! J 1 - - 1 _ ! s. ’i ' > --—- LmUsMMsr roch er wies finster jede Versöhnung ab und meinte, es sei u spät I" „Der Unglückliche! Er hat Recht!" „Hohenthal, was hast Du? Was bedeuten diese Worte? Martere mich nicht länger, sage mir Alles Alles. Ich muß es wtffen. Wo ist Therese?" „Todt!" kam es dumpf von des Barons Lippen u« Wildenstein taumelte mit einem markerschütternden Aufschrei zurück. , , ,Todt, Eduard, es ist nicht möglich!. Der barmherzige Gott im Himmel kann es nicht zugeben!" Dann, als Hohenthal traurig nickte, sank Wildenstein wie gebrochen in den nächsten Sefiel und, das Antlitz nut beiden Händen bedeckend, schluchzte er wie ein Kind. Lange, lange saß er so und vor ihm stand der Freund, der wohl nicht weniger gelitten als er, schweigend, schmerzerstarrt, aber dennoch gefaßt! Sein Blick flog hinaus in die Ferne', wett über die sonnige Mailandschaft zu dem Fleckchen Erde tm fremden Land, wo die geliebte Therese schlummerte, die er nie, nie vergessen konnte l , p _ , , Endlich sanken Graf Rudolf's Hände herab, fafiungslos blickte er auf Hohenthal und stammelte: „Zu fpät — zu spät! Sie ist tobt." (Fortsetzung folgt.) Während der Mahlzeit unter dem jungen Laub hundert« jähriger Eschenbäume, um deren rauhe Stämme sich weiße Rosen schlangen, sprudelte Blackie von Poesie, Humor und lustigen Geschichten. „Books are not meant to be read,“ rief er einmal in paradoxem Eifer, und auf die Frage, was er dazu sagen würde, wenn seine Freunde auch seine Bücher nicht läsen, lachte er: „J hope they dont!“ — Er machte seinem Zorne Luft über den Hochmuth der Oxforder Univer« sität, die engherzig, ewig am Alten haftend, geringschätzend auf die von Edinburg herabsehe, welche jugendfrisch und frei« gebig das Wisien Allen spende, die darnach verlange«. Hierauf gab er die berühmte Geschichte zum Besten von der Bekanntmachung an der Thüre seines Hörsaales über die Wiederaufnahme seiner Vorlesungen („Classes“). Die Studenten wollten ihm einen Streich spielen, und mit Beziehung auf seine wohlbekannte Schwäche fttr’S schöne Geschlecht löschten sie von dem Worte das C aus, so daß es jetzt Laases hieß (der schottische Name für junge Mädchen). Der Professor machte darüber keine Bemerkung. Als aber am folgenden Morgen die Studenten in's Colleg kamen, war von bem Wort auch das L weggewischt, und nun hieß es Asses (Esel)! — Wir sprachen dann von Mackies Freund und Landsmann Carlyle, der eben so düster war, als er selbst frohsinnig. Es sei an den Abenden im Haus am Cheyne Walk, Chelsea, zuweilen kaum auszuhalten gewesen, so Übel- launig und bitter war der arme „große Weise". Nachdem einmal Mehrere des berühmten Kreises, der sich allabendlich um ihn versammelte, sich umsonst bemüht hatten, das Gespräch in friedliche Bahnen zu bringen, wollte er es auch versuche«. Carlyle aber habe jedes Thema abgewiesen und auf jede« Gedanken, jede Meinung einen Widerspruch gewußt. Da sei auch Blackie die Geduld gerissen; und mit einem donnernde« „Carlyle (mit schwerem, schottischem Nachdruck auf der erste« Silbe des Namens), you are the everlasting No!“ (Sie sind die ewige Verneinung, auch eine Bezeichnung des Teufels,) habe er feinen Hut genommen, die Thüre zugeschlagen und sei zum Haus hinaus. Den folgenden Abend aber feien sie so freundschaftlich beisammen gesessen, als wie zuvor. ffint Stimm- an MM« MaMe. Von Carola Blacker. (London.) Freunde zu gelangen. Die Thür ging auf, ernst bewegt standen sie einander gegenüber und drückten sich schweigend die Hände. K „Also endlich kommst Du wieder, Rudolf, ich habe sehnsüchtig auf Dich gewartet — aber nun ist'S zu spät!" „Zu spät!" fuhr der bleiche Mann in die Höhe- „Was soll das heißen? Was willst Du damit sagen?" „Komm' hinein, ich habe viel mit Dir zu reden," fuhr Hohenthal fort und der Graf bemerkte erst jetzt, wie ernst und traurig Hohenthal aussah. „Und es ist besser, zuerst Deine geschäftlichen Angelegenheiten zu ordnen." „Wozu?" fragte Wildenstein schwermüthig. „Ich weiß, wie treu und gewissenhaft Du Alles verwaltet und mein Herz *) Unter „Lunch" versteht man in vornehmen Häusern das zweite Frühstück. ei« Mädchen ihm wohl Alles opfern könne. Und Therese! L ^n hell?r Sonnenst?ahl tauchte die schenke Mädchen, aestalt vor ihm auf; sie war sein bestes Thetl gewesen, all feine Freuden und knabenhaften Leiden mußte sie mit ihm «kleben und that es stets mit liebevollem Antheil. Wie war's ihm möglich gewesen, nachdem sie von ihnen gegangen, weiter zu leben! Er wußte es selbst nicht, nur daß «von da an ein finsterer, verschlossener Mensch geworden, der nichts mehr vom Leben und Lebensgenüsse hielt. Damals war Alles zusammen gekommen; Melanies Treulosigkeit hatte ihm das Herz verbittert, dazu gesellte sich die Eifersucht, daß feine Schwester, sein liebster Kamerad und treuester Freund, einen Anderen mehr lieben könne als ihn, und so grub ftd) Laß und Starrsinn immer tiefer in seine Seele, so tief, daß er sich an des Vaters Todtenbett nicht wiederfand und bie Schwester nochmals von sich stieß! Erst draußen in der schweigenden Wüste Afrikas, in den Stunden grausiger Einsamkeit, war ein Umschwung n ihm vorgegangen; wie welke Blätter fielen Haß, Zorn, Eifersucht und übertriebene Standesoorurtheile von ihm ab; er athmete freier sein Auge war Heller und er murmelte vor sich hin: Ich muß sie wiederfinden — wir können nicht auf ewig ge» trennt sein! Herr Gott im Himmel droben, nimm meine Buße an!" ,,,, , . ., . Nach fünf langen Jahren war er nun endlich heimgekehrt, hoch sein erster Versuch prallte ab an dem Groll des Mannes, bett er einstmals so bitter gehaßt - und das war nur natür« licht Wie konnte Stetten Denjenigen nicht hassen, welcher seine eigene Schwester und Stettens angebetetes Weib von fich gestoßen, ihr namenlos bittere Stunden bereitet hatte. Nein! Mit einem Handstreich fiel die Festung nicht; das war die Buße, daß er immer und immer wieder suchen mußte nach dem verlorenen Weg zum Schwesterherzen l Müde und gebrochen erhob er sich. Der Kellner, welcher später das Frühstück brachte, überreichte ein rosadustendes Billet, welches für den Herrn Grafen abgegeben worden war- Als Wildenstein es geöffnet, kräuselte ein spöttisches Lächeln feine Lippen; es war eine Botschaft von der Fürstin PorScu und lautete: „Mein lieber Herr Gras! Wenn der Berg nicht zu Mohamed kommt, so geht Mohamed zum Berge, also auch ich. Zur Erneuerung unserer Freundschaft bitte ich Sie, einen kleinen Lunch») um ein Uhr bei mir einnehmen zu wollen- Eine Antwort ist unnöthig, denn, nicht wahr, Sie kommen. Melanie." „Sehr verführerisch, schöne Fürstin," murmelte er vor fich hin, „doch muß ich auf dies verheißene Stelldichein verzichten." Er warf rasch einige kühl ablehnende Zeilen an die Fürstin auf ein wappengeschmücktes Billet und übergab es dem Kellner, dann setzte er sich nieder, um den Kaffee einzunehmen; vielleicht verstrich die Zeit dann rascher bis zum Nachmittag. Und endlich war es Zeit, in's Hotel zu Hohenthal zu fahren; der Graf athmete auf, als der Wagen vor dem Gebäude hielt, er mußte sich zusammennehmen, nicht dem meldenden Kellner voran zu stürzen, um so rasch als möglich zu dem 180 w Als Blockte uns verließ, begleitete ich ihn durch den Garten, nicht ohne den Wunsch auszudrücken, ihn auch bei mir zu sehen, was er als etwas Selbstverständliches zusagte. Meine Frage, ob er lieber mit mir allein den Lunch nehmen wolle, oder ob ich ein paar nette junge Damen dazu einladen solle, entschied er mit einem raschen: „With you alone, *y dear!“ (Mit Ihnen allein, meine Liebe.) In der dichten Allee am Ende des Gartens hielt er im Gehen inne, um mit energischer Wärme noch einmal die Thatsache unserer gegenseitigen Zuneigung festzustellen, ehe ich ihm das Pförtchen aufschloß, welches auf die Landstraße führte. Er hatte angefangen zu regnen, ich wollte den Gärtner nach einem Schirm schicken, aber da war er entsetzt. „Ich, ein Schotte, — und ich sollte den Regen fürchten? Ich brauche nie einen Regenschirm!" Und mit erhobenem Haupte marschirte er davon durch den schweren Sommerschauer, wie Einer, der gewöhnt ist, nicht nur diesen, sondern allen Elementen Trotz zu bieten. ♦ ♦ ♦ „Professor John Stuart Blackie," meldete mit gewiffen- haster Deutlichkeit meine Parlourmaid, als ich drei Tage darauf in der Stadt, zu Hause in meinem Wohnzimmer saß. In der offenen Thür, umrahmt von den zurückgehaltenen Por- tioren, stand in malerischer Stellung, die Hand auf einen dicken Knotenstock gestützt, eine prächtige Gestalt, in der unnachahmlich schottischen Weise in einen Plaid gehüllt; ein großer Filzhut saß ein wenig seitwärts auf dem dichten weißen Haar, welches das bartfreie, feine und bestimmt geschnittene Geficht umrahmte und auf einen tief herabgeschlagenen (ungesteiften) weißen Kragen fiel. Erst als ich mich erhoben hatte, um ihm entgegen zu gehen, trat er ein, begrüßte mich in feierlicher Ruhe nach Sitte der „Elisabethi- schen Periode" mit einem leichten Kuß, ließ sich neben mir auf dem Sopha nieder und begann, nach einigen wenigen einleitenden Worten über seine Entstehung, wie das letzte Mal, die Lesung eines Sonettes, das er auf dem Wege zu mir in der unterirdischen Eisenbahn verfaßt hatte. Seine Biographie von Burns, die er mir treu seinem Versprechen zugeschickt hatte, lag auf dem Tisch. „To Carola Biacker, John Stuart Blackie with pure love and true,“ waren die Wid- mungsworte, die er hineingeschrieben hatte. Es war der willkommene Anlaß zu einer Vertiefung in das Lieblingsthema. Auf mein Gestandniß, daß mir die gälische Mundart nicht leicht verständlich sei, ging's nun-an eine philologische Auseinandersetzung, daß die Funken flogen! Was kann nicht der Enthusiasmus aus dem trockensten Gelehrtenstaub machen! Des Profeffors Lebhaftigkeit und Beredtfamkeit waren hinreißend für mich und auch für ihn. Der große Filzhut, £en er zwischen uns auf's Sopha gelegt hatte, war ihm etne trennende Scheidewand und er warf ihn auf den Tisch, um ganz in meine Nähe zu rücken; als er dann so recht von Herzen dem schottischen Nationalgedanken feurigen Ausdruck verlieh, schwang er seinen mächtigen Schäferstock in der Luft, nicht ganz ohne Gefahr für meine Sicherheit, und schloß dann mit der Ballade vom Prince Charlie, deren Schwung und Feuer durch seine achtzigjährige Singstimme keinen Eintrag erlitt. Blackie hatte drei Ideale: Schottland mit seinem Burns, Griechenland mit seinem Homer und Aeschilos (er sagte oft, das alte Griechisch sei eine lebende Sprache) und Deutschland mit seinem Goethe. Sein Vater habe ihm eine gute Erziehung gegeben, daß derselbe ihn aber auf deutsche Universitäten (Göttingen und Berlin) geschickt habe, das sei von Allem das Beste gewesen. „Lesen Sie mein Buch „The wisdom of Goethe“ empfahl er wiederholt, als wir bei Tische saßen, nicht gerade in Uebereinstimmung mit dem Ausbruch über Bücher, den es wenig Tage zuvor gethan hatte, doch vollberechtigt durch den Werth der Arbeit, wie denn auch Blackies Ueberfetzung des ersten Theiles des Faust (den zweiten «klärte er als zu „phantasmagorisch"), noch zu den besten in England gehört. — Ehe unsere kleine Mahlzeit, wo er wenigem den Speisen, als dem alten Sherry zusprach, zu Ende war, schob er den Teller von sich und wendete sich gegen dar bedienende Mädchen: „What is your name?“ — „Ellen, please Sir.“ — „Now then, Ellen, listen; war Sie jetzt hören werden, hat der größte deutsche Dichter, der zu den größten Dichtern der Welt gehört, gesagt. Goethe heißt erl Sie können sich so gut daran erfreuen, als wie Ihre Herrin selbst." Nach dieser im Cathederton gehaltenen Ansprache rückte er seinen Stuhl so, daß er sein Publikum, mich sowohl als die in ehrfurchtsvollem Erstaunen am Servirtisch stehende Parlourmaid, im Auge hatte und declamirte mit einem Schwung, als hätte er ein hundertzähliges Auditorium vor sich, in seiner ganzen Länge das von ihm tn's Englische übersetzte Gedicht Goethes „Dauer im Wechsel". „Hielte diesen frühen Segen Auch nur eine Stunde fest! Aber vollen Blüthenregen Schüttelt schon der laue West." Zuerst war eine tiefe Elegie in seinem Ton, wie nur der sie empfinden kann, dem das Leben und die Welt ein Liebes und ein Schönes sind. Beim letzten Vers aber raffte er sich auf, Zufriedenheit, Beglückung, selige Hoffnung lagen in der Stimme und auf seinen Zügen, hoch erhob er sein Glas und in ewig jungem Optimismus rauschte der Vers: „Laß den Anfang mit dem Ende Sich in Eins zusammenzieh'n! Denke, daß die Gunst der Musen Unvergängliches verheißt . . / Als er geendet und auf mein Wohl sein Glas geleert hatte, richtete er in der ganzen Naivetät seines Dichtergemüthes in feierlichem Ernste an das Mädchen die Frage: „Well, Ellen, wie hat Ihnen das Gedicht gefallen?" — Wohl noch nie hatte ich Weihe und Humor in so eigenthümlicher Mischung empfunden, als wie unter dem Einfluß von Blackies urwüchsig eigenartiger Persönlichkeit. — Als ich, ihm dankend, meine Freude ausdrückte über die frische Jugendlichkeit seines Wesens, sagte er: „Ja, das ist wahr gewesen bis vor wenigen Tagen. Da habe ich in einem Gespräch mit jungen Leuten zum ersten Mal entdeckt, daß ich alt bin, denn zum ersten Mal kam ich mir weise vor!" Dann kam der Abschied, selbstverständlich auf Elisabethische Weise. Blackies Abreise nach Edinburg war auf den folgenden Morgen festgesetzt, und vor einem Jahr sollte er nicht nach London zurückkehren. „Also im nächsten Mai, da sehen wir uns wieder!" sagte ich, als ich ihn die Steintrepps meines Hauses hinab in die Straße geleitete- Er aber sah wehmüthig unter sich: „In meinem Alter, my dear, rechnet man auf keinen kommenden Mai!" und seine Augen wurden feucht. Dann aber richtete er sich plötzlich stramm in die Höhe, schwenkte seinen Hut und dann seinen mächtigen Stock hoch in der Luft und ging elastischen Schrittes, eine schottische Ballade pfeifend, die Straße hinab- — Ich schaute ihm nach, bis er um das sonnige Eck verschwand, ehe ich wieder in das Haus trat. Mir war's, als käme ich von einem Feiertagsausflug in ein Land der unvergänglichen Jugend und Freudigkeit wieder in die Alltäglichkeit zurück. Aeußere Umstände verhinderten ein Wiedersehen; wir blieben jedoch in freundschaftlicher Verbindung durch literarische Zusendungen, die mir von Blackies Thätigkeit Nachricht gaben, sowie von Zeit zu Zeit durch einen seiner lieben, beinahe unleserlichen Briefe. Es war sein Gebrauch, in das Eck de» Umschlages, wo andere Leute den Namen des Absenders setzen, einen griechischen Satz zu schreiben und zwar meistens aus den Episteln des Apostel Paulus. TjpetC ÖS ötpetXopsv su/apiastv tä> Hsw TtavTors itepl öpiaw. „Wir haben Ursache, Gott unablässig zu danken," (Teffalonicher 2, 13) war der letzte, den ich von ihm erhielt. UftadtotttH. E Heyda. -- Druck Md Berkay der Drühl'schen Un»verßtStS-Buch- und Eteindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.