Elend und mr brutalen le Zukunfts- Der eisige Nacken zu urchfchreiten n Viertels len und sich Hassen. Er Dienste in Gehirn zu irmisch, so und ver- es, seiner , wenn er Nation ver» i er eine >rse allein, r an ihn das durch und um Adern zu das auch das Herz >enn ihre )as Unbe* txbobwer ' sie iuff Käubij«, sie fetze dachte nd dachte iourlenne wc kann niemals dringling folgt.) -s- iß«. SmStag öm 15. Juni Nr. 70 <-VV •• V V leßeKCF HMrWWgsdlatt zum Gießener Anzeiger (Oeneml-AuMger). I Die Tochter des Meeres. Roman von A. Steel«. (Fortsetzung.) * Lord Treville überlegte einige Augenblicke. „Unter der Bedingung, daß meine Schwester und Nichte sich den Regeln meines Hauses fügen und mich in meinen alten Gewohnheiten lasten, will ich dem letzten Wunsche meines Bruders nachkommen. Und, nicht wahr, Herr Meynard, Sie vergeffen nicht, in meinem Namen der Geheimpolizei eine Belohnung von hundert Pfund Sterling zu versprechen, wenn man bald das Mädchen findet. Durch sie kann man der Sache am leichtesten auf den Grund kommen." Noch während der Graf sprach, zog er an der Klingel. „Sie müssen mich entschuldigen, Herr Meynard," sagte er, „aber ich bin so kränklich, daß mir wohl eine Ausnahme von den allgemeinen Regeln der Gastfreundschaft gestattet ist. Wenn Sie gütigst die Aufmerksamkeit meines Dieners an- nehmen wollen, der seit so vielen Jahren bei mir und wahr» lich kein schlechter Stellvertreter ist, werde ich mich glücklich schätzen, Sie, so lange es Ihnen beliebt, als Gast unter meinem Dache zu wissen." „Ich danke Ihnen, Mylord! Ich werde nur für eine Nacht von Ihrer Güte Gebrauch machen," entgegnete der Gast kalt. „Da ich morgen wahrscheinlich schon sehr früh auf« breche, so will ich mich gleich jetzt von Ihnen verabschieden." Wenn Graf Treville auch kränklich war, so war das doch kein Grund dafür, daß seine Hand brennend heiß war, als er die Hand seines Gastes berührte. „Er empfindet doch mehr für seinen Bruder, als ich Mubte," sprach Herr Meynard leise für sich hin, als der Diener ihn in das Speisezimmer führte. Aber die ersten Worte, die Graf Treville sprach, sodald er sich allein sah, entsprachen wohl kaum dieser Schlußfolgerung. „Falkner? Falkner?" rief er mit Entsetzen. „Der Himmel erbarme sich meiner! Ist es denn möglich, daß die Tobten wieder lebendig geworden sind?" XXIV. ®orct erkannte auf der Flucht die Gefahr zur Rettung des verfolgten Lord zuerst in ihrem vollen Umfange, als sie des Wächters rasche Fußtritte vernahm. Sie faßte Lord Belforts Arm und zog ihn hastig hinter einen Haufen Steine, die zum Bau neuer Stallungen angefahren worden waren. Der Wächter lief an ihnen vorüber, ohne sie zu bemerken, und der Weg nach der Küste war für den Verfolgten frei. Cora forderte denselben auf, ihr so rasch al» möglich zu folgen, und Beide liefen in der entgegengesetzten Richtung weiter. Nach kurzem Laufe kamen sie an das Privatthor, durch welches sie mittelst Lady Marians Hauptschlüssel hinausgelangten. Nachdem sie dort einen Augenblick geruht und Athem geschöpft hatten, führte Cora ihren Gefährten einen steilen Weg hinauf. „Wohin führen Sie mich? Was soll das Ende dieser wilden Flucht sein, Cora?" srug Lord Belfort, denn seine Kräfte waren erschöpft. „Nach dem Steinbruch!" flüsterte sie. „Dort sind Sie einige Zeit sicher." Dieser Plan war aber rascher gefaßt als ausgeführt, denn die Finsterniß und der tiefe Abgrund auf der einen Seite ihres Weges, der jeden Schritt bedenklich machte, und die beständige Furcht, hinter jedem Strauch oder Stein könnte ein Verfolger hervortreten, vermehrten die Gefahr dieses nächtlichen Ganges. Aber endlich ging der Mond auf und beleuchtete die weiße Oberfläche des Steinbruchs. Er hätte eine Armee bergen können, so groß war er, und Lord Belfort schauderte, als sein Auge auf diesen dunklen, einsamen Zufluchtsort fiel, der einem großen Grabe glich. „Es ist unmöglich! Wir können nicht sicher da hinunter gelangen," sagte er zurückweichend. „Wir müssen! Es- ist unsere einzige Hoffnung!" erwiderte sie. «Es können Leute hier vorbeikommen, die, von der auf Ihre Ergreifung ausgesetzten Belohnung angezogen, sofort auf die Beschreibung Ihres Aeußern aufmerksam werden. Erst in jener Höhle dort unten sind wir sicher." Er konnte nicht feige zurückweichen, wenn ein junges, zartes Mädchen ihm auf dem gefährlichen Wege voranging. 27s - Und obgleich ihm schwindelte und seine Glieder von Erschöpfung zitterten, entschloß er sich doch, in den finsteren Steinbruch hinabzusteigen. Cora war schon unten, und mit jedem Schritte, den der ihrer Obhut Anvertraute vorwärts that, stieg ihre Hoffnung, als Lord Belfort infolge eines Fehltrittes ausglitt und das letzte Stück herabstürzte. Cora hatte Geistesgegenwart genug gehabt, rasch herzu« zuspringen und dadurch das heftige Auffallen des Lords auf den harten Boden zu verhindern. Als sie ihn aber dann ansah, sank ihr der Muth, und kalt durchrieselte es ihren Körper. „Ist er tobt l« Das war ihr erster, unwillkürlicher Ausruf, und Lord Belfort empfand bei diesem Klageton eine wohlthuende Freude, die ihn trotz seiner großen Schmerzen sich rasch aufraffen ließ. „Nein, neinl" murmelte er mit all' der Kraft, die ihm zu Gebote stand. „Ich bin unverletzt .... so glaube ich wenigstens." Aber als er aufstehen und den Fuß bewegen wollte, auf den er mit der ganzen Körperlast gefallen war, entrang sich ihm ein Schrei. „Haben Sie sich den Fuß verletzt?" fragte das Mädchen besorgt. „Ich fürchte... ja. Er schmerzt mich entsetzlich, wenn ich mich bewege, aber ich glaube nicht, daß er gebrochen ist," sagte er, indem er zu lächeln und heiter zu sprechen versuchte. Cora rollte zu seiner Stütze schweigend einen Stein herbei, während er sich zu überzeugen suchte, ob ein Knochen gebrochen sei. „Ich glaube, er ist der Knöchel," sagte er; „dort fühle ich den Schmerz. Offenbar bin ich zum Unglück bestimmt," setzte er mit mattem Lächeln hinzu. „Cora, ich bin selbst, süchtig, daß ich Sie mit in mein trauriges Loos ziehe. Neber- lasien Sie mich meinem Schicksal! Ich will nicht mehr gegen dasselbe ankämpfen- Gehen Sie, geliebte Cora! Noch find wir vor Argwohn sicher. Ueberlassen Sie mich meinem Loose. Es ist ja nur Leben um Leben," setzte er mit traurigem Kopfschütteln hinzu, „und ich darf mich ja nicht beklagen." „Ich werde nicht gehen," erwiderte sie entschlossen. „Ich habe keine glänzenden Aussichten, daß mir Gefahr und Sorge so entsetzlich wären. Verlieren Sie nur nicht den Muth und es wird uns schon noch gelingen, zu entkommen." Sie nahm aus der Kleidertasche einige Erfrischungen, die sie, bevor sie Schloß Biddulph verließ, zu sich gesteckt hatte und reichte sie ihm, und nachdem die Bläffe des Schmerzes und der Erschöpfung ein wenig wieder von den Wangen und Lippen ihres Gefährten gewichen war, sagte sie heiter: „Nun lassen Sie mich Ihren Fuß verbinden und Ihnen einen mög» lichst bequemen Ruheplatz bereiten. Ich bin überzeugt, daß wir, auch wenn Sie länger hier bleiben müßten, als wir glauben, doch sicher sind. Kein Mensch wird daran denken, hier in dieser dunklen Höhle Sie zu suchen." Während ihrer Worte bereitete sie ein Lager, so gut der Ort er ihr gestattete. Der Mantel, den der Lord getragen hatte, diente als Unterlage; ein großer indischer Shawl, den Cora um ihre eigenen Schultern geschlungen hatte, war das Kiffen unter de« Kranken Kopf; und nachdem sie den Patienten mit einiger Mühe auf dieses Lager gebettet hatte, machte sie sich daran, ihm den Schuh auszuziehen und den Knöchel, der schon anfing, anzuschwellen, zu untersuchen und zu verbinden. Es war dem jungen Edelmann ein unaussprechlich wohl- thuendes Gefühl, so gepflegt zu werden, doch überschritt er weder durch ein Wort, noch durch einen Blick oder eine Bewegung die Grenzen des Respects, den er einem so tapferen, edlen und doch so schutzlosen Mädchen schuldig war. Erst nachdem Alles geschehen, was unter diesen Umständen möglich war und Cora sich endlich müde und erschöpft auf einen Stein gesetzt hatte, drückte er seine innigste Dankbarkeit aus- „Cora," sprach er, „ich habe mich in den einsamen Stunden, zu denen ich in letzter Zeit verurtheilt war, oft darüber gewundert, warum Sie mir geholfen und so viel für mich gewagt haben. In glücklicheren Tagen haben Sie mich stets gemieden ... ja, Sie schienen mich zu Haffen. Warum handeln Sie jetzt so ganz anders?" „Ist es nicht etwas ganz Anderes, ob man Jemandes vertrauter Freund ist'oder ihm in großer Roth und Gefahr beisteht?" versetzte sie ausweichend. „Und alles das ist . . . nur Mitleid?" fragte er in gedämpftem Tone. „Ich kann ja auch nicht mehr erwarten, da ich in Ihren Augen als Schuldiger und Verräther dastehen muß. Als ich an die Vergangenheit dachte, an Ihre Beziehungen zu dem unglücklichen Lord Faro, da hätte ich von Ihnen eher Haß und Abscheu, als auch nur Mitleid erwartet." Sie schwieg einige Zeit. „Lady Marians Glück schien von Ihrer Flucht und Sicherheit abzuhängen," antwortete sie endlich. „Marian ist ein gutes, liebes Mädchen," sagte er ungeduldig, „aber ich kann mir kaum damit schmeicheln, daß mein Schicksal irgendwie Einfluß auf sie haben könnte, außer vielleicht, daß es ein vorübergehendes Gefühl des Mitleids für einen alten Jugendfreund erweckt. Und Sie sind doch wohl nicht so bekannt mit ihr, daß Sie um ihretwillen Alles opfern würden? Cora, Sie sprechen nicht aufrichtig, wenn Sie das als Grund angeben. Doch, ich habe vielleicht kein Recht dazu, Sie weiter zu fragen." „Ich konnte es nicht ertragen, Lady Marian so traurig und Sie so hilflos zu sehen. Sie hegt eine wahre, edle Liebe für Sie, Mylord, und es wäre Unrecht von Ihnen, wenn Sie undankbar gegen sie wären." „Und doch glaube ich nicht, noch will ich glauben, baß sie mehr als schwesterliche Liebe für mich empfindet," sagte er. „Marian Biddulph kann mir niemals mehr sein und ich hoffe, daß sie nie mehr als brüderliche Zuneigung von mir wünschen wird. Aber," fuhr er plötzlich aufschreckend fort, „was für ein Thor bin ich, so etwas zu sprechen oder auch nur zu denken! Als ob die Erbin von Biddulph auch nur einen Moment an einen armen Flüchtling denken könnte, der eines Verbrechens wegen verfolgt wird." „Glauben Sie, die Liebe hänge von solchen Zufälligkeiten ab?" fragte Coea kalt. „Wenn ich so reich und hochgeboren wäre wie Lady Marian, so würden doch meine Gefühle gegen Jemand, den ich meiner Liebe werth hielte, dieselben bleiben. Der Kummer würde mich nur um so fester an ihn binden." „So denken Sie! Ach, möchten Sie doch stets so treu und edel sein!" sprach er traurig. „Wenn ich stets an einen Character wie den Ihrigen geglaubt hätte, Cora, so wäre Manches anders geworden, woran ich jetzt nur mit Beschämung denke." Wieder entstand eine Pause, nach welcher Ernst in ruhigerem Tone fortfuhr: „Cora, mir ist zuweilen der Gedanke gekommen, daß Sie meine Handlungsweise gegenüber der Tochter Ihres Beschützers nicht sür eine ehrliche halten müssen. Darf ich Ihnen, ohne eitel oder anmaßend zu erscheinen, die volle Wahrheit sagen?" „Es kann für mich von wenig Interesse sein, doch wenn Sie es wünschen, höre ich gern, was Sie mir zu sagen haben," entgegnete Cora mit halbabgewandtem Gesicht. „Dann will ich mich kurz fassen," sprach er. „Um des Tobten wie um meiner selbst willen werde ich nicht auf Einzelheiten eingehen, die besser begraben bleiben. So viel aber muß ich sagen, daß von meiner Kindheit, ja, von Nettas Geburt an Pläne zu einer Vereinigung unserer Familien gemacht wurden ... und ich, im thörichten Stolz der Jugend, hatte beinahe Freude an dem Gedanken, das Schicksal eines jungen, hübschen Mädchens in Händen zu halten, mich nach Belieben um sie bewerben zu dürfen oder nicht. Ich hätte es vielleicht ausgeführt, hätte vielleicht mit Nettas Eitelkeit mein Spiel getrieben, meine eigene Eitelkeit befriedigt und schließlich tm Einklang mit meiner thörichten Phantasie gehandelt, wenn ich Sie nicht gesehen hätte, Cora. Das genügte. Von der Stunde 278 an wußte ich, daß Netta nie meine Gemahlin werden würde. Lord Faros Gedanken stimmten bald mit bett meinigen nur zu sehr überein. Er sah, daß ich nicht die Absicht hatte, mich um die Hand seiner Tochter zu bewerben. Ebenso scharf war sein Auge in Bezug auf meine Gefühle Ihnen gegenüber... Cora, ist es möglich, daß Sie blind gewesen wären für Lord Faros Zuneigung, die er für die Gesellschafterin hegte? Jetzt begreifen Sie doch die ganze Affaire und das verhängnißvolle Duell zwischen uns." , . _ Des Mädchens Kopf war tief herabgesunken. Das Gehörte war ihr vielleicht nichts Neues, aber es war das erste Mal, daß es in Worts gekleidet wurde und das ergriff und schmerzte sie tief. XXV. Eine Nacht und ein Tag war über die zwei Flüchtlinge in ihrem seltsamen Versteck hinweggezogen und noch hatte sich ihnen weder Hilfe noch die geringste Gefahr der Entdeckung genähert. Belforts kranker Fuß war nicht beffer geworden; der Schmerz und die Geschwulst hatten sich eher verschlimmert, und Cora hatte kein anderes Hilfsmittel, als den Bach, der zu ihren Füßen dahinfloß. In diesen tauchte sie fortwährend das Tuch, das sie um das entzündete verletzte Glied wand. Auch die Lebensmittel nahmen rasch ab, nur noch etwas Zwieback und Wein waren übrig geblieben ... und auch diese konnten kaum noch vierundzwanzig Stunden ausreichen. Bei Belforts Zustand war an ein Weitergehen gar nicht zu denken und nun drohte ihnen eine neue Gefahr ... der Hunger. Was war zu thun? Woher konnte sie etwas zu essen bekommen? Auf diese Frage gab es nur eine Antwort: Cora mußte sich an irgend einen arglosen Hüttenbewohner in der Nähe wenden. Und sie konnte keine andere Vorsicht beobachten, als eine Stunde zu wählen, wo die Männer bei ihrer Arbeit außer dem Hause sein würden. „Es ängstigt Sie doch nicht, wenn ich Sie allein lasse? Sie sind doch von meiner Rückkehr überzeugt?" sagte Cora zu ihrem Gefährten. „So undankbar bin ich nicht," entgegnete er, „wenn auch eine hilflose Gefangenschaft an einem solchen Ort sogar das stärkste Herz mit Bangigkeit erfüllen muß. Aber ich verdanke Ihnen mein Leben, Coral Sie werden mich nicht verhungern lassen." „Niemals!" antwortete sie und begann ihre mühselige Wanderung. Vor ihr führte ein schmaler Pfad nach dem Wasserfall hin und wieder über steile Stufen und gebrechliche Brücken. Dort war vielleicht eine Hütte zu finden, bevor der Weg hinter den grünen Bergen abbog und dorthin lenkte Cora ihre Schritte. Furchtlos eilte sie den schmalen Pfad hinab, bis sie in die Nähe eines weißen Häuschens gelangte, dessen untere Fenster durch dichtes Buschwerk verdeckt wurden. Die einfache, einsam gelegene Wohnung sah vielversprechend aus und als Cora das Ziel ihres Laufes wor sich sehen konnte, verdoppelte sie ihre Schnelligkeit. Jetzt war die Thür erreicht und sie klopfte möglichst laut an. Einige Momente blieb es still. Dann meinte Cora flüstern zu hören und nach kurzer Pause wurde die Thürklinke niedergedrückt und es erschien eine Frau von etwa dreißig Jahren, mit frischem Gesicht und lebhaften Augen, der echte Typus der Bergbewohner. „Können Sie mir etwas zu essen geben?" fragte Cora nach einem freundlichem Gruß. „Ich will gern bezahlen, was Sie verlangen, wenn Sie mir etwas geben wollen." „Was gut für uns ist, ist auch gut für Andere," lautete die rauhe Antwort, „aber wir verkaufen nichts." »Ich hoffe doch, daß Sie ein gutes Herz haben und Mit- leid mit einet Verirrten fühlen, der es an Nahrung fehlt und die dafür bezahlen kann," entgegnete Cora stolz. „Aber wenn wir nur gerade genug für uns haben?" sagte die Frau. „Außerdem habe ich Leute hier im Hause, ä die sich nicht gern stören lassen. . . . Darum thäten Sie gut, Ihrer Wege zu gehen. Ich kann weder Sie noch Ihr Geld brauchen." „Sie werden mir doch nicht die Thür weisen, wenn ich Ihnen sage, daß ich in dieser einsamen Gegend ohne Schutz und ohne Nahrung bin?" sagte Cora. „Sie sind keine Stunde von der Stadt entfernt. Dort gibt er Verkaufsläden genug," erwiderte die unbarmherzige Frau. Sie war eben int Begriff, vor der entrüsteten Bittenden die Thür zu schließen, als sie Jemand aus dem Innern des Hauses tief. Sie zog die Thüt halb zu und eilte in dar Nebenzimmet. Cota wat unschlüssig, ob sie das ungastliche Haus verlassen ober warten sollte, bis bie Frau zurückkehrte, aber es war keine anbere Wohnung in Sicht und es wäre unüberlegt gewesen, eine Aussicht auf Erfüllung ihres Wunsches aufzugeben. Geduldig wartete sie auf die Rückkehr der Frau. Es vergingen einige Minuten, die ihr in ihrer Ungeduld wie Stunden erschienen; dann kehrte die Frau zurück. „Sie mögen hereinkommen und ausruhen," sagte sie, „während ich etwas zu essen hole, aber lange können Sie hier nicht rasten, sonst kommt mein Mann zurück und jagt Sie aus dem Hause ... und mich hinterdrein." „Nein, wenn Ihr Mann böse werden sollte, trete ich nicht ein," Hub Cora zurückweichend an. Aber die Hand der Frau legte sich auf ihren Arm und zog sie in das Haus. „Ich werde gleich mit Fleisch und Milch zurückkehren," sagte sie und rückte einen Stuhl zum Kamin, den sie dem müden, fröstelnden Mädchen anbot. Cora setzte sich und die Frau verließ bas Zimmer. Die Zeit verstrich langsam. Nichts regte sich in dem Hause. Endlich vernahm Cora Schritte und ein Geräusch, wie wenn Geschirr weggeräumt würde; sie hörte das Rauschen eines Kleides und das Rascheln von Papier. Von Zeit zu Zeit meinte sie auch leises Flüstern zu hören. Ihre Situation begann ihr unbehaglich zu werden. Die Sonne ging unter und Cora begann zu befürchten, daß sie in der Dunkelheit den Rückweg nicht würde finden können, ganz abgesehen von der Angst, die der Kranke empfinden würde, wenn sie so lange ausblieb. Beffer war es, zurückzukehren, ohne ihre Absicht erreicht zu haben. Sie stand auf und rückte die Stühle und Sessel möglichst geräuschvoll bei Seite, in der Hoffnung, ihrer Wirthiu dadurch ein Zeichen zu geben. (Fortsetzung folgt.) Madame Sans Gwe. Roman nach Victorien Sardou und F. Morrea«. Deutsch von Adele Berger. (Fortsetzung.) Die Thür öffnete sich und ein junger Mann |in der Uniform eines Infanteristen erschien. Es war ein hübscher, junger Mann, frisch, rosig, zart, noch bartlos, mit fchönen, schwarzen Augen voller Energie. Auf dem Aermel des Rockes glänzte noch ganz neu der Streif des Sergeanten. „Was wünschen Sie?" fragte Bonaparte rauh. „Ohne Zweifel befinden Sie sich in einem Jrrthum." Der junge Sergeant grüßte militärisch. „Ich habe doch die Ehre, mit dem Artilleriecapitän Bonaparte zu sprechen?" sagte er mit sanfter Stimme. „Jawohl. Was führt Sie her?" „Ich heiße Rens," begann der kleine Soldat etwas zögernd. „Rens — sonst nichts?" fragte Bonaparte, seinen durchdringenden Blick, der bis in die innerste Seele spähte, auf den Unbekannten richtend. ää» 280 •“ «. Gchtyda. — DrwS m» «erisg derBrüHr'fchM D«vrrM8^dich. mrd Stnndruckrrei (Pirsch * Sch«Y»«) in Eich» Za, Rene/ antwortete der Besuch etwas sicherer., Empfehlung bei dem 4. Artillerie-Regiment wäre nutzlos, ,,3n dem Freiwilligencorps von Mayenne-et-Loire, zu dem | sogar schädlich, ich kenne Niemanden in Paris, lebe allein, ich mich anwerben ließ, nennt man mich auch der hübsche | warte selbst auf eine Protection. Aber ich kenne den Bruder Sergeant." | eines einflußreichen Mannes, des ehemaligen Deputirten „Sie verdienen diesen Beinamen," sprach Bonaparte I Maximilian Robespierre. Er wohnt ganz in der Nähe, lächelnd. „In der That, Sie sehen für einen Soldaten sehr I Rue Saint-Honor«. Suchen Sie ihn auf, vielleicht kann er sanft, sehr kokett aus." | Ihnen erwirken, was mir abgeschlagen werden würde — ia, „Sie werden mich im Feuer beurtheilen, Herr Kapitän," I suchen Sie den jungen Robespierre auf I" antwortete der zierliche Freiwillige prahlerisch. I „O, tausend Dank, Herr Kapitän! Wie kann ich Bonaparte machte eine etwas schwermüthtge Grimasie. i Ihnen meine Dankbarkeit beweisen!" „Im Feuer!" brummte er vor sich hin. «Ob ich je I Bonaparte hob den Finger und sagte langsam halb dahin geschickt werde?" I lächelnd, halb ernst: „Indem Sie mir mittheilen, wackerer Dann betrachtete er den unerwarteten Besuch etwas | Sergeant, was Sie bewog, die Kleider Ihres Geschlechtes aufmerksamer. w I abzulegen, um sich anwerben zu lasten, und sich den Gefahren „Kommen Sie zur Sache . . . was wünschen Sie? Was I bes Krieges auszusetzen?" kann ich für Sie thun?" „ | Der hübsche Sergeant begann zu zittern. „Herr Kapitän, mein Bataillon, das von Herrn von | „£>, Verzeihung, Herr Kapitän, verrathen Sie mich nicht 1 Beaurepaire commandirt wird ..." i Seien Sie großmüthig! Verrathen Sie nicht meine Ber- „Ah, diesen tapferen Soldaten kenne und schätze ich!" I kleidung, stürzen Sie mich nicht ins Verderben, indem Sie unterbrach Bonaparte. „Und wo ist in diesem Augenblick I meinen Betrug aufdecken! Ja, ich bin eine Frau!" Ihr Bataillon?" fuhr er mit erhöhtem Interests fort, I „Ich habe gleich diesen Verdacht gehabt," sagte Bona» indem er nicht aushörte, den so jungen und anscheinend so j parte gut gelaunt. „Aber Ihre Kameraden, Ihre Chef- schüchternen Sergeanten mit größter Aufmerksamkeit zu be« I haben nichts gemerkt?" trachten. | „In unserem Bataillon sind eine Menge ganz junger „In Paris, aber nur für wenige Tage. Wir kamen j Leute, kein einziger hat ein behaartes Kinn — und dann, in Eilmärschen von Angers und bewerben uns um die Ehre, I Herr Kapitän, ich versehe meinen Dienst sehr ernsthaft!" ries als Erste nach der Grenze abzugehen — man schickt uns ! die junge Kriegerin stolz. Verdun zu Hilfe." , ,1 „Daran zweifle ich nicht. Sie sind also Freiwilliger, „Ah, das ist schön! Wie glücklich seid Ihr, daß i und wenn ich Sie recht verstehe, wollen Sie, daß auch jener Ihr Euch schlagen dürft!" sagte Bonaparte mit einem | Arzt — jener Assistent, Namens Marcel, der Ihnen gewiß Seufzer und fügte hinzu: „Aber was wünschen Sie von ß mehr als ein Bruder ist, zur Nordarmee kommt. Wahr» mir?" „ | scheinltch haben Sie sich seinetwegen anwerben lasten. O, „Herr Kapitän, ich habe einen Bruder, Marcel . . 1 ich will Ihre Geschichte nicht misten, bewahren Sie Ihr Ge« „Ihr Bruder heißt Marcel?" fragte Bonaparte im | heimniß! Sie haben mich interessirt, und wenn ich Ihnen mißtrauischen Ton. 8 nützlich sein kann, rechnen Sie auf mich. Suchen Sie de» „Marcel Rens," beeilte sich der hübfche Sergeant zu j jüngeren Robespierre auf und sagen Sie ihm, daß fein ergänzen, indem er die Augen vor dem Jnquisitorblick des I Freund Bonaparte Sie schickt." strengen Artilleriekapitäns senkte. „Mein Bruder ist Arzt — I Damit reichte er dem jungen Sergeanten die Hand, der er ist als Assistenzarzt dem 4. Artillerie-Regiment in Valencia | stg freudig drückte. zugetheilt worden ..." I Napoleon sah Rens nach, die sich ganz strahlend ent- „Meinem Regiment! Bester gesagt, meinem ehemaligen I cernte, unb |e|n Gesicht hellte sich ein wenig auf. R'giment!" L ,, I „Sie lieben sich und sie werden zusammen für das „Ja, Herr Kapitän — und da hoffte ich — als ich i Vaterland kämpfen!" murmelte er neidifch vor sich hin. „Die Ihren Aufenthalt in Paris von einigen Nationalgardisten | Glücklichen!" erfuhr, die ich heute beim Kampf um die Tusierien traf — | ^on Neuem legte sich tiefe Schwermuth über seine darunter war auch der Sergeant Lefebvre, der sre kennt... | gnxne Er setzte sich wieder an den Tisch, ließ den Finger „Der brave Lefebvre, ja, den kenne ich. 3cun was hat | über ble Karten gleiten und betrachtete lange und sinnend Lefebvre Ihnen gesagt?" . , i die Stadt Toulon, diesen wichtigen Punkt des Südens, indem „Daß Sie vielleicht... durch Ihre Protection — durch ö m(t «3ege^erm!g sprach: „O, wenn ich die Engländer eine Verwendung beim Commandanten — bewirken könnten, | könnte! Denn ich würde sie schlagen — da! da!" daß mein Bruder versetzt wird." I fetne g.dernbe Land deutete auf der ausge- ft%t^OnsattertnÜtPttrleflÖbiutomben der in immer ^größere | breiteten Karte einen unbekannten, nur ihm sichtbaren Punkt hüb chen Sergean en abzuwenden , der immer größere dem aus er in Gedanken die englische Flotte zer- Verlegenheit gerieth und in überstürzter Hast fortfuyr. „Ich i sFortsebuna folgt.) möchte nämlich, daß mein Bruder von dem Regiment in | schmetterte. ----—— 8 81 8 J Valencia zur Nordarmee versetzt wird. Da wäre er bei mir I - ich würde ihn nicht aus dem Auge verlieren - wir MeiNSiNNNtzigSS. wären beisammen und wenn er verwundet würde, wäre ich in I » seiner Nähe . . . könnte ihn pflegen, vielleicht retten! O, | Herr Kapitän, thun Sie uns diese große Freude! Wenn | Einmachen der Johannisbeeren in Zucker, wir vereinigt sind, werden wir Sie segnen, Ihnen ewig I Für diesen Zweck wählt man zumeist die rothen großfrüchtige» dankbar sein!" i Sorten. Die Johannisbeeren werden gewaschen, auf einem Bei diesen letzten Worten stockte die Stimme des jungen । Siebe ablaufen lasten und alsdann von den Stielen entfernt. Mannes, ein ersticktes Schluchzen unterbrach sie. I Hierauf gibt man 1 Pfund Beeren und 375 Gramm fei» Bonaparte hatte sich erhoben. Er schritt geradewegs I gestoßenen Meliszucker in eine pastende Kasserolle und W auf den Sergeanten zu und sprach in seinem abgehackten I sie, unter stetem Schütteln, ohne sie umzurühren oder ao Ton! allem, mein Kind, !am ich «der fte Sie, noch ,u!ch-ume», eine Vie-Ielstmde lochen Awa- -bgelah», W für den, den Sie Ihren Bruder nennen, etwas thun. Lefebvre i man sie in Einmachgläser, legt Rumpapier darüber unv v» hätte Ihnen sagen sollen, daß ich keine Anstellung, keinen 8 schließt sie luftdicht. Die Beeren bleiben schön roth und halten Grad besitze — mein Degen ist zerbrochen worden! Meine I sich recht gut zwei Jahre. , ,