MkrhaltmigMatt ?um Gießener AnMger (General Anzeiger). -Her* WmMKS KAWWi ;1lF4Wt r^WHW WMM ^MDz ^Esite EMWM? Sturmfluth. Roman von Em. Heinrichs. (Fortsetzung.) „Ja, komm' nur. Herzchen I" sprach Leonore laut. „Du wirst Dich erkältet haben. Ruhe ist das beste Heilmittel für Dich." „Wie? — Was?" rief der Hauptmann erschrocken. — „Meine Lisbeth ist doch nicht krank? Na, höre, Kleine, das wäre jetzt eine schöne Bescheerung für mich." Elisabeth bezwang ihre tiefe Erregung und lächelte ihn beruhigend an. „Es wird eine vorübergehende Nerven-Erregung sein," meinte der Rath. „Ja, natürlich," bestätigte Leonore, „Sie können ganz ruhig sein, Onkel Hauptmann! — Ich werde ihre Nerven schon wieder in Ordnung bringen. Und Sie, liebe Frau Rath, bereiten uns eine Tasse Thee?" „Gewiß, mit Vergnügen, in fünf Minuten soll er fertig sein." Die jungen Damen verschwanden in's Nebenzimmer, wo sie ungestört waren und es Leonorens tröstendem Zuspruch gelang, die Freundin zu beruhigen unv ihr Herz mit Muth und Hoffnung zu erfüllen. »Du sollst ihn sehen," sagte sie, „Papa soll für sich und un» Beide die Erlaubniß dazu erwirken. Unser Sanitätsrath behandelt ihn, der wird's leicht ermöglichen können. — Wenn nur Hamson frei wäre!" Elisabeth sah sie entsetzt an. „Großer Gott, Lore, man wird ihn jetzt erkennen und wenn er genesen sollte, den Deserteur bestrafen." „Lasse Dir darüber noch kein graues Haar wachsen, liebe Seele! Daß man ihn als den gestern Abend denuncirten und verfolgten Flüchtling erkennen wird, ist doch ganz selbstverständlich, hat aber unter den gegenwärtigen Umständen gar keine Bedeutung. Sobald fein Zustand jedoch eine Wendung zum Besseren nehmen und die Aerzte ihn außer Gefahr erklären sollten, muß etwas für feine Ehrenrettung oder für feine Begnadigung geschehen und damit müssen wir uns direet i an denZHerzog wenden.8 Bis dahin aber wollen wir die Hoffnung festhalten und der kräftigen Constitution unseres Helden vertrauen." Elisabeth drückte ihr dankbar die Hand und athmete tief auf, um den Alp, der ihr Herz belastete, gewaltsam abzuschütteln. Sie sah ein, daß sie handeln, aber nicht müßig trauern und verzweifeln mußte, und richtete sich entschlossen auf. „Wenn ich ihn pflegen dürfte," flüsterte sie, „ich würde ihn dem Tode abringen." „Ja, Theuerste, ich glaube jetzt selber an die Wunderkraft der Liebe," erwiderte Leonore mit ungewohnter Schwärmerei. „Weißt Du, Lisbeth," setzte sie plötzlich mit einer unverkennbaren Genugthuung hinzu, „daß die Spionin und Denunciantin bereits ihre grausamste Strafe erhalten hat?" „Er hat sie am Ende persönlich gerettet," rief Elisabeth erregt; „ja, das wäre allerdings für dieser rachsüchtige Wesen die härteste Strafe, um ihren Hochmuth, ihren verknöcherten Jch.Cultus grausam zu demüthigen." „Feurige Kohlen auf ihr schuldiges Haupt," sagte Leonore, triumphirend nickend, „ich gestehe, daß mich dieser Gedanke förmlich erquickt. Und war den Onkel Hauptmann anbetrifft, der den armen Willibald stets für einen Feigling er» klärt und für ewige Zeiten in Acht und Bann gethan hat, so gönne ich ihm diese Niederlage seines soldatischen Hochmuth» ebenfalls von ganzem Herzen, da er bald genug seinen wahren Namen erfahren wird." „Vor diesem Augenblick zittere ich, Lore!" „Weshalb? Ist es nicht ein Triumph für Dich, die stets treu zu ihm gehalten hat?" „Der Schlag wird zu unerwartet und deshalb zu schwer für den alten Mann sein," seufzte Elisabeth, „er wird ihn zerschmettern" „Dann soll mein Papa ihn daraus vorbereiten oder — na, wer ist denn jetzt drinnen?" unterbrach sich Leonore aufhorchend. „So wahr ich lebe, der Candidat Melchior! — Komm', Liebe, ich bin zu neugierig auf ihn —" Die Frau Rath trat mit dem Thee in's Zimmer und bat Elisabeth, hier zu bleiben und erst durch ein Täßchen ihre Nerven zu beruhigen, woraus Leonore sie in's Sopha niederdrückte, die aufmerksame Frau Rath lobte und sich rasch in 80 He Wohnstube zurück begab, wo wirklich der Eandidat, blaß und hinfällig, in einem Sessel saß. „Wie geht'« Ihrer armen kranken Schwester, Herr Can- didat?" fragte Leonore theilnehmend. „Danke, Fräulein, nicht zum Besten," erwiderte Melchior sehr gedrückt, „die arme Lucie hat sich, wie ich fürchte, den Tod in dieser Schreckensnacht geholt Hätte ich nur ahnen können, daß die Fluth eine solche Höhe erreichen würde! Aber Bernhardine lachte mich aus, als ich davon sprach, die Kranke vorher in Sicherheit zu bringen. Wir haben'«, so lange ich denken kann, ja auch noch nie so hoch gehabt und waren oben stets geschützt. E« soll deshalb kein Vorwurf für sie sein, Gott bewahre. Die Arme ist wie ausgewechselt und jetzt bestraft genug." Leonore tauschte einen raschen, bedeutungsvollen Blick mit ihrem Vater. Hatte der Candidat wirklich keine Ahnung davon, wer ibn und die Schwester gerettet? — Es schien so, da er jetzt die schreckliche Lage schilderte, in welcher er sich mit der bewußtlosen Lucie befunden, sowie die Ankunft des Retters, den er wie einen Erlöser begrüßt hatte. „War's ein junger Mann?" fragte der Rechnungsrath. „Nun, das ist doch selbstverständlich," warf der Hauptmann ungeduldig hin- „Ich kann's nicht sagen und wenn es mir das Leben kosten sollte," erwiderte Melchior mit einem wehmüthigen Lächeln. „Meine Lebensgeister waren dem Erlöschen nahe und nicht mehr im Stande, ein Interesse dafür zu haben. Mir war's gleichgiltig, wie unser edler Retter aursah, da der einzige Gedanke, der in meinem Gehirn umherkceiste, stch nur auf meine arme Lucie concentrirte." „Er rettete doch auch Tante Bernhardine und die anderen Bewohner Ihre» Hauses?" fragte Leonore weiter. „Jawohl, er hat alle Frauen auf seinen starken Armen durch'» Wasser getragen," bestätigte Melchior, sich allmälig an dieser Erinnerung erwärmend, „ein bewunderungswürdiger Mann! Wie ich gehört habe, ein Amerikaner, der leider bei dem letzten Rettungsversuch verunglückt ist" „Ja, so steht'» im Blatt," rief der Hauptmann, „es wäre ein Jammer, wenn er sterben sollte, bann freilich müßte die ganze Stadt ihm da» letzte Geleite und da» Militär ihm eine Ehrensalve in die Gruft geben, von Recht» wegen!" „Diese Gesinnung macht Ihnen Ehre, Hauptmann!" bemerkte der Professor. „Hoffentlich ist sie keine bloße Aufwallung de» Augenblick», sondern der Ausdruck innerer lieber* zeugung." „Gewiß ist es da», Professor! — Zum Henker, dieser Mann, mag er von Amerika oder vom Nordpol gekommen sein, gefällt mir und wenn'» die Aerzte erlaubten, würde ich noch heute zu ihm gehen, um ihm den Händedruck eine» Soldaten, der den echten Muth überall zu schätzen weiß, mit auf den letzten Marsch zu geben." „Vielleicht ließe stch da», wenn auch gerade nicht heute, noch ermöglichen," meinte der Professor mit zerstreutem Blick. „Alio Fräulein Bernhardine Melchior hat sich auch von jenem Fremden durch'» Wasser tragen lassen?" fragte er dann, sich wieder an den Candidaten wendend. „Ja, obwohl nur die völlige Unmöglichkeit, sich anders zu retten, sie dazu bewogen haben kann," erwiderte der Can- didat mit einem flüchtigen Lächeln. „Sie spricht nichts darüber, wurde aber heute bei der Zeitungsmittheilung von seiner Verwundung schneeweiß int Gesicht und wischte sich dann heimlich die Augen- Ich that, al» bemerkte ich'» nicht, sah aber deutlich eine Thräne herabtropfen, ein Ereigniß, da» ich seit beinahe zwanzig Jahren nicht an ihr erlebt habe." Ein kurze» Schweigen folgte diesen Worten- Der Hauptmann zerrte, vor sich hinstarrend, an seinem grauen Schnurrbart, da er sehr gut wußte, um wen jene letzten Thränen vor zwanzig Jahren geweint worden waren. Der Professor aber schien angenehm davon überrascht zu sein, während Leonore lächelnd an'» Fenster getreten war. „Nun, es erhellt eben wieder aus diesem Ereigniß, wie der Candidat es nennt," begann endlich der Professor, „daß ' wir es hier mit einem außergewöhnlichen Menschen, der selbst solche feuerfesie Herzen schmelzen kann, zu thun haben. Sie ober, lieber Candidat," setzte er, ihn besorgt anblickend, hinzu, „hätten doch wirklich besser daran gethan, sich ruhig im Bett zu verhalten, Sie sehen nicht gut au». Ihre Schwester hätte Sie nicht fortlassen sollen, ich begreife da» gar nicht von ihr." Wieder huschte ein Lächeln über Melchiors Gesicht. »Ich sagte es ihr, worauf sie nickte und mir durch den Kellner einen Hut besorgen ließ. — Ich glaube, daß sie gar nicht weiter auf mich geachtet hat." „Aber wie kann sie bei solcher Zerstreutheit Tante Lucie pflegen?" fragte Leonore, erschreckt nähertretend. „O, für Lucie ist sie die Alte, eigentlich viel sanfter und besorgter al» früher. Es ist erstaunlich und das reine Wunder." „Ja, gewiß," sprach der Professor sehr ernst, „das göttliche Wunder reinster Menschenliebe, die keinen Unterschied macht zwischen Freund und Feind. — Kommen Sie, Can- didat, wir bringen Sie in unserem Boot nach Hause oder vielmehr nach Ihrem Gasthof und dann sende ich Ihnen den Sanitätsrath." „Grüßen Sie meine Schwester, Professor," sagte der Hauptmann, „und beruhigen Sie die gute Seele Über unsere Lage, die bei so getreuen Nachbarn ganz behaglich ist. Auch besonderen Gruß an die Mama, Lore! — Wo ist denn Lisbeth?" setzte er unruhig hinzu. „Es ist doch nicht schlimmer mit ihr geworden?" „Nein, Papa, da bin ich," rief diese, aus dem Nebenzimmer tretend, „auch wieder ganz wohlauf. Ach, lieber Onkel Candidat, steht's wirklich nicht gut um Lucie?" „Mit Gottes Hilfe wollen wir das Beste hoffen, mein gutes Ämbl — Ich nehme Ihr Anerbieten an, Profeffor, mir ist wirklich nicht ganz wohl. Adieu!" „Adieu, Johannes, mach' keine dummen Streiche," knurrte Ehrhard, sich heftig räuspernd, „in's Bett mit Dir, Du leichtsinniger Knabe!" „Papa, darf ich mitfahren?" flehte Elisabeth. „Ich muß Tante Dorothea selber sprechen, sie wäre im Stande, herzukommen und stch ebenfalls eine gefährliche Erkältung zu holen. Du kennst ihren Eigenwillen." „Unsinn, willst mich hier allein lassen, Lisbeth!" „Sie sind nicht allein, Herr Hauptmann!" bemerkte der Rechnungsrath. „Pardon, Herr Nachbar, bitte auf mich, beziehungsweise auf meine Gegenwart keine Rücksicht zu nehmen," murrte der Hauptmann. „Ist ein verteufelt unangenehmes Gefühl, die häusliche Behaglrchkeit eines fremden Kreises stören zu müssen." „Herr Hauptmann," fiel der Rath ihm ruhig in’s Wort, „ich bin überzeugt, daß Sie diese nachbarliche Pflicht ebenfalls erfüllen würden." „Ganz recht, ganz recht, getreue Nachbarn und desgleichen, dieses Gebot darf nicht verletzt werden," erwiderte Ehrhard nachdenklich. „Uebrigens hast Du recht, mein Kind," setzte er bann rasch hinzu, „gehe mit zu meiner Schwester, bleib* aber nicht zu lange aus, Lisbeth!" „Nein, liebster Papa — ich komme mit einem ganzen Sack Neuigkeiten zurück." Sie küßte den alten Herrn und verließ mit Leonore das Zimmer. IX. „Na, endlich!" brummte der Professor, welcher bereits im Boote wartete. Sie fanden Tante Dorothea sehr niedergeschlagen und traurig. „Ach, Gott sei Dank, da bist Du ja, Elisabeth! Wie geht's dem Papa?" „Ganz gut, Tante, wir sind allerdings völlig überschwemmt, doch mit unseren Personen und Sachen oben in Sicherheit. Hast Du das heutige Blatt gelesen?" „Gewiß, — die Nachricht hat mich ganz zerschmettert; nun roirb’s auch bald herauskommen, wer er ist. — Ach, Kinder, wie retten wir ihn?" Tante Dorothea brach m Thränen aus. | „Selbstverständlich, Herr Professor!" „Nur ruhig, sagte der Professor, „er liegt ja für's erste I Sie entfernten sich nach kurzem Abschied. fest genug. Hoffen wir vor allen Dingen, liebe Freundin, „Tante," rief Elisabeth jetzt mit von Thränen erstickter daß er mit dem Leben davonkommt, dann ist sein Verdienst. Stimme, „er wird dort im Hospital unter fremden Händen conto immerhin groß genug geworden, um sein Soll und sterben. O, nimm ihn hierher, unsere Liebe wird ihn retten, Haben, zumal man auch mit der öffentlichen Meinung rechnen | ihn dem Leben zurückgeben." muß, Ezugleichen." I »Ach, liebes Kind, das wird nicht angehsn und von den „ ."Wenn ich nur wüßte, was man für ihn thun könnte," Aerzten nicht zugegeben werden," seufzte die alte Dame, sie klagte die alte Dame, sich die Augen t ocknend „Mein Him- trostlos anblickend. „Ein solcher Transport könnte ihn auf mel, lieber Professor, es wäre doch gar zu schrecklich, wenn j der Stelle tödten." der Arme nur heimgekehrt wäre, um hier zu sterben, ohne eins I „Aber wir könnten es doch versuchen." Aussöhnung erlangt zu haben." Die Tante schüttelte den Kopf. gesetzt und sogar den Entschluß gefaßt hat, ihm im Todesfälle ^tzt trotz seiner die letzte Ehre zu erweisen" I rettenden Thaten bestrafen könnte, Tante? Elisabeth trat hastig an's Fenster, während Tante Doro- unb ihm thea wieder in Thränen ausbrach. wohl mildernde Umstände, doch keine Begnadigung zugestehen, „Wenn er's nun durch das Blatt erfährt," klagte sie auf's ^lch«- einzig rn der Hand unseres Herzogs liegt. Vergiß Neue, „Kind, das überlebt er nicht. — Ist denn fein Freund, I auA ' wein Kmd, daß Willibald sich gegen die Militär- der Amerikaner, noch nicht frei?" ° I g^etze schwer vergangen hat, Mordversuch und Desertion, für In diesem Augenblick ertönte die Klingel. Leonore eilte welche niemals Gnade gewährt werden kann, wie mein Bruder hinaus, um zu öffnen, und fuhr mit einem leisen Schrei zurück, I m r ssenug -mseinandergesetzt hat." als der Amerikaner vor ihr stand. . . »Aber jener Mensch peinigte ihn bis zur Verzweiflung," „Wenn man den Wolf nennt, kommt er gereimt, soeben z 'P! Elisabeth leidenschaftlich, »Papa hätte damals für ihn sprachen wir von Ihnen, Herr Hamson!" sagte sie, ihm ver- ^treten, dem Herzog selber die Sache vortragen müssen. Er wirrt die Hand entgegenstreckend. that es nicht -" Er ergr>.ff sie und trat ein, die Thür hinter sich schließend , »Weil er es nicht durfte, fiel Tante Dorothea ruhig und glühende Küsse auf ihre Hand pressend. ein' »?ls. OsfiKr mußte er den vorgeschriebenen Weg gehen „Ich danke Ihnen, Miß Leonore, und würde doppelt unb b*b zuerst an den Oberst des Regiments wenden, glücklich sein, wenn Sie sich auch in Ihren eigenen Gedanken was er auch sofort gethan hat. Als echter und pflichttreuer mit mir beschäftigt hätten." konnte er ihn doch nicht entschuldigen, sondern nur die „Sie sind sehr neugierig, mein Herr," sagte Leonore, sich | A rI. ^kchtigstellen. Der Oberst, welcher bereit» seinen von ihm befreiend, „kommen Sie rasch, man könnte es drinnen I , abgesandt, versprach ihm, wie Du za auch hinlänglich ebenfalls werden. — Aber," setzte sie, sich wieder zu ihm ?°^engste Untersuchung der Sache, als die Flucht wendend, hinzu, „wissen Sie schon, was sich mit Willibald ^Unglücklichen eintrat, durch welche er jeden Anspruch auf ereignet hat?" I Milderungsgründe verloren hatte. Ach Gott," setzte die alte „Ich las es soeben in meinem Gasthof. Bin erst vor I ?ame' Thränen ausbrechend, hinzu, „ich konnte den armen einer halben Stunde aus der Haft entlassen worden. Das I °och nicht seinen Richtern ausliefern und ihn der sieht meinem Willibald wieder so recht ähnlich." | preisgeben, da ich überzeugt war, daß er sich alsdann Sie traten in's Zimmer, wo Hamson herzlich begrüßt I e ne b"rch den Kopf gejagt hätte." wurde. I „Obwohl sein Peiniger seinen Dienst guittiren mußte, „Weinen Sie nicht," sagte er im zuversichtlichsten Tone roaS schuld hinlänglich bewiesen -" zu der alten Tante. „Mein Freund Willibald ist aus zähem I .. »Aber Willibalds Vergehen nicht verringert hat," fiel Holze geschnitzt. Sollte man nicht zu ihm gelangen können, | hw Tante, sich gewaltsam fassend, ein. „Wir wollen UN» Herr Professor?" “ I darüber nicht streiten, mein Kind, sondern die Gegenwart, „Ich denke wohl, da zufällig mein Hausarzt ihn in der “e(?e 9e™8 Esteht, in's Auge fassen. Wenn er Behandlung hat " I sterben sollte, ist seine Schuld gesühnt. Mir liegt in diesem Der alte Herr warf bei diesen Worten einen forschenden | Falle vor Allem daran, meinen Bruder mit ihm auszusöhnen Blick auf Elisabeth, deren Augen mit flehendem Ausdruck I unb °em armen Jungen dadurch das Sterben zu erleichtern." auf ihn gerichtet waren. I „Tante, wir müssen ihn sehen," drängte Elisabeth in „Ach, könnte ich ihn hier bei mir pflegen," seufzte Tante | fieberhafter Aufregung, „wer weiß, wann der Papa mich Dorothea, „wer hat denn im Hospital ein Herz für ihn I I wieder fortläßt. Weshalb sollen wir, seine nächsten An- Aber sehen muß ich den armen Jungen, Professor!" . I gehörigen, auf den Professor warten? Ist es nicht unsere „Lisbeth und ich ebenfalls, Papa!" sprach Leonore I Pst^k, daß wir uns um ihn kümmern, uns seiner annehmen?" WCt0i™„ t .. . , n, , I „Aber wir denunciren ihn damit, siehst Du das nicht „Als ob rch darüber zu bestimmen hätte," erwiderte der I ei«, Elisabeth?" w Professor achselzuckend, „weiblicher Besuch wird schwerlich zu- I „Ach, Tante, als ob die Behörden nicht darüber sckon gelassen werden. Vielleicht mag bei Tante Dorothea eine I im Klaren wären. Hätten sie denn sonst den Amerikaner Ausnahme stattfinden, was ich wenigstens versuchen will. I freigelassen?" Es müßte denn sein, daß sich eine von Euch beiden als seine I Sie holte Mantel und Hut der alten Dame, die jeden Verlobte declar rte." Widerstand aufgab, hüllte sie warm ein und verließ mit ihr könnte ja auch seine Schwester sein," bemerkte I das Haus, um sich sofort nach dem Krankenhause zu begeben, Elisabeth mit gepreßter Stimme. I wo sie den Sanitätsrath Kleemann, den ersten dirigirenden --''Tnmit wäre alsdann seine Persönlichkeit sofort fest- 1 Arzt der Anstalt, jetzt sicher finden konnten. SlbieM! 6ie Gleiten mich, Herr Hamson?" \ „Nein, wen meinst Du?" 32 „Bernhardine Melchior ging soeben an uns vorbei, sie sah tatsächlich aus wie das böse Gewissen." „Nun, wenn Willibald sie gerettet hat, wird sie mit ihrem Gewiffen einen schweren Stand haben," bemerkte Tante Dorothea, „es ist ein eigen Ding damit und läßt sich weder beschwichtigen noch verspotten. Es besiegt schließlich den hoch« müthiasten Pharisäer und den verknöcherten Selbstling. (Fortsetzung folgt.) Neber das Heirathen. Gott der Herr sprach: „Es ist nicht gut, daß' der Mensch allein sei." Die Ehe ist also eine göttliche Stillung. Jeder Mensch hat von Natur aus die Bestimmung in sich, mit einer Gefährtin oder einem Gefährten dies kurze Erdenleben ru durchwallen und wer diese Bestimmung verfehlt, hat theil- weife den Zweck des ganzen Leber s verfehlt. Dieser Satz gilt aber weniger vom männlichen als vom weiblichen Geschlechte. Ein Mann kann auch unverehelicht in Glück und Zufriedenheit sein Leben beschließen; denn er findet überall seinen Beruf: in der Werkstatt, am Pfluge, im Staatsdienst, in der Schulstube, im Militärdienste, im Kaufmannsstanöe und im Fadrtksaal. Anders ist es beim Weibe. Das Loos einer Jungfrau ist grundverschieden von dem eines unver- heiratheten Mannes: ihr sind Inder nicht so zahlreiche und manigfaltige Bahnen für ihre Thätigkeit geöffnet. Der natürliche und einzige glückliche Beruf des Weibes ist, eine liebende Gattin, erheiternde Erzieherin der Kinder zu sein. Darum ist es auch natürlich, wenn der innigste Wunsch einer leben braven Jungfrau dahin geht, einen tüchtigen Mann zu bekommen. Leider müffen heutzutage immer mehr und mehr wohlerzogene, ehrenwerthe Töchter, wenn sie nicht das Glück haben, von Haus aus reich zu sein, auf die Erfüllung dieses Wunsches verzichten. Neben dem eigenthümlichen Umstande, daß überall das weibliche Geschlecht an Zahl das männliche bei Weitem überwiegt und somit ein für dis Heirathscandi- datinnen ungünstiges Verhältniß besteht, macht sich feit Jahren bei den Männern eine sichtbare Unlust zum Heirathen bemerkbar. Woher diese Erscheinung? , Den hauptsächlichsten Grund, weßhalb viele junge Männer vor der Ehe zurückschrecken, haben wir in den ver- s Glimmerten sscialen Zuständen zu suchen. Diese,spitzen sich gegenwärtig so zu, daß der Mittelstand mit mathemati cher Genauigkeit erdrückt werden muß. Ist es ja jetzt auch schon dem fleißigsten und strebsamsten Arbeiter fast unmöglich, es auf einen grünen Zweig zu bringen I Der unbemittelte, gering besoldete Mann hat, wenn er heirathet, die sichere Aussrchi, so lange er lebt, Tag für Tag zu sinnen und zu sorgen, zu darben und zu hungern, um seine Familie durchzubringen, um seine Kinder zu Bürgern heranzuzieh en, denen später da» gleiche harte Loos wieder zu Theil wird. Wer will auf einen jungen Mann, der Angesichts einer solchen trüben Zu- kunst auf den Ehestand verzichtet, einen Stein werfen? — Ein fernerer Beweggrund zur Ehelosigkeit ist die große Anzahl der unglücklichen Ehen. Blicken wir um uns her, - wie selten find wahrhaft glückliche Ehen, von denen man sagen könnte, sie find ein irdischer Himmel! Wie zahlreich dagegen sind die Ehen, in denen Gleichgültigkeit, Ueberdruß und Uneinigkeit herrschen! Ja, schon mancher verständige Jüngling hat beim Anblick solcher Ehen den Muth verloren, selber eine einzugehen. Und nun, liebe Leserin, werde mir nicht zornig, wenn ich den größten Theil der Schuld an diesen Ehen auf Dein Geschlecht schiebe, resp. der verfehlten Mädchenerziehung. „ _ Die heutige Erziehung der Töchter ist mancher Orts auf schiefe Ebene gerathen und dazu angethan, die jungen weiblichen Gemülher schon in den ersten Jahren zu Grunde zu richten- Um ihnen Männer aus einem besseren Stande zu verschaffen, bildet man sie für eine Stellung im Leben aus, die sie selten oder nie erreichen. Indem man sie lehrt, sich schön zu kleiden, reizend zu tanzen und zu singen, auf dem Klavier zu klimpern und recht manierlich zu thun, werden sie verbildet und für das wirkliche Leben unpractisch gemacht. Sie können nicht kochen und putzen, nicht waschen und flicken, haben überhaupt keine Idee von der Führung einer Haushaltung. Welcher verständige junge Mann mag einer solchen Gestalt die Hand zum ewigen Bunde bieten? Und, wenn dennoch manche dieser thörichten Jungfrauen au» leiden- fchaftlicher Liebe, oder, weil sie einen großen Capitalstock besitzt, zum Mare geführt wird, ist es zu verwundern, wenn sich nach kurzer Zeit der Mann enttäuscht und unglücklich fühlt? Es brauchen bei einem solchen Paare nur noch Na- rungssorgen dazu zu kommen, welche es dem Manne fast unmöglich machen, den Ansprüchen der Frau Genüge zu leisten, so ist der gänzliche Ruin des ehelichen Glückes unvermeidlich. Auch in der Armuth giebt es glückliche Ehen, aber überall, wo diese zu Hause sind, finden wir eine bescheidene einfache Frau- Diese ist die Trägerin des ehelichen Glückes. Wenn Ihr also, liebe Leserinnen, wünscht, daß die jungen Männer wieder mehr Lust und Liebe zum Ehestande bekommen, so macht Euch selber zuerst wieder begehrens» werther, d, h. verbessert, was an Eurer Erziehung gefehlt wurde. In diesen Bestrebungen dürften folgende Gedanken vielleicht der Beherzigung werth sein : Eine Jungfrau, die nicht den Muth fühlt, jede, auch die drückendste Lage mit ihrem Gatten zu theilen, soll nie heirathen ; denn keine Familie ist sicher,. daß sie nicht in Noth und Elend kommt- , „, Eine würdige Jungfrau ist nie kokett. Eine kokette Jungfrau reizt, gefällt auch wohl, aber feffelt niemals dauernd. Wenige lieben die Tulpen, alle das Veilchen. Die Kleidung einer verständigen Jungfrau fei ohne Luxus- Einfachheit und Reinheit sind die einzigen Grundpfeiler der Frauentoilette, auch da, wo sonst die finanziellen Verhältniffe größere Ausgabe erlauben würden. Eine schöne Jungfrau ohne ein edles Herz gleicht einer Blume ohne Geruch; man betrachtet sie flüchtig, flückt sts aber nicht. Sie gleicht ferner einem äußerlich fchönen, jedoch schlecht gebauten Hause; dem Vorübergehenden gefällt es, den Besitzer bringt es ins Unglück. Heirathe eher einen Mann, den Du mehr achtest, al« liebst; verbinde Dich nie mit einem, den Du nur liebst, ohne ihn wahrhaft achten zu können- Nur mit einem character« festen, tüchtigen Manne, wenn er auch eine harte Schale hat, kannst Du dauernd glücklich sein- Bist Du verheirathet, so denke, daß der Ehestand einem Mühlenwerke gleicht. Gut mahlen nur ein harter und ein weicher Stein. Der Natur der Sache nach muß der Mann der harte Stein fein; sei Du darum weich. Gehe als junge Frau nie darauf aus, der Welt zu gefallen ; die Neigungen und Wünsche Deines Mannes seien für Dein Thun maßgebend. Eine Frau, die fremden Männern mehr als dem ihrigen gefallen will, gleicht jener thörichten Schäferin, welche fremde Schafe fütterte und die ihrigen aber, die ihr Kleidung und Nahrung gewährten, vernachlässigte. - Beklage Dich bei Niemandem, selbst nicht bei Deinen Eltern, über Deinen Mann. Thust Du das, so gibst Du dem Eindringen fremder Gestalten Raum» welche nicht selten vernichtend auf die sonst so nothwendtge Harmonie und Einigkeit wirken. Bemerkst Du, daß Dein Mann am^Trinkeri, Spielen und Kegeln Vergnügen findet, so mache ihm, wenn nämlich diese Liebhabereien übertrieben werden, ernste Vorstellungen; Schmollen, Zänkereien und heftige Auftritte, würden Alles verderben. Verlange von Deinem Manne nicht, daß er nach des Tages Arbeit immer bei Dir sei. Der Mann muß gesellschaftliche Berührung haben, sonst versauert er, und damit ist Dir und der Familie auch nicht gedient. Slebactiou: A. Schcyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei ($r. Ehr. Pietsch) in Eichen.