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Sie ließ mein Blut in den Adern gerinnen. „Wann hat sich das Ereigniß zugetragen?" fragte ich mit bebenden Lippen. Es war gut, daß er mich nicht ansah, wie hätte er mein Entsetzen deuten sollen? „Vor sechzehn Jahren, ,lm Spätsommer des Jahres 1846." „Und wie hieß das Kind?" fragte ich mit der letzten Anstrengung aller meiner Kräfte. „Es hieß Wilhelmine, Willi nannten wir sie." Ich hörte nichts mehr. Fast bewußtlos lehnte ich den Kopf an den Stamm der Akazie. In demselben Augenblick erschien Dora. Wie einen rettenden Engel begrüßte ich in dieser Minute mein Kind. Sein Kind! Zur rechten Zeit noch sandte ste die göttliche Vorsehung an diesen Ort, ehe das Entsetzliche geschah, daß der Vater um die Hand der eigenen Tochter warb. Wir traten den Heimweg an. Zerstreut und augenscheinlich verstimmt über das so frühe Erscheinen Doras ging er neben uns her. Was wir mit einander sprachen, ob wir überhaupt sprachen, weiß ich nicht mehr. Erst nach Stunden und allein in meinem Zimmer konnte ich meine Gedanken sammeln. Diese hießen: „Fliehen, schweigen!" Das Schreckliche aber mußte ich zu verhindern suchen um jeden Preis, daß die beiden Menschen, die mir das Theuerste auf Erden waren, den Grund der plötzlichen Flucht jemals erfuhren. Was nützte es, wenn ich mein Kind, die Sonne meines Daseins, opferte und dem Vater die Tochter zurückgäbe? Konnte er ihr ein Vater sein, wenn er in ihr das Weib liebte? — Und Dora? Würde Sie den Mann wie eine Tochter lieben können, dem die ersten Gefühle ihres eben erwachten, in vielleicht noch kaum bewußter Liebe schlagenden Herzens galten? Lieber wollte ich das Bewußtsein der Schuld mein ganzes Leben lang auf mein Gewissen laden, als mit einem Schlags das Glück all meiner Liebe vernichten. Mit fieberhafter Hast begann ich die Vorkehrungen zur Abreise zu treffen. Marianka und die Dienerschaft waren verwundert, Dora untröstlich. Ich benachrichtigte meinen Bruder von meinem Vorhaben und bat ihn, uns in den nächsten Tagen nach unserer Heimath abzuholen. Seine Antwort war eine freudige Zusage. Täglich ließ sich Doras Vater bei mir melden, täglich wurde er mit irgend einer Entschuldigung abgewiesen. Es sollte, es durste zu keiner Katastrophe kommen. Es war der letzte Tag, den wir in L. zuzubringen gedachten. Ich war allein im Hause. Da plötzlich schellte er an der Hausglocke. Gedankenlos und ohne Arg gehe ich zu öffnen. Thörichtes Menschenherz, das da glaubt, seinem Schicksal entrinnen zu können! Da stand er vor mir. Ein schmerzliches Lächeln umzuckte seine bärtigen Lippen. „Einem Zufall, Madame, wie mir scheint," sagte er mit seltsam bebender Stimme, „verdanke ich das Glück, Sie vor Ihrer Abreise noch einmal zu sehen." Ich fand kein Wort der Erwiderung, keines der Begrüßung. Wortlos deutete ich auf einen Sessel. „ „Nennen Ste mich unbescheiden, Madame," begann der Prediger mit hastiger, heftig vibrirender Stimme, „daß ich, trotzdem Sie mich aus einem mir unerklärlichen Grunde wiederholt abweisen ließen, dennoch ein Wiedersehen erzwingen wollte. Was ich Ihnen aus meinem früheren Leben erzählte, konnte doch unmöglich eine Abneigung Ihrerseits zur Folge haben. Lassen Sie mich an dies anknüpsen, wovon ich Ihnen unter den Akazien zuletzt erzählt habe. Mehr als zehn Jahre brachte ich, ein einsamer Mann, nur den Pflichten meines Amtes lebend, noch in Afrika zu. Endlich aber trieb mich, obgleich ich keine Anverwandten mehr befaß, ein unbestimmtes Sehnen nach der Heimath. Ich fand in B. einen geeigneten Wirkungskreis für meinen Beruf, aber mein Sehnen wurde jahrelang nicht gestillt. Mein Herz hatte den Frieden, auf den ich meine Mitmenschen Hinweisen sollte, selbst noch nicht 882 gefunden. Dann kam ein Tag, der mich das höchste Erden« glück erkennen ließ, und an dem mir klar wurde, daß das, was ich für mein todtes Weib empfunden hatte, nichts gewesen war als Freundschaft und Hochachtung für ihre aufopfernde Liebe und Hingabe, mit der sie die Gebote Gottes fast buchstäblich erfüllt hatte. Ein Blick in ein paar Frauenaugen ließ mich erkennen, daß es in meinem Herzen ein Gefühl gab, das ihm mein ganzes früheres Leben hindurch fremd gewesen war, es aber jetzt mit um so größerer Gewalt ergriffen hatte und vollständig beherrschte. Genug, Madame," er trat einen Schritt näher an mich heran und streckte die Hände bittend nach mir aus: «ich, ich liebe" — „Sprechen Sie nicht weiter, mein Herr," rief ich mit fast vor Angst erstickter Stimme,--„Dora kann nie, niemals die Ihre werden." Er sah mich an, erschreckt, verständnißlos, dann trat er einen Schritt zurück, sein blondes Haupt sank tief auf die breite Brust. „Dora?" sagte er tonlos, „Dora? nicht sie meinte ich." Meine Pulse stockten, und dennoch stand ich aufrecht. Sekundenlang senkten sich meine Augen in die seinen. Dunkel, nachtschwarz erschienen mir diese sonst so hellen, sonnenklaren Augensterne. Und mir, mir galt dieser verdunkelte Blick, den nur die Liebe hervorzuzaubern vermochte. Ich griff an meine Stirn. Vor meinen Augen flimmerte er, ein Sonnenstrahl von überirdischer Helle. Ich wollte ihn haschen, den Sonnenstrahl meines Glücks, aber ein Schatten fiel zwischen ihn und mich, daß ich ihn nicht greifen konnte, der Schatten meines rosigen, blonden Kindes, das ich mehr liebte, als mein Leben. Ein Wort von mir und er befaß beides, Mutter und Kind. Ich mußte ihm alles versagen um des Frieden» dieses Kindes willen. „Welch unseliger Jrrthum," sagte er endlich mit klangloser Stimme. „Und ich thörichter Egoist glaubte in Ihren Augen gelesen zu haben, daß es auch für mich noch ein Lebensglück geben könnte. Ich täuschte mich bitter." „Sei es denn," fuhr er, sich gewaltsam zu einem bitter» und schmerzlich trüben Humor zwingend, lebhafter fort. „Lassen Sie mich feilschen um mein künftiges Erdenglück. Ich biete Ihnen ein Herz voll unentweihter, heißer Liebe für das Glück, an Ihrer Seite leben zu dürfen. Lassen Sie mich mit Ihrem Kinde den tobten Vater ersetzen, Ihnen ein Halt für das künftige Leben sein. Vielleicht kommt dann doch einmal eine Zett, in der sich Ihr Herz mir zu- wenden würde in einer anderen Liebe. Noch erfüllt vielleicht die Liebe zu Ihrem tobten Gatten Ihr Herz, aber" — „Sie täuschen sich, ich — ich besaß nie einen Gatten." Verzweiflungsvoll stieß ich diese Worte hervor, ohne zu ahnen, was ich gesagt hatte. Mit wettgeöffneten Augen blickte er mich an, ungläubig, verständnißlos. Mit einer leidenschaftlichen Geberde ergriff er meine Hand. „Ist das der Grund?" rang es sich fast heiser von feinen Lippen. „Bei Gott, Emmy, was ein Bube an Ihnen verbrach, mir soll es kein Hinderniß sein, Sie an mein Herz zu nehmen, Sie sind rein trotz Ihres Kindes." Ich entriß ihm meine Hand und klammerte mich mit der letzten Aufbietung aller meiner Kräfte an die Lehne des Sessels. „Dora ist nicht mein Kind," stammelte ich mühsam. Er richtete das Antlitz empor. Er war bleich und von Thränen gefeuchtet. „Können Sie mir verzeihen?" fragte er noch einmal, meins beiden Hände ergreifend. Ich entzog sie ihm nicht. „Nun, noch die Antwort auf meine Frage von vorhin. Wollen Sie mein Weib werden, Emmy?" „Erlassen Sie mir die Antwort, nur jetzt nicht!" flehte ich in höchster Qual. Gr ließ meine Hände los und trat einige Schritte zurück. „Leben Sie wohl für immer," klang es tonlos von feinen Lippen. Seine Hand tastete nach der Thür. „Karl!" — Im grenzenlosen Schmerze war mir sein Name entschlüpft. Im nämlichen Augenbicke fühlte ich meine Schulter umfaßt, ein tief erblaßtes Männerantlitz bog sich zu dem meinen herab. „Wir sehen uns wieder, Emmy?" flüsterte er mit bebender Stimme. «Ich rufe Sie, Karl," war meine zitternde Antwort. Dann fühlte ich seine Lippen auf Stirn und Wangen. „Lebe wohl," flüsterte er mit vor Jubel unterdrückter Stimme. Ich war allein. - (Schluß folgt ) Madame Sans Gtzne. Roman nach Bietorton Sardou und F. Morroa«. Deutsch von Adel« Berget. (Fortsetzung.) Nachdem Beaurepaire tobt war, konnte Herminie, der Vernunft beraubt und ohne sociale Stellung, kein Hinderniß mehr sein. Lowendaal war von ihren Vorwürfen, Klagen und Drohungen befreit, der lebende Beweis dieser unglücklichen Liebe, die kleine Alice, war verschwunden, der Baron war also vollkommen frei und bald am Ziele seiner Wünsche. Noch wenige Stunden und Blanche war sein. Trotz der Bemerkung des Marquis von Lavaline, welcher den Moment und den Ort zur Feier einer Hochzeit schlecht gewählt fand, da der Feind — für den Marquis von Lavaline und feinen zukünftigen Schwiegersohn war der Feind die französischen Soldaten — von einem Tage zum andern erscheinen konnte, hatte der Baron von dem Marquis die Einhaltung seines Versprechens gefordert. Er erinnerte ihn sogar ziemlich brutal daran, daß militärische Operationen die Regelung von Schulden nicht hindern | und daß es dem Marquis, da seine Güter im Elsaß lagen, das heißt also unter den Kanonen der königlichen Armeen, schwer werden würde, sich seinen Verpflichtungen zu entziehen. Er fügte noch einen Commentar hinzu, dessen Sinn der Marquis sehr deutlich zu verstehen schien, denn er hörte mit seinen Einwendungen auf und antwortete: „Dann brauchen wir nur mehr meine Tochter dazu zu bestimmen suchen — ich kann sie doch nicht mit Gewalt zum Altar schleppen." „Das geht Sie an," brummte der Baron. „Trachten Sie, diese junge Rebellin zur Vernunft zu bringen." Er schickte sofort zum Notar von Jemappes und befahl dem Schloßcaplan, Alle» für die Trauung vorzuberetten. Um Mitternacht sollte die Hochzeit gefeiert werden und gleich unter dem Schutze der Nacht sollten die Gatten mit dem Marquis nach Brüssel abreisen. Dort konnte man in Sicherheit hinter der kaiserlichen Armee da» Resultat der Feindseligkeiten abwarten. Blanche hatte sich gleich nach ihrer Ankunft im Schlosse eingeschloflen und wollte Niemand empfangen. Der Baron hatte einige Male eine Zusammenkunft erzwingen wollen, aber sie weigerte sich, ihn in da» Zimmer zu lassen, das ihr reservirt worden war. Aengstlich spähte sie hinter einem Fenster auf das Kommen einer Person, die sie erwartete. Ihre Augen schweiften vergeblich über das verlassene Land. Es war Catherine Lefebvre, deren Erscheinen sie erwartete Mit gepreßter Brust und klopfendem Herzen, die Hände von einem nervösen Zittern bewegt, erinnerte sich Blanche von Lavaline an da» Versprechen der tapferen Frau. Sie hatte volles Vertrauen zu ihr und sagte sich, daß, wenn Catherine nicht zur bestimmten Zusammenkunft eintreffe, wenn sie ihr nicht, so wie es abgemacht war, das Kind brachte, ein unvorhergesehenes Hinderniß eingetreten sein müsse. Worin konnte das Hinderniß bestehen, welches Catherine Lefebvre fernhielt? Die unglückliche Blanche errieth es nicht, sie ahnte nicht dis Anwesenheit Catherinens in der Nordarmee, ahnt des und Cat Sch daß rich Sch erka Sch- daß Sch Art und mög die bew sich wa! fahi Ebe dem in i bra Kle ohn wen wüi fran Ges der vor der aus „W sagt ersch eine: lustig Geg über bra; dem Sie Sie an? Gefc Abei ahnte nicht, daß wenige Meter von ihr entfernt Eclaireure des 13. Regiments die Wälder von Cuesmes durchstreiften und bei ihrer Rückkehr von der Recognorcirung in der Kantine Catherinens ihre kühnen Ausflüge bis unter die Mauern des Schlosses Lowendaal erzählten. Catherine war es nicht schwer geworden, zu erfahren, daß Blanche fich im Schlöffe befand. Ein der Sache der Freiheit ergebener Bauer hatte berichtet, daß am Vorabend ein feiner Herr und eine Dame im Schlosse angekommen seien. Nach dieser Beschreibung hatte Catherine ihre Beschützerin erkannt und sofort ihren Plan gefaßt: Sie wollte sich in'r Schloß begeben, Blanche von Lavaline sehen und ihr mittheilen, daß ihr Kind, der kleine Henriot, sich bei ihr unter dem Schutze der Bajonette Lefebres befinde. Dann konnten ste zusammen die am wenigsten gefährliche Art und Weise berathen, um Mutter und Kind zu vereinigen und ihnen den Durchgang durch das feindliche Lager zu ermöglichen. Nachdem fie diesen Entschluß gefaßt hatte, steckte Catherine die zwei Pistolen, mit denen ste sich an Schlachttagen immer bewaffnete, in ihren Gürtel, verließ das Lager und wendete fich dem Schlosse Lowendaal zu. Ste hatte Lefebvre nichts davon gesagt, denn er würbe wahrscheinlich die Expedition nicht billigen und vor der Gefahr erschrecken, der sich seine Frau in den Wäldern und Ebenen zwischen den beiden feindlichen Armeen aussetzte. Vor dem Weggehen küßte fie noch lange den kleinen Henriot, der in dem Karren, in dem auch Alice schlief, schon zu Bett gebracht worden war, indem sie ihm zuflüsterte: „Schlaf', Kleiner, ich gehe Deine Mutter suchen." Dann machte sie sich sorglos und tapfer auf den Weg, ohne an die umherstreisenden Oesterreicher zu denken, aber ein wenig unruhig, daß Lefebvre sie bei ihrer Rückkehr schelten würde. Im Augenblick, als ste ein kleines Gehölz, den letzten französischen Vorposten, beschritt, sah sie eine lange, magere Gestalt vor sich auftauchen. Die Silhouette eines Mannes, der hinter einem Baum fich verborgen gehalten hatte, erschien vor ihr. Sie fuhr mit der Hand nach dem Gürtel, ergriff eine der Pistolen, zog den Hahn auf und sagte nicht sehr laut, aus Furcht, von den aufgestellten Wächtern gehört zu werden: „Wer da?" Gleichzeitig zielte sie, bereit, zu feuern. „Keine Dummheiten, Madame Lefebvre, ein Freund," sagte eine Stimme, die sie zu erkennen glaubte. „Wer, ein Freund?" „Zu dienen, La Violette." „Ach, Du bist's, Du Dummkopf, Du hast mich beinahe erschreckt," sagte Catherine, ihren Kantinengehilfen erkennend, einen etwas simplen Jungen, über den sich das Bataillon gern lustig machte. La Violette galt nicht für einen Helden und war der Gegenstand täglicher Witze und Neckereien. Catherine hatte ihrs Pistole eingesteckt und lachte jetzt über ihren Schreck. , A »So komm' doch vor," sagte sie. „Teufel, vor mir brauchst Du Dich doch nicht zu fürchten. Wozu streifst Du denn vor der Linie herum, Du, ein solcher Hasenfuß?" La Violette trat schüchtern einige Schritte vor. „Ich will es Ihnen sagen, Madame Lefebvre. Ich sah Sie aus dem Lager herausgehen und wollte Ihnen nachgehen." „Um mir nachzuspioniren?" «O nein; aber ich habe mir gedacht, daß es dort, wo Sie hingingen, vielleicht gefährlich fei." „Gefährlich ? Ja, ja, das ist es; aber was geht es Dich an? Du und die Gefahr, Ihr seid Zwei." „Madame Lefebvre, ich habe mich schon längst mit der befreunden wollen. Ich habe mir gesagt, daß heute Abend vielleicht eine gute Gelegenheit dazu sei." „Warum heute Abend?" sagte Catherine, über die Haltung und Beharrlichkeit des Kantinengehilfen erstaunt. „Weil," antwortete La Violette etwas verlegen und nach Worten suchend, „weil man am Abend ruhig ist und sich nicht zu fürchten braucht, gesehen zu werden." „Du willst nicht gesehen werden?" „Gewiß nicht! Wenn ich in der Nacht Furcht habe, so sieht es Niemand, während es mich am Tage noch mehr ein- fchüchtert — aber etwas sagt mir, daß ich mit Ihnen, Madame Lefebvre, keine Angst zu haben brauche." „Du willst also mit mir kommen," fragte Catherine immer überraschter. „O, schicken Sie mich nicht zurück!" flehte der arme Junge und fügte in aufrichtigem und sehr bewegtem Tone hinzu: „Ich liebe Sie so sehr, Madame Lefebvre! Am Tage hätte ich nie gewagt, Ihnen das zu sagen — in der Kantine vor allen Kameraden — aber hier, wo Alles schwarz ist, bin ich kühn, da erkenne ich mich gar nicht mehr." Catherine hatte tndeß ihren Weg fortgesetzt. Sie wollte diesem lächerlichen Liebhaber in halb gereiztem, halb ironischem Tone antworten, als zwei Schöffe durch die Nacht hallten. „Halt!" rief Catherine La Violette zu, der vorwärts gestürzt war. „Wohin denn? Nimm Dich in Acht!" rief sie lauter. La Violette rannte vorwärts, auf seinem Rücken tanzte ein runder Gegenstand, man hätte sagen können, ein beweglicher Höcker. Catherine sah den Kantinengehilfen in einem Hopfenfelds verschwinden, aus dem die zwei Schüffe gekommen waren. Da sie einen Hinterhalt fürchtete, blieb sie am Rande des Hopfenfeldes stehen. Sie hörte ein Geräusch wie von zerbrochenen Zweigen, ein Stampfen von Füßen, und dann erblickte sie in der Ferne die unbestimmte Silhouette eines Mannes, der den Wäldern zufloh, die bis nach Jemappes reichten. „Er läuft nach der unrechten Seite! Er wird den österreichischen Vorposten in die Hände fallen und sich gefangen nehmen lassen," dachte ste, in der Meinung, daß der Fliehende La Violette sei. Und mit einem Seufzer, in den fich ein Anflug von Be- dauern mischte, fügte sie hinzu: „Schade, es war ein guter Junge, wenn auch ein Hasenfuß. Er wird in der Kantine schwer zu ersetzen sein." Dann schickte sie sich an, ihren Weg fortzusetzen, als plötzlich unter den Hopfenstangen, lang und mager wie diese, La Violette erschien. Er hielt seinen bloßen Säbel in der Hand und wischte die Klinge an den Blättern ab. „Du!" rief sie überrascht. „Woher kommst Du, was hast Du gemacht?" „Ich habe den Kaiserlichen verhindert, seine Flinte wieder zu laden, wie er beabsichtigte," sagte ruhig La Violette, indem er seinen Säbel versorgte. „Wo ist er?" fragte Catherine. „Dort in den Hopfenstangen." „Todt?" „Ich glaube ja. Was den Anderen betrifft, so hatte er bas Glück, auf einen solchen Hasenfuß wie mich zu stoßen, sonst hätte ich ihn noch eingeholt. Ich kann gut laufen, Ma- dame Lefebvre, aber das da genirt mich," fügte der Kantinengehilfe hinzu, indem er auf den runden Gegenstand auf seinem Rücken wies. „Was ist das?" „Die Trommel von Guillaummet, dem Tambour. Ich habe sie mir von ihm ausgeborgt." „Wozu?" „Es kann manchmal nützen und dann paßte die Trommel besser sür mich, als ein Gewehr. O, wie gern wäre ich Tambour geworden, es geht aber leider nicht, ich bitt zu groß, Madame Lefebvre. Aber sagen Sie, sollten wir jetzt nicht ein bißchen rasch machen? Der Oesterreicher, den ich entwaffnet =”■ 884 habe, wirb Alarm schlagen und wir könnten diese Weißröcke in bett Rücken bekommen. Ich sage das nicht meinetwegen." „Du fürchtest Dich also nicht mehr?" „In ber Nacht niemals, bas sagte ich Ihnen ja. Vorwärts, Mabame Lefebvre!" „La Violette, Du bist ein tapferer Junge!" „Spotten Sie nicht über mich, Madame Lefebvre. Ich weiß wchl, daß ich ein Hasenfuß bin und ich weiß auch, daß ich Sie riestg liebe." „La Violette, ich verbiete Dir, so zu sprechen!" „Schön, ich schweige schon; aber vorwärts, Madame Lefebvre, jetzt, wo das Terrain reingefegt ist." Catherine betrachtete ihren Gehilfen mit erneuter Ueber- raschung. Er zeigte sich ihr von ganz unerwarteter Seite. La Violette lief nicht vor dem Feuer davon! La Violette stürzte sich mit dem Säbel in der Hand auf zwei im Hinterhalt liegende Oesterreicher! War ihr Gehilfe denn vertauscht worden? Einen Augenblick kam ihr der Gedanke, ihn in's Lager zurückzuschicken, aber da sie ihn so kriegerisch, so martialisch sah, fürchtete sie, ihn zu kränken, und außerdem konnten Zwei sich bester aus der Affaire ziehen. „La Violette," sagte sie mit sanfter und freundschaftlicher Stimme, „ich muß Dich warnen. Dort, wohin ich gehe, ist's gefährlich, sehr gefährlich. Du bestehst also darauf, mich begleiten zu wollen?" „Ich folge Ihnen in's Feuer, Madame Lefebvre!" „Gut, dann fange damit an, mich in's Master zu begleiten, denn wir müssen durch diesen Bach, um in das Schloß, das Du dort siehst, zu gelangen. Dorthin will ich gehen." „Wollen wir gehen! Vorwärts, Madame Lefebvre, ich folge Ihnen." „Schön, dann schweige und mache die Augen auf!" Beide stiegen in das Bett des kleinen Baches, der Wssme, hinab und durchschritten es, bis an's Knie im Wasser. Bald befanden sie sich vor den Ställen des Schlosses. Vorsichtig ging Catherine die Mauer entlang, eine Stelle suchend, wo sie leicht in den Garten dringen konnten. Als sie eine solche bemerkte, wo die Mauer theilweise verfallen war, machte sie La Violette ein Zeichen, er möge ihr beim Hinaufklettern helfen. „Mit Vergnügen, Madame Lefebvre," sagte der naive Liebende, indem er sich bückte und ganz glücklich war, seiner Begleiterin in dieser Weise helfen zu können. Einige Augenblicke später befanden sich Beide im Garten und schlichen vorsichtig, sich hinter den Bäumen haltend, auf einen Saal im Erdgeschoß zu, aus dem helles Licht glänzte. XVII. Die Hochzeitsmesse. Baron Lowendaal und Marquis von Lavaline waren in einer entscheidenden Unterredung miteinander einig geworden. Der Generalpächter hatte seine Bedingungen gestellt: Entweder würde Blanche noch in dieser Nacht seine Frau oder er reiste sofort nach dem Elsaß und ließ die Güter Lavalines unter Sequester setzen, ohne von anderen Maßnahmen zu sprechen, die er gebrauchen würde; er konnte den Marquis für immer zu Grunde richten. Dieser hatte sofort den lebhaften Wunsch an den Tag gelegt, den Baron zum Schwiegersohn zu erhalten- Den Marquis blendete nicht nur der Glanz dieser Heirath, auch seine eigene Ehre stand auf dem Spiel und ließ ihn innig wünschen, daß Blanche zur Vernunft komme und in die Wünsche Lowendaals einwillige. Der Baron übte auch hier einen Zwang aus so wie damals, als er Leonard bestimmt hatte, ihn von Beaurepaire zu befreien. Er hatte den immer geldbedürftigen Marquis in eine scandalöse und gefahrvolle Angelegenheit verwickelt. Als Freund des Prinzen von Rohan war Lavaline an der kläglichen Halsbandgeschichte betheiligt gewesen. Er war den Verfolgungen entgangen, aber bet Baron besaß ben Beweis seiner Antheilnahme an bett betrügerischen Manöver» ber Urheber biefes ungeheuren Schwindels, bei dem die Rolle ber Königin Marie Antoinette mehr als zweideutig gewesen. Sollte ber Marquis, um dem Baron zu entgehen, aus Frankreich flüchten? Der österreichische Hof würde ihn gefangen nehmen, ihm den Prozeß machen und so die Ehre ber Königin, der einstigen Herzogin, retten. Sollte er im Lande bleiben? Der revolutionären Regierung angezeigt, überlieferte ihn seine Rolle bei der Halsbandgeschichte unweigerlich dem Schaffot. Er war also gänzlich dem Baron auf Gnade und Ungnade überlassen. Der Vater Blanches befand sich wie das Schloß, das er bewohnte, zwischen zwei Feuern. Er beschloß also, noch einmal einen entscheidenden Schritt bei seiner Tochter zu unternehmen, fand jedoch Blanche entschiedener als je, den Wünschen des Barons zu widerstehen. Zuletzt gestand der Marquis die Gefahr, in der er sich befand. Der Baron war Herr seiner Güter, seiner Ehre, seines Lebens. Blanche mußte ihn retten oder es blieb ihm nichts übrig," als zu sterben. Wollte sie, indem sie ihn zu einer verzweifelten That trieb, die ewige Reue über einen Vatermord auf sich nehmen? Als Blanche dieses Geständniß empfing, konnte sie, erregt und zitternd, nur unzusammenhängende Worte stammeln. Sie erstaunte über die seltsame Beharrlichkeit des Barons. Besaß der Mann, der ihr Gatte werden wollte, kein Mitleid, keine Würde? Trotzdem er wußte, daß sie ihn verabscheute, daß sie einen Andern liebte und daß dieser Liebe ein Kind entstammte ? Ueberzeugt, daß der Baron den Brief, den sie Leonard übergeben, empfangen hatte, suchte Blanche die Befürchtungen ihres Vaters zu beruhigen. Sie sagte sich, daß Lowendaal, weil er gegen den Marquis Stillschweigen bewahrt hatte, von ihrem Geständniß gerührt sein mußte. Er hatte ihr Gehsim- niß nicht enthüllt, wollte also seinen zweideutigen Einfluß über den Marquis'nicht mißbrauchen. Heftig verliebt, rechnete er darauf, daß Blanche von ihrem Entschlüsse abkommen würde, verzieh den Fehler, den sie ihm gestanden hatte und wollte vergessen, daß ein Anderer vor ihm geliebt worden war. Vielleicht hoffte er nun, seinerseits geliebt zu werden. (Fortsetzung folgt.) GeineiirnÄtzrges. Krebspasteten. Man kocht ein Dutzend Krebse unb schneidet das Fleisch der Scheeren und Schwänze in kleine Würfel. Aus den Schalen bereitet man Krebsbutter, schwitzt einen Eßlöffel Mehl in ebensoviel Krebsbutter, verkocht diese Mischung mit */< Liter kräftiger Auflösung von Liebigs Fleischextract, sowie einigen gehackten Trüffeln, würzt sie mit Salz und Citronensast, rührt sie mit zwei Eidottern ab und mischt unter diese Sauce das Krebsfleisch. Ein Dutzend Blätterteigpastetchen werden kurz vor dem Anrichten mit dieser Mischung gefüllt und dann servirt- Literarisches Aus Wiener Fachkreisen wird uns geschrieben: Da die Herbststoffe in starken Geweben erzeugt werden, ist anzunehmen, daß zu» Herstellung der Aermel nicht mehr so viel Stoff verwendet werd« dürfte als bisher und daß dieselben daher an Breite abnehmen werden- Dagegen bleiben die Röcke in ungeschmälerter Weite, nur wird die Faltenglocke momentan nicht mehr rund geschnitten, sondern aus schmalen Zwickelbahnen zusammengestellt. Im Salon werden abfallende Achseln dominiren und auf der Straße als Neuheit empireartige, kurze Promenadejäckchen aus Sammt oder Tuch. Heft 22 der „Wiener Mode" enthält nebst vielen anderen eleganten und praktischen Toiletten eine Anzahl dieser kleidsamen Jäckchen, die gewiß den Beifall der Damenwelt finden werden. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schcn Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen,