Gsmstag den 16. Februar 1895 ümilisMäUst' MerMWMt Mm Mrßener AWMr iGencralAiyrigcr) Roman von P. Ollevetio. benS. Heraus- ufgo Storm, Z-nuar) dieser ;ben in einem -ren Ereignisse ellenweise recht n hun ortsttsch- ikel enthaltenen ür Denjenigen, kann. Die tm >n einen Rück- e lauten: BtS- aiscrs Wunsch- tonäres Wurst- hen Reich und then Beiträgen r E. Rebe. — - philosophische Christenthum. — Von Paul jtigkeit ist eine icher Weise Be- - giebt. Wenn st, so sollte e8 md Familienan- t: Wir können »Iliche Saus« oe und Kranke. ,er „Gesundheit, jährlich 60 Pfg. Böhm, Leipzig, liste Nr. 33 »), ltm gut; doch selbst zu be» ch (am beste» gt, mit etwa» i Blechwurst« den.man bei fennige kauft, zugebundenen t) mit etwa« ite ungefähr allmälig gelb Fanny, e« wird mir niemals einfallen, mich lächerlichen Vor« »"heilen zu fügen. Hier zu Lande — wie Oskar erst gestern bemerkte — ist es das Beste, mit den Nachbarsleuten Freund« schäft zu halten, und wenn mich Fräulein Ausbach auffordert, heute Abend den Thee mit ihnen zu trinken, so bleibe ich." Fanny entgegnete nichts darauf, sie fühlte sich von Gertrauds rücksichtsloser Bemerkung sichtlich verletzt. Gleichzeitig rief auch Oskar uns zu, wir sollten uns be« eilen, und so wurde kein Wort weiter mit Fanny gewechselt, als ein hastiges „Adieu". . 34 glaube, Gertraud sah zu Pferde nicht so hübsch aus wie sonst. Sie saß nicht gerade im Sattel und ihre Figur “’M; zu schmächtig, um sich im Reitkleid vortheilhaft zu zeigen. Hell- Mousselinkleider oder was sonst die Farbe ihre» Haares und ihrer Augen hob, standen ihr am besten. Vielleicht wußte sie das und war deshalb so schlechter Stimmung während unseres Rittes. , .Doch als wir Fernyhurst - so hieß der Fleck, wo Aus« bachs wohnten, - erreicht hatten, war sie wieder ganz sie selbst. Bevor rott bis an das Haus gelangten, deutete sie mit der Gerte nach einer blau gekleideten Gestalt, die durch den Garten ging, und meinte, sie glaube sicher, das sei Mag« dalene Ausbach. 3. Capitel. Gertraud hatte sich nicht getäuscht. Auch Fräulein Ausbach hatte uns bemerkt und kam uns an der Gartenthüre entgegen. Sie empfing uns außerordentlich liebenswürdig und nachdem die ersten Begrüßungen vorüber waren, legte sich Ger« ttauds Arm in den ihrigen und zog sie mit sichert in den Garten. Oskar und ich traten in da» Haus, um Herrn Ausbach zu begrüßen, der im Wohnzimmer auf dem Sopha lag, seine Crgarre rauchte und Zeitungen las.. Bei unserem Hsretntreten sprang er auf, warf das Blatt auf den Tisch und die Cigarre in's Feuer, worauf er sich mit einer Entschuldigung an mich wendete. Störte mich der Cigarrenrauch? Wäre es mir angenehm, wenn er das Fenster öffnete? Oder zöge ich es vor, auf der Veranda zu sitzen? Ich lehnte beide Anerbietungen ab und folgte seiner Aufforderung, vor dem Kamin in dem behaglichen Lehnstuhl Platz und erfolgreiche gst erschienenen Union Deutsche 5 Pfennig) zum ß er auch auf in Stimmungen Inder Handlung linent dragischen ier durch ihren albmonatsschrift ; des köstlichsten es bietet. Wir rellfaksimiledruck Lisläuferm „In Darstellung Bei pittoreske Bild den Umschlägen um die Welt", wrsühren. Leb- eizer Parlament rghard erregen, er geschmückt ist. ", „Das Ende rdi", „Deutsche >s und die sorg- >em reichhaltigen r Tag zu Tag", für alle Mit- jicten. Unfern Recht als das enzeitschrift auf (Fortsetzung.) Fanny war kleiner al» Gertraud und hätte fast unter« setzt genannt werden können. Sie hatte dunkles Haar und e n blasses Gesicht mit so mildem, freundlichem Ausdruck, daß ein Jeder sie beim ersten Anblick lieb gewann. Oskar war blond, ziemlich mager und äußerst gutmüthig. Und ich? — Wenn ich in den Spiegel blickte, sah ich ein schmales, kleines, farbloses Gesicht, dunkleres Haar als dasjenige Gertrauds und eine Gestalt, welche Gertraud für zu plump erklärte, als daß sie hätte elegant fein können. Das wären also unsere Familienporträts. Gertraud und ich ritten häufig spazieren, gewöhnlich mit OSkar, zuweilen auch ohne ihn, und eines Tages machten wir UN» Ausbachs Haus zum Ziel, um den Besuch der Geschwister bat uns, sie zu entschuldigen, da sie sich nicht kräftig genug fühle, uns zu begleiten. n?t lange dort," sagte sie, in das Zimmer ro r, u”8 lUr den Ritt bereit machten. „Und werdet nicht zu intim mit Magdalene Ausbach. Mir hat ihr Wesen durchaus nicht gefallen, und es machte mir neulich den wollt^ok/, ihre Gesellschaft mehr schenken wollte, als uns lieb sein kann. n^ktAefctraui) lud)te in ihrer Schublade nach ein paar Reit- Schwägerin °"^gnete nichts auf diese Bemerkung unserer „Wir werben sehr brave Kinder sein und zeitig zurück- SS’ bÄlTÄ1“4'"6, *•bem fein '&'<$ ^int mir ein durchaus feiner Mann zu ubr h'"b SchMster aber nichts weniger als eine feine Dame" föÄ stch selbst als zu uns * Gertraud wendete sich um, das Gesicht geröthet von der h* widerspenstiger Knopf an ihrem Handschuh bereitet hatte und sagte: „Das versichere ich Dir, 1 t < 82 zu nehmen, — augenscheinlich dem Thrensttz, denn e» war dar einzige schön» Stück Möbel in dem ganzen Zimmer. Unser Wirth setzte sich mir gegenüber. Er zeigte sich herzlich erfreut, uns zu sehen, und obgleich er mir bei unserem Zusammensein stets den Eindruck machte, als ob er jungen Damen gegenüber im Allgemeinen recht blasirt wäre, so ließ es sich doch nicht verkennen, daß er sich mir angenehm zu machen suchte. Bei diesem unserem dritten Beisammensein stand es in meinem Innern auch fest, daß er bei Weitem der stattlichste Mann unserer Bekanntschaft war und sein gewandtes, vornehmes Wesen wurde mir mit jedem Male, wo ich ihn sah, anziehender. ,, , ■ Zum Lobe seines Wohnzimmers kann ich leider mcht viel sagen. Es war sehr einfach, beinahe ärmlich möblirt. Hätte ich meine heimathlichen Ideen von Luxus nicht bereits zum Theil verloren gehabt, so würde ich es sicher sür geradezu erbärmlich erklärt haben. Das unsere stach es in jeder Beziehung aus, auch fehlten ihm alle die Kleinigkeiten, für welche Mädchenhände sonst zu sorgen pflegen und das unsere Wohnung so wohnlich und behaglich machte. Wenn Fräulein Ausbach das Zimmer oft mit ihrer Gegenwart beehrte, so ließ sie doch keine Spur davon dort zurück. Es konnte sich keine» Teppichs rühmen, nur einer vier- eckigen Cocosmatte, auf der ein gewöhnlicher Tisch von Tannenholz stand, welchen ein großes Tischtuch deckte. Ein paar angestrichene Stühle, ein grob gezimmertes Sopha und der eine hübsche, bequeme Lehnstuhl, auf dem ich saß, bildeten die ganze Zimmereinrichtung. Bei einem zweiten Blicke entdeckte ich jedoch noch einige bemerkenswerthe Gegenstände, die mit der offenbar Mitten Einfachheit durchaus nicht im Einklang standen. Auf dem Kamin befanden sich zwei kostbare Vasen von venetianischem Gla», die mit herrlichen Blumen aus dem Garten gefüllt waren; auf dem Sopha lag eine prächtige Opoffumdecke und darüber ein paar Bärenfelle; die von dem Fenster zurück- geschlagenen Vorhänge waren von schwerem Seidendamast und in der einen Ecke der Zimmers waren mehrere Regale angebracht, welche Bücher in den prächtigsten Einbänden füllten. Das Alles zusammengenommen bot ein seltsames Gemisch von Eleganz und Aermlichkeit. Zwei Drittel der Einrichtung hättenI einer Küche entnommen sein können und der Rest au» dem Empfangszimmer eines Schlöffe». t „ Die Blumen auf dem Kamin fesselten indessen meine ganze Aufmerksamkeit. Ich hatte, seit wir gelandet waren, kaum eine Blume in der Hand gehabt, und der Richtung meiner Augen solgend, schien es Herrn Ausbach plötzlich ein- zufallen, daß wir überhaupt keinen Garten besaßen. „Würden Sie gern ein paar Blumen haben, Fräulein Christa?" fragte er. „Wenn Sie mit hinauskommen wollen, würde es mir ein großes Vergnügen fein, Ihnen welche zu pflücken." Wir gingen durch die Glasthür auf die Veranda hinaus und von da hinunter in den Garten. In der Ferne sahen wir Magdalene und Gertraud langsam unter den Bäumen hin promeniren. Hin und wieder tönte da» Lachen der Ersteren laut und schallend zu uns herüber. Die beiden Mädchen schienen sehr lustig zu fein. Mein Begleiter blieb einen Moment stehen, um zu lauschen, dann rrröthrte sein sonnengebräuntes Gesicht und tni einer ungeduldigen Handbewegung warf er die Verbene fort, die er soeben gepflückt hatte. Al» er mich nach einer Weile ansah, erschienen mir seine r roßen, dunklen Augen tiefer noch als sonst. Ihr Blick tra mich wie in stummer Bitte. Ich hätte mir einbilden können, sie sprächen: „Mache mich nicht verantwortlich für Alle», was meine Schwester sagt." Meme Hände waren inzwischen mit Blumen gefüllt und es beschlich mich ein eigenthümliches Verlangen, daß Gertraud käme und wir unseren Besuch endigten- Sie war jedoch augenblicklich nicht in Sicht und Herr Ausbach nahm mir die Blumen ab, um sie, wie er sagte, an meinem Sattel zu befestigen, damit ich sie sicher nach Hause brächte. „Ich weiß sehr genau, welches Pferd das Ihre ist," meinte er lächelnd, „ich habe Sie schon einmal hoch zu Roß gesehen" Es war eine einfache Bemerkung und dennoch fühlte ich hieraus, daß er mir eine Freundlichkeit damit sagen wollte, die mir ungemein wohl that. Als er zurückkam, fand er mich damit beschäftigt, die Titel seiner Bücher voll Interesse zu mustern; einen der Bände von dem Regal herunterzunehmen, hatte ich nicht gewagt- „Haben Sie etwas gefunden, das zu lesen Sie iuteresstren würde?" fragte er. „Ich weiß schon, daß Sie eine große Bücherfreundin sind und stelle Ihnen hiermit meine ganze Bibliothek zur Verfügung." Ich deutete eifrig mit der Hand auf einen Band von Victor Scheffel und Herr Ausbach langte ihn bereitwillig von dem Regal herunter. Als er das Titelblatt aufschlug, fiel sein Blick auf einen Namen und ein paar Worte, die darauf geschrieben standen. Mit einem nur halb unterdrückten Ausruf riß er da» Blatt aus dem Buche und zerknitterte e» in seiner Hand. Ich gab mir natürlich den Anschein, als ob ich von alledem nichts bemerkte und auch er überging die Sache mit Stillschweigen, bot mir sür den Augenblick aber kein Buch weiter an, — vielleicht wollte er sich erst versichern, daß nicht irgend ein Geheimniß darin geschrieben stand. Erst nach geraumer Zeit kamen Magdalene und Gertraud au» dem Garten und dann nahmen sie zärtlich Abschied von einander. , „ ,, Als wir den Heimritt angetreten hatten, entdeckte ich, daß mein Blumenstrauß, der mit großer Geschicklichkeit am Sattel befestigt war, in einem Halter von der zierlichsten Filigranarbeit ruhte. „Den hat Herr Ausbach dahin gesteckt — wie kann ich das annehmen?" rief ich überrascht und setzte dann unwillkürlich hinzu: „Oskar, glaubst Du, daß er wirklich fo arm ist, wie er scheint?" „Davon bin ich überzeugt," warf Gertraud ein. „Die mehr al» ärmliche Wohnung kann darüber doch Niemanden im Zweifel lassen. Der Bouquethalter ist jedenfalls ein lieber- blsibfel aus besseren Tagen — natürlich mußt Du ihn be« halten, Christa. Ich finde, es ist eine sehr zarte Aufmerksamkeit von ihm, daß er die Blumen da hinein steckte." „Die Armuth ist Unsinn I" erklärte Oskar entschieden. „Ich bin fest überzeugt, daß er nichts weniger als arm ist. Ich sprach heute mit ihm über ein Geschäft, bei dem wir Beide interesstrt sind, und da merkte ich deutlich heraus, daß er sich auch nicht einen Strohhalm darum kümmert, ob er bei der Sache gewinnt oder verliert." Und nach einer kleinen Pause fügte er genau so wie Fanny hinzu: „Ich möchte wissen, wer die Ausbachs eigentlich sind und woher sie kommen." 4. Capitel. Au» Arthur» Tagebuch. In der Todesmattigkeit, die auf mir lastet, — der undurchdringlichen Nacht, die mein Innere» erfüllt, habe ich zur Feder gegriffen, um einige dringende Briefe nach Hause zu schreiben, doch e» geht nicht, — ich bin nicht im Stande, meinen Vorsatz auszuführen. Seit zwei Jahren bin ich nun in der Fremde und erdulde das unerträgliche Märtyrerthum, da» zuweilen so schwer auf mir lastet, daß es mich zu erdrücken droht. Ein Jahr noch, — dann ist der beseeligende Moment da, der mich meines Versprechen» entbindet und ich bin wieder frei. Frei? Ja, aber welchen Nutzen wird mir meine Freiheit bringen? Mein Leben hat keinen Zweck mehr. Wa» gewinne ich durch meine Freiheit weiter, als daß ich nicht länger al» lebendige Lüge einhergehe? , Während ich schreibe, taucht ein Bild dessen vor mir auf, was ich l Lebensweg schon ein kennen du Aber Buchstaber es weißt, rigeu Aut auftauchte, stets. 28c gehalten. Obgl< mand, da> wenn sie Mann, be' Gehilfen h dazu die g bestimmt f Absicht. 1 geheimniß Und Neuseeland eines Frei Mein seltsames ( Fräulein S meinen voll Zur Eciun da» Datur Er tr Betrug. < wie ein Na für meine Aber that, als o sah ich sie Leonhard» nicht zu m auf da» B sie ihnen a Da ri zu sagen, z zu überzeug Männerwel Als 6 Gedanke, I nächste, das dritte, daß Sie i liegt einzig Ihr Haar ihre» Kopfe auch ist sie Doch bescheiden ii den Credit stchtchen, w lerem Haar Figur gera das war El Gertraud L Sie tr damit fertig Zimmers zr Mal, daß ii Als id sicht unaufh schwebte es wieder, was „Mildl ihren Zügen 88 -m mir die ittel zu be- Ihre ist," och zu Roß h fühlte ich i wollte, die häftigt, die einen der ;e ich nicht interesstren eine große »eine ganze Band von itwillig von i auf einen den standen. c das Blatt ib. ch von alle» Sache mit : kein Buch n, daß nicht nd Gertraud klbfchied von entdeckte ich, icklichkeit am : zierlichsten vis kann ich ann unwill- klich fo arm > ein. „Die j Niemanden s ein lieber» Du ihn be» Aufmerksam» ;e." entschieden, als arm ist. >ei dem wir heraus, daß rt, ob er bei einer kleinen „Ich möchte sie kommen." — der un» habe ich zur ach Hause zu : im Stande, mde und er» ilen so schwer t. Ein Jahr da, der mich r frei- meine Freiheit War gewinne ht länger al» vor mir auf, was ich hätte sein können. Ach, hätte sie früher meinen Lebensweg gekreuzt, oder wäre ich mit dreißig Jahren nicht schon ein gebrochener Mann gewesen, der kein anderes Streben kennen durfte, als der Tobten fein Versprechen zu halten. Aber ich habe es gehalten, — nicht allein nach dem Buchstaben, sondern auch nach dem innersten Sinne. Ob Du es weißt, Eleonore? Wenn der Geist Deines bleichen, traurigen Antlitzes jetzt in der hereinbrechenden Nacht vor mir auftauchte, könnte ich Deinen Blicken so furchtlos begegnen wie stets. Was es mich auch gekostet hat, ich habe Dir Wort gehalten. Obgleich mich die Leute hier meiden, vermuthst doch Niemand, daß ich nicht bin, was ich scheine. Sie denken, — wenn sie überhaupt über mich nachdenken, — ich sei ein Mann, der mit Armuth zu kämpfen hat. Daß ich mir keinen Gehilfen halte, sondern meine Geschäfte alle allein besorge, dazu die gesuchte Einfachheit in meiner Wohnung, das Alles bestimmt sie natürlich zu dieser Annahme. Es war das meine Absicht. Unser Geheimniß — unser furchtbares Familien» geheimniß — ist dadurch sicherer. Die Spur wird abgelenkt. Und was gilt es ihnen, ob das Geld, das ich hier in Neuseeland verzehre, im Vergleich zu dem jährlichen Einkommen eines Freiherrn Felsing von Braunegq ein Nichts ist? Mein alter Name — mein wirklicher Name — welch' seltsames Gefühl, ihn wieder einmal zu schreiben! Als ich Fräulein Leonhard gestern ein Buch geben wollte, fand ich meinen vollen Namen darin — „Arthur Felsing von Braunegg. Zur Erinnerung an Eleonore Felsing von Braunegg," und das Datum. Er traf mein Auge in dem Moment wie ein schändlicher Betrug. Ich riß das Blatt heraus und stand nun vor ihr wie ein Narr, ohne daß mir eine glaubwürdige Entschuldigung für meine scheinbare Unart eingefallen wäre. Aber Christa, das zartfühlende, liebenswürdige Mädchen that, als ob sie es nicht bemerkt hätte. Vor einigen Wochen sah ich sie zum ersten Mal. Ich hörte von allen Seiten von Leonhard« reden und beschloß anfangs, ihre Bekanntschaft gar nicht zu machen. Magdalene aber bestand darauf und erklärte auf das Bestimmteste, daß, wenn ich nicht mitkommen wollte, sie ihnen allein ihren Besuch machen würde. Da ritt ich denn eines Abends, ohne ihr etwa» davon zu sagen, zu Leonhards hinüber, um mich mit eigenen Augen zu überzeugen, was für Mädchen es sind, von denen die ganze Männerwelt ringsum schwärmt. Als Gertraud in da« Zimmer trat, war mein erster Gedanke, daß sie entschieden ungewöhnliche Reize besitzt; der nächste, daß sie bei näherer Bekanntschaft nicht gewinnt; der dritte, daß man sie bei Weitem überschätzt. Sie ist sehr schön, das ist gewiß; die Schönh it aber liegt einzig und allein in den Farben, nicht in den Formen. Ihr Haar ist von einem herrlichen Goldblond, aber die Form ihres Kopfes ist ungraciös; ihre Augen sind blau, aber kalt; auch ist sie zu groß und zu dünn für meinen Geschmack. Doch hinter ihr schlüpfte in da» Zimmer und drückte sich bescheiden in die Ecke eine kleine Gestalt, die in meinen Augen den Credit der Familie wieder hob. Ein ernste», blaffe» Gesichtchen, weich und rund, mit dunklen, sanften Augen, dunklerem Haar, al» das der Anderen, doch ebenso stark und eine Figur gerade so groß und so gerundet, wie ich sie liebe - mis war Christa — „unsere Klosterschwester Christa" — wie Gertraud Leonhard sie lachend nannte. . .Sie trat nur näher, um den Thee zu bereiten. Als sie bamit fertig war, zog sie sich wieder in den Hintergrund des Zimmers zurück. Ich glaube, sie bemerkte nicht ein einziges Mal, daß ich fte ansah. Als ich das Haus verlaffen hatte, verfolgte mich ihr Ge» tJr unaufhörlich. In der Dunkelheit auf meinem Heimschritt )$roebte e» mir immer voran, und ich frug mich wieder und wieder, was es eigentlich war, das mich so feffelte. „Milde und Treuherzigkeit." Ja, Beides prägte sich in Ibsen Zügen aus und bot einen so entschiedenen Gegensatz zu 1 dem falschen, boshaften Gesicht, das meiner zu Hause wartete. Ja, einst hätte es fein können, jetzt nicht. Einst hätte ich ein glücklicher Mann werden können, wenn ich Christa Leonhard früher kennen gelernt hätte; nun ist es zu spät. Kann ich um ihre Hand werben, während da» furchtbare Familiengeheimnlß mir gleich einem Mühlstein anhängt, — mit einer Lüge im Herzen? Ich höre Magdalene im Nebenzimmer fingen. Sie scheint heute Abend sehr guter Stimmung zu fein. Christa gefällt ihr nicht, das sagte sie mir mit klaren Worten, Gertraud dagegen nennt sie „ein reizende», kleines Ding". So lange Gertraud ihr allen Willen thut, werden sie gut miteinander auskommen; doch wenn diese es satt hat, dann wehe ihr! Ich muß indeffen auf der Hut sein, daß die Freundschaft nicht zu weit geht. Auch gegen mich selbst muß ich auf der Hut fein. E» taugt nicht für mich, da» Haus zu oft zu besuchen, — da» Beste wäre, ich ginge überhaupt nicht wieder hin. Doch ich denke, ein fo schweres Opfer ist kaum nöthig. Es ist ja kein Unrecht, wenn ich sie zuweilen sehe, selbst wenn ich schwach genug bin, sie zu lieben, so lange es ihr Glück nicht stört. Vielleicht ist sie schon verlobt — sogar sehr wahrscheinlich, und im klebrigen glaube ich, ich wäre gar nicht im Stande, mich ihr gänzlich fernzuhalten, selbst wenn ich es versuchte. Magdalene ist eine bewunderungswürdige Reiterin. Al» sie heute davon sprengte uud ihre Gestalt sich leicht nach be» Pferdes Tritt bog, — da trat der Wunsch an mich heran, das Pferd möge stürzen, sie abwerfen und mich mit einem Schlage von dem Dämon meine« Leben« befreien. 5. Capitel. Ich bin heute zu Leonhards hinüber geritten, Christa war in der Küche beschäftigt. Ich glaube, sie ist immer thälig uns macht nicht allein ihre Arbeit, sondern auch die- ienige Gertraud«. Gertraud amüsirt sich inzwischen im Wohnzimmer. Sie war sehr liebenswürdig gegen mich, al« ich herein trat. Sie ist es stets, obgleich ste mich nicht für begehrens- werth erachtet. Sie schaut nicht unter die Oberfläche und meine ärmliche Einrichtung und mein abgetragener, alter Jagdrock haben sie so vollständig getäuscht, al« ich nur wünschen konnte. Für sie ist nur Gold, was glänzt; aber dennoch sucht sie, sich mir angenehm zu machen, sie gehört eben zu den Mädchen, welche gern möglichst Viele an ihren Triumph- wagen spannen möchten. Doch das hilft Ihnen nichts, Fräulein Gertraud. Ich habe früher Dutzende von Ihrer Sorte kennen gelernt und Alle haben sich vergeblich bemüht, Eindruck auf mich zu machen. Es gelang keiner, nur einer Einzigen, und diese Einzige gab sich keine Mühe, mir zu gefallen. Ich ertrug Gertrauds oberflächliches Geschwätz, so lange ich konnte, obgleich ich e« sehr bald falt hatte, und nur mit Mühe verbarg ich mein Gähnen. Endlich erhob ich mich, sagte ihr Adieu und ging; nur öffnete ich nicht die Thüre rechter Hand, wie ich eigentlich ge- sollt hätte, sondern wendete mich nach links und trat birect in die Küche. Marie, die Köchln, starrte mich mit großen Augen an, während Christa bt» unter die Haarwurzeln errötheke und anfing, zu lachen. Sie hatte sich eine allerliebste weiße Latzschürze vorgebun» den und die Aermel von den Armen zurückgestrelst, die von Mehl bestäubt waren. Es war dies in meinen Augen ein ganz ungewöhnliches und äußerst pikante« Costüm, das zu sehen ich nicht um die Welt hätte missen mögen; infolge dessen bereute ich mein wenig ceremonielle« Betragen auch keineswegs, obgleich ich dafür um Entschuldigung bat. (Fortsetzung folgt.) Äenrelnnütziges. Citrorren-Crßme. 10 Eidotter und V2 Pfund recht fein gestoßener Zucker werden zusammen 1 Stunde lang gerührt. Alsdann giebt man das abgeriebene Gelbe und den Saft von zwei Citronen hinzu, sowie 20 Gramm in warmem Wasser oder Weißwein gut aufgelöste Gelatine- ^Zuletzt mischt man dar von 10 Eiern zu festem Schaum geschlagene Weiße leicht aber gut hindurch, sM den Crsme in eine tiefere Kristallschüffel und giebt ihn nicht eher zur Tafel, als bis er völlig erkaltet und steif geworden ist, wozu eins Stunde hinreicht. Dieser Sterne hält sich mehrere Tage lang gut und frisch. In manchen Gasthöfen wird er für eine ganzr Woche im Voraus hergerichtet. Reissuppe. Der Reis wird mit Butter eine Weile langsam geschmort und darf nicht gelb werden; dann verrührt man ihn auf dem Feuer — je nach der Größe der herzu» stellenden Portion — mit 1 bi« 2 Eßlöffeln Weizenmehl, gießt unter beständigem Rühren kochendheißes. Wasser hinzu und läßt den Reis mit Salz, Sellerie, Porre oder Zwiebeln so lange kochen, bi« er weich ist; er muß aber körnig bleiben. Man richtet ihn mit 1 bis 2 Eidottern und etwas ge» riebener Mußkatnuß an. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß Muskatnuß eins der der Gesundheit am wenigsten zuträglichen Gewürze ist und nur wenige Speisen schmackhaft würzt.' Man muß sich darüber wundern, daß felbst in guten Kochbüchern Muskatnuß bei Gerichten Verwendung findet, bei denen sie ganz und gar nicht paßt. * * Weitzbrodfuppe. Man richte sich bei dieser ganz nach dem vorstehenden Recept, nur nehme man statt Reis frische, in kleine Würfel geschnittene Semmel, die man in Butter gelb und ein wenig kroß werden läßt. Griesmehlsuppe wird* ebenso wie Reissuppe zubereitet, nur läßt man das Mehl fort. — Vorstehende sogenannte Wassersuppen sind sehr zu empfehlen, nur erfordern sie eine aufmerksame Zubereitung. • Verwendbrod. Frisches Milchweißbrod schneidet man in ungefähr zweifingerdicke Scheiben, taucht sie in ungekochte Milch und legt sie schichtweise auf einen Porzellanteller, damit sie von der Milch recht durchzogen, aber nicht allzusehr erweicht werden. Unterdessen verrührt man den ganzen Inhalt von 5 Eiern mit 1 Liter Milch und etwas Salz. In diese Flüssigkeit taucht man jede Scheibe einzeln hinein und legt sie in eine sehr saubere Kuchenpsanne, in der man vorher einen guten Stich Butter oder Butter mit Fett hat heiß werden lassen, giebt dann die übrige Eiermilch darüber und backt den Kuchen auf beiden Seiten schön hellgelb. Reichlich mit Zucker bestreut, wird er etwas abgekühlt zur Tafel gegeben. Mit einer Lage von in Zucker eingemachten Pcetßel- beeren belegt, wird dem Geschmack des beliebten Gebäcks kein Abbruch gethan. * ♦ Häringsspeife. Die frischen, gewaschenen und aus- genommenen Häringe werden gesalzen, in Weizenmehl umgedreht und in gutem Oel auf beiden Seiten schön hellbraun gebacken. Danach ist ein gu>es Stück Butter in der Pfanne zu zerlassen und Zwiebeln mit Mehl darin zu schwitzen. Nachdem soviel Wasser zugegoffen, daß es eine gute Sauce ist, wird dieselbe gesalzen und noch einige Eßlöffel saurer Rahm daran gerührt. Die Sauce ist heiß über d.e Häringe zu schütten. Salzhäringe können auf gleiche Weise zubereitet werden, müssen aber vorher gut 48 Stunden wässern. Letztere haben einen kräftigeren Geschmack wie die grünen Häringe. Mit Kartoffeln in der Schals aufgetragen, ist es ein vortreffliches Abendgericht. Vermischtes. Was die Männer nicht können. Ein Mann kann aus rohen Stämmen ein Haus bauen, er vermag wilde Thtere zu zähmen, Löwen zu tödten, von Wien nach Berlin zu Fuß zu gehen; er kann Eisenbahnen bauen und ganze Welttheile erobern — aber er kann keinen Knopf gut annähen. Was die Damen nicht können. Eine Frau kann aus demselben Fleisch Suppen und Braten erzeugen,! sie macht aus einer alten Hose einen neuen Paletot für den Buben, sie bringt aus einer Toilette mittelst einiger Bänder und etwas Tüll fünf verschiedene Roben hervor, sie kann zugleich das Baby beruhigen, die Torte rühren und das Mädchen auszanken, aus einer rohen Kiste und etwas altem Stoff einen herrlichen Toilettetifch erzeugen, aber sie kann — ihr Alter nicht richtig angeben. (Au» der „Wiener Mode".) Literarisches Unioerfum, Illustrierte Familien-Zeitschrift (Verlag des Universum, Dresden). — DaS neueste 10. Heft der beliebten Zeitschrift enthält folgende Beiträge: Ludwig Ganghofer: Schloß HubertuS. Roman. (Fortsetzung.) Balduin Groller: Der gute Rath. Novelle. Mit Original-Illustrationen von P. Rieth. (Schluß). G. Krogh: Die Wintersnoth der deutschen Vogelwelt. Richard Zoozmann: Winternacht. Ernst Remin: Margheritas Wohlthäter. Novelle. Otto Lehmann: Ebbe und Fluth. P. G. Seims: Die Chinesische Mauer. Mit Original- Illustrationen. Wilhelm Jensen: Die Glocken von Greimharting. Eine Chiemgau-Novelle aus alter Zeit. (Fortsetzung) Dr. W. Bergmann: Schneebewohner. Porträts von Joseph Joachim, der letzten Veteranen der Freiheitskriege und von Felix Faure, dem neuen französischen Ministerpräsidenten. — Bildertcxte. — Humoristisches. — Büchertisch. — Räthsel und Spiele. — Weltrelephon. Von den Illustrationen sind als ganz hervorragend zu erwähnen die Kunstbeilagen und Vollbilder: St. Liezen-Mayer: Vor dem Spiegel. R. Blumenau: Wracklager im Skager-Rack. Anton Müller: Bei der Vogelhändlerin. Das „Universum" kann durch alle Buchhandlungen und Postanstalten (Heft 50 Pfg.) bezogen werden. * Wie die Mode gemacht wird. Dem Laien ist das Wesen der Mode ein Räthsel, aber selbst eifrige Interessenten und tüchtige Modefreundinnen sind sich nicht klar darüber, wie die Mode festgestellt wird. Im Heft 9 der »Wiener Mode" wird der Schleier vom Mysterium dieses intimen Vorganges ein wenig gelüftet und in einer naturgetreu geschilderten Redactionssitzung dem großen Publikum gezeigt, welche. Schwierigkeiten die Führung eines Modeblattes bietet. Die dreißßz Toiletten dieses Heftes sind eine glänzende Illustration des Artikels und bieten nicht nur momentane Modeanregung, sondern auch Belehrung von bleibendem Werth. Originelle Carnevals-Costüme, namentlich eine Gruppe „Alt-Wien", stylvolle Handarbeiten schmücken dieses Heft, dem die „Wiener Kinder-Mode" und ein Schnittmusterbogen gratis beiliegen. Zusammen über 100 nützliche Objecte sind in diesem Hefte 9 der „Wiener Mode" illustrirt und beschrieben. Dabei kostet es nur 40 Psg. $ — PrriS - Ausschreiben. Der Berlag und die Redaction der „Neuen literarischen Bläiler" fetzen einen ersten Preis von Mk. 150 und einen zweiten Preis von Mk. 100 aus für die beiden b