is»5. ftl Dienstag den 16. Inti V'r- y^y •• yy üiKihcKbkdk'r isköner UnterhaltungsblaN Mi Güßener Anseiger ((tzenrnü AiiMger). tijgggjp Die Tochter des Meeres. Äewm w* 8. St«eie. (y - —< > ' " „Mama, ist es nicht zu sonderbar, daß Jeder von dem Mädchen ganz entzückt zu sein scheint?" rief Triffa ärgerlich aus, sobald sich die Thür hinter dem Herzog geschlossen hatte. „Du stehst, daß der Herzog nur ihretwegen und nicht meinet» wegen kam. Ich wünschte, er hätte sie nie gesehen. Nicht weil ich sie nicht leiden könnte, aber es ist doch zu ärgerlich, daß mit ihr so viel Wesens gemacht wird." „Beruhige Dich, mein Kind," versetzte die Mutter tröstend. „Ich gestehe, daß ich sehr die Unvorsichtigkeit bereue, die Cora in unser Haus gebracht. Aber das läßt sich nicht un- geschehen machen und wir müssen suchen, es möglichst zum Guten zu wenden-" „Aber wie, Mama? Wie?" fragte Triffa ungeduldig. „Wir müffen eine Gesellschaft geben," versetzte Frau Digby, „bei welcher Cora in ganz paffender Weise erscheinen soll, aber doch mehr Deiner Persönlichkeit angemessen. Verstehst Du mich, Kind?" „Keineswegs!" entgegnete Trissa gereizt. „Wenn Du beabsichtigst, ich solle Cora in des Herzogs oder auch in des Onkel« Augen in den Schatten stellen, so bist Du sehr im Jrrthum." „Wohl möglich!" sagte die Mutter. „Doch wir müffen das zu ändern suchen. Was meinst Du zu einem kleinen Lheaterspiel, in welchem Du und Cora die Hauptrollen übernehmen ?" „Mama, wo denkst Du hin?" erwiderte Triffa aufgeregt. „Höre mich an, Kind ... ich habe mir die Sache reiflich überlegt und bin auch schon wegen de» Stücke» mit mir im Klaren. Ihr spielt die Elfenpartie aus dem Sommernachtstraum. Du stellst Titania und auch Helene dar, da hast Du volle Gelegenheit, Deine Talente zu entfalten, und Cora kann Hermina übernehmen; wenn Du da die Situation nicht benützest und nicht eines Jeden Herz und Bewunderung gewinnst, ist es Deine eigene Schuld, denn dafür will ich sorgen, daß die Costüme, sowie Alles, was dazu gehört, tadellos ist." „Wer sollen die mitspielenden Herren sein?" erwiderte die Tochter. „Du wirst doch nicht wollen, daß ich mit einem mir ganz gleichgültigen Menschen spiele?" „Nein, nein ... ich werde mein Möglichstes thun. Für Cora werde ich -Herrn de Bettune bitten und für Dich will ich Sir Claud Wilmot aufford.ern . ... der paßt ganz gut. dazu/des'Herzogs Eifersucht zu erregen, im Falle er doch an Dich denken sollte. Und die übrigen Rollen können Dein Bruder und einige seiner Freunde übernehmen. E» bedarf nur noch Deines Onkel» Einwilligung, sobald ich mir überlegt habe, wie ich da» Speise» und Bibliothekzimmer in ein Theater umwandle und Eure Costüme gewählt habe." „O, Mama, da» kann ich rasch allein arrangiren," rief Triffa eifrig. „Für Titania möchte ich Silbergaze und einen blauen Shawl haben und zu einer Krone gibst Du mir da« Brillantdiadem, das Du mir versprochen hast, wenn ich mich verheirathe ... und für Helena ein schwarzes Sammetcostüm und meinen Perlenschmuck und nur weiße Rosen in's Haar. Das sind zwei reizende, gänzlich verschiedene Costüme, die mir Beide herrlich stehen werden." „Anspruchsvolles Mädchen!" sagte sie halb vorwurfsvoll. „Deinem kostspieligen Geschmack nach bist Du allerdings zu einer Herzogin geboren. Doch dieses Mal will ich Dir freie Hand laffen. Nur bedenke, daß, wenn Du Deinen Zweck nicht erreichst und das viele Geld vergeudet worden ist, Du die großen Ausgaben in den nächsten Monaten durch Sparsamkeit wieder einzubringen suchen mußt." „Da» wird sich ja finden, Mama. Wozu wollen wir uns damit im Voraus Sorgen machen?" entgegnete Triffa munter. „Aber was soll Cora tragen? Jedenfalls wird ste Dir doch die Entscheidung darüber erlaffen und Du wirst sie an Eleganz doch nicht mir gleichstellen wollen?" Frau Digby überlegte einen Augenblick. „Was meinst Du dazu, wenn sie grün trägt? Es kann ja recht nett arrangirt werden, doch grün ist, glaube ich, die Farbe, die sie am wenigsten gut kleidet?" „Ich glaube, Du hast Recht. Das ist die beste Farbe für Cora." Die Vorbereitungen zu der Theatervorstellung waren in vollem Gange und Frau Digby» Programm wurde genau durchgeführt .... mit einer einzigen Ausnahme: Herr de Bettune fehlte unter den Mitwirkenden, er hatte abgelehnt. Sjutt Und als Herminas Rolle kam und Cora» edle Gestalt auf die Bühne trat, genügten wenige Minuten, um den Unterschied zwischen Cora» Talent und Triffa» Spiel zu bemerken. Die ruhige Anmuth, da» Natürliche und die Kraft, die sich in jedem Blick und jedem Wort Cora» ausdrückte, wurden sofort von der Zuhörerschaft anerkannt. Als der erste Act zu Ende war, lief ein unwillkürliches Gemurmel des Beifalls durch die Menge und am Schluß der Vorstellung erscholl ein allgemeiner Ruf: Herminal Erst auf wiederholtes Bitten erschien Cora vor dem Vorhang und als sie sich mit ihrer gewohnten Ruhe und Be- „Sie haben doch nichts dagegen, mir Ihr Alter zu nennen soweit dasselbe Ihnen selbst bekannt ist?" fragte er. „Ich werde Ihnen gleich erklären, was mich zu meiner Frage ver- erlaubt nähern. .,. ,,.rw6i Aber eine unbestimmte Neugier, wenn nicht tiefe - edleres Gefühl, trieb sie, diese peinliche Unterredung zu Da übernahm ein alter Schützling von Sir Fulks die ihm zugetheilte Rolle ... ein Herr Beauelerc, der schon als Jüngling unter des Admirals Befehl einige Zeit zur See ge- wefen, dann aber in den Besitz eines genügend großen Vermögens gekommen war, um von seinen Renten leben zu können. „Miß Cora," bemerkte Herr Beauelerc während der Generalprobe, „Sie scheinen wenig Lust zu Ihrer Partie zu haben? Wollen Sie nicht Ihr Möglichstes zur Vorstellung Ein halb spöttisches Lächeln spielte um Coras Lippen. „GewißI" entgegnete sie. „Ich möchte nicht schlecht spielen. Man soll nicht von mir glauben, ich verderbe Alles, was ich unternehme . . . doch Comödie spielen ist Verstellung und man sollte sich nicht so viele Mühe geben, Unwahres wahr erscheinen zu laffen." t Herr Beauelerc schüttelte den Kopf und erwiderte: „Wir sollten zu stolz auf unsere großen Dichter sein, um so etwas lu sagen, Miß Cora. Wir geben der Wahrheit und Wirklichkeit nur Leben. Zeigt uns nicht das Stück, das wir lauf- führen wollen, die Welt genau so, wie wir sie täglich finden ? „Rein!" sagte sie kühl. „Was nützt es, wenn das Herz nicht vertrauen kann? Ich glaube an keine Zauberkraft; d e unfehlbare Sympathie verwandter Herzen ist es, die sie wie mit von Gott gesandter Liebe aneinander feffelt." Coras Blicke entsprachen vielleicht der Empfindung, die sich in ihren erregten Zügen ausdrückte, aber ihre Lippen bewegten sich nicht mehr, denn in dem Augenblicke näherten sich ihnen Sir Claud Wilmot und Triffa in lebhafter Unterhaltung und machten dem ernsten Gespräche der Beiden ein Ende. scheidenheit verneigte, vergaß der Herzog von Dunbar fast über die Bewunderung, die er ihrem Spiele zollte, zu applaudtren. Frau Digby war wüthend über diesen Mißerfolg und fing an, Cora zu Haffen. „Ich habe mir doch gewiß ein Recht dazu erworben, Sie heute Abend zu Tisch zu führen, Miß Cora," sagte Herr Beauelerc, als die Gäste sich in den Salon begaben- „Ver« gefielt Sie nicht, daß ich Sie nicht dem Herzog überlasse, der, wie ich sehe, in sehr verdachterregender Weise auf «ns z«, steuert." „Ich bin Ihnen sehr dankbar," erwiderte Cora heiter. „Und warum, wenn ich fragen darf?" fagte er, indem er ihr den Arm bot. „Sie wissen nicht, daß ich ein Findelkind bin," erwiderte sie, „und daß ich meinen Namen dem Ort verdanke, wo ich gesunden wurde?" „Und der hieß?" fragte er eifrig. „Das Meer bei Santa-Crux. Ich war die einzige Ueber- lebende bei einem Schiffbruch daselbst und wurde von den dortigen Bewohnern als kleines Kind gefunden. Sie zogen mich auf, bis ich acht Jahre alt war, dann wurde ich einem Seemanns übergeben, der Mitleid mit mir hatte, mich mit fort nahm und in seine Heimath zu seiner Mutter brachte. Das ist meine Lebensgeschichte. Daraus ersehen Sie, daß ich ein Mädchen bin, das von der Barmherzigkeit Fremder abhängt." Herr Beauelerc machte nicht die Einwendung, die man vielleicht erwartet hätte. Er war einige Augenblicke nachdenklich und zerstreut; dann wandte er sich mit einem halb um Entschuldigung bittenden Lächeln wieder Cora zu. Die Vorbereitungen für die Theateraufführung waren vollendet. Die beiden Heldinnen waren in vollem Costüm und i Maßt."' 4 „ E Beginn der Vorstellung bereit und Frau Digby maß sie I Ich halte mich für ungefähr achtzehn Jahre/ sagte fie. mit einem flüchtigen Blick, als sie an dem Zimmer vorüber- I „Wenigstens sind seit dem Schiffbruche sechzehn Jahre ver- iLritt und ihren Pflichten als Wirthin nachging. j gangen und damals muß ich ungefähr zwei Jahre alt ge* Triffas Aussehen entsprach völlig den Erwartungen. | wesen sein." „ _ , Wenn ihr Spiel ihrer Schönheit gleichkam, mußte die Vor- „Es ist sonderbar, sehr sonderbar-"sagte,Hen-Beauäerc. ^lluna Erfolg haben. „ „Wenn dem so ist, kann das fragliche Schiff kein anderes al» Neben ihr stand Cora, aber die Farbe ihres Costüms, I ber „Zephyr" gewesen sein. Ich selbst war damals kurz nach die sür ihren brünetten Teint so unvortheilhaft, war geschickt jenem Unglück in Santa-Crux und ich erinnere mich noch genau, durch eine Wolke schwarzer Spitzen gedämpft, die ihr ein wenig die Eingeborenen von einem Schiffbruch sprachen und das Aussehen einer Spanierin gab. Ihr schwarzes Haar war I auch, daß ein Dampfer dieses Namens zu derselben Zeit ver in sehr phantastischer Weise arrangirt und von einem goldenen ! schänden war. Haben Sie wirklich keine Ahnung davon, Pfeil gehalten. , . ! wer Ihre Eltern waren?" Triffas blendende Anmuth konnte wohl sür eine kurze „Nicht die geringste," entgegnete sie traurig. Zeit die Augen der Gäste anziehen, aber hin und wieder man- „Es muß sich doch ein Ausschluß dasür finden laffen, betten dieselben zu der klassisch-schönen Gestalt neben ihr und bemettte er. „Warum sollte es nich möglich sein, selbst -etz rweiselhaft würde die Palme der etnsacheren Toilette und der noch eine Liste der Paflagiere zu erlangen? Wenn Sie mtl flohen Haltung der Unbekannten zuerkannt worden sein. j erlauben, werde ich selbst mit Sir Fulke darüber reden. Frau Digby verstand sich auf Schönheit. Sie bemerkte I „Sie sind sehr freundlich," sagte sie. es mit einem Blick, aber jetzt war er zu einer Aenderung zu spät. War Cora eine gute Schauspielerin, so war der ganze XLVIU. Plan vereitelt. „ Lady Marian Biddulph hatte den Beschluß gefaßt, New Der Herzog von Dunbar folgte der kleinen Aufführung j «aro aufzusuchen. Sie zog den Shawl fester um ihre Schu- mit großem Jntereffe und mit geheimer Freude errieth er den tern unb eilte ihrem Ziele zu. Aber als sie den Eingang s Verlauf der verunglückten List. I Villa erreicht hatte, blieb sie stehen, theils um wieder zu AM Die Aufführung begann. I zu kommen, theils um zu überlegen, was sie zunächst lM Triffa wär reizend — das unterlag keinem Zweifel — I coHte Zie war zu stolz, um die Besitzung des Grafen Trevm aber es fehlte ihrem Spiel die natürliche Frische, Geist und I Einstich zu betreten oder seine Nichte, die unter seinem Schutze stand, ohne sein Wiflen zu besuchen. Sie zog mit fester Hand an der Thorklingel. „Ist Lady Emily Faro zu Hause?" fragte sie den Diener. „Lady Emily ist ausgefahren, aber der Herr Gras t|t zu Hause. Wollen Sie ihn sprechen, Miß?" Die Angeredete schwieg einen Augenblick. Sie war Gral Treville völlig fremd. Sie hatte viel von seinem wunderlichen Wesen gehört und nun sollte sie sich ihm ungebeten und un tu in de R T de ho öf L S ei er ir ti zr rr if w se L 9 d st g d b d f d E b i r v n l f k h 9 s t i s 1 331 „Run denn, so will ich Graf Treville sprechen," sagte sie tU^9’,2ßett darf ich melden, Miß?" Ladn Marian Biddulph." Nach wenigen Minuten wurde die Erbin von Biddulph in das Bibliothekzimmer geführt. Es war leer und Marian hatte Muße, die Umgebung des wunderlichen Grafen zu betrachten. Da waren Bücher, Bilder und Büsten, die in solchen Räumen selten fehlten, aber als Marian einen Blick auf den Tiick warf, der mit den verschiedensten Studiengegeuständen des Grafen bedeckt war, bemerkte sie ein kleines Album, das halb verborgen unter einigen anderen Büchern lag. Ein vielleicht tadelnswerther Trieb veranlaßte sie, es zu Es enthielt höchstens ein Dutzend kleiner Bilder, kleine Landfchaften und Personen, die sie seltsam fesielten. Dem Strauchwerk und den Bäumen nach waren es Gegenden aus einem fremden Lande, und die Gesichter hatten durchaus keinen englischen Typus. Und doch schienen Sie Lady Marian an irgend etwas ihr Bekanntes zu erinnern und voll Eifer be- trachtete sie dieselben, um sich womöglich in's Gedächtniß zurück« zurufen, wo sie dieselben schon einmal gesehen hatte- ES war eine weibliche Gestalt, die zwischen üppigem Buschwerk saß ... - aber Lady Marian konnte sich keiner Dame ihrer Bekanntschaft entsinnen, die so schön wie diese gewesen wäre. Nur Cora war ebenso brünett. Die anders Gestalt war ein junger, eigenthümlich aus« sehender Mann. Er war vielleicht nicht ganz so hübsch wie Lord Faro, aber doch erinnerte sie ein gewisses Etwas an Nettas verstorbenen Vater; und sie war fest überzeugt, daß das Bild den Grafen Treville in seinen jungen Jahren vorstellte. Und wenn dem so war, wer war dann die hübsche Gefährtin in seiner Einsamkeit? Lebte sie nicht mehr in dieser Welt und war ihr Tod die Erklärung für die wunderlichen Gewohnheiten des alten Junggesellen? Kaum war dieser Gedanke Lady Marian in den Kopf gefahren, als die Thür sich aufthat und eine Gestalt eintrat, die sie sofort als das Original des Bildes erkannte. Der Eingetretene verneigte sich mit einer Eleganz, die bewies, daß er nicht das vornehme Benehmen verlernt hatte, das einst feine zweite Natur gewesen war. „Darf ich fragen, womit ich Lady Biddulph dienen kann?" fragte er in einem Tone, der einige Verwunderung über den Besuch verrieth. Die so Angeredete gerieth fast in Verlegenheit, als sie dem kalten, verwunderten Blick des Grafen begegnete, doch ihr Stolz kam ihr rasch zu Hilfe und ruhig erwiderte sie: „Ich brauche mich wohl nur mit meinem Namen bei Ihnen einzuführen. Sie werden sich erinnern, daß unsere Wohnung nicht weit von Villa Faro war und. daß eine entfernte Verwandtschaft zwischen unseren beiden Familien besteht." Lord Treville verneigte sich und sagte kalt: „Ich glaube mich dessen zu erinnern; ich bin aber so lange fern von England gewesen, daß mir die Familienverhältnisse allerdings etwas fremd geworden sind." „Jedenfalls wird es meinen Wunsch erklären, meine Bekanntschaft mit Ihrer Nichte, Miß Netta, zu erneuern. Deshalb komme ich heute hierher." „Ich glaubte, Sie wünschten mich zu sprechen, Lady Marian," sagte der Graf. „Ich bedauere, daß mein Diener so einfältig war." „Durchaus nicht, Mylord! Ich fragte nach Ihnen als dem Herrn im Haufe und Miß Nettas Vormund. Ich will mich nicht ohne Ihre oder Lady Emilys Erlaubniß Ihrer Nichts nähern." Da zeigte sich auf des Grafen Gesicht ein Ausdruck halb der Bewunderung, halb des Zweifels. „Weshalb zweifeln Sie, ob Sie willkommen sind, Lady Marian?" fragte er- „O, woher sollte ich wissen, wie Sie darüber denken?" „So halten Sie mich für eigensinnig-und launenhaft?" fragte er mit fpöttischem Lächeln. „Ich kann nur dem Scheine nach urtheilen," entgegnete Lady Marian. „Sind Sie so unfehlbar in Ihrem Urtheil?" rief er gereizt- r, . „In manchen Dingen . . . ja," lautete die unerschrockene Antwort. , ,, , „Und doch fühlten Sie sich verpflichtet, meine Erlaubniß einzuholen?" „Das war ich Ihnen fchuldigl" „Jedenfalls besitzen Sie Verstand, wenn Sie vielleicht auch hochmüthig und eigensinnig sind," fagte der Graf- „Und das ist sicher eine Eigenschaft, die nicht Viele Ihres Geschlechtes besitzen. Außerdem sind Sie auch keiner Täuschung fähig, da Sie Ihren eigenen Wünschen nicht folgen wollten, ohne das Recht dazu zu besitzen, wie Sie es nennen . . . Netta besitzt wohl schwerlich Ihre Eigenschaften, Lady Marian, und wenn es auch nicht so leicht sein mag, mit Ihnen zu verkehren, so würde ich ihr doch eine Natur wie die Ihrige vorziehen. So weit ich darüber zu entscheiden habe, sehe ich es gern, daß Sie Ihren Einfluß so viel als möglich bei Netta geltend machen." „Ich verstehe Sie kaum, Mylord," erwiderte sie hastig. „So? Dann sind Sie weniger aufrichtig oder weniger fchlau, als ich glaubte." „Mylord, ich bin nur meinem Vater und meinem eigenen Gewissen verantwortlich," sprach sie stolz, während sie sich der Thür zu wandte. Und mit anmuthiger, aber stolzer Verneigung des Kopfes näherte sie sich der Thür, welche der Lord Graf Treville ihr diensteifrig öffnete. „Ich hoffe, wir werden Freunde werden, Lady Marian, sagte er, indem er ihr die Hand reichte. „Es ist ein sonderbarer Anfang, aber wir werden in unserem späteren Verkehr nicht vergessen, daß dasselbe Blut in unseren Adern fließt." „Sie ist ein vornehmes, geistreiches Mädchen," dachte er, als die Thür sich hinter ihr schloß. „Sie gefällt mir. Gegen ein solches Mündel würde ich, wenn es fein müßte, nichts einzuwenden haben- Man sollte meinen, daß ein Mädchen wie sie Nettas bald überdrüssig sein müßte. Ach, wenn ich eine solche Tochter hätte, ich würde den Mangel eines Sohnes, der die Ehren unserer Familie erbte, gar nicht beklagen." Er sah in das Album, das Marian vor Kurzem betrachtet hatte, und versank in tiefes Nachdenken. (Forts- folgt.) Madame Sans Gone. Roman »ach Bietorien Sardou und F. Morre««. Deutsch von «del» »«tgt«. (Fortsetzung.) Stets von dem Gespenst der Familie verfolgt, und stets das traurige Phantasiebild vor Augen: feine Mutter Lätitia, umgeben von einer zahlreichen Ktnderhorde, vor einem immer erloschenen Herde und einem oftmals leeren Speiseschrank, schreckte Bonaparte vor der Verantwortlichkeit zurück, die er übernahm, indem er sich zum Oberhaupte der Familie erklärte. Vor allem quälte und beschäftigte ihn die Zukunft seiner drei Schwestern. Er sehnte sich mit Ungeduld, sie versorgt zu sehen, und suchte überall Gatten für sie. An diesem Tage war er Hoche begegnet, und er wäre nicht böse gewesen, wenn er der jungen Pensionärin von Saint-Cyr gefallen hätte. Hoche war bloß Kapitän, aber es war vorauszusehen, daß er dabei nicht stehen bleiben würde. „Ein Mann soll sich nicht verheirathen, so lange er Kapitän ist," murmelte er gereizt vor sich hin. „Aber Mädchen ohne einen Heller, was haben die zu riskieren?" Dann fuhr er fort, als fetze er eine geheime Berechnung fort, die er im Herzen machte:-„Ein Kapitän hat Recht, sich zu verheirathen, wenn er eine angenehme, wohlhabende, ei « flußreiche Frau findet, die ihm Verbindungen schafft, ihm ■■ 882 "• wwwwe*»»» «w*< «>->>» * " **"' eine Situation, einen Rang in der Welt zu geben g vermag. Aber bann darf er sich nicht an junge Mädchen | We”b ©a er die Ehe als ein Mittel betrachtete, die ©einigen | aus einer immer größeren Noth zu retten, war er selbst I nicht weit davon entfernt, in einer, wenn auch unpassenden I Heirath ein Asyl gegen das Elend, ein Werkzeug des Glückes, I einen Schemel zu suchen, um sich über den niedrigen Kapitäns. 1 rang zu erheben, den er soeben nicht ohne Schwierigkeit wieder» I erobert hatte. I IV. Erste Niederlage Bonapartes. Am nächsten Tage, nachdem er die dem Fräulein von j Saint-Cyr zur Rückkehr in ihre Familie billigten Reife. I diäten behoben hatte, begab sich Bonaparte mit Elisa zu j SWWÄte ihr vor seiner Abreise nach Corsica seine | Schwester vorstellen, doch auch ein anderer Plan führte rh» I aleichzeitiq zu der Wittwe seines Freundes. Frau Permon, die Mutter der künftigen Herzogin I d'Abrantös, von Geburt eine Griechin, die lange in Corsica I gelebt hatte, war noch eine sehr hübsche Frau. Aus Koketterie verhehlte sie ihr Alter, und gedankenlos, I frivol, in Toilettenkünsten erfahren, in einer Epoche, wo der I Luxus schwer und gefährlich war, von niedlichen Bibelots aus der Zeit Louis XV. und den künstlerischen Möbeln dieser feinen und sinnlichen Epoche umgeben, erschien sie den Augen des armen Sorten al» die Königin der Grazien und aller ÖOt M allen Reizen geschmückt, und diese» Aussehen einer großen Dame, da» sie in seinen Augen hatte und immer zu bewahren wußte, verbarg dem Blicke de» jungen armen Liebhaber» die bereit» sichtbaren Runzeln | ihres Gesichtes und die von dem reiferen Alter unzertrenn- ^e D§^Permon»t hatten ziemlich hübsches vermögen beseffen. Bonaparte, der an Tagen des Mangels mit Junot, Marmont und Bourienne sich oft an ihrem gastlichen Tisch niedergelassen hatte, glaubte, daß die Wittwe noch immer Di^s^ Erwägungen bestimmten ihn zu einem dopp^ten Schritte. Nachdem er Elisa mit Laura, beräUeren Tochter Frau Permons, allein gelaffen hatte, begleitete er die Letztere in einen kleinen Salon und machte ihr dort den Antrag, ihren Sohn, den jungen Permon, zu verheirathen. Da Frau Permon sich neugierig nach der Person er kündigte, mit der er ihren Sohn verheirathen wollte, ant» »ortete er: „Es ist meine Schwester Elisa. Aber sie ist noch sehr jung, und ich weiß, daß mein Sohn"gegenwärtig gar keine Lust hat, zu heirathen, antwortete laubte. '________________ JRebaction: 31. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Ueberrascht konnte der Gegenstand diese» unerwarteten Antrages sich nicht halten: sie lachte dem Bewerber ins @eMSottaparte schien über diese Heiterkeit sehr verletzt zu fein, und Frau Permon beeilte sich, zu erklären: «Mein lieber Napoleon,« sagte sie, indem sie eine ganz mütterliche Miene annahm. „Sprechen wir ernsthaft. Sie glauben mein Alter zu kennen. Nun denn, Sie kennen e» nicht — , ich werde es Ihnen auch nicht sagen, denn dieses Verstecken, spiel ist meine Schwäche. Nur eine» will ich Ihnen sagen: Ich könnte nicht nur ihre Mutter, sondern auch die Josefs, Ihres älteren Bruders, fein. Lassen wir also diesen Scherz. Er kränkt mich, da er von Ihnen kommt.« „Es fiel mir nicht ein, zu scherze», und ich sehe nicht ein, was an meiner Werbung so lächerlich ist, sagte Bona. , patte in pikiertem Tone. „Das Alter der Frau, die ich heirathen werde, ist mir gleichgültig. Außerdem,ohnei alle Schmeichelei, scheinen Sie mir nicht älter als dreißig Jahre ^““Sparte biß sich auf die Lippen und fuhr alfogleich fort: „Vielleicht wird meine Schwester Pauline, die sehr hübsch ist, Herrn Permon bester paffen,« und er fügte hinzu, daß mäu zu gleicher Zeit Laura Permon mit einem seiner Brüder. Louis oder Jerome, verheirathen könne. Jerome ist jünger als Laura,« sagte Frcm Permon lachend „Wirklich, mein lieber Napoleon. Sie spielen heute den Hohenpriester. Sie wollen alle Welt, sogar die “sSSutte ehM«" “■* ta ta legenem Tone, daß die Vsrheirathnng der Seinigen in der That eine seiner größten Sorgen sei. ™ wrtV1Ä 9 Dann stürzte er sich auf die Hand Fran Permon^ drückte zwei brennende Küffe darauf und sagte, daß er sich entschloßen habe, die Verbindung der beiden SamUten, feinen liebsten Traum, durch eine Heirath zwischen ihm und ihr selbst zu beginnen, sobald ihre erst kürzliche Trauer da» er zu fein." „D, ich bin viel älter I Da» geht mich nicht» an," rief Bonaparte mit Feuer. „Sie sind jung und schön, und Sie sind die Frau, die ich mir al» Gefährtin erträumte.« „Unb wenn ich in diese Thorheit nicht einwillige, was werden Sie da thun?« , . , „Ich werde das Glück, das Sie mir verweigern, anders, wo suchen," antwortete Bonaparte mit Energie- -Zh «ill mich verheirathen," fügte er nach einer Pau des Nach denkens bin»u. Meine Freunde denken an eine reizende Krau, so wie Sie es sind, von Ihrem Alter oder beiläufig Ihrem Alter — deren Name und Geburt sehr ehrenhast sind. Ich wiederhole Ihnen, ich will mich verheirathen- UC egrau Permon hatte nicht viel zu überlegen, ihr Herz i war nicht frei. Sie liebte im Geheimen einen Vetter, emen sehr schönen Mann Namen» StephanopM- SiehEW Bonaparte vorgestellt und wollte ihn durch ihn in die Con« venttonsgarde hineinbringen, die zu jener Zeit KUdet wurde. Um dieses braven Soldaten willen, der übrigens einen höchst prosaischen Tod finden sollte, indem er sich ungeschlckt in ein Hühnerauge schnitt, wies sie den Antrag Bonapartes a, b“ 8»« Pmtz' °» | heiräthet, wäre Bonaparte vielleicht niemals commandieren er General der italienischen Armee geworden und hät zwesi I los während rühmloser Kriege »^^1«^ Bonavarte hatte in dresem Gespräche den -tvunjcy aus I aesprochen, eine vortheilhaste Ehe zu schließen, eine reich I ^rflU in heirathen, welche ihm das Debüt im Leben erreichter I und ihm die Reihen der großen Gesellschaft eröffnen sollt, I die damals verpönt und erniedrigt war, die aber, wie I voraussah, bald noch anmaßender unter dem Schaffst hervor | “ürbe- 6^6 $^e^uS gr6u Permons sollte aus der I Pensionärin von Saint'Cyr die Prinzessin von Piomb n und aus dem künftigen General Bonapatte den Ga t n Jo sefinens machen. (Fortsetzung folflU I Vern Echtes. I Kaltblütig. Ein Rittmeister, der von einem Rechts' I anwalt beleidigt worden war, ließ diesem eine Forderung durch I s-inen Kartellträger zugehen. Darauf antwortete der Advoca I nach kurzem Besinnen: „Mein Herr, ich nehme principiell tm I Forderungen an, die einklagbar sind." I Ein Heuchler. Hauswirthin (zu dem erst vor wenigen ; I Tagen eingezogenen Studenten): „Herr Bummel, es w, : I verschiedene Leute hier, die nach Ihnen gefragt haben, . | Ihre frühere Hauswirthin!" — Student: „Hm, hm . - I foute ich etwa heute Geburtstag haben?