Ein paar Augenblicke schaut Röschen zu, wie die schäumende Milch in die Eimer fließt; dann schreitet sie dem Hause zu, einem alten, hochgiebeligen Bau, hinter Epheu, Rosen und Schlinggewächsen aller Art halb verborgen. „Du liebe«, alte« Haus!" ruft Röschen laut, während ihr Auge auf den von der Sonne goldenblitzenden Fenstern ruht. Ein alter Hühnerhund, der keuchend auf dem heißen Sande liegt, wedelt, als sie vorüberkommt, lebhaft mit dem Schwänze und fchaut mit seinem treuen Auge blinzelnd zu ihr auf. „Da armer Nimrod, Dir ist gewiß recht warm!" spricht sie, indem sie sich zu ihm niederbeugt und liebkosend über sein schwarzlockiges Fell streicht. Nimrod scheint sie zu verstehen; langsam steht er auf, geht auf das Hau» zu und beendet sein Schläfchen unter be.it langen Schatten, den die Giebel über den Rasen werfen. Röschen selbst begibt sich in'» Haus, in das Wohnzimmer, ein niedriges Gemach mit getäfeltem Fußboden, voll alter, halb vergilbter Möbel. Die Fenster sind weit geöffnet und auf den Tischen und Schränken stehen allerhand antike, werthvolle Gefäße von Thon und Porzellan, gefüllt mit köstlich duftenden Rosen. „Achtzehn junge Hühnchen sind heute ausgekrochen! Ist das nicht nett, Lucy?" ruft sie mit heller Stimme. Lucy, Röschens Schwester, hat wie diese blaue Augen und hellbraunes Haar; doch während die Eine kräftig und gesund ist, muß die Andere ihr ganze» Leben aus dem Sopha verbringen, eingehüllt in Kiffen und Decken. Ihr Gesicht ist bleich und zart, aber der Ausdruck von Frieden und Geduld verleihen den traurigen Augen und dem noch traurigeren Munde einen besonderen Reiz. „Es ist tüchtig heiß!" seufzt Röschen, indem sie ihren Hut auf den nächsten Stuhl wirft. „Ich bin aber überall gewesen: im Hof, im Garten, in den Ställen — überall! E» ist heute ein köstlicher Tag! Du kannst Dir gar nicht denken, Lucy, wie schön e« ist!" Der Schwester Augen schweiften sinnend durch da» weit geöffnete Fenster nach der Wiese, wohin die Sonne ihre schrägen Strahlen wirft, und dann weiter nach den purpurnen Spitzen der fernen Berge. Einst war auch sie kräftig und gesund; aber nie kann sie wieder die Freuds eine» freien Ente sehr zu 8rpel können cacht werden, ilo erreichen, ohlschmeckend, allzu leichte Gewerben re. steißel, Säbel m man durch rnn, weshalb sich ist. Ein : Mittheilung rd Lüders in ;t ein Pfund Kampfer zu; nden Schaum eine stählerne »estreicht man ltig gereinigt tunben liegen, der abwischt, hrere Monate itlich in den cht untauglich, ; Fleischsäcken, im Sommer glichen Fliegen werden, um »usgeschnittene aus größeren ber — wenn n zum Schutze die Appretur s übereinander man natürlich le dafür nicht m Milben zu in welchen es cnbäumen, die an die frische ge muß man hl leidet dabei .maliges (6.) Heft les Bienenstm tes, ttgen aus gestattete misch es Feuilleton mburger Werften, .cht und eine illu- r. Nicht minder i und nachstehende srmaschine, Zelleneßzüge, electrische und Abbildungen entsprechen allen ssenschaftliche Zeiten immer wieder ioff und die ent- rß. Die Leistung zukommende An- Mrrhaltungsblatt zum Mrßrner Anzeiger (Ornrral-Aiyeiger). snMskMstsi' x ..... V-t. f -- 'V, WQtx ? - - ... Der rechte Erbe. Novelle von A. Nikola. ------- (Nachdruck verboten.) I. Cs ist ein warmer Juni-Nachmittag. Der Gutshof liegt in Hellem Sonnenschein. Neugierig gucken die goldenen Strohs ime und Heuschober über die Mauer nach den fetten Schweinen, den wohlgenährten Hennen und den flaumigen Küchlein hin. Die Kühe und Kälber schauen mit ihren braunen schläfrigen Augen behaglich um sich; das Blöken und Grunzen, das Girren und Krähen, all' die ländlichen Laute paffen herrlich zu dem warmen Sommerwetter und den noch ungemähten Wiesen voll Klee und Butterblumen. Inmitten auf dem Gutrhof steht Röschen Lorring, die Herrin und Eigenthümerin von dreihundert Acker Lande» in der Runde. Sie streut den jungen Hühnern, welche sich in großer Menge zu ihren Füßen fchaaren, ihr Futter hin. Sie ist groß und schlank und au» dem von der Sonne gebräunten hübschen Gesicht schauen ein Paar liebe veilchenblaue Augen heraus. Welch' allerliebstes Bild: die junge Maid in dem leichten Sommergewand, dem großen Stro'zhut mit blauem Bande und dem Korb am Arm, aus dem sie die Hühner füttert! Dies junge edle Gesicht kennt noch keine Sorge; aus diesen sanften Augen mit den langen Wimpern schaut nur froher Sinn heraus. Der Herrin von Lorringrhöhe ist das Leben noch leicht und süß; sie ist voll Kraft, Gesundheit und guten Muths und Alles scheint zu gedeihen, was ihre Hand berührt. Ein Flug weißer Tauben wetteifert mit den Küchlein um den gequetschten Mais. Nachdem Röschen ihnen die letzten Körner au« ihrem Korbe hingestreut, stattet sie den Kälbern einen Besuch ab und streichelt deren weiche Nasen mit ihrer kleinen braunen Hand. Die schon im Untergehen begriffene Sonne scheint ihr voll in die dunkelblauen Augen, als sie den Hof und die Tauben, die sie girrend umflattern, verläßt und langsamen Schrittes nach den duftenden Wiesen wandert, wo die Kühe, bi» an die Kniee im hohen Grase, gemolken werden. 116 thätigen Lebens genießen. „Gehen wird sie niemals wieder," lautete vor fünf Jahren der ärztliche Ausspruch. Seitdem ist der traurige Ausdruck nicht von ihrem Gesicht gewichen und wird nicht eher schwinden, bis der Tod die tiefen Sorgenfalten glättet. Lucys Stuhl wird in das Speisezimmer gerollt, wo dicht am offenen Fenster das Abendeffen ihrer harrt. Große Sträuße herrlicher Rosen schmücken den Tisch, denn Röschen trägt stets Sorge, daß der Schwester Auge nicht die Blumen vermißt, welche die Jahreszeit mit sich bringt- Die frische Butter ist daheim bereitet, ebenso das schwarze Brod; der goldene Honig kommt von den Bienenstöcken aus Röschens Garten und die frischen Eier ans dem Hühnerhof. Röschen läßt sich von diesem Allen schmecken mit dem guten Appetit, den ihr Leben in der freien Luft mit sich bringt. Wie reizend schaut sie aus in dem lichten weißen Kleis, das nur eine ein« zige dunkelrothe Rose schmückt! Eine Weile ruht der Schwester Blick voll Wohlgefallen auf den lieben Zügen. „Bist Du auch ganz zufrieden hier?" frug sie alsdann und feufzte leise- „Zufrieden?" ruft Röschen und schaut verwundert drein. „Nein, glücklich bin ich, völlig glücklich! Was fehlte mir auch | wobl? Bin ich nicht meine eigene Herrin und geht nicht Alles | gut? Ich glaube fast," setzte ste mit einem Blick nach dem friedlichen Bilds draußen hinzu, „viele Leute könnten mich um mein Glück beneiden." Lächelnd schaut die Schwester in Röschens von Eifer leicht geröthetes Gesicht. „Hegst Du niemals einen Wunsch nach mehr — nach irgend etwas außerhalb der vier Mauern von Lorringshöhs? Denkst Du nie daran, Dich zu verheirathen?" „Heirathen!" ruft Röschen mit lachendem Auge- „Aber liebste Lucy, das wäre das Letzte, woran ich je dächte! Um eine» Mannes willen sollte ich mein liebes altes Heim ver» lassen — wo denkst Du hin?" „Vielleicht bräuchtest Du es aber nicht zu verlassen." „So käme er hierher? — Das wäre noch schlimmer! Er wollte dann Herr hier sein! — Rein, da» ertrüg' ich nicht! Und," fährt sie lächelnd und erröthend fort, „wie würde es Dir gefallen, wenn eine Schaar Kinder Alles hier im Hause zerbräche?" „Deine Kinder würde ich lieben," entgegnet Lucy weich. „Welch' thörichtes Geschwätz! Ich habe nicht Zeit, an derlei Dinge zu denken. Meinst Du, es würde Dir Vergnügen machen und Dich unterhalten, so können wir ja ein Kind annehmen. Doch nach einem Manne zu suchen, kann ich Dir nicht versprechen." „Wart', bi» einer kommt, dann wirst Du anderer Mei- MU«8 sein." „Ich glaube wirklich, dort kommt der erste Freier schon," rüst Röschen lachend. „Doctor Sinklar mit einem fremden, jungen Mann. Wer mag er sein?" Die Nähe eines Fremden ängstigt Lucy; bleich und erschrocken schaut sie drein, al« Doctor Sinklar zwei Minuten später in da« Zimmer tritt. Lebhaft kommt Röschen ihm entgegen und reicht dem alten Herrn die Hand; seit sie auf Lorringshöhe Herrin ward, ist er ihr Freund, Rathgeber und Geschäftsführer gewesen. „Mein Freund, Herr Walcker," stellte er den Fremden vor- „Ich nahm mir die Freiheit, ihn ungebeten mit hierher zu bringen." Sich zu Röschen wendend, setzt er leise hinzu: „Ein junger Mann, der mir bei meiner Arbeit hilft." Doch Röschen wundert sich, daß er dies so seltsam ernst und zögernd sagt. „Sie essen doch ein Butterbrod und trinken einen Schluck stische Milch mit un«?" fragt sie und eilt geschäftig, allerhand Leckeres mehr zu bringen. Dis ganze Zeit hindurch schaut ihr alter Freund unter seinen dichten Brauen forschend nach ihr hin; auch des Fremden Auge folgte ihr. Und ist das zu verwundern? Ist sie in ihrer Anmuth nicht reizend anzuschauen? Herr Walcker mit dem wohlwollenden Gesicht und den offenen grauen Augen ist^ein hübscher Mann- Er weiß durch sein Wesen, sein Lächeln so anzuziehen, daß Röschen bald mit ihm plaudert, als hätte sie ihn ihr Leben laug gekannt. Er scheint gern von Lorringshöhe, von Oeconomie und Allem, was für sie Interesse hat, zu reden. Endlich, nach dem Abendbrod, bittet er, ob sie ihm wohl den Garten und die Felder, Hof und Ställe zeigen wolle. Mit Freuden ist Röschen dazu bereit. • Sie wandern über die vom Abendthau schon feuchten Wiesen — Röschen mit dem Fremden; den grauen Kopf gebeugt, folgt Doctor Sinklar ihnen Über die Felder, durch den altmodisch angelegten Garten, in welchem es so köstlich nach den hunderterlei Blumen duftet, nach dem Gutshof, wo das Federvieh schläft, und von da weiter die kleine Anhöhe hinauf, welche einen so schönen Blick auf Lorringshöhe gewährt, wie es da im Dämmerlichte liegt, während sich langsam und allmälig die abendlichen grauen Schatten darüber breiten. „Haben Sie die beiden Fersen verkauft, Röschen?" fragt Doctor Sinklar, während der Fremde sinnend den im Dunkeln noch weidenden Schafen zufchaut. „Roch nicht; Montag kommen sie auf den Markt." „Was ist das — Fersen?" fragt der Fremde schnell. Da erklingt Röschens glockenhelles Lachen. „Hören Sie, Doctor Sinklar?" spricht sie munter, „y Herr Walcker, ich fürchte, es ist vergebliche Mühe, Ihnen da» Gut zu zeigen." „Richt doch; wenn ich auch nichts davon verstehe, so will ich doch gern lernen," entgegnete er lächelnd. Als sie unter Plaudern und Lachen heimkehren Über die Felder, zeigt Röschen auf einen silbernen Streifen, der durch dis Bäume schimmert. „Unser Fluß dort," bemerkt sie, „ist er nicht hübsch? Er bewässert unser Wiesenland." Der Fremde blickt von dem Fluß zu des Mädchens ernstem Gesicht, „Wie Sie Lorringshöhe lieben müssen!" spricht er weich. Röschen versetzt mit leicht erregter Stimme: „Ja, ich liebe es sehr. Lorringshöhe ist mein Heim, mein Freund, mein Ein und Alles!" „Und wenn See es verlassen sollten?" fragt er weiter- „Lorringshöhe verlassen?- — Richt eher werde ich es verlassen, als bis man mich nach dem alten Friedhof drüben trägt." „Sagen Sie das nicht!" versetzte er schnell. „Aufrichtig wünsche ich Ihnen, daß es nie dazu kommen möge; aber es wäre doch vielleicht gut, sich mit der Möglichkeit vertraut zu machen." „Sie machen es ja gerade wie meine Schwester Lucy; sie sagte mir schon dasselbe und war verwundert, daß ich mich nicht umschauen mag nach einem Mann." Bei den letzten Worten blickt e» wie munterer Spott aus ihren blauen Augen. „Wie glücklich machte es mich, wenn Sie verheirathet wären, Röschen," wirft Doctor Sinklar mit einem Ernst ein, der schlecht am Platze scheint- „Weshalb?" fragte diese, mit lächelndem Gesicht sich zu ihm wendend. Alle Drei lehnten gegen die Umzäunung eines Kornfeldes. Ein sanfter Windhauch streicht über da« Getreide hin. Mehrere Secunden lang spricht Keiner. Röschen erwartet eine Antwort auf ihre Frage. Herr Walcker blickt, den Arm auf das Gitter gestützt, in die dunklen Schatten der hereinbrechenden Abends. Doctor Sinklar thut ein paar Schritte und kehrt zurück. Röschen wartet noch immer; aber ihre Augen sind ernst geworden, und ihre Lippen lächeln nur noch gezwungen. „Wollen Sie es ihr nicht sagen?" dringt e« gepreßt von des Fremden Munde. „Kind, wie soll ich^es Ihnen sagen?" spricht Doctor Einklar, Röschen« Hand erfassend, mit halb erstickter ©ttaM „»ernt ick Ihnen Ku Jetzt aber ihre schlimme 8 habe ich 9 Der schöne Sill Haus mit jungen Mi folgt ist. „Sas „Kinl Seufzer, , nicht heut« Lorringrhi Herrin bei Einer Gesicht, dc „Lor: - Ich - Rachi Herrn leid Vaters äli gehalten, Sohn hir Vaterland, rings auf Wähl die Angele chens Gesi nicht zu ' Glück mit „Arn „Arme S< nichts, gar „Nur Thaler u über ihre „®oi Röschen si Am bester Da t stolzes, kn er sich in Vetters fei Lorringrhi pachten!" „Son leben I — lachend, dc wie zum und Sorge ein unterv „Arn Für sie ist kann arbei bräunten l „Lucr »Ich sagte waren — ”D 91 Sie, lasse: traurigen gewendet, enthüllung „Es 1 „und wem möchte ich von hier x „O n Röschen le; Er weiß durch scheu bald mit i gekannt. 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Jetzt ist das Lächeln ganz von ihren Zügen geschwunden; aber ihre Stimme zittert nicht, als sie erwidert: „Welch' schlimme Botschaft könnten Sie mir bringen? Außer Lucy habe ich Niemand in der weiten Welt." Der alte Herr schaut um stch auf das ruhige, ländlichschöne Bild, auf die schlummernde Welt, auf bas alte Wohnhaus mit den erleuchteten Fenstern; dann wendet er stch dem jungen Mädchen zu, das ihm mit aufmerksamem Blick gefolgt ist. „Sagen Sie mir das Schlimmste," spricht sie ruhig. „Kind," entgegnet der alte Herr mit einem schweren Seufzer, „einmal muß es ja doch gesagt sein — warum dann nicht heute so gut wie morgen? Der rechtmäßige Besitzer von Lorringrhöhe ist aufgetaucht — nicht länger mehr sind Sie Herrin des Gutes." Einen Moment ergießt sich dunkle Röthe über Röschens Gesicht, doch in der nächsten Minute ist sie todienbleich. „Lorringshöhe nicht meinl — Dec rechtmäßige Besitzer, — Ich ... ich verstehe nicht!" Nachdem das Schlimmste gesagt ist, wird es dem alten Herrn leichter, Näheres zu erklären. Er erzählt, daß ihres Vaters älterer Bruder, den man schon seit Jahren für tobt gehalten, erst kürzlich in Australien gestorben sei und einen Sohn hinterlassen habe. Dieser sei jetzt heimgekehrt in das Vaterland, um auf sein Eigenthum, das alte Heim der Lor- rings auf Lorringshöhe, Anspruch zu machen. Während der alte erfahrene Jurist sich ausführlich über die Angelegenheit ergeht, ist der bestürzte Ausdruck auf Röschens Gesicht ganz traurig anzuschauen. Noch vermag sie nicht zu fassen, daß ihr Heim, ihr Vermögen, ihr ganzes Glück mit einem Schlage verloren sein soll. „Arme Lucy!" murmelt sie endlich mit bebenden Lippen. „Arme Schwester, da» ist hart für Dich. — Bleibt uns nichts, gar nichts?" „Nur das Erbtheil Ihrer Mutter — fünfzehntausend Thaler ungefähr," antwortete der alte Herr, verwundert über ihre Ruhe. „Das wären siebenhundert Thaler jährlich," spricht Röschen sinnend; „nun, dabei kann man nicht verhungern. Am besten ist's wohl dann, wir gingen gleich." Da richtet Herr Walcker stch auf und blickt in Röschens stolzes, kummervolles Antlitz. „Ich bin überzeugt," mischt er sich in die Unterhaltung, „daß dies nicht im Sinne Ihres Veiters sein würde. Vielleicht beabsichtigt er gar nicht, auf Lorringrhöhe zu wohnen. Sie könnten das Gut ja von ihm pachten!" „Lorringshöhe pachten - und von siebenhundert Thalern leben! -- Das möchte wohl nicht gehen," erwidert Röschen lachend, doch durch das Lachen dringen Thränen. Und plötzlich, wie zum Bewußtsein kommend, welches Leben voll Kampf und Sorge ihrer in Zukunft harrt, entringt sich ihren Lippen ein unterdrücktes Schluchzen. »Arme Lucy! was wird sie zu diesem Wechsel sagen? Für sie ist es weit schlimmer, als für mich; ich wenigstens kann arbeiten," fügte sie mit einem Blick auf ihre sonnge- bräunten Hände hinzu. 0 „Lucy weiß er bereits," erwiderte Doctor Sinklar sanft. „Ich sagte er ihr an jenem Abend, als Sie ausgeganaen waren — erinnern Sie sich?" ». ; - daher also ihr heftiges Kopfweh! Kommen 7^' /affen Sie uns zu ihr gehen," spricht Röschen, den le^lgen Blick mit trübem Lächeln zu dem jungen Mann ; £ "Es ist wenig interessant für Sie, diese Familien- Enthüllung mit anzuhören. »®£ thut mir um Ihretwillen leid", versetzt er ruhig; mlr erlauben, meine Meinung abzugeben, so möchte ich Ihnen rathen, Ihren Vetter zu sehen, bevor Sie von hier gehen. ,ll,VnUnie mag ich ihn sehen, nie sprechen!" ruft Röschen leidenschaftlich. „Er kann ja nichts dafür. Warum aber blieb er all' die Jahre fern und ließ «ich erst jeden Baum, jede Blume, jeden Stein, jedes Thier in meinem lieben, lieben alten Heime liebgewinnen?" Und als schäme sie sich dieser Regung, eilt sie schnell davon durch die abendlichen Schatten; schweigend folgen ihr die beiden Männer. II. Nach einer stillen Nacht bricht ein neuer Tag hell und glänzend an. Die Welt ist wieder wach. Nur Röschen hat nicht geschlafen; während der langen dunklen Stunden haben ihre Hellen Augen sich nicht ein einziges Mal geschlossen. Sk hat beobachtet, wie am frühen Morgen die Sonne aufstieg und die Welt mit ihrem ersten warmen Kusse wachrief. Jetzt tritt sie mit bleichen Wangen und müden Augen in den alten lieben Garten, wo die Rosen so köstlich blühen und ihre zarten Knospen her Morgensonne erschließen. Mit welch traurigem Blick schaut sie ringsum. Ihr gehört nichts mehr von all' dem Reichthum, der sie umgibt; sie hat kein Recht mehr an all' den Blumen, die ihr so bunt entgegenstrahlen, an den rothen Beeren, die so verlockend unter den frischgrünen Blättern hervorlugen! Gestern noch dachte sie, wie sie vorsorgen, und für den Winter Obst und Gemüse aufbewahren wollte — und heute hat sie selbst auf den Stengel Reseda kein Recht, den sie im Vorübergehen achtlos gepflückt hat. „Wie soll ich es ertragen?" ringt es sich mit tiefem Seufzer aus ihrer Brust. Mit thränenfeuchtem Auge schaut sie den Bienen zu, wie sie geschäftig von Blume zu Blum« fliegen. Sie werden nicht aus ihrem Heim verwiesen! Es liegt ihr heute Morgen noch eine schwere Aufgabe ob: den alten Dienern und Angestellten, die mit wahrer Verehrung an ihrer jungen Herrin hängen, die traurige Neuigkeit mitzutheilen- Wie immer folgt sie ihren gewohnten Pflichten — doch heute mit bleichen Wangen und schwerem Herzen. Al» Herr Walcker mit einem. Briefchen von Doctor Sinklar kommt, findet er die entthronte Herrin von Lorringshöhe in der Milchkammer zwischen Töpfen und Schüsseln voll gelblicher Milch und goldgelber Butter. „Ich betrachte meine verlorenen Schätze," begrüßte sie ihn und reichte ihm mit trübem Lächeln die Hand. „Es ist hart, an diesem Allen hier fein Recht mehr zu haben." Einen Moment ruht des Gastes Blick fest auf ihr, und die Rölhe steigt ihm in die Stirn. „Darf ich fragen, was Sie zu thun gedenken?" hebt er nach kurzem Schweigen an. „Wir gehen nach Wallstadt," entgegnet sie und blickt mit offenem Auge zu ihm auf; „dort hoffe ich irgend welche Beschäftigung zu bekommen. Meine Schwester kann ich natürlich nicht verlassen; sie wäre auch zu unglücklich ohne mich." „Ich gehe auch nach Wallstadt." „Sie auch? Ich glaubte, Sie blieben bei Doctor Sinklar?" entgegnete Röschen ruhig. Doch im Stillen freut sie sich, daß sie in der fremden Stadt wenigstens eine befreundete Seele bisweilen sehen wird. „Ich bin nur für kurze Zeit bei Doctor Sinklar; ich gedenke sehr bald, vielleicht schon in nächster Woche, nach Wallstadt zurückzukebren." „Ich habe gestern bereits wegen einer Wohnung geschrieben," erzählt Röschen und plauderte weiter von ihren Plänen; das unverkennbare Interesse, das der junge Mann zeigt, ist ihr ein großer Trost. Am Abend kommt Doctor Sinklar mit einem Vorschlag von Humbert Lorring, ob die Damen nicht auf Lorringshöhe bleiben wollen, so lange es ihnen behagt. Röschens Wangen färbten stch dunkelroth. „Wie geduldet aus Barmherzigkeit sollen wir hier bleiben!" ruft sie in stolzem Tone; dann plötzlich verläßt sie oas Zimmer. Während Doctor Sinklar sich zu Lucy wendet, ist Wal- ckers Blick mit tiefernstem Ausdruck fest auf die offene Thür gerichtet, durch welche Röschen verschwunden ist. - 128 Veviimchtes j Infolgedessen ist bei den Wespen die Jndividuenzahl im Früh, I jahr sehr gering und wächst erst gegen den Herbst hin, weshalb Wie ich I wir auch zu Anfang des Sommers noch ruhig im Garten leben, sterben im Spätherbsts alle Arbeiter und Männchen ab, und es überwintern nur die Weibchen im Zustande de» WinLerleken der Insekten. Von vr. HanS Fröhlich. „Wenn Ihre Schwester doch vernünftig fein wollte," Tßbßtt IiChC * „Röschen ist stolz," erwiderte Lucy, indem sie mit feuch, fÄ iUTÄMÄS« M 3 I »«•&»«,6.-I« IWa« 6.w ,u «. j* a«» *” „14.,'/ gsnc,n£ Sinklar und seine Stimme klingt um so rauher, I Winter. In ihrem Baue befinden sich während der kalten ie mehr sein Herz für Röschen mitfühlt, die bis heute noch I Jahreszeit Weibchen, Arbeiter, und oft auch Eier und Larven, keine Sorge kannte. Walcker, nicht im Stande, mit anzusehen, I aber keine Männchen, da Neje^SomEgelchnach dem mie beide Thränen des Kummers über Lucy» bleiche Wangen 1 Hochzeitsausfluge sterben. A/s Nahrung suchen sich jene nun ent berabstießen? steht auf und verläßt das Zimmer. Draußen I weder alle möglichen thierifchen Abfälle oder sie leben aus im Kar en sindet er Röschen hingefunken auf eine Bank, und Kosten ihrer Gäste, der sogenannten Ameifenfreunde. Zu das Gesicht in den Händen verborgen, weinend, als wolle das I diesen gehören namentlich die Blattläuse, welche^ gewaltsam Herz ihr brechen. Stumm betrachtet er sie eine kleine Weile; I herbeigeschleppt werden, und dann als „Melkkühe bet ihnen £SBnS4ra,ti * “* 1 Wie Sie Ihren Vetter hassen müssen!" ist Alles, was I Ausspritzen einer Flüssigkeit zu bewegen, die sie dann be« er sagt. Röschen schaut, noch schluchzend, mit thränenfeuchten I gierig auflecken. Auch einigekleine! gelbbraune Käferchen ms°°'®‘Wn”8 b“w'“1«e“S8”äe" ’«**' L ®Sü‘wn Sä 8*it ,O nein," erwidert sie mit noch bebender Stimme, „ich zu saugen Treten sehr kalte Tage ein , dann drängen sich hasse ihn nicht; ich dachte nur daran, daß wir Lorringshöhe I alle Bewohner des Staates zu einem dichten Ballen zusammen verlassen müssen. Ich werde den Muth nicht sinken lassen; I unö verfallen *n Erstarrung^ Aber sobald es Wieder etwa, ich bin heute nur müve und erschöpft." I milder wird, erscheinen die Ameisen in Haus und Herde all Walcker tritt noch einen Schritt näher an sie heran. beunruhigende Gesellen. tbun Sie ^tbrem Vetter unrecht; thäten I Run gibt e» noch mehrere Arten von Insekten, rvelcht Ä«AW«.«A-3- » SÄ ÄÄ « feS m->. ÄÄ Ä&Ä'Ä Nielleickt" fäbtt sie durch ihre Thränen I Schneedecke zu ihren Spaziergängen wählen und mit ihren TSAdnh1^?' wenn wir Sie später in Wallstadt treffea, I langen Beinen gravitätisch über die von der Sonne beschienenen stehe!!Sie mir "bisweilen mit gutem Rathe bei. ^abe | eifi9en ©efxlbe freiten, lapfeln man<5e, wie her ©letzet« bisher doch stets nur auf dem Lande gelebt; ich spüre ein I flafi (Boreus hiemalta)> mafrenbbl wen g Furcht vor diesem neuen Leben in der Stadt." I M als Larven ein, führen also ein^bm*Mife, we.ch So ,p?-4« Md ft- zusammen >6« W«, 16« A-Km ’Ä’S Äta U ^Wenn Sie eines Freundes bedürfen," spricht er beim I Leben und Weben der niedersten Thierwelt dar. An düsteren, 9iMA?Ph ?n kämmen Sie tu mir." I eisigen Tagen zwar scheint alles todt und erstarrt, aber wenn Rö'scklen blickt offenen Auges zu ihm auf und entgegnet I der Sonne glitzernde Strahlen auch nur für einige Stunden einsack Gern" (Schluß folgt?) Eis und Schnee siegreich durchdringen, dann regt und belebt einfa^. »Gern. i m b 1 s J | e# drinnen und draußen, ein sichtbares Zeichen der steten Gewißheit des kommenden Frühlings! (Schluß.) I ------- Sehr interessant ist das winterliche Thun und Treiben Stückes d^^^Kritcker-' Mch ein^Nochausgang^^"^ aller geselligen und nestbauenden Insekten, welche entweder des Stückes? - Kritiker^ „Auch ein Rolyausgang. direkt ihre Jungen aufziehen und wie die Vögel füttern, oder | mrrtt*rkre, ^bre mraut in ;a ejn für sie das Futter eintragen und aufspeichern. Einen größeren ®T ' Z Staatsvavier Schutz gegen die Kälte haben diese Thierchen schon durch ihre Staatsmädel! - „Ja, und noch dazu ein Staatspapier Anhäufung, wodurch sie sich gleichsam gegenseitig erwärmen. I maoeri e e Er ist nun selbstverständlich, daß diejenigen Arten, welche I «um*» n Ä ihre Jungen mitBlüthenstaub oder mit anderen Insekten selbst I Sonderbare Richtigstellung. Kunde. „Aber, ausziehen , somit beständig aus dem Reste ausfliegen und lieber Meister, da sehen Sie nur : die Sohlen sind schon Futter einsammeln müssen, dieses nicht im Winter thun können, ganz zerrissen, während das Oberleder noch ganz gut ist. - Darum fällt deren Entwickelungsperiode stets in die warme | Meister (ruhig): „Hm, da waren die Sohlen nicht schlech, Jahreszeit. Soll ein solches Staatswesen den Winter über- | mein Lieber, sondern das Oberleder war zu gut. dauern, so haben die vollkommenen Thiere für sich selbst genug l * • * , zu sorgen und müssen größere Mengen von Honig aufspeichern, I Etwas Anderes. A.: „Ist Dein 'schwiegervats um im Winter davon leben zu können. Deshalb erhält sich | ehrgeizig? — B.: „Ehr geizig!" in unseren Gegenden nur die Honigbiene, von den übrigen I * * * Arten aber gehen alle vollkommenen Thiere zu Grunde. Beil Rur Geduld. Erste Köchin (ihre Freundin besuchend): den Wespen, welche kein Futter für die kalte Jahreszeit ein« | „Was? Deine sämmtlichen Teller sind noch ganz?^- tragen, sondern mit sorglosem Sinne nur stets der Gegenwart ' Zweite Köchin: „Ja, — ich warte noch Weihnachten ab." Redaktion: Ä. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Dießen.