter. „Es ist entwürdigend, eine solche Frage zu beantworten," erklärte sie stolz. „Es treffen Sie zwei Beschuldigungen, baß wir im Stande sein werden, dar Gesetz gegen Sie in Anwendung zu bringen. Eine Anklage gegen Sie ist: daß Sie ein werthvolles Medaillon gestohlen haben, welches einst Lord Faro gehörte. Eine zweite Anklage lautet: daß Sie einem Edelmann, der Lord Faros Tod verschuldet hat, bei seiner Flucht behilflich gewesen sind. Genügt ihnen das?" „Vollständig ... wenn die Beschuldigungen richtig wären!" antwortete Cora. „Aber Sie find falsch, gänzlich falsch, in- sofern, als es sich um ein Verbrechen handelt." „Darüber wird der Richter zu entscheiden haben," lautete die Antwort des Beamten. „Darf ich Sie bitten, nun uns zu folgen? ' „Wie? Ich soll sogleich mit Ihnen gehen?" rief das arme Mädchen erschreckt aus. „Ja, sogleich!" „In das Gefängniß?" fragte sie erbleichend. „Das wird sich finden," lautete die Antwort Ponsfords. „Mein Herr, Graf Treville, wird, wenn er Ihre Lebensgeschichte gehört hat, entscheiden, was zu thun das Beste ist." „Wo ist Ihr Herr? Wo soll ich ihn sehen?" „Er wohnt ziemlich weit von hier," entgegnete Ponsford. „Verlangen Sie, daß ich sofort mitgehen soll, ohne Frau Digby? Rückkehr abzuwarten?" fragte Cora noch. „Das wird wohl das Beste fein," wurde ihr erwidert. Sie raffte sich mit einem schweren Seufzer aus und traf hastig ihre Vorbereitungen. Einige wenige Kleidungsstücke waren schnell zusammengelegt. Sie hegte k.-in Bedenken, dieselben mit sich zu nehmen, denn es waren Geschenke. Die Schmucksachen, welche ihr gehörten, wurden sorgfältig in ihrer Kleidertasche verborgen, in der Hoffnung, durch sie vielleicht Aufschluß über ihre eigene Person zu erhalten. Der große Mantel, den sie um ihre Schultern hing, und ein breiträndriger Hut, den sie dann aufsetzte, konnten ihre Jugend und Schönheit nicht verbergen, aber wenigstens zogen sie nicht die Aufmerksamkeit Fremder auf sie. „So kann mich Niemand erkennen," murmelte sie. „So bleibt mir noch der letzte bittere Tropfen meines Leidens erspart." Rasch öffnete, sie die Thür und trat mit der Reisetasche in der Hand in das andere Zimmer; aber fast in demselben Augenblicke kamen hastige Schritte die Treppe hinauf und in der nächsten Minute wurde Cora von Herrn Beauclerc begrüßt. „Miß Cora!" rief er aus. „Sir wollen London doch nicht so plötzlich für immer verlassen?" Während er sprach, fiel fein Blick erst auf die beiden Männer, dann auf Coras Reisegepäck. „O doch . . . vielleicht aber nur auf kurze Zeit- Frau Digby ist leider nicht zu Hause. Sie lassen wohl Ihre Karte hier? ... Ich habe leider keine Zeit!" „Verzeihung! Aber mein Besuch galt mehr Ihnen," sagte er in enttäuschtem Tone, „und da die Veranlassung hierzu nicht gerade eine eigennützige ist, entschuldigen Sie wohl, wenn ich Sie bitte, einige Momente zu verweilen und zu hören, was ich Ihnen zu sagen habe." „Sie sind sehr, sehr gütig .... halten Sie mich nicht für undankbar," sprach sie mit zitternder Stimme, „aber ich . . - ich fürchte, daß ich nicht bleiben darf und all'Ihre großherzigen Bemühungen sind vergeblich, da ich gezwungen bin, zu gehen ... und zwar sofort!" „Sofort! . . . Gezwungen! . . . Und auf wessen Befehl, Miß Cora?" entgegnete er heftig. „Diese Leute hier können Ihnen doch unmöglich irgend welchen Zwang auferlegen, besonders wenn ich Ihnen Einige» mitzutheilen habe, was von Interesse für Sie sein dürfte!" (Forts, folgt.) Madame Sans (Seite. Roman »ach Victorien Sardou und F. Morroa». Deutsch von Adel« Berger. (Fortsetzung.) V. Die Belagerung von Verdun. Baron Lowendaal war es gelungen, die Entfernung, welche Crepy-en Valois von Verdun trennte, unbehelligt zu durchreisen. Sofort nach seiner Ankunft begab er sich in bas Stadthaus- Zwei große Angelegenheiten hatten ihn bewogen, sich dem Kriegsschauplätze zu nähern und sich in einer Stadt einzuschließen, die von einem Moment zum andern belagert werden konnte. Er mußte sein Vermögen liquidiren und die Kaution zurückverlangen, welche er der Stadt Verdun für ihre Tabakpflanzungen erlegt hatte- Auch eine andere ernste Sorge nöthigte den Baron, nach Verdun zu fahren. Er wollte am Vorabend seiner Hochzeit mit Blanche von Lavaline ein Verhältniß, das ihm jetzt unerträglich geworden und das bereits einige Jahre zurückreichte, loswerden. Er war in Verdun einem jungen Mädchen aus ehren- - 336 die er* Hafter Familie, aber ohne Vermögen, begegnet, das von Angers gekommen war, um ins Kloster zu treten. Fräulein Herminie von Beaurepaire hatte ihr Gelübde nicht sofort abgelegt, denn sie fühlte stch zum Klosterleben nur mittelmäßig hingezogen. Sie hatte sich in das Opfer ergeben, um ihren Bruder in Stand zu sitzen, feinen Rang in der Welt beizubehalten und sich eine Compagnie zu kaufen. Dem Baron von Lowendaal war es nicht schwer geworden, Herminie dem Kloster abwendig zu machen- Nach Paris zurückgekehrt, wohin ihn die Sorge um sein großes Vermögen rief, hatte er dort die arme Herminie bald vollständig vergessen, und von Liebe zu Blanche ergriffen, empfand er nur noch Gleichgültigkeit für die junge Frau, welche ihn in dem traurigen Hause einer alten, sehr reichen und sehr sparsamen Tante in abwechselnder Angst und Hoffnung erwartete- In dem Augenblick, als die Postchsise das Thor von Frankreich auf dem Wege von Chalos durchfuhr, fragte sich der Baron perplex, welche Erklärung er Derjenigen geben sollte, die sich noch immer als seine Frau betrachtete. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als kurzen Prozeß zu machen und Herminie zu bedeuten, daß sie nicht mehr auf ihn rechnen dürfe. Die Stadt befand sich in großer Aufregung, denn seltsamsten und widersprechendsten Nachrichten cirkulirte«. Er begab stch sofort zum Bürgermeister, dem er fern Ansuchen vortrug. m t Dieser antwortete, daß die Finanzen von Verdun schöpft seien und von irgend einer Wiedererstattung keine sRebactiott: A.^Schcyda. — Druck und Verlag der Brühl'ichen Universitats-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch & Mftjbn) 111 ®ießen' »Vor allem unsere Pläne . . -" „Er kennt sie nicht." „Das garantirt uns seine Treue. Geheimnisse, die man nicht kennt, werden am besten bewahrt-" „Und worüber soll er sich geschwätzig zeigen?" „Ueber die Nachrichten aus Paris — die Stadt in den Händen der Briganten, die königliche Autorität trotzdem stark, wegen des Herannahens der Armee des Kaisers von Oesterreich und der Truppen des Königs von Preußen bereit, die Macht wieder an sich zu nehmen, und im Begriffe, die Rebellen zu bestrafen." , 1£ ,,£ „Ist das Alles? Leonard liebte die Sansculotten nicht, er wird sich dieser Mission sehr gut entledigen." „Ihr Leonard kann hinzufügen, daß er aus sicherer Quelle weiß, daß 80000 Engländer soeben in Brest gelandet sind und auf Paris marschiren." „Und der Zweck dieser Alarmnachrichten?" „Soll die Entscheidungen rechtfertigen, die diese Nacht getroffen werden sollen-" „Wo?" „Hier. Die bedeutendsten Bürger der Stadt werden stch versammeln, um die Bedingung der Antwort, die man dem Herzog von Braunschweig geben muß, zu vereinbaren. Sie sind doch einer der unsrigen?" fragte der Bürgermeister. „ , ,,£ , , „Sie haben mein Versprechen — aber nicht wahr, auch ich das Ihrige wegen der Wiedererstattung meiner Caution?" „Unter Ehrenmännern, Herr Baron, gilt nur ein Wort," agte der Bürgermeister, indem er die Hand des Generalpächters drückte, , Die beiden Complicen trennten sich, der eine, um Leonard zu beauftragen, die Alarmnachrichten unter das Volk zu tragen, der andere um für den sich vorbereitenden Verrath neue geheime Anhänger zd rekrutiren. Auf der Etappe. "Auf der Straße nach Verdun marfchirlen die Freiwilligen von Mayenne-et-Lpire, begleitet, von einemMMementdes 13. leichtm KfantetiL-MgünKts, beb dem>WaMs Lefebvre als Lieutenant, doch mit den Funktionen eines Kapitäns diente, lustig und singend dahin. Begeisterung glänzte in ihren Augen, und der Wunsch zu siegen belebte die Herzen. Beim Durchschreiten der Dörfer, wo die Frauen, aus den Thürschwellen stehend, ihre Kinder wie bei einer Prozession in die Höhe hoben, sandten die Freiwilligen Kußhände. Den Männern versprachen sie zu siegen oder zu sterben, sie marschirten vertrauensvoll und kühn bei dem scharfen Ton der Querpfeifen, bei dem martialischen Rhytmus der Trommeln dahin- Die dreifarbigen Fahnen flatterten freudig im Winde. Alle hatten beim Verlassen ihres Heimathlandes ihren ganzen Besitz ihren Eltern geschenkt, indem sie erklärten, daß man sie bereits als tobt betrachten möge. Und diese Helden gingen mit Liedern auf den Lrpp« jenem Tode fürs Vaterland entgegen, der für sie, wie mR später sagte, das schönste, das beneidenswertheste Schicht war. (Fortsetzung folgt ) G-in-innützig-s. Fletsch-Pastete mit Gelee. Uebrig gebliebenes gebratenes Kalbfleisch oder Geflügel hackt man nebst einer ge- bratenen Kalbr milch und etwas frischem Speck recht fein uno würzt diese Masse mit einer in Butter geschmorten und dann klein gehackten Zwiebel, etwas Pfeffer und Thymian, einige Capern und gehackten Sardellen- Dann rührt man eine riet» Taffe kräftige Auflösung von Liebigs Fleischextract darunter, drückt die Masse in eine Form, bedeckt die letztere mit dem Dckel und läßt sie eine Stunde in kochendem Wasser tm Bratofen. Sobald die Masse erkaltet ist, stürzt man sie au, eine Schüssel und garnirt sie mit gehacktem Gelee-______ Rede sein könne. „Trotzdem," hatte der Bürgermeister, indem er eine geheimnißvolle Miene annahm, hinzugesügt, „trotzdem Herr Baron, ist noch Aussicht vorhanden, daß Sie Jhr Geld zu« rückbekommen." .° •■■■-' •’ ' ' - „Was für eine? Reden Siel" sagte Lowendagl lebhaft. „Wenn wir kein Geld haben, so, hat doch der Kaiser von Oesterreich welches,^suhAderMrgerWiPr fort. „Wenn nur der Friedeü austechteIMen und die 'Schrecken einer Belagerung dieser unglücklichen. StG erspart werden, so stehe ich sür Ihre EMW'M, Here Baron." Der Generalpächter zögerte einen Moment,' ehe. er antwortete. - / , ,, . Ein Kosmopolit, wie alle Finanzleute, lag ihm wenig daran, ob fein Geld vom König von Frankreich oder vom Kaiser von Oesterreich kam. Patriotische Skrupel ließen ihn daher nicht zögern. Er empfand gar keine Empörung, als er diesen Beamten von der Uebergabe der Statt an die Feinde reden hörte. , Der Baron fragte sich bloß, ob der Bürgermeister auch genügend informirt sei, ob er sicher war, daß Soldaten des Königs von Preußen und des Ka sers von Oesterreich, wenn sie einmal Herren von Verdun waren, die Stadt behalten gegen einen Angriff der Freiwilligen, die bereits unterwegs sein sollten, beschützen könnten, berechnete einzig und allein die Aussichten, welche der ihm vorgeschlagene Handel ihm bieten konnte. Er erkundigte sich über die Verstärkungen, die von Paris nach Verdun abgesandt sein sollten. „Sie werden zu spät kommen," saetr der Bürgemeister. „Dann bin ich Ihr Mann," sagte der Baron. „Schön. Sind Sie rasch von Paris gekommen? Haben Sie mit Niemandem gesprochen?" „Ist in Ihrem Gefolge vielleicht eine zugleich bUcrete und geschwätzige Persönlichkeit?" „Discret? Das heißt wohl, im Stande, ein Geheimniß zu bewahren?" „Und geschwätzig, das heißt im Stande, ein paar an- scheinend unbedachte Worte hinzuwerfen." „Jawohl, Leonard, mein Kammerdiener. Was soll er thun?" _____